Walross am Strand von Rügen

Lesedauer: etwa 4 Minuten
Walross Rügen
Das Walross am Strand von Rügen. Foto: Vivica von Vietinghoff / DMM

 

Nicht alles, was vor Rügen aus der Ostsee kommt und einen gewaltigen Schnurrbart trägt, ist ein (menschlicher) Urlauber. In diesem Fall ganz sicher nicht. Am vergangenen Donnerstag, 16. Juni 2022 entstieg dem Wasser ein leibhaftiges Walross. Leider war es uns nicht möglich, herauszufinden, wo genau das Walross gelandet ist.

 

Walross Rügen Vivica von Vietinghoff DMM
Das Walross am Strand von Rügen. Foto: Vivica von Vietinghoff / DMM

 

Eine Tierärztin und Michael Dähne, Kurator für Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum, begutachteten das Tier durchs Fernglas. Es handele sich vermutlich um ein junges Weibchen, 2 bis 2,30 m lang und gut ernährt. Das Tier atme normal und habe keine sichtbaren Verletzungen, so berichtete Dähne der dpa. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass das Tier irgendwie in Schwierigkeiten ist. Es ruht sich einfach nur aus. 

 

Walross Rügen
Das Walross am Strand von Rügen. Foto: Vivica von Vietinghoff / DMM

 

Damit das Walross das in Ruhe tun kann, haben die Behörden einen Strandabschnitt um das Tier herum gesperrt. Dennoch ist es schnell zur Touristenattraktion geworden, aber auch die Schaulustigen lobte Dähne: „Die haben sich alle hervorragend an die Absperrungen gehalten.“

 

Walross Rügen
Das Walross am Strand von Rügen. Foto: Vivica von Vietinghoff / DMM

 

Trotz all der Vorkehrungen und des warmen Willkommens trottete das Walross am Abend bereits wieder ins Meer und verließ Deutschlands größte Insel – nicht ohne sich noch einmal umzudrehen.


Walross-Sichtungen in Mitteleuropa

Walrosse sind (heute?) Tiere der arktischen Breiten. Die atlantische Unterart ist im Sommer selten südlicher als der mittlere Süden Grönlands. Populationen auf dem europäischen Festland gib es nur im russischen Teil Skandinaviens bei Murmansk.

Entsprechend selten sind Sichtungen in Mitteleuropa:

  • Die Medien sprechen von einer vorherigen, bestätigten Sichtung in der Ostsee bei Lübeck. Leider konnten wir sie nicht verifizieren.
  • 27. Juni 1960: Ein Walross wird vor Sylt im Lister Tief beobachtet.
  • 1. Dezember 1983: Erneut vor Sylt, diesmal vor Hornum.
    Für die folgenden 15 Jahre gibt es keine Meldungen.
  • 21. bis 29. Januar 1998: ein Walross vor Ameland (NL), Juist und Sylt.
  • Am 31.1.1998 meldete die taz einen großen, 800 kg schweren Walrossbullen vor Sylt (taz-Archiv).
    Dies war laut Aussage mehrerer Seehund-Aufzuchtstationen bis 2021 der letzte Walross-Besuch.
  • Zwischen dem 9. bis 15. September 2021 besuchte ein Walross die Ostfrisischen Inseln Baltrum, Wangerooge und Spiekeroog. Nach Berichten wurde das Tier vorher in Dänemark gesichtet.  Das weibliche Tier zeigte einige oberflächliche Verletzungen, die es aber nicht behinderten. Quelle: NDR Eine Übersicht über das Insel-Hopping stellt die Schutzstation Wattenmeer zur Verfügung.
  • Offenbar im Anschluss daran besuchte das Tier die niederländische Nordseeküste, wo es mindestens bis zum 5.11.21 blieb.
  • Aus Smögen, Südschweden wird eine Walrosskuh gemeldet.
  • Das selbe Tier tauchte Anfang März 2022 bei Hvide Sande an der dänischen Westküste wieder auf (Blinker.de)
  • Aktuell sind Beobachtungen eines Walrosses vor Südschweden. Aufgrund der unterschiedlichen Länge der Stoßzähne sei jedoch nicht davon auszugehen, dass es sich um dasselbe Tier handele.
  • Seit 1980 wurden etwa 20 Walrosse an den Küsten Irlands beobachtet.
  • Auch in Schottland treten regelmäßig Walrosse auf, zuletzt war dies 2021, als ein junges Walrossmännchen mehrere Tage zu Gast war. Das Tier hat vorher bereits in Irland, Frankreich, Spanien und anderen Inseln des Vereinigten Königreiches besucht und ist zuletzt auf Island gesehen worden. (nordisch.info)

Offenbar können Walrosse längere Zeit auch in der südlichen Nordsee überleben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert