Presseschau 18/22: Ig-Nobelpreis, 1 m-Wurm und Schleimschmuggler

Lesedauer: etwa 8 Minuten

 

 

Einen wunderschönen Sonntagmorgen wünschen wir euch, liebe Leserinnen und Leser,

 

wer diese Woche das „Wort zum Sonntag“ von Markus Kretschmer erwartet hat, wird hoffentlich nicht zu sehr enttäuscht sein. Markus ist aus persönlichen Gründen verhindert, so dass zweimal hintereinander die Presseschau kommt.

Dadurch konnte ich weniger Meldungen sammeln, als in den sonst üblichen 14 Tagen, die Presseschau ist ein wenig kürzer.

 

Zunächst möchte ich aber meine Verwunderung über einen Nutzerkommentar zum Ausdruck bringen. Ich habe in den vergangenen Wochen auf der Webseite die Möglichkeit eingebaut, über Tipeee ein kleines finanzielles Dankeschön zu hinterlassen, wenn euch die Seite gefällt. Es gibt auch bereits ab dem ersten Euro eine virtuelle, ab 5 Euro auch eine physische Belohnung. Ein anonymer User schrieb mir daraufhin über die Kommentarfunktion, es sei „unverschämt„, hier im redaktionellen Kontext „schamlos um Geld zu betteln„. Ich solle doch gefälligst bei der Werbung bleiben, die könne er mit dem Werbeblocker ausschalten und habe dann seine Ruhe.

 

Das Ganze hat mich buchstäblich sprachlos zurück gelassen. Was meint Ihr dazu?

 

In der vergangenen Woche hat die wissenschaftliche Zeitschrift Annals of Improbable Research die 32. Ig-Nobelpreise verliehen. Mit diesen auch als Anti-Nobelpreise bezeichneten Preisen werden Forscherinnen und Forscher geehrt, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“. Wegen der Corona-Pandemie wurde die skurrile Preisverleihung erneut nicht im Sanders-Theater der Harvard-Universität, sondern online gefeiert.

 

Mehr dazu in den Meldungen.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen

 

Euer

 

Tobias Möser

 


Ig-Nobelpreise 2022 verliehen

Im Vorfeld der Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreisträger wurden wieder die Ig-Nobelpreise als satirische Auszeichnung vergeben.

 

Das Video hierzu ist auf der Zeremonie-Webseite zu sehen.

 

Die Preisträger sind:

Angewandte Kardiologie: Eliska Prochazkova, Elio Sjak-Shie, Friederike Behrens, Daniel Lindh und Mariska Kret für den Beweis, dass sich der Herzschlag bei zukünftigen Liebespaaren schon beim ersten Treffen synchronisiert. Link zur Studie

 

Literatur: Eric Martínez, Francis Mollica und Edward Gibson für die Klärung der Frage, was dafür sorgt, dass juristische Dokumente unnötig schwer zu verstehen sind. Link zur Studie

 

Biologie: Solimary García-Hernández und Glauco Machado für die Untersuchung, ob und wie sich Verstopfung auf die Paarungsaussichten männlicher Skorpione auswirkt. Link zur Studie

 

 

 

Medizin: Marcin Jasiński, Martyna Maciejewska, Anna Brodziak und sechs weitere Autorinnen und Autoren für den Beleg, dass sich Speiseeis besser auf chemotherapiebedingte Mundschwellungen auswirkt, als die traditionell verordneten Eiswürfel. Link zur Studie

 

Ingenieurswissenschaften: Gen Matsuzaki, Kazuo Ohuchi, Masaru Uehara, Yoshiyuki Ueno und Goro Imura für die Beantwortung der Frage, wie man einen Türknopf möglichst effektiv mit den Fingern dreht. Link zur Studie – sehr lesenswert!

 

Kunstgeschichte: Peter de Smet und Nicholas Hellmuth für einen multidisziplinären Ansatz, die rituellen Einlauftechniken auf alter Maya Keramik zu erforschen. Link zur Studie

 

Physik: Der Preis wurde an zwei Arbeitsgruppen verliehen: An Frank Fish, Zhi-Ming Yuan, Minglu Chen, Laibing Jia, Chunyan Ji und Atilla Incecik,n für den Versuch zu verstehen, wie Entenküken es schaffen, in Reihe hinter der Mutter herzuschwimmen. Link zur Studie

Und an Zhi-Ming Yuan, Minglu Chen, Laibing Jia, Chunyan Ji, and Atilla Incecik, für Untersuchungen zum Wellenreiten von Entenküken beim Formationsschwimmen. Link zur Studie

 

Frieden: Junhui Wu und Paul Van Lange sowie neun weitere Autoren für die Entwicklung eines Algorithmus, mit dem man entscheiden kann, ob Klatsch der Wahrheit entspricht. Link zur Studie

 

Wirtschaftswissenschaften: Alessandro Pluchino, Alessio Emanuele Biondo und Andrea Rapisarda für die mathematische Erklärung, warum nicht die talentiertesten Leute Erfolg haben, sondern Leute, die zufällig Glück hatten. Link zur Studie

 

Sicherheitsingenieurwissenschaften: Magnus Gens für die Entwicklung eines Elch-Crash-Test-Dummies. Link zur Studie

 

Wie immer: Allen, die keinen Ig-Nobelpreis bekommen haben, aber vor allem denen, die einen erhalten haben: Mehr Forschungs-Glück im nächsten Jahr.


9-Jähriger entdeckt Riesen-Regenwurm

Der neunjährige Barnaby Domigan spielte im Garten seiner Familie in Christchurch, Neuseeland, als er bemerkte, dass etwas im Wasser eines nahegelegenen Flussbettes auf und ab schaukelte. Er schnappte sich einen Stock, fischte ihn heraus und entdeckte, dass es sich um einen drei Fuß langen, toten Regenwurm handelte, berichtet Radio New Zealand (RNZ). „Ich konnte meinen Augen nicht trauen“, sagt Domigan gegenüber RNZ und fügt hinzu, dass er die Kreatur „Dead Fred“ genannt hat.

 

Riesen-Regenwurm
Barnaby Domigan mit seinem Fund.

 

John Marris, Kurator der entomologischen Forschungssammlung an der Lincoln University in Neuseeland hält ihn für eine in Neuseeland einheimische Regenwurmart.

„Es sind einige sehr große einheimische Regenwürmer bekannt – ein Meter ist nicht so unerwartet“. Es sei ungewöhnlich, einen riesigen Regenwurm in einem Garten zu finden. Sie leben normalerweise in ungestörten Gebieten, wie Wäldern. Unter den mehr als 200 Regenwurmarten Neuseelands ist die größte eine selten gesehene Kreatur namens North Auckland Wurm (Anisochaeta gigantea), die fast 1,50 m lang wird.

 

Quelle: Smithsonian Magazine vom 14. September 2022


Bundesregierung ernennt Meeresbeauftragten

Deutschland bekommt einen Meeresbeauftragten. Hierzu wurde Sebastian Unger, bisher Abteilungsleiter im Umweltministerium ernannt.

„Wir wollen unseren Einsatz auch international für ambitionierte und rechtsverbindliche Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt auf Hoher See, der internationalen Tiefsee oder im Kampf gegen die Plastikverschmutzung der Ozeane weiter stärken“, sagte Unger zu n-tv.

 

Hafen-Schweinswal
Hafen-Schweinswale sind die kleinsten und häufigsten Wale in Nord- und Ostsee, auch sie brauchen Schutz

 

Welche Auswirkungen der neu geschaffene Posten hat, ist noch unklar. Unger wird ihn mit Leben füllen müssen und dabei einigen bisherigen Meeresnutzern unangenehm auf die Füße treten – oder der Job wird schnell als Versorgungsposten in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

 

Quelle: n-tv

 


Rosa See ergraut

Der Lac Retba ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des afrikanischen Staates Senegal. Wegen seines hohen Salzgehaltes (bis zu 40%) wachsen dort rote Algen, die dem See eine rosa Farbe verleihen. Das macht ihn nicht nur bei Fototouristen aus aller Welt beliebt, er gibt auch zahlreichen Anwohnern Arbeit, denn jeder darf Salz abbauen.

 

Lac Retba
Uferbereich des Lac Retba: Erkennbar das rote Wasser und die Salzhügel

 

In diesem Jahr hat es im Senegal länger und intensiver als üblich geregnet. Der See ist über die Ufer getreten und hat sich die Salzlager der Siedereien einverleibt. Noch schlimmer für die örtliche Wirtschaft: Schwebstoffe aus den ebenfalls über die Ufer getretenen Zuflüssen haben die rosa Farbe der Algen überdeckt, der einzigartige See ist braun geworden.

 


Georgien: 1,8 Millionen Jahre alter Menschenzahn gefunden

In der Nähe des Dorfes Orozmani in Georgien haben Archäologen einen Zahn gefunden. Er gehört zu einer 1,8 Millionen Jahre alten Frühmenschenart. Der Zahn passt in eine Reihe von Funden von menschlichen Schädeln gleichen Alters um den nahe gelegenen Ort Dmanisi.

 

Dmanisi Hominid D 2700
Schädel D2700 aus Dmanisi. Foto: Gerbil CC A 3.0

 

Die Dmanisi-Hominiden gelten als älteste Hominiden außerhalb Afrikas. Sie bezeichnen einen Schlüsselpunkt für die menschliche Evolution und Migrationsmuster.

 

Quelle: Spiegel Wissenschaft

 


Kurz gemeldet:

Australien: Känguru tötet Besitzer

Das erste Mal seit 1936 hat es in Australien wieder einen tödlichen Känguru-Angriff gegeben. Im Südwesten des Landes wurde ein 77-jähriger Mann getötet, der das drei Jahre alte Beuteltier als Haustier hielt. Das Känguru sei sehr aggressiv gewesen und habe zunächst den Mann angegriffen und dann die Rettungskräfte nicht zu ihm gelassen. Das Tier musste erschossen werden, für den Mann kamen trotzdem alle Rettungsversuche zu spät.

In Australien kommt es immer wieder mal zu Angriffen von Kängurus auf Menschen. Meist geht dies mir oberflächlichen Verletzungen einher.

 

Düsseldorf: Schleimspur führt zu Schmuggler

Schnecke auf Hand
DIe Große Achatschnecke wird auch gerne als Haustier gehalten

 

Sie konnte entkommen und damit ihre Kolleginnen befreien. Nein, hier ist nicht von Menschenschmuggel die Rede, 20 cm große Achatina-Schnecken waren es, die der Zoll auf dem Düsseldorfer Flughafen beschlagnahmte. Ein Tier war ausgebüchst, ihre Schleimspur verriet dann den aufmerksamen Beamtinnen und Beamten, aus welchem Paket sie stammte. Das Paket kam aus Nigeria und war eines von insgesamt fünf Sendungen. Sie enthielten 93 Achatina-Schnecken und 18 kg geräucherte Fisch- und Fleischstücke für einen Afroshop im Ruhrgebiet. Darin fand der Zoll auch Maden.

Die Einfuhr der Schnecken ist grundsätzlich erlaubt, ihr Transport verstieß aber gegen das Tierschutzgesetz. Die Vernichtung von Fleisch und Fisch muss der Versender bezahlen.

 

Schnecken der Gattung Achatina waren erst im Juli in den Schlagzeilen. Damals wurden zwei Tiere in London entdeckt und als „tödliche Monsterschnecken“ durch den Blätterwald gegangen.

 

 

Köln: Ältester Brüllaffe der Welt gestorben

Brüllaffe - Kölner Zoo
Brüllaffen-Männchen Chico, leider verstorben

 

„Chico“, der vermutlich älteste Rote Brüllaffe der Erde, ist verstorben. Wann und wo er geboren wurde, ist unklar. Er kam am 14.2.1988 aus einer Privathaltung in den Kölner Zoo. Zu diesem Zeitpunkt war er etwa 2 Jahre alt.
Normalerweise erreichen Rote Brüllaffen ein Lebensalter von höchstens gut 20 Jahren. „Chico“, der Begründer der Brüllaffenzucht im Kölner Zoo und hat 15 Nachkommen gezeug. Er war bis vor kurzer Zeit noch fit für sein Methusalem-Alter. Zuletzt baute er jedoch stark ab, bewegte sich kaum noch und fraß auch nicht mehr. Gemeinsam entschieden Tierpflege, Biologen und Veterinärinnen des Zoos, „Chico“ einzuschläfern und ihm Leid zu ersparen.

 

Aus einer Facebook-Meldung des Kölner Zoos. Auch das Foto ist daher.

 


Zu guter Letzt:

 

One Reply to “Presseschau 18/22: Ig-Nobelpreis, 1 m-Wurm und Schleimschmuggler”

  1. Dann schauen wir doch einmal, inwieweit „Tipeee“ das Leservergnügen stört:

    Gar nicht.

    Jeder einzelne Artikel auf dieser Website ist kostenlos lesbar. Und mögen die Artikel auch nicht immer und uneingeschränkt das Niveau einer wissenschaftlichen Arbeit erreichen, kosten die Recherchen einiges an Zeit. Der Geldaufwand ist geringer, aber oft auch vorhanden: Fremdsprachige Literatur zu absoluten Nischenthemen findet man nicht eben in der Stadtbibliothek. Das Seitenhosting wiederum betrifft zwar nicht die Autoren, wohl aber Tobias als Verantwortlichen für die Website.

    Schwer zu sagen also, was den anonymen Kommentator geritten hat…

    Und das bringt mich zum nächsten Punkt: Der Mensch hat keine Ahnung, wovon er eigentlich spricht. Damit meine ich nicht etwa seine ziemlich herablassende Einstellung zu den Inhalten dieser Seite. Mir scheint viel mehr, dass das Internet ein fremder Planet für ihn ist:

    „Tips“ sind kein Einfall geldgieriger Kryptozoologen (Achtung – Oxymoron: Wer kleinste Nischen bedient, wird eher wenig verdienen.). Die gibt es auf allen Plattformen für die verschiedensten Dienstleister und Künstler – was sehr dehnbare Begriffe sind. Natürlich findet man erbauliche Inhalte wie Koch-Ratschläge und Ideen für Heimwerkerprojekte, oder auch talentierte Komiker und Musiker. Wenn dem geneigten Leser aber einmal zu Lachen (oder zu Weinen) zumute ist, googlen Sie den Begriff „Hot Tub Stream“. Nebenher bemerkt: Etliche der Damen können zumindest teilweise von diesem Geschäft leben, ohne sich dafür noch weiter auszuziehen. Trotzdem finden sich noch genug Herren, die ihnen freiwillig Geld zukommen lassen, obwohl sie im Gegenzug nichts zu erwarten haben. Dies ist kein Kommentar zur Sexualmoral, sondern mehr zu fragwürdigen Preis-Leistung-Verhältnissen (und männlicher Dummheit).

    Ansonsten habe ich noch einen guten Ratschlag speziell den Kommentator:
    Wissen Sie, was bei den großen Nachrichtenportalen passiert, wenn zu viele Menschen Werbeblocker verwenden? Sie führen eine Paywall ein und vorbei ist’s mit der kostenlosen Lektüre – die Sie sich ja offensichtlich doch zu Gemüte führen wollen.

    Freilich wäre es recht einsam auf der Website, wenn wir dieses Modell einführen würden.
    Dafür wären wir Menschen wie Sie los. Und das ist fast schon Grund genug.

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