Presseschau 22/22 mit dem Megalodon, englischen Großkatzen und Kraken-Artillerie

Lesedauer: etwa 15 Minuten

Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch, liebe Leserinnen und Leser,

 

so viel zu tun, so wenig Zeit. Daher müsst Ihr heute mal wieder mit einer Presseschau vorlieb nehmen, die mit heißer Nadel gestrickt ist. An der Qualität der Meldungen ändert das zum Glück nichts.

Da die letzte Presseschau erst in der vergangenen Woche online gegangen ist, wird diese ein wenig kürzer.

 

Wieso ich mich freue, dass man Klimaaktivisten wegen Mordes belangen will

In der vergangenen Woche ist in Berlin eine Fahrradfahrerin an einem Unfall mit einem Betonlaster gestorben. Das wäre für die Kryptozoologie eigentlich keine Meldung wert, aber in der Öffentlichkeit werden mehrfach die Klimaaktivisten der „Last Generation“ dafür verantwortlich gemacht. Zwei von ihnen hatten sich an einer Straße festgeklebt und so einen Stau verursacht. In diesem Stau steckte ein Spezialfahrzeug, das den LKW hätte anheben und so die Bergung der Radfahrerin beschleunigen sollen. Einige Stimmen verlangen nun, dass man die Klimaaktivisten des Mordes anklagt.

Was war passiert?

Das ist nicht nur übertrieben, sondern zäumt das Pferd von hinten auf. Zunächst muss man sich fragen, wie es zu dem Unfall kam. Ganz klar, die Radfahrerin war neben dem LKW, als dieser abbog. Der LKW-Fahrer hat in dieser Situation sowieso alle Sinne voll zu tun, nach vorne und in den Gegenverkehr zu gucken, dazu kommt, dass er trotz zahlreicher Spiegel eine Radfahrerin neben sich nicht sehen kann. Als Radfahrer vermeide ich es tunlichst, neben einen stehenden LKW zu fahren oder gar ihn links zu überholen. Wieso die Radfahrerin in diesen Bereich einfuhr, von dem sie wusste, dass er lebensgefährlich ist, wird sie nicht mehr beantworten können.
Das ist ein strukturelles Problem beim Radfahren, das ist ständig bei Mit-Radfahrern beobachte: Sie meinen, sie müssten bei einem Ampelstau unbedingt links an den dort stehenden Autos vorbei fahren. Das ist gefährlich, da die meisten Autofahrer beim Bremsen wissen, dass niemand links von ihnen ist und sich beim Anfahren auch nicht wieder davon vergewissern.

Die Radfahrerin fuhr auf der Straße, obwohl es daneben auf Niveau des Bürgersteiges einen Radweg gibt. Warum sie das tat, ist unklar. Kurz vor der Unfallstelle gab es eine Baustelle, bei der der Radweg unterbrochen wurde und die Radfahrer auf die Straße geleitet wurden. Um dann auf den Radweg zurück zu kommen, müsste man anhalten, absteigen und das Rad den Bordstein hinauf heben. Wer von den Baustellenplanern glaubt, dass Radfahrer das tun, leidet unter Realitätsferne.
Es könnte aber auch sein, dass die Dame, die viel Rennrad fuhr, mit den empfindlichen schmalen Reifen nicht auf dem buckeligen Radweg fahren wollte. Als viel-Radfahrer ärgere ich mich immer wieder über Rennradfahrer, die meinen, wegen der unzureichenden Technik ihrer Räder gelten für sie andere Gesetze. In den meisten Fällen müssen sie ebenso mit den Buckeln und Schlaglöchern eines Radweges klar kommen wie ich mit meinem City-Bike. Das Argument „die Renntechnik ist zu empfindlich“ gilt nicht, kauft euch ein passendes Rad für eure Strecken. Autofahrer fahren ja auch nicht mit Formel-Rennwagen durch die Stadt.

Wer dennoch meint, unbedingt auf der Straße fahren zu müssen, kann sich um eine Wettkampflizenz des Bundes Deutscher Radfahrer bemühen. Diese erlaubt es in einigen Bundesländern, die Radwegepflicht während des Trainings zu ignorieren.

Verkehrsbehinderung = Mord?

Ja, die Aktivisten haben den Verkehr behindert. Doch ist der „haben den Verkehr behindert“ -> „Bergefahrzeug kam zu spät“ -> „Radfahrerin gestorben“ -> „Anklage wegen Tötung, ggf. Mord“ nicht etwas weit her geholt? Wenn ich mich in den Innenstädten der Großstädte umsehe, sehe ich tagsüber selten Verkehr unbehindert fließen. Autos parken im Halteverbot, in der 2. Reihe, Lieferdienste halten einfach irgendwo, Abbiegeverbote werden ignoriert, die Geschwindigkeit des laufenden Verkehrs von einzelnen Fahrern gefährlich über- oder unterschritten, plötzlich und ohne zu Blinken abgebogen usw. Hand aufs Herz: Das haben wir alle schon gemacht. Aber all das behindert den Verkehrsfluss, dazu kommt das Problem der Rettungsgassen.

 

Wenn wir so vorgehen würden, wäre die Gefängnisse voll Pizzafahrer, Paketlieferanten, Helikoptereltern, die ihre Kinder in der 2. Reihe vor der Schule rausgelassen haben, Leuten, die sich in einer Stadt nicht ausgekannt haben oder keinen Parkplatz fanden. Von Rettungsgassensündern ganz zu schweigen.

Das fordert niemand. Warum auch? „Das sind ja Leute wie wir, die unser Leben leben“. Das Problem der Klimaaktivisten ist, dass sie Forderungen den Normalbürger haben, die dessen Leben stark verändern. Klimaschutz ist anders, als die bisher gesellschaftlich gelösten Umweltprobleme. Er ist nicht mit einem Einmalbetrag für einen Katalysator im Auto zu regeln oder durch Austausch der Spraydosen durch Pumpspray. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, bedeutet das für uns dauerhaft schwere Einschränkungen in jedem Lebensbereich. Das ist mittlerweile offenbar in den Köpfen angekommen, lediglich das „will ich nicht“ ist noch da.

Dass dann Klimaaktivisten daran erinnern, ist um so schmerzlicher. Argumente fehlen, deswegen beschränkt man sich auf Nebenschauplätze oder argumentiert ad personam. Die Forderung nach einer Mordanklage liegt auf ähnlichem Niveau: „Schließt sie weg, damit sie mich nicht an mein tägliches Fehlverhalten erinnern.“ Die Stelle beginnt zu jucken, hoffentlich ist es nicht zu spät.

 

Sorry, wurde etwas länger. Danke fürs Lesen und noch einen schönen Sonntag

 

Tobias Möser

 

Der NfK-Kalender 2023

Der Kalender 2023 des Netzwerkes für Kryptozoologie sieht völlig anders aus, als sein Vorgänger. Dieses Jahr zeigen wir 13 Tierarten aus alten Aquarellen oder kolorierten Stichen, vom 16 bis 19. Jahrhundert. Hier sind tatsächlich vier echte Kryptiden dabei.

Der NfK-Kalender hat 14 Seiten mit 13 bestechend schönen Abbildungen. Ein Textblatt mit einem Infotext über die Tiere ergänzt den Kalender. Er ist im Din A4-Format auf hochwertiges Papier mit mattem Finish gedruckt.

 

Der Kalender kostet bei Vorbestellung bis einschließlich 15.11. € 10,- , danach € 14,90 (jeweils zzgl. P&P)

 

Auf unserer Medien-Seite könnt Ihr ihn bestellen

 

Die Meldungen:

Hatten Megalodon gemeinsame Kinderstuben?

Otodus megalodon, der Großzahnhai war der oder einer der größten fleischfressenden Haie der Weltgeschichte. Er lebte bis vor etwa 2,5 Millionen Jahren.  Obwohl von ihm wenig mehr als fossilie Zähne überliefert wurden, fasziniert dieser Hai. Wie groß erwachsene Otodus megalodon wurden, ist noch nicht sicher bekannt. Unterschiedliche Untersuchungen liefern Ergebnisse zwischen 15 und etwas über 20 m Endgröße, offenbar wurden 15 m nicht mehr regelmäßig erreicht. Otodus megalodon ist weit bekannt, weil fossile Zähne regelmäßig für erschwingliche Beträge im Fossilienhandel angeboten werden und spektakuläre Ausstellungsstücke darstellen. Er ist auch immer wieder Antagonist in Tierhorrorfilmen.

 

Megalodon
Darstellung des Megalodon durch einen Paläoartist nach modernen Erkenntnissen.

 

Bereits 2010 fanden Forscher der Swansea University Hinweise auf eine 10 Millionen Jahre alte Megalodon-Kinderstube vor Panama. Hier gab es eine Rekordzahl von Zähnen junger Megalodon, was nahe legt, dass junge Großzahnhaie hier lebten. In einer weiteren Studie 2020 analysierte eine andere Arbeitsgruppe 25 klein erscheinende Megalodon-Zähne, die in den vergangenen Jahren im Nordosten Spaniens gesammelt wurden. Sie berechneten die Länge der Haie, die diese Zähne verloren, auf etwa 2,6 m. Die Zähne waren 15 Millionen Jahre alt.

 

Ein großer Megalodon-Zahn
Ein großer, fossiler Megalodon-Zahn

 

Ausgehend hiervon erweiterten die Forscher ihre Studie. 485 Megalodon-Zähne von acht Orten am Pazifik, der Karibik und dem Atlantik flossen mit ein. Dabei isolierten sie vier weitere Kinderstuben, die zwischen 16 und 3,6 Millionen Jahre alt sind.

Möglicherweise brachte die Abhängigkeit von flachen Gewässern für Jungtiere die Art mit in Bedrängnis. Mit Beginn der Eiszeiten begann der Wasserspiegel zu sinken, viele Flachmeergebiete fielen trocken. Möglicherweise war auch das einer der Tropfen, die beim Aussterben des Megalodon beteiligt waren.

 

Quelle: doi: 10.1126/science.abf8724


Das Beast of Buckinghamshire

Puma im Schnee
Pumas kommen mit fast allen Klimabedingungen zurecht

 

In der englischen Grafschaft Buckinghamshire nordwestlich von London soll sich mindestens eine Großkatze aufhalten. Das „Beast“ wurde mehrfach gesehen und die Sichtungen auch in den sozialen Medien geteilt. Das regionale Nachrichtenportal „Bucks Free Press“ und die Reporterin Isabella Perrin haben nun ein Geoprofil des „Beast“ aufgestellt und herausgegeben:

 

Das „Beast“ selbst wird als große Katze, etwa von der Größe eines Labradors beschrieben. Unklar ist die Farbe, die meisten Zeugen berichten von einer schwarzen Katze, andere von einer Sandfarbenen mit und ohne Punkte oder Streifen. Dabei scheint das Tier auch immer mal wieder sehr nahe an Häuser zu kommen. Ein Zeuge berichtet von einer Sichtung im Vorgarten, andere in parkähnlichen Anlagen und an Wanderwegen.

 

Quelle: Bucks Free Press vom 8.11.2022

 


Ausgestorbene Muschel lebend gefunden

Jeff Goddard, Forscher am UC Santa Barbara’s Marine Science Institute in Kalifornien wurde erst ganz langsam klar, was er da gefunden hat. Er war auf der Suche nach Nacktkiemer-Schnecken und drehte Steine am Naples Point (150 km west-nordwest von L.A.) um, als ihm eine etwa 10 mm lange Muschel mit durchscheinenden Schalen auffiel. Als sie sich öffnete und mit einem hellen, weiß gestreiften Fuß herumwinkte, wusste ich, so etwas hatte ich noch nie gesehen.“

 

Cymatioa cookae im Wasser
Die „neu“ entdeckte Muschel im Wasser. Foto: Jeff Goddard

 

Goddard machte einige hochauflösende Fotos und ließ die selten erscheinenden Muscheln erst einmal vor Ort. Die Fotos schickte er Paul Valentich-Scott, dem emeritierten Kurator für Malakologie (Lehre von Schnecken und Muscheln) am Santa Barbara Museum of Natural History. Dem waren die Tiere auch unbekannt – und wenn sich jemand mit Muscheln an der Küste Amerika auskennt, dann er. „Ich war überrascht und irritiert“, sagte er. „Ich kenne diese Muschelfamilie (Galeommatidae) sehr gut von den Küsten. Das ist etwas, das ich noch nie vorher gesehen hatte.“

Um sicher zu gehen, wollte Valentich-Scott das Tier im Original haben, aber Goddard konnte sie nicht mehr finden. Neun Besuche später, im März 2019, war Goddard kurz vor dem Aufgeben, als er ein einzelnes Exemplar fand.

Um die Muschel schließlich zu identifizieren, arbeiteten sich die Forscher durch die wissenschaftliche Literatur seit 1758. Erst als sie auch fossile Formen berücksichtigten, fanden sie etwas – in einem Paper von 1937. Der Autor dieser Arbeit, George Willett, schrieb, er habe ungefähr eine Million Muscheln ausgegeraben und untersucht, alle aus den Baldwin Hills in Los Angeles, 150 km entfernt. Dabei hatte er diese Muschel nie selbst gefunden, die einzigen beiden Fossilien hatte Edna Cook, eine Hobby-Sammlerin gefunden. Nach ihr hatte Willett die Art Bornia cooki benannt.

 

Bornia cookae aus der Erstbeschreibung
Bornia cooki bzw. cookae. Abbildung aus der Erstbeschreibung

 

Um sicher zu gehen, musste das rezente Tier mit den Holotypus-Exemplaren verglichen werden. Die liegen im Natural History Museum of the Los Angeles County vor. In der Zwischenzeit konnte Goddard eine weitere, einzelne, leere Schale am Naples Point finden. Ein Vergleich mit dem Holotyp brachte tatsächlich zutage, dass es sich um die selbe Art handelt.

 

„Es gibt eine lange Geschichte von Muschelsammeln und Malakologie in Süd-Kalifornien, einschließlich vieler Leute, die die schwer zu findenden Mikro-Mollusken lieben. Da ist es schwer zu glauben, dass niemand auch nur eine Schale unserer kleinen Schönheit gefunden hat.“ schließt Goddard.

 

Anmerkung: Ich bin ja hartnäckig. Ich wollte herausfinden, welches Alter der Holotyp von Bornia cooki hat. Außerdem schien mir ein -i am Ende des Artnamens zu Ehren von Edna Cook, offenbar einer Frau, seltsam. Also machte ich mich auf der Suche nach der Originalarbeit. Sie ist tatsächlich online verfügbar, als pdf unter https://ia800201.us.archive.org/0/items/biostor-99046/biostor-99046.pdf. Unter anderem fand ich heraus, dass Willett die Art tatsächlich nach einer Miss Edna Cook benannt hat. Damit ist der Artname weiblich und muss in den „Genitiv weiblich“ überführt werden, dies geht ohne eine entsprechende Veröffentlichung „einfach so“. Somit heißt sie Bornia cookae. 

 

Das „Worms“ (World Register of Marine Species) führt die Art als rezent und fossil, rein marin, jedoch als Cymatioa cookae (Willett, 1973). Gründe für die Einstellung in die Gattung Cymatioa werden dort nicht genannt.

 

Ach ja, die Fossilien aus den Baldwin Hills sind zwischen 126.000 und 12.000 Jahren alt. Das Gelände wurde in den 1940er Jahren komplett überbaut, möglicherweise hatte Miss Cook ihre Muscheln in Bau-Aushub gefunden.

 

Literatur: G. Willett. 1937. An Upper Pleistocene fauna from the Baldwin Hills, Los Angeles County, California. Transactions of the San Diego Society of Natural History 8(30):379-406

 


Long Island: Zwergwal in Ästuar gestrandet

Auf der „Freizeitinsel“ Long Island bei New York ist ein Zwergwal in einem Ästuar gestrandet. Das etwa 6 m lange Tier saß am Donnerstag, den 10.11. am Ufer des Southold’s Goose Creek fest. „Er wurde im Flachwasser gefangen, als die Flut ablief“ sagte der Polizeichef von Southold Town, Martin Flatley.

 

 

Die Gegend, in der der Wal gestrandet ist, zeichnet sich durch Schlammufer und ausgedehnte Röhrichtbestände aus, was auf Süßwasser hinweist. Zwergwale meiden solche Bereiche normalerweise.

 

Der Wal hat die Nacht nicht überlebt. Die Behörden brachten den Kadaver zu einer Müllkippe in der Nähe, wo er untersucht wurde. Ergebnisse hierzu sind noch keine bekannt, außer dass der Wal unterernährt erschien.

 

Quelle: Riverhead News Review vom 11.10.2022 mit zahlreichen Fotos.

 


Schnabelwal in der Normandie gestrandet

In der Nähe von Sangatte (für den „Dschungel von Sangatte“, ein illegales Flüchtlingslager von Menschen, die nach England wollen bekannt) ist ein Schnabelwal gestrandet und gestorben. Vermutlich strandete das bereits sehr schwache Tier am 7. November, bei auflaufendem Wasser, wurde dann von der Ebbe mit ins Meer genommen. Das Tier strandete erneut, ob es im Meer oder am Strand starb, ist noch unklar.

 

Entenwale
Zwei in Donegal (Irland) gestrandete Entenwale als Beispielbild. Foto: Thomas & Louise Coleman

 

 

Nach Angaben der Behörden war das Tier 7,44 m lang. Auf den Bildern war der Wals als nördlicher Entenwal, Hyperoodon ampullatus zu identifizieren, vermutlich ein Weibchen.

 

Quelle: franceinfo vom 7.11.2022


Zahl der Seepferdchen im Wattenmeer steigt

Seepferdchen gehören zur natürlichen Fauna des Wattenmeeres. Spätestens seit den 1970ern sind sie im deutschen Teil verschollen. Seit 2020 werden sie vermehrt an den Stränden entdeckt. „Letztlich wissen wir überhaupt nicht, was die Gründe dafür sind“, sagte Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros in Husum. „Ob es an anderer Stelle mehr Seepferdchen gibt, die durch Strömungen ins Wattenmeer getragen werden, oder ob es eine im Wattenmeer lebende lokale Population gibt.“

 

Seepferdchen im Aquarium
Seepferdchen im Aquarium. Die Artzugehörigkeit ist nicht sicher.

 

Die online-Plattform Beachexplorer.org meldet alleine in der ersten Hälfte 2022 bereits 30 lebende oder tote Seepferdchen. Weitere etwa 30 Funde gab es aus Dänemark und den Niederlanden. Meist handelt es sich um das Kurzschnäuzige Seepferdchen Hippocampus hippocampus.

 

Quelle: n-tv vom 7.11.2022


Frühes Gibbon-Fossil entdeckt

Gibbon
Moderner Weißhandgibbon (Beispielbild)

 

Die Familie der Hylobatiden, zu den auch die 20 Arten rezenter Gibbons gehören, sind rein tropisch und auf Asien zwischen Indien und Indonesien beschränkt. Über ihre fossilen Vorfahren ist kaum etwas bekannt. Die meisten Fossilien sind isolierte Zähne und fragmentierte Kieferknochen aus Höhlen in Südostasien, sie sind kaum älter als 2 Millionen Jahre.

Jetzt haben Wissenschaftler der New York University mit dem kleinen Affen Yuanmoupithecus xiaoyuan in Yunnan im Südwesten Chinas einen sehr frühen Gibbonverwandten ausgegraben. Das Alter des Fundes wurde auf 7 bis 8 Millionen Jahre festgelegt. Das Fossil besteht hauptsächlich aus einem Oberkiefersegment, Zähnen und Teilen des Schädels eines Jungtiers, das zum Zeitpunkt des Todes weniger als 2 Jahre alt war. Erwachsen war er etwa so groß wie ein heutiger Gibbon. Er hätte etwa 6 kg gewogen. Insgesamt ähneln die Fossilien modernen Gibbons sehr, sind aber in einigen Merkmalen ursprünglicher.

 

Quelle: Tech Explorist vom 5.11.2022

Originalarbeit: DOI: 10.1016/j.jhevol.2022.103251


Kurzmeldungen

 

Emscher-Mündung renaturiert

Die Emscher galt einst als Deutschlands schmutzigster Fluss, nahm sie doch quasi die gesamten Hausabwässer des Ruhrgebietes auf. In den 1990ern begannen die Arbeiten am ehrgeizigen Ziel, die Emscher zunächst abwasserfrei und dann zu einem Fluss zu machen, in dem wieder Leben herrscht.

Dies ist mit 30 Jahren intensiver Arbeit gelungen. Ende 2021 wurde die letzte Abwassereinleitung an den Emscher-Sammler, einen Kanal tief unter dem Fluss angebunden. Das kanalisierte Flussbett ist auf vielen Kilometern aufgebrochen worden, so dass sich das Flüsschen in einem gewissen Rahmen seinen eigenen Weg suchen kann. Dies funktioniert besser und schneller, als die Planer erwartet haben, sogar endemische Fischarten, die nur noch in den Oberläufen der zuleitenden Bäche vorkamen, sind wieder da. Allen voran: Die Emschergroppe.

 

Nun wurde am vergangenen Mittwoch, 9.11.22 die neue, naturnah gestaltete Mündung in den Rhein symbolisch dem Fluss übergeben. Auf „30 Fußballfeldern“ hat man hier die Rahmenbedingungen für ein Flussdelta mit Flachwasser- und Überflutungszonen geschaffen, das neben dem Naturschutz auch noch dem Hochwasserschutz zugute kommt. Beide Flüsse haben hier eine große Reservefläche, die ohne Schäden überflutet werden kann.

Die 5 m Höhenunterschied zwischen den beiden Flüssen werden durch die Verlegung der Mündung nach Norden sanft ausgeglichen. So können wieder Fische aus dem Rhein in die Emscher wandern, was vorher nicht möglich war.

 

Quelle: WDR


Thunfischbestände erholen sich

Nachhaltige Fischerei zeigt auch bei Großfischen Wirkung. Die Bestände der wichtigsten Thunfischarten und von Schwerfischen erholen sich. Das berichtet die Science. Der Bestand der sieben wirtschaftlich wichtigen Thunfischarten hat sich seit Beginn der 1990er Jahre stetig verbessert, die Schwertfischpopulation fing erst in den 2010er Jahren an, diesem Trend zu folgen.

Lediglich die beobachteten Haiarten konnten noch (?) nicht von der Regulierung der Fischerei profitieren.

 

Die Arbeit ist extrem umfangreich. Es ist quasi unmöglich, sie in einer kurzen Meldung zusammenzufassen. Daher empfehle ich Interessierten, die Originalarbeit in Science zu lesen. Es lohnt sich!

 


Kraken bewerfen sich gegenseitig

Gemeine Sydneykraken Octopus tetricus scheinen keine besonders sozialen Zeitgenossen zu sein. Sie meiden ihre Artgenossen und verteidigen ihre Reviere stark. Dabei gehen sie so weit, dass sie Festkörper und Schlick nach ihnen werfen.

Der Gebrauch von Wurfkörpern ist im Tierreich bisher nur bei Affen und Elefanten festgestellt worden. Dennoch beweisen Videoaufnahmen die Forscher in der Jervis Bay in New South Wales in Australien gemacht haben, dass Sydneykraken genau das tun. Sie beobachteten 10 Tiere, die in 102 Fällen mit Feststoffen oder Dreck nach Artgenossen warfen.

Da eine Schleuderbewegung wegen des Widerstands im Wasser schwierig umzusetzen ist, nutzten die Kraken ihren Sipho als Kanone. Sie sammelten Schlick und Muschelschalen davor und pusteten sie mit starkem Wasserdruck auf den Konkurrenten. Dazu mussten sie den Sipho in eine ungewöhnliche Position bringen. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es sich um eine absichtliche Handlung handelt.

 

Angegriffene Tiere haben sich geduckt oder einen Arm zur Abwehr hochgehalten, so die Forscher. Die Würfe treffen jedoch kaum und wenn, richten sie keinen Schaden an. Die Wurfgeschosse werden durch den Wasserwiderstand zu stark gebremst und abgelenkt. Bisher hat auch noch niemand zurückgeworfen.

 

Eine solche „Artillerieschlacht“ zwischen Weichtieren wäre höchst unerwartet.

 

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