Auf der Suche nach Mokele-Mbembe – Teil I

von: Tobias Möser

 

Wir schreiben Samstag, den 12. Oktober 2019. Die Suche nach Mokele-Mbembe war mein Ziel, aber zunächst gestaltete es sich als Suche nach den Galileo-Park. Das Navi hatte mich kurz vor Olpe von der Autobahn gelotst. Nicht nur die Seen und die herbstlich bunten Wälder, sondern vor allem die Straßendörfer des Sauerlands ziehen an mir vorbei. Orte mit so exotischen Namen wie Kirchveischede oder Altenhundem säumen die Straßen. Doch nach dieser Exotik stand mir nicht. Ich suchte etwas vergleichsweise „normales“: Irgendjemand hat hier, mitten im tiefsten Sauerland einige Pyramiden in die Landschaft gestellt.

Graphic Design zum Kongress
Endlich geht es los

Doch auf mein Navi ist Verlass. Irgendwann meldet es „in 200 m rechts abbiegen“ und siehe da, auf einem gelben Straßenschild sind sie angekündigt. Es geht weg von der Bundesstraße, rein in ein Industriegebiet und dann beginnt die Steigung: viele viele hundert Meter quält sich die Straße steil den Hang hinauf. So ist zumindest der Eindruck, bis sie auf etwa halber Höhe ihr Ende findet: Parkplätze.

Früher Vogel

Es ist neun Uhr, kurz nach Eröffnung des Parks. Der Galileo-Park, der einen großen Teil des Pyramiden-Areals einnimmt, umfasst einen Eingangstempel, der zur Hauptpyramide leitet, dann eine Wissenschaftspyramide, eine Ausstellungspyramide und die Showpyramide, in der Vorträge gehalten werden können.

Obwohl wir wirklich früh sind, merkt man schon die Schatten großer Ereignisse nahen. Der Bereich um die Showpyramide ist bereits bevölkert. Die Kryptozoologen stehen hier zu zweit oder in kleinen Gruppen herum, ins Gespräch vertieft. Immer wieder gibt es ein kleines oder größeres Hallo, wenn jemand Neues eintrifft. Im Innern des Tempels hat der Veranstalter einige Duplikate rätselhafter Objekte ausgestellt. Aber hauptsächlich dient er als Kommunikationszentrum, Werner Betz vom Ancient Mail Verlag hat hier einen Büchertisch aufgebaut. Hans-Jörg Vogel begrüßt mich, wobei ich schon daran denke, was vor der Veranstaltung noch zu tun ist.

Sauerland-Pyramiden
Die Sauerland-Pyramiden sind der optimale Tagungsort für diese Veranstaltung

Schnell noch ein paar Worte mit dem Veranstalter wechseln: Wolfgang Schmidt, Gründer des Parks, hat zusammen mit dem Netzwerk für Kryptozoologie eingeladen. Doch bevor es fachlich werden kann, muss noch die Technik geklärt werden. Ja, obwohl ich keinen Vortrag halte – Mokele-Mbembe ist wirklich nicht mein Thema – habe ich mich überzeugen lassen, die Veranstaltung zu moderieren. Zum Glück ist die Technik einfach: die Mikrofone haben einen Schiebeschalter, nach oben = an, nach unten = aus. Die Technik scheint robust zu sein.

Zehn Uhr, es geht los – oder auch nicht

Kurz vor Zehn füllt sich die Pyramide so langsam. Die Galileo-Park-Mitarbeiter haben nicht nur Stuhlreihen, sondern auch Tische aufgestellt. Und auf den Tischen türmen sich die Unterlagen: eine ganze Mappe mit Infomaterial zum Galileo-Park und den aktuellen Ausstellungen, auch Hans-Jörg Vogel, der Initiator hat sich nicht lumpen lassen, ein Kugelschreiber und ein Dinosaurier-Modell krönen die Handouts. Doch eines haben alle vergessen: Wenn am Ende eine Podiumsdiskussion stattfinden soll, brauchen wir Schreibpapier, auf dem die Fragen notiert werden können. Die Galileo-Park-Mitarbeiter sind fix und schaffen es, überall fast unbemerkt einen Block unter zu schieben.

Zwei Minuten vor dem Start informiert mich jemand, dass auf der Sauerlandlinie Stau ist und einige der noch fehlenden Teilnehmer da möglicherweise drinstehen. Ich soll mir bei der Begrüßung ein wenig Zeit lassen. Kein Problem, quatschen kann ich. Der ein oder andere Teilnehmer erinnert sich vielleicht mit Schrecken an einen Sasquatch-Vortrag in Berlin vor einigen Jahren, bei dem ich die Redezeit „etwas“ überschritten hatte.

Also folgte die Begrüßung, Dank an den Veranstalter und die Androhung, so lange Stand-Up-Kryptozoologie zu machen, bis die letzten Sitze besetzt sind. Ein Lacher, wunderbar, das Publikum reagiert. Zwischenzeitlich flutschen tatsächlich noch zwei Leute rein und ich kann Hans-Jörg Vogel, Initiator der Veranstaltung und Integrationsfigur der Szene anmoderieren.

Die deutschen Afrikaforscher

Hans-Jörg hat in den öffentlichen Berliner Archiven zunächst nach den Aufzeichnungen und sonstigen „Hinterlassenschaften“ der beiden Afrikaforscher Hans Schomburgk und Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz.

Hans Schomburgk in jungen Jahren
Hans Schomburgk in jungen Jahren in einer Tropenuniform

Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz war einer der ersten deutschen Offiziere in Kamerun, ein Land, das ihn offenbar nicht mehr losließ. Während seiner dortigen Tätigkeit unternahm er ausgedehnte Expeditionen durch das Bezirksgebiet, bei denen er wertvolle Daten über Geographie, Bevölkerung, Flora und Fauna des Landes sammelte. In der Folge besuchte er verschiedene Landesteile, die kaum kartiert waren. Stein zu Lausnitz war der erste Ausländer, der auf einer Expedition im Jahr 1913 im Flussgebiet des Likouala-aux-Herbes gezielt Berichte über Mokele-Mbembe sammelte. Die einheimischen Pygmäen zeigten ihm einen Pfad, den das Wesen durch den Dschungel gezogen haben soll. Endgültig verlassen hat Stein Kamerun erst 1916 nach fast 20 Jahren.

Hans-Jörg konnte teilweise Einblick in das Archiv der Familie nehmen und dort auch Original-Aufzeichnungen des Reisenden zu Gesicht bekommen.

Auch Hans Schomburgk betrat recht früh, im Alter von 17 Jahren Afrika: 1898 zog er auf eine Farm in Südafrika, trat aber bald in die Nadal-Polizei ein und nahm an der Seite der Briten am Burenkrieg teil. 1906 begann er seine erste Expedition in die feuchten Tropen, nach Angola. Zunächst tat er das als Großwildjäger, jedoch begann er bald, die Flinte gegen die Kamera einzutauschen und nahm mehrere Kameramänner auf seine Reisen mit. Einige dieser Expeditionen organisierte er im Auftrag der Familie Hagenbeck, die neue Tiere für Zoo und Zirkus erhalten wollte. So konnte Schomburgk unter anderem das zweite Zwergflusspferd lebend nach Europa schicken. Andere Tiere, die er bei seinen Reisen sammelte, füllten das Magazin des Berliner Naturkundemuseums.

Auch hier hatte Hans-Jörg die Möglichkeit, in die Aufzeichnungen Einblick zu gewinnen und sogar, mit einer Enkelin des Afrikaforschers zu sprechen.

Vortrag und Übersetzung
Michel Ballot (re) kommentiert seine Bilder, Francois de Sarre (li) übersetzt

Hans-Jörg Vogel
Hans-Jörg Vogel hält seinen Vortrag

Michel Ballot im Kongo und in Kamerun

Der zweite Vortrag des Vormittags kam von Michel Ballot. Ballot ist seit vielen Jahren in der Kryptozoologie aktiv und hat sich der Suche nach Mokele-Mbembe verschrieben. Er zeigte zahlreiche Bilder von seinen letzten Expeditionen ins Grenzgebiet zwischen Kamerun und Kongo. Die Bilder zeigten nicht nur eventuelle Fußspuren des Mokele-Mbembe, sondern auch potenzielle Nahrung und hinterließen einen bleibenden Eindruck über den Lebensraum des Kryptides.

Nicht Kamerun oder Kongo, nur das Sauerland

Ballot, der regelmäßig in diese Gegend reist, zeigte auch deutlich die Schwierigkeiten auf, die eine solche Reise mit sich bringt. Eine bewaffnete Eskorte ist mittlerweile obligatorisch, sonst lassen die staatlichen Autoritäten die Reise nicht zu. Zu groß ist die Gefahr, paramilitärisch organisierten Banden von Elfenbeinwilderern zu begegnen.

Den ursprünglich vorgesehenen Vortrag konnte Michel Ballot nicht halten, da ein einstündiger Talk für den einzelnen Übersetzer kaum zu leisten ist. Francois de Sarre, der nach Kräften übersetzte, war am Ende der Bilderserie auch spürbar am Ende seiner Kraft. Der abschließende, etwa zehnminütige Film war zum Glück so eindrücklich, dass er keiner weiteren Worte bedurfte.

Die anschließende Mittagspause wurde zu reichen Diskussionen, aber auch zum Besuch der eindrucksvollen Ausstellung in den Pyramiden genutzt. Andere lud das wundervolle Herbstwetter an, es sich einfach nur in der Sonne gut gehen zu lassen.

Nach der Mittagspause folgten zwei weitere Vorträge, mehr dazu hier.


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