Presseschau 9/23 Teil 2 mit Katzen, Artenschutz und 1000 Teufeln

Lesedauer: etwa 21 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

ungewöhnlich für einen Sonntag ist dies bereits der 2. Teil der Presseschau. Da es im vergangenen Monat so viele Meldungen gab, haben wir die Presseschau schlicht auf Samstag und Sonntag aufgeteilt.

 

Obwohl gestern Nessie die Kryptozoologie würdig vertrag, kommen heute noch einige weitere Meldungen aus dem direkten Bereich dieser Disziplin, vom Skunk Ape bis zu den British Big Cats und darüber hinaus.

Der Artenschutz und damit das mehr oder weniger erwartbare Erscheinen (oder Verschwinden) von Tieren an ungewohnten Orten spielt diese Woche ebenfalls eine wichtige Rolle, mit schlechten, aber auch guten Nachrichten.

 

Unser Kalender 2024 ist fertig

Eine gute Nachricht haben wir auf jeden Fall: Unser Kalender für 2024 ist fertig. Gemeinsam mit dem Sequoia Verlag haben wir 13 Bilder neuzeitlich ausgestorbener Tiere gesammelt und zu einem Kalender zusammengebracht. Wir haben dabei – wie im vergangenen Jahr – auf Aquarelle, kolorierte Stiche und in zwei Fällen auf Gemälde aus historischen Zeiten zurückgegriffen.

So sehr ich mich auch darüber freue, dass der Kalender fertig gestellt ist, so hat er bei mir doch ein sehr ungutes Gefühl hinterlassen. Vermutlich keines der Tiere, für die ich die begleitenden Texte geschrieben habe, ist aus natürlichen Gründen ausgestorben. Umweltveränderungen zum Nutzen des Menschen, Jagd, Lebensraumzerstörung oder pure Ignoranz haben jede der 13 Arten aussterben lassen. Von vielen dieser Arten ist nicht mehr geblieben, als eine Handvoll Museumsexemplare und ein paar Bilder und Berichte.

 

Trotzdem gibt es Hoffnung für zumindest einige bedrohte Arten. Wir haben diesen Monat wieder einige positive Meldungen aus dem Artenschutz, auch wenn sich die eine nicht so anhört 😉

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen

 

Euer

Tobias

 

 

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Kalender „Ausgestorbene Tiere – 2024“

Gemeinsam mit dem Sequoia Verlag haben wir den Monatskalender „Ausgestorbene Tiere – 2024“ entwickelt. Er zeigt in 13 wunderschönen Aquarellen aus alten Zoologiebüchern Tiere, die in den letzten 200 Jahren ausgestorben sind. Einige „alte Bekannte“, wie der Riesenalk und das Quagga sind dabei, aber auch unbekannte Arten wie der Wolterstorff-Molch und die Schopfgans.

 

Der Kalender hat 14 Blätter, ist im Din A4-Querformat auf 250er Qualitätspapier mit Mattfinish gedruckt. Alle „Early-Birds“, die den Kalender bis 31.10. bestellen, zahlen € 10,-, danach kostet er € 15, alles incl. P&P.

 

Zum Webshop des Sequoia Verlages mit weiteren Infos

 

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„Skunk Ape“ mit Wildkamera fotografiert?

Auf dem Blog der Rocky Mountain Sasquatch Organisation sind Bilder zu sehen, die eine Wildkamera in Florida aufgenommen haben soll Sie zeigen ein recht großes, aber nicht zu identifizierendes Wesen, das schwarzes und graues Fell hat. Es gibt nur ein Standbild von diesem Wesen, das zur Hälfte hinter einem umgestürzten Baumstamm steht und teilweise von einem weiteren Stamm verdeckt wird.

Die Interpretation der RMSO geht in Richtung eines Wildhominiden, der ein Baby mit sich trägt. Dies bringen sie auch in einem etwa zweiminütigen Video zum Ausdruck.

 

 

Die Redaktion hat (natürlich) ihre Schwierigkeiten mit dieser Darstellung. Leider ist die Kreatur auf dem Bild nicht zu identifizieren, weitere Bilder wurden nicht veröffentlicht.

 

Der Florida-Skunk-Ape ist die Variante des Bigfoots, der im Sunshine-State leben soll. Anders als der Sasquatch soll er sumpfige Wälder bevorzugen und wird üblicherweise als kleiner beschrieben. Er soll noch unangenehmer riechen, als sein Cousin aus dem pazifischen Nordwesten, daher der Name.

 

Link: RMSO-Blogpost zum Florida Skunk Ape im Juli 2023

 


Britische Zeitung: „Wir haben den Beweis für Großkatzen im West Country“

Die britische Zeitung Bristol Live tituliert am 17. August „Wir haben den Beweis, dass Großkatzen im Westen des Landes wild leben – und sie geben ihr Bestes, sich vor uns zu verstecken“. Wieder einmal sind die Katzen schwarze Panther, die Zeugen gesehen haben wollen.

 

British Big Cat - britische große Katze
Ein typische Aufnahme einer British Big Cat, einer britischen großen Katze: Standbild aus einem Video von Jeff Johnson. Die mutmaßliche Großkatze ist etwa 200 m entfernt. Ob jetzt jemand hingegangen ist und nach Fußspuren gesucht oder einen Maßstab ins Bild gehalten hat, ist unklar.

 

Tatsächlich steht diese Meldung wieder im Zusammenhang mit der Reportage „Panthera Britannica Declassified“, zu der wir bereits berichteten. Neu ist, dass das Team, das hinter der Reportage steht, nun auch von dem „deutlichsten Foto einer britischen Großkatze“ spricht.

 

Die Reportage ist in Deutschland nur über Vimeo verfügbar, Amazon-Prime bietet sie in Großbritannien an.

 

Quelle: Bristol Live


Montana: Junge Klimaaktivisten erzielen historischen Erfolg

Montana, der US-Bundesstaat, der überwiegend aus Yellowstone, dem Nationalpark und der Wildnis drum herum besteht, ist sicher besonders umweltbewusst – sollte man meinen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall.

Der sehr konservative Bundesstaat ist den fossilen Brennstoffen sehr zugeneigt. Behörden dort ist es untersagt, bei Genehmigungsverfahren die Folgen von Erdöl- und Erdgasprojekten für das Klima  zu berücksichtigen. Dies hat einer 16-köpfigen Gruppe aus jungen Umweltaktivisten im Alter zwischen 5 und 22 Jahren nicht gefallen. Sie haben auf ihr Recht auf eine saubere Umwelt vor einem Bezirksgericht eingeklagt.

 

Scheune in Montana
Montana ist mehr als Yellowstone, ein großer Teil des Staates wird landwirtschaftlich genutzt

 

Sie argumentierten, Kinder und Jugendliche seien besonders betroffen von den schädlichen Auswirkungen der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Dies belegten sie mit mehreren Gutachten und Sachverständigen. Klägerin Sariel Sandoval sagte dem Fernsehsender CNN, sie habe das Gefühl, dass der Bundesstaat Profit über das Wohlergehen der Menschen stelle. „Obwohl sie genau wissen, dass es sichtbare Schäden gibt – für das Land und die Menschen. Und dass sie es wichtiger finden, Geld zu machen, als sich um die Bevölkerung von Montana zu kümmern.“

Eine weitere Klägerin, deren Familie in Montana eine Farm betreibt, berichtete, dass die Existenzgrundlage ihrer Familie durch Waldbrände, extreme Temperaturen und Dürre mehr als gefährdet sei.

 

Überschwemmung eines Maisfeldes
In Montana wird sich der Klimawandel vermutlich vor allem durch Überschwemmungen und Trockenperioden auswirken.

 

Jugendliche gewinnen in allen Punkten

Am Ende des Prozesses gab das Gericht unter Richterin Seely den Klägern in allen Punkten Recht. Dies bedeutet nicht, dass der Staat Montana nun die Nutzung von fossilen Brennstoffen einstellen muss, sondern nur, dass Behörden deren Auswirkung bei Genehmigungsverfahren berücksichtigen dürfen. Dennoch will der Oberstaatsanwalt Berufung einlegen: Eine Sprecherin nannte das Urteil „absurd“.

 

Der bekannte Klimajurist Michael Gerrard von der Columbia-Universität bezeichnete die Entscheidung als Wendepunkt. „Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen zum Klimawandel, die jemals von einem Gericht gefällt wurde“, sagte er. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass das Urteil Signalwirkung hat und ähnliche Verfahren in den USA folgen werden.

 

Kommentar der Redaktion: So ein Vorgehen ist wesentlich sinnvoller, nachhaltiger und erfolgversprechender als Straßenblockaden. Wir sollten in Deutschland ebenfalls darüber nachdenken.

 

Quelle: tagesschau vom 15.08.2023

 


 

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Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum

Die Schlüsselideen der großen Forscher – unterhaltsam und anschaulich vermittelt

Wissenschaft wird von Menschen gemacht, und manche von ihnen haben so gute Ideen, dass wir ihre Namen damit verbinden: Mandelbrots Baum, Maxwells Dämon, Schrödingers Katze, Poincarés Vermutung oder Einsteins Spuk. Ernst Peter Fischer versteht es wie kein Zweiter, die Faszination von Wissenschaft ebenso anschaulich wie unterhaltsam zu vermitteln. Er erläutert auf verständliche Weise, was sich hinter den genannten Entdeckungen verbirgt, und liefert so durch die Hintertür eine Einführung in die faszinierende Welt der modernen Naturwissenschaften.

 

Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum“ ist 2022 im Anaconda-Verlag erschienen und als gebundenes Buch in deutscher Sprache mit 352 Seiten erhältich.

 

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Unbekannte Katzenart in Museumssammlung entdeckt

„Zur Zeit kennen wir 11 Katzenarten aus Lateinamerika“, berichtet der Forscher Manuel Ruiz-García von der päpstlichen Universität Javeriana. Nachdem 2013 die Südliche Tigerkatze Leopardus guttulus von der Nördlichen Tigerkatze L. tigrinus abgetrennt wurde, weil sie sich morphologisch, ökologisch und genetisch stark unterscheiden. Nun kommt mit Leopardus narinensis eine weitere Katze hinzu.

 

die "neue Katze" Leopardus narinensis und Leopardus tigrinus aus der Erstbeschreibung
Leopardus narinensis (rechts) und zum Vergleich Leopardus tigrina, Abbildung aus der Erstbeschreibung – Foto: Manual Ruiz-García

Die neu beschriebene Katzenart unterscheide sich genetisch von allen anderen Leopardus-Katzenarten. Bisher kennt man nur ein einzelnes Fell dieser Art, das 1989 an den Hängen des Vulkans Galeras in Südkolumbien gesammelt wurde. Es gelangte als Geschenk in die Säugetiersammlung des Instituto Alexander von Humboldt.

Das Fell der neu beschriebenen Katze zeichnet sich durch einzigartige Merkmale aus. Von den Fellen von L. tigrinus unterscheidet es sich durch eine insgesamt rötlichere Färbung, die Rosetten im Fell haben einen schwarzen Rand und sind innen deutlich rötlicher, als bei den anderen tigrinus-Exemplaren.
Der Kopf und der Rücken sind dunkler gefärbt, das Fell insgesamt dichter und wolliger, der Kopf der Katze ist runder und breiter, das Gesicht flacher als bei L. tigrinus. Der Körper von L. narinensis ist kürzer und robuster als bei allen Unterarten von L. tigrinus.

Die neu beschriebene Art

Die Kopf-Rumpf-Länge von Leopardus narinensis wird aktuell mit 46 cm beschrieben, dazu kommen 28 cm Schwanz – alles vor dem Hintergrund, dass von der Art nur ein einziges Fell bekannt ist. Die Art trägt den provisorischen deutschen Namen Narina-Katze.

Aus der Natur ist von der Art noch nichts bekannt. Kamerafallen, die seit 2018 in Kolumbien und dem nördlichen Ecuador aufgestellt wurden, haben bisher kein Ergebnis gebracht. Die Forscher schließen daraus, dass die Katze bereits sehr selten oder schon ausgestorben ist. Dennoch geht die Suche weiter.

 

Quelle: Manuel Ruiz-García et al. 2023. Morphological and Genetics Support for a Hitherto Undescribed Spotted Cat Species (Genus Leopardus; Felidae, Carnivora) from the Southern Colombian Andes. Genes 14 (6): 1266; doi: 10.3390/genes14061266


Großbritannien: Katzenbiss infiziert mit neuartigen Bakterien

Weiße Katze
Hauskatze (Beispielbild)

 

Ein 48jähriger Mann wollte eigentlich nur einer Streuner-Katze helfen. Diese „bedankte“ sich mit einigen Bissen in Hände und Arme. zum Glück meldete sich der Mann in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Dort stellen die Ärzte bei einer wiederholten Behandlung einen ganzen Cocktail aus Bakterien fest, die sich im Katzenspeichel befunden haben. Erst Intravenöse Gaben mehrerer Antibiotika konnten die entstehende Infektion bekämpfen.

 

Hierbei lernten die Ärzte eine bisher unbekannte Bakterienart kennen. Sie gehört in die Gattung Globicatella, die mit den bekannteren Streptokokken verwandt ist. Bisher war nur eine Globicatella-Art bekannt, die den Menschen infizieren kann, G. sanguinis. Sie verursacht in seltenen Fällen Meningitis oder Entzündungen der Harnwege. Von der anderen bekannten Art, G. sulfidifaciens, sind keine Infektionen beim Menschen beschrieben worden.

 

Die neu entdeckte Globicatella-Art hingegen verursacht auch bei immunkompetenten Patienten extensive Infektionen des Weichgewebes sowie eine Sehnenscheidenentzündung.

 

Quelle: https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/29/8/22-1770_article


Schwerer Haiangriff in New York

Tatsächlich „mitten“ in New York, am Rockaway Beach im Süden der Metropole ist am Montag, den 7. August 2023 eine Frau von einem Hai angegriffen worden. Das Tier biss die 65-jährige in den linken Oberschenkel, so teilten die zuständigen Behörden der Presse mit. Die Frau sei in ein Krankenhaus gebracht worden, ihr Zustand ist „kritisch, aber stabil.“
Als Vorsichtsmaßnahme wurde der Strand am darauffolgenden Tag geschlossen. Feuerwehr und Polizei suchten das Meer aus der Luft nach Haien ab.

 

Weißer Hai
DIe Zahl der Weißen Haie an der US-Ostküste hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Selbst die Fischer begrüßen dies, aber seltene Attacken sind die „Nebenwirkung“

 

Es ist der erste Haiangriff an dieser Stelle seit 70 Jahren, meldet der Sender CNN. Der letzte unprovozierte Angriff an Rockaway Beach ereignete sich 1953, als ein Mann beim Fischen von einem Hai gebissen wurde.

Vor dem nahe gelegenen Long Island (etwa 15 km die Küste hinauf) gab es Anfang Juli 2023 eine Serie von 5 Haiangriffen binnen zwei Tagen, am oder um Dienstag, den 4. Juli, dem US-Nationalfeiertag. Zum Glück kam es nicht zu lebensgefährlichen Verletzungen.

 

Hans Walters vom New York Aquarium der Wildlife Conservation Society sagte der New York Times, dass der Angriff die Menschen nicht veranlassen sollte, die Strände zu meiden. Er sollte vielmehr in Erinnerung rufen, dass „unsere Stadt an das Zuhause der Haie grenzt“. „Haie sind unsere Nachbarn, sie leben in unserem Hinterhof. Wir müssen daran denken, dass sie hier sind.“

 

Quellen: CNN vom 7. Juli 2023 und vom 9. August 2023 und NY-Times


Riesige Ansammlung von Kraken vor Kalifornien

130 km südwestlich von Monterey an der Küste Kaliforniens liegt ein erloschener Tiefseevulkan, der Davidson Seamount. Sein Gipfel liegt etwa 1200 m unter der Meeresoberfläche, er ist nicht mehr aktiv, aber führt noch zahlreiche hydrothermale Quellen.

Diese Quellen sind jedes Jahr Ziel von Wanderungen von Tiefsee-Kraken der Art Mussoctopus robustus. Sie treffen sich in etwa 3200 m Tiefe an den Hängen des Vulkans um sich zu paaren. 2018 entdeckten Wissenschaftler des Monterey Bay Aquarium Research Institutes diese Ansammlung. Bei Forschungsarbeiten zwischen März und August 2022 zählten sie in einem nur 2,5 ha großen Gebiet 5718 Oktopusse, davon mehr als 4700 brütende Weibchen. Sie nutzten das Wasser der hydrothermalen Quellen, das die Tiefsee hier von frostigen 1,6° auf etwa 11°C erwärmt. Dies beschleunigt den Stoffwechsel der Tiere, die Embryonen in den Eiern wachsen wesentlich schneller. Vermutlich bräuchte der Nachwuchs stwa fünf bis acht Jahre zum Schlüpfen, im Wasser der warmen Quellen beschleunigt sich das auf 1,8 Jahre.

 

Die Paarung am Davidson Seamount ist der Höhepunkt des Lebens der Oktopusse. Sie stellen danach die Nahrungsaufnahme ein, Weibchen legen etwa 60 längliche Eier und schützen sie mit ihrem Körper. Die sterbenden Oktopusse wiederum bilden eine große Quelle für Nährstoffe in der sonst nahrungsarmen Tiefsee.

 

Die Forscher schätzen, dass die Population um den Davidson Seamount bei etwa 20.000 der Tiefseekraken liegt. Hauptsächlich sind es brütende Weibchen und sterbende Männchen sowie noch nicht abgewanderte Jungtiere. Kraken mittleren Alters fanden sie hingegen nicht.

 

Leider können wir die eindrucksvollen Bilder aus Copyright-Gründen nicht zeigen. Die unten verlinkte Originalarbeit hat sie jedoch in guter Auflösung online.

 

Quelle: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adg3247


 

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Das Jahr des Dugong

Eine Geschichte für unsere Zeit 

Toby Markham, in seiner Freizeit leidenschaftlicher Reisender und Tierfotograf, erwacht in einem unbekannten Raum. Eben noch stand er voll im Leben, erfolgreich und angesehen, nun kann er sich kaum bewegen. Um ihn herum Menschen mit seltsamen Namen, die ihm nicht wohlgesinnt scheinen. Sie klagen ihn an: Toby soll an einer unvorstellbaren Katastrophe Schuld haben. Wo ist er bloß gelandet? Was kann er zu seiner Verteidigung vorbringen? Und was hat das Dugong damit zu tun – diese freundliche Seekuh, die wie so viele andere bedrohte Arten auf Rettung hofft? Spannend und berührend erzählt John Ironmonger in seiner neuen kurzen Geschichte von der Schönheit unserer Welt. Und stellt uns die Frage, wer die Verantwortung für sie trägt. Eine berührende Novelle für unsere Zeit, abenteuerlich und hoch aktuell.

 

Das Jahr des Dugong“ ist im Oktober 2021 bei S. Fischer erschienen und hat als gebundenes Buch 144 Seiten. Es ist in zahlreichen weiteren Formaten verfügbar.

 

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Vier der fünf großen Kaiserpinguin-Kolonien 2022 ohne Nachwuchs

Kaiserpinguine brüten in großen Kolonien auf dem antarktischen Meereis. Üblicherweise takten sie die Brutzeit so, dass die Jungen die Adultmauser vom Dunenkleid zum wasserfesten Erwachsenengefieder hinter sich haben, wenn das Eis abtaut. So sind die Jungen so lange sicher, bis sie in der Lage sind, zu schwimmen.

Doch was passiert, wenn das Meereis schneller wegschmilzt? Die jungen Pinguine haben die Mauser noch nicht abgeschlossen, das Dunenkleid ist aber zum Schwimmen nicht geeignet. Es hält das Wasser nicht ab, so dass sie nicht überleben können.

 

Kaiserpinguine
Kaiserpinguine brüten auf dem Meereis, schmilzt es zu früh, ertrinken oder erfrieren die Jungen.

 

Nach einer Studie des British Antarctic Survey haben 2022 die großen Kolonien auf der zentralen und östlichen Bellinghausen-See westlich der Antarktischen Halbinsel bereits im November, also im Frühsommer der Südhalbkugel 100% ihres Eises verloren. Daten des Sentinel2-Satelitten bestätigen dies. Ver der fünf großen Kaiserpinguin-Kolonien erlebten damit das Aufbrechen des Eises vor der Mauserperiode. Die Forscher befürchten, dass dort nahezu kein Jungtier aufwachsen konnte.

Dies ist das erste Mal, dass das großflächig zurückweichende Meereis den Bruterfolg der Pinguine zunichte machte. Mit Blick auf die Klimaerwärmung ist zu erwarten, dass es nicht das letzte Mal war.

 

Quelle: https://www.nature.com/articles/s43247-023-00927-x


Rätselhaftes Robbensterben an der russischen Pazifikküste

An den Stränden der Insel Sachalin im fernen Osten Sibiriens haben russische Naturschützer und Wissenschaftler ein rätselhaftes Massensterben von Robben und Seevögeln beobachtet. Die Naturschutzgruppe Bumerang berichtete gegenüber n-tv von etwa 300 Kadavern alleine an der kleinen Insel Tjuleni. Darunter seien Nördliche Seebären, Schweinswale und Vögel wie Lummen und andere.

 

Seebären
Nördliche Seebären, ein Bulle mit Harem

 

Bisher bleibt die Ursache unklar. In Proben konnten die Wissenschaftler noch keine Erreger identifizieren, jedoch sprechen die Symptome für eine Krankheit. Da keine toten Fische gefunden wurden, ist eine Vergiftung des Wassers wohl nicht die Ursache. Nach Meldung von bumerang auf citysakh.ru sollen die Tiere sehr schnell sterben.

 

Quelle: https://www.n-tv.de/der_tag/Raetselhaftes-Robbensterben-beschaeftigt-Russlands-Fernen-Osten-article24332881.html


 

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Wilder Wald: Europas Pionier für die Wälder der Zukunft

Der Nationalpark Bayerischer Wald steht weltweit wegweisend für einen gelungenen Naturschutz und als Modell für die Erneuerung von Ökosystemen. Ohne den Einfluss des Menschen durfte sich hier eine außerordentliche Artenvielfalt entwickeln, der Wald wurde zum Rückzugsraum für zahlreiche, vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen. Viele Erkenntnisse aus den jahrzehntelangen Beobachtungen und Forschungen, wie beispielsweise der Umgang mit dem Borkenkäfer, die Effekte von Windwurfflächen, die Totholzforschung oder das Besuchermanagement, werden heute in Nationalparks weltweit berücksichtigt. In internationalen Projekten werden zudem auch Ranger und Waldführer ausgebildet. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Nationalparks zeigt dieser Band in spektakulären Fotos die ganze Schönheit des naturbelassenen Waldes.

Eine spannende Dokumentation des aktuellen Wissenstands zu Naturschutz- und Klimaforschung

 

Wilder Wald ist 2020 in deutscher Sprache als gebundenes Buch bei Knesebeck erschienen und hat 224 großformatige Seiten. Es ist ökologisch nach zertifiziertem Cradle-to-Cradle Prinzip hergestellt.

 

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Zu erfolgreich? Deichschützer fürchten den Biber

Biber sind als Wasserbauer sehr erfolgreich. Dumm nur, wenn sie das in bereits vom Menschen regulierten Gegenden tun. So fürchtet der Deichverband Bislich-Landesgrenze am Niederrhein, dass die großen Nager hier heimisch werden. Sie graben Löcher in Deiche und stauen Entwässerungskanäle auf, so die Angst der Deichschützer.

 

schwimmender Biber
Schwimmender Biber. Sie etablieren sich im Moment, werden schnell häufiger. Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir mit ihnen leben können.

 

Erste Auswirkungen gibt es bereits. Bei Wesel-Bislich, ein Ort, der vor allem Vogelbeobachtern bekannt ist, hat ein Biber einen Entwässerungskanal gestaut. Viele Quadratmeter Weiden und Wiesen des Landwirtes stehen unter Wasser oder sind so nass, dass sie nicht gemäht werden können.

Hinter dem Kanal stehen Wohnhäuser. Der Biber bereitet den Anwohnern sorgen, die sich natürlich vor Überschwemmungen fürchten. Schäden, die durch Biberdämme entstehen, übernimmt die öffentliche Hand nicht. Biber sind Wildtiere, daher besteht für niemanden Rechtsanspruch auf Entschädigung. Eine freiwillige Leistung des Landes wie bei Wolfsrissen gibt es derzeit nicht.

 

Der Deichverband will Schäden vorbeugen. Er wird mitreden, wenn Biberdämme den Hochwasserschutz gefährden. Dies soll nach über einem Jahr Beratung in Bislich nun passieren: Der Kreis Wesel will im September den Biberdamm entfernen.

 

Quelle: WDR vom 10.08.2023


Steht Italien wieder Bären-Ärger ins Haus?

Die Bärin „Amarena“ ist eine Berühmtheit geworden. Sie gehört zur Abruzzen-Population des Braunbären, also nicht Teil des Ursus Life-Projektes in den Alpen. Im Dorf San Sebastiano dei Marsi, 100 km östlich von Rom im Gebirge ließ sie sich in der vergangenen Woche filmen. Mit ihren zwei verbliebenen Jungen zog sie durch das Dorf, sicherte eine Straße, bevor sie mit den Jungtieren in der Dunkelheit verschwand. Zahlreiche Dorfbewohner waren nur wenige Meter von der sichtlich nervösen Bärin entfernt.

Die Nähe zum Menschen hatte bereits Konsequenzen, im Januar ist ihr drittes Junge von einem Auto überfahren worden. Wenn nun die beiden übrig gebliebenen Jungen lernen, dass es in der Nähe der Menschen Futter gibt, ist ein weiterer Unfall nur eine Frage der Zeit.

 

 

Quelle: n-tv vom 30.08.


Ausgewilderte Lear-Aras brüten

Der Lear-Ara (Anodorhynchus leari) ist eine wenig bekannte Großpapageienart aus dem Osten Brasiliens. Die Tiere sehen fast aus wie Hyazinth-Aras, sind jedoch mit 73 cm Körperlänge nur etwa halb so groß, wie die bis zu 100 cm langen bekannteren Verwandten.

Das heutige Verbreitungsgebiet ist extrem klein, er kommt nur in einer semiariden Region im brasilianischen Bundesstaat Bahia vor. Derzeit ist nur ein gesichertes Vorkommen bekannt. Der größte Teil der Population von wenigen hundert Tieren lebt auf dem Gebiet der Farm von Otavio de Farias.

 

Freilebende Lear-Aras Anodorhynchus leari, Canudos, Bahia, Brasil
Freilebende Lear Aras . Foto: Joao Quental, CC-BY-SA 2.0

 

Die Populationsgröße betrug 2001 gerade 246 Tiere. Diverse Schutzmaßnahmen, in die auch Otavio de Farias eingebunden war, ließen die Population bis 2016 auf 1300 Vögel ansteigen. Insbesondere die Tatsache, dass de Farias seinen Angestellten verbot, die Vögel zu schießen oder zu fangen und gleichzeitig keine Fremden auf seiner Farm duldete, schützte die Tiere.

Die Wildpopulation wurde nun von Zoo-Aufzuchten aus dem Loro Parque auf Teneriffa unterstützt. Zum ersten Mal züchtete ein Paar ausgewilderter Zuchttiere in der Natur. Mit insgesamt drei Küken, die sie erfolgreich aufzogen, erreichten sie einen Erfolg, der nur bei 3% der wilden Paare vorkommt.

 

Die Art ist auf einem guten Weg, ihren Bestand in der Natur zu sichern. Da sie aber nur in einem kleinen Areal lebt und nach wie vor von Schutzmaßnahmen und dem Wohlwollen eines einzelnen Mannes angewiesen ist, wird sie weiterhin als kritisch gefährdet geführt.

 

Quelle: Zoos.media, Wikipedia


Die versprochenen 1000 Teufel – naja wenigstens die Hälfte

Der zur Zeit zweitgrößte Raubbeutler, der Tasmanische Teufel ist in Bedrängnis geraten. Die kräftig gebauten schwarzen Tiere leiden unter einem infektiösen Tumor im Gesicht, der durch eine Infektion weiter gegeben wird. Da sie kämpfen, indem sie sich mit den Mäulern verbeissen, wird der Krebs auf diese Weise von Teufel zu Teufel weiter gegeben. Ob dieser Krebs durch ein Virus verursacht wird oder die Krebszellen selbst weiter gegeben werden, ist noch unklar.

 

Tasmanischer Teufel auf dem Arm eines Pflegers
Ein Tasmanischer Teufel auf dem Arm eines Pflegers.

 

Wissenschaftler befürchten, dass das Ökosystem in Tasmanien größere Schäden erleidet, verschwänden die Teufel. Ihre Rolle bei der Kontrolle kleinerer Tiere und der Aasbeseitigung ist kaum zu überschätzen.

Um die freilebende Teufelpopulation zu unterstützen, züchten die Mitarbeiter des Projektes Aussie Ark Beutelteufel in mehreren Zuchtstationen. Die Jungtiere werden dann in die Wildnis Tasmaniens entlassen. Sie besetzen dort Reviere, deren vorherige Inhaber den Tumoren zum Opfer gefallen sind. Gleichzeitig verhindern sie so, dass Füchse sich auf der Insel breitmachen.

 

Habitus des Tasmanischen Teufels
„Zum Teufel mit dir!“ – „Zu dem da? Gerne!“ (Habitus des Tasmanischen Teufels)

 

In einem der Zuchtzentren ist nun das 500. Jungtier geboren. Da diese Zahl einer der angestrebten Meilensteine (engl.: Milestone) war, wurde er Milo getauft. Wie seine Kollegen wird Milo für ein Leben in der tasmanischen Wildnis vorbereitet.

 

Übrigens ist das Projekt so erfolgreich, dass 2020 bereits 28 vermutlich tumorfreie Teufel in einem Schutzgebiet nördlich von Sydney auf dem australischen Festland ausgewildert werden konnten. Hier wurden sie im 14. Jahrhundert durch den Konkurrenzdruck der Dingos und die Bejagung durch die Aboriginals verdrängt.

 

Quelle: n-tv vom 2.8.2023


Vollständiges Panda-Skelett im Grab eines chinesischen Kaisers gefunden

Im Grab des Kaisers Wen, der 157 Jahre vor Christus starb und in einem riesigen Mausoleum beigesetzt wurde, haben Archäologen auch das vollständige Skelett eines Großen Pandas gefunden.

 

Pandabär frisst an Bambus
Rezenter Pandabär, hier Meng-Meng in Berlin, 2017

 

Quelle und weitere Informationen: Smithonianmag.com


Sklavenzimmer in Pompeji freigelegt – inklusive Ratte

Archäologen haben in Pompeji ein Zimmer von Sklaven freigelegt. Das Zimmer gehörte zur Villa Civita Ciuliana und ist mit der blühenden Stadt beim Ausbruch des Vesuvs 79 v. Chr. untergegangen. Da die Stadt dem pyroklastischen Strom des Vulkanausbruches zum Opfer fiel, wurde sie nahezu im „Normalbetrieb“ eingefroren. So können Archäologen sehr viel über den Alltag im Römischen Reich herausfinden.

So auch bei diesem Fund. Wie in Pompeji üblich, verfüllte man die Hohlräume, die organisches Material in den vulkanischen Ablagerungen bildeten, mit Gips. Dann entfernt man die vulkanischen Ablagerungen und übrig bleiben Gipsformen der Einrichtungsgegenstände und oft genug auch der Bewohner.

 

Pompeji
Pompeji heute

 

Das Sklavenzimmer gibt eine Menge Aufschluss über das antike Leben in der unteren Gesellschaftsschicht. Das Zimmer war mit zwei Betten ausgestattet und wurde auch als Abstellkammer genutzt. Die dort gefundenen Keramikgefäße ließen erkennen, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Sklaven dort leben mussten. Unter anderem stellten die Archäologen drei Ratten im Zimmer fest. Eine davon befand sich in einem Krug unter dem Bett und versuchte, zu entkommen, als sie vom pyroklastischen Strom überrollt wurde.

Leider war nicht herauszufinden, um welche Art Ratte es sich handelt. Die Redaktion vermutet die Hausratte Rattus rattus, hält jedoch auch andere mittelgroße Nager für möglich. Die Wanderratte Rattus norvegicus ist nach aktuellem Kenntnisstand auszuschließen.

 

Quelle: msn.com


 

Zu guter Letzt: Die Nächte der Tasmanischen Teufel

Die Reportagen aus der bahnbrechenden Reihe „Tiere vor der Kamera“ Ernst Arendt und Hans Schweiger zeichneten sich nicht nur durch eine ruhige Atmosphäre und einzigartige Aufnahmen aus. Auch die Strapazen bei den Dreharbeiten in freier Wildbahn konnte man als Zuschauer miterleben. Zur Authentizität trug sicher auch bei, dass die Filme mit dem Originalton liefen, lediglich ein ebenso ruhiges Voice-Over kam dazu.

1988 machten sich Arendt und Schweiger auf den Weg zum Teufel:

 

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