Spanier bitten Norwegen um die Rückgabe von Brínzola

von: Peter Ehret

 

Vor gut neun Monaten begab sich das Mönchsgeierweibchen Brinzola aus seiner “Heimat”, der Sierra de la Demanda im spanischen Burgos, auf eine lange Reise in den hohen Norden Europas (wir berichteten). Nachdem sie die Länder Mittel- und Nordeuropas (darunter auch Deutschland) hinter sich gelassen hatte, etablierte sie sich im Mai schließlich vorrübergehend in einem Gebiet in Zentralnorwegen, vermutlich im Langsua National Park. Zur Ruhe kam Brínzola dort dennoch nicht.

Rückflug – oder doch nicht?

Am 9. Juli 2019 flog sie ihre ersten Erkundungsflüge an die norwegischen Fjorde. In der Folge wurden diese “Erkundungsflüge” immer ausgedehnter. Man spekulierte bereits über eine Rückkehr. Tatsächlich überquerte Brínzola am 13. September abermals Schweden und flog wieder in Richtung Süden. Allerdings hielt sie sich zu weit westwärts –und gelangte schließlich wieder an die norwegische Küste. Wäre sie nur wenige Kilometer ostwärts geflogen, hätte sie diese Sackgasse vermieden.

Brinzola auf dem Weg nach Norwegen
Brinzolas Route seit Mai 2019 (Abb. GREFA – Proyecto Monachus)

Das Proyecto Monachus bittet Norwegen um die Rückgabe von Brinzola
Portrait eines Mönchsgeiers im Zoo

Foto bestätigt Brínzolas Durchhaltevermögen

Am 17. November 2019 reiste ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in das Gebiet, in dem sich Brinzola neuerdings aufhielt und hatte Glück. Er konnte Brínzola sogar fotografieren. Laut seinem Bericht ernährte sie sich das Geierweibchen dort von Resten der Viehwirtschaft und hielt sich in der Umgebung eines Abfallcontainers bei einem Bauernhof auf.

“Zurück zum Ex” – eine Angelegenheit der Behörden

So schien Brinzola bis vor Kurzem noch wohlauf zu sein. Dennoch sind die Mitarbeiter des spanischen Betreuungsprogramms für Vögel (GREFA) besorgt. Der Winter naht und es ist unklar, ob die dreijährige Geierdame mit den Bedingungen der norwegischen Kälte fertig wird. Ginge es nach den Wünschen ihrer menschlichen Betreuer, so wäre Brínzola an der Seite ihres ehemaligen Gefährten “Batman” in ihrer spanischen Heimat besser dran. Aus diesem Grund erbaten die Verantwortlichen des Proyecto Monachus von der norwegischen Regierung die Rückgabe Brínzolas. Bis jetzt hat sich das norwegische Klima- und Umweltministerium dazu aber noch nicht geäußert.

Das Proyecto Monachus bittet Norwegen um die Rueckgabe von Brinzola
Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr. (Dieses Bild zeigt nicht Brínzola)

Trotzt Brínzola dem norwegischen Winter?

So ist es für die Beteiligten ein schon eine Erleichterung, dass es der Geierdame im Moment gut zu gehen scheint. Noch immer ist sie auf ihren Streifzügen und ernährt sich offenbar normal – den kurzen Wintertagen im hohen Norden begegnet sie durch nächtliche Aktivität. Doch Norwegens Winter ist noch lang – und die Batterie ihres Senders hält nicht ewig. So ist Brínzolas Zukunft nach ihrem spektakulären Exodus noch alles andere als gesichert. Brínzola war als Küken wegen Herzproblemen und Unterernährung in einer Pflegestation des Mönchgeierprojekts aufgepäppelt worden. Nun scheint es, als ob es abermals menschlicher Hilfe bedarf, um die Hoffnungsträger der europäischen Mönchgeierpopulation vor der Gnadenlosigkeit der Natur zu bewahren. Oder auch nicht?


Literatur:

Website des Proyecto Monachus der GREFA


Peter Ehret ist studierter Politikwissenschaftler und Rechtsphilosoph. Praktisch sein ganzes Leben ist Zoologie im Allgemeinen sein wichtigstes Hobby. Seit dem Jahr 2000 befasst er sich mit Kryptozoologie. Themenschwerpunkt seines kryptoozologischen Interesses sind die Rückwirkungen von konventionellen Tierbeobachtungen auf Legendenbildung. Seit 2012 lebt und arbeitet er als Deutschlehrer in Spanien.

Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


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