Mein Wort zum Sonntag – 9. Mai 2021

Lesedauer: etwa 23 Minuten
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Hallo und einen schönen Sonntag wünsche ich euch!

 

Vor zwei Wochen habe ich noch über Kälte geschrieben. Mich über so viele Dinge geärgert, die derzeit in unserem Land, aber auch in der ganzen Welt schief liefen. Die letzten zwei Wochen haben mich jedoch etwas optimistischer werden lassen. Gestern hieß es sogar, Deutschland habe es geschafft, die dritte Welle zu brechen. Ob das nun an den getroffenen Maßnahmen der Corona-Notbremse lag, darf natürlich bezweifelt werden. Ich tippe da eher auf die eisenharte Disziplin und den Durchhaltewillen der Mehrheit unserer Bürger. Aber wie dem auch sei: es ist natürlich eine gute Nachricht, dass die Zahlen wieder sinken!

 

Genauso gut ging es mit den Nachrichten weiter: jeden Tag schaffen wir es nun, mehr als 1.000.000 Menschen bei uns zu impfen! Einer der Impfstoffe ist nun sogar allgemein frei gemacht worden, jeder, der will, darf sich damit impfen lassen. Zwar handelt es sich um den allseits unbeliebten AstraZeneca-Impfstoff, zwar kommt dieser „Vorstoß“ meiner Ansicht nach viel zu spät, aber meine Güte, lassen wir das Gemecker und Gejammer und hoffen, dass es nun endlich wieder aufwärts… nee, Moment, falsche Wortwahl: dass es nun endlich wieder besser wird!


Tolle Neuigkeiten für die Leser von „Die weißen Steine“!

Und mit den tollen Nachrichten möchte ich gar nicht mehr aufhören: auch für meine Buchserie waren das zwei sehr erfolgreiche Wochen! Die Neuauflage von Band I „Neue Alte Welt“ ist beinahe fertig. Sogar der erste Coverentwurf ist schon da, den ich heute aber noch geheim halten werde. Wir warten nämlich noch auf einen zweiten. In den kommenden Tagen dürft ihr als Leser dann entscheiden, welches Cover wir nehmen. Ich verrate euch jetzt schon: die werden großartig! Natürlich wird es im Rahmen dieser Abstimmung auch wieder eine kleine Giveaway-Aktion geben.

Sobald der erste Band draußen ist, geht es nahtlos weiter mit Band II „Blut der Sonne“, auf den einige von euch ja nun schon seit über einem Jahr warten. Doch jetzt brauche ich euch nicht mehr zu vertrösten: bald ist er da! Voraussichtlich im Juli wird er wie auch Band I bei Amazon erhältlich sein.

Falls es unter euch noch Leser gibt, die beim Ehrlich Verlag, der mein Buch ja nun nicht mehr verlegt, eine Vorbestellung gemacht haben, und die bereits das erste Buch bezahlt haben, möchte ich darum bitten, sich direkt an den Verlag zu wenden und eine Rückerstattung der getätigten Ausgaben zu fordern. Bitte nutzt dafür den Weg über Email:

kontakt@ehrlich-verlag.de


Bild der Woche

Ein Triceratops tötet und frisst einen Quetzalcoatlus. „Was? Das ist doch ein friedlicher Pflanzenfresser!“, höre ich einige von euch schon rufen. Doch weit gefehlt: reine Pflanzenfresser gibt es im Tierreich kaum. Und auch ein Triceratops lässt eine lohnenswerte Eiweißration nicht unbeachtet liegen, wenn sie sich ihm bietet. Zwar greifen Horndinosaurier nur in den seltensten Fällen auf tierische Kost zurück, und sie töten auch längst nicht so professionell wie ein Theropode, doch trotzdem kommt dieses Verhalten hin und wieder vor.

Wort zum Sonntag Triceratops vs. Quetzalcoatlus#Das erschütternde Bild stammt von Tuomas Koivurinne.


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Der Magische Wald

Naturfilmer Bryan Maltais erkundete volle drei Monate einen geheimnisvollen Wald im Herzen Europas. Dabei beobachtete er den Wechsel der Jahreszeiten vom Ende des Winters bis zum Anbruch des Sommers. Er filmte das Leben faszinierender Wildtiere, insbesondere der heimischen Reptilien und Amphibien.
Unser Autor Markus Bühler hat ihn auf einem Teil seiner Expeditionen begleitet.

 

Der Magische Wald: Reptilien und Amphibien ist 2019 erschienen und im Amazon-Prime-Paket, zum Download oder auf Datenträger erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Paläo-News

Wegen der vielen Arbeit an „Die weißen Steine“ bin ich in den letzten Wochen nicht dazu gekommen, besonders viele Nachrichten abzufassen. Trotzdem sind einige interessante Artikel zustande gekommen, die ich nun noch einmal für euch zusammenfassen möchte! Viel Spaß!


Superhirn Eichhörnchen: wie die baumbewohnende Lebensweise die Gehirnentwicklung beeinflusste

Wie hängen Größe und Proportionen des Gehirns mit Ökologie und Evolutionsgeschichte zusammen? Dieser Frage widmeten sich Ornella C. Bertrand von der University of Edinburgh (Schottland) und ihr Forschungsteam in einer neuen Studie. Darin verwendeten sie virtuelle Endokasten von 38 ausgestorbenen und noch lebenden Nagetierarten aus mehr als 50 Millionen Jahren der Evolution, um den Einfluss von Fortbewegung, Körpermasse und Phylogenie auf die Größe des Gehirns, der Riechkolben, der Petrosalläppchen und des Neokortex zu messen.

 

 

Dabei kam heraus, dass Körpermasse und Phylogenie in hohem Maße mit der relativen Größe des Gehirns und der Gehirnkomponenten zusammenhängen und dass die Fortbewegung das Gehirn, den Petrosallobulus und die neokortikalen Größen stark beeinflusst. Insbesondere haben Arten, die in Bäumen leben, im Vergleich zu anderen bodenbewohnenden und grabenden Taxa, eine größere relative Gesamtgröße des Gehirns, des Petrosallappens und der neokortikalen Größe. Das brauchen sie aber auch: das Klettern und springen im Geäst erfordert ein hohes Maß an koordinierten Bewegungen, eine schnelle Reizverarbeitung und blitzartige Reaktionen.

 

Trotz ihrer relativ engen Verwandtschaft sind die Gehirne von Eichhörnchen (links) viel komplexer als die der Stummelschwanzhörnchen.

Vom Eozän bis noch in jüngster Zeit spielte die arboreale (baumbewohnende) Lebensweise eine wichtige Rolle bei der frühen Entwicklung von Eichhörnchen und eng verwandten Arten. Sie förderte die Expansion des Neokortex und der Petrosalläppchen. Die Fossorialität (grabende Lebensweise) bei Stummelschwanzhörnchen wirkte sich allerdings entgegengesetzt aus, bei ihnen verringerte sich die Größe ihrer Gehirne.


Yamatosaurus izanagii: urtümlicher Hadrosaurier aus Japan beschrieben

Bereits im Jahr 2004 entdeckte der japanische Knochenjäger Shingo Kishimoto auf der japanischen Insel Awaji die Überreste eines Dinosauriers. Die Fossilien, die aus einigen Rippen, Wirbeln, Zähnen und Teilen des Unterkiefers bestehen, übergab Shingo 2014 dem Museum der Präfektur Hyogo. Dort wurde das Skelett von Kazumi Wada, Tomomi Ikeda und Chisato Ota präpariert und beschrieben. Die Ergebnisse haben sie nun in einer neuen Studie veröffentlicht.

 

Der Fund stammt aus der marinen Kiti-Ama Formation und gehört zu einem Hadrosaurier. Dass diese Entenschnabelsaurier in Meeresablagerungen erhalten bleiben, ist nichts Ungewöhnliches: da die Tiere vermutlich in Feuchtgebieten und Flussdeltas lebten, wurden ihre Kadaver vom Wasser häufig mitgetragen und in Küstennähe sedimentiert. Die phylogenetische Analyse zeigt, dass Yamatosaurus izanagii, wie die Forscher den Dinosaurier tauften, zu einer recht ursprünglichen Klade der Hadrosaurier gehört, denn er weist sowohl Merkmale der Saurolophinen als auch der Lambeosaurinen auf – der zwei Gruppen der Entenschnabeldinosaurier. Der Fund untermauert also die These, dass beide Gruppen, die sowohl in weiten Teilen Asiens als auch Nordamerikas lebten, ursprünglich wohl aus Ostasien stammten. Auch die deutlich älteren basalen Taxa Plesiohadros djadokhtaensis und Tanius sinensis stammen von dort.

 

Lebendrekonstruktion von Yamatosaurus izanagii nach Masato Hattori.

 

Die japanischen Inseln waren vielleicht ein Refugium, in denen sich die ursprünglichsten Linien noch bis zum Ende der Kreidezeit halten konnten. Dort lebten sie dann bis zum Schluss zeitgleich auch mit „fortschrittlichen“ Hadrosauriern, wie z.B. Kamuysaurus japonicus. Die Fundorte der beiden lagen in der Kreidezeit jedoch noch ziemlich weit voneinander entfernt. Deshalb existierten sie wahrscheinlich nicht nebeneinander, sondern besiedelten jeweils eigene Reviere.


Bernstein aus einem Tyrannosaurus-Bonebed gibt Aufschluss auf Paläo-Klima am Ende der Kreidezeit

Die in Chambery Coulee im Südwesten von Saskatchewan (Kanada) aufgeschlossene Frenchman-Formation ist eine berühmte Fossillagerstätte aus der späten Kreidezeit, die sich vor 68 bis 66 Millionen Jahren bildete. Dort wurden u.a. das größten bekannte Tyrannosaurus-Exemplar „Scotty“ entdeckt. Die Formation weist allerdings auch ein reiches Bernstein-Vorkommen auf.

 

 

Pierre Cockx vom Royal Saskatchewan Museum und seine Forschungskollegen haben einige dieser Bernsteine nun im Rahmen ihrer jüngsten Studie analysiert und die Ergebnisse mit anderen paläoökologischen Daten verglichen. Mithilfe der Fourier-Transform-Infrarot-Spektroskopie (FTIR) konnten sie feststellen, dass der Bernstein aus dem Harz einer Zypresse gebildet wurde. Isotopenanalysen zeigten außerdem, dass der Baum wohl in Küstennähe gestanden haben muss. Kohlenstoffisotope verrieten außerdem, dass der Baum zeitweise unter einer wasserarmen Dürre gelitten haben muss.

 

Die heutigen Badlands der Frenchman Formation waren einst ein subtropisches Paradies aus sumpfigen Zypressenwäldern.

Sogar auf die damaligen Temperaturen konnten Rückschlüsse gezogen werden: im Jahresdurchschnitt lagen sie bei etwa 16°C, was geringfügig höher ist als frühere Schätzungen. Dieser Wert deckt sich jedoch besser mit dem Vorhandensein der Krokodile und einiger Pflanzen, die ein kühleres Klima vor allem mit winterlichem Frost nicht gut vertragen hätten. In der Frenchman Formation war es zu Zeiten des T. rex also meistens subtropisch warm.

 

 

Diese Ergebnisse unterstreichen das enorme Potenzial, Bernsteinfunde in Bonebed-Studien und zur Bestimmung des Paläo-Klimas mit einzubeziehen: Selbst wenn keine identifizierbaren Einschlüsse vorliegen, können aus chemischen Analysen fossiler Harze wertvolle paläoökologische und sogar paläogeografische Hinweise gewonnen werden.


Die Zähne der Giganten: neue Studie findet keine Hinweise fürs Fortbestehen der Carcharodontosauriden in der späten Oberkreide

Sie gehörten zu den größten landlebenden Fleischfressern, die die Erde je gesehen hatten. Manche Gattungen erreichten sogar Körperlängen von mehr als 13m, was sogar größer ist als die des Tyrannosaurus rex. Zwar übertraf dieser sie noch, was das Gewicht anging, doch waren sie für einen viel längeren Zeitraum, von der Unterkreide bis zur frühen Oberkreide, die unangefochtenen Spitzenprädatoren auf fast allen Kontinenten: die Familie der Carcharodontosauridae, zu der so berühmte Dinosaurier wie der namensgebende Carcharodontosaurus, aber auch Giganotosaurus, Mapusaurus, Tyrannotitan und Acrocanthosaurus gehören.

 

Die Carcharodontosauriden gehörten zu den größten landlebenden Fleischfressern aller Zeiten. Bildquelle links: PaleoGuy.

 

In der späten Oberkreide verschwanden die Carcharodontosaurier jedoch und wurden auf der Nordhalbkugel von den Tyrannosauriden, auf der Südhalbkugel von den Abelisauriden ersetzt. Doch immer wieder werden Fossilien aus Südamerika gemeldet, die ihr Überleben bis zum Ende der Kreidezeit andeuten – zumeist sind dies isolierte Zahnfunde.

 

 

J. G. Meso von der Universidad Nacional de Río Negro in Argentinien und sein Forschungsteam nahmen für ihre jüngste Arbeit eine große Auswahl dieser Zähne von verschiedenen südamerikanischen Fundstellen aus der Oberkreide genauestens unter die Lupe. Dabei wurden einige Zähne als Abelisauriden-Zähne entlarvt, andere konnten sie aber tatsächlich kladistisch als Carcharodontosauriden-Zähne identifizieren. Jedoch stammen die jüngsten aus Fossillagerstätten aus dem Turonium – also der geologischen Stufe von 93,9 bis vor 89,7 Millionen Jahren. Dass die Carcharodontosauriden in Südamerika bis zum Ende der Kreidezeit (vor 66 Millionen Jahren überlebten, konnte also nicht bestätigt werden.

 


Demographische Überraschung: war Australien während der Eiszeit von mehreren Millionen Menschen besiedelt?

Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls eine stochastische Studie unter der Leitung von Corey J. A. Bradshaw von der Flinders University in Adelaide (Australien). Nach ihrem Modell fand die erstmalige Besiedlung Australiens in der Zeit zwischen 75.000 und 60.000 Jahren statt. Präziser ausgedrückt spricht man hier allerdings besser nicht von Australien, sondern sollte besser von Sahul oder Meganesien sprechen: das Australische Festland war damals wegen des niedrigen Seewasserspiegels mit den Inseln Neuguineas im Norden und Tasmanien im Süden noch zu einer deutlich größeren Landmasse verbunden.

 

 

Archäologische Funde zeigen, dass in Sahul für die ersten Menschen sehr gute Siedlungsbedingungen herrschten. Der Kontinent wurde dem Studienmodell nach innerhalb von 156–208 menschlichen Generationen (also in 4368–5599 Jahren) und mit einer plausiblen Rate von 0,71–0,92 km pro Jahr komplett besiedelt – was sehr rasch ist.

 

 

Als die ersten europäischen Siedler der Neuzeit nach Australien kamen, lebten dort schätzungsweise zwischen 200.000 und 300.000 Ureinwohner (Aborigines). Heute sind weite Teile des zentralen Australiens allerdings auch lebensfeindliche Wüsten. Während des späten Pleistozäns sah das jedoch anders aus: im günstigsten Modell der demographischen Schätzung könnten in Sahul einst mehr als 6 Millionen Menschen gelebt haben! Diese hohen Zahlen ergeben sich einerseits aus der deutlich vergrößerten Siedlungsfläche von Sahul, dessen Gebiet ja um ca. Ein Drittel größer war als das heutige Australien. Aus dem auch ziemlich realistischen Maßstab von etwa 55 Menschen pro 100 Quadratkilometer ergibt sich dann tatsächlich eine prähistorische Millionenbevölkerung.

 

Als die ersten Menschen nach Australien kamen, war der Kontinent von einer Vielfalt riesiger Urzeittiere bewohnt.

Machairodus lahayishupup: neu beschriebene Säbelzahnkatze aus Oregon gehört zu den größten ihrer Familie!

Auf dem traditionellen Land des Cayuse-Stammes in Oregon machten Forscher eine erstaunliche Entdeckung: in den dortigen Ablagerungsschichten aus dem Miozän, die dort zwischen 9 und 6 Millionen Jahre alt sind, legten sie die Knochen einer riesigen Katze frei. Nach ersten kladistischen Analysen dürfte es sich um einen Angehörigen der Gattung Machairodus handeln, die vom Mittelmeerraum Europas über weite Teile Asiens bis nach Nordamerika verbreitet war.

 

 

John D. Orcutt und Jonathan J.M. Calede schrieben die neuentdeckten Fossilien in ihrer Studie über die Fossilien einer neuen Art dieser Gattung zu, die sie M. lahayishupup nannten. Der Artname bedeutet auf der Sprache der Cayuse so viel wie „alte wilde Katze“.

 

Lebendrekonstruktion von Machairodus lahayishupup mit seiner Beute von Roger Witter.

 

Abgesehen von einigen Unterschieden im Knochenbau fällt vor allem die enorme Größe der Oberschenkelknochen auf: mit ganzen 46cm sind sie etwa um ein Drittel länger als die der größten Löwen unserer Tage. M. lahayishupup dürfte ersten Schätzungen nach also deutlich größer gewesen sein als jede heutige Großkatze und über 350kg gewogen haben. Damit spielte der Säbelzahn schon in etwa der gleichen Liga wie der viel später lebende Smilodon populator, die wohl berühmteste und größte bekannte Säbelzahnkatze. Zur Beute von M. lahayishupup gehörten wahrscheinlich große Huftiere wie Pferde, Bisons und Kamele (im Bild ein Hemiauchenia).


Sphenofontis velserae: neue Art der Brückenechsen aus dem Jura Süddeutschlands beschrieben

Der Solnhofen-Archipel – benannt nach einem Steinbruch in Bayern – war die Heimat einiger berühmter jurassischer Dinosaurier aus dem heutigen Deutschland. U.a. der „Urvogel“ Archaeopteryx und auch der kleine Theropode Compsognathus wurden dort gefunden. Die tropische Inselwelt mit ihren lichtdurchfluteten Flachmeeren, Lagunen und ausgedehnten Mangrovensümpfen war aber auch von vielen anderen Tieren bewohnt: Flugsaurier, Plesiosaurier und Meereskrokodile sowie zahlreiche Fische gehören ebenfalls zu ihrem Fossilreichtum, und auch viele kleinere Echsen. Unter den heutigen Reptilien gehören die Brückenechsen von Neuseeland (Rhynchocephalia) zu den letzten Überlebenden einer sehr alten Linie von Echsen, die einst auf der ganzen Welt zu finden war. Und Brückenechsen lebten auch bei uns in Deutschland, zwischen sechs und neun Gattungen (einige sind umstritten!) bevölkerten die prähistorische Inselwelt.

 

 

Andrea Villa von der Bayrischen Staatssammlung für Paläontologie beschrieb nun zusammen mit seinen Kollegen anhand eines wundervoll erhaltener Fossils aus dem Plattenkalk des Brunn-Steinbruchs bei Regensburg eine neue Art: Sphenofontis velserae. Dieses Fossil zeigt der Studie zufolge eine große Ähnlichkeit zu den aus Nordamerika bekannten Gattungen Cynosphenodon und Sphenodon, wahrscheinlich waren die drei eng miteinander verwandt. Während des Jura lagen Nordamerika und Europa enger zusammen als heute, zeitweilig gab es sogar Landbrücken zwischen den Kontinenten. Sphenofontis hilft also dabei zu verstehen, wie die Ökosysteme des Jura einst verbunden waren, und wirft auch neues Licht auf die Entwicklungsgeschichte der Brückenechsen.


Fußspur eines Raptoren aus der frühen Oberkreide Chinas entdeckt!

In der unteren Jinhua-Formation, einer Fossillagerstätte in der südostchinesischen Provinz Zhejiang fanden Forscher die Trittsiegel eines Theropoden. Die Abdrücke zeigen, dass das Tier auf nur zwei Zehen lief, während von der innersten großen Zehe nur der Zehballen den Boden berührte. Die Zehenspitze mit dem bekrallten Ende wurde dagegen nach oben gehalten – die typische Laufpose eines Deinonychosauriers, bzw. eines „Raptoren“, worunter diese Tiere auch bekannt sind.

 

 

Die neuentdeckte Spur umfasst neun gut erhaltene Abdrücke, die von dem japanischen Paläontologen Yuta Tsukiji vom Fukui Prefectural Dinosaur Museum und seinen Kollegen in einer Studie beschrieben wurden. Die Forscher ordneten ihren Fund dem Ichnotaxon Velociraptorichnus sichuanensis zu. Da man nie wissen kann, welcher Dino nun genau eine Fährte hinterließ, werden Fußabdrücke immer in einem eigenen System kategorisiert und benannt. Ob die Fährte von einem Dromaeosaurier (den „klassischen“ Raptoren oder einem nahe verwandten Troodontiden hinterlassen wurde, ist also unklar- beide liefen auf zwei Zehen. Die Spuren ermöglichen genauere Schätzungen der Geschwindigkeit und des Gangs des Urhebers der Fährte. Sie lag der Studie zufolge bei 6,1 km/h für einen Dromaeosauriden und bei 4,6 km/h für einen Troodontiden. Das Tier ist also nur ganz gemächlich über den feuchten Untergrund gewandert. Der Fund ist übrigens der erste seiner Art aus der frühen Oberkreide Südostchinas.


Arrudatitan maximus: kleiner Titanosaurier aus Brasilien neu beschrieben!

Bereits vor 24 Jahren legten Forscher unter der Leitung von Antônio Celso de Arruda Campos im brasilianischen Cândido Rodrigues, unweit der Großstadt São Paulo die Überreste eines Langhalssauriers aus der Gruppe der Titanosaurier frei. Zu diesen Sauropoden gehörten einige der größten Landtiere aller Zeiten, doch das dort gefundene Skelett war für einen Titanosaurier relativ klein und grazil, vermutlich handelte es sich um ein subadultes Jungtier. Ausgewachsene Exemplare maßen saßen allerdings wohl auch noch weniger als 20m. Der Sauropode lebte in der oberen Kreidezeit vor etwa 70 Millionen Jahren.

 

 

2011 wurde das Fossil der Gattung Aeolosaurus zugeschrieben und mit einem eigenen Artnamen „maximus“ (der größte) versehen – ziemlich ironisch, wenn man bedenkt, dass manche seiner nahe verwandten Zeitgenossen fast doppelt so lang und fünfmal so schwer wurden. In einer aktuellen Studie erkannten aber Rodrigo M. Santucci bei der erneuten Sichtung des Materials einige Unterschiede zu anderen Aeolosauriern, die nicht zum Holotypus passten und somit das Aufstellen einer eigenen Gattung erforderten. Der Sauropode heißt nun zu Ehren seines Erstentdeckers Arrudatitan maximus.

 

Lebendrekonstruktion von Arrudatitan maximus von CisioPurple.

„Godzilla-Hai“ bekommt wissenschaftlichen Namen: Dracopristis hoffmannorum

Mit Unterstützung des New Mexico Museum für Naturgeschichte und Wissenschaft (NMMNHS) hat ein Forscherteam mehrerer Institutionen unter der Leitung von John-Paul Hodnett einen neuen Urzeithai aus dem späten Karbon benannt: Dracopristis hoffmanorum war etwa 2m lang und lebte vor rund 300 Millionen Jahren dort, wo sich heute die Manzano Mountains bei Albuquerque in New Mexico erheben, was im Perm noch der Grund eines Flachmeeres war. Grundlage der Beschreibung ist ein exzellent erhaltenes Skelett, was für Haie recht ungewöhnlich ist: dass ihr Knorpelskelett mineralisiert und erhalten bleibt, erfordert ganz besondere Fossilisationsbedingungen.

 

 

Dracopristis hatte 12 Reihen spitzer Zähne in robusten, kräftigen Kiefern und trug außerdem mehrere 70cm lange Flossenstacheln auf dem Rücken. Diese Kombination von Merkmalen brachte diesem Hai den beliebten Spitznamen „Godzilla Shark“ ein, als er 2013 zufällig von Hodnett, der damals gerade noch als Student seinen Abschluss machte, entdeckt wurde. Nach sieben Jahren Arbeit wurde das Fossil im Labor des Museums präpariert und genau erforscht. Mittels eines CT-Scans stellte Hodnetts Team fest, dass es sich um eine neue Spezies handelt. Dracopristis bedeutet „Drachenhai“ und ist eine Referenz an das Fantasy-Ungeheuer Godzilla. Der Artname hoffmanorum ehrt die Familie Hoffman, der das Land gehört, wo das Haifossil gefunden wurde.

 

 

Dracopristis gehörte zur Gruppe der Ctenacanthiformes, einer Seitenlinie der Haie, die sich schon im Devon von ihren Verwandten abspaltete. Er lebte wahrscheinlich in flachen Lagunen und Flussmündungen, wo er sich von Krebsen und Fischen ernährte. Seine Stacheln dienten wohl der Abschreckung größerer Haie, die in den gleichen Gewässern ihr Unwesen trieben.


Strahlenflosser aus dem Unterkarbon: Platysomidae erreichten hohen Grad der Spezialisierung deutlich früher als bislang gedacht!

Das Hangenberg-Ereignis im oberen Devon war Teil einer mehrgliedrigen Kette von verheerenden Ereignissen, die zu einen der größten Massenaussterben der Erdgeschichte führten. Es hatte massive Auswirkungen auf die weitere Evolution der Wirbeltiere, vor allem auf die, die im Meer lebten. Als sich die Welt im Karbon langsam von den Katastrophen erholte, kam es bei vielen Tiergruppen zu einer schnellen Radiation, also zu einer Aufspaltung in viele neue Arten, vor allem unter den Strahlenflossern (Actinopterygia).

 

 

In einer neuen Studie berichten Conrad D. Wilson von der University of Calgary (Kanada) und seine Kollegen über die Fossilien von Strahlenflossern aus der Familie der Platysomidae, ausgestorbene Strahlenflosser mit einem rautenförmigen Körper, die in Ablagerungsschichten aus dem Tournaisium in Nova Scotia entdeckt wurden. Die Fische lebten dort vor etwa 350 Millionen Jahren und sind damit die frühesten bekannten Exemplare ihrer Familie.

 

 

Das Vorkommen dieser Fische weist darauf hin, dass Strahlenflosser bereits kurz nach dem Hangenberg ihre typische Erscheinungsform ausgeprägt hatten. Darüber hinaus legen die Fossilien nahe, dass die frühesten Strahlenflosser aus dem Karbon mehrere verschiedene Fortbewegungsarten verwendeten, und dass sie schon damals mehrere ökologische Nischen besetzten.

 


80.000 Jahre altes Kindergrab aus Kenia: ältester Beleg für Begräbniskultur bei Homo sapiens

Wann, warum und auf welche Weise fing es eigentlich an, dass wir Menschen unsere Toten beerdigen? Diese Frage beschäftigt Anthropologen, aber auch viele andere Forschungsfelder schon seit langem. Belege für die Ursprünge von der Begräbniskultur sind jedoch selten. Der Fund eines Grabes aus den Schichten von Panga ya Saidi, einer Höhle in Kenia, sorgte entsprechend für großes Aufsehen: dort fanden María Martínon-Torres und ihr Forschungsteam die sterblichen Überreste eines etwa dreijährigen Kindes, das vor etwa 80.000 Jahren dort beerdigt wurde. Der Fund wurde nun in einer neuen Arbeit beschrieben.

 

 

Das Skelett befand sich in gebeugter Haltung und war wohl mit irgendeiner Art Stoff eingehüllt. Geochemische, granulometrische und mikromorphologische Analysen des Grabes weisen darauf hin, dass die Grube absichtlich ausgegraben wurde. Taphonomische Belege wie die strikte Artikulation und histologische Beweise für Fäulnis unterstützen, sowie der Umstand, dass auch die Gelenke des Kindes während der Zersetzung sich kaum verschoben, stützen die Vermutung, dass die Leiche an Ort und Stelle verweste, und zwar unter der Erde.

 

 

Das Kind gehört morphologischen Untersuchungen zufolge zu einer frühen Linie des Homo sapiens. Es trägt noch einige sehr primitive Gebissmerkmale, weshalb der Fund auch neue Anhaltspunkte für die Entwicklung unserer Spezies liefert. Viele unserer modernen Merkmale haben sich erst über die Zeit entwickelt, während primitivere nach und nach verloren gingen. Das Grab öffnet auch neue soziologische Horizonte und gibt Aufschluss darüber, wie die Menschen damals mit ihren Toten interagierten.


Sahonachelys mailakavava: neubeschriebene Schildkröte aus der Oberkreide Madagaskars war ein „Suction Feeder“!

In der Maevarano Formation im Nordwesten Madagaskars wurden in den letzten drei Jahrzehnten eine Reihe außergewöhnliche Fossilien gefunden, die wichtige Einblicke in die Entwicklung der Inselökosysteme während der späten Oberkreide ermöglichen.

 

 

Walter G. Joyce vom Departement für Geowissenschaften an der Universität Freiburg (Schweiz) und sein Forschungsteam beschrieben in ihrer neuesten Arbeit eine neue Art aus der Familie der Pelomedusenschildkröten. Diese heute noch in Ost- und Südostafrika beheimateten Schildkröten sind nicht imstande, ihren Kopf senkrecht zur Panzeröffnung in einem S-förmigen Bogen einzuziehen. Stattdessen legen sie den Kopf beim Einziehen mittels einer horizontalen S-förmigen Bewegung seitlich unter den Panzer. Sahonachelys mailakavava, die vor etwa 69 Millionen Jahren lebte, und deren Fossil bereits 2015 gefunden wurde, war da keine Ausnahme.

 

Lebendrekonstruktion von Sahonachelys mailakavava nach Andrey Atuchin.

Bislang einzigartig an Sahonachelys war jedoch ihre Ernährungsweise: eine funktionelle Analyse ihres Schädels legt nahe, dass sie im Wasser nach kleinen Beutetieren jagte und diese vor dem Verschlingen ansaugen konnte, ganz ähnlich wie es viele Raubfische auch tun. Diese auf Englisch „suction feeding“ genannte Strategie ist für Schildkröten sonst nur bei den heute lebenden Schlangenhalsschildkröten Australiens benannt, mit denen Sahonachelys aber nur entfernt verwandt war. Es scheint sich um einen besonderen Fall von konvergenter Evolution zu handeln.


Frühmenschen brachten als Neuankömmlinge nicht überall nur Tod und Zerstörung!

Die Ankunft moderner Menschen in zuvor unbewohnten Inselökosystemen ist eng mit einem drastischen Einbruch in der Artenvielfalt verbunden: wo immer Menschen neues Land erreichten, besonders während des Kolonialzeitalters, aber offenbar auch schon lange vorher, haben sie durch exzessive Bejagung, aber auch durch ihre mitgebrachten Haustiere ökologische Katastrophen herbeigeführt, die das Aussterben vieler Inseltiere zur Folge hatten. Dieses Narrativ bezeichnet man auch als die „Overkill Hypothese“.

 

 

Doch trotz ihrer Bekanntheit ist diese These bislang tatsächlich nur wenig erforscht worden und deshalb mehr ein Dogma als wissenschaftlicher Konsens. Julien Louyis von der Griffith University in Brisbane (Australien) und sein Forschungsteam haben sich aus diesem Grund die archäologischen und paläontologischen Datensätze von allen Inselökosystemen auf der ganzen Welt genau angeschaut, um festzustellen, ob es tatsächlich immer eine Korrelation zwischen der Ankunft von (Früh-)Menschen und dem Aussterben der dort heimischen Inselfauna gab.

 

Das überraschende Ergebnis der Studie: ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Menschen und dem Aussterben von Tieren ist tatsächlich nur ein Phänomen der Neuzeit und des Seefahrerzeitalters. Im Pleistozän gab es so einen Zusammenhang aber nicht: damals lebten Menschen als Neuankömmlinge lange Zeit mit der dortigen Tierwelt zusammen, ohne dass es zu signifikantem Artenschwund gekommen wäre. Auf manchen Inselwelten der Philippinen und Indonesiens, z.B. auf Java, Flores und Luzon, haben verschiedene Menschenarten sogar Jahrzehntausende (mehr als 50.000 Jahre lang!) gelebt, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stören. Dass die dortige Tierwelt in Bedrängnis geriet und vor allem viele Großtiere ausstarben, korreliert zeitlich vielmehr mit großen Umwälzungen von Klima und Umwelt.

 

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Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten

Noch immer haftet den Dinosauriern das Image der schwerfälligen, primitiven Monster an, die zu groß waren, um zu überleben. Doch bevor sie von der Erdoberfläche verschwanden, beherrschten die faszinierenden Giganten über 150 Millionen Jahre lang unseren Planeten. Modernste Technologien und spektakuläre Funde erlauben nun neue Einblicke in ihre Erfolgsgeschichte. Steve Brusatte, einer der führenden Paläontologen der Welt, führt uns anschaulich durch das untergegangene Reich der Dinosaurier. Lebendig erzählt er ihre Geschichte von den ersten Rieseneidechsen bis zum Aussterben. Dabei gibt er spannende Einblicke in seine Forschung und berichtet von spektakulären Ausgrabungen, etwa von Fleischfressern, die sogar größer waren als der Tyrannosaurus rex.

 

Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten ist 2018 erschienen und hat sich sofort zum Bestseller entwickelt. Es hat 416 gebundene Seiten und kostet € 25,90


Weitere Kurzmeldungen:

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Eigene Artikel:

Tierprofil: Edmontosaurus annectens

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Das war es für heute mit den Paläo-News! Ich wünsche euch allen jetzt noch einen schönen Sonntag, genießt das herrliche Wetter (falls es bei euch heute auch so schön ist) und vor allem: bleibt gesund!

Euer Markus Peter Kretschmer

 

 

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Der Dino-Planet

Die dreiteilige Dokumentation Der Dino-Planet versetzt den Zuschauer Millionen von Jahre zurück. Mit Hilfe von beeindruckenden Hightech-Bildern werden die vermutlich eindrucksvollsten und faszinierendsten Kreaturen zum Leben erweckt, die je unseren Planeten bewohnt haben. Nahezu alle dargestellten Dinosaurier wurden erst in den letzten zehn Jahren entdeckt – die prähistorische Geschichte musste neu geschrieben werden. Paläontologen wissen heute, dass Dinosaurier in allen Teilen der Welt vorkamen und sich zu monströsen, schrecklichen und bizarren Kreaturen entwickelt haben, die einen T-Rex ganz zahm aussehen lassen.

 

Dino-Planet ist ein tolles visuelles Erlebnis, gespickt mit interessanten Fakten, atemberaubender Action und charismatischen Monstern. Die Filmreihe wirft ein völlig neues Licht auf diese prähistorische Zeit: Sie haucht den Kreaturen neues Leben ein, zeigt ihre Habitate und Gewohnheiten, analysiert ihre Knochen und beobachtet sie im Todeskampf.

 

Der Dino-Planet [2 DVDs] läuft 2 h und 15 Minuten. Die Doku ist 2012 erschienen und wird ab 12 Jahre empfohlen.

 

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