Mein Wort zum Sonntag – 6. Dezember 2020

Lesedauer: etwa 24 Minuten
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Einen schönen Nikolaustag wünsche ich dir!

Die Weihnachtszeit hat begonnen. Doch statt froher Stimmung beim Schlendern über die Weihnachtsmärkte oder der Vorfreude auf ein fröhliches Familienfest wächst leider weiterhin die Sorge. Auch ich hadere mit dem Gedanken, meine Familie, die viele Kilometer entfernt wohnt, zu besuchen. Bereits aufs Osterfest mussten wir dieses Jahr verzichten, und Weihnachten könnte für mich und sicher auch für viele andere Menschen dieses Jahr ein sehr einsames Fest werden.


Doch wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Ein Impfstoff ist in Sicht, und damit vielleicht auch endlich ein Rückgang dieser furchtbaren Pandemie, an der in den letzten Wochen bei uns täglich so viele Menschen gestorben sind wie bei einem schweren Flugzeugunglück. Das opferreiche Jahr 2020 geht aber bald zu Ende, und wir müssen einfach, auch wenn wir vielleicht nicht alle gläubig sind und uns Weihnachten aus religiöser Sicht ziemlich egal sein mag, trotzdem alle dafür beten, dass wir diese schwere Krise im kommenden Jahr endlich meistern werden. Das geht aber nur zusammen. Wir müssen weiterhin vorsichtig und vernünftig sein. Unsere Mitmenschen, besonders unsere Lieben beschützen, indem wir uns an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Und uns vielleicht in dieser kalten Jahreszeit etwas zurückziehen und den Kontakt zu anderen Menschen weitestgehend meiden.


Gewinnspiel und Giveaway-Aktion

Wie könnte man die kalte Jahreszeit besser bestreiten und sich die Einsamkeit erträglicher machen, als mit einem guten Buch? Aus diesem Grund habe ich mir für die Adventszeit eine ganz besondere Aktion überlegt:

 

 

Wer bis zum vierten Advent (20.12.2020) ein Exemplar meines Romans „Die weißen Steine – Neue Alte Welt“ bei mir bestellt, der bekommt von mir die Portokosten geschenkt (bei Bestellungen innerhalb Deutschlands).

 

Und für alle, die gerne jemandem anders noch eine Freude unter dem Weihnachtsbaum bereiten wollen: Wer zwei Bücher bestellt, bekommt ein drittes Exemplar gratis mit dazu!

Außerdem wird unter allen Bestellern jeden Sonntag ein Exemplar verlost und kommt als Geschenk zu euch!

Was müsst ihr dafür tun?

Ganz einfach: Folgt meiner Seite auf Facebook oder Instagram („Die weißen Steine“ und lasst unter dem Gewinnspiel-Post (ganz oben!) einen Kommentar mit eurem Lieblings-Weihnachtsfilm da, und schon seid ihr mit im Topf für die Verlosung.

 

Anm. d. Redaktion: Da nicht jeder Mitglied bei Facebook und Instagram ist, bietet die Redaktion dieser Seite auch die Möglichkeit. Einfach eine Nachricht an Redaktion@netzwerk-kryptozoologie.de schreiben, im Betreff „Gewinnspiel“ erwähnen. Wir leiden sie umgehend an Markus weiter.


Bild der Woche

Heute wandern wir mal nicht nach Hell Creek, sondern hoch in den Norden: Während Triceratops und Tyrannosaurus vor 68 Millionen Jahren den Mittleren Westen Nordamerikas unsicher machten, erlebten die Bewohner der Prince Creek Formation in Alaska jeden Winter monatelande Finsternis und bitterkalten Schnee. Da auch bei uns der Winter so langsam Einzug hält, gibt es heute mal ein Bild dazu:

 

Das Bild stammt von Julio Lacerda.

 

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Dinosaur Facts and Figures

Die Theropoden beherrschten den Planeten über Millionen von Jahren, mit Arten, die vom mächtigen Tyrannosaurus rex bis zu gefiederten Raptoren reichten, die nicht größer als Truthähne waren. Dinosaur Facts and Figures ist ein atemberaubend illustriertes Buch mit Aufzeichnungen für diese wunderbaren Kreaturen – wie die größten, die kleinsten und die schnellsten Theropoden sowie die mit dem stärksten Biss.

 

Dinosaur Facts and Figures: The Theropods and Other Dinosauriformes ist im Juni 2019 auf englischer Sprache erschienen und hat 288 gebundene Seiten voller Dinosaurier.

 

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Paläo-News

Die letzten zwei Wochen waren wieder voll mit interessanten Meldungen aus der Urzeit! Hier noch einmal die Zusammenfassung:


Älteste bekannte Blindschlange in Brasilien entdeckt: Boipeba tayasuensis

Schlangen haben in der heutigen Zeit eine immense Artenvielfalt entwickelt. Es gibt sie mit Ausnahme der Antarktis auf fast jedem Erdteil und in den unterschiedlichsten ökologischen Nischen. Die unbeugsamen Alleskönner kommen selbst in den kargsten Wüsten vor, manche Arten leben im Meer, und eine Gruppe winzig kleiner, geradezu wurmartiger Schlangen lebt sogar unter der Erde: die Blindschlangen.

Gemeine Blindschlange (rezent); Bildquelle: Wikipedia.

Die Entwicklung dieser interessanten Wesen begann offenbar bereits zur Zeit der Dinosaurier, soviel wusste man bereits durch molekulargenetische Untersuchungen.Denen zufolge haben sich die Blindschlangen in der Zeit von vor 160 bis 120 Jahren von allen anderen Schlangen abgespalten. Das Problem dabei: die bislang ältesten Blindschlangen-Fossilien stammen aus der Zeit des frühen Eozäns und sind nur rund 56 Millionen Jahre alt.

Größenvergleich von Boipeba tayasuensis zu rezenten Blindschlangen und die systematische Einordnung des Fundes aus Brasilien.

 

In Brasilien haben Paläontologen nun aber ein aufschlussreiches Fossil entdeckt. Boipeba tayasuensis, die in der späten Kreidezeit lebte, verkürzt die Lücke im Fossilbericht nun deutlich. Und sie zeigt auch den interessanten Entwicklungsweg dieser Tiere auf: Boipeba war nämlich mit fast einem Meter Länge noch deutlich größer als heutige Blindschlangen, die heute alle weniger als 30 Zentimeter Körperlänge erreichen. In der Kreidezeit waren diese Schlangen also wohl noch längst nicht so blind wie heute, und sie lebten zum Teil sogar noch oberirdisch. Dass sie zunehmend kleiner wurden, ist also erst eine relativ junge Form ihrer Anpassung an ein unterirdisches Leben, das vielleicht erst nach dem Aussterben der Dinosaurier für sie begann.

 

Link zur Studie


Leichenfund in Pompeii: starben hier Herr und Sklave gemeinsam?

Archäologen in Pompeji machten in der römischen Stadt Pompeii, die im Jahre 79 n.Chr. beim Ausbruch des Vesuv unter einem Ascheregen begraben wurde, einen beeindruckenden Fund: Die Forscher eindecken die Überreste zweier Männer, einer wohl zwischen 18 und 25 Jahren alt, der andere zwischen 30 und 40 Jahre alt. Während der ältere in prachtvolle Gewänder gehüllt war, trug der jüngere bloß eine einfache Tunika. Offenbar handelte es sich bei ihm um einen jungen Sklaven, denn auch seine zusammengedrückten Rückenwirbel zeigen die Läsionen harter körperlicher Arbeit.

 

 

Beide kamen wahrscheinlich um, als ein Strom aus heißer Asche und Schlamm in die Villa strömte. Sie versuchten noch durch den Cryptoporticus ins höhere Stockwerk zu fliehen und erreichten dort noch einen kleinen Seitenraum, wo sie jedoch keine Chance hatten. Der pyroklastischen Strom tötete beide im Bruchteil von Sekunden. Die Ausgrabungen an der Villa in Civita Giulina, wo die beiden Leichen entdeckt wurden, sind bereits längere Zeit im Gange. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse über die Männer wurden mithilfe modernster Laser- und Computeranimationstechnik ermöglicht. Aus dem dadurch gewonnenen Bildmaterial fertigten sie Abgüsse der Körper an, die sie dann weiter untersuchen konnten.

 

Bildquelle und Link zum Bericht über die Ausgrabung in Pompeii


Neuer Theropode in Argentinien entdeckt: Niebla antiqua

In der späten Kreidezeit war Südamerika ein völlig isolierter Kontinent. Seit es sich von Afrika vor etwa 110 Millionen Jahren gelöst hatte, konnte sich dort eine völlig einzigartige Tierwelt entwickeln. Zu Zeit, als Tyrannosaurus rex in Nordamerika sein Unwesen trieb, gaben in Südamerika ganz andere Theropoden den Ton an.

 

 

Zu der vorherrschenden Familie der Raubsaurier zählten dort die Abelisauriden, die zu jener Zeit auch auf anderen südlichen Kontinenten sehr erfolgreich waren. Auf der Arrigada-Farm, Teil der Allen Formation in der argentinischen Provinz Rio Negro fanden Paläontologen nun die Überreste eines bislang unbekannten Abelisauriers, der kurz vorm Ende der Kreidezeit vor etwa 69 Millionen Jahren lebte.

 

Paläo-Art von Niebla antiqua. Bildquelle: TwistedTorvosaurus

Niebla antiqua, wie der Theropode nun beschrieben wurde, ist leider nur von einigen spärlichen Fossilien bekannt. Es handelt sich offenbar um die Überreste eines gerade erst ausgewachsenen Tieres, das die Forscher auf eine Länge von etwa 4,5 m und ein Alter von etwa 9 Jahren schätzten. Der für einen Abelisaurier also ziemlich kleine Dinosaurier besaß allerdings wohl einen hochentwickelten Hirnschädel und einen besonders geformten Schultergürtel, der zu keiner anderen Abelisaurier-Art passt. Niebla gehört damit auch zu den letzten bekannten und am stärksten abgeleiteten Vertretern seiner Familie.

 

Link zur Studie


Baby-Alligatoren können ihren Schwanz selbst „reparieren“

Selbstheilung gehört zu den starken Erfolgsrezepten der Wirbeltiere: werden sie verletzt, so können die meisten ihre Wunden schnell auskurieren. Einige Reptilien sind sogar imstande, ganze Gliedmaßen nachwachsen zu lassen, wenn sie im täglichen Überlebenskampf verloren gehen. Eidechsen zum Beispiel können bei der Flucht ihren Schwanz abwerfen und sich einfach einen neuen wachsen lassen.

 

Die unterschiedlichen Selbstheilungskräfte der Tiere. (Vergleichsbild aus der neuerschienenen Studie)

 

Krokodile und Alligatoren sind zwar robust gebaute Panzerechsen, aber sie können soweit wir bislang wussten keine verloren gegangenen Gliedmaßen ersetzen. Ein Forschungsteam der Arizona State University hat aber nun erstaunliches herausgefunden: Jungtiere des Mississippi-Alligators können das doch! Zumindest ein verlorener Schwanz ist für die kleinen Alligatoren kein ernsthafter Verlust. In ihrer Studie veröffentlichten die Wissenschaftler nun ihre interessanten Forschungen zu den Selbstheilungskräften verschiedener Wirbeltiere.

 

Ein rezenter Mississippi-Alligator (Bildquelle: Wikipedia).

Wachstumsschübe von Tyrannosauriern unterschieden sich deutlich von anderen Theropoden

Dass Tyrannosaurus als Teenager einen enormen Wachstumsschub machte, ist lange bekannt: die Jungtiere wuchsen in zwei Phasen ihres Lebens. Bis zu einem Alter von etwa 11 Jahren legten sie relativ gleichmäßig an Gewicht zu, bis sie zwischen 700 kg und einer Tonne wogen. Dann jedoch beschleunigte sich ihr Wachstum immens: innerhalb eines Jahres verdoppelten sie ihr Gewicht und wuchsen dann ähnlich rasant weiter, bis sie als ausgewachsene Tiere mit etwa 18 Jahren mehr als sieben Tonnen auf die Waage brachten.

Auch bei anderen Tyrannosauriden, wie Albertosaurus und Daspletosaurus, sah das Jugendwachstum ganz ähnlich aus.

 

Nur wie war es bei anderen Theropoden? Thomas M. Cullen vom Field Museum of Chicago untersuchte zusammen mit seinen Kollegen die Histologie (Knochenaufbau) verschiedener fleischfressender Dinosaurier.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass jurassische Carnosaurier wie Allosaurus eine andere Wachstums-Strategie an den Tag legten als ihre entfernten Verwandten aus der Kreidezeit: ihre Knochen zeigen im Querschnitt eine Struktur der sogenannten Hypermorphose, sie wuchsen also relativ gleichmäßig, ohne signifikante plötzliche Wachstumsschübe, wie die sogenannte Heterochronie bei den Tyrannosauriern zeigt.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Breitschnäbeliger „Urzeit-Tukan“ aus der Kreidezeit entdeckt: Falcarakely fosterae

Immer wieder stoßen Paläontologen bei ihren Grabungen auf wirklich außergewöhnliche Funde, selbst mehr als zwei Jahrhunderte nach dem Beginn der Urzeitforschung. Und manchmal stellt man erst nach vielen Jahren fest, wir außergewöhnlich ein einstmals gemachter Fund eigentlich war.

Das Fossilmaterial und die Rekonstruktionsskizze von Falcatakely fostarae aus der neuen Studie.

 

Bereits vor zehn Jahren legten Paläontologen bei einer Grabung auf Madagaskar die Fossilien eines etwa krähengroßen Vogels frei, die aber eine aufwändige Präparation beanspruchten, sodass man das Fossil zunächst einmal einlagerte. Erst 2017 nahm man sich den Fund noch einmal vor, und erst jetzt erkannte man, was man da eigentlich vor sich hatte.

 

Lebendrekonstruktion von Falcatakely fosterae von Joschua Knüppe.

 

Falcatakely forsterae, wie die Forscher den Vogel benannten, besaß einen für seine Zeit wirklich ungewöhnlich breiten Schnabel, ähnlich wie ein heutiger Tukan. Obwohl mit diesen Vögeln nur entfernt verwandt (Falcatakely gehörte zur Gruppe der heute ausgestorbenen Enantiornithes), zeigt dieser Fund deutlich, wie spezialisiert Vögel am Ende der Kreidezeit bereits waren.

 

Falcatakely in seiner natürlichen Umgebung des prähistorischen Madagaskars. Bildquelle: Mark Witton.

Madagaskar war vor ca. 67 Millionen Jahren bereits eine isolierte Insel, auf der die Natur offenbar schon damals eifrig herum experimentiere. Der übergroße Schnabel dürfte eine Anpassung an eine spezielle Ernährungsweise gewesen sein, so wie bei heutigen Vögeln auch. Doch wovon Falcatakely sich ernährte, ist noch immer ein Geheimnis.

 

Link zur Studie


Streit um Himmelsscheibe von Nebra geht weiter!

Zwei Archäologen heizen den Streit um die Datierung der Himmelsscheibe von Nebra erneut an. Rupert Gebhard (im Bild unten links) von der Uni München und sein Kollege Rüdiger Krause von der Uni in Frankfurt a.M. beharren auf ihrer These, dass die berühmte Himmelsscheibe aus der Eisenzeit stammt und damit deutlich jünger sei als bislang gedacht.

Rupert Gebhard.

 

Zwar hatte eine jüngst veröffentlichte Studie besagte These entkräftet und ihr Alter erneut auf die Bronzezeit datiert, doch Gebhard und Krause konnte das nicht überzeugen: die Studie sage überhaupt nichts aus, was nicht schon zuvor längst bekannt war, und gehe auf ihre Argumente überhaupt nicht ein, widersprachen die beiden.

 

Rüdiger Krause.

Da es bislang keine Methode gibt, Metalle eindeutig auf ihre Fertigungszeit zu datieren, stützte sich die Studie auf die gemachten Beifunde, u.a. Holzreste, die mit der Radiokarbonmethode datierbar sind. Doch Gebhard und Krause glauben gar nicht, dass die Holzstücke vom gleichen Fundort stammen: Da die Himmelsscheibe nicht von Archäologen, sondern von Raubgräbern gefunden wurde, sei der angegebene Fundort ohnehin zweifelhaft, so die beiden Professoren. Die bronzezeitlichen Beifunde, darunter auch einige Bronzeschwerter, stammen ihrer Meinung nach tatsächlich aus Nebra in Sachsen-Anhalt, die Himmelsscheibe jedoch nicht.

 

 

Trotziges Heischen nach medialer Aufmerksamkeit oder doch begründbare wissenschaftliche Kritik? Die Meinungen zu Gebhards und Krauses These gehen unter Fachleuten auseinander. Die meisten jedoch bezweifeln das Alter der Himmelsscheibe nicht und bleiben dabei, dass sie ein bedeutsamer Fund aus der Bronzezeit ist. (Bildquellen: Wikipedia.)


Handanatomie des Neandertalers: Kraftvoller Griff, trotzdem auch Fingerspitzengefühl

Waren die Neandertaler eher Grobmotoriker oder Präzisionskünstler? Mithilfe von 3D-Modellen untersuchten Amelie Bardo und ihre Kollegen das Handskelett und insbesondere den Bau der Fingergelenke unserer nächsten Verwandten. Dabei konnten sie bestätigen, was auch durch vorherige anatomische Studien bereits ermittelt worden war: Neandertaler waren besser an die Benutzung von Schaft-Werkzeugen angepasst als wir.

 

 

Das Gelenk an der Basis des Daumens war bei ihnen flacher, mit einer geringeren Kontaktfläche als bei uns. Dies führte zu einem kräftigen und ausdauernden Griff beim Halten von Werkzeuge in der Weise, wie wir z.B. einen Hammer halten.

 

„Power Grip“ und „Precision Grip“. Darstellung aus Enzyclopaedia Britannica.

 

Trotzdem waren, wie die Studie zeigt, die Neandertaler auch zu Präzisionsgriffen in der Lage, wie etwa den Pinzettengriff, bei dem wir einen Gegenstand zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen. Tätigkeiten wie z.B. beim Einfädeln einer Nadel waren für sie kein Problem, aber doch etwas schwieriger zu meistern als für die meisten von uns.

Neandertaler
Nicht nur das Steinmesser, auch ein Handy dürfte fast so selbstverständlich gehalten haben, wie wir. (Foto im Neanderthal-Museum, Mettmann)

Erythrovenator jacuiensis – der früheste bekannte Theropode?

In den Ablagerungen aus der frühen Obertrias der Brasilianischen Candelaria Formation machten Wissenschaftler einen bemerkenswerten Fund: ein winziges Knochenfragment, dass offensichtlich einst ein Teil des Oberschenkel-Gelenks eines frühen Dinosauriers war.

 

Position des gefundenen Fossils in der vermuteten Lebendrekonstruktion von Erythrovenator.

 

Der Fund zeigt nach Auffassung seines Entdeckers Rodrigo T. Müller  so eindeutige Merkmale, dass der Paläontologe ihn als Erythrovenator jacuiensis neu beschreiben und in phylogenetisch als den ersten bekannten Theropoden einstufen konnte. Das ca. 230 Millionen Jahre alte Fossil zeigt abgeleitetere Theropoden-Merkmale als alle anderen südamerikanische Dinosaurier jener Zeit, wie Herrerasaurus und Eoraptor, deren systematische Stellung nach wie vor umstritten ist. Es ist außerdem ein weiteres Mosaiksteinchen für die Theorie, dass sich die Theropoden in Südamerika entwickelt haben. Die Neubenennung von Erythrovenator stieß aber auch bereits auf einige Kritik: Manche Forscher sind der Ansicht, dass ein einzelnes Knochenfragment mit so wenig diagnostischem Material nicht ausreicht, um eine eigene Gattungsbenennung zu rechtfertigen. Ob Erythrovenator nämlich tatsächlich ein Dinosaurier war, müssen erst vollständigere Fossilien belegen.

 

Erythrovenator in seinem Lebensraum. Bildquelle: Marcio L. Castro.

Erythrovenator („roter Jäger“, benannt nach den roten Sandsteinablagerungen, in denen er gefunden wurde), lebte in einer Umgebung, aus der zuvor noch gar keine Dinosaurier bekannt waren. Dominiert wurde das Ökosystem der Candelaria Formation damals noch von großen Säugetier-Verwandten wie dem Therapsiden Siriusgnathus, vor dem sich Erythrovenator wahrscheinlich gut in Acht nehmen musste.

 

Link zur Studie


Eiswasser aus der Lava-Höhle: wie Pueblo-Indianer in der Trockenzeit an Trinkwasser kamen

Der Westen des US-Bundesstaats New Mexico gehört zu den niederschlagsärmsten Regionen der Erde. Geprägt durch kontinentales Wüstenklima ist es sehr schwer, dort Wasser zu gewinnen. Die Ureinwohner, die in dieser Region vor mehr als 1.100 Jahren lebten, kannten aber eine erfolgreiche Technik, wie sie in den Dürremonaten trotzdem an Trinkwasser gelangen konnten.

 

 

Sie stiegen dazu in Lavahöhlen hinab, in denen sich Eismassen gebildet hatten. Aufgrund der einzigartigen Form der Höhle liegen die Temperaturen im Innern das ganze Jahr unter dem Gefrierpunkt: im Winter dringt kalte Luft in die Höhle ein und sinkt dort in einen tiefergelegenen Saal hinab, wo sie sich geschützt durch massives Basaltgestein auch in den heißesten Sommern kaum aufwärmt. Feuchte Luft kondensiert an den kalten Höhlenwänden, und auch durch Sickerwasser bildet sich im Innern der Höhle eine dicke Eiswand.

 

 

Genau an diesen Eiswänden legten die Pueblo-Indianer nun Feuer und sammelten das Schmelzwasser in großen Krügen, wie Forscher von der University of South Florida nun bei den Untersuchungen von Eiskern-Proben aus mehreren Höhlen in der Gegend des El Malpais National Monument herausgefunden haben. Die Spuren von Feuern lassen sich genau auf Zeitpunkte datieren, als in der Region tatsächlich kaum Niederschläge fielen.

 

Bildqellen und Link zur Studie


Eomakhaira molossus: Neuer säbelzahntragender Sparassodont aus Südamerika entdeckt

Seit der Atlantische Ozean sich in der frühen Oberkreide zwischen Afrika und Südamerika öffnete, war Südamerika für rund 100 Millionen Jahre ein völlig isolierter Inselkontinent. Dort entwickelte sich eine einzigartige Tierwelt, die auch lange nach dem Aussterben noch einige exotische Wesen hervorbrachte, die es sonst nirgendwo auf der Welt gab.

 

 

Anders als auf den Kontinenten der Alten Welt blieben in Südamerika auch die Beuteltiere sehr erfolgreich, ganz ähnlich wie in Australien. Zu den mächtigsten Beutegreifern ihrer Zeit gehören die sogenannten Sparassodonten, die ihrerseits nur die noch berüchtigteren Terrorvögel zu fürchten hatten.

 

Lebendrekonstruktion von Eomakhaira molossus nach Jorge Aragon.

 

Forscher des American Museum of National History entdeckten nun eine neue, verhältnismäßig kleine Art dieser Raubbeuteltiere, die vor etwa 30 Millionen Jahren zur Zeit des Oligozäns auf dem Gebiet des heutigen Chile lebte. Eomakhaira molossus, wie die Forscher das Tier nannten, war zwar nur ungefähr so groß wie ein Dachs, aber er besaß zwei tückische Säbelzähne, mit denen er seine Beute zur Strecke brachte. Ähnlich wie der spätere Thylacosmilus war auch Eomakhaira schon ein mittelgroßes Raubtier, das wahrscheinlich durch die damaligen Gebirgswälder der noch jungen Anden streifte.

 

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gelebte Kryptozoologie – heißt aber anders

Als Europäer hat man einen völlig anderen Blick auf die Inseln des Südpazifiks – der sagen- und sehnsuchtsumwobenen Südsee. Für uns ist es das verlorene Paradies am anderen Ende der Welt. Doch Flannery ist Australier. Für Australier liegen Inselgruppen wie Fiji, Neuguinea, die Salomonen oder der Bismarck-Archipel (nicht ganz) im Hinterhof. Dem entsprechend „ehrfurchtsärmer“ geht Flannery an die Sache – und fängt an, wirklich zu forschen.

 

In jedem der sechs Kapitel besucht er eine andere Inselgruppe, besucht historische Stätten und erforscht die Natur in einem Gebiet, das noch größere zoologische Entdeckungen ermöglicht. Kryptozoologie so, wie sich viele Hobby-Kryptozoologen eine Einmal-Im-Leben-Expedition wünschten – und dann auch noch unglaublich mitreißend erzählt.

 

Kein Wunder, dass der Autor auch der „Indiana Jones der Biologie“ genannt wird.

 

Im Reich der Inseln: Meine Suche nach unentdeckten Arten und andere Abenteuer im Südpazifik ist 2013 bei S. Fischer erschienen und hat gebundene 272 Seiten.

 

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Kolumbien: Felswand mit eiszeitlichen Tierzeichnungen im Dschungel entdeckt

Mitten im entlegenen Urwald des nördlichen Amazonas-Beckens, einer gefährlichen Gegend, die von kolumbianischen Rebellen kontrolliert wird, machte ein Forschungsteam einen unglaublichen Fund: die Wissenschaftler stießen bereits vor mehr als einem Jahr auf eine Felswand, auf der über eine Strecke von sagenhaften 12 km tausende von Petroglyphen (Felszeichnungen) zu finden waren. Die Archäologen hielten ihren Fund bislang geheim, um ihre Forschungen zu schützen.

 

 

Die Felsbilder zeigen viele eiszeitlichen Großtiere, die heute längst ausgestorben sind und zu einer Zeit lebten, als der Regenwald noch eine trockene Savannenlandschaft war: Riesenfaultiere, Mastodons, Kamele, Pferde und viele andere Tiere ließen sich dort identifizieren. Die Forscher schätzen, dass die Felsbilder in der Zeit von vor 12.600 und 11.800 Jahren angefertigt wurden, also wahrscheinlich von den allerersten Menschen, die in diesem Gebiet siedelten.

 

Eine umfangreiche Film-Dokumentation soll den spektakulären Fund nun der Öffentlichkeit zugänglich machen. Und natürlich fassten die Forscher auch eine Studie ab, in der sie ihre Entdeckung wissenschaftlich bearbeiteten (daraus auch die Bildquelle dieses Artikels).


Erste Dinosaurier in Irland entdeckt!

Europa lag während des Mesozoikums zu großen Teilen unter dem Meer. Vor allem im Jura und der Kreidezeit waren alle Länder der EU Teil des großen Tethys-Meeres, nur einige Inseln, manche kleiner, andere größer, boten dort trockenes Land, auf dem auch Dinosaurier lebten. In manchen europäischen Ländern wurden jedoch bis heute noch niemals Dinosaurierfossilien gefunden.

 

Studienleiter Michael J. Simms mit den Fossilien der Dinosaurier.

 

Von dieser Landkarte der dinosaurierlosen Länder muss jetzt allerdings eine Insel neu eingefärbt werden, und zwar Irland. Bereits in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckte der private Fossiliensammler Roger Byrne in der Grafschaft Antrim nordwestlich von Belfast fossile Knochen aus dem frühen Unterjura, die er nun dem Museum von Ulster spendete. Dort nahmen Experten sofort seine Funde in Augenschein, untersuchten sie mit mordernster 3D-Technologie und fanden so heraus, dass es sich um die Überreste eines Fleischfressers aus der Gruppe der Theropoden (eventuell einen Sarcosaurus) und einen pflanzenfressenden Panzersaurier aus der Gruppe der Thyreophoren (vermutlich Scelidosaurus) handelte.

 

Scelidosaurus und Sarcosaurus; Bildquelle: Jack Mayer Wood

 

Link zur Studie


Uralte Tiefsee-Karies: Bakterien in 138 Millionen Jahre alten Haizähnen entdeckt

Forscher der Geologisch-paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien staunten nicht schlecht, als sie die Zähne eines ausgestorbenen Hais (Cretacladoides noricum) betrachteten, der während der Unterkreide vor rund 138 Millionen Jahren lebte. Unter dem Elektronenmikroskop konnten sie gut erhaltene fossile Bakterien nachweisen, die sich tief in den Schmelz der Haizähne gefressen hatten.

 

 

Zahnschmelz gehört zu den härtesten organischen Stoffen überhaupt und ist wegen seines hohen Grades an Mineralisierung ein für Bakterien eher ungeeigneter Lebensraum und erst recht keine Nahrungsquelle. Auch unsere Zähne können nur von Bakterien zersetzt werden, wenn die Mundflora aus dem Gleichgewicht gerät – z.B. durch mangelnde Zahnpflege oder hohen Zuckerkonsum. So entsteht u.a. Karies.

 

 

Dass die Bakterien im Haizahn sich so gut vermehren konnten, lag aber nicht daran, dass der Hai eine Naschkatze war: die Bakterien haben sich an ihren Extremen Lebensraum in der Tiefsee angepasst und sich das einzige Nahrungsangebot erschlossen, dass sie dort vorfinden konnten: sie fraßen sich in den Zahnschmelz des Hais und ernährten sich davon, was sonst noch so zwischen den Zähnen des Raubfischs landete.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Kreidezeitlicher Unfall: Parasaurolophus schwer verletzt!

Parasaurolophus walkeri war ein großer pflanzenfressender Hadrosaurier mit einem röhrenförmigen Kopfkamm, der ihm wahrscheinlich zur Geräuscherzeugung diente. Das etwa 10m lange Tier lebte vor etwa 75 Millionen Jahren in Nordamerika. Vor ziemlich genau 100 Jahren wurde er entdeckt, und fast ebenso lange steht das erste je gefundene und gut erhaltene Exemplar schon im Royal Ontario Museum von Kanada.

 

 

Doch noch immer bergen die Überreste des Dinosauriers mit der Katalognummer ROM 768 etliche Geheimnisse. Eines davon gab das Fossil aber nun dem Paläontologen Filippo Bertozzo und seinen Kollegen preis, nämlich die Antwort auf die Frage, was wohl der schlimmste Tag seines Lebens gewesen ist.

 

 

Offenbar hatte der Dinosaurier nämlich einst einen sehr schlimmen Unfall. Wahrscheinlich während eines Sturms wurde er von einem massiven Objekt am Rücken getroffen, vermutlich einem schweren Baumstamm. Mit schwersten Verletzungen an der Rückenwirbelsäule und dem umgebenden Muskelgewebe überlebte das Tier dieses Trauma jedoch. Die Heilungsspuren an den Läsionen zeigen, dass es nach diesem Unfall noch Monate, wenn nicht sogar Jahre durch die kreidezeitlichen Wälder Kanadas streifte, bevor es schließlich verendete und zum Fossil wurde.

 

 

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Doggerland: kein Tsunami, sondern stetiger Klimawandel führte zu seinem Untergang

Vor 20.000 Jahren, auf dem letzten Höhepunkt der Weichsel-Würm-Kaltzeit, war in den Gletschermassiven so viel Wasser zu Eis erstarrt, dass der Meeresspiegel zeitweilig mehr als 100 Meter unter dem heutigen Niveau lag. Weite Teile der heutigen Nordsee waren damals trockenes Land: Doggerland.

 

Der Storegga-Tsunami traf die Bewohner Doggerlands völlig unvorbereitet. Fotomontage:T-Online

 

Als die Gletscher der Eiszeit schmolzen und der Meeresspiegel stieg, begann Doggerland zu einer Insel zu schrumpfen. Diese Insel, so hieß es bislang, sei um das Jahr 6.150 v. Chr. vernichtet worden, als ein unterseeischer Erdrutsch vor Norwegen den Storegga-Tsunami auslöste, der die letzten Reste Doggerlands mit sich riss und ins Meer spülte. Tausende Menschen, die damals dort siedelten, kamen dabei ums Leben. Wissenschaftler haben aber nun herausgefunden, dass der schreckliche Storegga-Tsunami doch noch nicht das Ende für Doggerland bedeutete. Eine Forschergruppe unter der Leitung der University of Cambridge fand heraus, dass Doggerland wohl noch einige Jahrhunderte nach der Katastrophe weiter existierte. Mithilfe von seismischen Karten, Computersimulationen und anderer Technik konnten sie die Topografie des heutigen Meeresbodens genau vermessen und die geographischen Eigenschaften Doggerlands mit all seinen Hügeln, Flüssen und Sümpfen nachbilden.

 

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Nun deutet alles darauf hin, dass die letzten Reste Doggerlands erst etwa 5.000 v. Chr. in den Wellen versanken. Kein Tsunami, sondern die voranschreitende Erderwärmung und der immer weiter steigende Meeresspiegel ließen die Insel immer kleiner werden und machten ihr allmählich den Garaus.

 

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Mumifizierter Eiszeit-Vogel in Sibirien entdeckt!

Wir erleben gerade ein spannendes Zeitalter in der Urzeitforschung: die Zeit der Eismumien. Infolge des Klimawandels taut der Permafrost in Sibirien und Alaska auf. Auch wenn das aus Sicht von Klimaforschern natürlich alarmierend und eine Katastrophe ist, kamen in letzter Zeit dadurch einige interessante Funde ans Licht, wie etwa die Jungtiere von Höhlenlöwen oder ein mumifizierter Wolf (wir berichteten).

 

 

Bereits 2018 ist ein weiterer hochinteressanter Fund dazugekommen, der nun von Forschern der Universität Stockholm im Schweden untersucht wurde. Es handelt sich um die ersten erhaltenen vollständig mumifizierten Überreste eines Vogels aus der Eiszeit! Das Wort „Eisvogel“ könnte durch diesen Fund zwar eine völlig neue Bedeutung bekommen, aber die Forscher konnten das rund 46.000 Jahre alte Fossil als eine kleine weibliche Ohrenlerche identifizieren.

 

Eine heutige Ohrenlerche. Bildquelle: Wikipedia.

 

Ohrenlerchen sind in baumlosen Gegenden wie Grasprärien oder oberhalb der Baumgrenze verschiedener Höhenzüge auch heute noch häufige Singvögel. In der schier endlosen Graslandschaft der Mammutsteppe könnten sie während der letzten Kaltzeit zu den häufigsten Vögeln gehört haben. Interessant ist, dass der gefundene Vogel Merkmal mehrerer heute bekannter Unterarten in sich vereint. Damals könnte die Ohrenlerchenpopulation noch zusammenhängend gewesen sein, weshalb der Fund auch viel über die Evolution dieser Vögel verrät.

 

Bildquelle und Link zur Studie

 

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Frank und der Vielfraß: Wer hat gesagt, dass das Universum nicht komisch sein kann?

Im Mittelpunkt dieser eigenwilligen Geschichte steht ein ebenso eigenwilliges Institut, das Holistic Explorer Institut. Dort tauchen unvermittelt Menschen auf. Wo diese Menschen herkommen und weshalb sie plötzlich da sind, ist völlig unklar. Völlig unklar ist auch, wie das Ganze funktioniert und was das Ganze soll. Doch dann kommt Frank ins Spiel, dessen Antriebslosigkeit seinesgleichen sucht.
Der Roman ist eine betörende Mischung aus Quantenphysik, Schamanismus, spannender Science Fiction und frischem wie verdrehtem Humor, gespickt mit wunderbar skurrilen Einfällen. Frank und der Vielfraß: Ein Roman mit dem Anspruch, seine Leser auf eine einzigartige Reise mitzunehmen – nicht mehr und nicht weniger.

 

Frank und der Vielfraßist nur für den Kindle erhältlich, hätte gedruckt 150 Seiten und verfügt über den Vorlese-Modus.

 

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Das war es für heute mit den Paläo-News! Wir lesen uns wieder am vierten Adventssonntag, und falls ihr mögt, nehmt bitte gern am Gewinnspiel teil!

 

Viele liebe Grüße aus dem winterkalten Kiel und einen schönen zweiten Advent!

 

Markus Kretschmer

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