Auf der Suche nach Mokele-Mbembe – Teil II

von: Tobias Möser;

Link zu „Auf der Suche nach Mokele-Mbembe – Teil I“

 

Eineinhalb Stunden Mittagspause sind lang – oder kurz, wenn man viele Gespräche führen möchte. Doch zunächst gabs Gulaschsuppe, sogar ziemlich gute. Auch die Gespräche waren gut, und noch wichtiger: produktiv, auch für die NfK-Webseite. Dem nächsten Referenten konnte ich dann noch ein wenig die Manschetten nehmen, ich würde ihn bei der Anmoderation in die Pfanne hauen.

Dabei hatte ich mich ganz besonders auf ihn gefreut. Thomas Piotrowsky aus Havelberg ist zwar dem Alter entwachsen, das man sich üblicherweise bei einem „Einsteiger“ vorstellt. Aber er ist neu in der Szene und wir freuen uns über jedes neue Gesicht.

Gespräche in der Pause (Foto: LF)

Hans-Jörg Vogel (mi) im Gespräch mit Michel Ballot und Francois de Sarre (re) (Foto: LF)

Auf Echsenjagd im virtuellen Afrika

Die Idee zum Vortrag von Thomas Piotrowsky entstand, als ein Bekannter ihn auf Mokele-Mbembe aufmerksam machte und fragte, ob man möglicherweise Pfade oder das Tier selbst in Satellitenaufnahmen erkennen könne. Anstatt das konsequent zu verneinen, machte sich der Referent daran, die Frage für sich zu beantworten.

Er suchte sich Satellitenfotos aus der entsprechenden Region, diesmal in der klassischen Mokele-Mbembe-Region um den Télé-See im Kongo. Erster Ansprechpartner ist hier natürlich Google-Maps, das auch viele, recht detaillierte Fotos liefert. Der Referent stellte jedoch bald fest, dass die Fotos bearbeitet sind. So wird Wasser beispielsweise blau nachgefärbt, obwohl es auf Satellitenaufnahmen schwarz aussieht.

Also machte er sich auf die Suche nach unbearbeiteten Aufnahmen, die er auch bekam. Auf einer dieser Aufnahmen, dem Bild 20170509 fand er eine Struktur, die er als „Reptil in Bewegung“ interpretierte.

Thomas Piotrowski bei seinem Vortrag (Foto: LF)

Bild 20170509, hier ist eine Struktur, die ihn besonders interessiert (Foto: LF)

Um diese Annahme zu bestätigen, griff er zu einem ungewöhnlichen, ja genialen Trick. Die Computerspiel-Konsole X-Box kann ein Spiel hosten, dessen Landschaft man selbst gestalten kann. Hierbei kann der Terraformer die Landschaft aus der Satellitenperspektive formen und sie sich dann aus als Fußgänger ansehen. Mit viel Geduld gelang es Thomas, die Landschaft des Bildes nachzuformen und sie dann zu erkunden – und siehe da: Das Reptil und der vermeintliche Hügel, auf dem es saß, tauchten wieder auf. Ebenso zeigte die virtuelle Landschaft regelmäßig verwendete Pfade und Orte, an denen sich ein großes Tier öfter aufgehalten haben könnte.

Mit der Verwendung der X-Box für die Umformung von Satellitenaufnahmen gab es so in der Kryptozoologie noch nicht. Ob die Interpretation dem realen Wald um den Lac Télé entspricht, wird die Zukunft zeigen.

… und wenn doch?

Der letzte Referent des Tages war Wolfgang Schmidt, als Chef des Galileo-Parks auch der Gastgeber. In seinem sehr unterhaltsamen Vortrag versuchte er vor allem, Zweifel am Aussterben der Nichtvogel-Dinosaurier an der KT-Grenze zu säen. Fehlende fossile Überlieferungen wurden mit den fehlenden Überlieferungen von Lazarus-Arten wie dem Quastenflosser ad acta geführt. Ein sehr interessanter Punkt war der Hoatzin. Dieser Vogel zeigt bemerkenswerte Merkmale, so haben Jungvögel und manchmal auch die Altvögel noch ausgeprägte Krallen an den Flügeln. Das Brustbein ist stark reduziert, so dass die Vögel nur zu kurzen, eher ungeschickt wirkenden Flügen fähig sind.  Diese beiden Merkmale, eine ähnliche Größe und die Tatsache, dass Archaeopteryx früher häufig in Erdfarben (wie der Hoatzin) dargestellt wurde, suggerieren eine direkte Verwandtschaft.

Die Referenten: (von links): Hans-Jörg Vogel, Tobias Möser, Michel Ballot, Wolfgang Schmidt, Thomas Piotrowski und Francois de Sarre (Foto: GP)

Das Auditorium, fachkundig, fasziniert und kritisch (Foto: LF)

Versteinerte Objekte wie ein in Kalkstein eingesinterter Hammer und ein in einem Stiefel verkieselter Fuß könnten nach Meinung des Vortragenden die bisherigen Systeme der Altersbestimmung in Frage stellen. Wenn menschengemachte Objekte bereits versteinert sind, müssen dann alle Versteinerungen „alt“ sein?

In der letzten Sequenz befasste sich der Referent mit Dinosaurier-Fußspuren, die in einer Schicht mit Spuren vermeintlich menschlicher Füße und Hände gefunden wurden.

Insgesamt ließ Wolfgang Schmidt an allem, was als „gegeben“ hingenommen wurde, Zweifel wachsen. Zweifel vermeintlich Bekanntes noch einmal zu hinterfragen, Zweifel, wie sie für jeden, der sich mit Kryptozoologie befasst, wichtig sind.

Die Podiumsdiskussion

Die An- und Abmoderation der Referenten, Überbrückung der Technikpausen und etwas zum Schmunzeln zwischendrin, das war für mich nur der kleinere Teil der Moderation. Der Hauptpart musste erst kommen: die Podiumsdiskussion. Die Theorie recht einfach: Das Publikum stellt Fragen und einer der auf dem Podium sitzenden Fachleute beantwortet sie.

In der Praxis bedeutet das aber auch, eventuellen Selbstdarstellern sowohl im Publikum wie auf dem Podium den Wind aus den Segeln zu nehmen, bzw. als Fragen getarnte Statements gar nicht erst zuzulassen. Um nicht direkt mit den wichtigsten Fragen zu beginnen, habe ich die Diskussion mit einer Frage zu Früchten eröffnet, die Michel Ballot im Kongo gefunden hat. Die Früchte brachten uns zwar nicht wirklich weiter. Sie setzten aber eine lebhafte Diskussion in Gang, die sich vor allem um Michel Ballot und seine Reisen drehte.

Die Sauerland-Pyramiden mit dem Galileo-Park in der Bildmitte, sind ein Tagungsort und ein hervorragender Veranstalter. (Foto: GP)

Über die Motivation der beiden deutschen Afrikaforscher und den Nutzen der erste vor kurzem in den Methodenpark der Kryptozoologie eingeführten eDNA-Untersuchungen bis hin zum eher esoterischen Remote-Viewing gingen weitere Fragen. Wie immer war die Zeit viel zu kurz, um alles zu klären, insbesondere Michel Ballot und sein Übersetzer Francois de Sarre sahen sich nach der öffentlichen Diskussion noch zahlreichen Fragen ausgesetzt.

Einmalige Gelegenheit

Da der Galileo-Park versprochen hatte, seine Ausstellung noch eine Stunde nach Ende der Podiumsdiskussion geöffnet zu lassen, gab es für die Teilnehmer eine einzigartige Möglichkeit. Sie hätten mit der Raumfahrtsimulation den Moderator auf den Mond schießen können.

Niemand hat davon Gebrauch gemacht…


Die Fotos haben uns der Galileo-Park (GP) und Lars Fischinger (LF) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


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