Wort zum Sonntag – 07.11.2021

Lesedauer: etwa 22 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir! (07.11.2021)

 

Was war das für ein auf und ab in den letzten Wochen. Gute und schlechte Nachrichten hielten sich bei mir so ziemlich die Waage. Mein neues Buch „Traumreise in die Urzeit“ ist endlich erschienen, was mich wieder sehr euphorisch gestimmt hat. Doch leider hält sich die Beteiligung an meinem Gewinnspiel ziemlich in Grenzen. Mein letztes Dino-Treffen in Braunschweig hat mir und allen Beteiligten wirklich großen Spaß gemacht. Doch leider können dieses Jahr aufgrund der immer weiter steigenden Corona-Zahlen keine weiteren Treffen mehr stattfinden. Und ob ich schon im Frühjahr 2022 wieder damit starten kann, bleibt abzusehen. Letzten Freitag baute ich endlich meinen neuen Vitrinenschrank auf und gab meinen vielen Funden aus dem Altmühltal und meiner Urzeit-Reise nach Baden-Württemberg ein neues Zuhause. Doch am selben Tag versuchten Unbekannte, in meinen Keller einzubrechen. Offenbar wurden sie dabei gestört, und gottseidank haben sie nichts gestohlen, aber der Vorfall ließ mich doch ziemlich aufgewühlt zurück.

 

Während ich das hier schreibe, gleich mein Arbeitszimmer jedenfalls wieder einer Rumpelkammer. Die Kartons mit den Fossilien sind jetzt zwar verschwunden, dafür stehen hier jetzt mein Fahrrad und alle meine Werkzeuge aus dem Keller rum. Ich wollte dieses Wochenende eigentlich endlich mal wieder gründlich aufräumen und mit der Arbeit um dritten Band von „Die Weißen Steine“ loslegen, aber das kann ich wohl erstmal vergessen. Ich finde einfach nicht die richtige Stimmung dazu, in all dem Chaos. Hoffen wir mal, dass meine Kellertür rasch repariert wird. Da kommt jetzt eine leistungsstarke Alarmanlage hin, und dann können die Sachen aus meinem Arbeitszimmer endlich wieder umziehen.


Gewinnspiel „Traumreise in die Urzeit“

Weil ich bislang noch kaum richtige Antworten für mein Urzeit-Quiz bekommen habe, geht das Gewinnspiel bzw. Giveaway in die nächste Runde. Diesmal allerdings ohne Quizfragen. Die ersten fünf, die sich melden, bekommen ohne weitere Bedingungen ein Gratis-Exemplar meines Kinderbuchs Traumreise in die Urzeit! Leute, denkt daran, es ist bald Weihnachten, und sicher gibt es irgendein Kind im Vor- oder Grundschulalter in deinem Bekanntenkreis, das sich sehr über ein tolles Vorlese-Buch freuen würde. Alles, was ich von dir brauche:

 

  • Einen Screenshot mit deiner Bestellung bei Amazon (Name und Buchpreis müssen sichtbar sein)

 

  • Deine Bankverbindungsdaten (IBAN; bei Bestellungen außerhalb Deutschland auch die BIC.)

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich dieses Jahr noch einigen Kindern eine nette Freude bereiten darf!

 

Cover Traumreise in die Urzeit


Bitte um Rezensionen

Okay, ich gebe es zu: So ganz eigennützig sind meine Gewinnspiele / Giveaways nicht. Warum ich das mache: ich brauche Rezensionen, damit mein Buch bei Amazon oben gelistet wird. Das fördert natürlich die Verkäufe, und es gilt selbstredend auch für meine anderen Bücher. Nicht nur „Traumreise in die Urzeit“ braucht jetzt im harten Weihnachtsgeschäft dringend Unterstützung, auch „Die Weißen Steine – Neue Alte Welt“ und „Blut der Sonne“ können jede Unterstützung gut gebrauchen.

 

Highlight Rezensionen

Eine Rezension zu schreiben dauert nicht lange. Es reichen schon ein, zwei Sätze. Trotzdem ist das für mich eine wirklich große Hilfe. Du kannst auch eine Rezension schreiben, ohne dass du das Buch gekauft hast. Wenn dir meine Beiträge gefallen und du meine Arbeit als Schriftsteller würdigen möchtest, dann nimm dir doch bitte ein paar Minuten, bevor du weiterliest, und klick dich schnell einmal durch diese Bestell-Links:

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Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Der erste Teil eines Überlebenskampfes. Dort werden Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht.

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Traumreise in die Urzeit

Fantasiereisen für Kinder in die Welt der Dinosaurier zur Förderung von Entspannung und Achtsamkeit. Lass dich dort von unseren liebenswürdigen Dinosauriern in ihren Bann ziehen. Angel mit Raptor Razor Fische im Fluss, erhebe dich mit dem Flugsaurier Pedro in die Lüfte und tauche mit der Fischsaurier-Dame Stella zu geheimnisvollen Riffen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die zahlreichen zauberhaften Illustrationen im Buch helfen Kindern dabei, das Kopfkino der Traumreise mit Leben zu füllen.

 

Erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


Vielleicht schaffen wir es ja sogar, „Die Weißen Steine – Neue Alte Welt“ wieder auf viereinhalb oder sogar auf fünf Sterne zu bringen… Das wäre für mich das schönste Weihnachtsgeschenk!


Bild der Woche

Die letzten zwei Wochen waren bei uns ziemlich stürmisch. Doch mag man sich kaum vorstellen, wie stürmisch es zur Zeit der Dinosaurier gewesen sein muss! Im kreidezeitlichen Heißklima kam es insbesondere in der Nähe der Küste häufig zu extremen Superstürmen. Gewaltige Starkregen waren imstande, ganze Landstriche in wenigen Minuten vollständig zu überfluten. Eine Tyrannosaurus-Familie hält das aber trotzdem nicht vom Streiten ab: sie haben einen Edmontosaurus gerissen, und selbst der heftigste Regen kann ihnen nicht den Appetit verderben…

 

Das Bild stammt vom Paläo-Künstler Chris Masna.


Paläo-News

Kommen wir nun aber endlich zu den Nachrichten aus der Welt der Urzeitforschung. Auch da war in den letzten Wochen wieder einiges los! Die Forscher waren zum Jahresende wieder ausgesprochen fleißig, und sogar ein neuer Dinosaurier ist wieder mit dabei. Viel Spaß beim Lesen!

 

Highlight Paläo-News


Hoher Sauerstoffgehalt in den Ozeanen schwächte Aussterberate der Meerestiere im Phanerozoikum ab

Der Rückgang der Hintergrundaussterberaten von Meerestieren im Laufe der geologischen Zeit ist ein etabliertes, aber ungeklärtes Merkmal des Fossilienbestands des Phanerozoikums. Es besteht auch ein wachsender Konsens darüber, dass der Ozean und die Atmosphäre bis zum mittleren Paläozoikum nicht auf ein Niveau nahe dem heutigen angereichert wurden, was mit dem Einsetzen allgemein niedrigerer Aussterberaten zusammenfiel.

 

Die physiologische Theorie liefert einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen diesen beiden Beobachtungen: sie sagt voraus, dass die synergistischen Auswirkungen von Sauerstoff und Temperatur auf die aerobe Atmung Meerestiere in Zeiten begrenzter Oberflächensauerstoffversorgung die Tiere anfälliger für Ozeanerwärmungsereignisse gemacht hätten. In Zeiten stabiler, hoher Sauerstoffwerte blieb die Aussterberate jedoch stets auf einem stabilen Niveau eines Hintergrundsterbens.

 

Richard G. Stockey von der Stanford University (USA) und sein Team evaluieren in ihrer Studie die Hypothese, dass Veränderungen des Oberflächen-Sauerstoffs großen Einfluss auf die Aussterberaten im gesamten Phanerozoikum ausübten. Die Forscher kombinierten Erdsystem- und ökophysiologische Modelle und stellen dabei, dass, obwohl die Lage der Kontinente, die Effizienz der biologischen Kohlenstoffpumpe im Ozean und der anfängliche Klimazustand alle das Ausmaß des modellierten Biodiversitätsverlustes bei simulierten Erwärmungsereignissen beeinflussen. Der atmosphärische Sauerstoff ist aber der dominierende Prädiktor für die Anfälligkeit für das Aussterben. Insbesondere bei den fünf großen Massenaussterben, an denen immer auch anoxische Ereignisse auftraten.


Auch Schuppenkriechtiere entwickelten komplexe Zahnstrukturen

Zähne als Werkzeuge für die Nahrungsaufnahme und -verarbeitung spielen daher herausragende Rolle in der Evolution der Wirbeltiere. Bei Säugetieren (Mammalia) beruhen die Zahnanpassungen auf Variationen der Zahnkomplexität, die durch die Zahl und Form der Höcker (Tubercula) gesteuert werden. Anhand des Zuwachses der Zahnhöcker kann die komplexe Diversifizierung der Mammalia abgelesen werden. Studien an Säugetieren allein können jedoch keine Muster der Zahnkomplexität aufdecken, die während der gesamten Evolution der Wirbeltiere überliefert wurden. Leider ist der Fossilbericht dazu viel zu lückenhaft.

 

Fabien Lafuma von der University of Helsinki (Finnland) und sein Team verwendeten in einer neuen Studie morphometrische und phylogenetische Vergleichsmethoden für fossile und rezente Schuppenkriechtiere (Squamata), um zu zeigen, dass auch diese immer komplexere Zähne entwickelt haben, jedoch mit mehr Flexibilität als die Säugetiere. Seit dem späten Jura entwickelten sich mehrhöckrige Zähne über 20-mal unabhängig von einem einhöckrigen gemeinsamen Vorfahren. Die Squamaten verloren häufig ihre Zahnhöcker und entwickelten mit heterogenen Raten unterschiedliche Morphologien mit mehreren Höckern.

 

Die Zahnkomplexität entwickelte sich in Korrelation mit Veränderungen einer pflanzlichen Ernährung, was zu mehreren starken Zunahmen der Artbildung führte. Komplexe Zähne spielten also eine entscheidende Rolle in der Evolution von Wirbeltieren auch außerhalb der Mammalia, wobei die Squamata ein Beispiel für ein labileres System der Zahn-Ernährungs-Evolution sind.


Pterosaurier und Laser: Forscher nutzen modernste Technik und entschlüsseln Geheimnisse des Flugsaurier-Fluges

Pterosaurier (Flugsaurier) waren die ersten fliegenden Wirbeltiere und lebten über 160 Millionen Jahre auf unserer Erde. Auch wenn Forscher schon viel über die Lebensweise dieser spektakulären Geschöpfe herausgefunden haben, sind immer noch mehrere Aspekte ihrer Fluganatomie und Flugleistung unklar.

 

Mithilfe laserstimulierter Fluoreszenz erforschten Michael Pittman von der University of Hongkong (China) und sein Team die Fossilien verschiedener Pterosaurier, darunter auch das Wiener Exemplar eines Pterodactylus antiquus. Sie brachten im Rahmen ihrer Studie die Fossilien buchstäblich zum Leuchten und konnten durch Langzeitaufnahmen direkte Weichteilnachweise sichtbar machen. So fanden sie eine sogenannte muskuläre Flügelwurzelverkleidung, ein Merkmal, das die Flügel-Körper-Verbindung glättete und den damit verbundenen Luftwiderstand stark verringerte – das gleiche Prinzip wie bei modernen Flugzeugen und fliegenden Tieren wie Fledermäusen und Vögeln.

 

Lebendrekonstruktion eines Pterodaktylus von Alex Boersma.

Im Gegensatz zu diesen war die Flügelwurzelverkleidung der Pterosaurier jedoch einzigartig, da sie hauptsächlich aus Muskeln und nicht aus Fell oder Federn bestand. Flugsaurier scheinen ihre Verkleidung genutzt zu haben, um durch ausgeklügelte Kontrolle ihrer Flügelwurzel, Flügelhöhe und/oder Flügelvorderbewegung während des Flugschlags weitere Flugleistungsvorteile zu erzielen. Diese Studie unterstreicht den Wert des Einsatzes neuer Technologien, um Wissenslücken in der Anatomie und Evolution des Flugsaurierflugs zu schließen.


So groß wie ein Hund: Forscher entdecken neuen prähistorischen Seeskorpion

Eurypteriden (Seeskorpione) gehörten zu den marinen Top-Jägern während des Paläozoikums. Eine ihrer bemerkenswertesten Familien sind die Mixopteridae, deren Mitglieder ziemlich große und oberflächlich skorpionähnliche Eurypteriden waren, die hochspezialisierte vordere Greifzangen trugen. Ihr zweites und vor allem das dritte Beinpaar waren vergrößert und sehr stachelig. Vermutlich wurden diese Gliedmaßen zum Beutefang verwendet, ähnlich der stacheligen Pedipalpen der heutigen, aber natürlich viel kleineren Peitschenspinnen (Amblypygi).

 

Unser Wissen über diese bizarren Tiere beschränkt sich auf nur vier Arten in zwei vor 80 Jahren beschriebenen Gattungen: Mixopterus kiaeri aus Norwegen, M. multispinosus aus New York, M. simonsoni aus Estland und Lanarkopterus dolichoschelus aus Schottland. Alle stammen ausschließlich aus dem Silur und vom Ur-Kontinent Laurussia, was unser Wissen über die morphologische Vielfalt, geografische Verbreitung und Evolutionsgeschichte der Gruppe einschränkt.

 

Lebendrekonstruktion eines Terropterus von Yang Dinghua.

Han Wang von der Chinese Academy of Sciences in Nanjing und sein Team beschreiben in ihrer neuen Studie einen neuen Mixopteriden: Terropterus xiushanensis („Schreckensflosse aus Xiushan“) stammt aus dem Untersilur der Xiushan-Formation und ist gekennzeichnet durch eine einzigartige Anordnung von Dornen am dritten Beinpaar. Gleich drei gut erhaltene Exemplare sind die ersten Mixopteriden aus Gondwana und die ältesten bekannten Mixopteriden überhaupt. Sie lebten vor etwa 440 Ma, erreichten in etwa die Größe eines Hundes und tragen viel zu unserem Wissen über die morphologische Vielfalt und geografische Verbreitung der Mixopteriden bei.


Neuer Flugsaurier aus Nordwestchina

Die frühkreidezeitliche Hutubei-Formation des südlichen Junggar-Beckens (Nordwestchina) zeichnet sich durch eine bislang noch sehr karg überlieferte Faunenvielfalt aus, in der fast ausschließlich die Sinemididenschildkröte Wuguia vorkommt. In einer neuen Studie beschreiben Felix J. Augustin von der Universität Tübingen und sein Team die ersten Flugsaurier-Überreste aus der Hutubei-Formation, bestehend aus Arm- und Handknochen.

 

Die Überreste gehören der Studie zufolge vermutlich zu einem Mitglied der Dsungaripteridae, die in dieser Zeit im prähistorischen Ostasien recht häufig waren. Es besteht eine große Ähnlichkeit zu den Gattungen Dsungaripterus, Lonchognathosaurus und Noripterus, doch sind die Knochen älter. Auf eine eigene Artbenennung wurde aufgrund bislang noch fehlender Alleinstellungsmerkmale verzichtet.

 

Verschiedene Dsungariptiden über dem frühkreidezeitlichen China. Rekonstruktion von John Sibbick.

Der Fund stellt einen der ältesten Nachweise eines Dsungaripteriden in der Tugulu-Gruppe und einen der wenigen Flugsaurier aus dem südlichen Junggar-Becken dar. Darüber hinaus beleuchten die Fossilien die Gemeinschaftsstruktur eines höchst ungewöhnlichen Ökosystems, das in der Unterkreide-Hutubei-Formation erhalten ist und mehrere Millionen Jahre existierte. Die Fossilien sind zwischen 135 und 130 Ma alt.


Größter triassischer Raubdinosaurier Australiens entpuppt sich als friedlichen Pflanzenfresser: Forscher weisen Irrtum an Fährten-Auswertung nach

Fossile Fußabdrücke sind die einzigen Beweise für Dinosaurier im aus der Trias in Australien. Während historisch mehrere Fährten bekannt sind, existiert aber nur ein einziges Exemplar zur direkten Untersuchung: Die Fährte von Verur Rhondda (bei Ipswich), die in der obertriassischen Blackstone Formation entdeckt wurde. Wie man zuvor annahm, handelt es sich um den Abdruck eines für diese Zeit geradezu gigantischen Fleischfressers, der als einer der größten Beutegreifer seiner Zeit galt. Doch eine neue Studie von Anthony Romilio von der University of Queensland und seinem Team zieht die These eines großen triassischen Theropoden nun in Zweifel.

 

Die Länge der Fußabdrücke sei erstens falsch vermessen und dadurch überschätzt worden. Zweitens stellen die Forscher in Frage, dass es sich wirklich um eine Theropodenspur handelt. Die Fußabdrücke ähneln nach sorgfältiger Betrachtung vielmehr dem bekannten Ichnofossil Evazoum, das aber als Hinterlassenschaft eines Sauropodomorphen interpretiert wird. Die Ausrichtung der Zehen, aber vor allem die Drehrichtung der Füße bei jedem Schritt weist das „Monster von Verur Rhonda“ als einen friedlichen Pflanzenfresser aus. Wenn diese Einschätzung richtig ist, liefern die Spuren aus Blackstone außerdem den ersten und einzigen Beweis für basale Sauropodomorph-Dinosaurier aus Australien.


Neue Dinosaurier-Fossilien aus der Holly Creek Formation

Celina A. Suarez von der University of Arkansas in Lafayette (USA) und ihr Team präsentieren in ihrer neuesten Studie ihre Nachweise der zuvor noch unbeschriebenen Nachweise über die Wirbeltierfauna der Holly Creek Formation, einer Ablagerungsfolge der Trinity Group in Arkansas aus der unteren Kreidezeit, die sich vor etwa 115 Ma bildete. Heute liegt diese Fundstätte tief im Landesinneren, damals jedoch war sie eine Küstenlandschaft und grenzte an den in der Kreidezeit noch viel größeren Golf von Mexiko.

 

Entsprechend abwechslungsreich ist dort die fossile Tierwelt, sie besteht aus Meeres- und Landbewohnern. Süß- und Brackwasser-Fische, darunter Knorpelfische wie Haie und Rochen und Strahlenflosser wie Störe und Kahlhechte lebten dort neben vielen Lissamphibien, Schildkröten, Schuppenkriechtiere und Krokodilen. Unter den terrestrischen Formen befinden sich auch mehrere Dinosaurier.

 

Unter den Dinosaurier-Zähnen sind sowohl große als auch kleine Theropoden zu finden, sie gehören vermutlich zu Acrocanthosaurus, Deinonychus und Richardoestesia. Auch riesige Titanosaurier-Fossilien sind überliefert, wie auch ein nodosaurider Ankylosaurier. Die Fauna der Holly Creek Formation ähnelt anderen, weit verstreuten Ansammlungen aus der späten Unterkreide in ganz Nordamerika und weist auf ein weitläufige, zusammenhängendes Ökosystem hin, mit einer noch recht geringen Diversität nach dem Faunenwechsel des späten Jura. Dieses Ökosystem mit geringer Diversität steht in scharfem Kontrast zu dem sehr vielfältigen Ökosystem, das durch das Cenoman entstanden ist. Der Kontrast unterstreicht die Bedeutung der Vikarianz als evolutionäre Triebkraft, die durch Sevier-Tektonik und klimatische Veränderungen, wie den Anstieg des Meeresspiegels und die Bildung des Western Interior Seaway, hervorgerufen wurde und sich auf das Ökosystem der frühen Oberkreide auswirkte.

 

Landschaftsbild des unterkreidezeitlichen Nordamerika von Mohamad Haghani.

Homo bodoensis: neubeschriebenes Missing Link in unserem Stammbaum?

Woher kommen wir? Diese Frage gehört zu den wichtigsten der Philosophie, und der Paläontologie gelingen immer mehr Schritte, sie zu beantworten. An der Entschlüsselung der menschlichen Herkunftsgeschichte sind Paläoanthropologen, Molekularbiologen und Genetiker beteiligt. Und sie haben jüngst einen weiteren Meilenstein auf unserem Weg abgesteckt.

 

Seit langem ist bekannt, dass der Homo sapiens, die Art, zu der heute alle Menschen gehören, in Afrika erstmalig auftrat. Sie ist wie viele andere Menschenspezies ein Zweig der Homo-erectus-Stammlinie. Weil Homo erectus allerdings ein sogenanntes „Mülleimer-Taxon“ ist, das kosmopolitisch und über einen gewaltig langen Zeitraum verwendet wird, versuchen einige Forscher wie Mirkana Roksandic von der University of Winnipeg (Kanada) und ihre Kollegen, die einzelnen erectus-Populationen genauer zu benennen.

 

Rechts: Lebendrekonstruktion des Bodo-Menschen von Ettore Mazza.

Um das große Wirrwarr der Hominin-Linien des Mittelpleistozäns (Chibanium; 781.000 bis 126.000 Jahre vor heute) aufzuklären, das allein durch die Taxa H. heidelbergensis und H. rhodesiensis nur unvollständig abgebildet wird, haben sie den Stammbaum des Menschen in ihrer neuen Arbeit radikal umgestellt. Die afrikanischen Nachfahren des H. erectus bzw. die Vorfahren des H. sapiens fassen sie unter der neuen Art H. bodoensis zusammen, nach dem 600.000 Jahre alten Bodo-Schädel aus Äthiopien. Alle Westeurasischen Homininen dieser Zeit, die zuvor H. heidelbergensis zugeordnet werden, ziehen sie zum Neandertaler (H. neanderthalensis). Die asiatischen Fossilien, insbesondere aus China, stellen ihrer Ansicht nach wahrscheinlich eine ganz andere Abstammungslinie dar.


Eusmilus adelos: Neue Hypothese zur Entwicklung der Nimraviden

Die Nimraviden, auch „Scheinsäbelzahnkatzen“ genannt, waren die ersten Raubsäugetiere, die Säbelzähne entwickelten. Zuvor wurde ihnen eine schmale Evolutionsbahn mit zunehmendem Grad an Säbelzahnspezialisierung zugeschrieben. Paul Z. Barrett von der University of Oregon in Eugene (USA) stellt in seinem neuen Paper eine neue Hypothese über die Evolution dieser Gruppe vor, einschließlich einer neuen Beschreibung von Eusmilus adelos, ihrem größten bekannten Vertreter. Dieses gefürchtete Raubtier, das beinahe die Größe eines Löwen erreichte, lebte am Übergang vom Eozän zum Oligozän, vor etwa 34 Ma.

 

Fossilien von Eusmilus adelos mit Lebendrekonstruktion von Graham Allen.

Durch seine Forschungen sieht Barrett nicht nur Neubewertung Beziehungen, sondern auch der wahrgenommenen Paläoökologie für zwingend nötig. Unter Verwendung einer Bayes-Analyse mit ausgeklügelten Evolutionsmodellen können bei den Nimraviden nun zwei Evolutionspfade erkannt werden: Einer führte zu zahlreichen frühen Scheinsäbelzahnkatzen wie den Hoplophoninen (einschließlich E. adelos), während der andere sich konvergent zu den heutigen Katzen entwickelte und sehr ähnliche Formen hervorbrachte – allerdings viele Millionen Jahre vor dem Auftreten der eigentlichen Katzen (Felidae).


Insektenfossil aus dem Perm Frankreichs: erster Beleg für Mimikry?

Ganzkörperabdrücke und Spurenfossilien von Hexapoden, also der Tiergruppe, zu denen alle sechsfüßigen Insekten gehören, sind für Paläontologen von großer Bedeutung, da sie entscheidende Informationen über das Verhalten und die Fortbewegung liefern und helfen, ökologische Beziehungen zu anderen Organismen (Räuber oder Beutetiere) besser zu definieren. Diese sogenannten Ichnofossilien sind extrem selten, insbesondere für geflügelte Insekten.

 

Antoime Logghe vom Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris und sein Forschungsteam beschreiben in ihrer neuen Arbeit den Ganzkörperabdruck eines geflügelten Insekts aus dem mittleren Perm von Gonfaron (Frankreich), dessen Erhaltung außergewöhnlich gut ist. Der langgestreckte Körper mit kurzem Prothorax und kurzen Beinen und langen Flügeln, die den Körper überlappen, könnte auf eine Pflanzenmimikry wie bei einigen noch vorhandenen Stabheuschrecken hinweisen. Die Tiere haben ihr Äußeres offenbar der Pflanzenumgebung angepasst, um nicht von Insektenfressern entdeckt zu werden.

 

Diese Entwicklung steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem zunehmenden Prädationsdruck durch terrestrische Wirbeltiere, deren Spuren in den gleichen Schichten reichlich vorhanden sind. Diese Entdeckung würde möglicherweise die jüngsten Altersschätzungen für das Auftreten von Phasmatoden-ähnlichen Stabheuschrecken unterstützen, die fast 30 Millionen Jahre älter sind als die früheren mutmaßlichen Fossilbelege.


Schwammartige Fossil-Struktur: Ist tierisches Leben mehr als 100 Millionen Jahre älter als bislang gedacht?

Die „molekulare Uhr“ weist darauf hin, dass die frühesten Metazoen (Tiere) schon im frühen Neoproterozoikum entstanden sind. Es fehlen allerdings bislang noch fossile Belege. Die Suche nach Tierfossilien aus dem Proterozoikum wird durch die Unsicherheit über die zu erwartenden physikalischen Eigenschaften behindert: die frühesten Tiere hatten vermutlich weiche, ziemlich kleine Körper, die sich nicht gut als Fossil erhalten

 

Schwämme sind die grundlegendsten heute bekannten Tiere. Es ist deshalb möglich, dass die frühesten Tiere aus dem Proterozoikum ihnen ganz ähnlich waren. Ihre wurmförmige Mikrostruktur, ein komplexes petrographisches Merkmal in phanerozoischen Riffen und mikrobiellen Karbonaten, ist heute als Körperfossil von nicht-spikulären Keratosan-Demosponges bekannt. Elizabeth C. Turner von der Laurentian University in Sudbury (Kanada) präsentiert in ihrer neuesten Studie petrographisch identische wurmförmige Mikrostrukturen von etwa 890 Millionen Jahre alten Riffen. Und diese Strukturen, nur wenige Millimeter groß, weisen auf einen vielleicht tierischen Organismus hin, der in den von Bakterien gebauten Kalzit-Riffen lebte. Und zwar schon mehr als 100 Millionen Jahren vor dem bisher bestätigten fossilen Nachweis eines Tiers!

 

Der millimeter- bis zentimetergroße wurmförmige Schwamm lebte vielleicht unmittelbar neben Riffen, die von kalzifizierenden Cyanobakterien gebaut wurden, und besetzte Mikronischen, in denen diese Kalkmikroben nicht leben konnten. Wenn die wurmförmige Mikrostruktur tatsächlich das versteinerte Gewebe von Keratoseschwämmen ist, würde das hier beschriebene Material den ältesten bisher bekannten körperfossilen Nachweis von Tieren darstellen und den ersten fossilen Beleg liefern, dass Tiere vor dem neoproterozoischen Oxygenierungsereignis auftauchten und sogar die Eiszeiten des Cryogeniums überdauerten, als die gesamte Erde zu einem einzigen Schneeball erstarrte.


Die Herkunft unserer Nase

Die Schnauze eines Saugetiers, also auch das Gesicht des Menschen, besteht charakteristisch aus einer halbbeweglichen Nase, und nicht aus dem Oberkiefer wie bei anderen Tetrapoden (z.B. Reptilien und Vögeln). So ist unsere Nase z.B. kein Teil der sogenannten Prämaxilla, ein Knochen, der bei den meisten anderen Tetrapoden die Schnauzenspitze bildet, oder bei einigen sogar den Großteil der Schnauze. Bei wie bei den meisten Primaten ist dieser Knochen lediglich als Os incisivum zu finden, also dort, wo unsere Schneidezähne sitzen, bei anderen Säugetieren ist er oft etwas ausgeprägter. Unser Schädel besitzt wegen des Fehlens medialer knöcherner Elemente aber nur eine einzige Nasenöffnung. Dies steht im Gegensatz zu anderen Tetrapoden.

 

Hiroki Higashiyama von der Universität Tokio (Japan) und sein Team zeigen in einer neuen Studie, dass die Prämaxilla den Schlüssel zum Verständnis der Schädelanatomie der Säugetiere (Plazenta-Tieren und Beuteltieren) sein könnte. Offenbar ist diese nämlich nicht vollständig homolog zu denen anderer Tetrapoden. Die Prämaxilla der Säugetiere ist eine Zusammensetzung aus der Septomaxilla und dem Überbleibsel des Gaumens der Prämaxilla von Nichtsäugetier-Amnioten (einschließlich den Kloakentieren wie dem Schnabeltier). Durch umfassende anatomische Untersuchungen, u.a. an Maus-Embryonen, fanden die Forscher heraus, dass die Säugetier-Prämaxilla überwiegend von der Oberkieferprominenz stammt und mit dem Unterkieferbogen assoziiert ist. Der rostrale Teil des Oberkiefers bei Nichtsäuger-Tetrapoden entspricht der beweglichen Nase bei Säugetieren.

 

Während der Entwicklung der Mäuse zeigte die experimentelle Hemmung des primordialen Wachstums außerdem, dass der gesamte Oberkiefer von Säugetieren im Gegensatz zu anderen Amnioten hauptsächlich aus dem Oberkiefervorsprung stammt. Konsequenterweise zeigte das Tracing von Zelllinien in transgenen Mäusen ein säugerspezifisches rostrales Wachstum der Oberkieferprominenz. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass das säugerspezifische Gesicht, die Schnauze, eine evolutionäre Neuheit ist, die durch Überwindung von Entwicklungsbeschränkungen der Vorfahren erhalten wurde, um einen neuen topographischen Rahmen im kraniofazialen Mesenchym zu etablieren. Die Forscher kamen dadurch zu dem Schluss, dass das säugerspezifische Gesicht und ihre Schnauze evolutionäre Neu- und Eigenheiten unter den Landwirbeltieren sind.


Issi saaneq: früher Sauropodomorph aus der Trias von Grönland neubeschrieben

In der Malmros Klint Formation in Grönland wurden bereits seit Mitte der 90er zahlreiche Exemplare von basalen Sauropodomorphen (Langhals-Sauriern) entdeckt und zunächst der Gattung Plateosaurus zugeordnet. Kontinuierliche neue Erkenntnisse von frühen nicht-sauropoden Sauropodomorphen rund um den Globus erleichtern heute jedoch die Arbeit der Paläontologen und ermöglichen ihnen, dieses Material nun zu überarbeiten.

 

Dies haben Victor Beccari von der Universidade Nova de Lisboa (Portugal) und sein Team nun getan: sie beschreiben in ihrer neuen Studie zwei fast vollständige Schädel von Dinosauriern. Einer repräsentiert ein Jungtier, der andere wohl ein fast ausgewachsenes Tier. Sie unterscheiden sich von allen anderen Sauropodomorphen durch mehrere einzigartige Merkmale im Aufbau ihrer Schädel, sodass die Forscher sie einer neuen Gattung und Art zuordnen konnten: Issi saaneq. Der Name bedeutet auf Kalaallisut, der Sprache der indigenen Bewohner Grönlands, soviel wie „eiskalter Knochen“.

 

Issi saaneq, der in der Obertrias vor etwa 225 Ma lebte, zeigt Affinitäten zu brasilianischen Plateosauriden und dem europäischen Plateosaurus, der in der phylogenetischen Analyse der Forscher als Schwestergruppe des letzteren erkannt wurde. Der Fund stellt außerdem die nördlichste bekannte Überlieferung eines Sauropodomorphs aus der späten Trias und auch den frühesten Nachweis eines Dinosauriers aus dieser Gegend dar.


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Mesozoischer Ursprung der Tintenfische und ihre abrupten Verschiebungen der Diversifikationsmuster

Ursprung der Moostierchen bereits im Kambrium

Die Revolution der Bedecktsamer

Skelettchronologie und Paläohistologie von Hyposaurus rogersii (Dyrosauridae)

Das Rätsel von Palaenigma wrangeli, einem Conulariiden mit teilweise nicht mineralisiertem Skelett


Eigene Artikel

Statt einen neuen Artikel der Woche zu schreiben, habe ich meine Website deutlich aufgeräumt und erweitert. Ich habe u.a. eine Liste mit allen dinostarken Urzeitorten in Deutschland angelegt. Dort sind auch alle Museen und Freizeitparks zu finden, die ich in den letzten Jahren im Rahmen von Dino-Treffen oder Lesungen besucht habe. Zu allen diesen Veranstaltungen gibt es jetzt auch einen Bericht. Wer dabei war, kann dort in Erinnerungen schwelgen, alle anderen können sich die Berichte aber auch gern durchlesen. Vielleicht bekommst du dadurch Lust, auch mal an einer meiner Veranstaltungen teilzunehmen!

Museen Highlight

Liste mit dinostarken Urzeit-Orten

In dieser Liste habe sind auch alle Museen und Freizeitparks zu finden, die ich in den letzten Jahren im Rahmen von Dino-Treffen oder Lesungen besucht habe. Dort findest du auch viele Links mit umfassenden weiterführenden Informationen, sowie natürlich auch die Adressen der jeweiligen Orte.


Dinotreffen Highlight

Dino-Treffen

Die Kategorie Dino-Treffen umfasst jetzt zu jeder unserer Bisherigen Veranstaltungen einen umfassenden Bericht. Wer damals mit dabei war und in Erinnerungen schwelgen möchte, ist genauso eingeladen, sie zu lesen, wie alle, die vielleicht in Zukunft noch an einem Treffen teilnehmen möchten.


Verwechslung Kretschmer

Verwechslung – Ich bin NICHT der Ministerpräsident von Sachsen!

Seit ich auch auf Instagram meine Paläo-News poste, kommt es immer wieder zu lustigen Auseinandersetzungen zwischen mir und anderen Usern, die mich mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer verwechseln. Diese peinlichen Fauxpasses möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten – schaut mal rein. Es ist lustig!


Ich wünsche dir jetzt noch einen schönen Sonntag! Bis bald,

Dein Markus Peter Kretschmer

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