Mein Wort zum Sonntag – 5. Juli 2020

Lesedauer: etwa 9 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

 

Die Hälfte des Jahres ist vorüber. Geschafft, würden viele von uns nach den ganzen Einschränkungen wohl eher sagen, und manch einer, so auch ich, kam diese Zeit deutlich länger vor. Besonders, wenn man bereits Monate auf die Fortsetzung eines Buches, das einen gefesselt hat, wartet, kann einem diese Zeit sehr lang werden. Auch mir als Autor bereitet diese Verzögerung einiges an Ungemach, doch da der Ehrlich Verlag weiterhin aufgrund von Corona um sein Überleben kämpft, ist weiterhin nicht abzusehen, wann „Die weißen Steine – Blut der Sonne“ endlich erscheint. Vorbestellung ist weiterhin noch möglich.

 

Link zum Ehrlich Verlag:


Positives gibt aber auch zu vermelden: Ich befinde mich bereits mit mehreren interessanten Standorten im Gespräch, dort in naher Zukunft wieder Lesungen abzuhalten. Noch haben wir dafür zwar noch keinen Termin, aber bestimmt wird diesen Sommer oder spätestens im Herbst bereits das Abenteuer weitergehen können. Ich halte dich hier natürlich auf dem Laufenden!


Bild der Woche

Wenn eine Triceratops-Herde bedroht wurde, könnte sie sich ähnlich verhalten haben wie heutige Bisons oder Dickhornschafe: Sie formierten einen Kreis, um die schwächsten Herdenmitglieder und die Jungen vor den gefährlichen Kiefern der Tyrannosaurier zu beschützen.

 

 

Das Artikelbild habe ich auf DeviantArt gefunden. Es stammt von Liscianigiochi.

Link zum Bild:


Paläo-News

Auch in dieser Woche gab es wieder einige interessante Meldungen aus der Welt der Paläontologie: Ein neu entdeckter Dinosaurier und Ichthyosaurier und die „Wiederauferstehung“ einer als ausgestorben geltenden Pflanze dominieren heute die Schlagzeilen. Ausgelutscht war dagegen nur ein Kaugummi aus der Jungsteinzeit, der allerdings auch einige interessante Fakten über unsere Vorfahren bereithielt. Aber legen wir los:


Neuer (alter) Dinosaurier aus der Schweiz!

Forscher um Oliver Rauhut konnten anhand von Fossilien, die in der Nähe des Ortes Schleitheim in der Schweiz geborgen wurden, einen neuen Dinosaurier identifizieren. Bei dem Fund, der bereits 1954 entdeckt und ursprünglich der Gattung Plateosaurus zugeschrieben würde, handelt es sich um einen frühen Vertreter der Sauropodomorpha, zu denen auch bekanntere Langhals-Saurier wie Diplodocus und Brachiosaurus gehören.

 


Rauhut und seine Kollegen stellten bei der Neuauswertung des Fundmaterials genug Unterschiede zu Plateosaurus fest, die das Aufstellen einer eigenen Gattung und Art rechtfertigen. Mit einer Körperlänge von 9 bis 10 m war Schleitheimia schutzi, wie das Fossil nun benannt wurde, auch deutlich größer als sein besser bekannter Verwandter aus Deutschland. Zwar lebte Schleitheimia ebenfalls in der Zeit vor etwa 225 Millionen Jahren in der späten Trias, sie steht allerdings den späteren Saudopoden aus dem Jura verwandschaftlich sogar wohl noch etwas näher als Plateosaurus.

 

Bildquelle: Beat Scheffold

Link zur Studie:

 

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Europa, die ersten 100 Millionen Jahre

In seinem beeindruckenden Buch geht Tim Flannery zurück bis zu den Ursprüngen des Kontinents. Vor rund 100 Millionen Jahren entwickelte sich auf der Inselgruppe, die später unseren Erdteil formen sollte, erstmals eine Region mit eigenen Arten. Seitdem ist Europa Schauplatz steter Veränderung, ein Schmelztiegel für Spezies jeder Herkunft.

 

»Tim Flannery ist eine Mischung aus Indiana Jones und Charles Darwin.« Financial Times

 

Europa: Die ersten 100 Millionen Jahre hat 380 Seiten und ist gebunden. Das Buch ist auf Deutsch im November 2019 beim Insel Verlag erschienen.

 


Dekkan-Vulkanismus half der Erde, sich nach Chicxulub-Desaster zu erholen

Die Gründe für das Aussterben der Dinosaurier werden in der Forschung immer wieder heftig diskutiert. Zwei Szenarien haben sich inzwischen als die Hauptursachen herauskristallisiert: der Impakt eines massiven, zwischen 10 und 15 km großen Meteoriten, der vor 66 Millionen Jahren im Golf von Mexiko einschlug, und der verstärkte Vulkanismus in Indien, der dort den gewaltigen Dekkan-Trapp bildete.

 


Während die Forschung vor allem in den letzten Jahren immer mehr Belege für die katastrophalen Folgen des Chicxulub-Einschlags zutage förderten, die es uns nun schon ermöglichen, den Ablauf des Szenarios sehr genau zu rekonstruieren, hat sich die Forschungslage relativ eindeutig in Richtung des Einschlags als Hauptursache verschoben. Allerdings wird trotzdem auch der Vulkanismus weiter erforscht, mit überraschendem Ergebnis: Klimamodellen der Universität von Bristol zufolge löste der Vulkanismus nach Ende der Kreidezeit einen starken Klimawandel aus, der besonders der Pflanzenwelt nach dem Impaktwinter stark zugute kam. Im tropisch warmen Klima des Paläozäns regenerierte sich die Natur in der Folge sehr rasch.

 

Dekkan erweist sich nun also wohl nicht nur als großer Zerstörer, sondern sogar als Erschaffer einer neuen Blüte der Natur.

 

Bild- und Artikelquelle: National Geographic

Link zur Studie:


Magnetfeld der Erde schwächte sich am Ende der Kreidezeit ab

Zu diesem Ergebnis kamen Forscher des National Centre for Earth Science Studies in Trivandrum, Indien nach einer umfassenden Untersuchung von Bohrkernen aus dem berühmten Dekkan-Trapp, der aus Flutbasalten während einer Reihe von schweren Vulkaneruptionen am Ende der Kreidezeit entstand. Dieses Ereignis halt lange als einer der Faktoren, die ein große Massenaussterben einläuteten, wird heute aber auch als Regenerationsfaktor während des anschließenden Paläozäns diskutiert, der zur schnellen Erholung der Natur beigetragen haben könnte (wir berichteten).

 


Anhand der Anordnung der Kristalle im Gestein konnten bei einigen Proben Rückschlüsse auf die magnetische Feldstärke und Ausrichtung der Pole am Ende der Kreidezeit gewonnen werden. Interessanterweise wurde das Magnetfeld damals deutlich schwächer und hat sich wahrscheinlich auch umkehrt. Die Proben indizieren, dass kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier das Erdmagnetfeld soweit wir dazu Daten haben sogar am schwächsten während des gesamten Mesozoikums war.

 

Bildquelle Erdmagnetfeld: Science Photo Library

Link zur Studie:


„Ausgestorbene“ Pflanze wiederentdeckt!

Schon im Jahre 2011 sammelten Forscher der Universität von Kalkutta Pflanzenproben im Sikkim-Himalaya. Es dauerte jedoch neun Jahre, bis durch umfangreiche Forschungen die Identität der Pflanze bestätigt werden konnte. Doch nun sind die Forscher sich sicher: Die als „Dancing Ladies“ oder „Schwanenblume“ bekannte Globba andersonii gedeiht dort noch immer in einem abgelegenen Tal!

 

Die Wiederentdeckung ist eine kleine Sensation: Nur 13 Jahre nach ihrer Erstbeschreibung im Jahr 1863 durch den schottischen Botaniker Thomas Anderson galt die Pflanze schon als ausgestorben und wurde mehr als 135 Jahre lang nicht mehr gesichtet.

 

Link zum Artikel:


Riesenpinguine von Neuseeland hatten „Doppelgänger“ auf der Nordhalbkugel.

Eine internationale Forschergruppe, darunter auch Gerald Mayr vom Senckenberg-Musem, verglich in einer neuen Studie die Fossilien zweier ausgestorbener Gruppen von Seevögeln. Obwohl nicht näher miteinander verwandt und auch zeitlich durch viele Millionen Jahre getrennt, stellten die Forscher dabei viele anatomische Gemeinsamkeiten bei den aus dem Nordpazifik von Japan, Kanada und den USA. bekannten Plotopteryden und den „Riesenpinguinen“, den Sphenisciformes von Neuseeland fest.

 


Die nordpazifischen Vögel lebten in der Zeit vom Eozän bis Miozän vor 37 bis 23 Millionen Jahren, die neuseeländischen schon kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier vor etwa 63 bis 59 Millionen Jahren während des Paläozäns. Trotzdem sind sich die Tiere so ähnlich, dass selbst die Experten sie kaum voneinander unterscheiden können – ein Paradebeispiel für konvergente Evolution!

 

Bildquelle: Mark Witton

Link zur Studie:


Neuentdecktes Mixisaurus-Fossil enthüllt ältesten Nachweis einer Rückenflosse bei Wirbeltieren

Die auch als Fischsaurier bekannten Ichthyosaurier waren die ersten Wirbeltiere, die nach ihrem vorherigen Leben als Landreptilien zurück in die Ozeane gingen. Schon in der mittleren Trias hatten sie sich perfekt an ein Leben im Meer angepasst, besaßen einen stromlinienförmigen Körper, lange Flipper und, wie ein neu entdecktes Fossil enthüllt, auch eine Rückenflosse.

 


Der kleine, nur etwa einen Meter lange Mixosaurus lebte während der mittleren Trias, also noch vor den ersten Dinosauriern in der Zeit vor etwa 245 Millionen Jahren. Er ist außerdem der älteste bekannte Fischsaurier, von dem bekannt ist, dass er lebende Junge zur Welt brachte.

 

Bildquelle (oben): Nobu Tamura

Bild- und Artikelquelle:


Noch eine weiterer Fischsaurierart aus dem Posidonenschiefer in Süddeutschland

Bei der Revision von Ichthyosaurier-Fossilien aus dem Unterjura Deutschlands wurden größere Unterschiede zu dem auch aus England bekannten Typusmaterial von Hauffiopteryx festgestellt, das die Aufstellung einer eigenen Art rechtfertigt. Die deutsche Fischsaurier-Fauna ist damit um eine neue Spezies, Hauffiopteryx altera, reicher.

 


Artikelquelle:


Steinzeit-Kaugummi erzählt die Geschichte von Lola, einem Mädchen aus dem frühen Neolithikum

Unscheinbar und unförmig erscheint das zähe Stück Birkenpech, dass Archäologen schon vor Jahren an einer dänischen Ausgrabungsstätte in Lolland fanden. Doch aufgrund der eigenartigen Form kamen Wissenschaftler nun auf die Idee, das Fundstück genauer biochemische und genetisch zu untersuchen: es erinnert etwas an ein ausgespucktes Kaugummi, und tatsächlich: es wurde vor etwa 5.700 Jahren einst von einem Menschen gekaut!

 

DNS-Untersuchungen haben nun ergeben, dass die Kaugummikauerin weiblich war – und nach dem Fundort nun den Namen „Lola“ bekam. Die exzellente Erhaltung der DNS sind nun eine wahre Goldgrube für Paläo-Antrhopologen, denn nicht nur ihre eigene DNS befindet sich im Birkenpech, sondern auch das Erbgut der Mikroben ihres gesamten Mundbioms.

So konnte festgestellt werden, dass Lola laktoseintolerant war, blaue Augen hatte, latente Streptokokken im Speichel hatte und dass sie an einer Zahnfleischentzündung litt – vielleicht hat sie das Pech auch deshalb gekaut, weil Birkenrinde als Naturheilmittel antiseptisch wirkt. Außerdem konnte durch DNS-Rückstände von Stockenten und Haselnüssen festgestellt werden, dass Lola wohl vor dem Kaugummi eine entsprechende Mahlzeit aus beiden zu sich genommen hat.

 

Bild- und Artikelquelle: National Geographic

Link zur Studie:


Das war es nun mit den News aus dieser Woche!


Artikel der Woche

In meinem „Artikel der Woche“ gab es diesmal wieder ein neues Hell-Creek-Tier: Den Champsosaurus, einen fischfressenden Bewohner der Flüsse und Sümpfe der späten Kreidezeit Nordamerikas.

 

 

Link zum Artikel


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer

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