Wort zum Sonntag – 05.12.2021

Lesedauer: etwa 18 Minuten
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Hallo und einen schönen zweiten Adventssonntag (05.12.2021) wünsche ich dir!

 

Sie ist da: Die Vorweihnachtszeit. Kiel erstrahlt im Glanze tausender Lichter, und letzte Nacht hat es bereits geschneit und meine Nachbarschaft wurde mit einem zarten Zuckerguss überzogen. Inzwischen schmilzt das Zeug natürlich wieder – so richtig weihnachtlich möchte das Wetter bislang noch nicht werden. Und leider trüben auch die Nachrichten über steigende Infektions- und vor allem Todeszahlen die Stimmung. Wir alle machen uns wahrscheinlich große Sorgen, wie das Weihnachtsfest aussehen wird. Viele von uns werden wahrscheinlich in dieser Zeit jemanden verlieren, den wir lieben und gern haben. Da das in meinem Umfeld letztes Jahr tatsächlich mehrmals passiert ist, kann ich das trotz der Vorfreude auf das Weihnachtsfest niemals ganz ausblenden.

Mein größter Weihnachtswunsch: gegenseitige Achtung!

Genauso bedrückt mich die derzeitige Stimmung in unserem Land. Ich kann all das Gezeter und Gemaule einfach nicht mehr hören. Ja, verdammt, auch ich finde, es wäre besser, wenn sich alle Impfmuffel endlich aufraffen würden und sich solidarisch an die Seite all derer stellen, um mit der einzigen wirksamen Waffe, die wir gegen das Virus haben, ein weiteres Mal diesem unsichtbaren Feind die Stirn zu bieten. Ja, ich finde es schlimm, dass sich immer noch viele Leute hartnäckig gegen wissenschaftliche Fakten verwehren und sich von Angst, Sorge oder einfach nur Trotz leiten lassen.

 

Aber diese Leute sind immer noch Menschen! Es sind Leute, mit denen wir auch noch auskommen müssen, wenn diese Pandemie endlich vorbei ist. Corona – das wird nie vorbei sein. Irgendwann wird es aber so alltäglich sein wie Schnupfen oder die Grippe. Es werden nicht mehr zehntausende jeden Winter daran sterben, und es werden auch keine unsere Freiheit einschränkenden Maßnahmen mehr notwendig sein. Aber wir werden bei denen, die wir heute als „Coronajünger“, „Schlafschafe“, oder auch als „Covidioten“, „Impfverweigerer“ und „Querdenker“ beschimpfen, immer noch unser Brot kaufen, unser Auto reparieren lassen, unsere Kinder in ihre Obhut geben. Wie wollen wir dann dastehen, als Gesellschaft? Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns dann wieder irgendwie zusammenraufen werden. Uns gegenseitig verzeihen. Diese schrecklichen zwei Jahre hinter uns lassen. Wieso fangen wir nicht also jetzt schon damit an?

 

Das wäre jedenfalls mein größter Weihnachtswunsch.

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Das Bild stammt aus der Feder von Gabriel Ugeto (Serpenillus).


Paläo-News

Das Jahr holt zum großen Finale aus! Auch in den letzten zwei Wochen gab es wieder einige coole Urzeit-Nachrichten, von denen ich euch die wichtigsten wieder in aller Übersichtlichkeit zusammengefasst habe. Viel Spaß beim Lesen!

 

Highlight Paläo-News


Tetrapodophis amplectus: doch keine Schlange, sondern ein Verwandter der Mosasaurier?

Der Ursprung der Schlangen ist nach wie vor ein paläontologisches Streitthema. Die Entdeckung von frühen Schlangenfossilien, allerdings noch mit Hinterbeinen lieferte neue Einblicke in die phylogenetische und ökologische Herkunft von Schlangen. Im Jahr 2015 wurde ein Fossil aus der Crato-Formation Brasiliens als die erste bekannte Schlange beschrieben: Tetrapodophis amplectus. Diese nur knapp 20cm lange Kreatur aus der Unterkreide lebte vor etwa 120 Ma offenbar (teils) unterirdisch. Sie konnte ihre Beute bereits umschlingen und würgen und besaß auch Kiefermerkmale, die sie zum Verschlingen größerer Beute befähigte – so stellten es David Martill und seine Kollegen jedenfalls in ihrer Erstbeschreibung fest.

 

Lebendrekonstruktion von Tetrapodophis amplectus von Julius Csotonyi.

Klingt alles schon sehr nach Würgeschlange, oder? Doch Michael W. Caldwell von der University of Alberta in Edmonton und sein Team nahmen die Fossilien für eine neue Studie noch einmal genauer unter die Lupe. Dabei stellten die Forscher eine Reihe von Merkmalen fest, die Tetrapodophis als Urahnen der Schlangen disqualifizieren. Die Forscher konnten außerdem einige Merkmale entlarven, die zuvor als schlangentypisch beschrieben wurden. Bei näherer Betrachtung waren sie es aber dann doch nicht.

 

Caldwell und seine Kollegen deuten Tetrapodophis anhand der von ihnen gesammelten Daten vielmehr als Dolichosaurier, also als engen Verwandten der Mosasaurier, die sich einige Millionen Jahre später zu den vorherrschenden Meeresreptilien der Oberkreide entwickelten. Auch Tetrapodophis zeigt nach Ansicht der Forscher Anpassungen, die eher auf eine wasserbewohnende, statt grabende Lebensweise hindeuten. Die Suche nach der ältesten Schlange wird also wohl noch eine Weile weitergehen – genauso wie die Diskussionen.


Revolution der bedecktsamigen Blütenpflanzen (Angiospermen)

Anders als in vielen anderen Perioden der Erdgeschichte leben heute 85 % der Pflanzen- und Tierarten nicht im Meer, sondern an Land. Etwa die Hälfte davon ist allein in tropischen Regenwäldern zu finden. Ein explosionsartiger Anstieg der Vielfalt der Landlebewesen erfolgte in der Zeit vor 100–50 Ma, also in der späten Kreidezeit und dem frühen Paläogen. Während dieser Zeit fand auch ein großes Massenaussterben statt, wahrscheinlich aufgrund eines gewaltigen Meteoriteneinschlages. Damals wurde die biologische Uhr zurückgesetzt und die Biosphäre auf ein neues Produktivitätsniveau erweitert. In der Folge erweiterte sich die Kapazität und Artenvielfalt terrestrischer Umgebungen rapide. Dieser Anstieg der terrestrischen Artenvielfalt fiel mit einer Reihe von Innovationen in der Blütenpflanzenbiologie und Evolutionsökologie zusammen.

 

Vor allem die bedecktsamigen Blütenpflanzen (Angiospermen) erlebten nun einen nie dagewesen Boom. Dank ihrer Reproduktionseffizienz; auch wegen der Koevolution mit Tieren (Insektenbestäubung) taten sie sich durch eine enorme Anpassungsfähigkeit hervor und entwickelten die Fähigkeit, Lebensräume nachhaltig zu verändern. Wiesen und Savannen, Feuchtgebiete und Sumpfwälder entwickelten sich, und mit ihnen auch die Tiere darin. Alle möglichen Großsäugetiere, sogar letzten Endes auch wir Menschen profitierten von dieser Entwicklung – und existieren ihretwegen überhaupt erst!

 

Michael J. Benton von der University of Bristol und sein Team beschreiben diesen Aufstieg der Blütenpflanzen in ihrer neuen Arbeit. Sie nennen ihn „Die terrestrische Revolution der Angiospermen“.


Tarchia tumanovae: neuer gepanzerter Ankylosaurier aus der Mongolei

Aus der oberkreidezeitlichen Nemegt-Formation der Mongolei bargen Paläontologen neues Fossilmaterial eines großen gepanzerten Ankylosauriers, das nun von Yin-Young Park von der Seoul National University (Südkorea) in einer aktuellen Studie neu beschrieben wurde. Gefunden wurden ein sehr gut erhaltener Schädel, Rücken-, Kreuz- und Schwanzwirbel, sechzehn Rückenrippen, Teile der Hüfte, mehrere freie Osteoderme (Hautknochen, also die Panzerung) und die berüchtigte Knochenkeule am Schwanz.

 

Das Material konnte der bereits seit 1977 bekannten Gattung Tarchia zugeordnet werden. Zusammen mit der damals beschriebenen Typusart T. kielanae und der 2016 beschrieben zweiten Art T. teresae umfasst diese Gattung jetzt mit dem neubeschriebenen Taxon Tarchia tumanovae insgesamt drei Spezies. Somit ist T. tumanovae der erste neue Dinosaurier aus 2021, der nur eine neue Art, aber keine neue Gattung repräsentiert. Die Art wurde nach der russischen Paläontologin Tatyana Tumanova benannt und lebte im frühen Maastrichtium, vor 72 Ma.

 

An den Rippen und am Schwanz pathologisch einige Auffälligkeiten festgestellt, die darauf hinweisen, dass sich der Dinosaurier zu Lebzeiten mehrere harte Kämpfe geliefert haben muss. Das Knochenwachstum an der Keule war durch diese Verletzungen stark eingeschränkt. Ob die Kämpfe gegen Fressfeine oder konkurrierende Artgenossen geführt wurden, lässt sich natürlich nicht sagen. Darüber hinaus hatte T. tumanovae einen nach vorne vorstehenden schaufelförmigen Schnabel, der ein morphologisches Merkmal selektiver Nahrungsaufnahme ist: T. Tumanovae hatte sich offenbar wie viele andere späte Ankylosauriden auf eine ganz bestimmte Auswahl niedrig wachsender Pflanzen und ihrer Früchte spezialisiert, sicher um Konkurrenz zu anderen Pflanzenfressern zu vermeiden.

 

Lebendrekonstruktion von Cisiopurple.

Pferde stellen „Steinwerkzeuge“ her!

Okay, das war geflunkert. Aber nur ein bisschen! Sie machen es vielleicht nicht absichtlich. Tatsächlich können Pferde beim Abwetzen ihrer Hufe aber Abschlagsflocken erzeugen, die Archäologen durchaus in die Irre führen können – und die man kaum oder sogar gar nicht von denen unterscheiden kann, die bei der gezielten Bearbeitung von Steinen zur Werkzeuggewinnung entstehen.

 

Ein Forschungsteam um Santiago David Domínguez-Solera von der University of Alcalá in Madrid (Spanien) konnte dies in einer neuen Studie nachweisen. Die Forscher zeigen, dass Pferde, Esel und andere Equiden manchmal auch ähnlich komplexe Steinkerne mit muschelförmigen Brüchen produzieren können, die die gleichen Eigenschaften von absichtlich abgeschlagenen Frühmenschen-Artefakten durch bipolare Techniken und Methoden aufweisen.

 

Angesichts des allgegenwärtigen Vorkommens von Pferden und anderen Equiden in Landschaften, die auch von Frühmenschen bewohnt wurden, muss man bei der Interpretation isolierter Gesteinsflocken also große Vorsicht walten lassen. Vielleicht sind gewisse Nachweise menschlicher Werkzeugherstellung nämlich gar keine.


Neue Studie zur Artenvielfalt der Langhalssaurier

Die Sauropodomorphen, oft als Langhals-Dinosaurier bezeichnet, waren die dominierenden Pflanzenfresser der kontinentalen Ökosysteme des Mesozoikums. Zu ihnen gehörten die größten Landtiere aller Zeiten. Ab dem Oberjura waren Körpermaße von über 25m und ein Gewicht von über 60 Tonnen keine Seltenheit mehr. Doch wie alle Dinosaurier entwickelten sich auch diese Giganten einst aus kleinen, zweibeinig laufenden Tieren. Am Anfang ihrer Karriere waren sie auch noch relativ clevere und ausgesprochen wendige Insektenfresser. Kaum zu glauben!

 

Cecilia Apaldetti von der Universidad Nacional de San Juan (Spanien) und ihr Team untersuchten für eine neue Studie die Vielfalt im Körperbau früher Sauropodomorphen aus der Trias und dem Unterjura. Dabei zeigte sich, dass die ältesten bekannten Sauropodomorphen noch relativ wenig vielfältig und in ihrem Körperbau alle sehr ähnlich waren. Später diversifizierten sie sich aber sowohl taxonomisch als auch ökologisch sehr stark. Zu Beginn des Jura nahm diese Diversität jedoch wieder ab. Seither gab es keine wesentlichen Änderungen in der Besetzung des sauropodomorphen Morphoraums.

 

Fast alle jurassischen Sauropodomorph-Kladen stammen außerdem aus sogenannten Geisterlinien. Sie stammen von Vorfahren ab, die im Fossilbericht bislang noch fehlen. So herrscht über ihre Verwandtschaft oft noch völlige Unklarheit. Die Erkenntnisse der Studie deuten darauf hin, dass alle jurassischen Variationen schon längere Zeit vor dem spättriassischen Massenaussterben bestanden. Der genetische Bauplan der späteren Giganten wurde damit schon lange Zeit vorher angelegt. Veränderungen in der Fortbewegung (von zweibeinig zu vierbeinig) und die sukzessive Zunahme der Körpermasse scheinen die Hauptmerkmale zu sein, die die sauropodomorphe Morphoraumverteilung während der späten Trias und des frühen Juras bestimmen.


Der Riesenhirsch und seine Verwandten

Roman Croitor vom Labor für Landwirbeltiere am Institute für Zoologie in Chişinău (Moldawien) beschäftigt sich in seiner neuesten Arbeit mit der ausgestorbenen Hirschgattung Megaloceros, zu der einige der größten Cerviden (Hirsche) aller Zeiten gehörten, wie auch der Europäische Riesenhirsch (M. giganteus). Tatsächlich war die Gattung aber während des Pleistozäns sehr vielfältig und auch mit einigen weniger großen Arten und sogar Zwergformen vertreten.

 

Mithilfe einer modernen Clusteranalyse der diagnostischen Merkmale, u.a. von Geweih, Schädelbau und Zähnen, konnte er neue Erkenntnisse über die systematische Position und Verwandtschaft von M. giganteus mit anderen (auch modernen) Hirschen gewinnen. Die ebenfalls ausgestorbene Gattung Praedama gilt als eng verwandter Zweig, der mit dem direkten Vorläufer von Megaloceros verbunden ist und sich in den mittleren Breiten Westsibiriens und Nordkasachstans entwickelte. Die Gattung Dama (Damhirsche) stammt dagegen nicht von Praedama ab, ist aber ihr Schwestertaxon und kommt ursprünglich eher aus dem nordöstlichen Mittelmeerraum.

 

Lebendrekonstruktion mehrerer Arten und Unterarten von Megaloceros. Bildquelle: Apokryltaros (Wikipedia).

Croitor präsentiert außerdem eine neue, vorläufige morphologische Beschreibung des Holotypus von Megaloceros giganteus. Er schlägt dabei eine taxonomische und morphologische Revision der nominotypischen Unterart M. giganteus giganteus und einen morphologischen Vergleich mit anderen Unterarten von M. giganteus vor. Croitor diskutiert weiterhin die sekundären Anpassungen von M. giganteus-Formen an Wald- und Waldhabitate in Europa und allgemeine paläobiogeographische Merkmale der Megaloceros-Linie.


Kaririavis mater: urtümlicher Vogel aus Südamerika

Aus der frühen Kreidezeit Südamerikas sine nur wenige Vogel-Fossilien bekannt. Die meisten stammen aus der berühmten Crato-Formation in Brasilien, von wo auch viele feingliedrige Flugsaurier bekannt sind. Auch wenn Flugsaurier und Vögel nicht sehr eng miteinander verwandt sind, so haben sie sich in den Sedimenten dort sehr gut erhalten.

 

In der Mine Pedra Branca im Kreis Nova Olinda wurde nun ein neues Vogelfossil entdeckt und von Ismar de Souza Carvalho und seinem Team in einer neuen Studie beschrieben. Sie tauften das Tier Kaririavis mater („Kariri-Vogelmutter“). Der Name wurde einerseits bezogen auf den Fundort gewählt, andererseits, weil das Tier an der Basis der modernen Vögel (Ornithuromorpha) zu stehen scheint. Ähnliche Funde sind sonst nur aus Liaoning in China bekannt, Kaririavis ist mit 112 Ma Jahren aber der älteste bekannte.

 

Lebendrekonstruktion von Kaririavis mater von Divulgação.

Seine einzigartige Fußform weist darauf hin, dass er möglicherweise zu einer unbekannten ornithuromorphen Klade gehört. Es bestehen einige oberflächliche Ähnlichkeiten mit heutigen flugunfähigen Laufvögeln. Das Vorkommen von Ornithuromorphen aus der Unterkreide in Brasilien weist darauf hin, dass die Klade während des Mesozoikums in Gondwana weit verbreitet war.


Stegouros elengassen: Bizarrer neuer Parankylosaurier stellt Ordnung der Panzersaurier auf den Kopf

Thyreophoren (Gepanzerte Dinosaurier) sind bekannt für ihre Entwicklung spezialisierter Schwanzwaffen. Stegosaurier hatten z.B. Schwanzstacheln und Knochenplatten, Ankylosaurier dagegen eine knöcherne Keule. Weniger bekannt, ja geradezu rätselhaft sind die Thyreophoren von den Südkontinenten (Gondwana). Doch gerade von dort stammen wahrscheinlich die frühesten Zweige der Ankylosauria. Zur Lösung des Rätsels haben Sergio Soto-Acuña von der Universidad de Chile in Santiago und sein Team eine interessante neue Studie veröffentlicht. Sie beschreiben darin ein fast vollständiges Skelett eines kleinen, etwa 2m langen Thyreophoren aus der späten Kreidezeit im südlichsten Chile.

 

Stegouros elengassen heißt der neubeschriebene Dino, der aber eine Waffe an seinem Schwanz besaß, die anders ist als bei allen anderen gepanzerten Dinosauriern. Er trug dort eine flache, wedelartige Struktur, die aus sieben Paaren seitlich hervorstehender Osteodermen bestand. Diese Waffe ähnelt einem Macuahuitl, dem berüchtigten Obsidianschwert der Aztekenkrieger. Stegouros stimmt im Bau des Schädels mit anderen Ankylosauriern, überein aber ähnelt im Körperbau doch in einigen Aspekten mehr den Stegosauriern.

 

Stegouros in seiner natürlichen Umgebung. Darstellung von Luis Perez Lopez.

Nach phylogenetischer Analyse platzierten die Forscher Stegouros bei den Ankylosauriern, insbesondere ist er wohl mit Kunbarrasaurus aus Australien und Antarctopelta aus der Antarktis verwandt. Alle zusammen bilden eine Klade gondwanischer Ankylosaurier, die sich am frühesten von allen anderen Ankylosauriern abspalteten. Die großen Osteodermen und spezialisierten Schwanzwirbel bei Antarctopelta deuten darauf hin, dass auch er eine Schwanzwaffe ähnlich der von Stegouros hatte. Deshalb schlagen Soto-Acuña und seine Kollegen für die frühen, gondwanischen Panzersaurier eine neue Klade vor: die Parankylosauria.

 

Lebendrekonstruktion von Cisiopurple.

T. rex mit Zahnschmerzen: neue CT-Studie stellt schlimme Entzündung bei „Tristan Otto“ fest

Charlie Hamm von der Radiological Society of North America in Chicago (USA) und seine Kollegen untersuchten im Rahmen einer neuen Studie das linke Zahnbein des Exemplars MB.R. 91216 eines Tyrannosaurus rex, der besser unter seinem Taufnamen Tristan Otto bekannt ist. Das Skelett, eines der vollständigsten und besterhaltensten T. rex-Exemplare der Welt, gehört einem privaten Geschäftsmann aus Dänemark. Momentan ist es in Kopenhagen ausgestellt. Es wird aber 2022 wieder nach Berlin zurückkommen, wo der T. rex im Museum für Naturkunde schon von 2015 bis 2019 zu sehen war.

 

Das untersuchte Zahnbein von Tristan hat eine Länge von 79,5 cm und eine maximalen Dicke von 81 mm. Mit einem medizinischen 320-Zeilen-CT-Scanner gewannen die Forscher eine hochauflösende Bild, die auch das innere des Knochens zeigte. Dabei traten zwei bemerkenswerte Befunde zutage: Einerseits eine diffuse Verdickung fast des gesamten Knochens und eine fokale exophytische Masse auf seiner ventralen Oberfläche, die signifikant mit Fluor angereichert war. Darüber hinaus zeigte die fokale exophytische Masse geringe diffuse Aufhellungen, die sich von der Oberfläche bis zur Zahnwurzel des 5. Zahnes ziehen.

 

Klingt alles etwas nach Fachchinesisch, aber die Befunde legen für die Forscher eine klare Diagnose nahe. Tristan Otto litt an einer tumefaktiven Osteomyelitis. Das ist eine durch Bakterien oder Pilze verursachte, schlimme und sehr schmerzhafte Entzündung und Läsion des Kieferknochens und der Zahnwurzel. Ähnliche Krankheitsbefunde liegen auch für andere T. rex-Exemplare vor. In einigen Fällen, wie beim Exemplar „Sue“, führte die Osteomyelitis sogar indirekt zum Tode. Die neue Untersuchungsmethode an Tristan Otto zeigt, dass Fluor als bildgebender Biomarker für Bereiche mit verringerter Knochendichte dienen. Diese Erkenntnis kann Paläontologen dabei helfen, Fossilien zu untersuchen, ohne sie aufschneiden zu müssen.


Blöder durch Domestikation: Haustiere haben im Vergleich zu ihren wildlebenden Vorfahren kleinere Gehirne

Vergleiche von Wild- und Hauspopulationen haben die Gehirnreduktion als eines der beständigsten Muster im Zusammenhang mit der Domestikation nachgewiesen. Mehr als ein Jahrhundert wissenschaftlicher Arbeit wurde diesem Thema gewidmet, und doch regen neue Daten seine Debatte weiter an. Aktuelle Argumente, sowohl für als auch gegen die Gültigkeit der Hirnreduktion bei einheimischen Taxa, haben wiederholt eine kleine Anzahl von Übersichtsartikeln zu diesem Thema hervorgebracht.

 

Die Originalarbeiten, ihre Stichproben, methodische Details und Nuancen der Ergebnisse, die insbesondere im Hinblick auf neue Daten für die Feststellung der Validität von entscheidender Bedeutung wären, wurden bislang aber nicht zusammenhängend untersucht. Dieser Aufgabe widmeten sich nun Ana M. Balcarel von der Universität Zürich (Schweiz) und ihre Kollegen. Um eine fundiertere Diskussion zu erleichtern und zu fördern, präsentieren sie eine umfassende Überblicksstudie über die Originalliteratur zur Gehirnreduktion für vier Säugetiergruppen: Artiodactyla, (Paarhufer wie Rinder) Perissodactyla (Unpaarhufer wie Pferde), Carnivora (Raubtiere wie Hunde und Katzen) und Glires (Nagetiere und Hasenartige).

 

Untersucht wurden dabei Studien, die in der modernen Domestikationsliteratur die meistzitierten Hirnreduktionswerte generiert haben. Damit bieten die Forscher der Kritik an Domestikationsmerkmalen eine gerechtere Bühne. Sie kommen zu dem Schluss, dass, während die Größen der Gehirnreduktion Fehler enthalten können, empirische Daten zusammengefasst die Verringerung der Gehirngröße und der Schädelkapazität für häusliche Formen durchaus unterstützen. Huftiere reduzierten ihre Gehirne im Laufe ihrer Domestikation um bis zu 41%, Raubtiere um bis zu 29% und Nager und Hasenartige um bis zu 18%.


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Eigene Artikel

Außerdem ist am 22. November der heißersehnte Trailer, oder vielmehr der Prolog zu Colin Trevorrows Dino-Blockbuster Jurassic World: Ein neues Zeitalter (Dominion) herausgekommen. Für mich war er allerdings eine große Enttäuschung. Warum? Das habe ich natürlich wieder in einem eigenen Artikel zusammengefasst. Aber schau dir den Trailer gerne hier erst einmal an, bevor ich ihn für dich zerreißen darf!

 


Das war es für heute mit meinem Wort zum Sonntag. Ich wünsche dir noch einen schönen zweiten Advent, und nicht das Schuheputzen vergessen: morgen ist Nikolaustag!

 

Liebe Grüße,

 

Dein Markus Peter Kretschmer

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