Presseschau 11/22: Knallkrebse, fleischfressende Dinosaurier und Kurzhalsgiraffen

Lesedauer: etwa 11 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

neulich ist mir was passiert, das kann man sich kaum vorstellen. Da es im Zusammenhang mit dieser Webseite steht, möchte ich es hier darstellen.

 

Eines Tages bemerke ich, dass ein Crawler die Netzwerk-Seite durchsucht. Crawler sind Programme, die Seiten durchsuchen und Daten aufnehmen. So können Suchmaschinen Bilder der Seitenstruktur erstellen und Suchwörter den Seiten zuordnen. Dieser Crawler nannte sich aber „Agent für Copyright“ (richtiger Name der Redaktion bekannt). Da ich keine geklauten Bilder verwende, habe ich keine Schwierigkeiten erwartet.

 

Weit gefehlt. Ich bekam eine Mail mit einem pdf von einer Firma, die so ähnlich wie „Agent für Copyright“ (richtiger Name der Redaktion bekannt) heißt. Darin warf man mir vor, ich hätte folgendes Foto vom Bilderlieferdienst Alamy illegal verwendet und müsse es nun nachlizensieren:

Goldgelb gefärbte Möwe
Gelbe Möwe: Das Tier war in einen Behälter mit Currysauce gefallen. Das Bild ist – wie auch im schwarzen Streifen zu lesen – im Vale Wildlife Hospital in Wales entstanden. Urheber ist das Vale Wildlife Hospital.

Die Nachlizensierung würde € 250,- kosten, sollte an die „Agenten für Copyright“ überwiesen werden und binnen einer Woche zu zahlen sein. Im beiliegenden pdf war bereits von 14 Tagen die Rede.

 

Ich habe das Bild verwendet. Wie ersichtlich stammt es von der Facebook-Seite des Vale Wildlife Hospitals. Die goldene Curry-Möwe war eines der ersten Themen in den „Freitagnacht-Kryptos„.  Zudem habe ich aus der selben Serie zwei weitere Bilder verwendet, mit dem selben Copyright. Damals hatte ich per Facebook-Dialog bei dem Hospital nachgefragt, man hatte nichts dagegen, wenn ich den Urheber nenne. Das ist ja eindeutig passiert.

 

Absicherung und Nachforschung

Die „Agenten für Copyright“ nannten hingegen eine ganz andere Person (Name der Redaktion bekannt) als Urheber. Die Möwe findet sich auch in dessen Alamy-Account, nicht nur das oben gezeigte Foto, sondern auch die beiden anderen aus meinem Beitrag.

 

Also nahm ich erneut Kontakt mit dem Vale Wildlife Hospital auf. Dort erreichte ich auch eine freundliche Person aus der Leitungsebene. Sie versicherte mir erneut, dass die Bilder von einem Mitarbeiter/in des Wildlife Hospitals gemacht wurden und das Copyright bei ihnen liege. Der (angebliche?) Fotograf, der das Bild bei Alamy eingestellt hat, sei ihnen nicht bekannt.

 

Dann begann ich, die „Agentur für Copyright“ zu suchen. Im Netz findet sich schnell eine Seite einer Firma in Kopenhagen, die den Eindruck macht, europaweit zu agieren. Passenderweise gibt es auch für nahezu alle Länder, in denen man zu agieren vorgibt, Stellenanzeigen geschaltet. Natürlich sucht man auch nach Investoren und wirbt mit Lables. Interessanterweise ist das Logo von Alamy dort nicht vertreten!
Eine tiefergehende Websuche brachte mich auf eine dänische Seite mit dem auch auf deutsch treffenden Namen „Bluff & Svindel“. Auch dort geht es im Nachlizensierung und den Versuch, Webseitenbetreiber unter Druck zu setzen.

Die deutsche Dependance der Firma hat ihren Sitz in Berlin und nicht einmal eine Adresse, nur eine 0800er-Nummer, die 2 h am Tag erreichbar ist. Der Sachbearbeiter heißt bezeichnenderweise „Justus Mahnke“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

So regelt sich die Sache – oder?

Folglich habe ich versucht, Alamy zu kontaktieren. Alamy ist in Deutschland nicht direkt vertreten, sondern Partner mehrerer Bildagenturen. Eine solche rief ich an und hatte Kontakt mit einer freundlichen Dame. Der schilderte ich den Vorfall. Sie sagte mir, sie wisse nicht, dass Alamy mit solchen Agenturen zusammenarbeitet, würde aber dort einmal nachfragen. Sie bat mich noch um die Korrespondenz, Alamy würde sich in Kürze bei mir melden.

 

Am 7.6. meldete sich die Agentur für Copyright wieder. Alamy habe sie angewiesen, die Sache umgehend zu schließen. Das würde man hiermit tun.

 

Noch Fragen?

 

Viel Spaß beim Lesen.

 

Tobias Möser

 

 

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Darwin in der Stadt – Die rasante Evolution der Tiere im Großstadtdschungel

Amseln sind größer, dicker und lauter als ihre Artgenossen draußen im Wald und haben jede Scheu vor Menschen, Hunden und Katzen verloren. Regenwürmer kommen bestens zurecht in verdreckter Innenstadterde. Motten fliegen nicht mehr ins Licht. Gras gedeiht prächtig auf zinkdurchsetztem Boden. Und Kojoten warten an Ampeln. Tiere legen ererbte Verhaltensweisen ab. Man kann Evolution in Echtzeit beobachten, und das mitten in der Stadt. Das ist das große Wunder, das in diesem Buch gewürdigt wird.

 

Darwin in der Stadt ist 2018 bei dtv erschienen und hat als gebundenes Buch 368 Seiten. Es ist zudem für den Kindle erhältlich.

 

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Kann ein kleiner Krebs das Energieproblem der Menschheit lösen?

Ende letzten Monats ging es hoch durch die Presse: Ein kleiner Krebs habe das Potenzial, das Energieproblem der Menschheit zu lösen.

Nicht nur Meeresaquarianer kennen sie: Knallkrebse sind allgegenwärtige Bewohner tropischer Riffe, aber auch zahlreicher anderer Lebensräume. Eine ihrer besonderen Fähigkeiten ist, über einen Trigger-Mechanismus eine superschnelle Bewegung des beweglichen Gliedes einer ihrer Zangen auszulösen. Dabei produzieren sie durch Kavitation eine Blase im Wasser, die schnell implodiert. Die Implosion erzeugt nach Modellrechnungen Druckimpulse von 10 bis 80 bar.

Dabei entstehen kurzzeitig Temperaturen von über 5000° C und ein Lichtblitz, den man sogar sehen kann. Der Knall ist deutlich zu hören, insbesondere wenn ein Aquarium mit so einem Krebs in einem ruhigen Raum steht.

 

Knallkrebs Alpheus sp.
Knallkrebs Alpheus sp. auf einer Freifläche (ZooKeys CC BY 3.0, Anker A. & Grave S.)

 

Die Firma First Light Fusion aus England will mit einer vergleichbaren Technik Fusionsreaktoren aktivieren. Hierbei sollen mit Tritium, überschwerem Wasserstoff gefüllte Würfel in einen Fusionsreaktor fallen und werden dabei mit einem Projektil beschossen. Dabei soll in dem Würfel sehr hoher Druck entstehen, dessen Atomkerne dann fusionieren.

Besonders elegant bei diesem Ansatz: Bei der Wasserstofffusion entstehen Neutronen. In herkömmlichen Forschungsreaktoren war das ein Problem, denn auf die Dauer griffen sie das Material der Reaktoren an. First Light Fusion will die bei der Fusion freigewordene Energie mit flüssigem Lithium abtransportieren. Trifft ein Neutron auf einen Lithium-Kern entsteht Tritium, eben der überschwere Wasserstoff, der Brennstoff der Fusion ist.

 

Sollte eine solche Anlage funktionieren, kann sie mit wenig und vor allem ungefährlichen Material schnell große Mengen Wärmeenergie erzeugen. Enthusiasten sprechen immer wieder von der Lösung der Energieprobleme der Menschheit.
Wir werden sehen.


„Stunde der Gartenvögel“ – die Ergebnisse

Jedes Jahr zählen Vogelfreunde bei der „Stunde der Gartenvögel“ die Vögel in ihren Gärten. Der Naturschutzbund Deutschland NaBu wertet die Ergebnisse aus. In diesem Jahr fand die Aktion vom 13. bis 15. Mai statt.

 

Vögel beobachten: Nachtigall?

 

Dabei gab es durchaus bemerkenswerte Ergebnisse:

  • Im Schnitt sahen die Zählenden 32 Vögel in dieser Stunde
  • 67.000 Menschen zählten fast 1,5 Millionen Vögel in 44.000 Gärten
  • Häufigster Vogel ist wie seit Jahren schon der Spatz.
  • Amsel, Kohlmeise und Star folgten auf den Plätzen, auch das ist keine Überraschung.
  • Stark im Anstieg war die Nachtigall, deren Zählergebnis um 122%  höher liegt, als im Vorjahr.

„Die Nachtigallen sind laut NABU in diesem Jahr etwa eine Woche früher aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückgekehrt als im letzten Jahr. Entsprechend früher sei auch die Balz- und Brutaktivität gestartet. Viele Männchen seien noch auf der Suche nach einer Partnerin gewesen. ‚Daher konnten so viele der variantenreichen und ausdauernden Sänger am zweiten Maiwochenende gehört und gesehen werden.'“, meldet n-tv.


Megalodon: Fiel er dem Weißen Hai zum Opfer?

Der Großzahnhai Otodus megalodon ist ausgestorben, obwohl einige Kryptozoologen wohl etwas anderes behaupten. Eine aktuelle Untersuchung legt nun nahe, dass die Konkurrenz der Weißen Haie dies zumindest beschleunigt hat. Hierzu Michael Griffiths, der an der Studie beteiligt war: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl der Megalodon als auch sein Vorfahre in der Tat Spitzenprädatoren waren, die sich weit oben in ihrer jeweiligen Nahrungskette ernährten“.

 

Ist der Megalodon verantwortlich?
Darstellung eines Megalodon durch

 

Hierbei kam es zu deutlichen Überschneidungen im Beutespektrum der beiden Arten. Die Forscher schlussfolgern, dass die Konkurrenz der Weißen Haie das Aussterben des Megalodon zumindest beschleunigt hat. Andere Konkurrenten wie Zahnwale waren nicht Teil der Studie. Ebenso könnten weitere Faktoren wie das Verschwinden von Beutetieren oder der Klimawandel dem Großzahnhai das Leben schwer gemacht haben. Die neue Konkurrenz der Weißen Haie war sicherlich nicht willkommen.

 

Quelle: McCormack, J., Griffiths, M.L., Kim, S.L. et al. Trophic position of Otodus megalodon and great white sharks through time revealed by zinc isotopes. Nat Commun 13, 2980 (2022). https://doi.org/10.1038/s41467-022-30528-9


Urzeitliche Giraffen lieferten sich Kopfkämpfe

Bis dato gilt die Giraffe als Paradebeispiel für Darwin’sche Evolution: Sie ist so hoch, dass sie nahezu ohne Konkurrenz an Bäumen fressen kann.

 

Ausgerechnet dieses Paradebeispiel könnte jetzt ein Fossilfund in Frage stellen. Vor etwa 17 Millionen Jahren lebte im Norden des heutigen Chinas ein Tier, das Forscher Diskokeryx xiezhi nannten. Es stammt aus der Gruppe der Giraffenartigen, die damals wesentlich mehr und unterschiedlichere Arten hatte, als heute.

Discokeryx hatte extrem dicke und robuste Halswirbel. Die untersuchenden Forscher vermuten, dass die Tiere damit starke Erschütterungen abfangen konnten. Modelle belegen diese Vermutung. Eine scheibenförmige Struktur auf dem Kopf war vermutlich mit einer Art flachem Horn besetzt. Die Forscher gehen daher davon aus, dass die Tiere ihre Köpfe ähnlich den heutigen Schafen und Ziegen aneinander rammten, um zu kämpfen.

 

Mehr dazu in diesem Video von Science:

 

 

Riesiger, fleischfressender Dinosaurier auf der Isle of Man entdeckt

Die Isle of Man liegt mitten in der Irischen See, zwischen Großbritannien und Irland. Und sie gehört der englischen Krone. Diese Insel scheint sich immer mehr zum Dinosaurier-Mekka Europas zu entwickeln. 2021 wurden von hier zwei bisher unbekannte Arten beschrieben.

 

Spinosauride
Ein Spinosauride am Strand

 

Jetzt haben Forscher Fossilreste eines Spinosauriden gefunden. Der provisorisch „White Rock Spinosaurid“ genannte Dino hat bisher noch keinen Namen bekommen, dazu sind auch viel zu wenige Elemente bekannt. Bisher sind nur fünf kleine Knochenfragmente bekannt. Der Co-Autor der Studie, Darren Naish sagt dazu „Wir haben ihm noch keinen Namen gegeben, weil wir nur Fragmente haben. Wir hoffen, weitere Spuren zu finden“.

 

Vor 125 Millionen Jahren durchwatete der „White Rock Spinosaurid“ in der Vectis-Formation eine Landschaft, die aus Lagunen und Sandbänken bestand.

 

Die neuen Funde unterstützen die These, dass sich die Spinosauriden im westlichen Europa entwickelt haben, bevor sie sich weiter ausbreiteten.

 

Siehe auch: Peer J.


Ungewöhnlicher fleischfressender Dinosaurier aus Ägypten

Die Bahariya-Oase in der Wüste Zentralägyptens ist eine der klassischen Dinosaurier-Fundstellen. Die etwa 98 Millionen Jahre alten Ablagerungen zeugen von einem ungewöhnlichen Land- und Wasser-Ökosystem, ähnlich einer großräumigen Mangrovenlandschaft.

 

Carnotaurus
Carnotaurus gehören zu den populärsten Abelisauruden (aus Press Release zu Prehistoric Planet, BBC; Apple TV+)

 

Forscher haben hier eine bisher unbekannte Abelisaurier-Art gefunden. Das noch namenlose Tier war vermutlich etwa 6 m lang und zeigte nach aktuellem Verständnis die typischen Merkmale dieser Familie: Kurzen Schädel mit vergleichsweise kleinen Zähnen, winzige Arme und natürlich zweibeiniger Gang. Ein gutes Beispiel für diese Familie ist der Carnotaurus, der in Prehistoric Planet eine Rolle spielte. Bei der neu entdeckten Art gehen Forscher aber nicht davon aus, dass sie Hörner trug.

 

Aus dieser Formation sind auch Spinosaurus und Carcharodontosaurus bekannt. Biotope dieser Art haben sich vermutlich über das gesamte heutige Nordafrika zwischen dem Roten Meer und Marokko  und mit einer Tiefe von mehreren 100 km erstreckt. So entstand ein riesiges Ökosystem, das die unterschiedlichsten, großen Fleischfresser beherbergte.

 

 

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Dinosaurs: The Final Day – fast die Fortsetzung von „Prehistoric Planet“ 

Paläontologe Robert DePalma macht in North Dakota eine unglaubliche Entdeckung. Er findet hervorragend fossilierte Tiere und Pflanzen, die just in dem Moment starben, als der Meteorit auf die Erde fiel, der das Ende der Dinosaurier besiegelte.

Die BBC hat DePalma bei seinen Ausgrabungen begleitet und die letzten Momente der Kreidezeit auf dem selben Niveau animiert, wie in Prehistoric Planet. So könnte „Dinosaurs: The final Day“ die Fortsetzung des Prehistoric Planet darstellen.

 

Dinosaurs: The Final Day ist am 18. April 2022 erschienen und läuft knapp 90 Minuten. Es wird als DVD in einem üblichen Case ausgeliefert.

 

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Zoo Dortmund: Trauer um zwei Senioren

Der Zoo Dortmund musste binnen weniger Tage direkt zwei Senioren unter den Zootieren verabschieden. Sowohl Ameisenbärin Sandra  als auch Nashorndame Natala waren die ältesten Tiere ihrer Art in Zoos weltweit bzw. in Europa.

 

Die Große Ameisenbärin Sandra, die schon im Zoo Dortmund geboren wurde, erreichte ein nahezu biblisches Alter von fast 28 Jahren. Sie kam am 9. Juni 1994 zur Welt und wurde teilweise mit der Flasche aufgezogen. In den letzten Wochen hatte sie stark abgebaut, so dass sie am 30.5., kurz vor ihrem 28. Geburtstag eingeschläfert werden musste.

 

Breitmaulnashorn-Dame Natala wurde mit 53 Jahren noch deutlich älter. Sie starb am 9. Juni in ihrer Herde, zu der sie seit 16 Jahren gehörte. Sie war Mutter von 6 Kindern, das älteste davon der Bulle „Knorpel“, der 1977 als erstes in Deutschland gezüchtetes Breitmaul-Nashorn in Münster auf die Welt kam.

 


Zu guter Letzt:

 

 

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