Wort zum Sonntag – 20.06.2021

Lesedauer: etwa 22 Minuten
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Hallo und einen schönen Sonntag wünsche ich dir! (20.06.2021)

 

Ist das eine Hitze! Während ich das hier schreibe, steht mir schon der Schweiß auf der Stirn, und das liegt nicht an den spannenden Paläo-News oder weil ich schon so fiebrig auf die Veröffentlichung von Band II von „Die Weißen Steine – Blut der Sonne“ bin. Die bislang wärmsten Tage des Jahres liegen hinter uns, und sogar in Kiel, das ja zu dieser Jahreszeit eigentlich immer noch ganz erträglich ist, staut sich die Hitze. Man kann nur hoffen, dass die Gewitter, die heute angesagt sind, etwas Kühlung bringen – und hoffentlich wenig Schaden und Zerstörung.

 

Heute habe ich das letzte Mal mein Urzeit-Projekt im Museum, die Sommerferien haben bei uns auch schon begonnen. Eine Woche muss ich dann noch normal in meinem Betrieb arbeiten (ja… mehrere Jobs können schon schlauchen!), dann ist aber endlich Urlaub! Kleine Warnung vorweg: ich werde mich dann auch auf meiner Seite etwas einschränken. Die Paläo-News wird es dann erstmal bloß als Schlagzeile mit Link zur Studie geben. Du verpasst also nichts, lesen müsstest du dann allerdings selbst, weil ich dann keine Zusammenfassungen schreibe. Die kosten nämlich auch viel Zeit, und ich möchte dann endlich einmal etwas entspannen und mir über nichts Gedanken machen. Auch mit den Artikeln der Woche setze ich erst einmal aus. Mitte Juli, also ab dem 12.07., geht es dann ganz gewohnt weiter. Das nächste Wort zum Sonntag wird dann aber erst am 18.07. erscheinen.

 


Bild der Woche und Veröffentlichung von Band II – Blut der Sonne

Kommende Woche wird dann auch endlich Band II fertig sein! Ich kann es kaum erwarten! Schon jetzt kann ich euch das Cover präsentieren, das auch unser Bild der Woche geworden ist. Durchgesetzt hat sich mit knappem Vorsprung der anstürmende Triceratops. Das Bild mit dem Edmontosaurus kommt in Schwarzweiß aber trotzdem ins Buch! Beide Cover hat wie auch schon bei Band I unser Coverartist Brian J. Murphy (Wootusart) gefertigt.

Coverentwurf Band II A 20.06.2021

Ab wann und wo ihr Band II dann bestellen könnt, erfahrt ihr natürlich hier zuerst, und ebenfalls auf Facebook und Instagram. Der erste Band, „Neue Alte Welt“, ist bereits in der Neuauflage bei Amazon erhältlich. Weiterhin gilt meine ganz, ganz dringende Bitte: ich brauche Rezensionen! Wenn du mein Buch bestellt und gelesen hast, schreib mir doch bitte ein paar Worte und lass mir ein paar Sterne (am besten fünf!) da, damit auch andere Leute auf mich aufmerksam werden und sich das Buch in den Verkaufslisten hält. Damit unterstützt du meine Arbeit und auch diese Seite hier wirklich sehr!

 

Wenn du ein Buch (bislang erst noch Band I, den gibt es ja schon!) bestellen möchtest, dann kannst du das übrigens am besten direkt über den nun folgenden Affiliate-Link bestellen. Auch dadurch bekomme ich eine kleine Provision – und dich kostet es überhaupt nichts extra! Das gilt übrigens auch für alle anderen Links: immer, wenn du IRGENDETWAS auf Amazon kaufst, kannst du es über einen meiner Links tun. Das bringt zwar meistens nur ein paar Cent, aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.


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Erlebe ein packendes Dinosaurier-Abenteuer!

»Die weißen Steine – Neue Alte Welt« entführt Dich direkt in die Kreidezeit, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen.

 

Ein greller Lichtblitz setzt der Klassenfahrt der 10b ein jähes Ende. Aus voller Fahrt rast ihr Bus gegen einen Baum. Der Busfahrer stirbt beim Aufprall, die beiden Lehrer werden schwer verletzt. Doch das Merkwürdigste: Die Landschaft hat sich verändert. Tropische Pflanzen, exotische Vögel und die sommerliche Wärme lassen keinen Zweifel, dass sich die Klasse nicht mehr in Deutschland befindet.

 

Bald schon machen die Schüler Bekanntschaft mit mächtigen Kreaturen der Urzeit. Was sie indes nicht ahnen: Mit ihnen ist auch Captain John Coleman von der US Army 66 Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert worden. Ein missglücktes Militärexperiment ist der Grund für die unfreiwillige Zeitreise. Auch er muss sich nun durchschlagen, und zwar völlig auf sich gestellt. Doch bald bekommt er eine Gesellschaft, mit der er niemals gerechnet hätte …

 

Die Weißen Steine – Neue Alte Welt: Zeitreise in die Welt der Dinosaurier hat in der 2. Auflage von 2021 280 Seiten und ist ab sofort erhältlich.


Paläo-News

Die Urzeitnachrichten haben sich in den letzten Wochen geradezu überschlagen. Wegen der Arbeit an Band II, der Schule und meinen Projekten kam ich beim Abfassen der Meldungen gar nicht mehr hinterher. Und trotzdem sind es wieder 15 Artikel geworden. Vieles, was liegenbleiben musste, konnte deshalb nur als Kurzmeldung abgefasst werden. Also schaut unbedingt mal unten in die Links, da sind trotzdem einige interessante Dinger dabei!


Australotitan cooperensis: neuer Riesen-Sauropode aus Südaustralien

Auf einer Rinderfarm in Südaustralien, inmitten der Winton-Formation des Eromanga-Beckens (Südaustralien), wurden bereits vor rund 14 Jahren die Überreste eines großen Sauropoden entdeckt. Scott A. Hocknull vom Queensland Museum in Brisbane und seine Forschungskollegen beschrieben aus dem geborgenen Material nun einen neuen Dinosaurier: Australotitan cooperensis.

Landschaftsbild mit Australotitan vom Eromanga Natural History Museum.

Die Fossilien gehören zu gleich vier Individuen unterschiedlichen Alters, offenbar einer kleinen Herde. Die Individuen tragen die Spitznamen Zac, Syd, Tom und Cooper. Das größte, Cooper, wird auf eine Länge von 25 bis 30m geschätzt. Damit ist Australotitan nicht nur der größte jemals in Australien gefundene Dinosaurier, sondern ist sogar ähnlich groß wie seine Verwandten aus Südamerika.

Forscher vermuteten schon lange, dass in Australien, das während der Kreidezeit vor etwa 95 Millionen Jahren noch in der Nähe des Südpols lag, auch große Titanosaurier herumstreiften. Wie Südamerika und Afrika war Australien nämlich einst ein Teil Gondwanas, des großen Südkontinents. Zwar war dieser in der Kreide bereits auseinandergebrochen, durch Landbrücken waren die einzelnen Landmassen aber immer wieder mal miteinander verbunden. Australotitan ist somit auch ein wichtiger Schlüssel zur Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte der großen Sauropoden.

Lebendrekonstruktion von Australotitan von CisioPurple.

Die Herkunft der Säbelzähne

Säbelzähne haben sich bei fleischfressenden Säugetieren mehrfach unabhängig entwickelt. Sogar bei einer Beuteltiergruppe aus Südamerika traten die auf (Thylacosmilus). Besonders bekannt sind aber wohl die Katzen. Einige der extremsten Säbelzahnadaptionen finden sich innerhalb der Barbourofelinae. Der evolutionäre Ursprung dieser Gruppe ist jedoch seit mehr als 170 Jahren ungewiss, und auch, ob diese Gruppe den „Scheinsäbelzahnkatzen“ (Nimravidae) oder den echten Säbelzahnkatzen nahesteht.

Barbourofelis mit Schädel, Illustration von Mauricio Antón.

Paul Z. Barrett, Samantha S. B. Hopkins und Samantha A. Price haben nun die Gültigkeit von drei unabhängigen Säbelzahn-Kladen innerhalb der Carnivora mithilfe eines neuen Ansatzes untersucht. Sie führten eine vollständig evidenzbasierte Bayesian-Analyse über alle großen Fleischfresserfamilien hinweg durch, wobei sie das als Fossilbeleg vorliegende Material von der Geburt bis zum Tod der Tiere als Modell (FBD) rekonstruierten. Dabei verglichen sie 223 morphologische Merkmale, nukleäre und mitochondriale Gensequenzen und schauten auch, wo und in welcher Zeit die Tiere genau vorkamen.

Schädel und Rekonstruktion von Nimravus, Illustration von Carl Buell.

Die so gewonnenen Daten platzieren die Barbourofelinae als abgeleitete Mitglieder der Nimravidae sowie als Schwestergruppe der Nimravini. Sie haben sich wahrscheinlich zuerst in Europa entwickelt, stießen dann aber auch rasch auf andere Kontinente vor, wo sie sich weiter diversifizierten. Dies steht in direktem Gegensatz zu früheren Hypothesen für diese Gruppe.


Neue Studie zur Größe von Mega-Hai Otodus megalodon!

Otodus megalodon war wohl der größte fleischfressende Hai, der je gelebt hat. Allerdings wird trotz über hundertjähriger Forschung noch immer über seine Größe diskutiert. Der heutige Weiße Hai, Carcharodon carcharias, gilt als das beste lebende ökologische Analogon zum ausgestorbenen Monster-Hai und war die Grundlage für alle bisherigen Körperlängenschätzungen. Diese basierten zumeist auf einer linearen Beziehung zwischen der Zahnkronenhöhe und der Gesamtkörperlänge bei C. carcharias. Bei Anwendung dieser Methode auf ein assoziiertes Gebiss von O. megalodon (UF-VP-311000) reichten die Schätzungen für dieses einzelne Individuum jedoch von 11,4 bis 41,1 m. Diese stark variablen Schätzungen zeigten ein deutliches Muster, bei dem Frontzähne zu niedrigeren Schätzungen führten als Seitenzähne. Folglich dürften viele frühere Größenschätzungen starken Fehlinterpretationen unterliegen.

Victor Perez vom Florida Museum of Natural History wendete nun mit seinen Kollegen eine neuartige Methode an, die auf der summierten Kronenbreite assoziierter fossiler Zähne basiert, die die mit verschiedenen Zahnstellungen verbundene Variabilität deutlich mildert. Die Methode geht von einer direkten Proportionalität zwischen dem Verhältnis von summierter Kronenbreite zu Körperlänge bei ökologisch und taxonomisch verwandten fossilen und modernen Arten aus. Die Gesamtkörperlänge wurde von 11 Individuen geschätzt, die fünf Arten der Makrelenhaie repräsentieren: Otodus megalodon, Otodus chubutensis, Carcharodon carcharias, Carcharodon hubbelli und Carcharodon hastalis.

Für den größten bekannten isolierten oberen Zahn von O. megalodon ergab die Schätzung nach der neuen Methode nun eine Körperlänge von sage und schreibe 20m. Allerdings ist dieses Ergebnis natürlich wie immer mit Vorsicht zu genießen: der Weiße Hai ist gar nicht so eng mit O. megalodon verwandt. Er steht sogar den Makohaien noch näher. Was für eine Körperform O. megalodon hatte, ist immer noch unbekannt, sodass auch die Größe immer nur unter Vorbehalt geschätzt werden kann.


Massensterben vor 19 Millionen Jahren dezimierte die Haie

Haie sind eine der ältesten und widerstandsfähigsten Tiergruppen der Erdgeschichte. Sie überlebten die vier größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Allerdings stehen sie heute einer schweren Krise gegenüber: in den letzten Jahrzehnten aufgrund von Überfischung und anderen anthropogenen Stressfaktoren wurde ihre Zahl stark dezimiert; die langfristigen Auswirkungen solcher Veränderungen in der Häufigkeit und Vielfalt mariner Raubtiere sind jedoch kaum begrenzt.

Elizabeth C. Sibert und Leah D. Rubin präsentieren in ihrer neuen Studie Belege, dass die Haie einer ähnlichen Bedrohung schon einmal ausgesetzt waren. Im frühen Miozän vor 19 Millionen Jahren verschwanden Haie praktisch aus den fast fossilen Sedimenten des offenen Ozeans, wobei die allgemeine Häufigkeit um über 90% und die Artenvielfalt um über 70% zurückgingen.

Dieses abrupte Massenaussterben ereignete sich unabhängig von jedem bekannten globalen Klimaereignis und 2 bis 5 Millionen Jahre vor der Diversifizierung der weit wandernden, riesigen Wale, die heute pelagische Ökosysteme dominieren. Dies deutet darauf hin, dass das frühe Miozän eine Zeit des schnellen, transformativen Wandels für die Ökosysteme des offenen Ozeans war. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht bekannt.


Plesiopharos moelensis: neues Meeresreptil aus dem Unterjura Portugals entdeckt!

Im unteren Jura der Coimbra-Formation von Praia da Concha entdeckten Forscher ein neues Plesiosaurier-Teilskelett, das den größten Teil des Rumpfes umfasst, sowie auch Gliedmaßen- und Hüftknochen. Das neubeschriebene Exemplar repräsentiert eine neue Gattung und Art, Plesiopharos moelensis. Dieses Tier lebte dort vor etwa 195 Millionen Jahren.

Lebendrekonstruktion von Plesiopharos von Simaomateus.

Der Gattungsname bezieht sich auf den Fundort: er bedeutet so viel wie „Nahe beim Leuchtturm“, und tatsächlich wurden die Fossilien direkt neben dem Leuchtturm von São Pedro de Moel im zentralen Westen Portugals gefunden. Die phylogenetische Analyse stellt dieses Taxon an die Basis der Plesiosauroidea, die zu den bekanntesten Meeresreptilien des Erdmittelalters zählen.

Dieses Taxon repräsentiert die vollständigste und älteste Plesiosaurierart auf der Iberischen Halbinsel. Es ist auch das vollständigste, am besten erhaltene und älteste Meereswirbeltier in der Region, das zu einer Zeit lebte, als Meeresreptilien zum ersten Mal in das neu gebildete proto-atlantische Meer vordrangen, bevor sich der Atlantikboden in der Unterkreide ausbreitete.


Wie groß war „The Archbishop“?

Auf einer Expedition von Frederick William Migeod in Tansania wurden bereits 1926 die fragmentarischen Reste eines riesigen Sauropoden freigelegt. Diese Fundstelle liegt nur unweit des Ortes, wo Werner Janensch 1912 auf seiner Tendaguru-Expedition auch einen Sauropoden fand, der, der heute der „Star“ des Berliner Museums für Naturkunde ist. Beide Fossilien stammen aus etwa gleich alten Schichten, somit könnte der Migeod-Sauropode der gleichen Art angehören: Giraffatitan brancai (vormals Brachiosaurus)

 

Von Migeods Sauropode, das die Kennung NHMUK PV R5937 trägt und mit Spitznamen oft als „The Archbishop“ (Erzbischof) bezeichnet, wird oft behauptet, er wäre um mehr als ein Drittel größer gewesen als das Janensch-Exemplar in Berlin (MB.R.2181). Eine neue Untersuchung des Materials vom Archbishop ergab jedoch, dass man sich bei den Proportionen an vielen Stellen geirrt hat. Nach Mike Taylor war dieses Tier offenbar gar nicht größer als der Berliner Giraffatitan, und er könnte wegen der doch relativ großen Unterschiede auch zu einer völlig anderen Gattung gehört haben. Vielleicht war er nicht einmal ein Brachiosauride. Eine neue Studie könnte hier für mehr Klarheit sorgen – man darf also gespannt sein!

Skelettrekonstruktion vom „Archbishop“ von Scott Hartman.

Waren die Maori die Entdecker der Antarktis?

Die Vorfahren der Maori, der Ureinwohner von Neuseeland gehörten zu den besten Seglern der Menschheitsgeschichte. Vor etwa 700 Jahren setzten sie als erste Menschen überhaupt ihren Fuß auf die Inselwelt Neuseelands. Doch könnten sie noch zu einer bald noch spektakuläreren Seereise imstande gewesen sein.

Die Erzählungen von unterrepräsentierten Gruppen und ihre Verbindung zur Antarktis bleiben in der Forschungsliteratur schlecht dokumentiert und anerkannt. Ein neuer Kurzbericht von Priscilla M. Wehi vom Manaaki Whenhua Landcare Research in Dunedin (NZ) und ihren Kollegen untersuchten die mündlichen Überlieferungen, Literatur, Reliefschnitzereien und andere Relikte der Maori, der polynesischen Ureinwohner, die seit dem 14. Jahrhundert kursieren. In den historischen Aufzeichnungen der Maori wurden Geschichten über die Heldentaten eines alten polynesischen Entdeckers namens Hui Te Rangiora aufgezeichnet, der die Antarktis und das gefrorene Meer um sie herum viele Jahrhunderte vor der Ankunft westlicher Entdecker entdeckt haben soll. Maori-Artefakte weisen ebenfalls auf eine frühe polynesische Besiedlung auf der neuseeländischen Insel hin.

Hui Te Rangiora war ein polynesischer Häuptling aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. von der Insel Rarotonga, der größten der Cookinseln, die etwa 3.000 Kilometer nordöstlich von Neuseeland liegt. Rarotonga ist etwa 8.000 Kilometer von der Antarktis entfernt, die von Rarotonga-Segelschiffen auf Langstreckenreisen in Richtung Süden hätte erreicht werden können. Diese Schiffe könnten die beiden Hauptinseln Neuseelands als Zwischenstopp genutzt haben, bevor sie auf der Suche nach neuen Ländern weiter nach Süden segelten.


Cricosaurus albersdoerferi: Neue Art von Meereskrokodil aus Deutschland

Sven Sachs, Mark T. Young, Pascal Abel und Heinrich Mallison beschreiben in ihrer neuesten Arbeit ein neues und außergewöhnlich gut erhaltenes Skelett eines Meereskrokodils, das im oberen Jura der Torleite Formation von Painten in Bayern vom „Knochenjäger“ Raimund Albersdörfer entdeckt wurde. Ihm zu Ehren trägt das ausgestorbene Tier nun den Namen Cricosaurus albersdoerferi.

Das Exemplar zeigt eine Erhaltung des Weichgewebes und stellt eines der vollständigsten bekannten Skelette eines Metriorhynchiden dar. Die außergewöhnliche Erhaltung ermöglichte es den Forschern, die morphologische Variation der Schwanzregion bei den Metriorhynchidae, einem lange vernachlässigten Teil des Skeletts, zu erforschen.

Lebendrekonstruktion eines Cricosaurus von Luis Arturo Davalos.

Während des späten Oberjura gab es in der tropischen Insel- und Lagunenlandschaft des heutigen Süddeutschlands demnach mindestens vier verschiedene Cricosaurus-Arten. Sie unterscheiden sich u.a. in einem unterschiedlichen Aufbau des Schwanzes, der Nahrungsökologie und in der Anatomie des Schädels, der Wirbel und der Flossen. Diese bisher unerforschte Variation innerhalb der Metriorhynchidae weist auf Unterschiede in den Fortbewegungsfähigkeiten zwischen verschiedenen Arten hin.


Lebensraumanalyse bestätigt: junge Tyrannosaurier waren oft die einzigen mittelgroßen Theropoden in ihrem Ökosystem!

Überall, wo Dinosaurier lebten, gab es eine gut gemischte Verteilung aller möglichen ökologischen Nischen. Große, mittelgroße, kleine und ganz winzige Fleisch- und Pflanzenfresser hatten in den mesozoischen Ökosystemen alle ihren Platz. In den meisten Gemeinschaften gab es einen sehr großen Top-Beutegreifer, aber neben ihm auch fünf oder sogar mehr mittelgroße und kleine, die alle Jagd auf unterschiedliche Beute machten. Sogar in heutigen Ökosystemen ist es oft nicht anders.

Tyrannosaurus rex: Jungtiere und adultes Exemplar in der Hell Creek Formation; Bildquelle: Zubin Erik Dutta.

Thomas Holtz von der University of Maryland ist nun der Frage nachgegangen, warum es ausgerechnet dort, wo es große Tyrannosaurier gab, offenbar anders war. In seiner Studie untersuchte er die bestehenden Daten aus 60 Dino-Ökosystemen aus dem Jura und der Kreide (vor 201 bis 66 Ma). Zunächst zählte er die Anzahl der fleischfressenden Arten und ordnete sie in Größenklassen ein, mit mittelgroßen Prädatoren zwischen 50 und 1.000kg und großen über 1.000kg.

Ergebnis der Studie:

Die Analyse ergab, dass Tyrannosaurier in 31 Gemeinden nicht die größten Raubtiere waren und es eine breite Palette von Raubtieren in der Kategorie „mittelgroß“ gab, wo sie meist selbst mit dazu gehörten. In Asien und Nordamerika existierten diese Gemeinschaften vom Jura bis zum frühen Teil der späten Kreidezeit (vor 201 bis 80 Ma). Außerhalb Asiens und Nordamerikas existierten sie sogar noch bis zum Ende der späten Kreidezeit (vor 66 Ma). In den anderen 29 Ökosystemen waren Tyrannosaurier die größten und vermutlich dominanten Raubtiere mit einem Gewicht von über 1.000kg. In diesen Gemeinschaften waren mittelgroße Beutegreifer in der zweiten Hälfte der späten Kreidezeit (vor 80 bis 66 Ma) selten oder fehlten ganz. Zur Gegenprobe untersuchte Holtz dieselben Ökosysteme auf Verschiebungen in der Anzahl der Beutearten, wobei er aber keinen statistischen Unterschied fand. Es gab dort weiterhin große, mittelgroße und auch kleine Pflanzenfresser.

Holtz spekuliert, dass im Laufe der Evolution auch das Heranwachsen der Tyrannosaurier eine Pause einlegte, und sie längere Zeit in der „mittelgroßen“ Phase lebten, bevor sie einen Wachstumsschub bekamen und schließlich geschlechtsreif wurden. Dabei änderte sich ihr Körperbau und damit auch ihr Jagd- und Fressverhalten gravierend. Junge Tyrannosaurier waren deutlich graziler und schneller als ihre erwachsenen Artgenossen, und sie ernährten sich von ganz unterschiedlicher Beute. Auch das ist inzwischen bestätigt.


Neue Abelisauriden-Fossilien in Patagonien beschrieben!

Die Abelisaurier sind eine Theropoden-Klade, die besonders in der Oberkreide der Südkontinente (Gondwana) weit verbreitet waren. Einige der am besten erhaltenen Abelisauriden-Exemplare wurden aus Patagonien (Argentinien) geborgen, wie Skorpiovenator, Ilokelesia, Carnotaurus und Aucasaurus.

Verschiedene Abelisaurier, von CisioPurple.

Mattia A. Baiano vom Consejo Nacional de Investigaciones Científicas y Técnicas (CONICET) in Argentinien beschrieb nun zusammen mit seinen Kollegen neues Fossilmaterial, das in einem Steinbruch in der Anacleto Formation geborgen wurde. Abgesehen davon, dass es sich um neue Abelisauridae-Überreste aus Patagonien handelt, liefern die neuen Materialien wertvolle morphologische Daten, die die Diagnose von Abelisauriden erweitern und erleichtern könnten.


Neubeschreibung von umstrittener Sauropoden-Art Amphicoelias altus

Mit derzeit 24 anerkannten Arten waren die Sauropoden die artenreichste Gruppe der Dinosaurier der oberjurassischen Morrison Formation (U.S.A.). Doch diese hohe Diversität ist umstritten: einige Forscher halten manche der Arten für Synonyme, also Individuen, die sich zwar schon unterscheiden, aber dennoch zu ein und derselben Spezies gehören. Es handle sich z.B. nur um verschiedene Ontogimorphe (Wachstumsstadien). Eine so hohe Artenvielfalt sei ökologisch auch überhaupt nicht tragbar, denn einander so ähnliche, aber verschiedene Spezies hätten einen zu hohen Druck auf die Vegetation, aber auch auf sich gegenseitig ausgeübt, um nebeneinander existieren zu können.

Lebendrekonstruktion von Amphicoelias altus. Bildquelle: ДиБгд (Wikipedia).

Eine der umstrittenen Arten ist Amphicoelias altus, der bei manchen Forschern als Synonym für Diplodocus gilt. Da Amphicoelias aber zuerst benannt wurde, hätte er aber eigentlich sogar Priorität! Philip D. Mannion vom Universital College (London, UK) und seine Kollegen nahmen nun eine detaillierte Neubeschreibung des Fossilmaterials vor, in der sie seine Gültigkeit anhand von drei Alleinstellungsmerkmalen zu untermauern versuchen. Amphicoelias altus sei somit als eine eigene Gattung und Art neben Diplodocus zu bewerten. Es lägen außerdem keine Belege vor, irgendeine der umstrittenen Sauropoden-Arten nur als verschiedene Ontogimorphe zu betrachten. Alle verfügbaren Daten zeigten, dass sich die Anatomie der Sauropoden nicht dramatisch verändert habe, sobald sich die Individuen der Reife näherten. Diese Studie wird also wohl wieder für reichlich Diskussionsstoff unter Paläontologen.

Fun Fact: Vielen Dino-Fans ist vor eine andere umstrittene, von Edward D. Cope 1878 benannte Art A. fragilissimus ein Begriff, der mit 60m Länge der größte Dino aller Zeiten gewesen sein soll. Da die angeblichen Fossilfunde aber verschollen sind, könnten sie auch eine Erfindung Copes sein, der sich damals in einem absolut nicht freundschaftlichen Wettstreit mit seinem Kollegen Othniel C. Marsh befand. Copes Super-Dino wird heute aber unter einem anderen Namen, Maraapunisaurus fragilissimus, geführt und von Amphicoelias abgegrenzt.


Paraceratherium linxiaense: neue Art von gewaltigem Riesen-Nashorn in China entdeckt!

Das Paraceratherium (früher auch Indricotherium oder Baluchitherium genannt) war eines der größten Landsäugetiere aller Zeiten. Die genaue Herkunft und Entwicklung der Riesennashörner, die vor 34 bis 22 Ma im Oligozän und unteren Miozän in Zentralasien lebten, ist allerdings weitestgehend unklar. Tao Deng von der Chinese Academy of Sciences in Peking (China) beschrieb nun zusammen mit seinen Kollegen eine neue Art: Paraceratherium linxiaense.

Paraceratherium in seinem natürlichen Lebensraum. Bildquelle: Tao Deng.

Die Fossilien dieses Tieres mit einer Hüfthöhe von über 4m und einem geschätzten Gewicht von 25 Tonnen – mehr als viermal so viel wie ein durchschnittlicher afrikanischer Elefant! – stammen aus Nordwestchina und sind 26,5 Ma alt. Morphologie und Phylogenie zeigen, dass P. linxiaense eine hochgradig abgeleitete Art, mit P. lepidum eine gemeinsame Klade bildet und auch eine enge Verwandtschaft mit P. bugtiense hat. Beide waren im späten Oligozän von Pakistan bis zum tibetischen Hochland verbreitet.

Während des Oligozän begann sich diese Gegend allerdings erst zu einem Gebirge aufzuhalten. Indien war mit Asien noch nicht zusammengestoßen, der Himalaya existierte noch nicht. Zu jener Zeit war der Lebensraum ein von Flüssen, Wäldern und Sümpfen geprägter Küstenabschnitt am Nordrand des Tethysmeeres, wo die Riesennashörner von einer reichhaltigen Vegetation profitierten.


Neue Dinosaurierfährte in Australien wirft neues Licht auf Ökologie in der Oberkreide des Südens

Die Winton-Formation in Queensland, Australien, ist weltberühmt für das Dinosaur Stampede National Monument im Lark Quarry Conservation Park, eine etwas umstrittene Dinosaurierfährte aus der Oberkreide, die Tausende von dreizehigen Fußspuren zeigt, die Ornithopoden und Theropoden zugeschrieben werden.

Stephen F. Poropat und seine Kollegen beschrieben nun die Snake Creek Tracksite, eine neue, etwa 92 Ma alte Fährte aus der Winton-Formation, die gerade von der Karoola Station in das Australian Age of Dinosaurs Museum of Natural History verlegt wurde. Diese Fährte zeigt die ersten Sauropodenspuren, die aus Ostaustralien gemeldet wurden, eine kleine Anzahl von Theropoden- und Ornithopodenspuren, die ersten versteinerten Krokodil- und Schildkrötenspuren, die aus Australien gemeldet wurden, und mögliche Fraßspuren von Lungenfischen und Strahlenflossern.

Dinosaurier-Fauna der Winton Formation mit Diamantinasaurus; Paleo-Art von Laurie Beirne.

Die Sauropoden-Spuren stützen die Hypothese, dass mindestens ein Sauropodentaxon aus der Winton-Formation eine Daumen-Klaue behielt, was schon zuvor für Diamantinasaurus matildae vermutet wurde. Dieser konnte also der Urheber der Fährte gewesen sein. Viele weitere Spuren weisen auf Unterwasserwanderungen von Krokodilen hin. Die Snake Creek Tracksite vereint den Fossilbericht von Sauropoden, Krokodilformen, Schildkröten und Lungenfischen dominierten Fossilienbestand der „oberen“ Winton-Formation mit seinem bisher von Ornithopoden und Theropoden dominierten Fußspuren.

 

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Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten

Noch immer haftet den Dinosauriern das Image der schwerfälligen, primitiven Monster an, die zu groß waren, um zu überleben. Doch bevor sie von der Erdoberfläche verschwanden, beherrschten die faszinierenden Giganten über 150 Millionen Jahre lang unseren Planeten. Modernste Technologien und spektakuläre Funde erlauben nun neue Einblicke in ihre Erfolgsgeschichte. Steve Brusatte, einer der führenden Paläontologen der Welt, führt uns anschaulich durch das untergegangene Reich der Dinosaurier. Lebendig erzählt er ihre Geschichte von den ersten Rieseneidechsen bis zum Aussterben. Dabei gibt er spannende Einblicke in seine Forschung und berichtet von spektakulären Ausgrabungen, etwa von Fleischfressern, die sogar größer waren als der Tyrannosaurus rex.

 

Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten ist 2018 erschienen und hat sich sofort zum Bestseller entwickelt. Es hat 416 gebundene Seiten und kostet € 25,90

 


Kurzmeldungen (Kalenderwoche 23):

Das älteste Schlachtfeld der Welt: Rätselhafte Artefakte an der Tollense entdeckt!

 

Der größte Kindermord der Geschichte – Massenopferung von 140 Kindern in Peru

 

Toba: Supervulkanausbruch zerstörte vor 74.000 Jahren die Ozonschicht

 

Neue Römerfunde in Augsburg

 

Gletscherarchäologie: Das mysteriöse Kästchen aus dem Eis

 

Grausamkeit in der Antike: Überreste von zu Tode gefolterten Sklaven in England gefunden

 

Zu 70% vollständiges Skelett eines Lufengosaurus (Riesen-Sauropode) in China entdeckt!

 

Paratethys: Wie der größte See der Welt verschwand

 

Prizzly-Bären: Forscher sichten immer mehr Hybriden aus Eis- und Braunbär!

 

Forscher erwecken Rädertierchen aus der Eiszeit wieder zum Leben – Nach 24.000 Jahren im Eis!

 

Kleine Amazone: Junger Skythen-Krieger war eigentlich ein 13-jähriges Mädchen!

 

Archäologen rätseln über das Mädchen mit dem Finkenkopf

 

Vegetarische Serienmörder: Präriehunde töten ihre Konkurrenten!

 

Zwölfjähriger findet Schwert aus dem 17. Jahrhundert!

Kurzmeldungen (Kalenderwoche 24):

Moorfund: Der älteste Schuh Niedersachsens!

 

Skurriles Bernsteinfossil: Kreidezeitliche Schnecken-Lebendgeburt!

 

Wie funktionieren Zeitreisen?

 

Zusammenfassung über die aktuellen Erkenntnisse zur Neandertaler-Forschung

 

Beschreibung von neuem Fossilmaterial (postkraniales Skelett) von Pelecanimimus

 

Gehirngröße und Neuronenzahl führen zu Unterschieden in der Dauer beim Gähnen von Säugetieren und Vögeln

 

Pleurochayah appalachius: eine neue Schildkröte aus der frühen Oberkreide von Texas

 

Uralte Samen-Fossilien erzählen mehr über die Evolution der Blütenpflanzen

 

Fundgrube prähistorischer Überreste, darunter ein „Monster-Lachs mit spitzen Zähnen in Kalifornien

 

Verringerung der Purin-Synthese: Forscher entdecken neues Unterscheidungsmerkmal zwischen Homo sapiens und Neandertaler

 

130.000 Jahre älter als alle bekannten Höhlenmalereien: Neandertaler legten schon vor Urzeiten „Höhlen-Steinkreise“ aus abgebrochenen Tropfsteinen

 

Konvergente Evolution: Frösche haben ihre Zähne mehr als zwanzigmal unabhängig voneinander verloren

 

Gut erhaltene Fossilien könnten Aufschluss über die bislang unbekannten Armkronen der Ammoniten geben

 

DNS von drei Auerochsen, die neben der „Schäferin von Elba“ gefunden wurden, stellen Paläontologen vor neues Rätsel

 

Muscheln als Klima-Anzeiger: Absolute saisonale Temperaturschätzungen von verklumpten Isotopen in Muschelschalen deuten auf ein warmes und variables Treibhausklima hin

 

Südafrikanische Massospondylus-Fossilien ermöglichen Rekonstruktion des ganzen Lebenszyklus eines Dinosauriers – vom Ei bis zum Tod im Alter


Eigene Artikel:

Die Geschichte unserer Erde – Episode IX: Das Karbon

 

Liste der Tierprofile (Alle in meiner Geschichte auftretenden prähistorischen Stars der Hell Creek Formation!)

 

Tierprofil: Struthiomimus sedens

 

Tierprofil: Melvius thomasi

 

Charakterprofil: John Coleman

 

Statement zu Rasse und Rassismus (Mein wichtigster Artikel überhaupt, unbedingt lesen!)

 

Wichtige Info zur Rehkitzrettung!

 

Liste der Charakterprofile (Alle in meiner Geschichte auftretenden Personen!)

 

Tierprofil: Myledaphus pustulosus

 

Tierprofil: Trierarchuncus prairiensis

 

Charakterprofil: Maximilian Neumann


Das war es für heute mit den Nachrichten aus der Urzeit! Ich wünsche dir nun noch einen schönen, sonnigen Sonntag! Und falls es bei dir heute krachen sollte, pass schön auf dich auf!

 

Liebe Grüße, bleib gesund!

Dein Markus Peter Kretschmer

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