Presseschau 5/22 Megalodon, drei Tyrannosaurusse und eine grüne Schlange

Lesedauer: etwa 17 Minuten
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Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch, liebe Leserinnen und Leser!

 

Corona, Krieg in der Ukraine, dazu die allgegenwärtigen Probleme um Umweltverschmutzung, Klimawandel, Aufspaltung der Gesellschaft und so vieles mehr, da bleibt einem als Kommentator schon fast das Wort im Hals bzw. in den Fingern stecken. Was soll ich schreiben, mir fällt nichts ein!

 

Oder vielleicht doch. Diese Woche gab es eine Diskussion im Netz, eigentlich eine harmlose Sache, bei der Argumente getauscht wurden. Ich bestätigte ein Argument eines Mit-Diskutierenden und ergänzte es noch, woraufhin ein anderer Diskutant die Diskussion recht unschön abbrach. Irgendwie hatte ich bei ihm einen Nerv getroffen – völlig unbeabsichtigt. Nun stelle ich mir die Frage, ob wir im Netz nicht mehr debattieren können. Sind wir zu ungestüm oder sind wir dünnhäutig geworden? Haben unsere sozialen Fähigkeiten wegen der verminderten Kontakte gelitten?

 

Was immer es war: Sorry, Andreas, es tut mir Leid!

Zu den Themen:

Die Themen der Woche sind wieder ziemlich spannend. Es geht um zwei der größten Fleischfresser, die je gelebt haben. Die Größe des Großzahnhais Otodus megalodon ist in den letzten Jahren immer wieder Objekt zahlreicher Studien gewesen. Nun kommt eine neue Idee hinzu, die möglicherweise zwischen unterschiedlichen Ergebnissen vermittelt.

 

Vermitteln will eine Überarbeitung der Art Tyrannosaurus rex nicht. Im Gegenteil: die Vielzahl von Fossilien macht es möglich, statistisch zu arbeiten und charakteristische Merkmale zusammen zu fassen. Dies nutzen Wissenschaftler um die Art in drei Arten aufzuspalten. Leider zeigt sich dabei einmal mehr, dass viele heutige Wissenschaftler hervorragend in ihrem Fachgebiet sind, jedoch oft Lücken in der Taxonomie haben. Taxonomie wird häufig ungern gelehrt und gelernt, da sie eher einer juristischen Darstellung ähnelt und mit den Tieren und Pflanzen nicht so viel zu tun hat.

 

Was es mit der grünen Haarschlange aus Thailand auf sich hat und wo man mit der entsprechenden Ausbildung und Ausrüstung nach Quastenflossern tauchen kann, lest selbst!

 

Euer

 

Tobias Möser


 

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Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Mensch und Meer. Eine merkwürdige Beziehung, geprägt von Hass, Unkenntnis, Romantisierung, Neugier und Ignoranz. Wie funktioniert dieses gewaltige System, dem wir entstammen und über das wir weniger wissen als über den Outer Space? Wie konnte im Urozean Leben entstehen, woher kam überhaupt das ganze Wasser? Warum ist die Evolution ausgerechnet diesen Weg gegangen und keinen anderen? Denn ebenso gut hätte sie uns in intelligente, flüssigkeitsgefüllte Luftmatratzen verwandeln können. Einmal hat sie es jedenfalls versucht – und beinahe geschafft. Mit Sachverstand und Ironie spannt Schätzing den Bogen vom Urknall bis in die kommenden 100.000 Jahre, nimmt uns mit in das unbekannte Universum unter Wasser

 

Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere ist 2006 aus den Recherche-Ergebnissen des Autors zum Bestseller „Der Schwarm“ entstanden. Es hat in der Taschenbuchausgabe 864 Seiten und kostet € 12,99.

 

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Machte kaltes Wasser Megalodon groß?

Otodus megalodon war vermutlich der größte, fleischfressende Hai der Erdgeschichte. Er ist nicht nur in zahlreichen phantastischen Werken Hauptdarsteller. Nahezu jedes Jahr erscheinen Studien über die Größe und das Wachstum des Tieres, die kaum ältere Studien widerlegen. Die meisten dieser Studien sind Hochrechnungen, bei denen aus der Größe der Zähne oder des Gebisses anhand eines Modells die Größe extrapoliert wird.

Da kein vollständiges Skelett der Riesen vorliegt, kann das jeweilige Modell nur auf nicht belegbaren Annahmen beruhen. Daher ist vieles auch im wissenschaftlichen Bereich unsicher.

 

Megalodon
Darstellung des Megalodon durch einen Paläoartist nach modernen Erkenntnissen.

 

Eine neue Studie von Kensu Shimada aus Chicago geht einen anderen Weg. Er stellte fest, dass die recht häufig gefundenen Zähne um so größer werden, je weiter nördlich oder südlich sie gefunden wurden. Am oder um den Äquator sind am kleinsten. Traditionell wird das damit begründet, dass Otodus megalodon hier seine Kinderstuben hatte.

„Unsere Studie zeigt, dass fossile Fundorte mit kleineren Megalodonzähnen eher darauf zurückzuführen sein könnten, dass einzelne Haie wegen des wärmeren Wassers kleiner geblieben sind«, sagt Koautor Harry Maisch. »Die gängige Vorstellung, dass die Art 18 bis 20 Meter Länge erreicht, sollte vor allem auf Populationen zutreffen, die in kühleren Umgebungen leben«, ergänzt Shimada.

 

Damit folgen sie der „Bergmanschen Regel“, die besagt, dass Tiere in kalten Gegenden allgemein größer werden als ihre Verwandten in den Tropen. Bekannte Beispiele sind Eisbär und Kragenbär, aber auch innerhalb der Art der Braunbären.

 

Die Arbeit von Shimada et al ist im Volltext erhältlich: Shimada, K. et al: Revisiting body size trends and nursery areas of the Neogene megatooth shark, Otodus megalodon (Lamniformes: Otodontidae), reveals Bergmann’s rule possibly enhanced its gigantism in cooler waters; Historical Biology 2022 1/10 doi: 10.1080/08912963.2022.2032024


Gab es mehr als eine Tyrannosaurus-Art?

Als Ikone der Dinosaurierforschung steht auch Tyrannosaurus rex unter ständiger Beobachtung der Forscher. Nachdem jahrzehntelang nur sehr wenige Fossilien bekannt waren, sind in den letzten 30 Jahren genug Knochen ausgegraben worden, um so etwas wie Serienuntersuchungen zu machen. Und siehe da: Aus eins mach drei. In einer Arbeit in der Evolutionary Biology spalten Gregory S. Paul, W. Scott Persons und Jay van Raalte die Art in drei Arten auf.

 

Schädel des Tyrannosaurus „Tristan Otto“ aus Berlin

 

Die Aufteilung in eine robuste und eine grazile Morphe war schon seit einiger Zeit bekannt. In dieser Arbeit haben die Autoren nun diese Tiere genauer definiert:

 

  • Eine ältere robuste Morphe trägt zwei Eckzähne. Sie kommt nur in den ältesten Schichten vor. Paul et al. erheben sie in den Artstatus und nennen sie Tyrannosaurus imperator. Holotyp hierfür ist „Sue“, FMNH PR2081 im Field Museum, Chicago.
  • Eine jüngere robuste Morphe trägt einen Eckzahn. Sie bleibt Tyrannosaurus rex. Holotyp ist CM 9380 im Carnegie Museum, Pittsburgh.
  • Eine zeitgleiche, also jüngere, grazile Morphe trägt ebenfalls nur einen Eckzahn und wurde als Tyrannosaurus regina beschrieben. Holotyp für diese Art ist der „Wankel T. rex“ MOR 555. Das Fossil gehört dem US Army Corps of Engineers, ist im Museum of the Rockies gelistet und soll bis ca. 2063 im Smithsonian Institut, Washington D.C. ausgestellt werden.

 

Eine taxonomisch verfahrene Situation

Nomenklatorisch wirft die Sache Probleme auf. Für das Exemplar „Stan“, ein spätes, graziles Tier wurde inoffiziell der Name T. imperator verwendet. Eine Erstbeschreibung gab es nicht, so dass es sich um ein „Nomen nudum“, also einen leeren Namen ohne offizielle Zuordnung handelt. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird ein einmal verwendetes Nomen nudum üblicherweise nicht für spätere Beschreibungen verwendet. Der Name ist quasi „verbrannt“.
Die Benennung einer anderen, aber nahe verwandten Art, wie es hier passiert ist, ist ein sehr gutes Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

 

Ein zweites Problem zeigt die Benennung der grazilen Form. Für diese Tiere liegt bereits eine Erstbeschreibung vor: Zunächst als Aublysodon megagracilis beschrieben, wanderte die Art in die Gattungen Albertosaurus und schließlich Dinotyrannus. Wenn die grazile Form eine eigene Art ist, müsste sie nach der Prioritätsregel also Tyrannosaurus megagracilis heißen.

 

Inhaltlich ist die Arbeit interessant. Die Autoren gehen von einer robusten Form (= T. imperator) aus, die sich zunächst in Nordamerika etabliert hat. Diese hat sich dann durch Diversifizierung und Kontrastbetonung in zwei Arten aufgespalten, die sich so weit ökologisch unterschieden, dass sie koexistieren konnten: T. rex und T. megagracilis (bzw. T. regina).

 

Wie weit sich diese Auffassung in der wissenschaftlichen Welt durchsetzt, hängt vor allem davon ab, wie gut sie sich in Zukunft durch Fossilfunde belegen lässt.


Grüne, haarige Schlange in Thailand gefilmt

 

Francois des Sarre, asienkundiges Mitglied des NfK hat das Tier schnell als Wassertrugnatter der Art Homalopsis buccata identifiziert. Diese Art ist in Hinterindien zwischen Nepal und Sumatra weit verbreitet. Die Tiere erreichen maximal 1 m Länge und und sind kräftig gebaut. Sie leben vor allem im Wasser und verfügen über große Tracheallungen, die es erlauben, vergleichsweise große Beute zu verschlingen. Die Art gilt als giftig bis mindergiftig, ihre Giftzähne sitzen sehr weit hinten im Kiefer, so dass ihr Biss für Menschen nicht gefährlich ist. Sie ernährt sich vor allem von kleinen Fischen und Amphibien.

Die Algen wird die Schlange nach der nächsten Häutung wieder verlieren.

 

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Die Geschichte des Lebens

Über Milliarden Jahre entwickelten sich Fische zu Landbewohnern, Reptilien zu Vögeln, Primaten zu Menschen. Dies ist die größte Geschichte der Welt und sie ist oft erzählt worden. Angefangen von den Mythen der Ägypter über die Schriften der Erlöserreligionen bis zu den modernen Geo- und Biowissenschaften, alle versuchen sie, die Welt und ihre Geschichte zu erfassen und zu erklären. Paläontologie und Geologie haben im 19. und 20. Jahrhundert neue Instrumente ins Orchester gebracht, so dass sich die Erzählung stark wandelte.

Doch die moderne Paläontologie steht derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt: Die Entdeckung von DNA und die fortschreitende Technisierung eröffnen dem Wissenschaftszweig neue Möglichkeiten. Die Untersuchung von Fossilien mithilfe von DNA hilft der Forschung dabei, die zentralen Fragen unserer Existenz zu beantworten: Wie kommt es zu den großen evolutionären Veränderungen? Ist unser Dasein auf der Erde das Produkt reinen Zufalls? Oder hätte es gar nicht anders kommen können?

 

»[Shubins] vier Milliarden Jahre umspannende Geschichte – von alten Fossilien bis hin zur DNA – zeigt einer breiten Leserschaft das wahre Bild der Wissenschaft, mit einnehmenden Porträts großer Forscher aus der Vergangenheit und Gegenwart Nature

 

Die Geschichte des Lebens: Vier Milliarden Jahre Evolution entschlüsselt ist am 21. Februar 2021 erscheinen und war sofort Bestseller in Sachen Naturgeschichte. Es hat 352 Seiten auf deutscher Sprache.

 

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Seltsame Kreatur in Sydney entdeckt

 

Dieses Video ist ohne weitere Kommentare bei Youtube aufgetaucht. Es zeigt ein angebliches „Untier“, das in Sydney mach einer Überschwemmung erschienen ist. Die Spekulationen hierzu gehen von Krakenembryo über geschälten Pflanzensamen bis zu völlig absurden Ideen.

 

Die Redaktion arbeitet daran und meldet sich hierzu in den nächsten Tagen.

 


Dritter Südafrikanischer Quastenflosser gesichtet

Vor Pumula in Südafrika scheint einer der wenigen Orte auf der Welt zu sein, wo Tech-Diver in den Lebensraum der Quastenflosser vordringen können. Die Tiere der bekanntesten Fundstellen an den Komoren und vor Manado leben tagsüber in 150 bis 200 m tiefen Höhlen und gehen nachts bis auf 700 m Tiefe. So sind sie für Sporttaucher unerreichbar.

 

Quastenflosser vor Südafrika
Quastenflosser vor Pumula, Südafrika. Foto: Bruce Henderson

 

Vor Pumula leben die Quastenflosser weniger tief.

Im November 2019 entdeckten Bruce Henderson, Moo und Mike Fraser sowie Mossie Carstens einen Quastenflosser in 72 m Tiefe.

Im Januar 2021 fanden sie in nur 55 m knapp 30 km südlich bei Margate. Das Tier war mit etwa 1,2 m relativ klein, aber in gutem Zustand.

Vor kurzem, im Februar 2022 entdeckten Bruce, Moo und Mike erneut einen Quastenflosser, diesmal auf 67 m vor Pumula.

 

Quelle: Aylward, S. Latest cielacanth discovery amazes local divers; South Coast Herald vom 4. März 2022

 

Anmerkung: Beim Tauchen mit reiner Pressluft tritt ab etwa 30 m eine Stickstoffnarkose ein. Für tiefere Tauchgänge werden künstliche Gasgemische verwendet. Man spricht hier von „tech-Diving“, technischem Tauchen. Auf diese Weise sind Tauchtiefen von mehr als 200 m möglich, jedoch mit erheblichem Risiko.

Bei der Suche nach Quastenflossern vor Südafrika ist schon mehr als ein Taucher tödlich verunglückt.


Frühe Killerwale fraßen Fisch, keine Meeressäuger

Der Schwertwal Orcinus orca und der Unechte Schwertwal Pseudorca crassidens sind die einzigen rezenten Wale, die von anderen Meeressäugern leben (Anmerkung: Große Tümmler töten gelegentlich andere Meeressäuger, v.a. Schweinswale, fressen sie aber nur selten).

Wissenschaftler haben nun aus dem Pleistozän von Rhodos (Griechenland) eine bisher unbekannte Schwertwal-Art beschrieben. Rododelphis stamatiadisi zeigt einen Killerwal-Ökotyp. Das Fossil bildet den Holotyp und besteht aus einem unvollständigen Schädel, mit beidseitigen Ohrenknochen, Kiefern und 25 herausgelösten Zähnen. Dazu kommen u.a. einige Wirbel und Rippen sowie das Brustbein.

 

Orca-Schädel
Schädel und Zähne von Orcinus citoniensis und Schädel von Orcinus orca
Aus Bianucch et al. 2022

 

 

Bemerkenswert ist, dass bei Rododelphis auch der Mageninhalt mit fossilierte. Hierin befanden sich fünf Otolithen (Ohrsteinchen) vom Blauen Wittling Micromesistius poutassou. Diese Fische erreichen 40 bis 50 cm Länge und leben hauptsächlich bodennah in 150 bis 400 m Tiefe.

 

Wer mehr über die Art, Analyse, Phylogenie und die Diskussion der Erstbeschreibung lesen möchte: Der Artikel ist unter DOI: 10.1016/j.cub.2022.02.041 im Volltext erreichbar.


6 m-Gavial lebte im China der Bronze-Zeit

Ein unbekannter Crocodylier lebte wahrscheinlich bis vor wenigen hundert Jahren in China. Das Tier war möglicherweise mehr als 6 Meter lang und seine Entdeckung hilft, neue Einblicke in die Evolution von Krokodilen und ihren Verwandten zu werfen.

Chinesische Forscher entdeckten die Knochen des Tieres in den 1960er und 1970er Jahren. Wie so oft wurden sie fälschlicherweise als rezente Art identifiziert und ignoriert, sagt Masaya Iijima von der Clemson University in South Carolina. Iijima und seine Kollegen haben nun vier der Exemplare untersucht, darunter Schädel und andere Körperteile.

 

Sunda-Gavial
Sunda-Gavial im Tierpark Berlin

 

Die Tiere gehörten zu einer Gruppe, deren einziger Überlebender der Sundagavial ist. Die Gruppe war in der Vergangenheit in Asien, Nord- und Südamerika sowie Europa weit verbreitet, unter anderem gibt es Fossile aus der Grube Messel. Heutige Sundagaviale sind akut vom Aussterben bedroht. 

 

Wer mehr lesen möchte: Unter doi.org/10.1098/rspb.2022.0085 ist der Volltext verfügbar. Die Autoren nehmen ausdrücklich auch Bezug auf das menschenbedingte Aussterben der Art.

 

Danke an Markus Bühler für den Hinweis

 

 


 

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Breverton’s Phantasmoria

ist mehr als ein modernes Bestiarium, das sich mit alten und neuen legendären Tieren und Vorfällen befasst. Über 250 Themen werden hier besprochen, im modernen Vintage-Look mit vielen alten Abbildungen. Vom Aberdeen Bestiarium über John F. Kennedy und den Oak Island Money Pit bis zu Zorro’s Schatz sind zahlreiche Mythen und Sagen verzeichnet.

 

Breverton’s Phantasmagoria beinhaltet auf 384 Seiten einen Querschnitt der Mythen der modernen Nerd-Subkultur. Eine tolle Basis, wenn man mitreden möchte.

 

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Museum Koenig, Bonn: Sonderausstellung Urpferd 2.0

Die Sonderausstellung „Urpferd 2.0 – Ikone aus der Grube Messel“ zeigt ein Original-Fossil eines 48 Mill. Jahre alten Urpferdhengstes der Art Propalaeotherium voigti. Darüber hinaus zeigen virtuelle Rekonstruktionen und ein Modell den aktuellen Stand der Forschung: In enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Martin S. Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena haben die Hamburger Illustratoren Amir Andikfar und Jonas Lauströer das Urpferd in seiner ursprünglichen Gestalt rekonstruiert und sogar zum Laufen gebracht.

 

Urpferd-Sonderausstellung im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig
Digitale Versionen des Messel-Urpferdes (Abb: ZFMK)

 

Die Ausstellung läuft seit dem 4.3.2022 und noch bis 28.08.2022 im 2. OG im Museum Koenig in Bonn.

Während der Sonderausstellung ist nur der reguläre Eintritt fällig: 6 € für Erwachsene, 3 € ermäßigz. Für Familien und Kleingruppen gibt es zahlreiche Sonderpreise.

 

Näheres gibt es auf der Webseite des Museums


Kurz gemeldet

Ausgestorben

  • Das Portal grenzwissenschaft-aktuell.de meldet, dass die University of Melbourne eine Großspende in Höhe von 5 Millionen Dollar erhalten hat. Sie will dieses Geld für ein hochmodernes Labor zur Wiederbelebung des Beutelwolfes und ggf. anderer ausgestorbener Beuteltiere ausgeben.
  • Wesentlich länger ausgestorben ist Syllipsimopodi bideni, ein Vampirtintenfisch aus dem oberen Unterkarbon (328 MA alt) von Montana. Die US-Paläontologen Whalen und Landman benannten ihn nach dem aktuellen Präsidenten „weil sie von seinen Plänen, den Klimawandel anzugehen, und wissenschaftliche Forschung zu fördern, ermutigt worden seien“, so Whalen in der New York Times. Die Erstbeschreibung ist in Nature Communications erschienen: https://doi.org/10.1038/s41467-022-28333-5

 

Strandfunde

  • In Spoon Bay, 50 km nördlich von Sydney, Australien, ist ein Schnabelwal gestrandet. Zu dem am 10.3. gefundenen Tier gibt es keine weiteren Informationen außer drei Fotos in der Facebookgruppe des Central Coast Dolphin Project. Eine Schlinge um den Schwanzstil deutet darauf hin, dass das Tier geborgen werden soll.

An Land

  • Amazonas-Regenwald verliert Widerstandskraft. Bei mehr als drei Vierteln des Waldes hat die Fähigkeit nachgelassen, sich von Störungen wie Dürren oder Bränden zu erholen. Dies führen Forscher auf den Stress durch Abholzung und Brandrodungen zurück. Originalarbeit: https://doi.org/10.1038/s41558-022-01287-8
  • Heiliger Elefant in Sri Lanka verstorben: Sri Lanka trauert um seinen heiligsten Elefanten: Nadugamuwa Raja starb im Alter von 68 Jahren. Er galt als der oberste heilige Elefant. Die auserwählten Tiere tragen bei buddhistischen Feierlichkeiten goldene Reliquien. Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits, er muss jedoch viele Anforderungen erfüllen.
  • RKI weist mehr Zecken-Risikogebiete aus: Quasi ganz Süddeutschland ist nun FSME-Risikogebiet: Ganz Bayern und BaWü, der Süden Sachsens, Thüringens und Hessens, an Neisse und Spree. Dazu kommen Magdeburg, Marburg, Solingen, das Emsland sowie die Kreise Birkenfels und Saar-Pfalz. Näheres hier: Epidemiologisches Bulletin 9/22 als pdf-Download

 

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Ammonite

England Mitte des 19. Jahrhunderts: Resigniert von der männlich-dominierten Wissenschaftswelt Londons, hat sich die einst gefeierte Paläontologin Mary (Kate Winslet) in ein Provinznest an der Küste im Südwesten Englands zurückgezogen. Dort hält sie sich und ihre von Krankheit gezeichnete Mutter (Gemma Jones) mühsam mit dem Verkauf von Fossilien an Touristen über Wasser. Deshalb kann Mary auch das lukrative Angebot eines wohlhabenden Kunden keinesfalls ausschlagen, der ihr seine schwermütige junge Ehefrau Charlotte (Saoirse Ronan) zur Erholung in Obhut geben will, um seine Studienreise ungestört fortsetzen zu können.
Mary begegnet ihrem ungewollten Gast zunächst kühl und abweisend, bis Charlotte schwer erkrankt und Marys volle Aufmerksamkeit erfordert. Einhergehend mit Charlottes Genesung, gewinnt auch Mary langsam die Lebensfreude zurück, und ihre schroffe Fassade beginnt zu bröckeln. Aus den für beide unerwarteten Glücksgefühlen entwickelt sich bald leidenschaftliche Begierde, die alle gesellschaftlichen Konventionen ins Wanken bringt und den Lebensweg beider Frauen unwiderruflich verändern wird.

 

Ammonite ist ein britischer Spielfilm, der 2021 in Deutschland veröffentlicht wurde und nun erstmals auf DVD erhältlich ist. Die DVD läuft 113 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben.

 

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Zum 175. Todesjahr von Mary Anning

Am 9. März 1847, also vor 175 Jahren (und 4 Tagen) verstarb Mary Anning. Die resolute Dame war die Begründerin der Fossiliensuche als wissenschaftliche Disziplin und eine der Schlüsselfiguren der frühen Paläontologie.

 

Mary Anning wurde am 21.5.1799 in einem kleinen Dorf an der Jurassic Coast im Süden Englands geboren. Sie musste bald für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen und tat dies als Fossiliensammlerin. Bestimmten Fossilien wurde früher medizinische Wirkung zugesprochen, man verkaufte sie gemahlen in Apotheken. Mit 12 Jahren fand sie ein fast vollständiges Skelett eines Ichthyosauriers, später einen Plesiosaurier und einen Flugsaurier.

 

Annings fand diese Fossilien in einer Zeit, in der man die Erde für wenige Tausend Jahre alt und Aussterben für unmöglich hielt. Viele Menschen, auch Wissenschaftler glaubten, die Tiere würden heute noch „irgendwo verborgen“ leben – Stoff genug für „Die verborgene Welt“ von Sir Arthur Conan Doyle oder „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne.

 

Aber auch Menschen wie Darwin und Agassiz orientierten an ihnen, als sie unser Weltbild für immer veränderten. Leider blieb Mary Annings als Frau die Aufnahme in die Royal Society verwehrt und ihre Forschung wurde zu ihren Lebzeiten nicht anerkannt. Dennoch erhielt sie mit Ende 30 von der British Association for the Advancement of Science als Dank für ihre Leistungen eine Ehrenpension. Im Alter von nur 47 Jahren starb sie an Brustkrebs.

 

Der Spielfilm „Ammonite“ aus dem Jahr 2020 basiert sehr locker auf ihrem Leben.


Virologe Luc Montagnier verstorben

Luc Antoine Montagnier (* 18. August 1932 in Chabris; † 8. Februar 2022 in Neuilly-sur-Seine) war ein französischer Virologe und Nobelpreisträger. Er studierte Medizin in Poitiers und Paris, wo er 1960 promoviert wurde. 1972 wurde er Leiter der virologischen Abteilung am Institute Pasteur in Paris, wo er auch 1985 habilitierte. Er war Chef der Arbeitsgruppe, die 1983 das heute als HIV bekannte Virus, den Erreger von AIDS entdeckte. Hierfür erhielt er 2008 den Nobelpreis.

 

In seinen späten Jahren bezog er wiederholt umstrittene Positionen, die in die Nähe oder eindeutig zu den Parawissenschaften gehören. Heidi Ledford, Reporterin bei Nature schrieb in ihrem Nachruf auf Montagnier, er habe seine späteren Lebensjahre dazu benutzt, [seine] hart erarbeitete Reputation durch parawissenschaftliche Theorien [fringe theories] und Impfgegnerschaft zu demontieren“.

 

Luc Montagnier war verheiratet und wurde Vater zweier Töchter und eines Sohnes.

 


Das Allerletzte:

Dass Hunde, gelegentlich auch unliebsam gewordene Ehepartner, vor den Ferien an Autobahnraststätten ausgesetzt werden, ist ein regelmäßiges Thema in den Sommerloch-Medien. Doch das hier hat eine neue Qualität:

 

Goldfisch
Goldfisch

 

Unbekannte haben vier Goldfische in einen Wischwasser-Eimer an einer Tankstelle in Grevenbroich ausgesetzt. Die Tankstellenpächterin konnte die Fische retten: Die Leiterin des Ordnungsamtes nahm sie persönlich entgegen. Da das Tierheim keine Fische aufnehmen kann, hat sie die schuppigen Fundtiere kurzerhand im Gartenteich ihres Schwiegervaters einquartiert.

 

Die Tankstellen-Pächterin ist froh, dass die Tiere es am Ende so gut getroffen haben. Sie hat die Videos ihrer Überwachungskamera gesichtet, um die Person zu finden, die die Fische bei ihr an den Zapfsäulen ausgesetzt hat.
„Aber leider ist die Mülltonne genau zwischen Eimer und Kamera. Ich kann nicht unterscheiden, wer etwas in den Eimer und wer etwas in die Tonne getan hat.“, sagte sie dem WDR.


Das Video der Woche:

 

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