Wort zum Sonntag – 01.08.2021

Lesedauer: etwa 19 Minuten
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Hallo und einen schönen Sonntag wünsche ich dir! (01.08.2021)

 

Während für viele meiner Leser, vielleicht auch für dich, der schönste Teil des Sommers erst noch bevorsteht, sind für uns im Norden die Ferien bereits wieder vorbei. So habe ich letzte Woche bereits wieder in meiner Spedition angefangen zu arbeiten, und auch die Schulvorbereitungen gehen ab nächster Woche wieder los. Zwar starte ich mit meinen AGs wie jedes Jahr erst zwei Wochen nach Ferienende, aber trotzdem heißt das für mich so langsam: willkommen zurück im Alltag, Markus!


Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe

Während ich im Juli eine wirklich schöne Zeit mit meiner Familie und etwas Erholung in der alten Heimat genießen konnte, erwecken die Worte „Familie“ und „Heimat“ bei so vielen von unseren Landsleuten gerade Trauer, Schmerz und Verlust. Die Schäden durch die schlimme Flut am 15.07. sind kaum in Worte zu fassen. Was die Menschen dort in den letzten Wochen durchmachen mussten, mag man sich gar nicht vorstellen. Mein tiefes Mitgefühl gilt allen, die von dem Unwetter und seinen Nachwirkungen betroffen waren und so viel verlieren mussten.

 

Bei meinem Mitgefühl allein soll es aber nicht bleiben. Ich habe ja bereits im letzten Wort zum Sonntag angekündigt, dass von allen Buchverkäufen im Juli  jeweils 1,-€ von mir gespendet wird. Bislang sind dadurch 126,-€ zusammengekommen. Ich danke allen meinen Lesern für die Unterstützung! Den Betrag habe ich soeben an die Aktion Deutschland Hilft überwiesen.

 

Falls du selbst noch nicht gespendet hast, dann bitte, hilf mit. Jeder Cent ist wirklich schon eine Hilfe! Und wie gesagt: Auch mit dem Kauf eines meiner Bücher kannst du helfen. Denn auch im August setze ich die Spendensammelaktion noch weiter fort:

 

 

Du hast Lust auf ein spannendes Leseabenteuer, und möchtest gleichzeitig Gutes tun? Hier kannst du „Die Weißen Steine“ bestellen und mit deinem Kauf die Aktion Deutschland Hilft unterstützen:


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Die Weißen Steine Band I – Neue Alte Welt

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Der erste Teil eines Überlebenskampfes, in welchem Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht werden.

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Veranstaltungen

Es geht endlich weiter mit den Dino-Treffen! Wie bereits angekündigt, habe ich einen neuen Veranstaltungskalender erstellt. Dort findest du alle neuen Termine für Dino-Treffen, gemeinsame Fossiliensuchen und Lesungen. Ich hoffe, dass wir uns dort bald einmal kennenlernen, oder endlich wiedertreffen!

 

Veranstaltungen Kalender

⚠ ACHTUNG! ⚠ Aufgrund der immer noch bestehenden pandemischen Lage werden alle geplanten Treffen ersatzlos ausfallen, wenn der Inzidenz-Wert in den betreffenden Landkreisen eine Woche VOR dem Treffen bei über 100 liegen sollte, bzw. wenn absehbar ist, dass er bei steigender Tendenz wohl beim entsprechenden Termin diesen Wert überschritten haben wird. Bitte habt dafür Verständnis.


Bild der Woche

Ein Triceratops-Pärchen nimmt einen hungrigen Tyrannosaurus in die Zange. Der mächtige Theropode muss einsehen, dass er sich bei der Wahl seiner Beute diesmal verschätzt hat. Besser, er macht, dass er jetzt schnell das Weite sucht.

 

Titelbild 01.08.2021

Das Bild stammt von Mohamad Haghani.


Paläo-News

Trotz meines Urlaubs war ich in der Zeit nicht faul und habe jede Menge spannender Urzeit-Nachrichten zusammengetragen! Fangen wir gleich damit an:


Montana: älteste Fossilien von Lambeosaurus entdeckt?

Ein Grabungsteam des Dickinson Museums (North Dakota; USA) entdeckte bei ihrer Feldgrabung in der Oldman und Dinosaur Park Formation im Norden Montanas und North Dakotas den fast vollständigen Schädel eines Hadrosauriers, vermutlich eines Lambeosaurus. Sollte sich diese Klassifizierung bestätigen, wäre dies der erste Fund eines Lambeosaurus in den USA, alle bisherigen Funde stammen aus Kanada. Mit einem Alter von etwa 76 Ma ist es außerdem das bislang älteste Exemplar dieses Dinosauriers.

 

Im Bild ist das letzte Foto zu sehen, das aufgenommen wurde, bevor der Schädel in einem Gipsmantel versiegelt und nach Dickinson zurücktransportiert wurde. Die Forscher legen die Knochen im Feld nicht vollständig frei, da sie im Gesteinsblock wesentlich besser geschützt sind. Der Schädel ist jetzt sicher im Labor, bereit, gereinigt, untersucht und ausgestellt zu werden. Die Lebendrekonstruktion stammt von Dmitry Bogdanov.

Chicxulub-Einschlag löste giftige Algenblüte aus!

Das große Massenaussterben am Ende der Kreidezeit wurde höchstwahrscheinlich durch einen gigantischen Meteoriteneinschlag ausgelöst. Als der Impaktor im Golf von Mexiko, nahe des heutigen Städtchens Chicxulub auf der Yukatan-Halbinsel einschlug, hatte dies eine Kettenreaktion verheerender Naturkatastrophen zur Folge. Druckwellen, Tsunamis, Feuerstürme, Regen aus geschmolzenem Gestein, vor allem aber Finsternis, Eiseskälte und saurer Regen bereiteten binnen weniger Jahrtausende etwa 70% aller Arten den Garaus, darunter auch die meisten damals lebenden Dinosaurier.

 

Julia Brugger vom Institute for Climate Impact Research in Potsdam (Deutschland) und ihr Team erforschten in einer neuen Studie die Detailauswirkungen der Katastrophe. Dazu verwendeten die Forscher Modellsimulationen, um die kombinierte Wirkung von Sulfataerosolen, Kohlendioxid und Staub aus dem Aufprall auf die Ozeane und die marine Biosphäre unmittelbar nach dem Aufprall zu untersuchen.

 

Sie ermittelten dabei einen starken Temperaturabfall, die eine kurze, aber immense Algenblüte zur Folge hatte. Nährstoffe sowohl aus der Tiefsee als auch aus dem Meteoriten selbst bewirkten wohl wenige Monate nach dem Impakt einen rapiden Zuwachs der Meeresalgen, was auch eine Oberflächenversauerung der Ozeane zur Folge hatte. Ein Vergleich der modellierten längerfristigen Erwärmung und Veränderungen der Kohlenstoffisotope mit empirischen Beweisen weist außerdem auf eine erhebliche Freisetzung von Kohlenstoff aus der terrestrischen Biosphäre hin. Die Welt muss damals buchstäblich in Flammen aufgegangen sein. Insgesamt werfen unsere Ergebnisse ein Licht auf die Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach dem Chicxulub-Einschlag, die mit Proxy-Daten schwer aufzulösen sind.


Forscher entdecken Spuren eines gewaltigen Tsunamis, der nach dem Einschlag des Chicxulub-Meteoriten entstand

Gary L. Kinsland von der University of Louisiana at Lafayette (USA) und sein Team sind überzeugt, die geologischen Spuren einer gewaltigen Tsunami-Welle entdeckt zu haben. Auf der Suche nach diesen Spuren werteten sie die seismischen 3D-Horizont einer Erdölfirma aus, die aus dem Lake Iatt in Louisiana stammten. In der Tiefe von etwa 1.500m wurden die Forscher fündig: genau dort liegt die K-Pg-Grenze, der Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen.

 

In direkter Nähe entdeckten Kinsland und sein Team bis zu 16m hohe „Megaripples“, also Rifflungen, die entstanden, als wahrscheinlich ein gewaltiger Tsunami die Küste traf. Diese Megaripples sind erhalten geblieben, weil sie sich unter der Basis der Sturmwellen gebildet haben und von Tiefwasserschiefern des Paläozäns begraben wurden. Die Forscher leiten aus der Höhe und Intervalldichte der Rifflungen ab, dass der Tsunami sich an der Küste zu einer Höhe von 900 bis 1.600m Höhe aufgebäumt haben dürfte.

 

Ein gewaltiger Tsunami rast auf das nordamerikanische Festland zu. Bildquelle: Robert DePalma.

Die Bewegungsenergie der Superwelle reichte aus, um noch viele hundert Kilometer ins Landesinnere vorzudringen und alles auf ihrem zerstörerischen Weg mitzureißen. Dieser gigantische Tsunami gehörte zu den ersten von vielen weiteren schweren Naturkatastrophen, die das Leben am Ende der Kreidezeit bedrohten. Saurer Regen und die monatelange Dunkelheit des Impaktwinters führten später zu einem völligen Zusammenbruch der Nahrungskette, in dessen Folge mehr als 70% aller Arten, darunter die meisten Dinosaurier, ausstarben.


Theropodenspuren aus China

An einer Felswand neben der Eisenbahn im Dorf Nanshuangmiao im Nordosten Chinas entdeckten Forscher um Lida Xing von der China University of Geosciences in Peking die Fährte eines Theropoden, die sie dem Ichnogenus Anchisauripus zuordneten. Die Fährte ist etwa 145 Ma alt und stammt aus der Übergangszeit zwischen Jura und Kreide. Vermutlich handelt es sich um die Trittsiegel mehrerer Oviraptorosaurier. Die Fundgegend wurde genauer untersucht, indem die gesamte Zusammenstellung von 55 Fußspuren, die mit zwei Horizonten verbunden sind, genau vermessen und einer Studie unterzogen wurde. Der Größenbereich der 27 gemessenen Spuren deutet auf eine größere Diversität der Theropoden in der Gegend hin.

 


Detaillierte Neubeschreibung von Scutellosaurus lawleri

Die Thyreophora („Schildträger“) waren eine vielfältige Gruppe von Ornithischiern (Vogelbeckendinosauriern), die vom frühen Jura bis zum Ende der Kreidezeit lebten. Während des mittleren und späten Jura begann ihre erste große Radiation, bei der sie eine große Körpergröße, Vierbeinigkeit und komplexe Kaumechanismen entwickelten. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören einige der berühmtesten Dinosaurier, darunter der z.B. Stegosaurus und Ankylosaurus. Die frühen Stadien ihrer Evolution sind jedoch aufgrund eines Mangels an relativ vollständigen Überresten kaum erforscht. Als der früheste bislang bekannter Thyreophore gilt Scutellosaurus lawleri. Er ist mit über 70 Exemplaren aus der Kayenta-Formation des unteren Jura in Arizona (USA) bekannt.

 

Lebendrekonstruktion von Scutellosaurus lawleri von Gabriel Ugeto.

Benjamin T. Breeden von der University of Utah in Salt Lake City und sein Team nahmen anhand dieses Materials nun eine detaillierte Neubeschreibung vor. Sie stellten fest, dass S. lawleri der einzige zweibeinige Thyreophore war. Histologische Studien zeigen, dass es während seines gesamten Lebens langsam wuchs und lamellar-zonales Gewebe besaß, das weder eine Folge seiner geringen Größe noch seiner phylogenetischen Position war, sondern stattdessen ein Alleinstellungsmerkmal (Autapomorphie) sein könnte. Die Forscher bestätigen damit andere Studien, die darauf hindeuten, dass Thyreophoren niedrigere Grundumsatzraten hatten als andere Ornithischier. Die faunistische Vielfalt der Kayenta-Formation im Vergleich zu anderen bekannten dinosauriertragenden Formationen aus dem frühen Jura weist außerdem darauf hin, dass es erhebliche räumliche und/oder umweltbedingte Variationen in der Dinosaurierfaunen des frühen Jura gab.


Flugsaurier waren direkt nach dem Schlüpfen flügge!

Es gibt konkurrierende Ansichten über das Verhalten und den Lebensstil von Flugsauriern in ihren frühesten Lebensphasen. Das Flap-early-Modell schlägt vor, dass Jungtiere schon früh zu einem unabhängigen Leben und einem Flatterflug fähig waren. Das Flap-late-Modell geht davon aus, dass Jungtiere bis zum Erreichen von 50% der Erwachsenengröße nicht flugfähig waren. Und das Glide-early-Modell besagt, dass junge Jugendliche zwar flugfähig waren, aber nur zum Gleit- und nicht zum Ruderflug.

 

Darren Naish, Mark P. Witton und Elisabeth Martin-Silverstone überprüften in einer neuen Studie jedes dieser Modelle, indem sie die Flugfähigkeiten sehr junger juveniler Flugsaurier einer Analyse von Flügelknochenstärke, Flügelbelastung, Flügelspannweite und Flügelseitenverhältnissen unterzogen. Dabei kamen hauptsächlich Daten von embryonalen und frischgeschlüpften Exemplaren von Pterodaustro guinazui und Sinopterus dongi zum Einsatz.

 

Bildquellen: Mark P. Witton.

Die Oberarmknochen von Flugsaurier-Jugendlichen haben eine ähnliche Biegefestigkeit wie die von Erwachsenen und können sowohl Start als auch aktivem Flug standhalten; Flügelgröße und Flügelstreckung junger Jungtiere versetzten sie auch zu einem Ruderflug in die Lage. Die Daten zeigen weiterhin, dass junge Jugendliche ausgezeichnete Segelflieger waren, wenn auch nicht allein auf Segelflug angewiesen. Die Flügelformen frisch geschlüpfter Jungtiere unterscheiden sich erheblich von größeren Individuen, was bedeutet, dass während des Heranwachsens viele Variationen in Geschwindigkeit, Manövrierfähigkeit, Abflugwinkel usw. vorhanden waren. Jugendliche scheinen im Gegensatz zu älteren Individuen für den Flug in unübersichtlichen Umgebungen angepasst gewesen zu sein. Die Forscher schlagen deshalb vor, dass Flugsaurier unterschiedliche ökologische Nischen beim Heranwachsen besetzten. Möglicherweise lebten junge Pterosaurier in ganz anderen Lebensräumen und von ganz anderer Nahrung als ihre erwachsenen Artgenossen.


Doppeltes Genom: neue Studie mit Synchrotron-Röntgentomographie wirft neues Licht auf die Entwicklungsgeschichte der Knochenfische

Knochenfische machen die Hälfte aller Wirbeltierarten. Die meisten besitzen ein doppeltes Genom, und diese Duplikation trat schon beim letzten gemeinsamen Vorfahren aller Teleostei (moderne Knochenfische) auf. Diese genetische Besonderheit wird auch als Auslöser ihrer außergewöhnlichen evolutionären Radiation angenommen. Genomische und phylogenetische Daten weisen darauf hin, dass es erstmalig im Mesozoikum nach der Divergenz der Teleostei von ihren nächsten lebenden Verwandten auftrat. Bislang konnte der Ursprung dieses doppelten Genoms jedoch zeitlich noch nicht in der 50- bis 100 Millionen währenden Entwicklungsgeschichte der Teleostei lokalisiert werden.

 

Mit hochauflösender Synchrotron-Röntgentomographie haben Donald Davasne von der University of Oxford und sein Team die Muster der Genomgrößenentwicklung in fossilen Stammgruppen-Teleostei abgeleitet, um die Knochenzellvolumina zu messen. Diese korrelieren nämlich mit der Genomgröße der heute noch lebenden Arten der Teleostei. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das doppelte Genom sehr früh in der Stammlinie der Knochenfische auftrat und dass alle bisher bekannten ausgestorbenen Knochenfische der Stammgruppe sie bereits besaßen. Der Ursprung liegt daher sowohl vor dem Beginn der Schlüsselinnovationen des Knochenknochenskeletts als auch vor dem Beginn einer erheblichen morphologischen Diversifizierung in der Klade.

 

Darüber hinaus ließ das frühe Auftreten der doppelten Genome viel Zeit für die Reorganisation nach der Duplikation, bevor die Kronengruppe der Teleostei entstand. Dies deutet allenfalls auf einen indirekten Zusammenhang zwischen doppeltem Genom und evolutionärem Erfolg hin, mit weitreichenden Auswirkungen auf die Beziehung zwischen genomischer Architektur und großräumigen evolutionären Mustern im Lebensbaum der Wirbeltiere.


Wie liefen die Baby-Hadrosaurier?

Die Hadrosaurier (Entenschnabelsaurier) sind eine der artenreichsten Gruppen der pflanzenfressenden Dinosaurier. Schon seit den 1990ern ist bekannt, dass sie sowohl zwei- als auch vierbeinig laufen konnten. Während sie beim normalen Gang auf allen Vieren gemächlich dahintrotteten, konnten sie sich bei Gefahr auf ihre Hinterbeine aufrichten und sich zweibeinig aus dem Staub machen. Doch handhabten das die jungen Hadrosaurier schon genauso? Einige Forscher haben vorgeschlagen, dass die kleinen Fußspuren, die man oft unter den Fährten großer, erwachsener Hadrosaurier findet, nicht von deren Jungtieren stammten, sondern von anderen, kleineren zweibeinigen Ornithopoden.

 

Dem gingen nun James O. Farlow von der Purdue University Fort Wayne (USA) und sein Team auf den Grund. Sie verglichen in ihrer neuesten Studie die Fußskelette von jungen Hadrosauriden mit denen adulter Exemplare, und warfen außerdem einen Blick auf andere, stets zweibeinig laufender Ornithischier (Vogelbeckendinosaurier), denen die juvenilen Hadrosaurier in ihrer Größe ähnlich waren.

 

Eine Parasaurolophus-Familie. Bildquelle: Emily Stepp.

Das Ergebnis: Obwohl mögliche allometrische Formänderungen in den Fußproportionen von Hadrosauriden durchaus festgestellt werden konnten, sind diese so subtil, dass die Füße junger Hadrosauriden denen von erwachsenen Hadrosauriden viel ähnlicher sind als denen von kleinen Ornithopoden. Fußabdrücke von artverwandten Hadrosauriden unterschiedlicher Größe und Alter haben daher wahrscheinlich eine sehr ähnliche Form. Es ist daher unwahrscheinlich, dass Fußabdrücke von jugendlichen Hadrosauriern fälschlicherweise als die von kleineren, grazileren zweibeinigen Ornithischier identifiziert wurden. Die zweibeinigen Fährten stammen wohl tatsächlich von jungen Hadrosauriern.


Isotope aus Titanosaurier-Eierschalen werfen neues Licht auf das Leben und den Alltag großer Langhals-Dinosaurier

Fossile Eierschalen stellen einen wichtigen Teil des überlieferten Materials von Titanosauriern. Ihre stabilen Isotopenzusammensetzungen liefern für Forscher außerdem wertvolle paläoökologische Proxy-Daten zur Erforschung ihres Lebens, ihrer Fortpflanzung, ihrer Ernährung und ihrer Körpertemperatur.

 

Léa Leuzinger vom Centro Regional de Investigaciones Científicas y Transferencia Tecnológica de La Rioja (Argentinien) und ihr Team untersuchten für eine neue Studie die Isotopenzusammensetzungen von Titanosaurier-Eierschalen, zusammen mit der eines Knochens und eines einzelnen assoziierten Zahns, die von drei Brutstätten aus der späten Kreide in der Provinz La Rioja geborgen wurden. Der Erhaltungszustand der Fossilien wurde zunächst mit optischen und analytischen Techniken und Plasma-Massenspektrometrie untersucht.

 

Ein Nistplatz riesiger Titanosaurier im kreidezeitlichen Patagonien. Bildquelle: Kristina A. Curry Rogers & Jeffrey A. Wilson.

Die Daten belegen u.a., dass Titanosaurier Tiere mit einer erhöhten Körpertemperatur waren, die sich hauptsächlich von C3-Pflanzen ernährten. Die Isotope verraten außerdem, dass sie außerdem sehr wahrscheinlich in der trockenen Jahreshälfte ihre Eier ablegten


Wieso Säugetiere ihre Artgenossen töten

Viele Säugetiere sind dafür bekannt, sowohl Jungtiere als auch erwachsene Exemplare ihrer eigenen Art zu töten. Es gibt sogar kaum eine Säugetierart, von der solche Artgenossentötungen nicht bekannt sind. Vom niedlichen Kaninchen über den mächtigen Löwen bis hin zu uns Menschen sind wir eine äußerst mordlustige Tiergruppe. Während Verhaltensbiologen die arteigenen Nachwuchstötungen schon ausgiebig untersucht haben, genießt die Tötung von Erwachsenen (Adultizid) selten die Aufmerksamkeit der Forscher. José María Gómez vom Departemento de Ecología Funcional y Evolutiva, in La Cañada de San Urbano (Spanien) und sein Team untersuchten in einer groß angelegten Studie das Gewaltverhalten von verschiedenen Säugetieren. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass erwachsene Säugetiere sich aus mindestens vier nicht ausschließlichen Gründen gegenseitig umzubringen versuchen: bei intrasexueller Aggression, um Paarungsgelegenheiten zu erhalten, um wertvolle Ressourcen zu verteidigen, um ihre Nachkommen zu schützen und teilweise auch, um Artgenossen als Nahrung zu erbeuten.

 

In der Studie wurde auch getestet, welcher Grund bei männlichen sowie weiblichen Säugetieren überwiegt. Dazu haben die Forscher das Vorkommen von Adultiziden, die ökologischen und Verhaltensmerkmale sowie die phylogenetische Verwandtschaft für mehr als 1000 Arten erfasst. Adultizide wurden bei über 350 Arten aus den wichtigsten Säugetiergruppen festgestellt. Männliches Adultizid korreliert demnach phylogenetisch mit dem Vorhandensein von Größendimorphismus und intrasexuell ausgewählten Waffen, wie Zähnen und Hörnern. Der Adultizid von und an Weibchen wurde phylogenetisch vor allem mit dem Auftreten von Nachwuchstötungen in Verbindung gebracht. Es gibt also geschlechtsspezifische Unterschiede: Während Männchen Adulttötung begehen, um die Brutmöglichkeiten zu erhöhen und mit anderen Männchen um die Paarung zu konkurrieren, begehen Weibchen Adulttötung hauptsächlich, um die Nachkommen Artgenossen zu schützen.


Nomingia gobiensis gibt es nicht mehr: Neue Studie identifiziert den „Eierdieb“ als Synonym von Elmisaurus rarus!

Die Nemegt-Formation der mongolischen Wüste Gobi ist für ihre vielfältigen Oviraptorosaurier-Fossilien bekannt, darunter sind auch zwei Caenagnathiden: Elmisaurus rarus und Nomingia gobiensis. Da diese Taxa aus meist nicht überlappendem Material bekannt sind, gibt es Bedenken, dass sie dasselbe Tier darstellen könnten. Dieser Frage gingen nun Gregory F. Funston von der University of Edinburgh (Schottland) und sein Team in einer neuen Arbeit auf den Grund. Ein unvollständiges, verwittertes Caenagnathidenskelett, das neben der Fundstelle des Holotyps von N. gobiensis entdeckt wurde, konnten die Forscher in ihrer Studie als E. rarus identifizieren und zeigt mehr von der Morphologie des Schädels, des Unterkiefers, des Brustgürtels und des Schambeins. Doch obwohl die Mittelfußknochen eindeutig Autapomorphien von E. rarus aufweisen, sind überlappende Elemente identisch mit denen von N. gobiensis!

 

Es häufen sich somit die Beweise, dass die beiden Taxa einen einzigen Morphotyp darstellen, und dass Elmisaurus rarus tatsächlich der einzige Caenagnathide aus Nemegt ist. Eine geringe Caenagnathiden-Diversität in der Nemegt-Formation könnte auf ein breiteres Koexistenzmuster mit anderen Oviraptorosaurierfamilien, insbesondere Oviraptoriden, widerspiegeln. Im Gegensatz zu Nordamerika könnte die Konkurrenz zu den außergewöhnlich vielfältigen Oviraptoriden in Asien nur marginal gewesen sein.


Impidens hancoxi: neuer riesiger Gomphodont aus Süd-Pangaea beschrieben

Richard Butler von der University of Birmingham (UK) und sein Team beschreiben in ihrer neuesten Arbeit den teilweise erhaltenen Schäfel eines Cynodonten aus der mittleren Trias, dessen Fossilien in Südafrika gefunden wurden. Bei dem Exemplar handelt es sich um einen ausgesprochen großen Vertreter der Gomphodonten, eines engen verwandten der späteren Säugetiere. Sein Fossil wurde nun als Impidens hancoxi („Hancox‘ durchbohrender Zahn“) neu benannt. Das Material umfasst fünf sektorielle Zähne, die etwas mehr als die Hälfte der Länge der oberen Zahnreihe nach Eckzähnen ausmachen, sowie vergrößerte Eck- und Schneidezähne.

 

Lebendrekonstruktion von Impidens hancoxi nach Gabriel Ugeto.

Ein weiterer Teilschädel aus der oberen Fremouw-Formation der Antarktis, wird ebenfalls der neuen Art zugerechnet. Das Vorkommen dieses Taxons sowohl in der oberen Fremouw-Formation als auch in der Cricodon-Ufudocyclops-Subzone bestätigt, dass Südafrika und die Antarktis damals miteinander verbunden und ein gemeinsames Ökosystem bildeten. Impidens hancoxi, der vor etwa 240 Ma lebte, war wahrscheinlich ein Allesfresser, er könnte aber mit einer abgeleiteten Schädellänge von bis zu 46cm auch die Rolle eines Spitzenprädatoren in seinem Lebensraum, der CricodonUfudocyclops-Subzone, eingenommen haben.


Jüngster und südlichster Pliosaurier Südamerikas: Forscher beschreiben riesiges fleischfressendes Meeresreptil aus der Kreidezeit!

Die Pliosauriden waren seit dem mittleren Jura bis zu ihrem Aussterben in der frühen Oberkreide die dominierenden Makroräuber in den Meeren des Erdmittelalters. Bis vor kurzem war der fossile Nachweis von Pliosauridae in der Kreidezeit dürftig und aus taxonomischer und phylogenetischer Sicht auch nur schwer zu interpretieren. Obwohl sich das Wissen über die kreidezeitlichen Pliosaurier in den letzten Jahren verbessert hat, sind zahlreiche Aspekte ihrer Evolutionsgeschichte noch immer nur wenig bekannt.

 

Dylan Bastiaans von der Universität Zürich (Schweiz) und seine Kollegen Daniel Madzia, Jorge D. Carrillo-Briceño und Sven Sachs berichten in ihrer neuesten Studie über das erste Pliosaurid-Material aus Venezuela. Das Taxon stammt höchstwahrscheinlich aus dem frühen Cenomanium und ist etwa 100 Ma alt. Es repräsentiert damit das südlichste, aber auch jüngste Vorkommen eines Pliosauriers aus Südamerika. Die jüngsten bisherigen Funde waren alle mindestens 10 Ma älter.

 

Lebendrekonstruktion von Sachicasaurus vitae nach Johnson Mortimer.

Das venezolanische Taxon basiert auf einer gut erhaltenen Zahnkrone, deren Morphologie und äußere Schmelzstrukturelemente insbesondere denen des riesigen Pliosauriers Sachicasaurus vitae aus der Unterkreide Kolumbiens ähneln. Die Forscher diskutieren im Paper auch kurz die Affinitäten des rätselhaften venezolanischen Elasmosauriden Alzadasaurus tropicus. Dabei heben sie Ähnlichkeiten mit Elasmosauriden aus dem Western Interior Seaway hervor.


Nachrichten-Kurzmeldungen KW 29

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Nachrichten-Kurzmeldungen KW 30

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Tierprofil: Anzu wyliei

 

Hier war ich die letzten Wochen wirklich faul… Ich gelobe Besserung! Morgen kommt ganz bestimmt ein neuer Artikel der Woche!


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag! Bleib gesund, alles Gute, und vielleicht sieht man sich ja bald auf einem Dino-Treffen!

 

Liebe Grüße,

Markus Peter Kretschmer

 

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