Mein Wort zum Sonntag – 7. Februar 2021

Lesedauer: etwa 28 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!


Die letzten zwei Wochen vergingen irgendwie rasant, habe ich das Gefühl. Das könnte daran liegen, dass ich mit Hochdruck an einem neuen Buch arbeite. Das Manuskript dafür ist schon fast fertig, bald schon kann die Illustration beginnen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es am Ende aussehen wird. Worum es geht? Das darf ich noch nicht verraten.


Aber nein, es ist nicht der nächste Teil von „Die weißen Steine“. Der ist nämlich schon lange fertig und schon auf dem Weg zum neuen Verlag. Wie ich schon bekanntgegeben habe, muss der Ehrlich Verlag leider schließen, sodass die folgenden Teile meiner Romanreihe unter der Flagge eines anderen Verlags erscheinen werden. Ich hoffe, ich kann dazu demnächst noch mehr ankündigen – die nächsten Wochen werden diesbezüglich sicher sehr ergiebig sein.

Jetzt muss ich aber erst einmal irgendwie den Schneesturm überstehen.


Bild der Woche

Ein riesiger Quetzalcoatlus hat sich in die Sümpfe von Hell Creek verirrt. Der Flugsaurier mit einer Spannweite von über zehn Metern ist hungrig und hat bereits ein unvorsichtiges Opfer erspäht. Hoffen wir für den jungen Tyrannosaurus, dass er sich rechtzeitig in Sicherheit bringen kann – sonst müssen wir dem Giganten der Lüfte einen guten Appetit wünschen.

Das Bild stammt von Christian M. (Prehistorica).

 


Paläo-News

Auch in den letzten Wochen ging es munter weiter mit spannenden Paläo-News. Und da waren wieder einige verblüffende neue Erkenntnisse dabei:


Aphelicophontes danjuddi: neuentdeckter eozäner Käfer mit erstaunlich guter Erhaltung

In den Ablagerungen der Green River Formation in Colorado, die in der Zeit von vor 56 bis 34 Millionen Jahren bildeten, entdeckte der Fossiliensammler Dan Judd ein außergewöhnlich gut erhaltenes Insektenfossil. Den Käfer, der zu den Raubwanzen gehörte, übergab Judd dem Department of Entomology (Institut für Insektenkunde) in Illinois, deren Wissenschaftler den Fund als eine neue Art erkannten. Sie nannten ihn zu Ehren des Finders Aphelicophontes danjuddi.


Das Fossil ist insofern bemerkenswert, da es einen hervorragenden Erhaltungszustand auch bei den Innereien aufweist. Teile des Verdauungssystems, aber auch die Fortpflanzungsorgane sind so gut erhalten, dass sie uns viel über die Lebensweise und auch die weitere Evolution der Raubwanzen des Eozäns verraten. Raubwanzen waren auch damals schon aktive Jäger, die kleineren Wirbellosen nachstellen, sie mit ihrem giftigen Speichel aus ihrem Stechrüssel lähmten und anschließend aussaugten.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Spinosaurus lebte eher wie ein riesiger Reiher, nicht wie ein Krokodil!

Spinosaurus aegyptiacus ist immer wieder ein Streitthema in der Paläontologie. Wohl kaum ein anderer Dinosaurier hat durch neue Erkenntnisse in der Forschung sein Erscheinungsbild häufiger geändert als er. In einer neuen Studie stellen ihn David W. E. Hone und Thomas R. Holtz erneut auf den Prüfstand und gingen der Frage nach, welche Rolle der Dinosaurier in seinem Ökosystem wohl einnahm. Dabei stellten sie viele Annahmen wieder einmal auf den Kopf.

 

Aktuelle Rekonstruktion eines Spinosaurus aegyptiacus von Joschua Knüppe.

 

Spinosaurus, der bis vor etwa 97 Millionen Jahren in Nordafrika lebte, wird oft als schwimmender Riese dargestellt, der vor allem die großen Fische jagte, die in den Küstensümpfen seines Lebensraums vorkamen. Wie Hone und Holtz feststellten, war Spinosaurus zwar für einen Theropoden ein ganz passabler Schwimmer, er blieb aber weit hinter den Krokodilen, geschweige denn echten aquatischen Tieren zurück. Schwimmend Fische jagen konnte er definitiv nicht, da ihm weder Schwanz, Finne noch Gliedmaßen hohe Geschwindigkeiten erlaubten. Schädelbau und vor allem Nasenöffnungen ließen auch eine treibende Ruheposition im Wasser nicht zu – dabei wäre ihm das Wasser in die Nase gelaufen, bzw. er hätte schon bei der kleinsten Welle Wasser geschluckt. Dass Spinosaurus auch in Flusslandschaften ohne tiefes Wasser gefunden wurde, spricht ebenfalls gegen eine überwiegend aquatische Lebensweise.

 

 

Vielmehr weisen Anatomie und Ökologie auf eine sehr abwechslungsreiche Lebens- und Ernährungsweise hin. Spinosaurus war ein Allround-Talent: er konnte vom Ufer aus wie ein Reiher bzw. wie ein Grizzlybär Fische fangen. Seine Kiefer und Zähne, die übrigens bei Verlust schneller ersetzt wurden als bei den meisten anderen Theropoden, erlaubten ihm aber auch das Knacken hartschaliger und gepanzerter Beute wie Krebse, Muscheln, Schildkröten und Krokodile. Auch die vielen Pterosaurier Nordafrikas dürften eine willkommene Abwechslung für ihn gewesen sein. Die Finne an Schwanz und Rücken dienten demnach eher der Zurschaustellung, wie z.B. bei Basiliskenechsen, als das sie eine Funktion beim Schwimmen erfüllten.

 

 

Link zur Studie


Riesenbabys: Tyrannosaurier waren die größten Schlüpflinge aller Zeiten

Die jüngst im kanadischen Alberta entdecken Kieferfossilien eines Tyrannosauriers, vermutlich die eines noch sehr jungen Albertosaurus sarcophagus, enthüllen ein neues verblüffendes Detail: die Überreste stammen offenbar von einem gerade erst geschlüpften Jungtier oder sogar noch einem Embryo kurz vor dem Schlupf, sind aber nur 20% kleiner als die des nächstkleineren bekannten Kiefers eines vollständigeren Fossils. Beim Vergleich mit diesem stellte sich einerseits heraus, dass die Proportionen und die Morphologie weitestgehend gleich waren. Das bedeutet einerseits, dass sich die Tiere in den ersten Monaten ihres Lebens in ihrem Erscheinungsbild kaum veränderten, abgesehen von der Größe natürlich. So kann man Überreste von Tyrannosauriden-Jungtieren in Zukunft auch schnell als solche erkennen.

 

 

Was aber noch verblüffender ist: rechnet man ausgehend vom besser bekannten Jungtier die Größe des frisch geschlüpften zurück, so bedeutet das, dass der Schlüpfling über einen Meter lang gewesen ist. Mit einem zusammengerollten Embryo im Innern waren die Eier von Tyrannosauriden wie Gorgosaurus, Albertosaurus oder Daspletosaurus damit mehr als 45 cm lang und haben ein Volumen von 12 Litern gefasst, Die Eier und Babys eines Tyrannosaurus waren vielleicht sogar noch größer!

 

Tyrannosaurus-Baby, nach Julius Csotonyi.

 

Damit waren junge Tyrannosaurier die wohl größten Schlüpflinge im Tierreich und rund 10 bis 15% größer als die Küken des ausgestorbenen Elefantenvogels, der die größten bislang bekannten Eier legte.

 

Link zur Studie

 

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Das T. rex-Skelett für zuhause

Für das Skelett des Tyrannosauriers „Stan“ wurden letztes Jahr bei Christies für 31,8 Millionen US$ verkauft. Aber mal Hand auf’s Herz: Wer hat zuhause schon den Platz für ein 12 m langes Skelett im Wohnzimmer, draußen kann man es nicht aufstellen, es verwittert oder wird nachher noch geklaut. Klar, die ganze Nachbarschaft kommt gucken, wenn’s aufgestellt wird, aber spätestens im zweiten Jahr muss man ihm im Winter eine Weihnachtsmannmütze aufsetzen, damit sich die Leute das noch angucken.
Da ist es viel besser, ein kleines Modell in einem brauchbaren Maßstab aufzubauen.

 

Das Tyrannosaurus rex-Skelett kommt da deutlich platzsparender mit etwa 70 cm Länge und 22 cm Höhe daher. Dies ist fast die opimale Größe für zuhause, es passt ins übliche 80 cm-Raster vieler Regale.
Das Skelett hat ein wunderbares braunes Finish, das vielen Museumsexemplaren sehr nahe kommt. Es wird als Bausatz mit nur 54 Teilen geliefert, die nur teilweise geklebt werden müssen.

 

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Neuer Schädel eines Parasaurolophus cyrtocristatus beschrieben!

Parasaurolophus gehört zu den bekanntesten Entenschnabelsauriern und lebte vor etwa 75 Millionen Jahren während der späten Oberkreide in Nordamerika. Im Jahre 2017 entdeckte Erin Spear vom Smithsonian Institute in New Mexico zum ersten Mal seit 97 Jahren einen Schädel der seltenen Parasaurolophus-Art P. cyrtocristatus. Der erste und bislang einzige Schädel war 1923 von Charles Sternberg gefunden worden.

 

Die drei Parasaurolophus-Arten, nach Candela Riveros: 1) P. tubicen, 2). P. walkeri und 3) P. cyrtocristatus.

 

In mühevoller Feinarbeit wurde das Fossil nun präpariert und in einer neuen Studie beschrieben. Terry Gates von der North Carolina University zeigt sich von dem Fund schwer beeindruckt, bei dem sowohl der (im Vergleich zu anderen Arten recht kurze) Kopfzapfen als auch die Nasengänge vollständig erhalten waren.

 

 

Gates und sein Team gewannen bei ihren Forschungen genaue Einblicke in das Wachstum des Knochenzapfens und rekonstruierten, wie und in welchem Alter den Tieren ein solcher Kamm gewachsen ist. Sie konnten auch die Theorie zementieren, dass Parasaurolophus seinen Kamm zur Kommunikation mit Artgenossen einsetzte. Der hohle Kamm war ein hervorragender Klangkörper, durch den die Atemluft lange Strecken zurücklegte.

 

 

Außerdem ermöglicht das Fossil einem genaueren Verständnis der Verwandtschaftsverhältnisse von P. cyrtocristatus zu anderen Parasaurolophus-Arten. Morphologische Gemeinsamkeiten legen nahe, dass P. cyrtocristatus eng mit P. tubicen verwandt war, der Art mit dem längsten Schädelkamm, mit dem er vor allem im Süden des westlichen Nordamerikas vorkam. Weiter im Norden überschnitt sich ihr Lebensraum auch mit dem von P. walkeri, der bekanntesten Art, die sich wohl als erste von einem gemeinsamen Vorfahren abgespalten hatte.

 

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Überreste eines großen Flugsauriers der späten Kreidezeit in Utah gefunden

Andrew A. Farke vom Raymond M. Alf Museum of Paleontology in Claremont (Kalifornien) beschreibt in seiner neuesten Arbeit das Material eines großen Flugsauriers, das in der Grand Staircase Escalante Formation im Westen des U.S. Bundesstaates Utah gefunden wurde. Die Fossilien, vor allem Teile der Flügel und Beine, lassen auf ein weiteres Mitglied der Azhdarchidae schließen, die zu den größten fliegenden Tieren der Erdgeschichte gehören. Manche Exemplare erreichten Flügelspannweiten von mehr als zehn Metern.

 


Der Fund aus Utah mit der Katalognummer RAM 25574 stammt aber wohl von einem nicht ganz so großen Flugsaurier. Ausgehend von den Proportionen besser bekannter Azhdarchiden wie Cryodrakon (im Bild rechts) und Quetzalcoatlus konnte Farke die Flügelspannweite des neuentdeckten Flugsauriers auf zwischen 4,3 und 5,9 m beziffern. Das Tier wurde in Gesteinsschichten gefunden, die ein Alter von etwa 74 Millionen Jahren haben und aus dem Campanium, der vorletzten Stufe der Kreidezeit stammten.

 

Ein Azhdarchide (Cryodrakon). Bildquelle: Wikipedia; PaleoEquii.

 

Einen eigenen Namen hat das Fossil wegen fehlender Merkmale, die es von anderen Flugsauriern abgrenzen, noch nicht bekommen. Weitere Forschungen müssen noch klären, ob es sich um eine eigene Art handelt, oder um einen bereits bekannten Flugsaurier.

 

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Platyosphys einori„: Neubeschreibung von Urzeit-Wal aus der Ukraine

Im späten Eozän vor etwa 37 Millionen Jahren befand sich eine Gruppe von hochspezialisierten Säugetieren auf ihrem ersten Siegeszug: die Wale. Sie hatten bereits zehn Millionen Jahre zuvor die ersten Schritte zur Eroberung der Ozeane unternommen, jetzt waren sie die neuen Giganten der Meere. Eine Gruppe dieser Urzeitwale sticht durch ihre Größe besonders hervor: die Familie der Basilosauridae, deren Körperbau entfernt an die lange vorher ausgestorbenen Mosasaurier erinnerte. Auch Basilosaurier waren schlanke, wendige und perfekt an die Jagd im Meer angepasste Killer-Wale – und Wal-Killer, die bevorzugt auf die Jagd nach anderen Meeressäugern gingen.

So könnte der Urwal ausgesehen haben. Rekonstruktion nach Jamie Bran.

 

Die Fossilien eines dieser Wale, das im nordöstlichen Tethys-Urmeer lebte, wurden bereits in den 70ern in der Ukraine gefunden und zuerst der Gattung Zeuglodon, 2001 als eigene Gattung und Art Platyosphys einori beschrieben. Doch diese Benennung wird in einer neuen Studie infrage gestellt.

 


In ihrer Arbeit ermittelten Forscher der Academy of Sciences in Kiew neue Daten zu Körpergröße, Mikroanatomie des Skeletts und zur Verwandtschaft des Tieres mit anderen Walen. Sie fanden außerdem heraus, dass der Wal noch einen ausgeprägten Hals und ein geringes Hörvermögen niedriger Frequenzen unter Wasser besaß. Die Fossilien lassen auf ein etwa 10 m langes, aber noch nicht ausgewachsenes Tier schließen.

 

 

Einige Merkmale wie der pachyosteosklerotische Kortex der Wirbel sind eher typisch für modernere Wale und kommen bei anderen Basilosauriern noch nicht vor, weshalb der Riese aus dem Eozän vielleicht sogar zu einer moderneren Linie von Walen gehörte- bzw. ein Missing Link zu ihnen ist. Deshalb verwerfen die Forscher die zuvor aufgestellte Phylogenie und Zugehörigkeit zu Platyosphys und stellen ihn außerhalb, als „Basilosauridae incertae sedis“, also als einen Basilosaurier unsicherer Zuordnung.

 

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Das Schicksal der kreidezeitlichen Strahlenflosser (Actinopterygia)

Fossilien von Strahlenflossern, einer Großgruppe der Knochenfische, aus der Zeit kurz vor und kurz nach dem kreidezeitlichen Massenausterben sind äußerst selten, und so ist auch unser Wissen über die Auswirkungen des Meteoriteneinschlags auf die Meere weitestgehend unbekannt, genauso wie wir kaum etwas darüber wissen, was danach geschah und auf welche Weise sich die marinen Ökosysteme wieder erholten, die ja schließlich auch unsere heutige Artenvielfalt hervorbrachten.

 


Jüngste Feldforschungen im K-Pg-Intervall der Pindos-Einheit in Eurytanien (Griechenland) werfen nun ein neues Licht auf vergessene fossile Schichten und ermöglichten die Sammlung einer vielfältigen, aber fragmentarischen Stichprobe von Strahlenflossern aus der Zeit des späten Maastrichtiums und des frühen Paläozäns. Die Schichten aus der spätesten Kreidezeit werden demnach von Fischen aussenden Familien Ichthyotringidae und Enchodontidae dominiert, während die Dercetidae, Elopomorphe und zusätzliche, nicht identifizierte Knochenfische Nebenbestandteile bilden. Zu den paläozänen Fossilien gehören ein Clupeid, ein Stomiiform und einige nicht identifizierte Knochenfische.

 

 

Diese Studie erweitert die schlechte Aufzeichnung von Körperfossilien aus diesem kritischen Zeitintervall, insbesondere für kleinere Taxa, und bietet gleichzeitig einen seltenen, paläogeografisch beschränkten, qualitativen Einblick in die Ökosysteme des offenen Tethys-Meeres, sowohl vor als auch nach dem Aussterben. Die Fossilproben aus dem Maastrichtium weisen zudem eine große Ähnlichkeit zu denen aus anderen etwas gleichalten Ablagerungen aus anderen Teilen der Welt auf, das zu dem Schluss führt, dass die Tethys damals ein großes, zusammenhängendes Ökosystem bildete.

 


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Umfassende Studie über den Klimawandel im Phanerozoikum – vom Kambrium (540Ma) bis heute

Eine neue Studie internationaler Klimaforscher um Christopher R. Scotese liefert eine umfassende und quantitative Schätzung, wie sich die globalen Temperaturen in den letzten 540 Millionen Jahren verändert haben. Es kombiniert Paläotemperaturmessungen aus Sauerstoffisotopen mit breiteren Erkenntnissen aus der sich ändernden Verteilung lithologischer Klimaindikatoren wie Kohle, Evaporit, Kalk, Riffen und Bauxitablagerungen gewonnen wurden. Das Wachsen und Abnehmen der großen polaren Eiskappen der Erde wurde mithilfe der früheren Verteilung von Tilliten, Tropfsteinen und Glendoniten kartiert.

 

 

Das in der Studie vorgestellte globale Temperaturmodell enthält Schätzungen der durchschnittlichen globalen Temperatur (GAT), der sich ändernden tropischen Temperaturen (∆T ° tropisch), der Tiefseetemperaturen und der polaren Temperaturen.  Obwohl das Modell in vielerlei Hinsicht der Temperaturhistorie ähnelt, die direkt aus der Untersuchung von Sauerstoffisotopen abgeleitet wurde, sagt es nicht die extrem hohen Temperaturen für das frühe Paläozoikum voraus, die für Isotopenuntersuchungen erforderlich sind. Die Geschichte der globalen Temperaturänderungen während des Phanerozoikums wurde in einer „Paläotemperatur-Zeitskala“ zusammengefasst, die die vielen vergangenen Klimaereignisse in 8 Hauptklimamodi unterteilt. Jeder Klimamodus besteht aus 3-4 Paaren von Erwärmungs- und Abkühlungs-Episoden.

 

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Vor einigen Tagen erschien noch eine weitere Studie zum Paläo-Klima, die sich allerdings mit dem Klima des frühen Phanerozoikums, also dem Klima zur Zeit des Beginns des sichtbaren Lebens auf der Erde befasste.


Xenodens calminechari: neuer Mosasaurier mit bizarren Zähnen beschrieben

Vor etwa 97 Millionen Jahren kam es in den Meeren der frühen Oberkreide zu einem Desaster: bei einem anoxischen Ereignis, verursacht durch massiven Vulkanismus, sank der Sauerstoffgehalt im Wasser extrem ab, was einen totalen Zusammenbruch der marinen Ökosysteme bedeutete. Die Ichthyosaurier und auch die gefürchteten Riesen-Pliosaurier starben nun aus und machten den Weg für neue Herrscher frei: an ihre Stelle traten nun die Mosasaurier, enge Verwandte der Warane und Schlangen, die bis zum Ende der Kreidezeit die Spitzenprädatoren in allen Ozeanen blieben.

 

Lebendrekonstruktion eines Xenodens von César Camilo Julián Caballero.

 

Dabei entwickelten sie eine umfangreiche Artenvielfalt und spezialisierten sich auf viele ökologische Nischen. Einen besonders speziellen Vertreter beschreiben Nick Longrich seine Kollegen in ihrer jüngsten Studie: Xenodens calminechari, der in den Ablagerungen des Ouled Abdoun Beckens in Marokko entdeckt wurde und vor etwa 67 Millionen Jahren lebte, besaß extrem eng zusammenstehende, wie die Zacken einer Säge angeordnete Zähne, die einzigartig sind im ganzen Tierreich.

 

 

Die Zähne des Tieres, dessen Arabisch-Griechischer Misch-Name übersetzt „fremdartiger Säge-Zahn“ bedeutet, erfüllten wahrscheinlich eine ähnliche Funktion wie bei Piranhas oder Dornhaien. Xenodens konnte dich damit von einer abwechslungsreichen Kost aus Tintenfischen, Ammoniten und Krustentieren ernähren, und er fraß wohl auch gern an Kadavern toter Meeresreptilien.

 

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Siskemia eurypyge: Spurenfossil eines frühen Flusskrebses aus dem Unterjura Nordamerikas entdeckt!

Das Mesozoikum gilt allgemein als die Ära der Reptilien. Die größte Aufmerksamkeit bekommen dort seit jeher vor allem die Dinosaurier, doch dabei wird oft vergessen, dass auch viele andere Arten damals ihre Entwicklung begannen, die es zum großen Teil heute noch gibt. Ein Beispiel sind die Krebse, die bereits im Unterjura eine große Artenvielfalt hervorgebracht hatten.

 

 

Forscher der Dixie State University of Utah fanden nun die Fährte eines relativ großen Arthropoden in der Moenave Formation im Süden, die dort vor etwa 200 Millionen Jahren hinterlassen wurde. Da aus dieser Zeit keine so großen Rieseninsekten mehr lebten, die als Verursacher infrage kamen, vermuteten die Forscher einen Krebs als Ursprung der rätselhaften Fährte. Bei Vergleichen mit den Fährten heutiger Krebstiere konnten sie das Feld weiter eingrenzen: es wird sehr wahrscheinlich ein früher Flusskrebs gewesen sein.

 

Ein heutiger Flusskrebs. Bildquelle: Wikipedia.

 

Die Forscher beschrieben ihren Fund als neues Ichnotaxon Siskemia eurypyge. Es ist übrigens der erste fossile Spurennachweis eines Flusskrebses (Astacida) aus dem Mesozoikum.

 

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Cretolixon alatum – Wespe der Kreidezeit

Der Bernstein aus Myanmar, der sich in den dichten Wäldern vor rund 100 Millionen Jahren bildete, ermöglicht uns spektakuläre Einblicke in Die Welt der Kleintiere, die in der späten Unter- und frühen Oberkreide lebten. Dabei ist die Erforschung dieser Fossilien unter Experten aber höchst umstritten, aus ethischen Gründen: die schon als „Blood Amber“ bezeichneten Fossilien finanzieren durch ihren Verkauf brutale Menschenrechtsverletzungen an den muslimischen Minderheiten im Land.

 

 

Volker Lohrmann vom Übersee-Museum in Bremen hat zusammen mit Kollegen nun eine neue Insektenart beschrieben, die perfekt konserviert in ihrem Gefängnis aus fossilem Baumharz überdauerte. Cretolixon alatum, wie sie ihren Fund nannten, ist eine frühe Vertreterin der Wespen und gehört zu der Familie der Rhopalosomatinae, die heute noch zumeist nachtaktiv in den Tropen und Subtropen (außer in Europa) verbreitet sind. Das Fossil gehört zu den frühesten bekannten Nachweisen dieser Tiergruppe.

 

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Neue Studie zu Phylogenie und Ontogenese des „Dickschädelsauriers“ Sphaerotholus

Er gehört zu den wenigen Dinosauriern aus Hell Creek, die ich bewusst aus meinem Roman „Die weißen Steine“ herausgelassen habe: Sphaerotholus, ein Cousin des besser bekannten und deutlich größeren Pachycephalosaurus. Grund dafür war, dass die Gattung trotz der verhältnismäßigen Häufigkeit umstritten war. Ihre Fossilien stammen nämlich aus einem langen Zeitfenster, das vom Ende der Dinosaurier bis ins Campanium zurückreicht – und das sind immerhin 8 Millionen Jahre. Insgesamt wurden drei Arten beschrieben: S. buchholtzae aus Hell Creek, sowie die beiden älteren S. edmontonensis und S. goodwini. Nur letztere galt gemeinhin als gültig, die anderen wurden immer wieder angezweifelt oder auch anderen Gattungen wie Prenocephale oder Stegoceras zugeordnet.

 

 

Die Paläontologen Cary Woodruff, Mark Goodwin, Tyler Lyson und David Evans unterzogen das bekannte Fossilmaterial – immerhin 31 Schädelkuppeln und andere Skelettteile einer ausführlichen Studie, um die Verwandtschaftsverhältnisse zu klären und festzustellen, ob es sich bei S. edmontonensis und S. goodwini nicht um verschiedene Wachstumsstadien derselben Spezies handelt. Ihr Ergebnis: das war offenbar nicht der Fall. Die Kuppeln unterscheiden sich in ihrem Aufbau doch an einigen Stellen, die nicht durch Wachstumsveränderungen zu erklären sind. S. edmontonensis steht dem jüngeren Hell Creek-Bewohner S. buchholtzae verwandtschaftlich sogar näher und könnte demzufolge sogar sein direkter Vorfahre sein, während S. goodwini einen eigenen Zweig repräsentiert.

 

Da diese Studie neues Licht auf diesen umstrittenen Dinosaurier wirft, kann ich ihn nun also ohne Bauchschmerzen in meinen Roman einbauen. Vielleicht in einer ähnlichen Szene, wie sie der Paläo-Künstler Tuomas Koivurinne hier gemalt hat?

 

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Die ersten „Panzerknacker“: Trilobitenfossil offenbart Fähigkeit zum Öffnen hartschaliger Beute

„Durophagen“ werden in der Ökologie Tiere genannt, die sich vor allem von Nahrung ernähren, die extrem hart ist. Hyänen, die Knochen zerbrechen, Walrösser, die Muscheln fressen, oder auch eine Möwe, die den Panzer eines Krebses knackt, sind dafür dezente Beispiele. In einer neuen Studie stellen Paläontologen der University of New England in Armidale, Australien den bislang ältesten Nachweis für ein Tier mit einer Vorliebe für knackige Nahrung vor: einen Trilobiten des Kambriums, der vor mehr als 500 Millionen Jahren lebten.

 

 

Trilobiten gehören zu den häufigsten Fossilien des frühen Paläozoikums. Das Problem ist nur: da sie eine benthische Lebensweise hatten, also am Meeresboden lebten, wurde fast immer nur ihre Oberseite fossiliert. Dabei ist für Forschungen über die Lebens- und vor allem die Ernährungsweise vor allem die Unterseite interessant, da dort die Körperöffnungen und Weichteile saßen. Durophagie konnte man deshalb bislang fast nur durch Verletzungsspuren auf den Beutetieren nachweisen, oder auch durch Schalenfragmente in fossilem Kot.

 

Fossilien von Olenoides serratus (links) und Redlichia rex.

 

In ihrer Studie verglichen die Forscher die gut erhaltenen Überreste der sehr großen Trilobitenarten Olenoides serratus und Redlichia rex, die bis über 25 cm lang werden konnten. Sie untersuchten besonders die kräftigen Beinpaare, die sie dabei mit rezenten Pfeilschwanzkrebsen verglichen. Obwohl diese nur sehr entfernt mit den ausgestorbenen Trilobiten verwandt sind, taten sich doch Parallelen auf: auch in den Gliedmaßen der Ammoniten steckte eine beträchtliche Kraft. Sie waren definitiv stark genug, um damit Beute zu packen und deren harten Panzer aus Kalzit aufzubrechen.

 

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Älteste Landlebewesen waren vermutlich Pilze

Shuhai Xiao und Tian Gan vom Virginia Tech College machten bei der Analyse von Gesteinen aus dem späten Cryogenium einen spektakulären Fund: sie stießen auf die Mikrofossilien eines terrestrischen (landbewohnenden) Lebewesens, das eine Myzel-ähnliche Struktur bildete, so wie heutige Pilze – und das in einer Zeit, in der es sie eigentlich noch gar nicht geben dürfte!

 

 

Vor 635 Millionen Jahren befand sich die Erde gerade am Ende des Marinoischen Eiszeitalters. Fast 20 Millionen Jahren war fast die gesamte Erdkugel von Eis und Schnee bedeckt, weshalb man häufig den Begriff „Schneeball-Erde“ verwendet. Erst danach, im Zeitalter des Ediacariums, habe das Leben zu seinem ersten großen Wurf ausgeholt – so der bisherige Wissensstand. Die Forscher hatten also nicht mit Spuren höheren Lebens gerechnet, als sie in Südchina ihre Proben sammelten, und fielen bei der Betrachtung unter dem Mikroskop aus allen Wolken.

 

 

Ob diese Lebewesen echte Verwandte der heutigen Pilze waren, steht zwar nicht genau fest, aber sie könnten trotzdem eine Schlüsselrolle für den weiteren Erfolg des Lebens dargestellt haben: Pilze sind in vielerlei Hinsicht Pioniere, auch heute noch sind sie für den Nährstoffhaushalt ganzer Ökosysteme die wichtigste Basis. Die von den Pilzen gebildeten Enzyme könnten Mineralien gelöst haben, wichtige Nährstoffe, die dann über den Wasserkreislauf ins Meer befördert wurden. Dort förderten sie auch die Evolution der marinen Mikroorganismen, die sich im Ediacarium zu den ersten Tieren entwickelten.

 

Das Fossil beantwortet zudem die Frage, ob es vor der Kolonisierung des Landes durch Pflanzen bereits Pilze im Boden gegeben haben könnte. Pilze sind auch für Pflanzen wichtige Symbionten und könnten viele Millionen Jahre später beim ersten Ergrünen unseres Planeten eine wichtige Rolle gespielt haben.

 

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Neue Tierart: Mini-Chamäleons mit riesigen Geschlechtsorganen auf Madagaskar entdeckt!

Die evolutionäre Verringerung der Körpergröße (Miniaturisierung) ist ein wichtiges Thema der Evolutionsforschung. Basierend auf zwei Individuen beschreiben Frank Glaw (Zool. Staatssammlung München), Jörn Köhler (Hessisches Landesmuseum Darmstadt) und Miguel Vences (TU Braunschweig) ein neues, winziges Chamäleon, das möglicherweise die kleinste Reptilienart der Welt ist: Brookesia nana.

 

 

Das männliche Tier hat eine Gesamtlänge von knapp 2cm, das Weibchen ist mir fast 3cm deutlich größer. Beide Tiere sind aber offenbar ausgewachsen und geschlechtsreif: beim Männchen wurde ein vollentwickelter und im Verhältnis zum restlichen Körper sehr großer Hemipenis ausgemacht, das Weibchen trägt Eier in seiner Bauchhöhle. Die Reptilien wurden tief im Regenwald des nördlichen Madagaskars gefangen.

 


Durch molekulare phylogenetische Analysen wird es als Schwester von B. karchei eingestuft, der größten Art in der Gruppe der miniaturisierten Brookesia-Arten. Eine vergleichende Untersuchung der Genitallänge bei madagassischen Chamäleons ergab, dass die kleinsten Chamäleons tendenziell die relativ größten Penisse aufweisen, was eine Folge eines umgekehrten Dimorphismus sein könnte – schließlich sind die Männchen ja deutlich kleiner als die Weibchen. Der große Penis wird wohl benötigt, um das fast um die Hälfte größere Weibchen überhaupt begatten zu können. Um dies zu prüfen, müssen die weiblichen Geschlechtsorgane aber noch genauer untersucht werden.

 

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Weiterer Beleg für Vermischung: Neandertaler von Kanalinsel Jersey tragen Gene von modernen Menschen

Tim Compton vom National Museum of Natural History in London und seine Kollegen gelang anhand von Zahnfunden aus der Höhle La Cotte de St Brelade auf der Südwestseite der Kanalinsel Jersey ein weiterer Nachweis für eine Hybridisierung des Neandertalers mit modernen Menschen (Homo sapiens). Die Zähne, die dort bereits 1911 gefunden wurden, wiesen bei der CT-Untersuchung Merkmale beider Spezies auf: der Rand der Zähne war wie der unserer eigenen geformt und er fehlte der typische Kamm, den Neandertaler-Zähne sonst immer haben. Ansonsten war der Zahn aber recht breit und flach, was deutlich für einen Neandertaler spricht, dem diese Zähne auch zuerst zugeordnet wurden.

 

 

Mit einem Alter von 48.000 Jahren sind die Zähne darüber hinaus älter als die durch vorherige Funde vermutete früheste Ansiedlung des Homo sapiens in Europa. Die Forscher schließen daraus, dass Vermischungen beider Spezies deutlich regelmäßiger vorkamen als bislang gedacht. Die Hybridisierung muss bereits in vollem Gange gewesen sein, noch bevor der Homo sapiens sich fest im Europa niederließ. Wahrscheinlich kam es bereits lange vorher zu ersten Vermischungen, und die Neandertaler aus Jersey stammen von diesen Hybriden ab.

 

 

Jersey war zu jener Zeit übrigens noch keine Insel, sondern gehörte zum Festland, da der Meeresspiegel damals viel tiefer lag als heute. Es war ein Durchzugsgebiet großer Tierherden, wo die Neandertaler reiche Jagdgründe vorfanden. Bereits vor etwa 250.000 Jahren besiedelten ihre Vorfahren die Gegend. Die Studie legt jedoch nahe, dass die Neandertaler-Populationen einem stetigen Austausch unterlagen, denn nur so ist die Einkreuzung des modernen Menschen zu erklären.

 

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„Upgrade“ für den Daumen: Forscher studieren an Urmenschen-Fossilien die Entwicklung unserer Handgeschicklichkeit

Die systematische Herstellung und Verwendung von Werkzeugen ist eines der bestimmenden Merkmale der Menschheit, das wohl schon vor über 3 Millionen Jahren entstand. Allerdings war für das Anfertigen präziserer Werkzeuge eine hohe Flexibilität des Handskeletts nötig, die erst im Laufe der weiteren Entwicklungsgeschichte allmählich hervorkam.

 

 

Vangelis Tourloukis von der Universität Tübingen und sein Forschungsteam entwickelten nun einen neuen Ansatz, um die Effizienz der Daumenopposition, einer grundlegenden Komponente der manuellen Geschicklichkeit, bei mehreren Arten von Urmenschen zu untersuchen. In ihrer Arbeit berücksichtigen sie zum ersten Mal auch das Weichgewebe und die Knochenanatomie, und schufen dazu ein detailliertes virtuelles 3D-Modell, um die Flexibilität der Hände unserer Vorfahren zu simulieren.

 

 

Die Ergebnisse zeigen, dass vor ungefähr 2 Millionen Jahren eine Modifikation des Daumengelenks auftrat, möglicherweise nur bei unserer eigenen Gattung Homo. Früheren werkzeugherstellenden Homininen wie Australopithecus fehlte dieses Merkmal allerdings, auch wenn bei manchen späteren Arten die Skelettanatomie allein schon sehr „modern“ war. Im Gegensatz dazu weisen spätere Homo-Arten, einschließlich des kleinhirnigen Homo naledi, ebenfalls ein hohes Maß an Finger-Oppositions-Geschicklichkeit auf, was die zunehmende Bedeutung kultureller Prozesse und manueller Geschicklichkeit in der späteren menschlichen Evolution unterstreicht.

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Neue Studie über Thalassomedon haningtoni: Meeressaurier mit langen Fangzähnen

Thalassomedon haningtoni ist einer der am vollständigsten erhaltenen elasmosauriden Plesiosaurier, die bisher beschrieben wurden. Bislang wurden zwei relativ vollständige Exemplare in der Graneros Shale Formation im mittleren Westen der USA gefunden, wo das bis zu 11m lange Tier vor etwa 95 Millionen Jahren während der frühen Oberkreide lebte. Thalassomedon wird wegen seines guten Überlieferungszustandes häufig als „Modell-Elasmosaurier“ verwendet, wobei er zur Rekonstruktion anderer Taxa dient, die nicht so gut überliefert sind.

 

Lebendrekonstruktion von Thalassomedon haningtoni nach Nobu Tamura.

 

In ihrer jüngsten Studie präsentieren Sven Sachs vom Naturkundemuseum Bielefeld sowie seine internationalen Kollegen Johan Lindgren, Daniel Madzia und Benjamin P. Kear eine detaillierte Neubewertung der Schädelosteologie von T. haningtoni. Sie hatten dabei zum Ziel, das bislang umstrittene Artniveau zu bewerten und konnten dabei mehrere wichtige diagnostische Schädelmerkmale identifizieren. Die Studie wirft außerdem neues Licht auf die Abstammungsgeschichte der Elasmosaurier im Western Interior Seaway, dem Binnenmeer, das Nordamerika einst in der Mitte teilte.

 

 

Interessant bei T. haningtoni sind die zwei extrem verlängerten „Hauer“ im Oberkiefer, deren genaue Funktion bislang unbekannt ist. Möglicherweise dienten sie nicht nur zum Beuteerwerb, sondern erfüllten auch einen Zweck bei der innerartlichen Kommunikation: sie könnten der Zurschaustellung bei Rangkämpfen gedient haben.

 

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Protoceratops andrewsi: Nackenschild diente der innerartlichen Kommunikation und Partnerwerbung

Zu diesem Schluss kamen Londoner Paläontologen, als sie die Fossilien des kleinen, hornlosen Ceratopsiers aus der Mongolei mithilfe von 3D-Analysen untersuchten. Protoceratops, der etwa so groß war wie ein Schwein und in der späten Kreidezeit vor etwa 75 Millionen Jahren lebte, gehört zu den häufigsten je gefundenen Dinosauriern und eignet sich für so eine Studie besonders gut.

 

Lebenrekonstruktion von Protoceratops andrewsi nach Emily Willoughby.

Schon früher wurde die Funktion des mächtigen Nackenschilds, den auch viele andere Horndinosaurier wie der berühmte Triceratops trugen, mit der Balz in Verbindung gebracht. Da es aber schwierig und oft nur spekulativ ist, die Funktion des Körpermerkmals eines ausgestorbenen Tieres allein anhand morphologischer Merkmale zu ermitteln, vertrauen Forscher heute vor allem auf den Messdaten, die sie durch 3D-Scans erhalten. Es gibt einige spezifische Wachstums- und Variationsmuster, die bei einer sogenannten Display-Funktion (also bei der Zurschaustellung) zu erwarten sind.

 

 

Die Forscher untersuchten deshalb stichprobenartig mehrere Schädel auf insgesamt vier Eigenschaften: geringe Integration mit dem Rest des Schädels, signifikant höhere Änderungsrate von Größe und Form während des Jugendwachstums und höhere morphologische Varianz als in anderen Schädelregionen belegen die Theorie. Der zu erwartende Geschlechtsdimorphismus, also deutliche Unterschiede am Schild von Manchen und Weibchen, konnte aber nicht nachgewiesen werden.

 

Link zur Studie


Arktischer Ozean war einst riesiger Süßwassersee!

In den letzten 150.000 Jahren war das arktische Meeresbecken mehrfach mit Süßwasser gefüllt. Zu diesem Schluss kamen Forscher des Alfred Wegener Instituts in Bremerhaven, nachdem sie Bohrkerne aus der Arktis auf Thorium-230-Isotope untersucht haben. Dieses Isotop entsteht beim natürlichen Zerfall winziger Mengen Uran im salzigen Meerwasser und lagert sich auf dem Grund des Ozeans ab. Im Süßwasser wird proportional zum Salzgehalt weniger Th230 gebildet.

 

 

In zwei langen Zeitabschnitten, den Ablagerungen von vor 150.000 bis 131.000 Jahren, und von vor 70.000 bis 62.000 Jahren, fanden die Forscher überhaupt keine Th230-Isotope! Das Polarmeer muss in diesen Zeiten überhaupt kein Salzwasser enthalten haben. Es war während der Eiszeit also entweder bis zum Grund durchgefroren, oder in der Tiefe unter dem Eis ausschließlich mit Süßwasser gefüllt.

 

 

Der Grund dafür war wahrscheinlich der extrem niedrige Meeresspiegel: Landbrücken schnitten das arktische Meer damals komplett vom Ozan ab. An manchen Stellen transportierten auch nordwärts strömende Flüsse große Mengen Süßwasser ins Polarmeerbecken. So wurde das Meer innerhalb weniger Jahrtausende komplett ausgesüßt.

 

 

Die neue Studie trägt damit auch wesentlich zum Verständnis der klimatischen Prozesse während der Kaltzeiten bzw. deren Ende bei: An bestimmten Kipppunkten, wenn die Landbarrieren durch den Anstieg des Süßwassersees durchbrochen wurden, dürften große Süßwassermengen in den Nordatlantik geströmt sein. Dies hatte wiederum massive Auswirkungen auf den Verlauf der Meeresströmungen und einen globalen Temperaturanstieg zur Folge.

 

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Ein Zwergsauropode und seine Welt – mitten in Europa

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese alte Weisheit ist der Grundtenor dieser Graphic Novel, einem Comic im Buchformat, welche ein Inselökosystem in Norddeutschland vor 154 Millionen Jahren wieder zum Leben erweckt. Der titelgebende Zwergsauropode Europasaurus, welcher im Steinbruch Langenberg in Niedersachsen 1998 gefunden wurde, steht im Zentrum und ist gleichzeitig narrativer Faden durch die Handlung. Aber er ist nur ein Teil eines viel größeren Ensembles. In mehreren Episoden wird das Leben der damaligen Tiere in ihrer Umwelt visuell erzählt. Die Geschichten sind stimmig miteinander verknüpft, sodass das jurazeitliche Ökosystem in all seinen bisher bekannten Facetten dargestellt werden kann. Damit werden die Forschungsergebnisse der langjährigen Arbeiten am Langenberg für ein breites Publikum erschlossen. (Aus einer Amazon-Rezension)

EUROPASAURUS: Urzeitinseln voller Leben – Life on Jurassic Islands ist am 3. November 2020 bei Dr. Friedrich Pfeil erschienen und hat 184 Seiten auf Deutsch und Englisch.

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Artikel der Woche

In meinem Artikel der Woche setzte ich die Reihe zur Erdgeschichte weiter fort und klärte einige weitere Basics zur Fossiliendatierung:

 

 

Außerdem, nach einigem Ärger mit einem Kreationisten, der regelmäßig meine Beiträge trollte, sah ich mich dazu genötigt, mal ein persönliches Statement zum Kreationismus abzufassen:

 


Ich hoffe, du kommst gut durch den plötzlichen Wintereinbruch. Oder auch durch den Frühlingsanfang: Ich finde es zwar sehr unfair, dass der Süden wahrscheinlich schon frühsommerliche Temperaturen genießen darf, während wir im Norden im Schnee absaufen, aber es sei den Menschen dort gegönnt. Falls ich es die Tage zu einer schönen Winterwanderung schaffe, schicke ich ein paar Fotos. Schließlich kann Schleswig-Holstein im Schnee wirklich traumhaft schön sein – erleben wir nur leider viel zu selten.

 

Bis dahin noch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

 

Liebe Grüße und bleibt gesund, Dein

Markus Kretschmer

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