Warum Spinat Popeye doch stark macht

Popeye den Seemann kennt jedes Kind. Freundlich, aber etwas verhutzelt, kommt er regelmäßig in Situationen, in denen nur noch seine legendären Fäuste helfen. Und damit die richtig arbeiten, braucht er Spinat!

Spätestens in der Schule lernt man dann, dass Spinat gar nicht so stark macht. Das viele Eisen, das jahrelang als besonders gesund galt, ist überhaupt nicht im Spinat enthalten. Der Schweizer Gustav von Bunge hat 1890 in Spinat einen Eisengehalt von 35 Milligramm je 100 g festgestellt. Das wurde unkritisch übertragen, nahezu jeder Kopist hat übersehen, dass von Bunge den Eisengehalt in getrocknetem Spinat gemessen hat.

Dass Spinat gesund ist und stark macht, wurde dadurch zu einem der am häufigsten zitierten Irrtümer der Medizin. Mittlerweile hat sich auch bei jungen Eltern und Omas rumgesprochen, dass das mit dem hohen Eisengehalt nicht stimmt. Und jetzt? Jetzt heißt es auf einmal: Spinat macht doch stark.

Spinat macht doch stark

Popeye der Seemann
Bärenstark, etwas kauzig und der größte Spinatfan, den es gibt: Popeye der Seemann

Das, was das Eisen nicht vermag, kann das Pflanzenhormon Ecdysteron mit Leichtigkeit. Es galt in den 1980ern als „russisches Geheimnis“, das den Ostblock-Sportlerinnen und Sportlern erstaunliche Leistungen ermöglichte. In den letzten Jahren ist es als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt, die Marketingabteilungen werben mit der Steigerung der sportlichen Erfolge.

Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, ob sich Ecdysteron tatsächlich zur Leistungssteigerung eignet. 46 Sportler bekamen über zehn Wochen hinweg entweder ein Placebo oder die Wirksubstanz. Mit erstaunlichem Erfolg:

Sportler, die Ecdysteron bekamen, hatten deutlich höhere Leistungen als Sportler mit Placebo: Sie stemmten dreimal so viel, etwa 9,5 kg beim Bankdrücken. Die Sportler aus der Placebogruppe schafften gerade 3,3 kg. In anderen Disziplinen wie Springen und Kniebeugen fiel der Unterschied geringer aus.

„Unsere Hypothese war, dass wir eine Leistungssteigerung sehen. Aber dass die so groß sein würde, das hatten wir nicht erwartet“, sagte Maria Kristina Parr von der Freien Universität Berlin im Interview mit der ARD-Radio-Recherche Sport und ARTE Re/DokThema.

Obwohl die Forscher bei Ecdysteron keinerlei Nebenwirkungen festgestellt hatten, empfiehlt Frau Parr der Weltantidopingagentur, die Substanz auf die Dopingliste zu setzen. Zu stark ist die leistungssteigernde Wirkung.

Auf die Dopingliste?

Bisher gibt es keine Studien, wie verbreitet Ecdysteron im Spitzensport, aber auch im Breitensport ist. Ebenso ist unklar, wie Dopingfahnder feststellen können, ob der Sportler nur viel Gemüse gegessen hat oder das Ecdysteron doch als Tablette zu sich nahm. Vermutlich macht es die Menge. In dem Experiment nahmen die Sportler bis zu 800 Milligramm täglich zu sich. Um das auf natürlichem Weg zu schaffen, hätten sie täglich 6,6 kg Spinat essen müssen. Das schafft wirklich nur Popeye.

Spinat mit einem hartgekochten Ei und Kartoffeln
Auch wenn Generationen von Kindern mit Spinat gequält wurden: richtig zubereitet ist er eine hervorragende Mahlzeit

Quellen:

SPON: Gehört Spinat wirklich auf die Dopingliste?

ÄrzteZeitung: Doping mit Spinat? Ecdysteron steigert Leistung


Aus persönlichen Gründen musste heute der Beitrag und die damit zusammenhängende Recherche besonders kurz ausfallen. Daher dieses für Kryptozoologie sehr ungewöhnliche Thema.


 

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