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Wort zum Sonntag (21.11.2021)

Hallo und einen schönen Sonntag (21.11.2021) wünsche ich dir!

 

Schön ist vieles zurzeit ja nicht. Durften wir noch vor wenigen Wochen einen grandiosen Sommer und Frühherbst genießen, in denen mir Corona schon fast wie eine schlechte Erinnerung vorkam, hat uns die Realität nun auf bitterste Weise eingeholt. Wie schön waren noch meine Ausflüge ins Altmühltal, nach Baden-Württemberg oder das Dino-Treffen in Braunschweig! Doch jetzt ist sie da, die vierte Welle. Und wie es aussieht, wird sie noch schlimmer als alle vor ihr.

 

Doch kommt sie nicht überraschend. Experten haben sie schon vor Wochen angekündigt, die Politik zum Handeln gedrängt, doch passiert ist nicht viel. Eher sogar zum negativen. Statt die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte und des Krankenhauspersonals zu verbessern, ist es für die dort beschäftigten dort schlimmer denn je. Viele haben ihren Beruf bereits gekündigt. Viele brauchen sogar selbst nun dringend Hilfe, weil sie fast zwei Jahre jenseits der menschlichen Belastbarkeitsgrenze haben arbeiten müssen. Sie haben dort Dinge gesehen und erlebt, die kein Mensch je erleben sollte – vor allem nicht in dieser Häufigkeit. Und nun fehlen uns tausende dringend benötigter Fachkräfte.

Hört auf, von Spaltung zu reden!

Es mag naheliegen, dass man in dieser Situation langsam an einen Punkt kommt, an dem man wirklich genug hat. An dem man wütend wird, nach Schuldigen sucht. Doch das halte ich aus mehreren Gründen für Zeitverschwendung. Erstens ist sowieso klar, wer Schuld hat. Zweitens bringt es absolut gar nichts, wütend zu sein und uns noch weiter auseinander, als wir es als Gesellschaft ohnehin schon sind. Und drittens ändert es nichts. Ich möchte hier jetzt nicht weitere Aufrufe zum Impfen ablassen. Die, die es bis jetzt noch nicht getan haben, haben sich für gute Argumente seit Monaten unempfänglich gezeigt und ausgerechnet ich werde sie bestimmt nicht erreichen und umstimmen können. Ich möchte euch vielmehr bitten, dieses Wort „Spaltung“ nicht mehr zu benutzen. Nur dadurch befeuern wir sie überhaupt!

 

Und außerdem ist es ja eine komplette Unwahrheit, sogar eine Frechheit! Es ist nicht so, dass Ungeimpfte von den Geimpften, von der Regierung, von allen anderen als arme, benachteiligte Minderheit ausgegrenzt werden. Diese Ausgrenzung ist selbstgewählt und beruht auf einer eigenen, als selbstbestimmte Person getroffenen Entscheidung. Und jeder hat es selbst in der Hand, sich umzuentscheiden. Die Spaltung, über die in dieser unerträglichen Weise gejammert wird, geschieht durch den puren Egoismus, die Feigheit und die Irrationalität der Menschen selber. Und es ist absolut verständlich, dass die breite Mehrheit der Gesellschaft, die seit fast zwei Jahren schon alle möglichen Einschränkungen auf sich genommen hat, keinen Bock mehr hat, diese Charakterschwächen mitzutragen.

Gejammer

Ich habe mich von Anfang an versucht, solidarisch zu verhalten. Habe meine Kontakte auf ein Minimum reduziert. Manche Familienmitglieder über ein Jahr lang nicht gesehen. Ich musste auf alles verzichten, auf meine Lesungen, meine so geliebten Dino-Treffen. Sogar das berufliche Aus als Schriftsteller hatte ich vor Augen, als der Ehrlich Verlag geschlossen wurde. Den Verlust eines guten Freundes und Kollegen musste ich ebenfalls betrauern. Und deshalb habe ich viel gejammert. Wer meine Beiträge aus dem Jahr 2020 liest, merkt schnell, wie sehr mich diese Situation belastet hat. Und das ging so vielen von uns nicht anders. So viele haben sogar noch so viel mehr verloren als ich!

 

Und das, während andere Menschen auf alles gepfiffen haben. Menschen, die schon heulten, als sie Maske tragen sollten und sogar gewalttätig wurden, wenn man sie daran erinnerte. Leute, die auf Massendemonstrationen von Tyrannei und Diktatur schwadroniert haben. Leute, die die Grundpfeiler unserer Demokratie mit Füßen traten. Natürlich ist nicht jeder Impfverweigerer auch gleichzeitig einer dieser verabscheuungswürdigen Querdenker. Sich nicht impfen zu lassen, geschieht ja auch aus völlig anderen Gründen. Doch diese Gründe sind vieles, aber eben nicht gut! Man kann sich natürlich auch ohne an eine Verschwörung zu glauben gegen eine Impfung entscheiden – aber dann muss man sich nicht wundern, wenn die, die WIRKLICH unter der Pandemie leiden, es langsam nicht mehr okay finden, dass sie unter euch leiden müssen.

 

Sorry, ich musste mir das gerade einmal alles vom Herzen wegschreiben. Ich hätte noch so viel mehr zu sagen, aber ich fürchte, dass dann viele von euch aufhören werden, zu lesen. Ihr seid ja nicht deswegen hier, sondern wegen den aktuellen Ankündigungen und den brandheißen Paläo-News! Deshalb legen wir damit jetzt auch los. Vielleicht bessert sich dadurch auch meine Laune an diesem ungemütlichen Sonntagmorgen.


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Liste mit dinostarken Urzeit-Orten – aktualisiert und dynamisch!

Auf meiner Seite gibt es eine Liste mit vielen sehenswerten Museen und Freizeitparks in Deutschland, die sich mit Dinosauriern oder dem Themenschwerpunkt Erdgeschichte befassen. Diese habe ich nun aktualisiert. Jetzt ist dort eine dynamische und sortierbare Tabelle zu finden, mit der ihr die Orte auch nach Postleitzahl oder Bundesland ordnen könnt. So wird die Planung eines tollen Familienausflugs noch einfacher! Viel Spaß beim Stöbern!

 

Museen Highlight


Bild der Woche

Ein riesiger Tyrannosaurus ist in das Revier von Dakotaraptor eingedrungen. Die viel kleineren, aber todesmutigen Dinosaurier verlieren keine Zeit, sich dem übermächtigen Feind zu stellen. Der Überraschungsangriff trifft den Giganten völlig unvorbereitet. Er sucht sich wohl besser einen anderen Platz, um zu jagen.

 

Die Illustration stammt von Gabriel Ugeto (Serpenillus).


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Paläo-News

In den letzten Zwei Wochen sind wieder viele interessante Meldungen aus der Urzeitforschung eingetroffen. Darunter auch gleich mehrere neue Dinosaurier! Seid gespannt, es geht sofort los!

 

Highlight Paläo-News


Kuru kulla: neuer Dromaeosaurier aus der Inneren Mongolei

Die Dromaeosauriden, trivial bekannt als „Raptoren“, stellen eine seltene, aber wichtige Gruppe Dinosauriern dar. Ihre enge evolutionäre Verwandtschaft mit modernen Vögeln hat sie in den letzten Jahrzehnten in den Mittelpunkt der paläontologischen Forschung gestellt. James G. Napoli vom American Museum of Natural History in New York (USA) und sein Team beschreiben in ihrer aktuellen Arbeit eine neue Art dieser Sichelklauen-Dinosaurier: Kuru kulla, benannt nach einem weiblichen Yidam aus der tibetanischen Mythologie.

 

Das Material umfasst ein Teilskelett aus der Khulsan-Lokalität der späten Kreidezeit (Barun-Goyot-Formation) der Mongolei, das 1991 bei der gleichen Expedition wie der auch im Jahr 2021 beschriebene Shri devi entdeckt wurde. Bereits 1999 wurde es in der Arbeit zu dem riesigen Dromaeosaurier Achillobator als Airakoraptor erwähnt, aber da es nie formal beschrieben wurde, konnte dieser „Nomen nudum“ verworfen und ein neuer aufgestellt werden.

 

Lebendrekonstruktion eines Kuru kulla von CisioPurple.

Eine phylogenetische Analyse stellte fest, dass Kuru kulla das Schwestertaxon von Adasaurus mongoliensis ist. Sein Verwandter stammt aus der etwas späteren Nemegt-Formation, mit der Kuru kulla durch drei Synapomorphien verbunden ist. Kuru kulla wurde etwas über 2m lang, etwa 20kg schwer und lebte in der oberen Kreidezeit vor 71 Ma.


Brighstoneus simmondsi: langschnäuziger Iguanodontid von der Isle of Wight

Die Wessex-Formation, eine Abfolge von Gesteinsschichten aus der unteren Kreidezeit auf der Isle of Wight, gehört zu den bekanntesten Dinosaurier-Fundstellen Europas. Viele „Berühmtheiten“ stammen von dort, darunter Iguanodon, Baryonyx, Hypsilophodon und Polacanthus. Nun ist die Formation wieder um einen neuen Dinosaurier reicher: Jeremy A. F. Lockwood und sein Team identifizierten die bereits 1978 entdeckten Fossilien in einer neuen Studie nun als neue, eigenständige Art. Zuvor wurden sie einst mit dem Theropoden Neovenator assoziiert, danach für einen Mantellisaurus gehalten.

 

Das neue Taxon zeichnet sich vor allem durch seine stark verlängerte Schnauze aus. Das Gebiss hat mindestens 28 Positionen am Zahndamm, die höchste Zahl, die bei einem Ornithopoden mit nicht parallelen Alveolen gemessen wurde. Brighstoneus simmondsi, benannt nach einem Dorf nahe dem Fundort und seinem Entdecker Keith Simmonds, lebte vor etwa 127 Ma.

 

Lebendrekonstruktion eines Brighstoneus simmondsi von CisioPurple.

Die Iguanodontiden, zu denen B. simmondsi gehört, werden in England seit fast einem Jahrhundert von nur zwei Taxa repräsentiert, dem robusten Iguanodon bernissartensis und dem grazileren Mantellisaurus atherfieldensis. Nun gesellt sich ein drittes dazu und erhöht die bekannte Vielfalt der hadrosauriformen in England. B. simmondsi ist zugleich der älteste von ihnen. Zusammen mit kürzlichen Entdeckungen in Spanien legt der Fund nahe, dass die Vielfalt der frühkreidezeitlichen Ornithopoden Europas erheblich größer war als ursprünglich angenommen.


Säbelzahnkatze mit Hüft-Fehlstellung

Das Verhalten ausgestorbener Arten zu rekonstruieren ist immer eine Herausforderung, besonders, wenn keine ähnlichen Tiere in gleichen ökologischen Nischen mehr existieren. Ein Schlüssel zur Verhaltensbiologie dieser Arten ist die Paläo-Pathologie: die Untersuchung der fossilen Knochen auf Verletzungs- und Krankheitsspuren.

 

Mairin A. Balisi vom Museum der La Brea Asphaltgruben in Los Angeles (USA) und ihr Team untersuchten im Rahmen ihrer Arbeit solche Pathologien in einem Becken- und einem assoziierten Oberschenkelknochen der Säbelzahnkatze Smilodon fatalis, die bereits im frühen 20. Jahrhundert entdeckt wurden. Unter Verwendung von modernster CT-Technologie wurde eine massive Läsion der rechten Hüftpfanne sichtbar, die fast ein Jahrhundert lang als Folge eines Traumas und einer Infektion interpretiert wurde. Die CT-Bildgebung zeigt allerdings, dass bei dem Tier wohl bereits bei der Geburt eine Fehlstellung (Hüftdysplasie) bestand, die im Laufe des Lebens des Tieres zu einer Degeneration des Gelenks führte. Derartige Erkrankungen kommen auch bei heutigen Hunden und Katzen häufig vor.

 

Lebendrekonstruktion eines Smilodon fatalis von Fred Wierum.

Dieser Smilodon erreichte zwar das Erwachsenenalter, konnte aber weder richtig jagen noch sein Territorium alleine verteidigen. Er musste sich wahrscheinlich auf Rudel verlassen, um durchs Leben zu kommen. Dies stützt auch vorherige Hypothesen, die dem Smilodon ein Leben im Sozialverband, vielleicht ähnlich einem Löwenrudel, nachsagen.


Kleine Dinosaurier blieben im Lebensraum von T. rex deutlich seltener als Fossil erhalten als große

Trotz vieler eingehenden Forschungen stützt sich unser Wissen über terrestrische Fossil-Lagerstätten im oberen Maastrichtium, der letzten Epoche der oberen Kreidezeit, weltweit hauptsächlich auf Daten, die auf einige wenige gut beprobte Formationen in Nordamerika erhoben wurden, wie die berühmte Hell Creek- und Lance-Formation. Dies beeinflusst unsere Interpretation dieses wichtigen Intervalls der Erdgeschichte, ja unser gesamtes Verständnis der Ökologie dieses Lebensraums aber offenbar völlig unverhältnismäßig. Denn es sind dort bislang vor allem Fossilien großer Dinosaurier gefunden wurden, wie Tyrannosaurus, Triceratops, Edmontosaurus und Ankylosaurus. Der Effekt, welche Rolle die schiere Größe eines Tieres beim Fossilisationsprozess und der Erhaltung danach (Taphonomie) spielt, wurde dabei aber nur wenig beachtet.

 

Caleb M. Brown von der Cambridge University in Massachusetts (USA) und sein Team stellen in ihrer neuesten Studie einen Zusammenhang zwischen der Taphonomie und der Körpergröße der Tiere aus der Hell Creek- und Lance Formation her. Dabei stellte sich heraus, dass Dinosauriertaxa mit kleinem Körper (unter 70 kg Gewicht) durchweg weniger gut belegt sind. Es ist außerdem unwahrscheinlich, dass sie artikuliert werden. Auch die Jungtiere großkörperiger Taxa sind ebenfalls unterrepräsentiert. Säugetiere zeigen ähnliche, aber nicht signifikante Trends.


Oberschenkelknochen eines Pterosauriers – neue Erkenntnisse zur Evolution der Dsungaripteriden

Der Fossilienbestand von Flugsauriern in Portugal ist rar. Er besteht hauptsächlich aus isolierten Zähnen und seltenem postkraniellem Material. Filippo Bertozzo von der Queen’s University in Belfast (Nordirland) und sein Team beschreiben in einer neuen Studie einen gut erhaltenen rechten Oberschenkel eines Pterosauriers aus dem späten Oberjura der Praia da Amoreira-Porto Novo Formation, der in der Nähe von Peniche (Portugal) entdeckt wurde.

 

Oben: Lebendrekonstruktion eines Dsungariptiden von Paris T. Jones.

Das Fossil ist insoweit bemerkenswert für seine relativ große Größe im Vergleich zu anderen Pterosauriern aus dem Jura. Es zeigt Affinitäten zu den frühkreidezeitlichen Dsungaripteroiden. Der Knochen hat im Vergleich zu späteren Dsungaripteriden aber eine relativ dünnere Knochenwand und ist den basalen Dsungaripteroiden ähnlicher. Eine histologische Analyse der Knochenrinde zeigt, dass sie die Skelettreife erreicht hat – das Tier also ausgewachsen war. Die erhaltene letzte Wachstumsperiode weist auf ein schnelles, ununterbrochenes Wachstum hin. Auch dieses Wachstumsmuster lässt sich am besten mit Pterodactyloiden aus der Unterkreide verglichen. Das Exemplar ist erst der zweite bestätigte Bericht eines Dsungaripteroiden aus dem Jura. Es ist außerdem der erste Nachweis dieser Gruppe von der Iberischen Halbinsel.


Studie zur Artenvielfalt der Kugelzahnfische (Pycnodonta)

Jahn Hornung vom Landesmuseum Hannover beschäftigt sich in seiner aktuellen Arbeit mit der Diversität und den paläo-ökologischen Beziehungen der Pycnodonten, einer Gruppe von Knochenfischen, die besonders für das Mesozoikum typisch sind. Sie werden im deutschen Sprachraum auch Kugelzahnfische genannt. Noch zur Zeit der Dinosaurier lebten viele dieser hochrückigen Fische auch in den Meeren, die einst das heutige Deutschland bedeckten. Erst im Eozän, also vor etwa 33 Ma, starben sie aus.

 

Der Nachweis von Kugelzahnfischen aus Norddeutschland in der Unterkreide beschränkt sich fast ausschließlich auf isolierte Zähne und Gebisse, kommt aber in einem breiten Spektrum von Fazies-Reichen vor. Die Pycnodontenfauna des Oberjura bis Unterkreide in Norddeutschland weist in Bezug auf Vielfalt und Abundanz wechselnde Muster auf. Eine besonders hohe Artenvielfalt erreichten diese Fische im unteren Kimmeridgium (später Oberjura) erreicht, die direkt danach, im Tithonium, allerdings wieder stark einbrach. Während des Berriasium (frühe Unterkreide) bewohnte eine geringe, aber steigende Artenzahl von Pycnodonten dann wieder das Niedersächsische Becken, doch der Artenreichtum des Oberjura wurde auch im folgenden Valangium längst nicht erreicht. Stattdessen wird die Fisch-Fauna dort von Gyrodontiden dominiert. Offenbar schwankte die Verfügbarkeit und Diversität von Habitaten in diesen Epochen stark, weshalb sie von Hornung als Hauptsteuerfaktor für die Biodiversität der Kugelzahnfische im Oberjura/Unterkreide Norddeutschlands angesehen wird.


Peniswürmer im Kambrium lebten wie Einsiedlerkrebse

Vor etwa 530 Ma kam es zu einer sehr raschen Diversifikation der Tiere, bei der fast alle heute bekannten Tierstämme auftraten. Während dieser „Kambrischen Explosion“ hat folglich auch die Komplexität der Ökosysteme zugenommen. Direkte Belege für die ökologischen Modi der kambrischen Tiere sind im Fossilbericht selten – dennoch konnten Xiao-Yu Yang von der Yunnan University (China) und sein Team nun im Rahmen ihrer Forschungen ein sehr spezielles Tier in einer ebenso speziellen ökologischen Nische nachweisen.

 

Nahe Guanshan im Süden Chinas wurden die Fossilien kambrischer Meerestiere geborgen, darunter ein prähistorischer Verwandter der Peniswürmer (Priapulida). Der lebte allerdings nicht wie seine heutigen Pendants im Meeresboden, sondern besiedelte die Schalen von Hyolithen, eines ausgestorbenen Weichtiers mit konischem Schalengehäuse. Offenbar lebte der kambrische Peniswurm wie ein heutiger Einsiedlerkrebs und benutzte die Schalen seiner besser gepanzerten Zeitgenossen als Wohnraum.

 

Kambrische Landschaft mit Einsiedler-Peniswurm. Rekonstruktion von Zhang Xiguang.

Der Fund ist damit der erste direkte Beweis für eine „einsiedlerische“ Lebensstrategie. Die eigentlichen Einsiedlerkrebse traten dagegen erst im Jura auf, als es bereits viele hochspezialisierte Meeresräuber gab. Dies könnte auch im Kambrium schon der Fall gewesen sein, weshalb die Peniswürmer zu dieser Strategie griffen. Vielleicht mussten sie sich gegen größere Cephalopoden oder Meeres-Arthropoden schützen, wobei ihnen der Panzer anderer Meeresbewohner zugutekam.


Verdrängten die Jungtiere von riesigen Pterosauriern ihre kleineren Verwandten?

Flugsaurier erreichten während der Trias und des Jura nur eher bescheidene Größen. Im Gegensatz dazu gab es aber in der Kreidezeit einen Trend zu großen bis riesigen Größen. Flügelspannweiten von über 4m waren dann keine Seltenheit mehr, manche erreichten mit über 10m gar die Größe kleinerer Flugzeuge! Dafür verschwinden jedoch die kleineren Flugsaurier mit Spannweiten unter 2m ab der Oberkreide fast vollständig aus dem Fossilbericht. Dieses Muster wurde einst dem Auftreten von Vögeln im mittleren Mesozoikum und ihrer Verdrängung von Flugsauriern aus Nischen zugeschrieben, die zuvor von kleinen bis mittelgroßen Formen besetzt waren.

 

Lebendrekonstruktion eines großen Azhdarchiden-Pterosauriers zusammen mit Jungtieren, von Megan Jacobs.

Roy E. Smith von der University of Portsmouth (UK) und sein Team ziehen diese Annahme in ihrer neuen Arbeit jedoch in Zweifel. Anhand von Stichprobenverzerrungen der Daten weisen sie darauf hin, dass der Größenbereich der Flugsaurier stark mit der Stichprobengröße korreliert: bei 100 bis 400 untersuchten Exemplaren wurden sowohl sehr kleine als auch riesige Formen entdeckt. Kleine Flugsaurier hat es in der Kreide also sehr wohl noch gegeben.

 

Die histologische Analyse legt nahe, dass die kleinen Morphe aber vor allem Jungtiere sind! Ökologische Nischen, die zuvor von kleinen Flugsauriern in der Trias und im Jura besetzt waren, wurden in der Kreide zunehmend nicht von Vögeln, sondern von den Jungtieren großer und riesiger Flugsaurier besetzt, so die Forscher.


Berthasaura leopoldinae: neuer, ungewöhnlicher Ceratosaurier aus Brasilien

Geovane Alvez de Souza von der Universidade Federal do Rio de Janeiro (Brasilien) und seine Kollegen beschreiben in einer neuen Studie Berthasaura leopoldinae. Sie gehört zu den Ceratosauriern, einer Großgruppe innerhalb der theropoden Dinosaurier und ist der wohl vollständigste bekannte Theropode Brasiliens. Darüber hinaus weist sie viele neue osteologische Merkmale auf, die bei Theropoden äußerst ungewöhnlich und selbst bei südamerikanischen Ceratosauriern beispiellos sind. Fast alle von ihnen waren nämlich gefürchtete Fleischfresser, und vor 85 Ma, als Berthasaura lebte, waren sie sogar oft die Spitzenprädatoren des Kontinents.

 

Doch schon seit der Entdeckung des jurassischen Noasauriden Limusaurus inextricabilis im Jahr 2009 ist bekannt, dass die Ernährung der Ceratosauria und insbesondere der Noasauridae, zu denen auch Berthasaura gehörte, sehr vielfältig war. So stellt auch Berthasaura wohl einen zahnlosen, vermutlich pflanzen- oder zumindest allesfressenden Ceratosaurier dar!

 

Lebendrekonstruktion einer Berthasaura leopoldinae in seiner natürlichen Umgebung, von Maurílio Oliveira.

Das Fossil dieses kleinen, weniger als einen Meter langen Tieres stammt aus den äolischen Sandsteinen der kreidezeitlichen Goio-Erê Formation im Bauru-Becken von Brasilien. Der Name des Dinosauriers bezieht sich auf Bertha Maria Júlia Lutz, die bis zu ihrem Tod 1976 Biologin und Frauenrechtlerin am Nationalmuseum war. Der Artname ehrt sowohl die einstige Kaiserin Maria Leopoldina als auch eine nach ihr benannte Samba-Schule.

 

Lebendrekonstruktion einer Berthasaura leopoldinae von CisioPurple.


Khulsanurus magnificus: neuer Alvarezsaurier aus der kreidezeitlichen Mongolei

Alexander O. Averianov und Alexey V. Lopatin vom Zoologischen Institut der Russischen Wissenschaftsakademie in St. Petersburg (Russland) beschreiben in ihrer neuen Arbeit einen weiteren Alvarezsauriden aus der Wüste Gobi. Die Fossilien des neubenannten Khulsanurus magnificus umfassen ein Teilskelett, das u.a. die Hals- und Schwanzwirbel, Oberarmknochen und das Schambein umfasst. Es wurde aus der Barungoyot Formation der Oberkreide von Khulsan geborgen, daher bedeutet sein Name auch „großartiger Schwanz von Khulsan“. Das neue Taxon unterscheidet sich von anderen Alvarezsauriden durch eine Kombination von einzigartigen Merkmalen. Es teilt aber mit der nahe verwandten Gattung Shuvuuia den deltopektoralen Oberarmkamm, der in den Humeruskopf übergeht. Die phylogenetische Analyse stellte Khulsanurus in die Unterfamilie der Parvicursorinae, und damit in eine Gruppe mit Mononykus, Shuvuuia, Albinykus und Xixianykus.

 

Lebendrekonstruktion eines Khulsanurus magnificus von CisioPurple.

Khulsanurus magnificus war ein kleiner, vogelähnlicher Dinosaurier mit zwei winzigen Ärmchen, die nur einen einzigen, aber kräftigen Finger trugen. Vermutlich jagte er wie seine Verwandten vor allem bei Nacht nach Insekten und Kleintieren, die er mit seinen lichtempfindlichen Augen und dem ausgezeichneten Hörvermögen aufstöberte. Er lebte vor etwa 75 Ma.


Opfer zu schneller Evolution? Studie zur Artenarmut der einst so erfolgreichen Brückenechsen

Die Artenvielfalt ist heute ungleichmäßig, mit ebenso alten Schwestergruppen, die wenige oder viele Arten enthalten. Es wurde oft angenommen, dass eine hohe Biodiversität eine schnelle Evolution anzeigt. Doch schon 1944 schlug George Simpson vor, dass eine schnelle Evolution Instabilität und Aussterben erzeugen könnte, und dass eine deshalb vor allem eine eher langsame Evolution zu einer hohen und stabilen Biodiversität führt. Jorge A. Herrera-Flores von der University of Bristol (UK) und sein Team griffen diesen Gedanken auf und stellten ihn in einer neuen Studie auf den Prüfstand. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Evolutionsraten im Laufe der Geschichte einer Klade erheblich variieren können. Dies bestätigt Simpsons Behauptung.

 

In einer vergleichenden phylogenetischen Studie mit Bayes-Methoden erkannten die Forscher, dass die Schuppenkriechtiere (Squamata), die heute über 10 000 Echsen- und Schlangenarten umfassen, in den ersten zwei Dritteln ihrer Geschichte eine langsame Evolution aufwiesen, während ihre Schwestergruppe, die Brückenechsen (Rhynchocephalia), heute nur mit einer einzigen Art vertreten sind. Brückenechsen zeigten in der Vergangenheit, besonders in der Zeit des Jura, sehr hohe Evolutionsraten. Obwohl die Brückenechsen damals zuerst deutlich vielfältiger waren, gewannen die Schuppenkriechtiere schließlich das Rennen.

 

Bildvergleich: eine Brückenechse aus der Gruppe der Rhynchocephalia (links) und ein Leguan aus der Gruppe der Squamata.

Jetzt gilt es, andere Beispiele zu untersuchen, in denen eine schnelle Evolution kurzfristig zu einer hohen Diversifizierung, aber letztendlich zu einer langfristig niedrigen Biodiversität geführt hat, und ob sich daraus tatsächlich ein berechenbares Muster ergibt.


Ein cleveres Kerlchen: Schädelscan von Proa valdearinnoensis offenbart hohen Enzephalisationsgrad bei Ornithopoden

Proa valdearinnoensis ist ein relativ großköpfiger und stämmiger Ornithopode aus der Unterkreide Spaniens, von dem drei gut erhaltene Hirnschädel bekannt sind. Ähnlich wie bei anderen Dinosauriern zeigen sie ein mosaikartiges Verknöcherungsmuster, bei dem die meisten Knochen miteinander verschmolzen zu sein scheinen, während einige locker verbunden geblieben sind.

 

Fabien Knoll vom Museo Nacional de Ciencias Naturales in Madrid (Spanien) und sein Team untersuchten die Fossilien nun anhand von CT-Daten und digitalen Rekonstruktionen. Die Schädel weisen große Ähnlichkeiten mit denen eng verwandter Taxa auf, wie etwa dem thailändischen Sirindhorna khoratensis. Der im Vergleich mit Vogel- und Krokodilschädeln ermittelte Enzephalisierungsgrad (EQ) für Proa valdearinnoensis von 3,611 legt nahe, dass diese Art signifikant stärker enzephalisiert war als die meisten, wenn nicht alle anderen Wirbeltieren außerhalb der Vögel und Säugetiere.

 

Die Arbeit ergänzt damit die wachsende Datenmenge zu theoretischen kognitiven Fähigkeiten bei Dinosauriern und unterstützt die Idee, dass eine zunehmende Enzephalisation nicht nur bei Theropoden, sondern parallel auch in anderen Entwicklungslinien der Dinosaurier auftrat. Proa besaß keine Verteidigungswaffen, um auf Theropoden-Dinosaurier zu reagieren, und setzte deshalb auf scharfe Sinne und vielleicht auch Kameradschaft, um nicht gefressen zu werden. Die Forscher vermuten, dass das Gruppenleben und die langwierige Pflege von Jungtieren bei diesem und möglicherweise vielen anderen Ornithopoden einen für Reptilienstandards herausragenden Enzephalisationsgrad begünstigten.


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Peru – Massengrab der Chimú-Kultur entdeckt

Natürliche Auslese: Klimawandel lässt Vögel schrumpfen

Gefallen auf dem Schlachtfeld: Leichenfund aus der Germanenzeit in Dänemark


Kurzmeldungen KW 46

Supersaurus – Der längste Dinosaurier aller Zeiten?

Klimawandel – Hurrikans kommen im Doppelpack

Leben im Meer folgt mathematischen Gesetzmäßigkeiten

Festnahme im Mordfall Bernard von Bredow

Früher Monumentalbau im Osten Perus

Antarktischer Eisschild baute sich in nur einem Jahrzehnt ab

Neubewertung der morphologischen Belege für die Wiederentwicklung verlorener Unterkieferzähne bei Fröschen

Diverse Stamm-Knorpelfische haben ihr Gebiss unabhängig erworben

530 Millionen Jahre alte mineralisierte Schwamm-Fossilien aus Spanien

Felsischer Vulkanismus als treibender Faktor für das Massensterben am Ende des Perms

Hobby-Paläontologe findet seltenes Fischsaurier-Fossil bei Whitby (England)

Über 100 versteinerte Dinosauriern-Fußspuren aus dem Jura in Colorado entdeckt

Dino-Werkstatt Altmühltal: Das T. rex-Puzzle


Eigene Beiträge

Liste mit dinostarken Urzeit-Orten

Jurassic World Evolution 2 – Wissenschaft und Paläontologie


Das war es für heute mit meinen Urzeitnachrichten! Ich wünsche dir jetzt noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und lass dich nicht entmutigen. Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen.

 

Alles Gute,

 

Dein Markus Peter Kretschmer

 

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