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Wort zum Sonntag (12.09.2021)

Hallo und einen schönen Sonntag (12.09.2021) wünsche ich dir!

 

Zwei herrliche Spätsommerwochen liegen gerade hinter mir. Während die Tage nun merklich kürzer werden, komme ich nun aber endlich w^1eschafft, und ich freue mich bereits auf die nächsten Ferien. Dann wird endlich auch ein neues Buch von mir erscheinen! Die letzte Geschichte ist gerade fertig geworden, der Text muss jetzt bloß noch lektoriert werden. Und worum geht es da?


Neues Kinderbuch bald erhältlich: Traumreise in die Urzeit

Es handelt sich um ein Kinderbuch mit Vorlese- und Entspannungsgeschichten. Diese führen junge Leser im Vor- und Grundschulalter (4 bis 8 Jahre) genau wie „Die Weißen Steine“ in die Welt des Mesozoikums. Liebevoll und kindgerecht, aber trotzdem spannend geschrieben erleben die kleinen Leser so einerseits tolle Abenteuer, in denen sie Freundschaft mit vielen verschiedenen Tieren aus der Urzeit schließen können. Auch der kleine Razor, bekannt aus meiner Abenteuer-Romanreihe, taucht dort wieder auf!

 

Andererseits ist das Buch auch pädagogisch wertvoll: das Kind bekommt auf seiner Traumreise öfters die Gelegenheit, Dinosauriern, die ein Problem haben, zu helfen. Und in anderen Geschichten zeigen sie uns einfach nur ihre wunderschöne Welt! In jedem Fall sind diese Geschichten super als Gute-Nacht-Geschichte und zum Relaxen am Nachmittag geeignet.

 

Pädagogisch wertvoller Inhalt mit vielen tollen Urzeit-Facts!

 

Und sie sind pädagogisch wertvoll: Auch das Kinderbuch ist nach dem neuesten Stand der Forschung recherchiert. Die Urzeittiere werden entsprechend dargestellt, und auch, wenn sie zwar sprechen können, verhalten sie sich ihrer Natur gemäß und kommen nur zusammen mit Wesen vor, denen sie tatsächlich begegnen konnten.

 

Anders als in „Die weißen Steine“ besuchen wir aber viele verschiedene Lebensräume in der Kreidezeit, im Jura und in der Trias. Und auch die so oft vernachlässigten Dinosaurier aus Deutschland bekommen endlich eine angemessene Bühne! Im Anhang werden auch die tatsächlichen Fundorte kurz vorgestellt, und vielleicht unternehmen Eltern mit ihren Kindern dann nicht nur eine Traumreise, sondern auch mal eine echte Reise zu den Originalschauplätzen der Geschichten – die auch heute noch durchaus einen Besuch wert sind!

 

Neugierig geworden? Ich werde demnächst eine Leseprobe hier auf der Website einstellen. Und euch natürlich auf dem Laufenden halten, wann das Buch erscheint (voraussichtlich im Oktober 2021). Meine bisher erschienenen Bücher kannst du hier bestellen:


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Die Weißen Steine Band I – Neue Alte Welt

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Dies ist der erste Teil eines Überlebenskampfes, wobei Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht werden.

 

Die Weißen Steine 1 – Neue Alte Welt ist dabei erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.

 


 

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Die Weißen Steine Band II – Blut der Sonne

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Dieser Roman entführt dich direkt in die Kreidezeit, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen. Der zweite Teil meiner Urzeit-Reihe!

Die Weißen Steine 2 – Blut der Sonne ist dabei erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


Tour ins Altmühltal und Dino-Treffen

Ich befinde mich übrigens gerade auf dem Rückweg von einem wunderbaren Ausflugswochenende! Diesmal besuchte ich das berühmte Altmühltal im Herzen Bayerns, das vor 150 Ma noch eine bezaubernde, tropische Insellandschaft am Nordrand des großen Tethysmeers war. Dort lebte u.a. der berühmte Urvogel Archaeopteryx, aber auch viele andere beeindruckende Tiere des späten Jura.

 

Natürlich fanden dort auch wieder Dino-Treffen statt. Sowohl im Jura-Museum Eichstätt als auch im Dinosauriermuseum Denkendorf konnten wir viele spannende Abenteuer erleben, interessante neue Dinge lernen und vor allem nette Menschen kennenlernen. Die Zeit verging leider wie im Flug, und ich wäre natürlich gern noch länger da geblieben, aber morgen ist halt wieder Schule. Meine Schüler sind sicher schon genauso gespannt wie du auf meinen Bericht und die Fossilien, die ich in einem der dortigen Steinbrüche gefunden habe. Im neuen Artikel der Woche, der am kommenden Montag (13.09.2021) erscheint, kannst du alles darüber nachlesen. Vielleicht hast du ja Lust, das Altmühltal selber einmal zu besuchen? Es lohnt sich wirklich. Und wenn du mich bei einem der künftigen Dino-Treffen kennenlernen und begleiten möchtest: es sind schon die nächsten geplant:


Museum für Naturkunde Stuttgart Dino-Treffen

02.10.2021: Dino-Treffen Stuttgart

Ort: Staatliches Museum für Naturkunde am Löwentor; Stuttgart

Treffpunkt: Vor dem Musuemseingang; Rosenstein 1-3, 70191 Stuttgart

Zeit: Samstag; 12:00 bis 18:00 Uhr

Preise: 5,-€ für Erwachsene, die Führung kostet 40,-€ (aufgeteilt unter allen Teilnehmenden). Für Kinder ist der Eintitt frei!

Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

Das Treffen ist ab sofort buchbar!


Trossingen Auberlehaus Dino-Treffen

03.10.2021: Dino-Treffen Trossingen

Ort: Auberlehaus Trossingen

Treffpunkt: Vor dem Musuemseingang; Marktplatz 6, 78647 Trossingen

Zeit: Sonntag; 13:30 bis 17:00 Uhr

Preise: Erwachsene: 7,50 €; Kinder und Jugendliche (bis 14 J.) frei!

Maximale Teilnehmerzahl: 8 Personen

Das Treffen ist ab sofort buchbar!


Spende für die Flutopfer

Wie versprochen habe ich noch ein zweites Mal die „Aktion Deutschland Hilft“ unterstützt und von allen verkauften Büchern im August 1,-€ pro Buch für die Opfer der Flutkatastrophe gespendet. Zwar war es im letzten Monat etwas weniger als noch im Juli, doch immerhin sind 92,-€ zusammengekommen! Ich bedanke mich bei allen, die im Sommer eines oder auch mehrere meiner Bücher gekauft haben!

 

Noch immer sind die dortigen Hilfskräfte auf dringende Unterstützung angewiesen. Wer selber helfen möchte, kann das unter diesem Link ganz einfach tun.


Bild der Woche

Ein riesiger Kadaver lockt eine Menge Aasfresser an. Und während der „Duft“ eines vor sich hin verwesenden Tyrannosaurus uns nur anwidern würde, wirkt er auf viele Dinosaurier, wie dieses Pectinodon, unwiderstehlich! Das Bild stammt von Fred Wierum.

 


Highlight Paläo-NewsPaläo-News

Trotz der anfallenden Organisationsarbeit und des bald veröffentlichten Buchs hatte ich noch ein bisschen Zeit für einige spannende Nachrichten aus der Welt der Urzeitforschung. Was es alles Neues gibt? Lies gerne weiter!


Überlebenskünstler: neue Säugetierarten aus der Zeit kurz nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit beschrieben

China Butte, ein Teil der Fort Union Formation von Wyoming (USA), ist bekannt für seine vielfältige Säugetierfauna, darunter eine Reihe von Condylarth-Taxa, die kurz nach dem großen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit im Puercanium, wie das erste System des Paläozäns in Nordamerika gebannt wird, vor etwa 66 Ma lebten.

 

Madelaine R. Atteberry und Jaelyn J. Eberle von der University of Colorado beschreiben in ihrer neuen Studie drei neue Periptychiden-Kondylarthen und berichten über das erste Vorkommen von Maiorana noctiluca, Ampliconus antoni und Conacodon harborae. Sie beschrieben außerdem anhand eines fossilen Unterkiefers mit Zähnen die neue Art Miniconus jeanninae. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit M. jeanninae und der Unterschiede zu anderen Oxyacodon-Arten wird O. archibaldi in die neue Gattung Miniconus eingeordnet.

 

So könnten die Säugetiere des frühen Paläozäns ausgesehen haben. Bildquelle: Banana Art Studio.

Eine zweite neue Säugetier-Art Beornus honeyi, benannt nach der Figur des Beorn aus J.R.R. Tolkiens Buch „Der Hobbit“, zeichnet sich durch eine für seine Zeit beachtliche Größe mit vergrößerten Backenzähnen aus. Auch eine neue Conacodon-Art, C. hettingeri, gehört zu den Funden. Die phylogenetische Untersuchung bestätigt, dass die drei neuen Arten zu den Periptychidae, enge Verwandten der heutigen Huftiere gehören. Beornus honeyi bildet mit Mithrandir gillianus (Mithrandir ist ein anderer Name Gandalfs; des Zauberers aus Tolkiens „Der Herr der Ringe“) und Hemithlaeus kowalevskianus eine Polytomie. Conacodon hettingeri wird als basales Mitglied einer Klade gefunden, die die anderen Arten von Conacodon umfasst. Miniconus jeanninae ist die Schwesterspezies von M. archibaldi.


Neue Studie über die Dinosaurier des geheimnisvollen Ost-Kontinents Appalachia

Während der Kreidezeit teilte ein großes Binnenmeer, der Western Interior Seaway, den Nordamerikanischen Kontinent in zwei Hälften. Während der West-Teil, Laramidia, sehr gut erforscht und viele Fossilien von dort überliefert sind, ist die Tierwelt des isoliert liegenden Ost-Teils, Appalachias, nahezu unbekannt. Trotzdem waren auch dort die Tiere den Auswirkungen des globalen geografischen Wandels ausgesetzt. Der schlechte Fossilienbestand verschleiert jedoch, wie Dinosaurier und andere terrestrische Wirbeltiere auf diese Ereignisse reagierten.

 

Chase D. Brownstein von der Yale University in New Haven (USA) beschreibt in seiner neuesten Arbeit zwei Dinosaurier, die während des Santonium und frühen Campanium vor 85 bis 80 Ma auf der obskuren Landmasse Appalachia lebten. Der erste ist ein großer Theropode, der wahrscheinlich zu einer neuen Gruppe von Tyrannosauroiden gehört, die ausschließlich auf Appalachia vorkam. Er ähnelt stark den bereits bekannten Gattungen Dryptosaurus und Appalachiosaurus. Ein weiteres Teilskelett gehört zu einem frühen Mitglied der Hadrosauridae, der erfolgreichen Gruppe der pflanzenfressenden Entenschnabel-Dinosaurier. Dieses Skelett wird mit den ersten kleinen juvenilen Dinosaurierexemplaren aus der atlantischen Küstenebene in Verbindung gebracht.

 

Die Tyrannosaurier und Hadrosauriden belegen eine der wenigen Dinosaurierfaunen des späten Santonium und helfen dabei, den Zeitpunkt wichtiger anatomischer Innovationen in zwei weit verbreiteten Dinosaurierlinien zu bestimmen. Die phylogenetischen Positionen der Tyrannosaurier und Hadrosauriden zeigen, dass die Dinosaurierfauna Appalachias im Santonium mit der Eurasiens vergleichbar ist. Das Vorhandensein von Kladen, die nur dort und nirgendwo anders vorkamen, gibt aber Grund zu der Annahme, dass der Teilkontinent lange Zeit isoliert gewesen sein muss und eine ganze Reihe endemischer Arten hervorbrachte.


Versteigerung von Triceratops „Big John“

Das nächste eigentlich unbezahlbare Fossil kommt unter den Hammer: Das Auktionshaus Giquello in Paris wird am 21. Oktober das Exemplar eines Triceratops, „Big John“ genannt, versteigern. Der zwei Meter breite Schädel, etwa 200 Knochen und die großen Hörner sind zurzeit in Ausstellungsräumen im Marais-Viertel der französischen Hauptstadt zu bestaunen.

 

„Big John“ wurde 2014 in der berühmten Hell Creek Formation entdeckt, wo er vor etwa 66 Ma lebte. Er gehört damit zu der jüngeren, etwas kleineren Art von Triceratops, T. prorsus. Im Oktober 2020 gelangte das Fossil zunächst nach Triest in Italien, wo es sorgfältig präpariert und restauriert wurde. „Big John“ ist mit einer geschätzten Länge von über 8m nicht nur einer der größten, sondern mit mehr als 60% erhaltenen Originalfossilien auch eines der vollständigsten Triceratops-Exemplare. Sein Schädel misst 2,26m Länge, der mächtige Nackenschild ist über 2m breit und auch die imposanten, nach vorne gerichteten Hörner sind schier gewaltig: sie messen ganze 1,1m und sind an der Basis 30cm mächtig – und damit imstande, einer Belastung von 16 Tonnen zu widerstehen.


Kurupi itaata: neuer Abelisaurier aus der Oberkreide Brasiliens

Die Marília-Formation der späten Kreidezeit Brasiliens besteht hauptsächlich aus Paläosolen, die in einer trockenen Umgebung entwickelt wurden. Eine Neubewertung ihrer früher bekannten Mitglieder reduzierte ihre lithologische Zusammensetzung und geografische Verteilung. Daher hat die Marília-Formation bisher einen sehr spärlichen Fossilienbestand von Wirbeltieren, und viele bislang unbenannte Arten. In ihrer neuesten Studie beschreiben Fabiano V. Iori vom Museu de Paleontologia “Pedro Candolo” in São Paulo (Brasilien) und sein Team einen neuen theropoden Dinosaurier, Kurupi itaata.

 

Lebendrekonstruktion von Kirupi itaata von Júlia D’Oliveira.

Sein Name leitet sich aus der Guaraní-Sprache ab und bedeutet so viel wie „felsenharter Kurupi (jener war in der Mythologie ein Gott der Fruchtbarkeit). Dieser Name wurde als eine scherzhafte Referenz an den Fundort gewählt, der sich unmittelbar neben dem „Motel Paraíso“, einem ortsbekannten Freudenhaus befindet. Das Fundmaterial besteht aus drei Schwanzwirbeln und dem partiellen Beckengürtel. Die phylogenetische Analyse wies ihn als einen mittelgroßen Abelisaurier aus, der durch einige Alleinstellungsmerkmale von anderen Gattungen abgegrenzt werden konnte.

 

K. itaata war ein mittelgroßer Fleischfresser, etwa 5 Meter lang, mit einem starren Schwanz und kursorischer Fortbewegung, wie durch seine Muskelansätze und Knochenanatomie bestätigt werden konnte. Dieses neue Taxon trägt zur Kenntnis der Kontinentalfauna Brasiliens während der späten Kreidezeit vor etwa 69 Ma bei und erhöht die Vielfalt mittelgroßer Abelisauriden im westlichen Gondwana.

Lebendrekonstruktion von Cisiopurple.


Forscher werten Spielzeug-Modelle fleischfressender Dinosaurier aus

Kann man aus den digitalisierten 3D-Modellen von wissenschaftlich genau rekonstruierten Spielzeug-Modellen auch solide Daten über ihre lebenden Vorbilder gewinnen? Matías Reolid vom Campus Las Lagunillas in Jaén (Spanien) und sein Team meinen: ja, das geht! In ihrer neuesten Arbeit untersuchten sie die Paläorekonstruktionen von Theropoden aus acht repräsentativen Familien. Die analysierten PVC-Modelle gehören zu den Gattungen Coelophysis, Dilophosaurus, Ceratosaurus, Allosaurus, Baryonyx, Carnotaurus, Giganotosaurus und Tyrannosaurus. Die gescannten 3D-Modelle wurden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Körpergrößenschätzungen aus der Literatur skaliert. Die 3D-Analyse dieser Gattungen liefert Informationen über die Schädellänge und Körperlänge, die das Erkennen wichtiger evolutionärer Trends ermöglichen.

 

Die Schädellänge/Körperlänge in den untersuchten Gattungen steigt entsprechend der Körpergröße von der kleinsten Coelophysis mit einem Verhältnis von 0,093 bis zu Verhältnissen von 0,119–0,120 für Tyrannosaurus und Giganotosaurus, die größten Theropoden aus der Studie. Die Auswertung photogrammetrischer 3D-Modelle lieferte auch morphometrische Informationen, die nicht allein durch das Studium von Knochen gewonnen werden können. Aber in dem Wissen, dass alle Rekonstruktionen von den fossilen Knochen ausgehen, wie zum Beispiel das Oberflächen-Volumen-Verhältnis (S/V), sind diese Informationen durchaus von wissenschaftlicher Relevanz.

 

Diese Parameter sind zudem der eng mit der Wärmeableitung verbunden. Somit helfen die Modelle tatsächlich bei der Charakterisierung des Stoffwechsels ausgestorbener Taxa. Dementsprechend hatten schlanke primitive Formen des frühen Juras wie Coelophysis und Dilophosaurus relativ kleine Schädel und höhere massenspezifische Stoffwechselraten als die robusten großen Theropoden der Kreidezeit wie Giganotosaurus und Tyrannosaurus. Mit dieser Technik könnten, wenn sie auf geeignete Dinosauriermodelle angewendet wird, Umfang und genaue Daten geliefert werden, die in verschiedenen Studienbereichen innerhalb der Dinosaurierforschung hilfreich sein könnten.


Neue Studie bestätigt dramatischen Zusammenhang zwischen Temperaturschwankungen und Artensterben

Der Klimawandel ist ein entscheidender Faktor, der die Biodiversität beeinflusst. Der quantitative Zusammenhang zwischen Temperaturänderung und Artensterben ist jedoch unklar. Haijun Song von der China University of Geosciences in Wuhan (China) und sein Team analysierten und verglichen deshalb die Größenordnungen und Geschwindigkeiten von Temperaturänderungen und Aussterberaten von Meeresfossilien in den letzten 450 Ma.

 

Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen, dass sowohl die Geschwindigkeit als auch das Ausmaß der Temperaturänderung signifikant positiv mit der Aussterberate von Meerestieren korrelieren. Große Massensterben im Phanerozoikum können mit Schwellenwerten des Klimawandels (Erwärmung oder Abkühlung) in Verbindung gebracht werden. Und das gilt nicht nur für Super-Katastrophen: Der signifikante Zusammenhang zwischen Temperaturänderung und Artensterben besteht sogar immer noch, wenn man die fünf größten Massenaussterben des Phanerozoikums ausschließt.

Die Ergebnisse sagen voraus, dass ein Temperaturanstieg von 5,2 °C über dem vorindustriellen Niveau bei den gegenwärtigen Anstiegsraten wahrscheinlich zu einem massiven Massenaussterben führen würde, das mit dem der fünf großen Phanerozoikum-Ereignisse vergleichbar ist, und das sogar ohne andere, nicht-klimatische anthropogene Auswirkungen, wie Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung.


Ungewöhnliches Jagdverhalten? Bissmarken von Tiefsee-Sechskiemenhai auf fossilen Seekuh-Knochen entdeckt!

Der italienische Paläontologe Marco Merella von der Universität Pisa und sein Team beschreiben in einer neuen Arbeit die fragmentarische Rippen eines einzelnen Exemplars der ausgestorbenen Seekuh Metaxytherium subapenninum, die wie ihre heutigen Verwandten ein Flachwasser-Bewohner war und das flache Schelfmeer ihre Heimat nannte, die während des frühen Pliozäns vor etwa 5 Ma die heutige Toskana bedeckte. Seekühe „grasten“ schon damals gern die in Küstennähe wachsende Kelpwälder ab. Doch die Rippen dieser Seekuh waren übersät mit ungewöhnlichen Bissspuren.

 

Zwei der gebissenen Rippen weisen Bissspuren auf, deren Morphologie der von jugendlichen Zähnen des heute noch lebenden Stumpfnasen-Sechskiemenhais (Hexanchus griseus) entspricht. Fossile Zähne dieses Hais sind ebenfalls von dem Fundort bekannt. Die neuen Funde umfassen das zweite veröffentlichte Vorkommen von Hexanchid-Bissspuren auf fossilen Knochen von Meeressäugern; Darüber hinaus stellen sie das erste Beweisstück dar, das eine Interaktion zwischen H. griseus und Seekühen sowohl in den Fossilien als auch in den jüngsten Aufzeichnungen dokumentiert.

 

Angesichts der Umweltpräferenzen vorhandener Sirenen (die in flachmarinen, küstennahen Seegraswiesen gedeihen) und wenn man bedenkt, dass das gebissene Skelett seinen Platz im Küstensand einnimmt, stehen unsere Funde anscheinend im Widerspruch zum aktuellen Verständnis von Hexanchiden als Tiefseehaie. Jungtiere von H. griseus sind jedoch für ihre Ortswechsel bekannt, sie suchen nachts relativ flache Gewässer auf. Offenbar haben sich also junge Sechskiemenhaie an der Seekuh gütlich getan.


Neues Fährtenfossil verwirrt: waren manche Sauropoden doch keine Herdentiere?

Überreste von Sauropoden sind auf der Iberischen Halbinsel im Übergang von Jura zur Kreide reichlich vorhanden, sowohl Knochen- als auch Spurenfossilien. Wo die Knochenfunde eine hohe Diversität dieser langhalsigen Dinosaurier zeigen, beschränken sich die Fährten hauptsächlich auf nur eine bestimmte Form, die durch nierenförmige Hand- und Fuß-Abdrücke mit drei seitlich orientierten Klauenabdrücken gekennzeichnet sind.

 

Fidel Torcida Fernández-Baldor vom Museo de Dinosaurios in Salas de los Infantes (Spanien) und sein Team präsentieren in ihrer neuen Studie aber nun ein neues Sauropoden-Ichnotaxon, Iniestapodus burgensis, das bei mehreren Expositionen nach Las Sereas bei Burgos in Spanien gefunden wurde. Die Fährten sind in lakustrinen Kalksteinschichten der ca. 145 Ma alten Rupelo-Formation erhalten.

 

Die Kombination der Merkmale und der Vergleich mit den osteologischen Aufzeichnungen lässt einen basalen Vertreter der Titanosauriformes als möglichen Verursacher vermuten. Alle Spuren von Iniestapodus werden durch mindestens zwei verschiedene Größenklassen kleiner und mittelgroßer Individuen repräsentiert, und ihre Spuren weisen in verschiedene Richtungen. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere Einzelgänger waren, die wahrscheinlich verschiedene Altersklassen einer gemeinsamen Spezies repräsentierten. Ungewöhnlich: normalerweise lassen Sauropodenfährten nämlich vermuten, dass sie sich gemeinsam in Herden bewegen.


Noch vor dem Aufstieg der Tyrannosaurier: In Usbekistan gab Ulughbegsaurus uzbekistanensis den Ton an!

Die Carcharodontosaurier waren eine Gruppe mittelgroßer bis großer räuberischer Theropoden, die in der Kreidezeit weltweit verbreitet waren. Diese Theropoden waren wahrscheinlich die Spitzenprädatoren Asiens in der frühen Oberkreide, noch vor dem Aufstieg der berühmten Tyrannosaurier, obwohl aus dieser Zeit aufgrund einer schlechten Fossilüberlieferung nur wenige Arten von dort bekannt sind.

 

Kohai Tanaka von der University of Tsukuba, (Japan) und sein Team beschreiben in ihrer neuesten Arbeit eine neue Art der Carcharodontosaurier, Ulughbegsaurus uzbekistanensis. Der Gattungsname ist eine Referenz an Ullugh Beg, eines sehr wissenschaftsversierten Sultans aus der Timuriden-Dynastie. Der Artname ehrt das Fundland. Die Fossilien, darunter ein gut erhaltener, isolierter Oberkiefer, wurden dort in der Bissekty Formation, also Schichten aus der frühen Oberkreide (Turonium) gefunden und sind etwa 92 Millionen Jahre alt.

 

Schädelvergleich von Ullughbegsaurus mit dem Tyrannosauroiden Timurlengia, von Julius Csotonyi.

Ulughbegsaurus teilte sich seinen Lebensraum mit mehreren anderen Dinosauriern, wie dem Dromaeosauriden Itemirus und dem kleinen Tyrannosauroiden Timurlengia (als Vergleich mit im oberen Bild), aber auch vielen anderen Wirbeltieren. Ulughbegsaurus dürfte nach Schätzung der Forscher eine Körperlänge von 7,5–8 m und eine Körpermasse von mehr als 1000 kg erreicht haben, was darauf hindeutet, dass er der zuvor unbekannte Spitzenprädator des Bissekty-Ökosystems war, während die kleineren Tyrannosauroiden und Dromaeosauriden wahrscheinliche als mittelgroße Jäger in seinem Schatten standen.


Fossile Zähne belegen Anwesenheit von Panzerdinosauriern in der Oberkreide Südamerikas

Der Fossilbericht der spätkreidezeitlichen Dinosaurier im südlichen Südamerika wird immer reichhaltiger, insbesondere durch Funde aus der Chorrillo und Cerro Fortaleza Formation. Beide enthalten auch Überreste von Ankylosauriern, eine Dinosauriergruppe, die zuvor von dort gar nicht bekannt war. Die Dinosaurierfauna der Typuslokalität der Cerro Fortaleza-Formation ist vor allem berühmt für ihre Fossilien von großen Sauropoden, wie dem gewaltigen Titanosaurier Dreadnoughtus schrani.

 

Dinosaurier der Cerro Fortaleza-Formation.

Ariana Paulina-Carabajal von der Universidad Nacional del Comahue in San Carlos de Bariloche (Argentinien) und ihr Team berichten in einer neuen Studie über die Biodiversität einer Fossillagerstätte, aus der dreizehn isolierte Zähne und mehrere Osteoderme geborgen wurden. Sie gehören zu drei Dinosaurier-Kladen: Abelisauridae, Titanosauria und Nodosauridae. Außerdem lebte dort und mindestens eine Gattung von Notosuchiern (Landkrokodile).

 

Die Funde stammen aus Sedimenten, die sich im mittleren Abschnitt der Cerro Fortaleza-Formation befinden und dort zwischen 80 und 69 Ma alt sind. Sie bieten ein Fenster in die Zeit der späten Kreide im südlichen Patagonien.


Kurzmeldungen KW35

Eine Mülldeponie voller Fossilien

Mikro-Organismen im Permafrost

Säuglingsgrab mit reichen Grabbeigaben im Saalekreis

Rekonstruktion eines Mannes aus dem „Grab der versunkenen Schädel“

Spektakulärer Eiszeit-Bau aus Mammutknochen

Mammut-Hütte aus der Ukraine

400.000 Jahre alte Werkzeuge aus Elefantenknochen in Italien entdeckt


Kurzmeldungen KW36

Neues Material des Sauropoden Shunosaurus beschrieben

Speerspitze aus der Eiszeit in Burgaltendorf entdeckt

Evolution: Klimawandel führt bereits jetzt zu Formveränderung bei Tieren

506 Ma alter Ur-Arthropode war eines der größten Tiere seiner Zeit

Japans (vermutlich) größter ornithopoder Dinosaurier

Studie zur Herkunft der Flug-Anatomie (Furcula) bei Theropoden

Ein Bolosauride aus dem frühen Perm: Eudibamus cursoris

Australiens größter Ammonit: Lycophron titan

Transiente Sauerstoffversorgung der Ozeane zu Beginn des Massenaussterbens am Ende des Perm

Studie zur obertriassischen Konservat-Lagerstätte Polzberg (Österreich)

Fossilien eines mutmaßlichen Brachiosauriden in Ost-China entdeckt

Jehol-Biota: Reaktionen auf die nordchinesische Kratonzerstörung in der frühen Kreide

Tsoabichi greenriverensis: neues Fossil beleuchtet die Herkunft der Kaimane


Eigene Artikel

Urzeitforschung: Was braucht man eigentlich als Urzeitforscher?

Tierprofil: Ichthyornis dispar

Tierprofil: Palaeosaniwa canadensis

Die Geschichte unserer Erde – Episode XII: Der Jura


Das war es für heute mit den Paläo-News. Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag! Ab morgen gibt es wieder neue Urzeitnachrichten, aber natürlich auch den Bericht über mein Wochenende im Altmühltal!

 

Liebe Grüße

Dein Markus Peter Kretschmer