Mein Wort zum Sonntag – 27. September 2020

Lesedauer: etwa 15 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Na, hast du die letzten zwei Wochen ohne „Wort zum Sonntag“ gut überstanden? Für mich jedenfalls war es eine große Erleichterung. Bei diesem Beitrag handelt es sich zwar größtenteils nur um eine Zusammenfassung der Nachrichten, die ich sowieso auf meiner Seite poste, aber trotzdem nimmt es eine Menge Zeit in Anspruch, die ich gerade dringend auch für andere Dinge brauche. Mit der 14-tägigen Regelung fahre ich deshalb denke ich ganz gut, und auch mit der Fülle der Meldungen hat es in dieser Zeit nicht so stark überhandgenommen. Trotzdem schon einmal die Ankündigung: Wenn es in einer Woche einmal sensationelle Meldungen hageln sollte, kann auch ein „Wort zum Sonntag“ einmal dazwischengeschoben werden. Ansonsten kannst du natürlich auch meine Facebook-Seite „Die weißen Steine“ abonnieren – so bleibst du auch immer auf dem Laufenden!


Bild der Woche

Der Herbst ist da, die Zeit der Waldspaziergänge unter herrlich buntem Blätterdach. Die Figuren in meiner Geschichte können das jedoch nicht so entspannt genießen: denn in Hell Creek sind sie nicht die einzigen Spaziergänger…

 

Das Bild stammt von Sergey Edelshtein

 

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Elfen, Satryn, Nixen und andere, anatomisch korrekt?

Philadelphia, in den späten 1870er Jahren. Eine Stadt mit Gaslampen, Kopfsteinpflasterstraßen und Pferdekutschen – und Heimat des umstrittenen Chirurgen Dr. Spencer Black. Der Sohn eines Grabräubers, der junge Dr. Black, studiert an der angesehenen Akademie der Medizin in Philadelphia, wo er eine unkonventionelle Hypothese entwickelt: Was wäre, wenn die berühmtesten mythologischen Bestien der Welt – Meerjungfrauen, Minotauren und Satyrn – tatsächlich die evolutionären Vorfahren der Menschheit wären?

 

The Resurrectionist bietet zwei außergewöhnliche Bücher in einem. Die erste ist eine fiktive Biografie von Dr. Spencer Black aus einer Kindheit, in der er Leichen während seiner medizinischen Ausbildung exhumierte. Es erzählt von seinen Reisen mit Schaustellern und dem mysteriösen Verschwinden am Ende seines Lebens. Das zweite Buch ist Blacks Magnum Opus: The Codex Extinct Animalia, eine Gray-Anatomie für mythologische Bestien – Drachen, Zentauren, Pegasus, Cerberus -, die alle in akribisch detaillierten anatomischen Abbildungen wiedergegeben sind. Die Bilder zeigen detailliert das Werk eines Besessenen.

 

The Resurrectionist: The Lost Work of Dr. Spencer Black (English Edition) ist ein üppig ausgestattetes Buch zum Schmökern und Staunen. Das fast DIN A4 große Format lässt die liebevollen und detaillierten Zeichnungen richtig zur Geltung kommen. Für Liebhaber von skurrilen Einfällen, Verrücktheiten und intelligenter Spinnerei.

 

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Paläo-News

Nun aber endlich weiter mit den Paläo-News, jetzt und auch in Zukunft immer aus zwei Wochen:


Bernsteinfossilien aus der Kreidezeit zeigen Begattungsorgane von Mini-Krebsen!

Ostracoden sind winzige Krebstiere, die äußerlich etwas an Muscheln erinnern. Die meisten sind nur zwischen 0,5 und 2mm groß und daher für das menschliche Auge nur schwer zu entdecken. Interessanterweise sind sie aber gerade wegen ihrer geringen Größe hin und wieder als Bernsteinfossil erhalten geblieben: flüssiges Baumharz tropfte auf die Tierchen herab, schloss sie ein und versteinerte im Laufe der Zeit. Wie in einem gläsernen Gefängnis blieben die Krebse über Jahrmillionen erhalten.

Bildquelle: Nanjing Institute of Geology and Palaeontology of the Chinese Academy of Sciences

Ein Krebs-Weibchen in der Kreidezeit traf dieses Schicksal offenbar in einem besonders unangenehmen Moment: kurz nach der Paarung. Ein neuentdecktes, 100 Millionen Jahre altes Bernsteinfossil aus Myanmar gab chinesischen Forschern der Chinese Academy of Sciences nun neue „Einblicke“ in das Paarungsverhalten dieser Tiere, da ihr Weichgewebe vollständig konserviert wurde. Auch das Sperma der männlichen Tiere – die Samenzellen im Vergleich zu den Tieren selbst gigantisch groß! – blieb erhalten und ist somit das älteste fossil überlieferte Krebssperma der Welt. Was für ein Rekord!

 

Link zur Studie


T. rex „Stan“ steht zum Verkauf!

Er ist eines der vollständigste und bekanntesten Tyrannosaurus-Exemplare überhaupt: BHI 3033, oder auch „Stan“, wie sein Spitzname lautet. Und wer in seinem Schlafzimmer noch 11,8m an seiner langen Wand Platz für 199 Knochen machen kann, der darf in Zukunft im Schatten dieses Giganten schlafen: das renommierte amerikanische Auktionshaus Christie’s bietet Stan demnächst zum Verkauf!

 


1987 wurde das Fossil vom Knochenjäger Stan Sacrison in South Dakota gefunden. Seit dieser Zeit wurden mehrere Abgüsse von ihm angefertigt, die in zahlreichen Museen auf der ganzen Welt zu sehen sind. Das Original stand jahrelang im Black Hills Institute for Geological Research.

Da Neil Larson, der zusammen mit seinem Bruder Peter Hauptanteilseigner des Instituts ist, sich von diesem 2018 zurückzog, müssen die Bestände des Instituts nun auf richterliche Anordnung hin aufgelöst werden, weshalb Stan nun zum Verkauf steht. „Stan“ ist außerdem eine Marke: wer den Dinosaurier erwirbt, erwirbt auch alle Merchandising-Rechte.

 

Bildquelle und Link zur Auktion

 

 


Schädelscan gibt neue Erkenntnisse über die Fähigkeiten und das Verhalten von Triceratops


Triceratops gehört wohl zu den bekanntesten Dinosauriern der Welt. Doch wie der nordamerikanische Horndinosaurier, der vor 68 Millionen Jahren das westliche Nordamerika (Laramidia) bewohnte, wie er genau lebte und was er so alles konnte, war bislang nur Gegenstand spekulativer Forschung. Eine neue Studie mithilfe neuartiger 3D-Computertomographie ermöglichte es einem Team japanischer Wissenschaftler aber nun, den Hirnschädel und das Innenohr des Dinosauriers genau zu scannen, zu modellieren und seine Neurologie zu erforschen.


Die Studie ergab, dass der Geruchssinn des Triceratops deutlich weniger gut entwickelt war als bei früheren Ceratopsiern. Das Innenohr wiederum lässt auf eine Kopfhaltung im 45°-Winkel schließen, was nicht nur den mächtigen Nackenschild und die imposanten Hörner gut zur Geltung kommen ließ, sondern auch darauf schließen lässt, dass Triceratops vor allem dicht am Boden nach Nahrung suchte, und bei der Nahrungswahl nicht besonders wählerisch war.


Weiterhin waren die optische Wahrnehmung und der Gleichgewichtssinn weniger fein ausgeprägt, und auch hohe Tonfrequenzen konnte ein Triceratops nicht wahrnehmen. Die verkürzten Cochlea-Gänge weisen aber darauf hin, dass sein Gehör bei niedrigen Frequenzen ganz gut funktionierte, was wohl heißt, dass er dumpfe Erschütterungen spüren und auch im Infraschallbereich sehr gut hören konnte, was auch Spekulationen ermöglicht,, wie sich ein Triceratops vielleicht mit Artgenossen verständigte.

 

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Dramatischer Klimawandel war Grund für den Aufstieg der Dinosaurier!

Das Zeitalter der Trias war wahrscheinlich eines der umwälzungsreichsten in der gesamten Erdgeschichte: schon zu Beginn dieser Periode starb ein Großteil aller Arten beim verheerendsten Massenaussterben aller Zeiten aus, und auch an ihrem Ende raffte noch einmal eine ähnliche Katastrophe viele Spezies dahin. Dazwischen ereignete sich jedoch noch ein gewaltiger Klimawandel, der, wie nun immer mehr deutlich wird, noch für ein drittes großes Aussterbeereignis sorgte.

Landschaft während der CPE. Bildquelle: Davide Bonadonna.

Die „Carnian Pluvial Episode“ (CPE) wurde wahrscheinlich durch einen erhöhten Vulkanismus verursacht. Die Folge war eine deutliche Abkühlung, vor allem auf der Südhalbkugel. Wo zuvor noch ein trockenes Wüstenklima herrschte, kam es nun für mehrere Millionen Jahre zu extrem hohen Niederschlägen. Forscher vermuten, dass es ortsweise für viele Jahrtausende überhaupt gar nicht mehr aufhörte zu regnen!

 


Eine neue Meta-Studie wertete die Fossilberichte aus dieser Epoche aus und ermittelte dabei einen Artenschwund von rund 33% aller marinen Lebewesen. Es kam in den Meeren dennoch zu einem verstärkten Aufbau von Korallenriffen. An Land änderte sich vor allem die Vegetation, was sich aber natürlich auch auf den Lebensraum der Tiere auswirkte. Dadurch entstanden viele neue Arten, ja ganze Tiergruppen erlebten damals eine ungeahnt schnelle Radiation, wie die Echsen, Schildkröten, Krokodile, aber auch die Dinosaurier und frühen Säugetiere.

 


Die CPE scheint also der Auslöser für den Aufstieg vieler neuartiger Tiergruppen gewesen zu sein, die das Mesozoikum in den folgenden Jahren dominierten. Für die Dinosaurier war sie wahrscheinlich der große Startschuss, der sie auf die Erfolgsspur führte.

 

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Detailliertes Klimamodell des Känozoikums erstellt!

Ein internationales Forscherteam um Thomas Westerhold von der Universität Bremen hat in einer umfassenden Klimastudie Bohrkerne auf chemische Isotope untersucht, um damit das Klima der letzten 66 Millionen Jahre zu analysieren. So entstand ein detailliertes Diagramm mit den weltweiten Durchschnittstemperaturen seit dem Aussterben der Dinosaurier.

 


Die Grafik zeigt, dass sich schon lange die Temperaturen auf der Welt in einer ständigen Berg- und Talfahrt befinden. Relativ kühle Phasen wechseln sich mit Warmphasen ab, wobei der Trend allerdings dahin geht, dass sich die Erde in den vergangenen Jahrmillionen immer weiter abkühlte – zumindest bis jetzt.

 

Die Forscher teilten ihre Temperaturkurve in drei große Abschnitte: „Hothouse“, „Coolhouse“ und „Icehouse“, was die Klimaentwicklung sehr gut illustriert. Nach dem Einschlag des berühmten Chicxulub-Meteoriten kam es zunächst zu einer extremen Aufheizung infolge des hohen Treibhauseffekts. Seit dem Eozän gingen die Temperaturen jedoch stetig bergab. Zu Beginn des Oligozäns kam es zum ersten großen Klimakollaps, als die zirkumpolare Meeresströmung die Antarktis auskühlte und der Südkontinent erstmalig vergletscherte. Vor etwa 2,7 Millionen Jahren, als das Pleistozän begann, kühlte es sich ein weiteres Mal drastisch ab. Nun fror auch das Nordpolarmeer zu, das Zeitalter der großen Eiszeiten begann.

 

Heute steigen die Temperaturen jedoch aufgrund des Menschengemachten Klimawandels rasant an. Das Weltklima hat bereits einen ernüchternden Hochpunkt erreicht.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Überreste eines diplodociden Sauropoden in Russland gefunden!

In Nordwestrussland, der Podosinki Formation, fanden russische Wissenschaftler die gut erhaltenen Schwanzwirbelknochen eines mittelgroßen Sauropoden, der dort während des Mitteljura lebte und, wie ihre Anatomie vermuten lässt, zur Gruppe der Diplodocoidea gehörte, und wahrscheinlich ein früher Verwandter der Dicraeosauridae war.

 

 

Der Fund unterstreicht die bereits bei der Beschreibung des kürzlich entdeckten Lingwulong aufgestellte These, dass sich die Dicraeosaurier in Asien entwickelten. Im Callovium, also vor etwa 165 Millionen Jahren, hatten sie bereits den nördlichen Rand Fennoskandinavias erreicht – einer großen Insel, die damals aber noch näher am Äquator lag und wo deshalb noch ein gemäßigtes Klima herrschte.

 

Ein dicraeosaurider Sauropode – so ähnlich könnte der Peski-Sauropode ausgesehen haben. Bildquelle: Jason C. Poole.

Noch hat der Dinosaurier keinen eigenen wissenschaftlichen Namen bekommen, da noch unklar ist, ob er zu einer eigenen Spezies gehört. Die Forscher nennen ihn bislang nach seiner Fundstätte nur „Peski Sauropode“ und vermuten eine nahe Verwandtschaft zum nordamerikanischen Suuwassea, der allerdings erst zehn Millionen Jahre später lebte (siehe Bild).

 

Fossilienbilder und Link zur Studie


Ogresuchus furatus: kreidezeitliches Landkrokodil war ein Baby-Killer!

In der spanischen Tremp-Formation aus der späten Oberkreide fanden Forscher die Fossilien eines bislang unbekannten Vertreters aus der Gruppe der Sebecidae. Diese Krokodile waren deutlich hochbeiniger als ihre heutigen Verwandten und offenbar gefürchtete Landraubtiere, die das Massenaussterben am Ende der Kreide überlebten und danach noch bis zum Miozän eine Zeit der Blüte erlebten.

 

Doch auch als die Dinosaurier noch herrschten, waren sie gefürchtete Jäger: das Skelett des nun als Ogresuchus furatus beschriebenen Krokodils wurde unweit eines Sauropodennestes gefunden. Offenbar stellte das Krokodil den gerade geschlüpften Jungtieren nach, die zu hunderten aus der Nistkolonie krochen, um in den Wäldern Schutz vor ihren Feinden zu suchen.

Mit einem Alter von etwa 67 Millionen Jahren ist Ogresuchus der bislang älteste bekannten Vertreter seiner Familie.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Fußabdrücke belegen Anwesenheit des Menschen vor 120.000 Jahren in Arabien!

Die Nefud-Wüste in Saudi-Arabien zählt heute zu den trockensten Gegenden der Erde. Während der späten Eem-Warmzeit war das allerdings noch anders: damals gab es noch häufiger Niederschläge, und statt rundgeschliffenen Sandkörnern bedeckte Grasland große Teile des prähistorischen Arabiens. Als mit der Würm-Kaltzeit eine neue Phase der Vergletscherung einsetze, sank der Meeresspiegel, sodass der persische Golf zeitweilig trocken lag.

Der Fundort in der Nefud-Wüste. Bildquelle: Paleodesert Projects.

Zu genau dieser Zeit war Arabien offenbar ein stark frequentierter Wanderweg für verschiedene Säugetiere. Forscher fanden in den Sedimenten hunderte verschiedener Fußabdrücke, von Elefanten, Pferden, Antilopen und Kamelen. Zum Erstaunen der Wissenschaftler fanden sie an der Fundstelle jedoch auch sieben menschliche Fußabdrücke.

 

Wahrscheinlich wurden sie von Homo sapiens hinterlassen, da andere damals lebende Menschenarten wie der Neandertaler so weit südlich auf der arabischen Halbinsel wohl nicht vorkamen, so jedenfalls aktueller Stand der Forschung. Auch in Form und Größe würden sie besser zu unseren eigenen Füßen passen als zu denen anderer Frühmenschen.

Das Ichnofossil eines Menschen – war es ein Homo sapiens? Bildquelle: Kling Janulis, Matthew Stewart

Der Fund wird demnach als wichtiges Indiz für die Ausbreitungsgeschichte des Homo sapiens betrachtet, der Afrika offenbar auf zwei verschiedenen Routen verließ: einerseits über die Levante und Kleinasien nach Nordwesten, andererseits aber wohl auch über die arabische Halbinsel nach Nordosten.

 

Link zur Studie


Y-Chromosom des Neandertalers ging bei Kontakt mit Homo sapiens verloren

Homo neanderthalensis – Unser nächster ausgestorbener Verwandter.

Unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat ein internationales Forschungsteam die Y-Chromosomen von drei Neandertalern und zwei Denisova-Menschen sequenziert. Dabei gewannen die Forscher neue Einblicke in die Verwandtschaft der eurasischen Frühmenschen, einschließlich neuer Belege für einen lange zurückliegenden Genfluss vom frühen Homo sapiens zum Neandertaler.

Die Daten zeigen auch, dass anders als die Gene der Neandertaler, die bei der Weitergabe den Hybriden offenbar schadeten (wir berichteten), die Gene des Homo sapiens für die Neandertaler wohl nützlich gewesen sind, da der Genfluss zu einem vollständigen Austausch der Y-Chromosomen der Neandertaler mit denen des Homo sapiens führte.

 

In keiner der Proben konnten noch Gensequenzen am Y-Chromosomen nachgewiesen werden, die von männlichen Neandertalern an den Nachwuchs weitergegeben worden waren. Möglicherweise waren Hybriden mit einem Sapiens-Vater weniger häufig von Fehlgeburten betroffen, oder weniger anfällig für tödliche Krankheiten im Kindesalter.

 

 

Eine andere Erklärung für den vollständigen Verlust des Neandertaler-Y-Chromosoms könnte aber auch sein, dass bei der Paarung von Neandertaler und Homo sapiens Komplikationen auftraten. Wie bei der Hybridisierung heutiger fremder Spezies, wie z.B. bei Pferden und Eseln, könnten die männlichen Hybriden unfruchtbar gewesen sein. Auch die unterschiedliche Populationsstärke, also dass Homo sapiens viel häufiger war als seine Verwandten, könnte diesen deutlichen Genfluss erklären.

 

 

Bildquellen und Link zur Studie


„Prognathodon“ stadtmani ist jetzt eigene Gattung: Gnathomortis

Vor 80 Millionen Jahren, als der Meeresspiegel deutlich höher lag als heute, war die Mitte Nordamerikas vollständig von einem flachen Meer durchzogen. Der Western Interior Seaway war während der Kreidezeit ein lichtdurchflutetes Korallenmeer, in welchem sich auch zahlreiche Meeresreptilien tummelten. Die größten und gefährlichsten von allen waren die Mosasaurier.

 

Das ausgestellte Gnathomortis-Exemplar. im Brigham Young University’s Eyring Science Center.

 

Mit rund zehn Metern Länge gehörte das Exemplar, dass während einer Grabungsexpedition schon 1975 in Colorado freigelegt worden war, noch zu den mittelgroßen Vertretern. 1999 wurde es als neue Art von Prognathodon als P. stadtmani beschrieben. Doch schon einige Jahre später brannte eine Diskussion auf, ob diese Klassifikation auch gerechtfertigt sei.

 

Nun gibt eine neue phylogenetische Studie dieser Ansicht Recht: schon 2006 waren deutliche Indizien herausgearbeitet wurden, die zwar die Zugehörigkeit zur gleichen Mosasaurier-Klade vorschlugen, aber auch auf Unterschiede hinwiesen. Diese Unterschiede sind nach Ansicht der Autoren groß genug, um das Exemplar in eine eigene Gattung zu stellen, die sie nun als Gnathomortis neu beschrieben.

 

„Gnathomortis“ bedeutet zu Deutsch so viel wie „Kiefer des Todes“. Und der Name war offenbar Programm: mit seinem Kräftigen Kiefer und den massigen Sägezähnen gehörte dieser Mosasaurier zu den gefürchtetsten Beutegreifern seiner Zeit. Fürchten musste er sich nur vor noch größeren Mosasauriern wie Tylosaurus, die ebenfalls im Western Interior Seaway auf der Jagd waren.

 

Link zur Neubeschreibung

 


Das war’s für heute mit den Paläo-News!


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gelebte Kryptozoologie – heißt aber anders

Kämpfe mit Schlangen, Geisterbeschwörungen, kulinarische Herausforderungen und unbekannte Tierarten – der große Forscher und Umweltaktivist Tim Flannery blickt zurück und erzählt sehr persönlich von seinen abenteuerlichen Reisen, die er als junger Wissenschaftler zu den pazifischen Inseln unternommen hat.

 

Er erforscht die Natur in einem Gebiet, das noch größere zoologische Entdeckungen ermöglicht. Kryptozoologie so, wie sich viele Hobby-Kryptozoologen eine Einmal-Im-Leben-Expedition wünschten – und dann auch noch unglaublich mitreißend erzählt.

 

Kein Wunder, dass der Autor auch der „Indiana Jones der Biologie“ genannt wird.

 

Im Reich der Inseln: Meine Suche nach unentdeckten Arten und andere Abenteuer im Südpazifik ist 2013 bei S. Fischer erschienen und hat gebundene 272 Seiten.

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Artikel der Woche

Im Artikel der Woche war wieder eine weitere Folge der preisgekrönten BBC-Doku „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ an der Reihe, sich in meiner Serie „Film vs. Wissenschaft“ auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Auch die Folge „Die Geister der Urzeitwälder“, in welcher es den Zuschauer in die nebelverhangenen Wälder der kreidezeitlichen Südpolargebiete Australiens verschlägt, würde mit dem Wissen aus 21 zusätzlichen Forschungsjahren heute deutlich anders aussehen!

 

 

Link zum Artikel


Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit, viele Grüße aus Kiel und einen schönen Sonntag! Wir lesen uns in zwei Wochen wieder!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer

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