1

Wort zum Sonntag – 08.05.2022

Hallo und einen schönen Sonntag (08.05.2022) wünsche ich dir!

Der Mai ist da, und die Natur scheint förmlich zu explodieren. Bei vielen schönen Radtouren und Spaziergängen mit meiner Freundin versuche ich derzeit, die vielen Schreckensmeldungen aus den Nachrichten auszublenden. Und all die vielen blöden Sachen, die mich persönlich auch hier bei uns in Deutschland nerven. Bockige und viel zu leise Bundeskanzler. Dafür viel zu laute Prominente. Und schon seit Wochen ist kein Öl mehr zu bekommen. Nicht nur das Sonnenblumenöl, das ja zu großen Teilen tatsächlich aus der Ukraine stammt, ist weg. Auch sämtliche andere Ölsorten bekommt man kaum noch, und wenn, dann zu unverschämten Preisen. Mehl, Reis und Nudeln finde ich auch nur noch selten in den Regalen, deren Preise haben sich ebenfalls verdoppelt. Wir brauchen gar nicht so weit nach Osten oder auf die Waffenexporteure schauen: Auch hierzulande scheinen einige erheblich vom Krieg in der Ukraine zu profitieren, was ich persönlich zum Kotzen finde.

Bleibt bitte vernünftig! Auch beim Einkaufen!

Deshalb mal wieder ein Apell, und zwar ein ganz und gar unpolitischer: bitte, liebe Leute… Wenn ihr dann doch mal das Glück habt, in irgendeinem Supermarkt günstiges Öl oder sonstige „seltene“ Produkte zu finden, kauft nicht gleich einen ganzen Karton davon. Hört auf, solche Angsthasen zu sein, oder besser gesagt: Angsthamster! Wenn jeder mal ein bisschen auch an andere denken würde, wäre schon längst wieder genug für alle da. Man könnte meinen, dass wir aus der Klopapier-Katastrophe von 2020 gelernt hätten. Haben wir aber nicht. Ich habe nur gelernt, dass wir in Krisen völlig ausrasten und zu egoistischen Vollidioten werden. Aber ob wir das wirklich sein wollen, haben wir selber in der Hand.

 

(Ich habe gestern übrigens tatsächlich in einem REWE mal wieder Distelöl für knapp über 2,- € gefunden. Und ob ihrs glaubt oder nicht: ich hab nur eine einzige kleine Flasche gekauft! Und was soll ich sagen: sowas geht wirklich!)


Traumreise für Kinder in die Zeit der Dinosaurier – Das Buch ist endlich da!

Wie versprochen ist mein neues Traumreise-Buch endlich erschienen! Ich habe die ersten Exemplare am Freitag endlich erhalten und konnte meiner Freundin Sahar eine große Überraschung bereiten: auf der ersten Seite steht ihr Name, in einer persönlichen Widmung. Das hat sie auch verdient: Sahar unterstützt mich bei jedem meiner Vorhaben. Auf Instagram macht sie für mich die meisten Foto-Stories. Beim Schreiben der Traumreisen hat sie mich zu vielen guten Ideen inspiriert. Und sie war natürlich auch die erste, an der ich jede der Traumreise-Geschichten „ausprobieren“ durfte.

 

Weil uns beiden dieses Buch so viel Freude und Spaß bereitet hat, schon während ich es geschrieben habe, war es für mich schon von Anfang an klar, dass ich es meiner lieben Sahar widmen werde. Sie hat davon bis heute noch nichts gewusst und war total gerührt, als sie die erste Seite aufgeschlagen hat. Die Freudentränen, die heute Morgen noch geflossen sind, kann man auf den Fotos zwar nicht mehr erkennen, aber du kannst sie dir sicher vorstellen. Vielen Dank auch an Jill, der das Buch herausgegeben hat, und an Brian Murphy (@wootusart ), der es so wunderschön illustriert hat. „Traumreise für Kinder in die Zeit der Dinosaurier“ ist wirklich dank der vielen tollen Bilder das hübscheste, was wir bislang herausgebracht haben. Ich bin unheimlich stolz!

 

Das Buch ist ab sofort bei Amazon bestellbar. Einen Link direkt dorthin, sowie auch eine Leseprobe findest du natürlich hier:

Anzeige

Traumreise für Kinder in die Welt der Dinosaurier

Fantasiereisen für Kinder in die Welt der Dinosaurier zur Förderung von Entspannung und Achtsamkeit. Lass dich dort von unseren liebenswürdigen Dinosauriern in ihren Bann ziehen. Hilf der kleinen Therizinosaurus-Dame Theresa dabei, die gemeinen Tarbosaurier in die Flucht zu schlagen. Dreh dabei eine Runde durch die Urzeit-Wälder des kleinen „Drachen“ Jackie. Oder lass dich dort von der wunderschönen Unterwasserwelt von Tanystropheus Tanja verzaubern. Die zahlreichen zauberhaften Illustrationen im Buch helfen Kindern dabei, das Kopfkino der Traumreise mit Leben zu füllen.

Erhältlich als Taschenbuch und auch als E-Book.


Terminänderung: Urzeit-Abenteuer in Baden-Württemberg wird verschoben!

In der Hoffnung, damit niemandem vor den Kopf zu stoßen: Meine Reisen und die Dino-Treffen in Baden-Württemberg, die eigentlich für das Himmelfahrtswochenende (27.05. bis 29.05.2022) geplant waren, müssen leider ausfallen. Wichtige private Termine und Renovierungsarbeiten lassen es schon nicht zu, dass ich in dieser Zeit in den Süden reise. Aber der Hauptgrund ist, dass ich im Juli eine richtig tolle Chance bekommen werde, bei der ich mir einen meiner Kindheits-Träume erfüllen kann. Worum es dabei geht, werde ich dir bei Gelegenheit natürlich noch mitteilen. Aber ich muss zu dieser Chance eben auch nach Baden-Württemberg.

Das Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden und die Paläontologische Sammlung in Tübingen werden wir also erst am zweiten Juliwochenende besuchen. Der Besuch im Museum für Naturkunde in Karlsruhe muss aber leider ausfallen. Dieses Museum kommt dann wahrscheinlich erst nächstes Jahr dran. Statt auf eine weite Reise nach Süddeutschland werde ich Ende Mai aber noch einmal auf Fossiliensuche in der Kiesgrube Dohrn / Eggers in Negenharrie gehen. Hierbei könnt ihr mich gerne begleiten und euch gemeinsam mit mir auf die Suche nach Seeigeln, Donnerkeilen und anderen tollen Schätzen aus den Geschieben Schleswig-Holsteins machen.

Veranstaltungskalender

Eine Gesamtübersicht über alle bevorstehenden und nun aktualisierten Termine gibt es natürlich auch in meinem Veranstaltungskalender.

 

28.05.2022     Gemeinsame Fossiliensuche in der Kiesgrube Dohrn / Eggers in Negenharrie

05.06.2022     Dino-Treffen im Dinosaurierpark Münchehagen

25.06.2022     Gemeinsame Fossiliensuche in der Kiesgrube Dohrn / Eggers in Negenharrie

09.07.2022     Gemeinsame Fossiliensuche auf den Erddeponien in Baden-Württemberg

09.07.2022     (Im Anschluss:) Dino-Treffen im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden

10.07.2022     Dino-Treffen in der paläontologischen Sammlung Tübingen

Der August 2022 soll ein reiner Schreibmonat werden. In meinen Sommerferien werde ich alles geben, um den dritten Teil von Die Weißen Steine fertigzuschreiben. Es wird also keine weiteren Veranstaltungen geben, da ich mich voll und ganz auf diese Arbeit konzentrieren werde. Für August ist am Museum übrigens auch wieder eine öffentliche Lesung geplant, den genauen Termin gebe ich demnächst noch bekannt. Und es wird demnächst bestimmt auch wieder mal einen Podcast geben.

Der Veranstaltungskalender wird also bald mit noch einigen weiteren schönen Terminen ergänzt werden – und sobald ich mit meinem Roman fertig bin, hoffentlich auch mit vielen weiteren Dino-Treffen, gemeinsamen Fossiliensuchen, Lesungen und anderen Aktionen.


Artikelreihe „Nomenklatur der Dinosaurier“

Meine kurze Serie über die verrückten Namen prähistorischer Kreaturen ist (vorerst) fertig. Im ersten Beitrag ging es konkret um die Regeln der zoologischen Nomenklatur, und wie z.B. ein Dinosaurier eigentlich seinen Namen bekommt. Der zweite Beitrag befasste sich mit der korrekten Aussprache dieser Namen. Die beiden letzten Beiträge luden dann vor allem zum herzhaften Lachen ein: einerseits habe ich die wohl skurrilsten Namen von Dinosauriern und anderen Urzeittieren vorgestellt. Und in den großartigen Comic-Memes on @pet_foolery auf Instagram nahmen einige Dinos ihre Namen dann mal ganz wörtlich.

 

Lies gerne selbst nochmal rein! Folgende Artikel sind in der Reihe „Nomenklatur der Dinosaurier“ erschienen:

Woher bekommt ein Dinosaurier seinen Namen?

Die richtige Aussprache von Dinosauriernamen

Verrückte Dinosauriernamen

Dinosauriernamen – wörtlich genommen!


Bild der Woche

Tierversammlung in Hell Creek! Ein starkes Triceratops-Männchen unterstreicht mit lautem Gebrüll seine Dominanz in seinem Territorium und wird dabei von einem Ankylosaurus, einer Gruppe Struthiomimus und einem Anzu beobachtet. Die zwei kleinen Pectinodons gehen vor dem mächtigen Pflanzenfresser lieber in Deckung.

 

Das Titelbild stammt heute von dem Deviant-Art-Künstler ABelov.


Paläo-News

Die letzten zwei Wochen waren wieder randvoll mit tollen Urzeit-Nachrichten! Ich habe auch wieder einiges aufgeholt, was sich während meines Oster-Urlaubs aufgestaut hatte. Und es sind auch wieder zwei neue Dinosaurier mit dabei! Viel Spaß bei den Paläo-News!

 

Highlight Paläo-News


Ausgestorbenes Riesenkamel Camelus knoblochi: hatten Eiszeitmenschen in der Wüste Gobi noch Kontakt mit ihm?

In den trockenen Regionen Afrikas und Eurasiens waren Kamele die entscheidenden Last- und Reittiere, die schon für die Menschen der Bronzezeit von essentieller Bedeutung waren. Ohne ihre Belastbarkeit, aber auch ohne ihre organischen Ressourcen, einschließlich Dung, Fleisch, Milch, Leder, Knochen und Wolle, wären viele Gegenden auf dem Globus wahrscheinlich nicht bewohnbar gewesen. Die zweihöckrigen Kamele Asiens sind in prähistorischen Kontexten jedoch deutlich weniger gut belegt als die einhöckrigen Kamele (Dromedare). So ist für die zweihöckrige Art (Camelus bactrianus) bislang noch gar nicht genau klar, wann und wo ihre Domestikation zuerst begann.

 

Ein modernes zweihöckriges Kamel im Vergleich zum ausgestorbenen Camelus knoblochi, von Roman Uchytel.

Alexey M. Klementiev vom Institute of Archaeology and Ethnography in Novosibirsk (Russland) und sein Team analysierten für ihre neue Studie alle Berichte über Fossilien von Kamelen aus dem Pliozän und Pleistozän von Zentral- und Nordasien, um der Herkunft der Kamele auf die Spur zu kommen. Dabei machten sie eine erstaunliche Entdeckung: eine pleistozäne Riesenform des zweihöckrigen Kamels, Camelus knoblochi, scheint in der Wüste Gobi bis zum letzten Gletschermaximum der letzten Kaltzeit überlebt zu haben – und die Menschen dort hatten nachweislich Kontakt mit ihm!

 

Camelus knoblochi konnte um die Hälfte größer und schwerer werden als jedes heutige Kamel. Die größten Bullen erreichten wahrscheinlich ein Gewicht von bis zu 1,5 Tonnen. Der Fossilbericht bestätigt, dass sie noch in der Zeit vor ca. 26.500 bis 19.000 Jahren in der Mongolei und Nordchina lebten. Auch einige Felszeichnungen, die möglicherweise aus dem Pleistozän stammen, zeigen Interaktionen von Menschen und Kamelen in dieser Gegend. Dies gibt uns neue Anhaltspunkte für weitere archäologische Studien sowohl über die Ursprünge von C. bactrianus als auch über seine zunehmend komplexen Beziehungen zu den prähistorischen Völkern von Zentral- und Nordasien.


Triceratops „Big John“: ein aggressiver Kämpfer?

Seit jeher wurde der berühmte Horndinosaurier Triceratops als streitlustiges Tier dargestellt und oft in Kämpfen gegen Tyrannosaurus, aber auch gegen Artgenossen gezeigt. Doch ist dieses Bild auch richtig? Tatsächlich wurden Löcher in den Nackenschilden von Ceratopsiden häufig als Ergebnis eines Kampftraumas gedeutet, aber diese Hypothese ist nie wissenschaftlich überprüft worden. Um einen Kampf stichhaltig nachzuweisen, ist es u.a. nötig, Spuren für eine Knochenheilung und -umbildung zu finden. Ruggero d’Anastasio von der University of Chieti–Pescara (Italien) und sein Team machten sich deshalb mit dem Mikroskop auf die Suche nach solchen Belegen, und zwar am Schädel des größten je gefundenen Triceratops „Big John“. Dessen Skelett wurde Ende letzten Jahres für etwa 6,5 Millionen Euro versteigert.

 

Ergebnis der Studie: Der rechte Teil des Nackenschildes von Big John zeigt ein Loch mit unregelmäßigen Rändern und eindeutigen Entzündungszeichen. Die mikroskopische Analyse zeigte neu gebildeten und heilenden Knochen mit histologischen Merkmalen, die typisch für eine Knochenumbauphase nach einem Trauma sind. Die chemische Analyse ergab Schwefel, der aus Glykosaminoglykanen und sulfatierten Glykoproteinen der präossären Osteoidsubstanz stammt, die in den Heilungsphasen eines Knochentraumas vorhanden ist. Das Loch im Nackenschild könnte also tatsachlich beim Kampf mit einem anderen Triceratops entstanden sein.

Angriff von hinten?

Allerdings wurde Big John die Verletzung offenbar hinterrücks zugefügt: Das Horn des Artgenossen drang in einem seitlichen Winkel auf der Rückseite des Schildes ein, durchstach diesen und bildete beim Zurückzucken oder beim Herausreißen eine Schlüsselloch-förmige Öffnung. Es ist also gut möglich, dass es bei Big Johns Auseinandersetzung gar nicht um den Kampf um ein Territorium oder um das Recht zur Paarung ging. Möglicherweise war – meine persönliche Hypothese – Big John sogar selber ein Weibchen, und wurde von einer Rivalin von deren Gelege oder den Jungtieren vertrieben.

 

So könnte „Big John“ zu seiner Verletzung gekommen sein. Bildquelle: Mark Hallett.


Maip macrothorax: riesiger Megaraptor aus Argentinien beschrieben

Die Megaraptora ist eine Theropodengruppe, die von den ehemaligen Gondwana-Landmassen der heutigen Subkontinente sowie aus Asien bekannt ist. Die genaue phylogenetische Zuordnung der Megaraptora ist immer noch umstritten. Manche Forscher sehen sie als Coelurosaurier und Verwandte der Tyrannosauriden, andere deuten sie als abgeleitete Allosauroiden oder Carnosaurier. Ihr besonderes Merkmal: kräftige Arme mit teils riesigen, sichelförmig gebogenen Greifkrallen. Die meisten Mitglieder dieser geheimnisvollen Theropoden stammen aus der Unterkreide bis frühen Oberkreide. Doch sie überdauerten offenbar bis zum Ende des Zeitalters der Dinosaurier.

 

Alexis M. Aranciaga Rolando vom Museo Argentino de Ciencias Naturales “Bernardino Rivadavia” in Buenos Aires (Argentinien) und sein Team beschreiben in ihrer neuen Studie die spärlichen, aber sehr großen Überreste eines Megaraptoriden aus dem Maastrichtium, dem letzten Zeitabschnitt der Kreidezeit. Manche der Knochen wurden schon 2019 entdeckt und beschrieben, aber damals keiner eigenen Gattung bzw. Art zugeordnet. Die Forscher benannten das wahrscheinlich über neun Meter lange Tier, dessen Fossilien in der Chorrillo Formation in der argentinischen Provinz Santa Cruz gefunden wurden, neu unter dem Namen Maip macrothorax. Der Gattungsname leitet sich von einem bösartigen Gottwesen der Aonikenk-Mythologie ab, der Artname ist lateinisch-griechisch und bedeutet „großer Rumpf“.

 

Lebendrekonstruktion von Maip macrothorax von CisioPurple.

Der Fund legt nahe, dass in einigen spätkreidezeitlichen Ökosystemen die Megaraptoren wirklich große Formen hervorbrachten, die sogar an der Spitze der dortigen Nahrungskette gestanden haben mögen. Sie konkurrierten dort wohl nur mit ähnlich großen Abelisauriern. Außerdem bieten die Fossilien neue Möglichkeiten zur Erforschung der Verwandtschaftsverhältnisse der Megaraptoren. Maip lebte vor etwa 70 Ma während des Maastrichtiums, dem letzten Abschnitt der oberen Kreidezeit.


Fossilen belegen: gigantische Ichthyosaurier lebten auch in den Meeren Europas!

In der späten Trias lebten die größten bekannten Meeresreptilien aller Zeiten: die Ichthyosaurier. Einige von Ihnen konnten wahrscheinlich Körperlängen von über 20m erreichen. Funde aus den Schweizer Alpen bestätigen, dass derartig große Ichthyosaurier auch bei uns in Mitteleuropa lebten. Die Funde stammen aus der Kössen-Formation und sind etwa 207 Ma alt.

 

Martin Sander von der Universität Bonn und seine Kollegen haben diese Fossilien, die schon in den 1970er bis 1990er Jahren gefunden wurden, nun im Rahmen einer Studie genauer untersucht. Zu diesen untersuchten Fossilien gehört ein abgebrochener Zahn mit Wurzel, der größer ist als alle bekannten Ichthyosaurierzähne. Außerdem wurden Wirbel- und Rippenfragmente erforscht.

 

Deutschland während der späten Trias. Bilduelle: Jeanette Rüegg & Heinz Furrer.

Die Forscher verglichen das Material mit den beiden größten aus Teilskeletten bekannten Ichthyosauriern, Shonisaurus popularis und Shastasaurus sikkanniensis, die jedoch aus älteren Ablagerungsschichten in Nevada und British Columbia gefunden wurden. Aus den spärlichen Überresten lässt sich die Größe ihrer einstigen Besitzer zwar nur schwer schätzen. Doch besonders der riesige Zahn legt nahe, dass die spätriassischen Ichthyosaurier Europas diesen Giganten wohl in kaum etwas nachgestanden und die Riesen-Ichthyosaurier zumindest bis zum Ende der Trias überlebt haben.


Langhals-Plesiosaurier waren nicht trotz, sondern dank ihrer massigen Körper sehr gute Schwimmer!

Während des Mesozoikums gab es eine ganze Reihe von Meeresreptilien. Die Ichthyosaurier, deren Körperbau stark an die mit ihnen natürlich nicht verwandten Delfine erinnert, die Plesiosaurier, die wie eine bizarre Mischung aus Robbe, Schlange und Meeresschildkröte aussahen, und die gefürchteten, tatsächlich mit den Schlangen verwandten Mosasaurier. Obwohl alle diese Meeresreptilien nicht miteinander verwandt waren, und übrigens auch nichts mit den Dinosauriern zu tun hatten, für die sie oft gehalten werden, hatten sie doch eines gemeinsam: sie alle entwickelten stromlinienförmige Körper und eine effiziente, auf Auftrieb basierende Schwimmtechnik, wie sie auch bei rezenten Wassersäugern zu beobachten ist.

 

Susana Gutarra von der University of Bristol und ihre Kollegen untersuchten für ihre neueste Studie mithilfe von Computational Fluid Dynamics, einer Art „Unterwasser-Windkanal“, wie gut sich all diese Tiere unter Wasser fortbewegen konnten. Dabei stellten sie fest, dass Plesiosaurier unabhängig von ihrem bizarren Körperbau aufgrund ihrer großen Gliedmaßen mehr Gegentrieb erzeugten als Ichthyosaurier und moderne Wale mit gleicher Masse. Darüber hinaus haben ihre enorm langen Hälse, die oft doppelt so lang waren wie ihr Rumpf, diese Bremswirkung sogar noch verstärkt.

 

Trotzdem waren die Strömungseigenschaften eines Langhals-Plesiosauriers ausgesprochen gut und diese Tiere erstaunlich schnelle Schwimmer. Der Bremseffekt wurde durch ihre sehr massigen Körper nämlich komplett wieder aufgehoben. Die Tiere bewegten sich wie ein Torpedo im Wasser, wobei der massige Rumpf die Waserströmung sehr gut ableiten konnte. Wahrscheinlich war der Gigantismus, besonders unter den Elasmosauriern der Kreidezeit, nur durch die vorausgehende Entwicklung eines langen Halses überhaupt möglich.


Muskeln statt Hirnschmalz: Enzephalisierung der Säugetiere begann erst nach ihrer Dominanz auf der Erde

Säugetiere haben im Vergleich mit allen anderen Wirbeltieren die größten Gehirne, im Verhältnis zur restlichen Körpermasse. Insbesondere die Plazenta-Tiere haben ein besonders vergrößertes Gehirn mit erweitertem Neocortex, der für die Sinnesverarbeitung essentiell ist. Die entwicklungsgeschichtlichen Ursprünge dieser Super-Hirne sind jedoch noch weitestgehend unerforscht.

 

Ornella C. Bertrand von der University of Edinburgh und ihre Kollegen versuchten nun mithilfe von CT-Scans früher Säugetierschädel aus dem Paläozän und Eozän, dem Geheimnis der Hirnentwicklung unserer Vorfahren auf die Spur zur kommen. Infolge der Studie zeigte sich entgegen der bisherigen Annahme, dass sich die Säugetiergehirne im Laufe der Zeit stetig vergrößert haben, dass die frühen Plazentatiere zunächst ihre relative Gehirngröße sogar noch verringerten. Ihre Körpermasse nahm zu Beginn des Aufstiegs der Säugetiere ungleich zu ihrem Hirnvolumen zu.

 

Erst später im Eozän erwarben mehrere Kronenlinien unabhängig voneinander stark enzephalisierte Gehirne. Auch die sensorischen Regionen wuchsen dann bald beträchtlich. Die frühen Säugetiere haben jedoch körperlicher Stärke zunächst für viele Millionen Jahre den Vorzug vor der Intelligenz gegeben. Warum? Die Forscher argumentieren, dass das Wegfallen vieler ökologischer Nischen nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit zunächst nur zum Gigantismus einlud. Die Gehirne der Säuger wurden erst größer, als die Ökosysteme wieder gesättigt und der Wettbewerb unter den Fellträgern wieder intensiver wurden.


Studie zum Massenaussterben am Ende der Kreidezeit

Das Aussterben der Dinosaurier und rund drei Viertel aller lebenden Arten wurden mit ziemlicher Sicherheit durch einen großen Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren verursacht. Seismische Daten, die an der Einschlagstelle in Mexiko erfasst wurden, haben spektakuläre Bilder der etwa 200 Kilometer breiten Einschlagstruktur beim mexikanischen Chicxulub auf der Halbinsel Yukatan geliefert. In ihrem neusten Paper zeigen Joana V. Morgan vom Imperial College in London (UK) und ihre Kollegen, wie die Untersuchung der Einschlagstelle in Chicxulub unser Verständnis der Bildung großer Krater und der ökologischen und paläontologischen Folgen dieses Einschlags erweitert hat.

 

Die asymmetrische Form und Größe des Chicxulub-Kraters deuten auf einen schrägen Einschlag und eine Einschlagsenergie von etwa 1023 Joule hin – eine schier unfassbare Energiemenge. Die klimatischen, ökologischen und seismischen Auswirkungen des Einschlags sind hierdurch nur schwer zu quantifizieren. Mehrere tausend Gigatonnen Asteroiden- und Zielmaterial wurden mit Geschwindigkeiten von mehr als 5 Kilometern pro Sekunde ausgeschleudert und bildeten eine sich schnell bewegende Wolke, die Staub, Ruß und Sulfat-Aerosole innerhalb von wenigen Stunden um die ganze Erde transportierte. Das Auswurfmaterial und der Ruß von globalen Waldbränden blockierten das Sonnenlicht und verursachten eine globale Abkühlung, was die Schwere und Plötzlichkeit des Massensterbens erklärt.

 

Es bleibt jedoch ungewiss, ob dieser Wintereinschlag viele Monate oder mehr als ein Jahrzehnt anhielt. Weitere kombinierte paläontologische und Proxy-Studien erweiterter Kreide-Paläogen-Übergänge sollten die klimatische Reaktion und die genaue Ursache und Selektivität des Aussterbens weiter einschränken. Einen umfassenden Artikel über alle bisherigen Erkenntnisse über die Chicxulub-Katastrophe habe ich übrigens auch selber mal geschrieben. Zu diesem Artikel ist auch ein tolles Video entstanden, das ich zusammen mit Michael Kubi (InternetEvoluzzer) erstellt habe:


Taowu liui: Zwerg-Säbelzahnkatze aus China gibt neue Einblicke in die Evolution der Eiszeit-Prädatoren

Die Stammgruppe der Machairodontini ist eine wichtige Linie der Säbelzahnkatzen, die im späten Känozoikum blühte und einige der wichtigsten Beutegreifer im Ökosystem dieser Zeit umfasste. Als Spitzenprädatoren hatten Mitglieder dieser Gruppe einen tiefgreifenden Einfluss auf die Paläoumwelt, doch ihre Evolution und Diversifizierung sind aufgrund fehlender umfassender Überarbeitung und phylogenetischer Studien weiterhin unklar.

 

Qigao Jiangzuo von der Peking University (China) und seine Kollegen beschreiben in ihrer neuesten Studie nun einen besonders bemerkenswerten Vertreter Machairodontini: Taowu liui. Die Fossilien dieser Säbelzahnkatze stammen aus dem frühen Pleistozän Nordchinas und stellen eines der kleinsten Exemplare dieser Gruppe dar. Der Schädel von Taowu ist mit etwa 20cm kaum größer als der eines Luchses.

 

Die Forscher konnten an seinen Überresten die bisher am besten untersuchte Phylogenie der Machairodontini durchführen. Ihre Analysen stützen die These, dass der afrikanische Lokotunjailurus an der Basis einer frühen divergenten Gruppe steht. Ähnlich wie die großwüchsigeren Vertreter wie Amphimachairodus oder jene aus der Homotheriina-Linie brachte auch diese Gruppe die markanten Säbelzähne hervorbrachten. Allerdings geschah dies in konvergenter Evolution.


Caudipteryx-Roboter bestätigt: bodenbewohnende Nichtvogel-Theropoden konnten „Flattern“!

Der Ursprung des Vogel- und Vogelfluges ist eine der kontroversesten Debatten, seit das Fossil des Urvogels Archaeopteryx 1861 in Deutschland gefunden wurde. Seither sind Fossilien von vogelähnlichen Dinosauriern auf der ganzen Welt entdeckt worden. Forscher sind inzwischen zu einem Konsens darüber gelangt, dass die Vorfahren der Vögel kleine Theropoden-Dinosaurier waren. Heute liegt der Fokus in den akademischen Debatten vor allem darauf, wie die Dinosaurier das Fliegen lernten.

 

Jing-Shan Zhao von der Tsinghua University in Peking und seine Kollegen versuchten nur, mit einem animatronischen Nachbau eines Caudipteryx, eines nur 5kg schweren kleinen Oviraptorosauriers aus der frühen Kreidezeit, dem Rätsel um die Evolution des Fliegens auf die Spur zu kommen. Durch Analyse der Kinematik und Dynamik des rekonstruierten Caudipteryx-Roboters fanden sie heraus, dass die Schlagbewegung der Unterarme schon von gefiederten, aber bodenbewohnenden Dinosauriern entwickelt wurde. Bis sie tatsächlich fliegen konnten, erfolgten dann noch viele weitere Entwicklungsschritte.


Paralitherizinosaurus japonicus: neuer Krallen-Saurier aus Japan beschrieben

Die wohl bizarrsten Theropoden der Kreidezeit waren die Therizinosaurier. Sie zeichnen sich durch einen plumpen Körperbau, lange Hälse und teils absurd langen Fingerkrallen aus. Yoshitsugu Kobayashi von der Hokkaido University und sein Team beschrieben in ihrer neuen Studie einige Fossilien, einen Halswirbel und mehrere Teile des Handskeletts, die schon im Jahr 2000 in der spätkreidezeitlichen Osoushinai-Formation nahe der Stadt Nakagawa in der Präfektur Hokkaido (Japan) gefunden wurden. Aufgrund der einzigartigen morphologischen Struktur konnten sie einem bislang unbekannten Therizinosaurier zuordnen: Paralitherizinosaurus japonicus.

 

Der Name bedeutet übersetzt so viel wie „Japanischer Therizinosaurier aus dem Meer“. Tatsächlich weist sein Körperbau Anpassungen an einen Lebensraum nahe der Küste auf. Die Fossilien wurden außerdem in marinen Ablagerungen gefunden. Wahrscheinlich wurde der Kadaver des Tieres durch die Flut hinfort geschwemmt und im Schlick der Küste konserviert.

 

Wie auch sein mongolischer, viel größerer Namensvetter besaß auch Paralitherizinosaurus verlängerte Armknochen und sichelförmige Klauen. Diese waren aber weit kürzer als die von Therizinosaurus. Trotzdem waren auch sie offenbar sehr gut zum Greifen, Festhalten und Heranziehen von Zweigen geeignet. Von denen hat sich das Tier wahrscheinlich überwiegend ernährt. Paralitherizinosaurus wurde etwa 3m lang, konnte sich aber noch höher aufrichten. Er lebte vor ca. 80 Ma.


Batrachotomus: ausgestorbener Rauisuchier jagte und fraß eher wie ein Krokodil als wie ein Dinosaurier

Bissspuren an fossilen Knochen sind der Schlüssel zur Entschlüsselung der Ernährungsweise von urzeitlichen Lebewesen. Außerdem kann man mit ihnen die ökologischen Beziehungen in prähistorischen Ökosystemen rekonstruieren. Es kann allerdings mitunter schwierig sein, dass Tier zu ermitteln, dass auf den Knochen eines Zeitgenossen herumgekaut hat. Ähnlichkeiten zwischen Spuren, die von verschiedenen fleischfressenden Taxa mit einem ähnlichen Gebiss produziert werden, verhindern eine zuverlässige Identifizierung der Biss-Verursacher.

 

Eduald Mujal vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart und seine Kollegen verglichen in einer neuen Studie verschiedene Bissspuren auf Fossilien aus dem süddeutschen Unterkeuper mit den Zähnen des großen, krokodilähnlichen Rauisuchiers Batrachotomus, einer der größten Landprädatoren der späten Trias. Einzelne Bissspuren spiegelten tatsächlich seine Zahnmorphologie wider. Die zusammengesetzten Bissspuren und ihre Häufigkeit hängen mit dem Fressverhalten zusammen. Sie erklären zudem die makroskopische Abnutzung und Mikroanatomie der Zähne. Hier hatte also wirklich ein Batrachotomus zugebissen.

 

Rechts: Lebendrekonstruktion eines Batrachotomus im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart.

Die Forscher verglichen die Bissspuren auch mit Mustern, die beim Fressverhalten heutiger Krokodile entstehen. Dabei stellten sie eine auffallende Ähnlichkeit zu diesen fest. Allerdings unterschieden sich die Bisspuren allerdings deutlich z.B. von Theropoden oder auch von Komodo-Waranen, obwohl die Zähne von Batrachotomus diesen oberflächlich eigentlich ähnlicher sehen als denen eines heutigen Krokodils. Dies deutet darauf hin, dass in manchen Fällen die Phylogenie (Verwandtschaft) ein besserer Indikator für die Ernährungsökologie unter ausgestorbenen Reptilien sein kann, als nur die Form der Zähne.


Links zu weiteren Urzeit-Nachrichten:

Mehr Frühmenschen in Europa

Weltweit erste fossile Knorpel von Tintenfischen

Wie die Ratten Europa eroberten

Sharks Found Inside An Active Volcano — Alive


Weitere Meldungen:

Bevölkerungsknotenpunkt außerhalb Afrikas: ostasiatische Abstammungslinien in Europa vor 45.000 Jahren erklärt

Interstellarer Meteorit in Papua-Neuguinea eingeschlagen

Über die Wichtigkeit von Amateur-Fossiliensammlern für die Paläontologie

Gelehrte werben für bessere Zusammenarbeit zwischen Zoos und Museen


Videos:

Die Evolution von Tyrannosaurus rex in Film und Fernsehen:


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag bei herrlichem Mai-Wetter. Ich werde nun mit Sahar mal zu meinem Wahllokal spazieren. Was ich bei der Landtagswahl wählen werde? Da bin ich noch unentschlossen. Ich werde es mir auf meinem Spaziergang überlegen.

Bleib gesund

Dein Markus Peter Kretschmer