Wort zum Sonntag (15.08.2021)

Lesedauer: etwa 22 Minuten
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Hallo und einen schönen Sonntag (15.08.2021) wünsche ich dir!

 

Wieder sitze ich mich einem mauen Gefühl am Schreibtisch. Viele Entwicklungen der letzten Tage bereiten mir wirklich sehr große Sorge. Meine Heimatstadt Kiel ist neuer Spitzenreiter in Sachen Corona-Inzidenzzahlen. Als erste Region Deutschlands seit der „Sommerpause“ stieg der Wert hier wieder über die Marke 100, und die Angst vor einer vierten Welle und einem möglichen weiteren Lockdown sind trotz der gegenteiligen Versprechen der Politiker wieder absolut akut. Ich weiß nicht, ob meine ganze tolle Planung für die Dino-Treffen nicht wieder völlig für die Katz war. Lasst uns alle hoffen, dass nicht auch die Zahl der Intensiv- und Todesfälle weiter ansteigen!

 

Und lasst es nicht beim Hoffen allein bleiben: alle, die es bislang noch nicht geschafft haben, aber gesundheitlich dazu absolut imstande sind, mögen sich doch bitte impfen lassen. Jetzt ist nicht die Zeit für ideologische Bockigkeit, und Angst vor einem kleinen Piks  und seinen Folgen lasse ich als Argument auch nicht mehr gelten. Mehr als 50 Millionen Menschen sind allein bei uns in Deutschland bereits geimpft, und die meisten haben es super vertragen. Auch ich hatte bloß ein kleines Ziehen im Arm, das nach einem Tag aber schon wieder verschwunden war. Und selbst ein paar Tage Fieber kann man mal auf sich nehmen, um damit die Normalität für uns alle wieder gewährleisten zu können. Solidarität muss jetzt unser aller Antrieb sein, Egoismus ist Fehl am Platze!

Politik und Weltgeschehen – alles gerade ziemlich doof!

Was ich aber wirklich bescheuert finde, sind die spalterischen Pläne, die gerade in der Politik geschmiedet werden. Die Impf-Pflicht kommt jetzt durch die Hintertür. Da Anreize und Überzeugungen scheinbar nichts bringen, kommt jetzt der Zwang. Und das wieder nicht zu Ende gedacht und mit totalem Aktionismus. Bald schon wird überall die 3G-Regel gelten, also kann man ohne geimpft, genesen oder getestet zu sein, am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen. Das wäre ja völlig okay, wenn man die Tests weiterhin kostenlos anbieten würde! Aber das wird bald vorbei sein, und empfinde ich als eine bodenlose Sauerei, die nicht nur die Entwicklung der Pandemie negativ beeinflussen wird, sondern auch die Spaltung in der Gesellschaft. An Menschen, die sich nicht impfen lassen können, wurde dabei überhaupt nicht gedacht – die werden nun zu Bürgern zweiter Klasse.

 

Genauso unsere Kinder. Und zwar alle Kinder. Die kommen wieder mal zum Schluss: die Schulen sind weiterhin kaum mit Luftfiltern ausgestattet, und so dürfen sie bald wieder den ganzen Winter lang in der Kälte sitzen, währen unsere mehrheitlich geimpften Politiker in den Plenarsälen neben den teuren Anlagen es sicher, warm und behaglich haben. Pfui. Ich habe mich eigentlich schon sehr auf die Schule und meine AGs gefreut, aber diese Unvernunft, diese Doppelmoral und dieses undemokratische und unsolidarische Gehabe in der Politik macht es mir wirklich schwer, noch mit guter Laune zur Arbeit zu gehen.

Krisen und wenig Lösungen

Genauso besorgniserregend ist der Vorstoß der Taliban in Afghanistan, wo gerade alle Bemühungen, dort endlich Frieden und Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen und besonders der menschenverachtenden Unterdrückung von Frauen ein Ende zu setzen zunichte gemacht werden. Mehr als 20 Jahre und so viele blutige Opfer für diese hehren Ziele waren vergebens. Der Westen hat versagt. Auf ganzer Linie. Und das Versagen wird auch an vielen anderen Stellen deutlich: die alarmierenden Berichte des IPCC bestätigen, dass wir uns dringend und schnellstens alle ändern müssen. Wir stecken schon mittendrin in der Klimakatastrophe, wie wir an den furchtbaren Ereignissen in Süddeutschland vor noch nicht einmal einem Monat deutlich sehen konnten.

Aus diesem Grund läuft meine Juli-Aktion noch weiter. Auch im August werde ich von jedem Buch, dass über Amazon verkauft wird, 1,-€ von meinen Tantiemen an die Aktion Deutschland Hilft spenden. Im Juli sind dadurch bereits 126,- € zusammengekommen, die ich auch bereits überwiesen habe. Ich hoffe, dass wir diese tolle Summe jetzt im August noch einmal übertreffen können! Wer also gern noch für den Sommer guten Lesestoff erwerben und gleichzeitig etwas Gutes tun möchte, kann einfach diesen Links folgen und meinen Abenteuer-Roman bestellen:


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Die Weißen Steine Band I – Neue Alte Welt

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Dies ist der erste Teil eines Überlebenskampfes, wobei Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht werden.

 

Die Weißen Steine 1 – Neue Alte Welt ist dabei erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.

 


 

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Die Weißen Steine Band II – Blut der Sonne

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Dieser Roman entführt dich direkt in die Kreidezeit, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen. Der zweite Teil meiner Urzeit-Reihe!

Die Weißen Steine 2 – Blut der Sonne ist dabei erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


Veranstaltungen

Auch wenn ich das mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen mit einiger Vorsicht sagen muss, unsere nächsten Veranstaltungen stehen endlich fest! Schon am kommenden Sonntag findet nach langer Zeit endlich unser erstes Dino-Treffen seit Beginn der Corona-Krise statt. Natürlich unter strengen Auflagen, wie einen strikten Teilnehmerbegrenzung. Deshalb ist diese Veranstaltung auch schon ziemlich schnell ausgebucht gewesen. Trotzdem freue ich mich schon riesig darauf! Alle näheren Infos zu diesem und auch allen zukünftigen Treffen findest du, wenn du auf die Bildchen zu den Veranstaltungen klickst.

Unsere nächsten Termine sind:

 

Dinosaurierpark Münchehagen Dinotreffen ausgebucht

22.08.2021: Dino-Treffen Münchehagen

Ort: Dinosaurier-Park Münchehagen

Treffpunkt: Vor dem Parkeingang beim T.rex; Alte Zollstraße 5, 31547 Rehburg-Loccum

Zeit: Samstag; 12:00 bis 18:00 Uhr

Preise: FREIER EINTRITT!

Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

Die Veranstaltung ist ausgebucht!


28.08.2021: Fossiliensuche in der Kiesgrube

Ort: Kiesgrube Dohrn / Eggers in Negenharrie

Treffpunkt: Museum „Tor zur Urzeit“, Dorfstraße 4; 24582 Brügge

Zeit: Samstag; 14:00 bis 17:00 Uhr

Preise: 6,- € (Erwachsene); 3,-€ (Kinder)

Maximale Teilnehmerzahl: unbegrenzt!


Dinotreffen Jura-Museum Eichstätt

10.09.2021: Dino-Treffen Eichstätt

Ort: Jura-Museum Eichstätt

Treffpunkt: Vor dem Musuemseingang; Burgstraße 19, 85072 Eichstätt (Eingang über Mondscheinweg!)

Zeit: Freitag; 14:30 bis 18:00 Uhr

Preise: Erwachsene: 4,-€; für Kinder ist der Eintritt frei.

Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

Das Treffen ist ab sofort buchbar!


Dinosaurier Museum Altmühltal Dino-Treffen

11.09.2021: Dino-Treffen Denkendorf

Ort: Dinopark Altmühltal

Treffpunkt: Vor dem Parkeingang; Dinopark 1, 85095 Denkendorf

Zeit: Samstag; 13:00 bis 17:00 Uhr

Preise: Erwachsene 14,50 €; Kinder 10,50 € (ermäßigt!)

Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

Das Treffen ist ab sofort buchbar!

Hier noch eine Liste mit allen weiteren geplanten Terminen, die du dir schon einmal notieren kannst. Die Möglichkeit zur Anmeldung auf Facebook wird in der Regel zwei bis drei Wochen vor der Veranstaltung freigeschaltet und auch hier auf der Website angekündigt. Unten am Ende dieses Artikels findest du auch noch ein Kontaktformular, worüber du dich auch hier zu einer Veranstaltung anmelden kannst.


Bild der Woche:

Eine Herde Edmontosaurier nimmt ein erquickendes Bad in einem Tümpel der Hell Creek Formation. Die wachsamen Tiere sind immer auf der Hut vor Beutegreifern, doch heute können sie sich auch mal etwas Vergnügen gönnen.

Edmontosaurus Titelbild 15.08.2021
Das Bild stammt von Fabio Manucci.

Paläo-News:

In den letzten zwei Wochen gab es viele interessante Neuigkeiten aus der Welt der Paläontologie. Mehrere neubeschriebene Arten und tolle, teils spektakuläre Funde! Ich kam gar nicht dazu, alle eingehenden Meldungen abzuarbeiten – deshalb wird auch nächste Woche mit ein bisschen Verspätung noch so einiges an spannenden Nachrichten kommen.


Javelinadactylus sagebieli: neu beschriebener Tapejaride aus den südwestlichen USA stellt Entwicklungsgeschichte der Flugsaurier auf den Kopf

Bereits 1986 entdeckten Forscher bei einer Grabung im Big Bend Nationalpark (Texas) die Überreste eines großen Pterosauriers. Doch da die Fossilien in keinem guten Zustand waren, wurden sie nie genau untersucht und taxonomisch klassifiziert. Überliefert sind ein teilweise erhaltener Schädel und Unterkiefer, sowie einige isolierte Gliedmaßenknochen.

Herbert B. N. Campos von der Slovak Academy of Sciences in Dúbravská (Slowakei) stellte bei der Neubetrachtung des Fundes anhand des großen nasoantorbitalen Fensters mit einem mittleren rostralen Index fest, dass der Flugsaurier wohl zu den Thalassodrominae gehörte, einer Gruppe aus der Familie der Tapejaridae, die bislang ausschließlich aus der Romualdo-Formation Brasiliens bekannt waren. Campos gab dem Tier den neuen Namen Javelinadactylus sagebieli, nach seinem Fundort in der Javelina-Formation und zu Ehren des US-amerikanischen Paläontologen James C. Sagebiel.

 

Javelinadactylus sagebieli nach einer Rekonstruktion von Mark Witton.

Der Fund ist nicht nur wegen der ungewöhnlichen geographischen Lage eine kleine Sensation, sondern auch wegen der zeitlichen: sollte sich die Klassifizierung als richtig erweisen, bedeutet das, dass die Tapejariden in der späten Kreidezeit nicht etwa seltener wurden, sondern dass sie sich bis zu ihrem unmittelbaren Ende sogar noch weiter diversifizierten.


Ypupiara lopai: neuer Dromaeosaurier aus der Gruppe der Unenlaginae aus Brasilien

Arthur Brum von der Universidade Fereral do Rio de Janeiro (Brasilien) und sein Team beschreiben in ihrer neuen Studie das fossile Material einer neuen Theropoden-Art, die sie Ypupiara lopai tauften. Der Gattungsname stammt aus der indigenen Tupi-Sprache und bedeutet so viel wie „Der am Wasser lebt“. Der Dinosaurier wurde zusammen mit einem Fischfossil entdeckt, weshalb die Forscher davon ausgehen, dass er mit seiner langen Schnauze ähnlich wie ein Reiher vor 67 Ma Fische fing. Der Artname „lopai“ ehrt den Entdecker des Fossils, Alberto Lopa, der es bereits vor etwa 80 Jahren in der Marília Formation entdeckte. Es war zu jener Zeit der erste Dromaeosaurier, der in Südamerika gefunden wurde, und der erste Unenlaginae überhaupt. Lopa übergab seinen Fund dem Museo Nacionál do Brazil, wo es später von Llewellyn Ivor Price gelistet, aber danach nicht mehr beachtet wurde.

 

Ypupiara (Fossil)

2018 dokumentierten Brum und sein Team die alten Bestände des Museums und nahmen viele Fotos auf – ein Glücksfall! Denn noch im gleichen Jahr verwüstete ein Brand das Archiv des Museums. Dem Feuer fielen alle Fossilien von Y. lopai zum Opfer, und deshalb erschien das Paper mit der Beschreibung auch erst jetzt, weil die Schadensbegrenzung im Museum zunächst Vorrang hatte und die Arbeit der Forscher sich dadurch verzögerte.

 

Ypupiara CisioPurple
Lebendrekonstruktion von Ypuiara nach CisioPurple.

Noch eine interessante Anmerkung: Price veröffentlichte kurz vor seinem Tod noch eine Beschreibung eines anderen, ebenfalls von Lopa entdeckten Dinosauriers, den er darin als Lopasaurus beschrieb. Ob es sich bei Lopasaurus und Ypupiara um die gleiche Gattung handelt, kann also nicht ausgeschlossen werden. Möglicherweise ist Ypupiara also ein nur kurzlebiger Name und könnte bald wieder gestrichen werden, sollte sich dies bestätigen.


Dünne Luft und kaltes Klima: neue Studie ermittelt Grund für die Evolution des Vogelfluges in der chinesischen Yixian-Formation!

Die Kreidezeit gilt allgemein als eine eher warme Periode der Erdgeschichte. Dinosaurier stellt man sich eher in einer tropischen Landschaft vor. Trotzdem legen Daten aus der frühkreidezeitlichen Yixian-Formation schon seit längerem Nahe, dass dort ein kalt-gemäßigtes Klima herrschte. Die Dinosaurier, aber auch viele andere Tiere der sogenannten Jehol-Biota, hatten sich an den Wechsel der Jahreszeit mit einem dichten Federkleid oder warmen Fell angepasst.

Szenenbild der frühkreidezeitlichen Yixian-Formation von Zhao Chuang.

Laiming Zhang, Yitian Yin, Chengshan Wang von der China University of Geosciences in Peking gingen in ihrer Studie nun dem Geheimnis auf den Grund, weshalb in der Yixian ein Klima wie im heutigen Nordeuropa herrschte, obwohl China damals sogar relativ nah am Äquator lag. Sie untersuchen die Paläothermometrie mithilfe einer Isotopenanalyse von Karbonatablagerungen aus dem Sihetun-Gebiet. Dort betrug die mittlere Jahrestemperatur nur zwischen 4,2 und 7,6 °C.

 

Und der einfache Grund: es lag an der Höhe! Die Yixian-Formation lag damals zwischen 2.800 und 4.100m über dem Meeresspiegel! Als die pazifische Kontinentalplatte unter die Ostasiens subduziert wurde, türmte sich im heutigen China ein mächtiges Hochplateau auf. Dies sorgte für dünne Luft und ein kühles Klima, was auch die Evolution der Federn und des Fluges bei den vielen dort gefundenen Vögeln stark beeinflusste.


Neue Studie zur Beschaffenheit der Ozeane in Paläozoikum

Inwieweit unterschieden sich die Ozeane des Paläozoikums, als des Erdaltertums (542 bis 252Ma) von den Ozeanen unserer heutigen Zeit? Diese Frage, sowie der kausale Zusammenhang zwischen biologischer Evolution und sich ändernden Umweltbedingungen, werden in der Forschung heftig diskutiert. Eric A. Sperling von der Stanford University (USA) und sein Team stellen in ihrer neuesten Studie eine nahezu kontinuierliche Aufzeichnung der Redoxveränderungen des Meeresbodens vom Tiefwasser vor, die dort vom oberen Kambriums bis zum Mitteldevon in der Road River Group von Yukon (Kanada) erhalten blieb. Das Grundwasser im Richardson-Trog war während der gesamten Ablagerung der Road River Group weitgehend anoxisch, also sauerstoffarm, während unabhängige Beweise aus der Eisenspeziation und den Mo/U-Verhältnissen zeigen, dass sich die biogeochemische Natur der Anoxie im Laufe der Zeit verändert hat.

 

Sowohl im Yukon als auch weltweit waren die anoxischen Gewässer vom Ordovizium bis zum frühen Devon weitgehend eisenhaltig (nicht schwefelig), mit einem Übergang zu mehr euxinischen (sulfidischen) Bedingungen im mittleren frühen Devon (Pragium), das mit der frühen Diversifizierung von Gefäßpflanzen und dem Verschwinden der Graptolithen zusammenfällt. Dieses etwa 80 Ma lange Intervall des Paläozoikums, das durch weit verbreitetes eisenhaltiges Bodenwasser gekennzeichnet ist, zeigt, dass die Lebensbedingungen in den Ozeanen bis weit ins Paläozoikum hinein noch denen in der Zeit des Neoproterozoikums entsprachen, als es noch kaum höheres Leben auf der Erde gab.


Weltklimabericht: sechster Report des IPPC zieht ernüchternde Bilanz und gibt Ausblick auf eine beunruhigende Zukunft

Die Nachrichtenmeldungen der letzten Monate lassen keinen Zweifel mehr, dass die Klimakatastrophe da ist. Wir stecken mitten drin: Dürresommer, Feuersbrünste und Starkregenereignisse sind die direkten Folgen eines dramatischen Wandels von Umwelt und Klima. Durch den immer stärker steigenden CO2-Spiegel erhöhen sich weltweit die Temperaturen. Mehr Wasser verdunstet, und durch die immer weiter abschmelzenden Gletscher ist bereits so viel Süßwasser in die Ozeane gelangt, dass die Meeresströmungen kurz vor dem Kollaps stehen. Dies sorgt dafür, dass sich Hoch- und Tiefdruckgebiete viel länger über Gebieten halten – mit fatalen Folgen für das Wetter.

 

Hauptursache dafür: wir Menschen. Schon 2013 hat der Weltklimarat IPCC bei seinem letzten Bericht Alarm geschlagen, dass eine drastische Reduzierung der Treibhausgase unabdingbar und das Einhalten der 1,5-Grad-Marke dringend notwendig sind und ein Zeitfenster von etwa 30 Jahren prognostiziert, die uns noch bleiben, um die Auswirkungen noch halbwegs beherrschbar und erträglich zu halten. Der neue Bericht sieht jedoch deutlich negativer aus: da in Sachen Klimaschutz bislang kaum etwas passiert ist, die Emissionen weltweit sogar noch deutlich gestiegen sind, läuft unsere Uhr allmählich ab. Das düsterste vom IPCC vorgestellte Szenario ist derzeit leider auch das realistische: bereits in etwas mehr als acht Jahren wird die 1,5-Grad-Marke überschritten sein. Über Land sei dies sogar bereits der Fall. Die Meere ziehen mit einiger Verzögerung aber nach, heißt es im Bericht. Es ist also dringender Handlungsbedarf geboten, wenn wir nicht die letzte Generation sein wollen, die in Frieden und Wohlstand aufwachsen durfte.


Thapunngaka shawi: größter bislang bekannter Flugsaurier aus Australien beschrieben

Flugsaurierfossilien aus Australien sind außergewöhnlich selten. Seit der Entdeckung des ersten Flugsauriers des Kontinents vor etwa 40 Jahren wurden erst weniger als 20 Exemplare beschrieben. Die Toolebuc-Formation im Nordwesten von Queensland ist der aussichtsreichste Fundort für australische Flugsaurier. Aus dieser Lagerstätte stammt das Exemplar eines neuen Pterosauriers, der von Timothy M. Richards von der University of Queensland und seinem Team nun in einer neuen Studie erstmalig beschrieben wurde. Das Exemplar umfasst den rostralen Teil eines Unterkiefers und stellt den größten bisher beschriebenen Flugsaurier aus Australien dar. Die neue Art weist Merkmale auf, die auf eine Affinität zur Gruppe der Anhangueridae hindeuten, was aufgrund ihrer kosmopolitischen Verbreitung während der späten Unterkreide auch sehr wahrscheinlich ist.

 

Rekonstruktion von Thapunngaka shawi von der University of Queensland.

Der neue Flugsaurier trägt nun den Namen Thapunngaka shawi. Der Gattungsname leitet sich aus der Sprache der Wanamara-Ureinwohner ab und bedeutet so viel wie „Speermaul“, der Artnamen ehrt den Entdecker Len Shaw, einen Fossiliensammler, der den Kiefer schon 2011 in der Nähe von Richmond entdeckte. Die phylogenetische Analyse zeigt eine enge Verwandtschaft zu anderen australischen Anhangueriden und weist auf eine endemische australische Strahlung hin. T. shawi jedoch hat den größten Unterkieferkamm aller Anhangueriden weltweit und liefert weitere Beweise für die Existenz einer immer vielfältigeren Palette von großen Flugsauriern im australischen Teil Ost-Gondwanas während der Kreidezeit.


Studie bestätigt: Neandertaler waren die ersten Höhlenkünstler Westeuropas

Wann begannen die Menschen, sich künstlerisch auszudrücken? Und taten dies vielleicht auch andere Menschenarten, und nicht nur Homo sapiens? Die Datierung von Malereien in drei Höhlen der Iberischen Halbinsel unterstützt jedenfalls die Ansicht, dass Neandertaler schon lange vor dem Aufkommen des Homo sapiens in Europa eine Form der Höhlenkunst entwickelten. Africa Pitarch Martí von der Universidad de Barcelona (Spanien) und ihr Team konnten in ihrer neuesten Studie bestätigen, dass die Höhlenmalereien in der Cueva de Ardales von Menschenhand geschaffen wurden. Diese Höhle in der Nähe von Málaga ist eine der reichsten und am besten erhaltenen paläolithischen bemalten Höhlen Südwesteuropas mit über tausend grafischen Darstellungen.

 

Mit optischer Mikroskopie, Rasterelektronenmikroskopie, energiedispersiver Röntgenspektroskopie, Mikro-Raman-Spektroskopie und Röntgenbeugung analysierten die Forscher dabei eine Reihe von Proben aus dem Panel und verglichen sie mit natürlichen Farbstoffen vom Boden und den Wänden der Höhle. Die auffallend unterschiedliche Textur und Zusammensetzung der geologischen Proben weist darauf hin, dass die in den Gemälden verwendeten Pigmente nicht von den in der Höhle bekannten Aufschlüssen von Farbstoffen stammen.

 

Variationen in der Farbkomposition korrespondieren mit Altersunterschieden der Malereien, was die Hypothese stützt, dass Neandertaler die Höhle über einen längeren Zeitraum als Kunst- und Kult(ur)stätte verwendet haben – und nach den ältesten Datierungsergebnissen wohl schon vor mehr als 65.000 Jahren. Damals waren sie nach gegenwärtigem Kenntnisstand die einzigen Menschen in Westeuropa.


Neue Studie verlegt Landgang der Pflanzen weiter vor: Sporen von Landpflanzen gab es schon im Unterordovizium!

Woher kamen die Landpflanzen? Die Entwicklungsgeschichte unserer Landflora ist leider nicht besonders gut fossil überliefert. Bisher stammten die ersten direkten fossilen Nachweise von Landpflanzen aus dem Devon vor 420 Ma. In früheren Studien wurden zwar schon mikroskopische Sporen aus ordivizischen Ablagerungen in Australien beschrieben, die vor etwa 480 Ma entstanden. Diese fossilen Sporen weisen eine Zwischenmorphologie zwischen bestätigten Landpflanzensporen und früheren Formen, aber mit nur unsicherer Verwandtschaft auf.

 

Nach molekulargenetischen Untersuchungen sollten embryophyte Landpflanzen aber bereits im Kambrium, vor etwa 500 Ma erstmalig aufgetreten sein. Doch die Ergebnisse der Genetiker stehen im Widerspruch zu denen der Paläobotaniker, bei denen sie erst fast 80 Ma später im Fossilbericht auftauchen. Immerhin gibt es nun wenigstens wieder etwas ältere Sporenfunde, die diese Lücke wieder etwas auffüllen: Paul K. Strother vom Boston College (USA) und Clinton Foster von der Australian National University in Canberra (Australien) beschreiben in ihrer neuen Arbeit die Fossilien von Embryophytensporen aus dem Unterordovizium vor 480 Ma.

 

Diese weisen eine neue Ebene der evolutionären Kontinuität zwischen Embryophyten und ihren im Süßwasser lebenden Algenvorfahren auf. Die Ergebnisse der Analysen legen nahe, dass die Evolutionsgeschichte des Landgangs der Pflanzen nur sehr langsam erfolgte. Mäglicherweise begann sie schon während des Ediacariums und Kambriums, aber erst im mittleren Silur (ca. 430 Ma) war sie tatsächlich abgeschlossen. Die Pflanzen blieben also noch sehr lange vom Süßwasser direkt abhängig, bevor sie wirklich im Boden wurzelten.


Forscher rekonstruieren Lebensgeschichte eines Mammuts

Mithilfe der voranschreitenden Technik sind Paläontologen immer besser imstande, unser Verständnis über das Leben ausgestorbener Tiere zu verfeinern. Matthew J. Wooler von der University of Fairbanks (Alaska; USA) und sein Team untersuchten in ihrer neuesten Studie die Isotope aus dem 1,7m langen und 17.000 Jahre alten Stoßzahn eines Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius).

 

Die Analyse zeigt Bewegungsmuster über einen geografisch ausgedehnten Bereich während der insgesamt etwa 28-jährigen Lebensspanne des Tieres, die je nach Lebensphase variierten. Obwohl nicht klar ist, ob diese Wanderungen saisonal erfolgten, besuchte der Bulle im Laufe seines Lebens viele Regionen in ganz Alaska und kam in diesem riesigen Gebiet weit herum. In seinem Stoßzahn lagerten sich charakteristische Isotopenmarker ein, die mit denen aus gleichalten fossilen Nagetierzähnen verglichen werden konnten. So gibt der Stoßzahn detailliert darüber Auskunft, wo und in welcher Phase seines Lebens sich das Tier einst in einem bestimmten Gebiet aufhielt.

 

Dabei konnten sie vielerlei Aspekte aus der Lebensgeschichte dieses Tieres aufdecken, von seiner Geburt bis zu seinem Tod. Dazu gehört seine Kindheit, die der kleine Mammutbulle wahrscheinlich mit seiner Herde verbrachte. Mit etwa 15 Jahren zeigt sich ein abrupter Wechsel der Isotopenzusammensetzung. Wahrscheinlich wurde das Tier zu dieser Zeit – wie auch bei Elefanten heute noch üblich – aus seiner Herde ausgestoßen. Den Rest seines Lebens als Erwachsener in seinen besten Jahren, sowie seinen Lebensabend verbrachte es dann wahrscheinlich eher als Einzelgänger, in anderen Regionen als dort, wo es einst aufwuchs.

 

So könnte der Mammutbulle zu Lebzeiten ausgesehen haben. Bildquelle: J.R. Ancheta.

Dieses Mammut gehörte wohl zu den letzte seiner Art, die Alaska durchstreiften. Mit dem Ende der Eiszeit und der Veränderung der Umwelt in hohen Breiten wurde es für die Mammuts immer schwieriger, ihr hohes Mobilitätsniveau aufrechtzuerhalten.


Fossiler Eiglibber: Forscher identifizieren Proteinstrukturen aus dem Inneren eines Dinosaurier-Eis!

Die Dokumentation proteinhaltiger Weichteile in Fossilien aus der Tiefenzeit ist unter Forschern umstritten. Grund dafür ist die Häufigkeit von Laborfehlern, wo die Kontamination der Proben oft ein Problem darstellt. Doch Harsha Dhiman von der University of New Delhi (Indien) und sein Team konnten in ihrer aktuellen Studie die Konservierung proteinhaltiger Substanzen in der Eierschale von Dinosauriern aus der späten Oberkreide (Maastrichtium) belegen.

 

Mittels Pyrolyse-GC×GC-TOFMS wiesen sie stickstoffhaltige organische Moleküle zusammen mit Diketodipyrrol nach. Dies legt nahe, dass der klebrige Inhalt eines Dinosauriereis den Fossilisationsprozess abgeschlossen von der Luft und unter ganz besonders günstigen Bedingungen sehr wohl überstehen konnte. Dadurch eröffnen sich ganz neue Wege zur Erforschung von fossilem Weichgewebe.


Neue Studie zur Körpertemperaturen von Wirbeltieren stellt traditionelle Annahmen grundlegend auf den Kopf!

Die Körpertemperatur ist eine entscheidende Variable bei Tieren, die fast jeden Aspekt ihres Lebens beeinflusst. Matthew O. Moreira und John J. Wiens von der University of Arizona (USA) und Yan Fu-Qu von der Nanjing Normal University (China) analysierten in einer neuen Studie zum ersten Mal großräumige Muster in der Entwicklung der Körpertemperatur bei terrestrischen Wirbeltieren (Tetrapoden), und betrachteten dabei Amphibien, Säugetiere, Vögel und Reptilien. Trotz der traditionellen Ansicht, dass Endotherme (Vögel und Säugetiere) höhere Körpertemperaturen haben als Ektotherme, stellten die Forscher fest, dass sie sich im Kern eigentlich gar nicht wesentlich unterscheiden. Die umgangssprachliche Einteilung in „Warm-“ und „Kaltblüter“ ist somit totaler Unsinn. Denn auch wenn ektotherme Tiere länger brauchen, um auf „Betriebstemperatur“ zu kommen, so ist ihr Körperkern dennoch ähnlich warm wie das eines endothermen Tieres.

 

Symbolbild Tetrapoda von Wikipedia.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass die Körpertemperaturen in über 350 Ma Evolutionsgeschichte bei den Tetrapoden ein starkes phylogenetisches Kennzeichen und einen gewissen Konservatismus zeigen. Einige Abstammungslinien scheinen dabei im Laufe von hunderten Ma ähnliche Körpertemperaturen beibehalten zu haben. Und noch eine interessante Entdeckung: mit dem Klima im jeweiligen Lebensraum eines Wirbeltiers hat dessen Körpertemperatur eigentlich kaum etwas zu tun. Stattdessen konnten die Forscher zeigen, dass sie vielmehr signifikant mit den Tag-Nacht-Aktivitätsmustern zusammenhängt. Bei tagaktiven Arten ist die Temperatur im Allgemeinen höher als bei nachtaktiven Arten, sowohl bei Ektothermen als auch überraschenderweise auch bei Endothermen.


Burkesuchus mallingrandensis: Neues Landkrokodil aus dem Jura Chiles

Fernando E. Novas vom Museo Argentino de Ciencias Naturales in Buenos Aires und sein Team beschreiben in ihrer neuen Studie ein neues prähistorisches Krokodil: Burkesuchus mallingrandensis wurde in der oberjurassischen Toqui-Formation im Süden Chiles entdeckt und ist dort eines der wenigen an Land lebenden Krokodile. B. mallingradensis lebte in der gleichen Gegend, wo auch titanosauriforme und diplodocoide Sauropoden und der pflanzenfressende Theropode Chilesaurus diegosuarezi vorkamen. Es lebte vor etwa 145 Ma.

 

Burkesuchus war ein sehr kleines Landkrokodil und erreichte nur etwa 70cm Länge. Die phylogenetische Analyse unterstützt dabei Burkesuchus als basalen Vertreter der Mesoeucrocodylia. Diese neue Entdeckung erweitert die dürftige Aufzeichnung nicht pelagischer Vertreter dieser Klade für den Jura und unterstützt zusammen mit Batrachomimus aus dem Oberjura Brasiliens die Idee, dass Südamerika eine Wiege für die Entwicklung abgeleiteter Krokodilformen während des späten Jura war.

 

Lebendrekonstruktion von Burkesuchus mallingrandensis von Gabriel L. Lio.

Kurzmeldungen KW 31:

Bestattung als Mann UND als Frau: Krieger aus finnischem Grab hatte das Klinefelter-Syndrom

Ausrüstung eines Kriegers vom Schlachtfeld an der Tollense

3.000 Jahre altes Gräberfeld und 250 Urnen bei Stendal entdeckt

Gesteinsprofil bei Salzgitter wird weltweiter geologischer Referenzpunkt!

Älter als die Pharaonen: Forscher stoßen auf Gräber einer vergessenen Zivilisation

Bohnen und Asche: Die Ernährung der Gladiatoren

Einige Urzeit-Krokodile besaßen keine Schuppen

15.000 Jahre alte unbekannte Viren im Gletschereis von Tibet entdeckt

Kanadisches Fossil belegt: Pilze gab es wohl schon vor einer Milliarde Jahren!

Wetterextreme beeinträchtigen globales Pflanzenwachstum


Kurzmeldungen KW 32:

Das Schamenengrab von Bad Dürrenberg

Energiewende: Länder mit zu langsamer Transformation haben erhöhte wirtschaftliche Risiken

Sieben vulkanische Gefahrenzonen mit globaler Bedrohungslage identifiziert

Machu Picchu ist Jahrzehnte älter als gedacht

Zwei neue Koniferen-Arten aus der Kreidezeit Japans beschrieben

Reptil mit einzigartiger Zahnstruktur in Baden-Württemberg entdeckt


Eigene Beiträge:

Die Geschichte unserer Erde – Episode XI: Die Trias

Tierprofil: Palaeolibuella wyomingensis

Tierprofil: Leptoceratops gracilis

Update der Website

Ich habe außerdem wieder ziemlich intensiv an meiner Website gearbeitet und vor allem die Kategorie „Veranstaltungen“ nun endlich mit einigem Leben gefüllt. Klick dich gerne mal durch und schau, was wir noch so alles vorhaben! Dort findest du viele nützliche Informationen zu Dino-Treffen, Lesungen und Fossiliensuchen, aber auch eine ausführliche Beschreibung der tollen Freizeitparks und Museen, die wir hoffentlich bald gemeinsam aufsuchen werden.

Wenn du an einem der baldigen Treffen mit dabei sein möchtest, sei schnell und schreib mir am besten noch heute eine Nachricht mit deinem Namen, der Namen der Personen, die du gern mitbringen möchtest, euren Adressen und einer Telefonnummer zur Kontaktaufnahme! Das kannst auf meiner Website, auf Facebook oder Instagram tun.


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag! Bleib gesund, und vielleicht sehen wir uns ja bald bei einem Treffen!

 

Viele Liebe Grüße,

Markus Peter Kretschmer

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