Wilder Dienstag: Zoo Dortmund

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Dienstag wird es wild

… zumindest ein wenig. Die neue Rubrik „Wilder Dienstag“ soll Besuchsberichte in sammelt Besuchsberichte mit Kryptozoologischem Hintergrund. Dabei sollte die besuchte Lokalität in oder in der Nähe von Deutschland liegen, je weiter weg, desto bedeutender sollte es sein.

 

Hier kann sich jeder, auch bisher nicht aktive User sehr gerne beteiligen. Einfach hinfahren und drüber schreiben. Jede/r hat irgendwo eine entsprechende Lokalität in der Nähe: Ein Museum, einen Zoo, einen fündigen Steinbruch, einen Teich mit ungewöhnlichen Vögeln, einen Dinopark, eine zugängliche Uni-Sammlung, eine Landfläche oder ein Flussufer, wo Interessantes passiert. Von Nandus bei Lübeck bis Bartgeier in den Alpen, vom Goldschakal auf der Überwachungskamera bis Waschbär in der Mülltonne, von Ammonit bis Narzissenblüte, alles ist cool. Geht einfach raus, seht es euch an und schreibt drüber. Wissenschaftlich oder subjektiv, eigene Empfindungen, wie klappt es mit Kindern, wir nehmen alles.

 

Eure NfK-Webredaktion

 

Kryptozoologischer Rundgang im Zoo Dortmund

Üblicherweise widmen Zoologische Gärten sich der Haltung und Zucht von bedrohten oder Vertreter-Arten. Das globale Ziel der Zoogemeinschaft ist der Erhalt der Artenvielfalt. Der Fokus liegt dabei auf ausgewählten Tierarten, die manchem zwar befremdlich erscheinen, der Wissenschaft in der Regel jedoch gut bekannt sind – andernfalls verbietet sich die Haltung.

 

Die Faszination für Kryptiden kann in einem Zoo in der Regel nur wenig befriedigt werden. Lediglich einige Museen bieten kryptozoologisch Interessierten ein wenig Futter – allen voran das Museum Tor zur Urzeit (Brügge/SH, Deutschland) und das International Cryptozoology Museum (Portland/Maine, USA). Ein Zoobesuch kann höchstens einen Blick auf nahe verwandte Arten von Kryptiden oder auf ehemalige Kryptiden (z.B. Okapis) ermöglichen.

 

Okapi
Okapi im Zoo (Beispielbild)

 

Auch im Zoo Dortmund gibt es Kryptozoologisches

Bei einem Rundgang durch den Zoo Dortmund bieten sich gleich mehrere „kryptozoologische Stationen“ zum Verweilen an.

 

Gleich am Eingang empfängt die Besuchenden des Zoos mit südamerikanischem Schwerpunkt das Modell einer Palaeokonda (Titanoboa), die den Kiosk „Anaconda“ umfasst. Diese bis zu 13 Meter langen Riesenschlangen lebten im Palaeozän in den kolumbianischen Tropen. Erst 2009 wurden Reste dieses Schlangenungeheuers entdeckt. Die größte lebende Verwandte ist die bis zu sechs Meter erreichende Anakonda (Eunectes murinus), die ebenfalls im Zoo Dortmund gezeigt wird. Dort wurde die bedrohte Art 2022 auch erfolgreich nachgezogen. Immer wieder gibt es aus dem Amazonasgebiet Berichte über Sichtungen riesiger Schlangen – lebende Titanoboas?

 

Zoo Dortmund: Kiosk mit Titanoboa
Das Anaconda-Kiosk mit einer riesigen Titanoboa

 

Auf dem weiteren Rundgang passieren interessierte Besuchende die Phoenix-Voliere. Diese ist tatsächlich dem legendären Phoenix-Vogel gewidmet. Die Anlage befindet sich in der nördlichsten Ecke des Zoos. Nur wenige Kilometer weiter nördlich erstreckt sich das Phoenix-Gelände, ehemals eines der größten Industrieareale im Ruhrgebiet – heute ein Freizeitstandort mit kleineren Wirtschaftsunternehmen.

 

Zoo Dortmund: Phoenix Voliere

 

Referenz des Zoos ist der Ursprung der Phoenixlegende in Ägypten. Der ausgestorbene Bennu-Reiher (Ardea bennuides) stand nach Ansicht von Archäologen am Anfang der Legendenbildung. Es war ein Riesenreiher, der bis ca. 2000 v.Chr. in Arabien lebte und bei den Ägyptern kultische Bedeutung erlangte und sogar als Hieroglyphe verewigt wurde. Als Riesenreiher findet dieser seine neuzeitliche Entsprechung im Goliathreiher (Ardea goliath), der größten lebenden Reiherart. Auch bei dieser Art konnte der Zoo Dortmund im vergangenen Jahr erfolgreich Nachzucht vorweisen.

 

 

Zoo Dortmund: Goliathreiher
Der Goliathreiher ist eine beeindruckende Gestalt

 

Im Südamerikateil des Zoos befindet sich eine Voliere mit Seriemas (Cariama cristata). Diese entfernt mit Kranichen verwandten Vögel beeindrucken mit ihrem ungewöhnlichen Äußeren. Fast stelzvogelartig schreiten sie durch das hohe Gras der südamerikanischen Graslandschaften und scheuchen so Insekten und andere Kleintiere auf, von denen sie sich ernähren. Der auffällige Federbusch am Ansatz des leuchtend roten Schnabels verhindert unter anderem, daß Insekten unmittelbar in die Augen fliegen.

 

Zoo Dortmund: sandbadender Seriema
Ein Seriema nimmt ein Sandbad. Sichtbar genießt der Vogel auch die wärmende Sonne.

 

Kryptozoologisch interessant sind Seriemas als letzte lebende Verwandte der Terrorvögel (Phorusrhacidae), die im Tertiär als Spitzenprädatoren die Pampaslandschaften Südamerikas beherrschten.

 

Ein kryptozoologischer Rundgang im Zoo Dortmund

Höhepunkt des kryptozoologischen Rundganges dürfte jedoch die drei Meter hohe Skulptur eines Riesenfaultiers (Mylodon) sein, die vor dem Tamanduahaus steht. Das Tamanduahaus ist das einzige Tierhaus in einem Zoo weltweit, das der Haltung von sogenannten Nebengelenktieren gewidmet ist (Ameisenbären, Faultiere, Gürteltiere), allesamt Arten die an sich bereits ein skurriles Aussehen haben und optisch stark von anderen Säugetieren abweichen und auch untereinander wenig Gemeinsamkeiten aufzeigen. Sogar der Abguß eines Eurotamandua-Fossils aus der Grube Messel ist hier ausgestellt. Riesenfaultiere gehören zu den bekanntesten Kryptiden, gibt es doch verschiedene Hinweise, daß Überlebende der Gattung auch heute noch in Südamerika umgehen und von Einheimischen als Mapinguari bezeichnet werden.

 

Zoo Dortmund: Statue des Mapinguari
Das Mapinguari ist ein ausgestorbenes Riesenfaultier

 

Ein ganz besonderer neuzeitlicher Kryptide ist die Steinlaus („Petrophaga lorioti“), der im Zoo Dortmund ein eigenes Gehege (gleich neben dem Gehege der Kleinen Pandas) zur Verfügung steht.

 

Neben diesen kryptozoologischen Highlights zeigt der Zoo Dortmund noch eine Vielzahl anderer – eher ungewöhnlicher – Arten, so zum Beispiel zwei Tapirarten, drei Schleichkatzenarten, Löffelhunde, Nebelparder, Zwergplumploris und Kinkajous.

 


Der Zoo Dortmund in Kürze

Erreichbarkeit:

Zoo Dortmund

Mergelteichstr. 80
44225 Dortmund

 

ÖPNV: vom HBF mit der U49 bis Hacheney, Preisstufe A3; dann 10 Minuten Fußweg
PKW: Parkplätze vor dem Eingang (dopark.de), fürs Navi: Mergelteichstr. 80, aktuell € 2,- pro Parkvorgang, 600 Plätze verfügbar. An stark frequentierten Tagen, z.B. Ostern empfiehlt sich der ÖPNV.

 

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Geöffnet: täglich 9 bis 17:30 Uhr (Kassenschluss 16:00 Uhr)

 

Der Zoo Dortmund realisiert aktuell das Konzept „Zoo Dortmund 2023“. Dies bedeutet leider auch zahlreiche Baustellen, so sind einige Tiere nicht oder nur eingeschränkt zu sehen. In dieser Zeit hat der Zoo die allgemeinen Eintrittspreise gesenkt, diese geben wir hier wieder:

 

Tagesticket: € 7,00 (regulär € 8,50)
Ermäßigt: € 1,- bis € 4,50, je nach Ermäßigung
Kleingruppe: € 12,- bis € 19,-
(Ein bzw. zwei Erwachsene und bis zu 4 Kinder)

 

Für Besuche (nicht nur) an stark frequentierten Tagen bieten sich online-Tickets an, mit ihnen entfällt das Anstehen an den Kassen.

 

Weitere Preise stehen auf der Webseite des Zoos. Bollerwagen, Buggys und Schließfächer, aber auch Rollatoren und Rollstühle kann man gegen ein Pfand für kleines Geld mieten.

 

Wissenswertes

Der Zoo ist weitgehend barrierefrei, alle Tiere sind für gehbehinderte Besucherinnen und Besucher zu beobachten. Ebenso verleihen die freundlichen Kassiererinnen und Kassierer einen Führer in Braille-Schrift.
Hunde – bis auf ausgebildete und gekennzeichnete Assistenzhunde – dürfen nicht mit in den Zoo. Auch sie dürfen nicht in die Tierhäuser, da dort Tiere freilaufen.

 

Natürlich ist ein Zoobesuch immer ein Highlight für Kinder. Damit der Besuch möglichst glatt abläuft, hat der Zoo einiges getan.
Wickelmöglichkeiten für die ganz Kleinen gibt es an vier Stellen. Die etwas größeren haben Spaß am Streichelzoo oder dem Spielplatz. Noch größere Kinder können an den Erlebnisstationen spielerisch viel lernen.

 

Natürlich werden nicht nur die Tiere im Zoo gefüttert, sondern auch die Besucher. Selbst-mitgebrachtes kann nahezu überall verzehrt werden, die Tierhäuser und Restaurants sind da natürlich ausgeschlossen.
Auf dem Zoogelände stehen zwei Restaurants, sowie mehrere Kioske mit Grillangeboten. Auch der Weg zu Eis und Getränken ist nie weit.


Die beiden Tierfotos stammen von Marcel Stawinoga, Mitarbeiter des Zoo Dortmund, die anderen drei Bilder stammen aus dem Archiv Zoo Dortmund. Das Okapi-Bild ist ein Stockfoto.

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