Presseschau 10/23 – heute mit: großen und kleinen Haien, kleinen Riesen, und seltsamen Caniden

Lesedauer: etwa 31 Minuten
image_pdfimage_print

Liebe Leserinnen und Leser,

 

noch ist das Wetter schön, obwohl sich der Herbst bereits sichtbar bemerkbar macht. Wo im vorletzten Monat noch Nessie und die publikumswirksame, große Suche an Loch Ness standen, beherrschte im September ein ganz anderes Thema die Medien: Die weißen Mumien von Nazca wurden mal wieder hervorgekramt. Eigentlich ist längst bekannt, dass die Objekte plumpe Fälschungen aus Pappmache, historischen menschlichen Knochen, halben Lamaschädeln, Gips und anderen Zutaten sind. Dennoch machte sich ein „Ufologe“, der mexikanische Journalist José Jaime Maussan mit diesen „Alien-Mumien“ von sich Reden. Dieser Mann ist bereits für zahlreiche Hoaxes bekannt. Es gelang ihm tatsächlich, die beiden „nichtmenschlichen Wesen“ dem mexikanischen Parlament vorzustellen.

Eine gewisse Analogie zum Minnesota-Iceman ist nicht von der Hand zu weisen, nur geht Maussan hier ein ganzes Stück weiter.

 

Kryptozoologisch war der September ein Monat der zahlreichen kleinen Meldungen. Dabei halten sich die positiven und die negativen Meldungen die Waage, sehr viel Trivia ist dabei.

 

Ein Hinweis in eigener Sache: Ich habe die letzten Tage des September nicht in der Redaktion verbracht, sondern war beruflich unterwegs. Daher kann die Presseschau auch erst heute erscheinen, aber da heute Feiertag ist und in einigen Teilen Deutschlands das Wetter zum Lesen einlädt, hoffe ich, dass es für die meisten von euch keine Katastrophe ist.

„Vögel am Wasser – 2024“

Eine weitere, sehr schöne Nachricht habe ich noch, fast in eigener Sache. Unser Autor Peter Ehret, der sich in diesem Jahr vor allem mit den nordafrikanischen Großtieren befasst hat, hat noch ein weiteres Hobby: Er fotografiert Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum. In seiner Heimat in der spanischen Sierra Nevada hat er in monatelanger Kleinarbeit so einige Tiere auf den Chip gebannt. Peter und ich haben aus seinen Fotos einen Kalender zusammengestellt, der Sequoia Verlag hat ihn herausgegeben: „Vögel am Wasser“ heißt er. Er hat etwa Din A4-Format, zeigt 13 unterschiedliche Vogelarten am oder im Wasser. Die Beschriftung ist dreisprachig, Deutsch, Englisch und Spanisch gehalten. Neben den deutschen Feiertagen sind auch die Feiertage Andalusiens eingetragen.
Ihr könnt ihn ab sofort über das Medien-Bestellformular auf dieser Seite oder beim Sequoia Verlag bestellen, wir bitten aber um ein paar Tage Geduld, die Druckerei liefert etwa um den 18.10.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen

 

Euer

Tobias

 


Anzeige

Kalender „Vögel am Wasser – 2024“

Peter Ehrets Vogelkalender für das kommende Jahr zeigt 13 Vögel am oder im Wasser. Alle Bilder wurden vom Autor selbst unter Naturbedingungen in der spanischen Sierra Nevada aufgenommen.
„Vögel am Wasser – 2024“ ist im Format Din A4 hoch auf hochwertiges Papier 250 g-Papier mit glänzendem Finish gedruckt und mit einer dunklen Drahtbindung verschlossen.

 

Der Kalender ist ab sofort auf unserer Medienseite oder über den Sequoia Verlag bestellbar. Bei Vorbestellung bis 31.10.2023 kostet er € 10,-, danach € 15,- (incl. P&P bei Versand in Deutschland).

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Die Meldungen

Südafrikas berühmte Weiße Haie wieder aufgetaucht

Die weißen Haie in der Umgebung der Gansbaai und False Bay in Südafrika sind weltberühmt. Sie besiedelten in relativ großer Zahl diese beiden Buchten und das Meer davor. Dadurch sind sie nicht nur Ziel zahlloser Touristen-Tauchangebote, sondern auch für spektakuläre Sprünge bei der Jagd nach Robben bekannt. Doch nun sind sie weg.

 

Weißer Hai
Ein Weißer Hai zeigt vor Südafrika seine berühmte Jagdtechnik. Die Tiere schwimmen ihre Beute von unten mit großer Geschwindigkeit an, so dass sie sich selbst aus dem Wasser katapultieren.

 

Sie sind quasi über Nacht verschwunden, so dass zahlreiche Thesen zu den Gründen aufploppten und wieder verschwanden. Tatsächlich waren „nur“ zwei Orca-Bullen am Verschwinden der Haie Schuld. Die beiden Brüder „Pord“ und „Starboard“ sind seit etwa 2015 regelmäßig in die Buchten eingeschwommen und haben auch Weiße Haie gejagt. Spätestens seit 2020 sind die Sichtungen der Weißen Haie quasi auf Null gefallen.

 

Ab 2015 tauchten gelegentlich Kadaver von Weißen Haien an den Stränden der Buchten auf. Bemerkenswert war, dass die Lebern der Tiere entfernt wurden. 2017 wurden mindestens sieben Weiße Haie auf diese Weise gefunden, darunter das Weibchen Khaleesi, die vielen Tauchern und Filmern bekannt war. Sie hatte eine Länge von 16 ft., als man sie fand (etwa 4,9 m). 2019 wurden fünf Weiße Haie angeschwemmt, ebenso Bronzehaie (Carcharhinus brachyurus) und Breitnasen-Siebenkiemerhaie (Notorynchus cepedianus).

 

Port und Starboard

Starboard wurde im Mai 2022 zusammen mit vier weiteren Orcas in der ebenfalls für ihre Haie bekannten Mussel Bay beobachtet. Drohnenaufnahmen dokumentieren seine Jagdtechnik das erste Mal. Nach diesem Angriff verschwanden die Weißen Haie in kurzer Zeit auch aus dieser Gegend.

 

Orca_ Wale in der Gruppe
Orcas in Küstennähe (Beispielbild)

 

Bei der Jagd haben Port und Starboard eine bekannte Jagdtechnik der Orcas auf Weiße Haie adaptiert. Sie rammen die Tiere mit hoher Geschwindigkeit, wie sie es auch mit gleichgroßen oder größeren Walen tun würden. Dabei setzen sie den Rammstoß so an, dass sich der Hai auf den Rücken dreht, was ihn in eine tonische Immobilität versetzt. Dann hält ein Wal den Hai an einer der Brustflossen fest und schüttelt ihn, bis die Bauchdecke aufreißt und die Leber frei wird.

Wie lange sich die Situation hinzieht, wird sich zeigen. Port und Starboard wurden 2009 vor Lüderitz (Namibia) das erste Mal registriert und galten damals bereits als ältere Tiere. Die kollabierten Rückenflossen, die sich bei einem Tier nach links und bei dem anderen nach rechts krümmen (Name!), nahm man als Hinweis darauf. Man rechnete sie dem „Flachzahn“-Ökotyp zu, der vor dem südlichen Afrika lebt und als Transient in einem größeren Gebiet umherzieht. Dieser Ökotyp jagt vor allem Delfine und Robben. Die Beschränkung auf ein relativ kleines Gebiet und weniger schnelle Beute interpretieren einige Forscher ebenfalls als Hinweis auf ein fortgeschrittenes Alter. Orcabullen erreichen in der Regel ein durchschnittliches Alter von 30 Jahren, maximal werden sie 50 bis 60 Jahre alt. Weibchen können mit 80 Jahren und mehr wesentlich älter werden.

 

Wo sind die Haie nun hin?

Die Weißen Haie sind weiter nach Osten gezogen, man findet sie jetzt in Algoa Bay oder der WwaZulu-Natal-Küste. Dort gab es auch vorher Weiße Haie, aber jetzt sind sie dort in nie gekannten Zahlen.

 

Siebenkiemerhai
Siebenkiemerhai im Aquarium Monterey. Foto: Gabriel Rodriguez, CC SA 2.0

 

Die Weißen Haie wirken neben der Nahrungsverfügbarkeit als wichtigste als Regulatoren für die Populationen Südafrikanischer Seebären in den Buchten und vor der Küste. Steigt der Jagddruck durch die Haie in einer Gegend, sinkt er in einer anderen, so kann es passieren, dass die Seebären ausweichen. Dies wirkt sich auch auf die Populationen der Futterfische aus, die auch für die lokale Fischerei von großer Bedeutung sind.
Dort, wo die Weißen Haie fehlen, wandern vermehrt Bronzehaie und Siebenkiemer ein und übernehmen einen Teil ihrer Funktion.

Direkt wirkt sich die Verlagerung auf die Tauchtourismus-Unternehmen in Gaansbai und False Bay aus. Zahlreiche Firmen mussten aufgeben, andere halten sich derzeit mit Kelpwald-Tauchgängen über Wasser.

 

Quellen: Hakai-Magazin https://hakaimagazine.com/news/south-africas-missing-sharks-have-been-found/

Insider.com https://www.insider.com/orca-attacks-caused-great-white-sharks-flee-cape-town-experts-2020-11

African Journal of Marine Science https://doi.org/10.2989/1814232X.2014.923783

Ecology: https://doi.org/10.1002/ecy.3875

Nähere zu Port und Starboard: https://www.getaway.co.za/travel/the-story-of-orca-pair-port-and-starboard/


 

Anzeige

Wider den Unverstand: Für eine bessere naturwissenschaftliche Bildung

Unser Leben, unser Alltag ist voll von Wissenschaft. Aber wenn es um Gravitation oder Quantentheorie, DNA oder Schwarze Löcher geht, fühlen sich sehr viele Menschen wie wissenschaftliche Analphabeten – und sind es auch. »Ich verstehe das nicht mehr«, sagen viele. Zu viele, für Ernst Peter Fischer. Sein mitreißendes und herausforderndes Plädoyer dafür, wie wichtig, faszinierend und lebendig Wissenschaft ist, will unsere Neugier wieder wecken. Denn wollen wir wirklich unmündig sein in Bezug auf die Wissenschaft?

Fischer kämpft in seinem Buch dafür, dass das Licht der wissenschaftlichen Vernunft endlich hell leuchten kann.

 

Wider den Unverstand: Für eine bessere naturwissenschaftliche Bildung ist 2022 bei S. Hirzel erschienen und hat als Taschenbuch 132 Seiten. Auch eine e-Book-Ausgabe ist verfügbar.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Nordsee: Tonnenleger stößt auf riesige Lederschildkröte

Nicht mehr ganz neu und in vielen Medien bereits diskutiert ist diese Meldung: Am 5. September 2023 hat der Tonnenleger „Triton“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning eine Lederschildkröte geborgen. Das zu dem Zeitpunkt bereits tote Tier trieb im Wattenmeer vor Büsum. Der Kadaver wurde ins Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum gebracht. Hier sollte er eine Woche nach dem Fund von Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover genauer untersucht werden. Die Ergebnisse werden selbstverständlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Soviel ist bereits bekannt: Die Schildkröte hatte eine Panzerlänge von etwa 1,9 m und wog ungefähr 500 kg. Die Schildkröte zeigte mehrere große Wunden und war teilweise in Verwesung. Mehrere Museen haben laut NDR Interesse am Skelett des Tieres angemeldet. In welches Museum es wandern wird, ist noch unklar. Da der Präparator des Museums bei der Obduktion dabei sein sollte, verzögert sich die Untersuchung um mehrere Wochen. Bis dahin müssen wir auf die Untersuchungsergebnisse warten.

Info: Lederschildkröten

Lederschildkröte
Die Lederschildkröte „Martha“ aus der alten Ausstellung im Deutschen Meeresmuseum, Stralsund. Foto: Karl-Heinz Meurer, CC-BY-SA-3.0-DE

 

Diese größten aller im Meer lebenden Schildkröten können weit nach Norden wandern, vor Schottland, Nova Scotia (wir berichteten: https://netzwerk-kryptozoologie.de/eine-lederschildkroete-im-kanadischen-eis/) und sogar Island werden sie gelegentlich beobachtet. In der Nordsee sind sie eher seltene Irrgäste:

  • 1965 ging eine Lederschildkröte Fischern vor Stralsund in der Ostsee ins Netz. Da sie noch lebte, brachte man sie in den Zoo Rostock, wo sie nach wenigen Tagen starb. Sie war mit 2 m Panzerlänge und etwa 450 kg etwas größer, aber leichter als das Büsumer Tier. Ihr Abguss gehört dem Meeresmuseum Stralsund und ist bis 2024 ans Staatliche Naturhistorische Museum in Braunschweig ausgeliehen (Siehe Foto).
  • am 5. September 2006, also auf den Tag genau 17 Jahr vor dieser Bergung, wurde vor Amrum ein leerer Lederschildkröten-Panzer angespült,
  • Im September 2024 zeigte sich eine Lederschildkröte im Nusfjord auf den Lofoten,
  • Im August 2015 strandete eine tote Lederschildkröte auf der dänischen Insel Langeland,
  • Ebenfalls in Dänemark fanden im November 2020 Kindergartenkinder bei Ballum einen gestrandeten Lederschildkrötenkadaver. In der Nacht zuvor hatte es gestürmt. (Presseschau 42/2020)

 

Quellen:
ndr: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Lederschildkroete-aus-der-Nordsee-Wie-geht-es-weiter,schildkroete402.html und https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Riesiger-Schildkroeten-Kadaver-vor-Buesum-entdeckt,schildkroete408.html


Haie bringen Katamaran in Seenot

Isistius brasiliensis, Cookiecutter
Eine Cookiecutter-Hai-Art, Isistius brasiliensis. Warum er Zigarrenhai heißt, ist ersichtlich. (gemeinfrei, Foto: NOAA)

 

Isistius_brasiliensis
Das Gebiss von Isistius brasiliensis. Man kann sich vorstellen, welche Wunden der kleine Hai verursacht. (Foto: NOAA, gemeinfrei)

Drei Männer, zwei Russen und ein Franzose waren mit dem Katamaran „Tion“ von Vanuatu im Korallenmeer auf dem Weg nach Cairns im Nordosten Australiens. Die „Tion“ ist bzw. war ein aufblasbarer Katamaran von 9 m Länge. Diese Boote werden in Australien und der Südsee regelmäßig für kurze Trips zu nahe gelegenen Inseln genutzt, aber üblicherweise nicht als Hochsee-Segler.
Die Männer waren mit der Tion jedoch auf einer Weltumsegelung. Sie verließen St. Petersburg am 1. Juli 2021, mit dem Ziel, den Langstreckenrekord für diese Schiffsklasse zu brechen. Mit dem Erreichen von Vanuatu, so ziemlich auf der anderen Seite der Welt, hat die „Tion“ ihre Seetüchtigkeit eigentlich unter Beweis gestellt. „Eigentlich“, denn dann kamen die Haie. Es waren keine Riesen wie Weiße Haie oder Tigerhaie, die das Boot in Bedrängnis geführt haben. Die Übeltäter waren Cookiecutter-Haie, die den deutschen Namen Zigarrenhaie tragen.

Diese Haie fressen ihre Beute nicht als Ganzes, wie es die meisten anderen Haie tun. Die oft nur unterarmlangen Fische nähern sich blitzartig der Beute und stanzen ein halbkugelförmiges Stück Gewebe aus dem Opfer. Die Wunden haben oft die Größe und Form eines traditionellen amerikanischen Cookies, daher der Name.
Den ersten Kontakt mit einem solchen Hai hatten die drei Weltreisenden bei dem ersten Versuch. Die „Russian Ocean Way“ wurde im Juni bei Tahiti ebenfalls von Cookiecutter-Haien durchlöchert.

 

Cookiecutter sind nicht gerade wählerisch. Sie beißen in alles, was sich anbietet. So gibt es Bissspuren von ihnen im Neopren auf Mikrofonabdeckungen von Unterseebooten oder an Unterwasserkabeln. Haiforscher gehen davon aus, dass Cookiecutter alles angreifen, was ausreichend groß ist und langgestreckt ist. In diesem Fall haben sie zwei von drei Luftkammern beider Rümpfe beschädigt.

Die verhinderten Weltumsegler wurden vom Auto-Transportschiff Dugong Ace vom sinkenden Boot abgeborgen. Sie blieben unverletzt, aber sicher um eine beängstigende Erfahrung reicher.

 

Quelle: https://www.abc.net.au/news/2023-09-07/cookiecutter-shark-catamaran-expedition/102822734


Wie ein Riesenskelett zuerst Urlauber schockt (wirklich?)…

und dann für die Wissenschaft spannend wird

Knochenfund in St. Peter Ording
Dieses Stück Wirbelsäule fand Laura Zöhner auf ihrer Wattwanderung (Foto: Laura Zöhner)

 

St. Peter-Ording: Urlauber haben am 26. August am Strand des Badeortes ein großes Teilskelett eines zunächst unbekannten Tieres entdeckt. Die Boulevardpresse und vor allem die Sozialen Medien machten direkt aus der Mücke bzw. dem Skelett einen Elefanten oder ein Seeungeheuer.

Konservativere Kreise gingen davon aus, dass es sich dabei um Knochen des in der Nordsee häufigsten Wales, des Gemeinen Schweinswals handelt. Doch die Umweltschutzorganisation NABU konnte hier mit besserer Information aufwarten. Der Biologe Rainer Borcherding hat das Tier als Weißschnauzendelfin (Lagenorhynchus albirostris) identifiziert.

Weißschnauzendelfine kommen im Pelagial des Nordatlantiks vor und gelten als die Delfine, die am weitesten nach Norden gehen. Sie erreichen dabei sogar den Rand des Packeises. Der südlichste Rand des normalen Verbreitungsgebietes scheint der nordsee-seitige Eingang zum Ärmelkanal zu sein. Interessanterweise wird er regelmäßig in der westlichen Ostsee beobachtet, im Wattenmeer kommen die Tiere normalerweise nicht vor.
Die Tiere haben mit 88 bis 93 Wirbeln die höchste Wirbelanzahl aller Wale. Dies dürfte dem NABU-Experten die Bestimmung erleichtert haben. Weißschnauzendelfine erreichen etwa 2,75 m Länge und ein Gewicht bis 350 kg. Sie bleiben damit kleiner als Große Tümmler.

 

Quelle: https://www.merkur.de/deutschland/schleswig-holstein/st-peter-ording-richtig-gross-und-am-stueck-urlauber-xxl-skelett-im-watt-92482813.html


Italien bangt um Bärennachwuchs

In der vergangenen Presseschau berichteten wir – bereits mit einer Befürchtung, dass die Bärin Amarena mit drei Jungen durch ein Dorf in den Abruzzen gewandert ist. Probleme hat es mit ihr nie gegeben, obwohl sie das schon seit Jahren tat. Die Parkverwaltung stellte klar, dass Amarena zwar für Schäden in Landwirtschaft und Viehzucht verantwortlich war, aber zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Menschen darstellte.

Kaum war die Meldung geschrieben, hatte ein Wilderer die Bärenmutter erschossen. Der Schütze aus dem Dorf San Benedetto dei Marsi stellte sich selbst den Behörden. Andrea Leombruni, 56 Jahre alt, Jäger und Trüffelsammler, sagte aus, er habe mit der Schrotflinte nur ein einziges Mal auf den Boden gezielt – aus Angst. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Die Stimmung in der Umgebung ist aufgeheizt, Leombruni bekommt sogar Morddrohungen. Er steht nun unter Polizeischutz.

 

Abruzzen Bärin Amarena mit 2 Jungen
Bärin Amarena mit 2 Jungen im Dorf San Benedetto dei Marsi. Foto: Screenshot aus einem Youtube-Video von Gemma di Pietro

Wichtiger als eine Strafe für Leombruni scheint der italienischen Öffentlichkeit jedoch das Schicksal der Jungbären zu sein. Die Parkverwaltung geht davon aus, dass sie nicht genug zu Fressen finden und von streunenden Hunden und Wölfen bedroht werden. Die Beamten der Nationalparkverwaltung fanden vier Tage später zwei der Jungen, zwei Brüder wieder. Sie konnten sich eigenständig ernähren, deswegen verzichtete man darauf, sie einzufangen. „Sie stehen weiter unter Beobachtung. Wir bitten die Bevölkerung, sich nicht in die Überwachungsmission einzumischen“, so die Forstverwaltung weiter.

 

 

Besonders pikant macht die Sache, dass Amarena keine Bärin aus der Alpen-Population ist, die aktuell prosperiert und dadurch für Probleme sorgt. Sie gehört zur kleineren Abruzzen-Population, den „Marsischen Braunbären“. Diese Tiere stellen einen älteren Haplotyp dar, der nur noch in den Abruzzen zu finden sind. Laut Parkverwaltung gab es vor einigen Jahren noch etwa 100 Tiere, aktuell sind es nur ungefähr 60. Amarena als erfolgreiche Mutter war daher besonders wichtig für den Erhalt dieser Population.

 

Abruzzen Bärin Amarena mit 2 Jungen
Bärin Amarena mit 2 Jungen. Eine Gefahr für Menschen ging von ihr nicht aus, sagen die Behörden. Foto: Screenshot aus einem Youtube-Video von Gemma di Pietro

 

Quellen: Spiegel.de https://www.spiegel.de/panorama/italien-nachwuchs-von-erschossener-baerin-amarena-in-nationalpark-gefunden-a-f1c9abe9-fe8f-4cb8-b1bc-8f9c3813926e

Rai: https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/articoli/2023/09/die-jungen-der-erschossenen-barin-amarena-sind-wieder-da–c6b6abef-ff7e-4048-a5a1-d8cb171f1313.html


Ein Fuchs-Hund-Hybrid?

Auch diese Meldung ging durch die Sozialen Medien: In Brasilien soll ein Fuchs-Hund-Hybrid entdeckt worden sein. Tatsächlich handelte es sich nicht, wie teilweise dargestellt, um einen Hybrid aus einem Rotfuchs (Vulpes vulpes) mit einem Haushund.

 

Foto des Hund-Pampasfuchs-Hybriden in der Klinik. Quelle: The Guardian

 

Was ist das nun für ein Tier?

2021 wurde das ungewöhnlich aussehende Tier in der Stadt Vacaria im südlichsten Bundesstaat Brasiliens, Rio Grande do Sul, von einem Auto überfahren. Tierretter brachten es in das Center for Conservation and Rehabilitation of Wild Animals (Preservas) des Veterinary Hospital of the Universidade Federal do Rio Grande do Sul, wo es sich vollständig erholte. Das Tier war weiblich, bellte und das dunkle Fell und Augen ließen auf einen Hund deuten. Die spitzen Ohren und die Schnauze waren aber die eines Pampasfuchses. Das Tier fraß kein Hundefutter, sondern nur kleine Ratten.

Da man dieses Tier nicht weder dem Haushund, noch einer der vier Arten wildlebender Caniden zuordnen konnte, verglichen sie das Genom des Tieres mit den bekannten Arten:

  • Speothos venaticus
  • Chrysocyon brachyurus
  • Cerdocyon thous
  • Pampasfuchs Lycalopex gymnocercus

Dabei kam heraus, dass es sich bei dem Weibchen 76 Chromosomen hatte. Ein Haushund (Canis lupus familiaris) hat 78, der Pampasfuchs (Lycalopex gymnocercus) hat 74, jeweils im doppelten Chromosomensatz einer Körperzelle.

 

Dieses Video zeigt den Habitus und einige Bewegungen des Tiers ziemlich gut.

 

Molekulare Untersuchung

Die mitochondriale DNA, repräsentiert die mütterliche Linie. In etwa 99,5% aller Fälle werden ausschließlich die Mitochondrien der Mutter weiter gegeben, nur selten gelangen über das Spermium einzelne Mitochondrien des Vaters bei der Befruchtung in die Eizelle. Die Forscher entnahmen ein 551 Basenpaare langes Segment des COI-Gens. Sie waren an 550 der 551 Stellen mit dem bekannten Gen des Pampasfuchses identisch.

Auch die Kern-DNA wurde analysiert. Sie ist – anders als die mitochondriale DNA – zu 50% von der Mutter und zu 50% vom Vater. Die Forscher nutzten fünf Segmente der DNA, vier davon zeigten Polymorphismen, so dass mit ihnen weiter gearbeitet wurde, die fünfte Sequenz war bei beiden mutmaßlichen Ausgangsarten identisch, so dass anhand dieser Sequenz keine Unterschiede festgemacht werden können.

Die polymorphen Sites zeigten konsequent ein heterozygotes Bild aus den Basensequenzen aus Haushund und Pampasfuchs.

 

Damit konnten die Biologen unter der Leitung von Bruna Elenara Szynwelski eindeutig zeigen, dass es sich bei dem fraglichen Caniden um einen Hybrid aus einem männlichen Haushund und einem weiblichen Pampasfuchs handelt. Formell heißt dieses Tier Canis lupus familiaris x Lycalopex gymnocercus.

 

Warum ist die Unterscheidung Fuchs und Pampasfuchs so wichtig?

Ist der Pampasfuchs nicht einfach ein Fuchs, der in der Pampa lebt? Nein, wie so oft trügt der deutsche Name. Die Füchse der Gattung Vulpes, zu denen der Rotfuchs, der Schneefuchs und der Wüstenfuchs, sowie einige andere gehören, bilden mit dem Marderhund und dem Löffelhund (Otocyon megalotis) die „Rotfuchs-Kladde“. Der Pampasfuchs gehört in die „Südamerika-Kladde“. Sie beinhaltet vor allem in Europa weitgehend unbekannte, kleinere Hundeartige wie den Andenschakal, den Waldhund und den Mähnenwolf. Die dritte Kladde der Hundeartigen bilden die Wölfe, die neben dem Wolf (und dessen Nachfahren, dem Haushund) auch Goldschakal, Rothund und afrikanischen Wildhund (und andere) einschließt. Als vierte Kladde stehen die Graufüchse allen anderen Kladden als Schwesterkladde gegenüber.

Hier hat sich also ein Hybrid über eine Gattungs- und Kladdengrenzen gebildet.

 

Pampasfuchs Lycalopex gymnocercus
Pampasfuchs. Foto: Pablo G. Fernandez, CC-BY-4.0

 

Das Tier ist nach der Behandlung in der Tierklinik in einen staatlichen Zoo abgegeben worden, wo es im März 2023 starb. Der Grund ist unklar, mögliche Komplikationen durch die Hybridisierung stehen im Raum. Ebenso unklar ist, ob sich das Tier hätte fortpflanzen können. Bei der Behandlung des Unfalls 2021 wurde das Weibchen kastriert.

Die Wissenschaftler schließen nicht aus, dass noch weitere Hybride im Norden von Rio Grande do Sul herumlaufen.

 

Quelle: MDPI https://www.mdpi.com/2076-2615/13/15/2505


Anzeige

Der Wal und das Ende der Welt: Roman

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Welt, in der wir leben? Was brauchen wir, um uns aufgehoben zu fühlen? Und was würdest du tun, wenn alles auf dem Spiel steht?

 

Der Wal und das Ende der Welt ist 2020 im Fischer Verlag erschienen und hat als gebundenes Buch 544 Seiten. Es ist in zahlreichen anderen Ausgaben erhältlich. vom Taschenbuch über Hörbuch, Download bis zum e-Book.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Bei Routinearbeiten: Riesiger Stechrochen gefangen

Zu den Routineaufgaben des Conneticut Fish an Wildlife Service gehört es, im Long Island Sound vor der Küste der US-Bundesstaaten New York und Conneticut „Makrozoobenthos“ zu fangen. Das sind größere Bodentiere, vom Flohkrebs bis zum Hummer. Bei einem dieser Trawls zogen die Forscher einen riesigen Stachelrochen mit an Bord. Das Tier der Art Bathytosia centroura war mehr als 2 m lang und 3 m breit und wog fast 200 kg.

 

Ein Bild zeigt, wie das Tier auf dem Rücken liegt. Die Crew vermaß es schnell und sorgte dafür, dass der Rochen möglichst rasch wieder ins Wasser kam, um fortschwimmen zu können.

 

Riesiger Stechrochen
Der gewaltige Stechrochen nach dem Trawl. Er wird schnell vermessen und wandert dann wieder ins Wasser. Foto: Conneticut Fish and Wildlife Service

 

Die Ergebnisse der Untersuchung dienen dazu, die Gesundheit des Meeresarmes einzuschätzen und die lokale Fischerei zu managen.

 

Quelle: n-tv, Foto: Conneticut Fish an Wildlife Service


Tiefsee-Fische gibt es seit mindestens 130 Millionen Jahren

Fische in der Tiefsee haben einige Probleme zu meistern, um dort klar zu kommen. Augen als Sensoren funktionieren nicht ohne Licht, es ist kalt, Nahrung ist mehr als knapp und der Druck ist mörderisch. Nein, für Fische ist der hydrostatische Druck kein morphologisches Problem, da sie – anders als ein U-Boot – keine luftgefüllten Hohlräume besitzen. Sie werden also nicht zusammengequetscht. Das Problem ist biochemischer Natur, bestimmte Stoffwechselprozesse laufen unter Druck anders, als im flachen Wasser. Daher brauchten Fische vermutlich sehr lange, bis sie diesen eher unwirtlichen Lebensraum erobern konnten.

 

Fossile Fraßspuren von Tiefseefischen
Fossile Fraßspuren von Tiefseefischen. Die Mulden in der Bildmitte sind etwa 4 cm weit. Foto: Andrea Baucon

 

Paläontologen haben jetzt in der Palombini-Formation im Norden Italiens Spurenfossilien gefunden, die auf die Anwesenheit von Fischen hindeuten. Sie bestehen aus kreisförmigen Gruben mit einem Durchmesser von etwa drei Zentimetern. Dazu kommen paarweise Rillen, die bis zu 17 cm lang sind. Andrea Baucon von der Uni Genua interpretiert die Gruben als Fraßspuren: Durch das Einsaugen eines kleinen Tieres hat ein Fisch auch weiches Sediment aufgenommen und so eine Grube verursacht. Die parallelen Rinnen erklären Baucon und sein Team als Spuren eines dicht über dem Meeresgrund schwimmenden Fisches, der mit den Zähnen das Sediment durchsucht.

 

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences, 2023; doi: 10.1073/pnas.2306164120


Wale des Monats

 

Der größte Zwerg der Welt

An einen Strand in der Region Horowhenua, nördlich von Wellington an der Westküste der Nordinsel Neuseelands ist ein Zwerg-Blauwal angespült worden. Ja, sowas gibt es! Zwergblauwale unterscheiden sich von den „normalen“ Blauwalen durch eine geringere Gesamtlänge, die vor allem durch einen kürzeren Schwanz bedingt ist. Zwergblauwale haben auch mehr Schwanzwirbel als die Nominatform.

Ein solcher „Zwergriese“ ist am 12. September 23 am Hokio Beach bei Levin angeschwemmt worden. Das Nachrichtenportal Stuff.co.nz ist von der Größe des Tieres überwältigt. Sie schreibt: „Die Schwanzflosse ist halb im Sand eingegraben und überragt sie die Kopfe der Menschen daneben.“

 

Blauwal
Blauwal im offenen Meer (Beispielbild)

 

Der lokale Stamm der iwi und das Naturschutzministerium beraten nun, wie mit dem gewaltigen Kadaver zu verfahren ist. Der Sprecher der Muaūpoko, Dean Wilson sagte, bei dem Wal handele es sich um einen Taonga (ein Schatz im Sinne der Maori). Man soll ihn in den Dünen begraben. Die Muaūpoko haben bereits einige Zeremonien um und an dem toten Wal gefeiert.

 

Bereits vor drei Jahren strandete an nahezu der selben Stelle ein toter Wal. Auch dieser wurde von den iwi geehrt und beerdigt. Dieser Wal konnte aufgrund seines Zersetzungszustandes nicht genau bestimmt werden, es war ebenfalls ein großer Bartenwal.

 

Quelle: https://www.stuff.co.nz/national/300968942/large-whale-washes-up-on-horowhenua-beach


Schnabelwal in der Ostsee

Die Zeitschrift Yacht meldete am 17.9., dass Teilnehmer einer Thunfisch-Safari des Öresund-Aquariums unerwartet einen Schnabelwal im gleichnamigen Meeresgebiet beobachten konnten. Mutmaßlich handelt es sich bei dem Tier um einen Nördlichen Entenwal. Die Natur- und Kulturpädagogin des Öresund-Aquariums Catharina Marcussen sagte, es sei seit dem Jahr 2000 der erste Besuch dieser Walart im Öresund.

 

Nördlicher Entenwal, Dögling, Hyperoodon ampullatus beim Spyhopping
Ein nördlicher Entenwal beobachtet die Beobachter. Beispielbild, Urheber „Cephas“, CC-BY-SA-4.0

 

Hintergrund der Thunfisch-Safari: Über 50 Jahre waren die großen Fische aus der Nordsee verschwunden. Seit 2017 kann man sie wieder, unter anderem im Öresund beobachten. Der Bestand wächst und im vergangenen Jahr hat sich ein regelrechter Hype um die großen, schnellen Raubfische entwickelt. Das Öresund-Aquarium bietet Tuna-Watch-Touren an, bei denen die Tiere bei der Jagd beobachtet werden. „Die meisten Leute denken, dass ich spinne, wenn ich erzähle, dass derzeit mehrere hundert Thunfische im Sund aus dem Wasser springen. Nirgendwo sonst auf der Welt springen die Thunfische so viel wie im Øresund, was möglicherweise auf den trichterförmigen Grund und die starken Strömungen zurückzuführen ist“, sagt Jens Peder Jeppesen, Meeresbiologe und Leiter des Øresund-Aquariums der „Yacht“.

 

Quelle: https://www.yacht.de/reisen-chartern/daenemark/naturspektakel-nach-23-jahren-schnabelwal-im-oresund-gesichtet/mit weiteren spektakulären Bildern von springenden Thunfischen


Wahl zum Vogel des Jahres

 

 

Wie jedes Jahr veranstaltet der NABU die Wahl zum Vogel des Jahres. Ihr könnt noch bis Donnerstag, 5.10., 11 Uhr vormittags eure Stimme abgeben. Zur Wahl stehen:

 

  • Der Kiebitz als Vertreter von Feuchtwiesen
  • Das Rebhuhn als Acker- und Heckenvogel
  • Der Steinkauz als Bewohner offener Baumlandschaften wie Streuobstwiesen
  • Der Wespenbussard, der durch zu viele Insektizide gefährdet wird
  • Die Rauchschwalbe, die für offene Lehmflächen anstatt Asphalt wirbt.

 

Meine Stimme habe ich schon abgegeben. Für wen? Ist doch klar, aber jeder der Vögel steht für ein wichtiges Schutzkonzept. Bitte beteiligt euch rege!


Nachrichten aus der Umwelt

6 Jugendliche verklagen 32 Staaten

Anders als sich irgendwo festzukleben und den sowieso schon gestressten Otto Normalverbraucher noch weiter zu ärgern, gehen sechs Jugendliche einen wesentlich sinnvolleren Weg. Sie verklagen mal eben 32 Staaten, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Ihr Vorwurf: Die Verschmutzung der Umwelt und der menschengemachte Klimawandel bedrohen die Menschenrechte. Anwalt Mark Willers formuliert es so:

Die Klimakrise bedroht konkret drei Menschenrechte der jungen Kläger, die durch die Europäische Menschenrechtskonvention geschützt sind. Es geht um das Recht auf Leben, Artikel 2, das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens Artikel 8 und die diskriminierungsfreie Ausübung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, die in Artikel 14 der Konvention garantiert wird.

 

Dürre (Fotomontage)
Durch den Klimawandel werden Extremwetterlagen mit Dürre, Überschwemmung und Feuer häufiger

 

Dabei ist die Forderung der portugiesischen Aktivisten gar nicht so weit hergeholt. Sie fordern „nur“, dass sich die Staaten auch an das Pariser Klimaabkommen halten, das sie bereits vor Jahren unterschrieben haben.

 

Der Gerichtshof hat das Verfahren priorisiert. Noch dazu wird es vor der Großen Kammer mit mindestens 17 Richtern verhandelt, nicht wie zunächst erwartet vor 5 Richtern. Ganz aussichtslos hält das Gericht die Klage der Jugendlichen also nicht.

Auslöser für die Klage war die Brandkatastrophe in Portugal 2017, als durch Hitze und Trockenheit nördlich von Lissabon große Waldgebiete abbrannten und mehrere Ortschaften zerstört wurden. Damals starben mehr als 100 Menschen, deutlich mehr wurden verletzt.

 

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/egmr-klimaklagen-100.html


Korallenbleiche in der Karibik verheerend wie nie zuvor

„Was unsere Tests und Analysen zeigen, ist beeindruckend. So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der Experte nach seinem jüngsten Tauchgang in Puerto Morelos nahe dem Urlaubsort Cancún. Wassertemperaturen von über 33 Grad, das Ganze über einen Zeitraum von mehr als 20 Wochen. Das halten die Korallen nicht aus, werfen ihre symbiontischen Algen ab und sterben. Die Folge: Tote Riffe, die bald Wellen und Strömung zum Opfer fallen und von Algen überwuchert werden. Fische verschwinden, wo vor wenigen Wochen noch ein bunter, vielfältiger Garten war, leben höchstens noch ein paar Algenfresser.

 

Korallenbleiche
Ausgebleichte und abgestorbene Acropora Steinkorallen 2006 vor Reunion. Foto: Elapied CC-BY-SA-2.0 FR

 

Doch nicht nur vor Mexiko bleichen die Riffe aus, auch vor Florida, Kuba, Belize, Panama, den Bahamas, Antigua, den US-Jungferninseln, Kolumbien und Puerto Rico.

 

Quelle: Global Coral Reef Monitoring Network


Meereis in der Antarktis so klein wie nie

So wenig Meereis wie in diesem Südwinter hatte die Antarktis seit Beginn der Messungen noch nie. Aktuell messen die US-Behörden 16,96 Millionen Quadratkilometer, die am 10. September 2023 erreicht wurden. Dies ist der niedrigste Wert der maximalen Ausdehnung, der seit 45 Jahren gemessen wurde.

Der Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 liegt bei 18,71 Millionen km², der bisherige Tiefstwert von 1986 lag etwa 1 Million km² höher als in diesem Jahr.

 

Antarktis
Satellitenaufnahme der Antarktis mit dem Eisschild von vor 2006 NASA, Public Domain

 

Die NASA betonte, dass die Daten vorläufig seien und noch revidiert werden könnten. Noch gäbe es anhaltende Winterbedingungen, unter denen das Eis noch wachsen könnte.

 

Das Alfred-Wegener-Institut teilte kürzlich mit, dass die Schwankungsbreiten beim südlichen Polareis wesentlich größer sind, als in der Arktis. Die derzeitige geringe Ausdehnung sei jedoch auch für die Antarktis ungewöhnlich.

 

Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Eisflaeche-in-Antarktis-wohl-so-klein-wie-nie-article24423646.html

 


Nord- und Ostsee sind ungewöhnlich warm

Seebrücke Sellin
Für den Tourismus ist wärmeres Wasser sicher (zunächst!) kein Problem. Das Bild zeigt die Seebrücke Sellin in der Ostsee

 

Doch diesmal kein Wetterrekord, die Nordsee hatte 2023 den fünftwärmsten Sommer, die Ostsee nur den zehntwärmsten Sommer seit 1997.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat die Oberflächentemperaturen von Nord- und Ostsee im Juni, Juli und August gemessen. Dabei stellten die Mitarbeiter eine Temperatur der Nordsee von 15,1°C und bei der Ostsee von 16,8°C fest. Die Nordsee war 0,6° C wärmer als der Durchschnitt der Jahre 1997 bis 2021, die Ostsee „nur“ 0,4°C.

Insbesondere der Juni war 2023 außergewöhnlich warm, dies betraf insbesondere die zentrale Nordsee vor der britischen Küste.

 

Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)


UN Hochseeabkommen von über 80 Staaten unterzeichnet

Bisher galt die Hochsee als rechtsfreier Raum, nahezu jedes Schiff konnte machen, was es wollte. Piratenfischerei, Verklappung, Müllverbrennung etc., niemand konnte zur Rechenschaft gezogen werden, wenn etwas in internationalen Gewässern passierte.

Mit dem Hochseeabkommen können nun Schutzgebiete auf hoher See definiert werden. Auch werden so Verfahren festgelegt, die wirtschaftliche Projekte, aber auch Forschung und andere Aktivitäten auf ihre Umweltverträglichkeit prüfen. Ein besonderer Erfolg bei der Sache war, dass bei der Auslegung von Schutzgebieten nur eine Dreiviertelmehrheit der Mitgliedsstaaten notwendig ist. Russland und China hatten eine einstimmige Entscheidung gefordert – und verloren.

Das Abkommen sieht unter anderem eine stärkere Förderung des globalen Südens und dessen stärkere Teilhabe an wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Ergebnissen vor.

 

Viele Haie im Freiwasser
Insbesondere stark befischte Arten wie viele Haie werden von Schutzgebieten profitieren

 

Direkt am ersten Tag kamen fast 70 Unterschriften zusammen. Bisher (Stand 2.10.2023) haben 82 Staaten das „Law of the Sea“ unterschrieben. Jetzt müssen die einzelnen Parlamente den Vertrag ratifizieren. 120 Tage nachdem die 60. Ratifizierungsurkunde hinterlegt ist, tritt das Abkommen automatisch in Kraft. Realistisch ist damit in etwa einem Jahr zu rechnen.

 

Quelle: tagesschau https://www.tagesschau.de/ausland/un-hochsee-schutzabkommen-100.html

 

und Webseite der UN https://treaties.un.org/pages/ViewDetails.aspx?src=TREATY&mtdsg_no=XXI-10&chapter=21&clang=_en


Anzeige

Der Gesang in den Meeren

Von den Lagunen in Baja California bis zu den Gletschern des Nordpolarmeers legen Grauwalmütter mit ihren Kälbern jährlich Tausende von Meilen in dem sich aufgrund des Klimawandels erwärmenden Meer zurück. Es ist die längste Wanderung eines Säugetiers auf unserem Planeten. Doreen Cunningham, selbst alleinerziehende Mutter, folgt den Walen auf dieser gefährlichen Reise, zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn Max – in Bussen, Zügen und auf Schiffen, allein und auf sich gestellt.

Den Plan zu diesem Abenteuer hat sie an einem Tiefpunkt ihres Lebens gefasst: Gestrandet in einem Heim für obdachlose Mütter, erinnert sie sich an ihren Aufenthalt bei den Iñupiat im Norden Alaskas, an die unbändige Natur, die ihr schon einmal im Leben half. Nun will sie es mit Max erneut versuchen, ihm zeigen, wie Mensch und Wal verbunden sind, was Freiheit und Liebe bedeuten. Doreen Cunningham ist mit diesem Buch eine einzigartige Mischung aus Memoir, Reisebericht und wissenschaftlicher Dokumentation gelungen.

 

Der Gesang in den Meeren ist 2022 bei Rowohlt erschienen und hat als gebundenes Buch 368 Seiten. Es ist auch als Hörbuch und e-Book erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Brasilien: Oberstes Gericht stärkt Indigene Völker

Ein Landgesetz, das sich gegen die Interessen der indigenen Völker richtet, ist vom Obersten Gerichtshof Brasiliens kassiert worden.

Das Gesetz sah vor, dass indigene Völker nur Land für sich beanspruchen könnten, wenn sie beweisen konnten, dass sie vor 1988 in diesem Gebiet lebten. 1988 ist die aktuell gültige Verfassung des Landes in Kraft getreten. Das Problem hierbei: Die Militärdiktatur, die in den Jahren 1964 bis 1985 herrschte, hat viele indigene Gruppen von ihrem Land vertrieben.

 

Amazonas-Indianer
Amazonas-Indianer heute – von einem unentdeckten Volk kann man kaum sprechen, aber es gibt noch unkontaktierte Gemeinschaften in den Regenwäldern

 

Der Gerichtshof entschied mit 9:2 Stimmen für die Klage der Indigenen und damit gegen die von der mächtigen Agrarlobby initiierte Verfassungsänderung. Sie wurde damit ungültig.

Nun stehen dem Gericht mindestens 226 Verfahren bevor, in denen es entscheiden muss, ob der Kauf von indigenes Land durch Privatpersonen und Unternehmen nach dem nun geltenden Recht illegal war und ob ihnen eine Entschädigung zusteht.

 

Experten sehen indigene Schutzgebiete als eine sehr wertvolle Maßnahme gegen die Abholzung des Regenwaldes.

 

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-landgesetz-100.html


Trivia

Asiatische Hornisse deutschlandweit verbreitet

Der WDR meldet die asiatische Hornisse Vespa velutina nun auch im Bergischen Land. Sie wurde in Solingen Aufderhöhe festgestellt und auch im benachbarten Leichlingen, wo die Redaktion des NfK sitzt. Wir konnten die Tiere bisher nicht beobachten.

 

Vespa velutina
Vespa velutina

 

Die Art stammt ursprünglich aus Südostasien und ist etwas kleiner und schlanker als die europäische Hornisse. 2004 wurde sie erstmals 2004 im Département Lot-et-Garonne in Südwestfrankreich nachgewiesen. Seit dem breitet sie sich in Mitteleuropa aus. 2014 gab es erste Nachweise in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Die Art breitet sie sich sukzessive immer weiter nach Nordosten aus. Mittlerweile ist sie in Deutschland nahezu flächendeckend vorhanden, lediglich Vorpommern ist noch nicht betroffen.

Besonders bedrohlich an Vespa velutina gilt die Eigenschaft, gezielt Honigbienen beim An- und Abflug zum Bienenstock zu bejagen. Für den Menschen sind sie nicht besonders gefährlich.


Weniger Schmetterlinge, mehr Arten

Sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland haben hunderte Citizen Scientists Schmetterlinge gezählt. Dabei gab es in beiden Ländern teilweise widersprechende Ergebnisse. Zählten die Schmetterlingszähler in Deutschland so wenige Tiere wie nie zuvor, scheinen sich die Bestände auf der Insel zu erholen. Doch die Forscher sehen diese Erholung nur als Zwischenhoch durch das diesjährige Wetter bedingt, das die Schmetterlinge gefördert habe. Langfristig verzeichnen sie jedoch wie in Deutschland einen besorgniserregenden Rückgang.

 

Pyronia tithonus)
Pyronia tithonus, das Rotbraune Ochsenauge

 

Die in GB zweithäufigste Art, das Rotbraune Ochsenauge (Pyronia tithonus) beispielsweise, nahm seit 2010 um 28% ab. Auch in Deutschland habe der feuchte Frühsommer den Schmetterlingen gut getan. Generell sei wie bei vielen Insekten auch bei Schmetterlingen ein starkes Auf- und Ab typisch, jedoch gehe der Trend deutlich nach unten, so der Veranstalter der Zählung in Deutschland, der NABU. Grundsätzlich leiden die Tiere unter Lebensraumvernichtung: Schmetterlingslebensräume werden überbaut, Wiesen werden in Acker umgewandelt.

 

Quelle: Tagesschau https://www.tagesschau.de/wissen/klima/schmetterlinge-grossbritannien-100.html und https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/schmetterlinge-bilanz-2023-100.html


Protestaktion eines Försters

Ihm stinkts! Revierförster Theo Peters findet bei seinen Streifzügen durch den Knechtstedener Wald im nordrhein-westfälischen Dormagen immer wieder gefüllte Hundekotbeutel, die auf oder neben Waldwegen liegen. Die Hundebesitzer sammeln den Kot ihrer Lieblinge zwar ein, aber entsorgen dann die Plastikbeutel mit einem eleganten Wurf im Wald.

Hundekot im Mülleimer
So sollte es sein: Die Hundekotbeutel landen im Mülleimer

Peters hat das so aufgeregt, dass er zahlreiche Beutel eingesammelt und demonstrativ in einen Baum gehängt hat.

Damit möchte der Förster in erster Linie erreichen, dass die Besitzer den Kot ihrer Hunde mitnehmen. Aber oft kommt es vor, dass die Plastiktüten nicht in die heimischen Mülltonne finden, sondern im Wald „versteckt“ werden, meist hinter Bänken, im Laub verscharrt oder sogar in Behältern für Flyer.
Die bunten Hundekot-Tüten will Theo Peters noch einige Tage im Baum hängen lassen und dann selbst entsorgen – in der Hoffnung, dass die Botschaft wenigstens bei einigen in der Zielgruppe angekommen ist.

 

Anmerkung der Redaktion: In Frankreich gibt es zahlreiche Gemeinden, die Hundekot über DNA-Proben identifizieren. Den Hundebesitzern droht bei Identifikation nicht nur ein vierstelliges Bußgeld.  Auch die Kosten für die Identifikation des Hundes müssen sie übernehmen, noch einmal ein mittlerer dreistelliger Betrag. In Deutschland stehen mehrere Firmen mit diesem Verfahren in den Startlöchern, bisher haben die Gemeinden das noch nicht realisiert. Meist werden datenschutzrechtliche Bedenken geäußert.


Baubeginn für Krefelder Affenhaus

In der Silvesternacht 2019/2020 brannte das Affenhaus des Krefelder Zoos komplett aus. Acht Menschenaffen und elf Kleinaffen starben, auch einige Vögel und Flughunde fielen dem Feuer zum Opfer.

Jetzt, mehr als dreieinhalb Jahre danach konnte der Bau des neuen Artenschutzzentrums, das auch die Gehege für Menschenaffen einschließt, beginnen. Im ersten Bauabschnitt entsteht ein Warmhaus für Schimpansen sowie großzügige Außenanlagen. In der Nachbarschaft wird das Außenareal für Gorillas und eine weitere Affenart gebaut.

Der zweite Bauabschnitt umfasst eine Anlage für Orang-Utans, die in Zukunft mit einer Gibbon-Art eine Wohngemeinschaft bilden sollen. Der dritte und letzte Bauabschnitt schließt ein weiteres Warmhaus für die dann hoffentlich angewachsene Gruppe Schimpansen ein. Die Verschachtelung von Innen- und Außengehegen soll insbesondere den Schimpansen eine fission-fusion-Struktur ermöglichen: Große Gruppen können zusammenkommen oder sich in kleine Gruppen teilen, die dann jeweils einen anderen Gehegeteil nutzen. Dies entspricht dem Verhalten der Tiere in der Natur.

 

Krefelder Affenhaus
So soll der Affenpark in Krefeld einmal aussehen

 

Der Neubau kostet rund 33 Millionen Euro. Gut die Hälfte davon trägt die Stadt, der Rest wird durch Versicherungsgelder, Spenden und vom Verein der Zoofreunde finanziert. Das Artenschutzzentrum Affenpark steht ab 2029 seinen Bewohnern und den Besuchern offen.


Zu guter Letzt:

Ein Dumbo-Octopus in seinem Lebensraum:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert