Wort zum Sonntag – 12.06.2022

Lesedauer: etwa 18 Minuten
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Hallo und einen schönen Sonntag (12.06.2022) wünsche ich dir!

Mein letztes Wort zum Sonntag ist schon etwas her. Grund dafür war, dass ich einerseits mit der Abschlussplanung des AG-Unterrichts an meiner Schule zu tun und deshalb nicht so viel Zeit zum Schreiben hatte. So haben sich viele Urzeit-Nachrichten etwas angestaut. Den spannendsten Teil habe ich dann aber in der letzten Woche doch noch geschafft, abzuarbeiten. Ein paar fast ebenso spannende Nachrichten kommen dann auf jeden Fall in der nächsten Woche noch dran. Das schöne Wetter hat mich außerdem oft nach draußen gelockt. Ich war zweimal auf Fossiliensuche, ganz in meiner Nähe. Die Kiesgrube Dohrn / Eggers bei Negenharrie werden wir im Juni auch ein weiteres Mal aufsuchen und uns dort auf die Suche nach Schätzen aus der Urzeit begeben. Wer gerne mitkommen und selber suchen möchte, ist herzlich eingeladen! Und es lohnt sich!

 

Außerdem stehen bald auch wieder zwei Dino-Treffen an. Im Juli sind Sahar und ich im Süden Deutschlands unterwegs und möchten dort einige sehenswerte Urzeit-Orte besuchen. Und wir haben dort auch noch etwas ganz besonderes vor, worüber ich dann noch einmal ausführlich berichten werde. Nur so viel: es wird für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.


Hier mein aktueller Veranstaltungskalender:

 

25.06.2022     Gemeinsame Fossiliensuche in der Kiesgrube Dohrn / Eggers in Negenharrie

09.07.2022     Gemeinsame Fossiliensuche auf den Erddeponien in Baden-Württemberg

09.07.2022     (Im Anschluss:) Dino-Treffen im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden

10.07.2022     Dino-Treffen in der paläontologischen Sammlung Tübingen

27.08.2022     Lesung aus meiner Romanreihe „Die Weißen Steine“ im Museum Tor zur Urzeit


Die Weißen Steine III

Nach unserer Abenteuer- und Urlaubsreise geht es für mich endlich wieder zurück in die Kreidezeit. Der grobe Handlungsrahmen für meinen neuen Roman steht, die Fortsetzung von Die Weißen Steine. Die restlichen Sommerferien werde ich dann damit verbringen, so viel wie möglich zu schreiben, und ihn, wenn alles gut läuft, das Werk im Herbst endlich beenden. Ich werde mir beim Schreiben aber keinen Druck machen. Wichtig ist mir, dass es ein gutes Buch wird.

Du bist noch auf der Suche nach gutem Lesestoff für die Ferienzeit? Na, dann greif zu!

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Die Weißen Steine Band I – Neue Alte Welt

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Der erste Teil eines Überlebenskampfes. Dort werden Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht.

 

Erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


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Die Weißen Steine Band II – Blut der Sonne

Erlebe noch ein weiteres spannendes Dino-Abenteuer mit dem zweiten Teil meiner Urzeit-Reihe! Dort wirst du wieder direkt in die Kreidezeit entführt, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen.

 

Erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


Laufende Serie – Beinahe fertig!

Gesehen habe ich ihn schon, und der Artikel ist auch schon fast fertig. Am Mittwoch war ich nach fast drei Jahren endlich mal wieder im Kino und habe mir zusammen mit Sahar den vorerst letzten Teil der Jurassic-Saga angeschaut. Und natürlich werde ich genau wie bei allen vorherigen Teilen eine Rezension schreiben – selbstverständlich ebenfalls mit meinem persönlichen Faktencheck. Ich kann bislang nur so viel sagen: in diesem Film treten so viele neue Dinosaurier auf, dass es ein sehr ausführlicher Artikel werden wird.

Jurassic World – Ein neues Zeitalter von Regisseur Colin Trevorrow.

Alle anderen Teile der Reihe habe ich schon fertig rezensiert. Wenn du gerne wissen möchtest, was bei den in Jurassic Park und allen seinen Ablegern dargestellten Dinosauriern überhaupt den wissenschaftlichen Tatsachen entspricht, solltest du unbedingt mal reinschauen! Kann man Dinos eigentlich klonen? Sehen die Dinos in den Filmen ihren Pendants aus dem Mesozoikum überhaupt ähnlich? Was ist heute, nach beinahe 30 Jahren, schon veraltet? Was ist an Wissen neu dazugekommen? Diese und viele andere Fragen habe ich in meinen Artikeln beantwortet. Und ich kann dir garantieren: Du wirst Jurassic Park nach Sichtung meiner Artikel nie wieder mit den gleichen Augen sehen!

1) Jurassic Park: Kann man Dinosaurier klonen?

2) Jurassic Park (1993)

3) Vergessene Welt – Jurassic Park (1997)

4) Jurassic Park III (2001)

5) Jurassic World (2015)

6) Jurassic World – Das gefallene Königreich (2018)

7) Jurassic World – Ein neues Zeitalter (2022)


Übrigens: Alle Artikel sind auch als Video verfügbar und wieder in Kooperation mit Michael Kubi entstanden. Du findest sie allesamt unten, bei den Video-Links!


Sonderartikel: Wozu eigentlich Paläontologie?

Ich habe schon 2020 aus gegebenem Anlass die Fragen gestellt: Ist Paläontologie eigentlich „systemrelevant“? Wozu brauchen wir die Urzeitforschung heute eigentlich? Ist das wirklich nur etwas, um Kinder zu begeistern? Oder hat die Paläontologie doch mehr gesellschaftlichen Nutzen? Um Antworten zu finden, habe ich fleißig recherchiert und mich auch mit echten Paläontologen unterhalten. Herausgekommen ist ein wirklich interessanter Artikel! Jetzt hat er es endlich auch auf meine Website geschafft:

 


Bild der Woche

Der Western Interior Seaway war ein prähistorisches Binnenmeer, das den nordamerikanischen Kontinent einst in einen West-Teil (Laramidia) und einen Ost-Teil (Appalachia) teilte. In diesem lichtdurchfluteten Flachmeer tummelten sich viele interessante Kreaturen. Nicht nur die gefürchteten Meeresreptilien, sondern vor allem Fische und natürlich die schillernden Ammoniten.

 

Das Bild stammt von Julius Csotonyi.


Paläo-News

Bis letzte Woche dachte ich schon, dass wir bereits im Sommerloch angekommen wären. Denn bis Anfang Juni hatte ich noch nicht so viele Urzeit-Nachrichten zusammen, dass sich ein Wort zum Sonntag auch gelohnt hätte. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass ich mit anderen Dingen sehr beschäftigt war. Letzte Woche hat es aber interessante Meldungen geradezu gehagelt, wie in einem Sommergewitter. Ich habe immer noch einige davon offen, sodass ich ab morgen wieder reichlich zu schreiben habe. Du kannst also gespannt sein! Jetzt aber erst einmal zu den aktuellen Urzeit-Nachrichten:

 

Highlight Paläo-News


Felsenkunst in Alabama entdeckt

Jan Simek von der University of Tennessee und Kollegen veröffentlichten in ihrer neuesten Studie Bilder von riesigen Glyphen, die in die Oberfläche der niedrigen Decke einer Höhle in Alabama geritzt wurden. Die Motive, die menschliche Formen und Tiere darstellen, gehören zu den größten bekannten Höhlenbildern, die in Nordamerika gefunden wurden und sind wahrscheinlich über 2.000 Jahre alt.

 

Im ersten Bild unten erstreckt sich eine fast 3 Meter lange Zeichnung einer Diamantrücken-Klapperschlange, einem Tier, das den Ureinwohnern im Südosten der USA heilig war. Das nächste unten zeigt eine menschliche Figur von etwas mehr als 1,8 Metern Länge.

 


Stoffwechsel-Reduktion bei Vogelbeckendinosauriern: Waren Stegosaurus und Triceratops Kaltblüter?

Unter allen heute lebenden Tieren besitzen Vögel und Säugetieren die höchsten Stoffwechselraten. Mit ihrem erhöhten Stoffwechsel sind sie anders als Reptilien, Lurche oder Fische imstande, ihre eigene Körperwärme zu erzeugen und sie konstant zu halten. Diese Fähigkeit besaßen offenbar auch schon die Vorfahren beider Gruppen, obwohl sie sie unabhängig voneinander entwickelt haben müssen. Um zu untersuchen, wie und wann sich die Endothermie (Warmblütigkeit) bei unterschiedlichen Tiergruppen entwickelt hat, untersuchten Jasmina Wiemann von der Yale University und ihr Team mithilfe von In-situ-Raman- und Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie die Oberschenkelknochen von 55 ausgestorbenen Tieren. Sie konzentrierten sich dabei auf stabile, wasserunlösliche Stoffwechsel-Abfallprodukte wie Zucker, Proteine und Lipide, die zuverlässige Proxy-Daten liefern, wie schnell ein Tier atmete und seine Nahrung verdaute.

 

Erhebliche Stoffwechsel-Reduktion bei Ceratopsiern und Thyreophoren

Eine Korrelation zwischen der atmosphärischen Sauerstoffkonzentrationen und der Stoffwechselrate ließ sich in der Studie nicht feststellen. Hohe Stoffwechselraten wurden schon von den letzten geneinsamen Vorfahren der Flugsaurier und Dinosaurier entwickelt, lange bevor beide Gruppen fliegende Vertreter hervorbrachten. Einige Vogelbecken-Dinosaurier, wie Ceratopsier oder Stegosaurier, reduzierten ihren Stoffwechsel jedoch im Laufe der Zeit wieder erheblich, sodass sie ihre Körpertemperatur vielleicht gar nicht mehr aufrechterhalten konnten und im Winter in wärmere Regionen abwandern mussten. Einige Taxa wurden vielleicht auch deswegen so groß, da große Körper mehr Körperwärme halten können.

 

Sauropoden und große Theropoden waren dagegen nicht gigantothermisch, das heißt, sie blieben nicht nur aufgrund ihrer großen Körper ständig warm. Sie waren echte Warmblüter, die sogar effiziente Kühlmechanismen entwickeln mussten, um nicht zu überhitzen. Die Endothermie in vielen Taxa der späten Kreidezeit, zusätzlich zu Säugetieren und Vögeln, legt nahe, dass vielleicht auch andere Eigenschaften als nur allein der Stoffwechsel ihr Schicksal während des Massenaussterbens am Ende der Kreidezeit bestimmten.


Ernährungsweise im Frühmittelalter Englands: Adlige ernährten sich offenbar ziemlich ähnlich wie ihre Bauern!

Dies fanden die Archäologen Samantha Legget (Universität Oxford) und Tony Lambert (Universität Cambridge) in ihrer neuen Studie heraus. Hauptbestandteil der Nahrung aller Menschen unabhängig ihres sozialen Standes waren zu der Zeit vor den Normannenstürmen offenbar Getreideprodukte. Fleisch wurde nur zu besonderen Anlässen gegessen, dann aber reichlich, jedoch für alle.

 

Die überlieferten Abgabe-Listen, auf denen dutzende Portionen von Gänse-, Rinder-, Hühner- und Schweinefleisch, Honig, Käse und anderen Tierprodukten die Rede ist, stellen wohl keinen ausbeuterischen, schlemmerhaften Regelzustand dar. Es handelt sich eher um Bestellungen für rauschende Feste, an denen Adel und Bauernschaft aber gemeinsam teilnahmen. Isotopenanalysen an Knochenproben belegen jedenfalls keine ungesunde, fleischlastige Ernährung beim Adel im 8. Jahrhundert sondern vielmehr das genaue Gegenteil, und dass sich ihre Ernährung nicht sonderlich von der ihrer Untertanen unterschied.


Australien: weiterer vulkanischer Hotspot beim Massenaussterben im Perm?

Mehrere, intensive Vulkanausbrüche kurz hintereinander, die oft entlang konvergierender Ränder der Kontinentalplatten stattfinden, setzen erhebliche Mengen an Gasen frei. Diese sind Katalysatoren für klimatische Anomalien, können gar das globale Klima nachhaltig beeinflussen und dadurch zu großen Aussterbeereignissen führen. Eine Korrelation von Vulkanausbrüchen mit Umweltkrisen in der geologischen Vergangenheit festzustellen, ist jedoch oft schwierig. Vulkanische Sequenzfolgen sind schlecht erhalten und genaue Datierungsmethoden erforderlich.

 

Timothy Chapman von der University of New England in Armidale (Australien) und sein Team nutzten für ihre aktuelle Arbeit hochgenaue CA-TIMS U – Pb-Zirkon-Aufzeichnungen und untersuchten damit Gesteinsschichten aus dem Oberperm in Ostaustralien. Dort trat in einem Zeitraum von vor etwa 260 bis 249 Ma die unglaubliche Masse von 39.000 bis 150.000 Kubik-Kilometern siliziumhaltigen Magmas aus. Die schweren Eruptionen scheinen in diesem langen Zeitfenster in unregelmäßigen Abständen aufgetreten zu sein, zumeist im Abstand von 50.000 bis 150.000 Jahren. Die höchste Eruptionsaktivität vor 253 Ma fällt dabei zeitlich genau mit Intervallen eines extremen Artenrückgangs zusammen, wie auch dem Untergang der Glossopteris-Wälder.

 

Gewaltige Vulkaneruptionen in Australien: waren sie für das permische Massenaussterben mit verantwortlich? Bildquelle (unten): Katrina Kenny.

Australien scheint also ein weiterer Hotspot des Vulkanismus am Ende des Perms gewesen zu sein. Damals ereigneten sich gleichzeitige Eruptionen entlang mehrerer Bögen rund um den Globus. Zusammengenommen gelten diese globalen Eruptionen als Auslöser von Treibhauskrisen und Ökosystemstress, die dem katastrophalen Ausbruch des Sibirischen Trapps vorausgingen – bei dem das Massenaussterben vor etwa 252 Ma schließlich seinen Höhepunkt erreichte. Über 90% aller Arten starben infolge dieses langen Massenaussterbens aus.


Klimawandel in Chile: Gletscherschmelze gibt Exzellent erhaltene Ichthyosaurier-Fossilien frei

Der Klimawandel lässt in vielen Teilen der Erde die Gletscher schmelzen. Im Fall des Tyndall-Gletschers im chilenischen Teil Patagoniens profitiert zumindest die Wissenschaft davon: Gleich 23 gut erhaltene Fossilien barg eine Expedition unter Leitung von Judith Pardo-Pérez von der University of Magallanes im Nationalpark Torres des Paine im Süden des Landes, berichtet die Arbeitsgruppe. Der vielleicht wichtigste Fund darunter sind die erstmals für Chile kompletten Überreste eines weiblichen Ichthyosauriers. Das Tier, von den Forschern auf den Spitznamen „Fiona“ getauft, war auch noch schwanger, wie die Überreste einiger Föten belegen.

 

Artikel zum Weiterlesen bei Spektrum.


Proteinanalyse bestätigt: Vorfahren der Aborigines plünderten Nester des Donnervogels!

Die Erkenntnis, dass Biomoleküle in fossilen Proben erhalten sein können, hat die Wissenschaft revolutioniert. Proteinsequenzen überleben zwar länger als DNS, aber man kann sie schwerer verwandtschaftlich zuordnen. Beatrice Demarchi von der Universität von Turin (Italien) und ihr Team konnten in ihrer neuen Studie mithilfe der Proteine, die sie aus Eierschalen aus dem Pleistozän Australiens extrahierten, dennoch eine interessante, schon lange gehegte Vermutung bestätigen: die Ureinwohner Australiens aßen die Eier der spektakulären „Donnervögel“.

 

Der Donnervogel Genyornis newtoni auf der Flucht vor dem riesigen Varanus priscus (Megalania). Bildquelle: Peter Trusler.

Brontornithiden wie Genyornis newtoni waren entfernte Verwandte der Gänse, wurden aber bis zu zweieinhalb Meter hoch und brachten teils über 200kg auf die Waage. Schon 2016 schrieben Forscher die gefundenen Schalenfragmente als die eines solchen Donnervogels und datierten sie auf etwa 48.000 Jahre. Dies wurde auch als wahrscheinliches Aussterbedatum der Donnervögel angesehen, was auch die Frage aufwarf, ob die Menschen mit für ihr Verschwinden verantwortlich waren.

 

Authentische alte DNA konnten Demarchi und ihr Team zwar nicht bestätigen, dafür waren die Proben zu alt und verfallen. Die Analyse der Proteinsegmente und morphometrische Daten unterstützen jedoch die Zuordnung der Eierschale zu Genyornis. Die sogenannte Paläoproteomik ist somit ein leistungsfähiges Werkzeug zur Rekonstruktion der Evolutionsgeschichte in alten Proben. Neben der Klärung der phylogenetischen Einordnung ermöglichen diese Daten ein differenzierteres Verständnis der Interaktionsweisen zwischen Mensch und Umwelt.


Das Rätsel um die „Cat Gap“

Das ihre maunzenden Lieblinge manchmal einfach so verschwinden und sich tagelang nicht blicken lassen, ist den meisten Katzenbesitzern lange bekannt. In Nordamerika verschwanden die Katzen aber einst für mehrere Millionen Jahre! Während des Miozäns, von vor 25 bis 18,5 Ma, sind keine Katzenfossilien auf dem nordamerikanischen Kontinent überliefert (Südamerika erreichten die Katzen ohnehin erst viel später, im frühen Pleistozän). Forscher untersuchen nun, ob dieses Verschwinden nur auf einen Bias zurückzuführen ist (die Katzen waren da, aber sie sind als Fossilien nicht erhalten!), oder ob die Katzen tatsächlich zu Beginn des Miau… äh, Miozäns in Nordamerika ausgestorben sind und erst einige Jahrmillionen später, von Asien kommend, wieder eingewandert sind.

 

Miozän in Nordamerika. Bildquelle: Daniel Eskridge.

Artikel (auf Englisch!) zum Weiterlesen bei LiveScience.


„Nevadadromeus schmitti“: neuer Ornithopode aus dem mittleren Westen der USA wird beschrieben

Mitunter dauert es Jahrzehnte, bis neuentdeckte Dinosaurier wissenschaftlich beschrieben werden und einen eigenen Namen erhalten. Schon 2008 entdeckte ein Grabungsteam in Nevada die Fossilien mehrerer Dinosaurier. In mühevoller Detailarbeit wurden diese sorgfältig präpariert und dabei erforscht. Die Ergebnisse hat das Team unter der Leitung von Joshua Bonde von der Montana State University nun in einer Studie eingereicht, die allerdings noch geprüft und veröffentlicht werden muss.

 

Der Name des neuen Dinosauriers ist allerdings schon durchgesickert. Er wird „Nevadadromeus schmitti“ heißen, benannt nach dem „Silver State“ Nevada und Bondes Mentor Jim Schmitt, der an der Montana State University Geologie lehrte. Die Wortendung „-dromeus“ leitet sich aus dem griechischen ab und bedeutet „Läufer“, weil Nevadadromeus seinen Feinden gut davonrennen konnte. Er gehörte wahrscheinlich zur Familie der Thescelosauriden, die während der oberen Kreidezeit in Asien, vielleicht auch Südamerika und mit den meisten Arten in Nordamerika vertreten waren.

 

Mögliche Lebendrekonstruktion von „Nevadadromeus“ von Julius Csotonyi.

„Nevadadromeus schmitti“ steht hier nicht etwa willkürlich in Anführungszeichen: so wird ein sogenanntes Nomen nudum (nackter Name) gekennzeichnet, also ein neuentdecktes Tier, das in Begleitliteratur zwar schon einen Namen erhalten hat, aber noch keine formelle Namensbeschreibung. Es ist somit eine Art „Namensreservierung“. Deshalb wird „Nevadadromeus“ vorerst auch noch nicht in meiner Liste der neuentdeckten Dinosaurier aufgenommen und bekommt dort erst einen Platz, bis die Studie einsehbar ist.


Forscher beschreiben Überreste eines großen Spinosauriers aus Südengland

Chris T. Barker von der University of Southampton und sein Team haben die Überreste eines der größten Landjäger Europas identifiziert. Die neuen Funde, die auf der Isle of Wight an der Südküste Englands ausgegraben wurden, gehören zu einem Spinosauriden. Bereits im letzten Jahr beschrieben die Forscher gleich zwei neue Spinosaurier-Gattungen aus ebendiesen Gesteinsschichten. Das neue Exemplar wurde noch keiner Gattung zugeordnet, weil die Funde dafür leider zu spärlich sind. Es trägt also derzeit nur den Spitznamen „Spino von White Rock“.

 

Die Knochen, u.a. große Rücken- und Schwanzwirbel, wurden in der Nähe von Compton Chine entdeckt. Die dortigen Kreidefelsen sind für ihre Dinosaurier berühmt und Fossilien aus mehreren Abschnitten des Mesozoikums dort erhalten. Der riesige Raubsaurier, geschätzt über 10m lang, stammt aus der Vectis Formation, die eigentlich eher arm an Dinosaurierfossilien und mit nur 125 Ma auch eine der jüngsten dort ist. Damals stieg der Meeresspiegel stark an und schuf eine perfekte Umgebung für einen fischfressenden Spinosaurier, mit Lagunen, Sandbänken und Mangrovensümpfen.

 

So könnte der „Spino von White Rock“ tatsächlich ausgesehen haben. Bildquelle: ​​Anthony Hutchings​​.

Dieses neue Tier untermauert die letztes Jahr veröffentlichte These der Forscher, dass Spinosaurier ihren Ursprung in Westeuropa hatten und sich dort diversifizierten. Danach breiteten sie sich auch über Afrika, Asien und sogar nach Südamerika aus. Noch ein interessantes Detail der Studie: Spuren auf dem Knochen zeigten, dass der tote Körper dieses Riesen wahrscheinlich nach dem Tod von einer Reihe von Aasfressern, darunter auch ebenfalls sehr großen Käferlarven angeknabbert wurde. Die Forscher hoffen, in naher Zukunft Dünnschnitte des Materials erstellen zu können. Damit lässt sich mikroskopisch dann auch das Innere der Knochen untersuchen, was Aufschluss über die Wachstumsrate und das mögliche Alter geben könnte.


Bestätigt: Abelisaurier lebten auch an der Seite von Spinosaurus!

Die Bahariya-Oase im Westen Ägyptens ist bekannt für zahlreiche Fossilien von großen Theropoden, die während der späten Unter- und frühen Oberkreide in Nordafrika lebten. Darunter waren auch der populäre Spinosaurus, aber auch der ebenfalls riesige Carcharodontosaurus sowie auch mehrere kleine und mittelgroße Raubsaurier. Forscher vermuteten aufgrund von Zahnfunden auch immer wieder, dass es dort auch Vertreter einer weiteren Theropodenfamilie, den Abelisauriern, gegeben haben könnte. Doch konnte dies bislang nicht zweifelsfrei bestätigt werden.

 

Landschaftsbild der Bahariya Oase vor 100 Ma. Rechts im bild steht ein Abelisaurier. Bildquelle: Andrew McAfee.

Dies könnte dem Team um Belal S. Salem von der Benha University (Ägypten) nun allerdings gelungen sein. Sie untersuchten für ihre Studie einen fossilen Wirbelknochen, der unter der Kennung MUVP 477 geführt wird, und ebenfalls aus der Bahariya-Formation stammt. Nach der Identifikation der Forscher handelt es sich um den gut erhaltenen zehnten Halswirbel eines mittelgroßen Abelisauriden. Einer bestimmten Gattung ließ sich der neue Fund allerdings wegen fehlender Alleinstellungsmerkmale nicht zuordnen, bzw. war es deshalb (noch) nicht möglich, dem Dinosaurier einen eigenen Namen zu geben.

 

Der neue Wirbel zeigt Affinitäten zu denen anderer Abelisauriden der Oberkreide aus Madagaskar und Südamerika, wie Majungasaurus crenatissimus, Carnotaurus sastrei, Viavenator exxoni und einem bislang noch unbestimmten Exemplar aus Patagonien (MPM 99). MUVP 477 stellt nun das erste bestätigte Abelisauriden-Fossil aus Ägypten und Nordostafrika dar und ist auch generell der älteste bekannte Nachweis dieser Gruppe. Wieso die Bahariya-Oase vor etwa 100 Ma so viele Raubsaurier anzog, ist bislang nicht klar. Es könnte allerdings sein, dass die Fleischfresser hier besonders vom Reichtum des Meeres profitierten.


Forscher entdecken „Bauchnabel“ bei Psittacosaurus-Mumie!

Gleich vorweg: einen echten Bauchnabel hatten Dinosaurier natürlich nicht. Säugetiere, auch wir Menschen, behalten ihn als Überrest der Verbindung zwischen uns und der Plazenta unserer Mutter über die Nabelschnur. Aber auch bei eierlegenden Amnioten ist der sich entwickelnde Embryo an eine Reihe extraembryonaler Membranen gebunden, einschließlich des Dottersacks und der Allantois, die während der gesamten Embryonalentwicklung Sauerstoff und Nährstoffe liefern und Stoffwechselabfallprodukte entfernen.

 

Vor oder kurz nach dem Schlüpfen lösen sich diese Membranen vom Tier und hinterlassen eine vorübergehende oder dauerhafte Nabelnarbe, und das gab es auch bei Dinosauriern! Phil R. Bell von der University of New England in Armidale (Australien) und sein Team gelang es nun, so ein Narbengewebe bei einem ausgezeichnet erhaltenen, etwa 130 Ma alten Psittacosaurus aus China nachzuweisen. Unter laserstimulierter Fluoreszenz (LSF) zeigte sich der Nabel als längliche Mittellinienstruktur, die durch eine Reihe gepaarter Schuppen auf dem Unterleib begrenzt ist. Ein Dino-Bauchnabel war allerdings länglich und nicht rund, so wie unserer.

 

Der Psittacosaurus ruht sich etwas aus und zeigt uns seinen Bauchnabel. Bildquelle: Jagged Fang Designs.

Der Psittacosaurus war der Studie zufolge beinahe ausgewachsen und stand ontogenetischen Analysen nach kurz vor der Geschlechtsreife. Dies deutet darauf hin, dass der Nabel wahrscheinlich während des gesamten Lebens erhalten blieb – anders als bei den meisten modernen Reptilien und Vögeln. Nur einige Eidechsen und Krokodile behalten so eine Narbe, die der des Psittacosaurus auch sehr ähnlich sieht. Angesichts der Tatsache, dass diese Struktur nicht bei allen Sauropsiden auftritt, ist es keineswegs sicher, dass auch alle anderen Dinosaurier einen „Bauchnabel“ hatten.


Links zu weiteren Urzeit-Nachrichten:

RNA-Welt: Henne-Ei-Problem gelöst?

Fußabdruck der Eiszeit

 

Rätsel der Giraffen-Hälse gelöst?

 

 

 

Mutationen torpedieren Lehrmeinung

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Rettungsgrabung im Irak: 3.400 Jahre alte Stadt aus der Bronzezeit freigelegt


Videos:

Kann man Dinosaurier klonen?


Faktencheck: Jurassic Park (1993)


Faktencheck: Vergessene Welt (1997)


Faktencheck: Jurassic Park III (2001)


Faktencheck Jurassic World (2015)


Faktencheck: Jurassic World – Das gefallene Königreich (2018)


Das war es für heute mit meinem Wort zum Sonntag und den Paläo-News. Ich wünsche dir nun noch einen schönen, sommerlichen Junisonntag.

Liebe Grüße

Markus Peter Kretschmer

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