Medienmittwoch: Pfälzer Entdecker und Pioniere, vom Luftschiff zum Molchmenschen

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Die Pfälzer in der Welt

Ulrich Magin führt uns ein in die kosmopolitische Vergangenheit seines Heimatlandes. Grosse Pfälzer nahmen an so manchen Abenteuern der Menschheit in der Weltgeschichte teil. Darunter ein Begleiter von James Cook in der Südsee, bei der auch zahlreiche Steller´sche Seekühe gefangen wurden. Ein findiger Karikaturist, der die mafiaähnlichen Strukturen des New Yorker Demokraten William Tweed zu Fall bringt. Ein waschechter Konquistador, der sich auf der Suche nach dem Goldland El Dorado im Dschungel gegen Indianerstämme und sonstige Gefahren des Regenwaldes behaupten muss. Ein englischer Erfinder entwickelt im Dienst des Pfälzer Kurfürsten Visionen von Mondreisen und Unterwasserstädten. Ein jesuitischer Forscher entzaubert panbabylonistische Träumereien im Deutschen Kaiserreich. Später verfällt er jedoch selbst in Däniken´sche, simplizistische Reduktionen von komplexer Geschichte.

 

 

Spannend geschrieben und informativ präsentiert sich Magins Reise durch die Pfälzer Weltgeschichte aus der kosmopolitischen Sicht. Wie man sie von ihrem Autor kennt, ist sie „schwarz-weiss-blind“ in moralischen und wissenschafttheoretischen Fragen. Sie wirft den Blick auf das entscheidende Detail im sozio-historischen Kontext, offen gegenüber Originalität im Denken. Gleichzeitig ist sie kritisch distanziert beim Realitätscheck von zu waghalsig errichteten „geistigen Kathedralen“.

Der Pfälzer Molchmensch?

Auch wenn es an Referenzen zum Loch Ness Monster natürlich auch hier nicht fehlt. Für die Kryptozoologie ist das Buch jedoch vor allem wegen ihres vorletzten Kapitels, das dem christlich geprägten Paläontologen Edgar Dacqué gewidmet ist, relevant. Dieser entwickelte eine aus heutiger Sicht abenteuerliche Neuauflage der Evolutionstheorie, die den Menschen nicht nur als Krone der Schöpfung postulierte. Er wollte diesen auch in sämtlichen Stadien der Erdgeschichte in reptilischer, amphibischer und säugetierähnlicher Form nachweisen.

 

Auch wenn diese Annahmen heute nicht mehr ernst zu nehmen sind, lernt man doch als Kryptozoologe sehr viel über die Gefahr, der wir bei unserer Tätigkeit ständig ausgesetzt sind, nämlich: die Indizienlage so anzupassen, dass sie den geistigen Konstrukten unserer Vorstellungen entspricht. Wer zuvor Darren Naish´s Kritik zum Creature Building des Bernard Heuvelmans in seinem 2017 erschienenen Buch Hunting Monsters gelesen hat, der kann als kritischer Kryptozoologe Magins Traktat über die Pfälzer „Entdecker“ viel abgewinnen.

 

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Pfälzer Entdecker und Pioniere: unbekannt, vergessen und verkannt

Ulrich Magins Buch Pfälzer Entdecker und Pioniere ist im Oktober 2019 im Wellhöfer Verlag auf Deutsch (nicht auf Pfälzisch) erschienen, gebunden und hat 160 Seiten voller Pfälzer Genies.

 

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