Wort zum Sonntag – 19.12.2021

Lesedauer: etwa 21 Minuten
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Einen schönen Vierten Advent wünsche ich dir! (19.12.2021)

 

Es ist wieder soweit: 2021 neigt sich dem Ende entgegen und ich schreibe gerade das letzte Wort zum Sonntag dieses doch wieder so merkwürdigen Jahres. Heute fasse ich noch einmal die letzten zwei Wochen zusammen, Silvester wird es dann auch einen Jahresrückblick hier geben. Trotz aller widrigen Umstände, trotz der immer noch bestehenden Gefahr durch Corona, war 2021 für mich eigentlich gar kein so schlechtes Jahr. Doch natürlich gibt es noch lange keinen Grund, sich Hoffnungen zu machen, dass wir diese ganzen Einschränkungen, die uns seit nunmehr fast zwei Jahren begleiten, endlich einmal hinter uns lassen können.

 

 

Leider, so muss man es wirklich sagen, haben wir als Staat und als Gemeinschaft versagt. Natürlich nicht alle von uns. Die meisten, wahrscheinlich auch du und ich, waren vernünftig, haben all ihre Kraft aufgebracht, sich solidarisch zu zeigen und verstanden, dass wir nur gemeinsam eine Chance haben, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch das haben wir nicht. Eine kleine Minderheit von Extremisten hat es geschafft, so viel Zweifel und Unsicherheit zu streuen, dass fast ein Drittel der Bevölkerung bislang versäumt hat, die einzige Waffe im Kampf gegen ein Virus fest und entschlossen in die Hand zu nehmen. Es ist zum aus der Haut fahren: Jetzt haben wir seit einem Jahr den Impfstoff und die Möglichkeit, Corona flächendeckend zu einer harmlosen Erkältungskrankheit zu machen, die Krankenhäuser zu entlasten und unser normales Leben wieder zurückzubekommen. Dazu hätte nur jeder mitmachen müssen.


Spaltung? Nein Danke!

Stattdessen haben wir uns über so viele Dinge in die Haare bekommen. Wir sind wütend aufeinander. Schuldzuweisungen werden hin und hergeschoben, in der Politik, aber auch in der Gesellschaft. Überall das Wort Spaltung, dass ich wirklich nicht mehr hören kann. Leute, es ist Weihnachten. Und der einzige, der einen Grund zum Feiern hat, ist weiterhin dieses Virus. Das macht mich wirklich sehr traurig. Leute, vergesst doch bitte nicht: Pandemien dauern, so hat die Geschichte gezeigt, nicht ewig. Aber auch nicht kurz. Sie dauern zwischen drei und fünf Jahren, bis es ein neuartiges Virus geschafft hat, endemisch zu werden und sich an seine Wirte anzupassen. Danach wird es harmloser, es tötet nur noch selten, und alle einschränkenden Maßnahmen werden unnötig. Danach sind wir aber trotzdem noch Nachbarn und Mitmenschen. Es wäre schade, wenn wir danach aber keine Freunde mehr sein könnten, egal, ob wir uns impfen gelassen haben oder auch nicht.

 

 

Die Geimpften sind keine besseren Menschen. Die meisten haben es ja nicht allein aus Solidarität, sondern auch aus Eigennutz getan, weil sie dann weniger Einschränkungen zu ertragen hatten. Genauso ist man kein schlechter Mensch, nur weil man Angst hat oder einfach nur verunsichert ist. Hört endlich auf, einander zu verurteilen! Führt wieder sachliche Gespräche und Diskussionen, und hört den anderen einmal zu! Erweitert euren Horizont, holt euch Informationen, und werdet endlich wieder vernünftig. Und dieser Apell geht an beide Seiten!


Ankündigungen

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Spendenaktion: Hungerhilfe für Madagaskar

Viele Leute besinnen sich in der Weihnachtszeit darauf, dass es in vielen Teilen der Welt anderen Menschen nicht so gut geht wie ihnen selbst. Die Menschen auf Madagaskar leiden z.B. unter der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren. In einigen Regionen des Inselstaats vor der afrikanischen Westküste hat es seit mehreren Jahren nicht mehr geregnet – viele Felder sind ausgetrocknet. Die Dürre hat zu Ernteausfällen geführt und diese zu einer Ernährungskrise. 1,3 Millionen Menschen haben aktuell zu wenig zu essen, schätzt das Welternährungsprogramm. Ob diese Dürre auch wie so viele der Katastrophen unserer Tage auf den Klimawandel zurückzuführen ist, konnte aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht bestätigt werden.

 

 

 

Das Fest der Liebe rückt nun näher, und viele von euch möchten gerade in dieser Zeit vielleicht noch etwas Gutes tun. Die Welthungerhilfe hat ein Spendenkonto eingerichtet, um die notleidende Bevölkerung Madagaskars zu unterstützen. Vielleicht kannst auch du helfen?

Paläo-News

Zum Jahresende geben die Forscher noch einmal Vollgas. So schnell, dass ich mit dem Abfassen meiner Artikel wieder kaum hinterherkomme. Auch mit den neuentdeckten Dinos ist offenbar noch nicht Schluss: Auch in den letzten zwei Wochen sind wieder welche dazugekommen. Und es gibt noch viele andere brandheiße Paläo-News! Legen wir also los:

 

Highlight Paläo-News


Wer hat die kleinen Säugetiere von Ittenheim getötet?

Kleine Fleischfresser sind dafür bekannt, Vorratsspeicher anzulegen, oder ihre Beute immer vom Ort des Risses fortzuschleppen und erst an einem anderen, für sie sicheren Ort zu fressen. Knochenansammlungen von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, die im Fossilbericht aus dem Quartär auftauchen (bis 2,7 Ma alt) können also von kleinen Raubtieren zusammengetragen worden sein. Im Vergleich zu denen nachtaktiver Greifvögel sind diese Ansammlungen jedoch noch schlecht dokumentiert und basieren im Allgemeinen auf einer noch sehr begrenzten Anzahl von Probenbeispielen, und die bekannten haben auch nur eine relativ geringe Größe.

 

Aurélien Royer von der Université Bourgogne Franche-Comté in Dijon (Frankreich) und ihr Team analysierten in ihrer neuesten Arbeit die Überreste von Kleintieren, darunter vor allem die europäischer Hamster, aus einer Grabung im französischen Ittenheim, die aus einem verfüllten Bau drei Meter unter der aktuellen Oberfläche geborgen wurden. Die Überreste sind gut erhalten und weisen auch an mehreren Stellen Zahnspuren auf.

 

Vergleiche mit einer neuen und bestehenden Referenzsammlung in Kombination mit einer Analyse aller geborgenen Faunenreste legen nahe, dass die Hamster von jungen Rotfüchsen erlegt, zu ihrem Bau geschleppt und dort gefressen wurden. Dort haben sie ihre Beute aber oft nicht vollständig verzehrt, sondern an manchen Körperteilen nur herumgenagt. Prähistorische Raubtier-Bauten können also einen hervorragenden Aufschluss über die Ökosysteme im Quartär geben, der bislang aber noch weitestgehend unerforscht geblieben ist.


Frösche schmecken wenig süß, vor allem aber bitter

Der Geschmackssinn liefert Tieren wichtige Ernährungsinformationen zum Erkennen und Verzehren von Nährstoffen. Während die Wahrnehmungen von Umami und Süß uns verraten, dass das, was wir essen wahrscheinlich nahrhaft und „lecker“ ist, warnt uns die Wahrnehmung „bitter“ vor wahrscheinlich schädlichen, vielleicht sogar Giftigen Inhaltsstoffen. Die Neurologie hat in den letzten Jahren große Fortschritte in Bezug auf den tierischen Süß-/Umami-Geschmacksrezeptor (Tas1r) und den bitteren Geschmacksrezeptor (Tas2r) erzielt. Informationen über die Geschmäcker von Amphibien sind jedoch noch rar. Huaming Zhong von der Shangqiu Normal University (China) und sein Team schafften es in ihrer neuen Studie, das Repertoire der Tas1r/Tas2r-Gene durch die Suche nach derzeit verfügbaren Genomsequenzen in 14 Amphibienarten abzugrenzen. Diese Studie identifizierte 16 Tas1r1-, 9 Tas1r2- und 9 Tas1r3-Gene als intakt und weitere 17 Tas1r-Gene als Pseudogene – oder dass sie den 14 Amphibienarten schlichtweg fehlen.

 

Zwei Arten haben also die Empfindung für süß, sieben weitere die Empfindung für Umami verloren. Die meisten Frösche können dagegen jedoch vor allem bittere Geschmäcker sehr gut wahrnehmen. Eine Korrelation zu den Nahrungspräferenzen und der Entwicklung der Geschmackswahrnehmung bei Amphibien konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Die Entwicklung der Bittererkennung könnte aber eine wichtige Rolle bei der Anpassung von Wirbeltieren beim Übergang vom Wasser zum Land gespielt haben.


Geisterlinie: überlebten Mammuts in Nordamerika bis ins mittlere Holozän?

Wann genau starben die Wollhaarmammuts aus? Die jüngsten Fossilien der zottigen Eiszeit-Elefanten stammen von der Wrangel-Insel in Nordostsibirien und sind etwa 3.700 Jahre alt. Einer neuen Studie zufolge könnten aber auch in Alaska, im Gebiet des Yukon, noch während des mittleren Holozäns Wollhaarmammuts gelebt haben, wie eine neue Studie enthüllt.

 

Dank technologischer Fortschritte bei der Extraktion und Identifizierung uralter DNS, die genau wie Fossilien in die Erdschichten eingelagert und dort über Jahrtausende konserviert wurde, können Forscher die Anwesenheit von genetisch bekannten Tieren nachweisen, auch ganz ohne Knochenfunde. Genau das ist einem Forschungsteam um Tyler J. Murchie von der McMaster University in Hamilton (Kanada) nun gelungen. Sie analysierten Sedimentproben aus Permafrostschluffen in der Region Klondike im Yukon, wobei sie sich explizit die Schichten genauer ansahen, in denen die endlose Graslandschaft der eiszeitlichen Mammutsteppe verschwand – vor etwa 13.500 und 10.000 Jahren. Bislang hieß es, die Mammuts seien gleichzeitig dort ausgestorben.

 

Nachbildung der nordamerikanischen Mammutsteppe von Julius Csotonyi.

Doch dies ist offenbar falsch. Auch lange nach Verschwinden der Mammutsteppe scheinen dort einige Eiszeittiere noch ein Zuhause gefunden zu haben. Murchie und seine Kollegen konnten Genspuren von Wollhaarmammuts auch noch in 5.700 Jahre alten Proben entdecken. Diese sind deutlich jünger als der letzte Fossilnachweis dieser Tiere in Nordamerika. Neben der Mammut-DNS konnten auch genetische Spuren von Pferden ausgemacht werden, die bislang ebenfalls in der fraglichen Zeit auf dem amerikanischen Kontinent schon längst als ausgestorben galten.


Spurenfossil aus Spanien gibt Aufschluss über Geschwindigkeit großer fleischfressender Dinosaurier

Das Verhalten und die Biodynamik der Theropoden, also der Gruppe der Dinosaurier, zu der alle Fleischfresser gehören, sind ein hochspannendes Forschungsfeld in der Paläontologie. Besonders die Art und Weise ihrer Fortbewegung beschäftigt die Forscher bis heute. Es gibt nämlich auf der ganzen Welt kein Tier, das sich heute noch auf eine ähnliche Art fortbewegt. Auch heutige Vögel kann man nur begrenzt als Vergleichsobjekte heranziehen. Die Theropoden zogen beim Laufen auch eine Menge Kraft aus ihrem Schwanz, der den Vögeln aber fehlt. Deshalb ist es nach wie vor ziemlich schwierig herauszufinden, wie schnell Theropoden laufen konnten.

 

Zur Klärung dieser Fragen sind deshalb nicht nur biomechanische Modellstudien von Bedeutung, sondern vor allem die fossilen Fußabdrücke. Ist eine Fährte lang genug, können Forscher aus Werten wie Schrittlänge, Einsinktiefe u.a. ablesen, mit welcher Geschwindigkeit sich ein Tier bewegte. So finden sie heraus, ob es dabei wirklich Stoff gab, oder ob es nur einen langsamen Spaziergang machte. Zwei aufschlussreiche Fährten wurden von Pablo Navarro-Lorbés von der Universidad de La Rioja (Spanien) und seinem Team erforscht. Sie stammen aus der frühkreidezeitlichen Enciso-Gruppe von Igea.

 

Ihre Geschwindigkeitsanalyse zeigt, dass diese Fährten von sehr schnell laufenden Tieren hinterlassen wurden. Der Dinosaurier der ersten Fährte bewegte sich mit einer Geschwindigkeit zwischen 23,5 und 37,1km/h fort. Der zweite war sogar noch schneller unterwegs, mit 31,7 bis 44,5km/h. Ausgehend von der Größe der Spuren und mit Blick auf den Fossilbericht haben die Forscher schon eine Vermutung zum Verursacher. Wahrscheinlich war dort entweder ein Spinosaurier oder Carcharodontosaurier in ziemlicher Eile unterwegs.


Chicxulub-Meteorit traf die Erde im Frühsommer

Ein gewaltiger Meteoriteneinschlag am Ende der Kreidezeit löste das letzte große Massenaussterben der Erde aus. Dabei wurden rund 75% der Artenvielfalt unserer Erde vernichtet. Die Abläufe und die Folgen der Katastrophe sind nach ausgiebigen Forschungen schon recht gut bekannt. Aber viele Details des genauen Herganges sind immer noch unklar. Z.B. war bislang nicht bekannt, zu welcher Tages- und Jahreszeit der Einschlag passierte.

 

Robert A. DePalma von der University of Manchester (UK) und seine Kollegen sind einem dieser Geheimnisse aber nun auf die Spur gekommen. Sie führten im Rahmen ihrer Studie histologische und histoisotopische Analysen an fossilen Fischen durch, die in North Dakota entdeckt wurden. Wahrscheinlich kamen diese Fische direkt nach dem Einschlag ums Leben. Die einzigartigen Fossilien enthielten nämlich winzige Glaskügelchen. Dies sind direkte Hinweise auf einen unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang zur Katastrophe, und damit ein wissenschaftlicher Jackpot! Die von den Forschern entdeckten Isotopen-Muster, sowie bestätigende Daten aus der Ontogenese (Wachstumsfortschritt der Fische) und Hinweise auf die Insekten, von denen die Fische sich ernährten, geben Grund zu der Annahme, dass sich der Meteoriteneinschlag im Frühsommer auf der Nordhalbkugel ereignete, kurz nach der Laichzeit.

 

Schlagzeilen wie „Dinosaurier starben im Frühling aus“, wie sie gerade durch die Presse gehen, sind aber natürlich schlecht recherchierter Unsinn. Die in der Studie ermittelten Daten legen den Frühsommer lediglich als Zeitraum nahe, in dem der Meteorit die Erde traf. Das anschließende Massenaussterben vollzog sich jedoch deutlich langsamer und geschah nicht über Nacht. Noch Jahrhunderte, wahrscheinlich Jahrtausende nach der Katastrophe haben auf der sich allmählich erholenden Erde noch Dinosaurier gelebt, Eier gelegt und ihre Jungen aufgezogen. Sie wurden dabei aber immer seltener und seltener. Wann der letzte Nichtvogel-Dinosaurier starb, ist wissenschaftlich bislang nicht zu klären. Das könnte aber durchaus auch in einem Winter geschehen sein, viele Jahrtausende nach dem Einschlag.


Der alte Mann mit Brucellose: ältester Nachweis einer Zoonose beim Neandertaler

Das Skelett des alten Mannes von La Chapelle-aux-Saints, ein Neandertaler, der vor etwa 50.000 Jahren lebte und das für seine Zeit recht hohe Alter von knapp unter 60 Jahren erreichte, ist bekannt für die fortgeschrittene Osteoarthritis an seiner Wirbelsäule und am Hüftgelenks. Die harten Lebensumstände seien Ursache für das späte Leiden und letztlich den Tod des Mannes, so dachte man jedenfalls.

 

Eine neue Studie von Bruce Rothschild vom Carnegie Museum in Pittsburgh (USA) und Martin Haeusler von der Universität Zürich (Schweiz) fügt jedoch ein interessantes Detail dazu: bei einer neuen Inaugenscheinnahme der pathologischen Läsionen an den Knochen zeigten sich auch Erosionen an mehreren nicht zusammenhängenden Wirbeln und eine reaktive Knochenbildung, die weit über das linke Hüftgelenk hinausreicht. Dies legt die zusätzliche Diagnose einer Brucellose nahe: eine bakterielle Infektion, die nach dem Verzehr von rohem Fleisch auftreten kann.

 

Die Forscher sind sich sicher, hier den frühesten sicheren Beweis für eine Zoonose bei einem Menschen nachgewiesen zu haben. Eine Zoonose ist die Übertragung einer Krankheit vom Tier zum Menschen (ähnlich wie z.B. auch Ebola oder Covid-19). Eine Brucellose kann in manchen Fällen auch zur Unfruchtbarkeit führen. Damit könnte der Nachweis dieser Krankheit auch ein wichtiger Schlüssel bei der Erklärung des Populationsrückgangs der Neandertaler sein.


Dinosaurierfährte im Iran entdeckt

Markus Wilmsen vom Senckenberg Museum für Mineralogie und Geologie in Dresden und seine Kollegen beschreiben in ihrer neuesten Arbeit einen neuen Fund gut erhaltener Dinosaurierfährten, die in der spätkreidezeitlichen Farrokhi-Formation im Khur-Gebiet im zentralen Iran entdeckt. Die weitgehend unbestimmten Fußabdrücke, von denen einige auch direkt übereinander liegen, können als natürliche Formen (d. h. konkave Epireliefs) klassifiziert werden. Sie werden von einem erhöhten Rand aus verdrängten Sedimenten begrenzt.

 

Manche der Trittsiegel erreichen Durchmesser von bis zu 0,5 m. Sie wurden unter sehr flachen bis subaerialen Bedingungen in inter- bis supratidalem Milieu eingeprägt. Offenbar haben hier mehrere Tiere nacheinander ihre Spuren hinterlassen. Zunächst geschah das im weichen, feinkörnigen Karbonatsand und anschließend in einen oberflächlich ausgehärteten Untergrund, der darunter noch weich war. Die Änderungen der Substratkonsistenz werden durch ein auffälliges Rissmuster um die Fußabdrücke unterstützt.

 

Die Details der Fußmorphologie der Spurenverursacher konnten allerdings nicht erfasst werden. Es handelt sich aber überwiegend um Sauropodenfährten. Dennoch ein wichtiger Fund: es ist mit etwa 70Ma der jüngste bekannte Nachweis von Dinosaurier-Spuren aus dem Nahen Osten.


Brevirostruavis macrohyoideus: Neuer Enantiornithide aus China mit verlängerter Zunge

Die weltweit verbreiteten Enantiornithes, eine Gruppe heute ausgestorbener Vögel, war die artenreichste des späten Mesozoikums. Sie brachte schon zu Zeiten der Dinosaurier ein breites Spektrum an Körpergrößen, Morphologien und ökologischen Nischen hervor. Das Fossil eines neuen enantiornithinen Vogels, von Zhiheng Li von der chinesischen Wissenschaftsakademie in Beijing und seinen Kollegen in ihrer neuen Studie als Brevirostruavis macrohyoideus, ist derzeit das neueste Exemplar der Enantiornithes.

 

Lebendrekonstruktion von Brevirostruavis macrohyoideus von Zhiheng Li.

Das Fossil stammt aus der Jiufotang-Formation der unteren Kreide in der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas. Es zeigt einige wichtige Skelettmerkmale, die zuvor bei frühen Stamm- und erhaltenen Vögeln unbekannt waren. Darunter ist ein extrem längliches knöchernes Zungenelement, nur etwas kürzer als der Schädel. Das lange Zungenbein liefert direkte Beweise für die Entwicklung der spezialisierten Nahrungsaufnahme von Brevirostruavis. Es ähnelt der hochmobilen Zunge von heutigen Kolibris, Honigfressern und Spechten.

 

Die wahrscheinliche Verbindung zwischen Nahrungsaufnahme und Zungenvorwölbung könnte ein Schlüsselfaktor bei der Entwicklung besonders langgestreckter Hyobranchials bei frühen Vögeln gewesen sein. Sie entwickelte sich offenbar unabhängig bei vielen unterschiedlichen Vogelfamilien.


Hermann Löns und sein Quintär

Heute diskutieren Geologen auf der ganzen Welt über den Begriff des Anthropozäns. Der Einfluss des Menschen auf unseren Planeten ist so gewaltig, dass er sich inzwischen nicht nur biologisch und klimatologisch, sondern sogar stratigraphisch – also in den Erdschichten- bemerkbar macht. Doch diese Diskussion ist offenbar schon deutlich älter. Schon im Jahre 1908 entwarf der berühmte Jäger und Schriftsteller Hermann Löns das Konzept eines „Quintärs“, um geologische und biologische Erscheinungsformen des Menschenzeitalters zu beschreiben. Löns‘ Definition des „Quintärs“ bestand aus zwei Komponenten: einer lithostratigraphischen (mit Blick auf die Geologie) und einer faunistischen (auf die Tierwelt). Mit Blick auf die stratigraphische Komponente nahm Löns bereits den Ansatz der heutigen Diskussionen zur Grundlage. Als Merkmal des Quintären Lithosoms enthält es alle Ablagerungen, in denen natürliche Sedimentprozesse durch anthropogene oder technogene Aktivität ersetzt oder modifiziert wurden.

 

Hermann Löns (*1866; † 26. 1914)

Jahn Hornung vom Landesmuseum Hannover hat in seiner neuen Arbeit (bislang noch ohne Peer Review, nur als Pre-Print verfügbar) den Ansatz von Löns genau überprüft. Frühere Vorschläge, die jüngste Periode der Erdgeschichte neu zu definieren, indem ein biostratigraphisches Schema verwendet wird, das auf Menschen und ihren kulturellen Manifestationen basiert, lehnt er für den Bereich der geologischen Stratigraphie ab. Für den Kontext der archäologischen Stratigraphie jedoch schlägt er vor, die Phase der kulturellen Manifestationen von Menschen und ihren entsprechenden Ablagerungen als das anthropologische Alter bzw. die Ablagerungen zu definieren.


Rhomaleopakhus turpanensis: Mamenchisaurid aus China bekommt neuen Namen

Der als Hudiesaurus sinojapanorum beschriebene Sauropode aus dem späten Jura aus dem Nordwesten Chinas, der auf der Basis eines Halswirbels, vier Zähnen und einer fast vollständigen Vordergliedmaße im Jahre 1993 entdeckt und einige Jahre später beschrieben wurde, ist im Zuge einer Neubewertung des Materials und einer Vergleichsstudie mit anderen Taxa neubenannt worden. Offenbar handelt es sich bei den gefundenen Fossilien um die Überreste verschiedener, aber eng verwandter Dinosaurier. Zu diesem Schluss kamen jedenfalls Paul Upchurch vom University College of London (UK) und seine Kollegen in ihrer neuen Studie.

 

Upchurch arbeitet schon seit fast 20 Jahren an den Fossilien und hat die Zusammengehörigkeit bereits 2004 erstmals angezweifelt. Den Wirbel könne man als Holotyp-Exemplar von Hudiesaurus beibehalten, doch die Vordergliedmaßen müssen einem neuen Taxon zugeordnet werden, das nun den Namen Rhomaleopakhus turpanensis trägt. Der Gattungsname bedeutet „starker Vorderarm“, der Artname bezieht sich auf den Fundort in der chinesischen Turpan-Region.

 

Lebendrekonstruktion von Rhomaleopakhus von Cisiopurple.

Die Zähne, die früher als Hudiesaurus bezeichnet wurden, sind schlecht erhalten, ähneln jedoch denen einiger anderer Mamenchisaurier aus Ostasien, wie beispielsweise Mamenchisaurus sinocanadorum. Phylogenetische Analysen bestätigen, dass Hudiesaurus das Schwestertaxon von Xinjiangtitan ist. Mamenchisaurier und Titanosaurier konvergierten zu jener Zeit vor etwa 145 Ma möglicherweise um Nahrungsquellen. Dies brachte manche Arten dann dazu, kräftigere und längere Vorderbeine zu entwickeln. Damit büßten sie zwar ihre Fortbewegungsfähigkeit etwas ein, konnten sich aber dafür eine eigene ökologische Nische erschließen und von hohen Bäumen fressen.


Vectiraptor greeni: Neuer Dromaeosaurier aus England

Aus der Unterkreide von England ist eine große Artenvielfalt von Dinosauriern bekannt, darunter Ornithischier, Sauropoden und Theropoden. Nicholas R. Longrich von der University of Bath (UK) und seine Kollegen beschreiben in ihrer aktuellen Arbeit einen neuen Dromaeosaurier, Vectiraptor greeni.

 

Die Fossilien, bestehend aus Rückenwirbeln und einem partiellen Kreuzbein, stammen aus der etwa 125 Ma alten Wessex Formation von der Isle of Wight. Der lateinische Name des Dinosaurier bezieht sich auf eben diese Insel: er bedeutet „Dieb von Wight“.

 

Lebendrekonstruktion von Vectiraptor von Cisiopurple.

Die Merkmale der Fossilien deuten auf einen recht großen Dromaeosaurier von etwa 3m Länge hin. Vectiraptor ähnelt Eudromaeosauriern aus der frühen Kreidezeit aus Nordamerika, was auf einen Faunenaustausch zwischen Europa und Nordamerika hindeutet. Die vielfältige Dinosaurier-Ansammlung der frühen Kreidezeit, die in England und Europa gefunden wurde, resultierte aus der Verbreitung aus Nordamerika, Asien und West-Gondwana, die wahrscheinlich sowohl Landbrücken als auch ozeanische Verbreitung umfasste. Die kreidezeitliche Inselwelt Europas diente in der Unterkreide als biotischer Kreuzungspunkt, der den Faunenaustausch zwischen diesen Landmassen ermöglichte.


Denisovaner oder Homo sapiens: wer waren die ersten Bewohner des tibetischen Hochlands?

Das tibetische Plateau galt lange Zeit als einer der letzten Orte, die von Menschen bevölkert wurden. Eine neue Studie von Peiqi Zangh von der University of California und ihren Kollegen legt einige Hinweise vor, dass unsere heute ausgestorbene Geschwisterspezies, die Denisova-Menschen, schon vor etwa 160.000 Jahren das Dach der Welt erreichten – 120.000 Jahre früher als der Homo sapiens. Wahrscheinlich waren sie ebenfalls ähnlich wie die heutigen Tibeter an das Leben in großen Höhen angepasst.

 

Die Forscher integrierten archäologische und genetische Belege, die für die menschliche Verbreitung, Besiedlung und Anpassung in der Region von großer Relevanz sind. Sie schlagen dabei zwei überprüfbare Modelle vor, um die Besiedlung des Plateaus im breiteren Kontext der Verbreitung von H. sapiens und auch ihrer Begegnungen mit Denisovanern in Asien zu erforschen. Die bisherigen Daten deuten auf vier Hauptbesiedlungsperioden hin, beginnend mit den Denisovanern vor etwa 160.000 Jahren und gefolgt von drei Perioden von Homo sapiens, die vor etwa 40.000 Jahren, vor 16.000 Jahren und schließlich in einer letzten Welle vor 8.000 Jahren ankamen.

 

Zwischen den einzelnen Wellen bestanden Jahrtausende lange Lücken. In denen haben sich die Populationen wahrscheinlich jeweils alle an die extremen Lebensbedingungen im Hochplateau angepasst. Vielleicht besaßen die Denisova-Menschen aber schon im Vornherein eine Gewisse Toleranz für Hochgebirge. Basierend auf der DNS aus dem Fingerknochen eines Mädchens aus dem Altai-Gebirge konnte ein dem EPAS1-Gen sehr ähnlicher Haplotyp festgestellt werden, das Menschen dazu in die Lage versetzt, den Sauerstofftransport im Blut zu verbessern. Die meisten modernen Tibeter tragen eine hohe Frequenz dieses EPAS1-Gens.


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Eigene Beiträge

Die meisten meiner Leser haben es wahrscheinlich schon gemerkt: ich komme in letzter Zeit kaum noch dazu, eigene Artikel zu schreiben. Meine Serien liegen gerade auf Eis, weil ich an mehreren anderen Projekten arbeite. Trotzdem habe ich immer mal wieder Zeit, an meiner Website zu arbeiten, und ein bisschen was zu verfassen. Die Liste der von mir besuchten Museen ist jetzt inzwischen vollständig und unter der Kategorie Partnerseiten zu finden. Dort findest du z.B. auch die beiden Museen bei mir im Norden Schleswig-Holsteins, mit denen ich selbst eng zusammenarbeite:

Tor zur Urzeit

 

Tor zur Urzeit Brügge


Geotanium

Geotanium Gettorf


Das war es für heute mit meinem Wort zum Sonntag. Ich wünsche dir jetzt noch einen schönen Vierten Advent, eine besinnliche Weihnachtszeit, Frieden und vor allem Gesundheit für den Rest dieses nun bald endenden Jahres. Wir lesen uns bis dahin aber bestimmt nochmal!

Alles Gute,

Dein Markus Peter Kretschmer

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