Wort zum Sonntag – 24.07.2022

Lesedauer: etwa 21 Minuten

Hallo und einen schönen Sonntag (24.07.2022) wünsche ich dir!

Es ist eine Weile her, dass ich mich mit dem Wort zum Sonntag gemeldet habe. Ich habe nämlich einige außergewöhnliche Wochen hinter mir! Nicht nur, dass ich inzwischen endlich mit der Schreibarbeit meines dritten Bandes von Die Weißen Steine begonnen habe. Da sind jetzt schon die ersten Kapitel fertig. Ich bin komplett im Schreib-Modus und werde auch in den nächsten Wochen immer wieder komplett in meine prähistorische Welt abtauchen. Deshalb könnte es auf meiner Seite etwas ruhiger werden. Ich versuche natürlich trotzdem, dich weiterhin mit spannenden Urzeit-Nachrichten zu versorgen.

Meine beiden bereits erschienenen Romane aus der Reihe Die Weißen Steine kannst du hier direkt bestellen!

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Die Weißen Steine Band I – Neue Alte Welt

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Dieser Roman entführt dich direkt in die Kreidezeit, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen. Der erste Teil eines spannenden Überlebenskampfes, in welchem Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht werden. Und die Dinosaurier sind dort noch das „kleinste“ Problem…

 

Die weißen Steine„, Band 1 ist als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book erhältlich.

 

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Die Weißen Steine Band II – Blut der Sonne

Erlebe noch ein weiteres spannendes Dino-Abenteuer mit dem zweiten Teil meiner Urzeit-Reihe! Dort wirst du wieder direkt in die Kreidezeit entführt, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen.

 

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Dinosauriergrabung und andere Abenteuer in Baden-Württemberg

Außerdem hatte ich wenig Zeit, weil ich Mitte Juli an einer echten paläontologischen Ausgrabung teilgenommen habe! In Trossingen gehörten Sahar und ich zum Team von Rainer Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. An der weltberühmten Rutschete in Trossingen machten wir uns auf die anstrengende, aber unglaublich spannende Jagd nach Fossilien aus der Trias, auf den Spuren des Plateosaurus! Und wir sind tatsächlich fündig geworden!

 

Meinen ausführlichen Bericht zu unseren Abenteuern kannst du hier lesen!

Dino-Treffen in Tübingen, Holzmaden und Ohmden

Bevor es zur Grabung ging, machten Sahar und ich am Wochenende noch einen Ausflug ins Urwelt-Museum Hauff, in den Schieferbruch von Ohmden und in die Paläontologische Sammlung Tübingen. Dort fanden wieder einige interessante Dino-Treffen statt. Zu den beiden Museen habe ich natürlich wieder eine ausführliche Rezension geschrieben, die nun in meiner Liste mit den empfehlenswerten Urzeit-Orten stehen. Schau gerne mal rein, da findest du viele interessante Infos, wenn du selber einen Ausflug in ein Museum oder einen Dino-Park planst!

 

Museen Highlight


Lesung am Auberlehaus am Tag der offenen Sauriergrabung

Nach der Dinosauriergrabung fand am Museum Auberlehaus in Trossingen ein ganz besonderes Spektakel statt. Beim Tag der offenen Sauriergrabung konnten Besucher an der Plateosaurus-Fundstelle den Paläontologen bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und spannende Einblicke in die großartigen Funde gewinnen, die wir dort gemacht haben. Am Museum steuerte auch ich etwas zum Programm bei und las aus meinen beiden Werken Traumreise in die Urzeit und Die Weißen Steine – Neue alte Welt. Besonders die Kinder waren von meinem Plateosaurus Paul begeistert! Besonders, als sie sich ihn und seine Welt an der Saurierfundstelle dann ganz in echt und persönlich anschauen konnten!

 

Das Auberlehaus in Trossingen.

Für mich waren die Tage in Baden-Württemberg eine großartige Erfahrung und die Erfüllung eines Kindertraumes. An dieser Stelle möchte ich deshalb noch einmal dem ganzen Team vom Auberlehaus, insbesondere Volker Neipp und seiner Frau Nadja unseren Dank aussprechen. Es war einfach wunderbar bei euch und Sahar und ich freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch im Ländle!

Meine Lesungen kannst du dir in meinem neuen Beitrag Bisherige Lesungen auch nochmal anhören! Sahar hat mitgefilmt. Dort findest du auch alle anderen Videos und Berichte über die Lesungen aus vergangenen Zeiten.

 

Highlight Lesungen

 


Veranstaltungskalender

Nun, der Kalender ist nach all den vergangenen Abenteuern erst einmal wieder ziemlich leer. Ich habe in den kommenden Monaten nicht allzu viel geplant, um mich voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren zu können. Trotzdem können wir uns vielleicht doch noch bei folgenden Terminen persönlich treffen:

13.08.2022     Gemeinsame Fossiliensuche in der Kiesgrube Dohrn / Eggers in Negenharrie

27.08.2022     Lesung aus meinem Romanreihe „Die Weißen Steine“ im Museum Tor zur Urzeit

Ich würde mich freuen, wenn du dabei bist!


Die schlechtesten Urzeit-Nachrichten aller Zeiten!

Ja, die gibt es jetzt auch tatsächlich bei mir. Aber natürlich nicht von mir! Ich bin in letzter Zeit immer enttäuschter von der miserablen journalistischen Arbeit in allen möglichen Online- und auch Printmedien, wenn es um urzeitliche Themen geht. Deshalb eröffne ich hier mal eine neue Serie: Die schlechtesten Urzeit-Nachrichten aller Zeiten!

 

Urzeit-Nachrichten Titel

Darin werde ich alle deutschen Pressemitteilungen zu prähistorischen Themen verlinken, die durch irreführende Sensationsschlagzeilen und reißerische Inhalte das öffentliche Bild über die Urzeit verfälschen und damit zur weiteren Verblödung der Jurassic-World-Generation beitragen. Und natürlich stelle ich den Mist dann auch mal richtig. Schlechte Recherche, veraltete Informationen und bewusste Übertreibungen sind natürlich prädestiniert, um daraus Satire zu machen!

Du darfst mir gerne dabei helfen! Schick mir gerne auch dein persönliches Nachrichten-Material, bei dem du Schluckauf bekommst. Es gibt da draußen so vielen journalistischen Urzeit-Müll, der eine Aufnahme in meine Hall of Shame verdient!


Bild der Woche

Die Bruchwälder und Sümpfe von Hell Creek waren ein vielseitiger Lebensraum, die einer Vielzahl von Lebewesen eine Heimat boten. Hier streift ein Ankylosaurus durch das nach einem Tropensturm verwüstete Land und trifft dabei auf eine Herde Edmontosaurus. Einer der großen Entenschnabeldinosaurier hat den Sturm nicht überlebt und dient bereits als Mahlzeit für einen Dakotaraptor und zwei Palaeosaniwa-Warane. Im Hintergrund warten bereits ein paar Pectinodons, um auch noch etwas von der Gratismahlzeit abzubekommen. Über ihnen kreisen zwei riesige Azhdarchiden-Flugsaurier. Wahrscheinlich haben sie den Kadaver ebenfalls bereits gewittert…

 

Das Bild stammt von Beth Zaiken von den Blue Rhino Studios.


Paläo-News

In den letzten vier Wochen bin ich zwar nur selten zum Schreiben von Nachrichten-Artikeln gekommen. Ich habe aber trotzdem ein paar spannende Artikel zustande gebracht. Natürlich ist aber auch einiges Material auf der Bank geblieben und wartet noch auf eine Bearbeitung. Ich versuche, in den nächsten Tagen neben meiner Arbeit am Roman auch noch die übriggebliebenen Artikel zu schreiben und euch mit allen wichtigen Paläo-News zu versorgen. Starten wir heute aber erstmal mit der Zusammenfassung des letzten Monats – und endlich ist auch wieder ein neuer Dinosaurier mit dabei. Und sogar ein ziemlich spektakulärer!

 

Highlight Paläo-News


Ist Australopithecus „Little Foot“ mehr als eine Million Jahre älter als bislang gedacht?

Sterkfontein ist die aufschlussreichte Fundquelle für Australopithecus-Fossilien, einer Vormenschen-Gattung, die vor mehr als 2 Ma in Afrika lebten. Die überwiegende Mehrheit der bisherigen Fossilfunde wurde in Abschnitt 4 geborgen, einer Höhlenbrekzie, die jetzt durch Erosion und Verwitterung an der Landschaftsoberfläche freigelegt ist. Einige andere Australopithecus-Fossilien, darunter das Skelett von StW 573 (auch bekannt als „Little Foot“), stammen aus unterirdischen Ablagerungen.

 

Darryl E. Granger von der Purdue University in West Lafayette (Indiana, USA) und sein Team haben sich einige der Fossilien aus der Jacovec-Höhle für ihre Studie nun noch einmal genauer betrachtet. Dabei datierten sie die Funde mit der Isochronen-Methode. Dabei ergaben die Messdaten, dass alle Australopithecus-Fossilien in Sterkfontein aus dem mittleren Pliozän stammen, also aus der Zeit von vor 3,7 bis 3,6 Ma.

 

Sollten diese Daten korrekt sein, so lebte auch „Little Foot“ etwa zeitgleich mit der ältesten bekannten Australopithecus-Art, A. afarensis, die allerdings nur in Ostafrika vorkam. Das ist erheblich älter als die vorherige Datierung, basierend auf der ebenfalls in der Höhle vorkommenden Tropfsteinen, die ein Alter von nur ca. 2,1 bis 2,6 Ma ergab. Granger und sein Team konnten aber belegen, dass diese Tropfsteine intrusiv innerhalb von Mitglied 4 sind, und dass sie deshalb das wahre Alter der Fossilien verfälscht haben.


Außergewöhnliche Hautmuster bei Edmontosaurus „Skinny“: Ist er ein Vertreter einer neuen Spezies?

Eine neue Analyse eines Stücks versteinerter Dinosaurierhaut, das in Saskatchewan (Kanada) gefunden wurde, wirft Fragen über die Identität von Edmontosaurus-Exemplar „Skinny“ auf: Ryan McKellar vom Royal Saskatchewan Museum und Caelan Libke von der University of Regina haben auf der Dinosaurierhaut ein ungewöhnliches Schuppenmuster entdeckt. Ein neuer Artikel gibt Einblicke in ihre Arbeit.

 

Hautabdrücke von Entenschnabel-Dinosauriern sind oft gut erhalten, es gibt also viele Vergleichsproben, obwohl nur wenige aus dem hohen Norden Saskatchewans stammen. Diejenigen, die aus dieser Gegend oder in der Nähe von Alberta stammen, stammen oft aus einer anderen Zeit, was sowohl eine periodische als auch eine regionale Lücke zwischen Skinny und anderen Überresten hinterlässt. Und das Muster auf Skinnys Haut hat feinere Grate, die geringfügig vom Hautmuster anderer Edmontosaurier abweichen.

 

Edmontosaurus Größenvergleich
Edmontosaurus annectens taucht auch in meinem Roman Die Weißen Steine auf.

Möglicherweise ist Skinny also ein Vertreter einer neuen Art innerhalb der Gattung Edmontosaurus, von dem derzeit nur zwei Arten als gültig anerkannt werden (E. regalis und E. annectens). Es bedarf aber noch viel weiterer Forschung, um dies zu bestätigen. Das ungewöhnliche Schuppenmuster könnte auch auf eine regionale Differenzierung, Geschlechtsdimorphismus oder Hinweise auf ökologische Auswirkungen durch den Lebensraum hinweisen.


Arktische Eislandschaften und der Aufstieg der Dinosaurier

War China die Wiege der „modernen“, also gefiederten Dinosaurier? Eine neue Studie von Paul Olsen von der Columbia University (USA) und seinem Team stellt diese These nun in den Raum. Die Forscher untersuchten eisgeflößte Trümmer aus Seen in Gesteinsschichten aus der späten Trias und des frühen Jura, die im Junggar-Beckens im Nordwesten Chinas abgelagert wurden. Aufgrund des Kontinentaldrifts lag diese Gegend vor etwa 201 Ma noch auf etwa 71° nördlicher Breite.

 

Im Polarwinter herrschten hier eisige Temperaturen, oft monatelang unter dem Gefrierpunkt. Dennoch war die Gegend, wie Pflanzen- und Pollenfossilien zeigen, offenbar stark bewaldet. Mithilfe von phylogenetischen Klammeranalysen konnten die Forscher zeigen, dass die dort vorkommenden Nicht-Vogel-Dinosaurier bereits alle über einen wenigstens primitiven Isolationsschutz, also über ein Federkleid aus Flaum und Filamenten verfügt haben müssen. Dies ermöglichte es ihnen, selbst unter härtesten Winterbedingungen auf die reiche Laub- und immergrüne arktische Vegetation zuzugreifen.

 

Bildquelle rechts: Larry Felder.

Vorübergehende, aber intensive vulkanische Winter, die mit massiven Eruptionen und verringerten Lichtverhältnissen verbunden waren, führten am Ende der Trias schließlich zum Zusammenbruch der Land- und auch Wasserökosysteme. Eines der größten Massenaussterben der Erdgeschichte war die Folge, bei dem alle mittelgroßen bis großen Tiere außer den Dinosauriern stark dezimiert wurden. Im Gegensatz dazu waren die isolierten Dinosaurier bereits gut an kalte Temperaturen angepasst und überlebten nicht nur, sondern durchliefen im Jura auch eine schnelle adaptive Radiation und ökologische Expansion. Dabei eroberten sie nach und nach alle Regionen, die zuvor von großen nicht isolierten Reptilien dominiert wurden.


Die letzten Reste der Wildnis drohen zu verschwinden!

Vor nur einem Jahrhundert wurden bloß 15% der Landfläche unseres Planeten für den Anbau von Feldfrüchten, für Viehzucht und den Bau von Städten genutzt. Heute sind mehr als 77%, mit Ausnahme der Antarktis. Sogar 87% der Ozeane sind heute durch die direkten Auswirkungen menschlicher Aktivitäten nachhaltig verändert worden.

 

James E. M. Watson von der University of Queensland und sein Team haben im Rahmen ihrer Studie eine Karte der intakten Wildnis auf unserer Erde erstellt, die in einem Animationsmodell auch verdeutlicht, wann die größten Teile der Erde durch den Einfluss des Menschen umgestaltet wurden. Dies geschah vor allem in den Jahren von 1993 und 2009, als ein Gebiet terrestrischer Wildnis größer als Indien mit unglaublichen 3,3 Millionen Quadratkilometern durch menschliche Besiedlung, Landwirtschaft, Bergbau und andere Belastungen eingenommen wurde. Im Ozean sind Gebiete, die frei von industrieller Fischerei, Umweltverschmutzung und Schifffahrt sind, seither ebenfalls fast vollständig auf die Polarregionen beschränkt.

 

Zahlreiche Studien zeigen, dass die verbliebenen Wildnisgebiete der Erde immer wichtigere Puffer gegen die Auswirkungen des Klimawandels und andere menschliche Einflüsse sind. Aber bisher war der Beitrag intakter Ökosysteme kein explizites Ziel in irgendeinem internationalen Politikrahmen, wie etwa dem Strategischen Plan der Vereinten Nationen für Biodiversität oder dem Pariser Klimaabkommen. Das muss sich ändern, wenn wir verhindern wollen, dass die intakten Ökosysteme der Erde bald komplett verschwinden – mitsamt vieler der nur dort lebenden Bewohner.


Wie sich Putins Krieg auf die Urzeit-Forschung auswirkt

Die Folgen von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine spüren Menschen auch in Deutschland inzwischen empfindlich in ihrem Portemonnaie. Doch auch für Forscher aus der ganzen Welt entstehen durch den Krieg neue Probleme. Russland ist das größte Land der Erde und dementsprechend auch für Urzeitforscher von besonderem Interesse. Besonders Sibirien ist eine reiche Fundgrube für Paläontologen, wie ein neuer Artikel im Fachblatt Nature berichtet. Dazu gehören natürlich die Eismumien aus dem Permafrost, wo bereits Mammuts, Wollnashörnern, Höhlenlöwen und etliche andere, perfekt erhalte Tierkadaver entdeckt wurden. Für Anthropologen und Archäologen ist auch die Denisova-Höhle ein Ort von höchster Bedeutsamkeit. Dort liegen viele Antworten zu unserer Frühgeschichte, aber auch der von mehreren anderen Menschenarten verborgen.

 

Nach zwei Jahren Zwangspause wegen der Corona-Pandemie hätten viele internationale Forscher dort gern wieder Expeditionen durchgeführt, doch Reisebeschränkungen, Sanktionen und natürlich auch ethische Bedenken stehen der Zusammenarbeit mit russischen Akademikern seither entgegen. Die meisten Expeditionen wurden inzwischen abgesagt, viele gemeinsame Forschungsprojekte eingestellt. Für viele daran beteiligte Forscher, besonders für Promotions-Studenten bedeutet dies ebenfalls zum Teil erhebliche Schwierigkeiten. Ihre Arbeit kann nun nicht mehr fortgeführt werden. Angesichts des millionenfachen Leides für die Zivilbevölkerung in der Ukraine erscheinen diese Probleme natürlich marginal. Trotzdem werden wir dank Putins Krieg in Zukunft weniger über unsere Vergangenheit wissen.


Tiefgefrorene Tierbabys

Vor einigen Wochen wurde aus dem Permafrost am Yukon wieder ein Mammutkalb geborgen, das Nun Cho Ga getauft wurde. Es sind inzwischen schon ein halbes Dutzend solcher gut erhaltenen Mammutbabys bekannt, wie zum Beispiel Dima (1977, Sibirien), Masha (1988; Sibirien), und Liuba (2007; Sibirien). Doch auch von mehreren anderen eiszeitlichen Großsäugern wurden im Permafrost Eismumien von Jungtieren entdeckt. Dazu gehört auch das Wollnashorn Sasha (2015; Sibirien). Ebenfalls 2015 und ebenfalls in Sibirien entdeckte man Uyan und Dina, zwei junge Höhlenlöwen, wahrscheinlich aus dem gleichen Wurf, die beim Einsturz ihrer Eishöhle ums Leben kamen. Die anderen beiden sibirischen Höhlenlöwen Sparta und Boris, die 2018 nur jeweils 15m voneinander entfernt gefunden wurden, waren aber wahrscheinlich keine Geschwister. Sie lebten neueren Datierungen zufolge mehr als 13.000 Jahre voneinander entfernt.

 

Die Tierbabys aus dem Permafrost. Bildquelle: Velizar Simeonovski.

Aus dem Yukon Territory in Alaska stammt außerdem Zhur, ein junger Wolf, der dort 2016 entdeckt wurde. Zwei Jahre später wurde in Sibirien Dogor entdeckt, der Welpe stellt wahrscheinlich ein Bindeglied von Wölfen zu den Hunden dar. Ein ebenfalls bemerkenswerter Fund war Lena, ein Fohlen aus Yakutien, das 2019 entdeckt wurde. Das Auftauchen so vieler Eismumien allein in den letzten Jahren ist Ergebnis des Klimawandels. Der auftauende Permafrost gibt nun mehr seiner prähistorischen Schätze frei als jemals zuvor. Was für Urzeitforscher absolut interessant ist, bereitet allerdings auch mehr und mehr Grund zur Sorge um das bevorstehende Schicksal unseres Planeten sowie unserer menschlichen Zivilisation.


Neue Studie wirft neues Licht auf die Abstammungsgeschichte der Tyrannosaurier

Die Paläontologen Darren Naish und Andrea Cau befassen sich in ihrer neuen Studie mit Eotyrannus lengi, der 1995 in der Wessex Formation auf der Isle of Wight in Südengland entdeckt und als einer der frühesten Tyrannosaurier beschrieben wurde. Dabei beschrieben die Forscher die Fossilien im Detail, verglichen sie mit anderen Theropoden und bewerteten sie in einer phylogenetischen Analyse völlig neu.

 

Eotyrannus wird bislang nur durch ein einzelnes Exemplar repräsentiert, das zu Lebzeiten 4,5 m lang und etwa 180kg schwer war und vor etwa 130 Ma in der frühen Kreidezeit lebte. Der vordere Teil des Schädels, ein Teil der Vorderbeine und des Brustgürtels, verschiedene Hals-, Rücken- und Schwanzwirbel, Rippenfragmente, ein Teil des Hüftgürtels und Elemente der Hinterbeine sind überliefert. Es handelt sich wahrscheinlich um ein nicht ganz ausgewachsenes Jungtier.

 

Eotyrannus lengi in einer Lebenrekonstruktion von Peter Montgomery.

Eotyrannus besitzt verdickte, verschmolzene, pneumatische Nasenflügel mit tiefen seitlichen Aussparungen, lange Arme mit drei Fingern und einer schon recht breiten Schnauze, die stark an spätere Tyrannosauriden erinnert. Naish und Cau platzieren Eotyrannus lengi phylogenetisch zwischen der Familie der Proceratosauridae und dem Zweig, der zu Yutyrannus und der Gruppe mit Xiongguanlong, den Megaraptora, Dryptosaurus und der Tyrannosauridae führt. Eine enge Verwandtschaft zwischen Eotyrannus und Juratyrant, wie zuvor vermutet, fanden die Forscher dagegen nicht. Interessant: die neue Analyse unterstützt weiterhin die Einbeziehung der Megaraptora in die Tyrannosauroidea und deckt sich mit mehreren anderen jüngeren Studien. Dies erhöht somit die Diversität und Verbreitung der kreidezeitlichen Tyrannosauroiden. Eine Zugehörigkeit von Eotyrannus selbst zu den Jägern mit den mächtigen Armklauen konnte jedoch nicht bestätigt werden.


Paläontologen erforschen die Kindheit eines Entenschnabelsauriers

Bei der Untersuchung der Skelett-Allometrie eines ausgestorbenen Wirbeltiers ist es wichtig, die verschiedenen Wachstumsstadien des Tier zu berücksichtigen, um auch Rückschlüsse auf das Verhalten und die Paläo-Ökologie dieses Tiers zu gewinnen. Frühere Studien haben die Allometrie im Schädel des Entenschnabel-Dinosauriers Gryposaurus notabilis untersucht, aber diese schlossen keine Individuen ein, die kleiner als 65% der maximal bekannten Körperlänge von etwa 8,2m waren.

 

Jordan C. Mallon vom Canadian Museum of Nature in Ottawa und sein Team haben sich dieser Aufgabe nun angenommen und befassten sich in ihrer neuen Studie mit den zwei kleinsten bekannten Exemplaren von Gryposaurus. Die Osteohistologie weist darauf hin, dass diese Individuen vor etwa 77 Ma im Alter von etwa 2 Jahren gestorben sind. Allometrische Analysen zeigen, dass die meisten Aspekte des Schädels von Gryposaurus gleichmäßig wuchsen, die Höhe des Nasenbogens nahm dabei mit positiver Allometrie zu. Zu Beginn des Lebens eines Gryposaurus besaßen die Zähne Sekundärkämme, die später im Leben verloren gingen.

 

Lebendrekonstruktion von Gryposaurus von Cisiopurple.

Diese Befunde haben hat einen wichtigen Einfluss auf die Taxonomie der Hadrosaurier-Zähne. Die Gliedmaßenproportionen von Gryposaurus wuchsen weitgehend gleichmäßig (oder höchstens mit schwacher negativer Allometrie), wie bei einigen anderen Hadrosauriden. Dies deutet darauf hin, dass Entenschnabelsaurier mit zunehmendem Alter keine Veränderung in der Fortbewegungsweise durchmachten, höchstens sehr früh, kurz nach dem Schlüpfen. Dies ist den Forschern zufolge auch ein Hinweis darauf, warum sie kleine Herden bildeten: Vermutlich taten sie dies zum Schutz vor großen Raubtieren.


Meraxes gigas: neuer riesiger Carcharodontosaurier aus Patagonien

Große fleischfressende Dinosaurier wie Tyrannosaurier und Abelisaurier zeichnen sich durch stark reduzierte Arme aus. Diese stehen oft im Gegensatz zu ihren riesigen Körpern mit den massiven Schädeln. Doch noch eine weitere Gruppe folgte diesem Muster: die Carcharodontosauridae. Sie waren auf den meisten Kontinenten die dominanten Beutegreifer der späten Unter- und frühen Oberkreide, mit mächtigen Gattungen wie Giganotosaurus, Mapusaurus und Carcharodontosaurus. Juan I. Canale vom Museo Municipal “Ernesto Bachmann, in Villa El Chocón (Argentinien) und sein Team beschreiben in ihrer Studie nun noch einen weiteren: Meraxes gigas.

 

Dieser war über 11m lang, mehr als 4 Tonnen schwer und lebte in der Huincul Formation, also im Patagonien vor etwa 96 Ma. Dort teilte er sich den Lebensraum mit dem noch etwas größeren Mapusaurus rosae, mit dem er eng verwandt war. Sein Name leitet sich von einem Drachen aus der Fantasy-Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (Game of Thrones) ab. Seine fossilen Überreste wurden bereits 2012 entdeckt.

 

Lebendrekonstruktion von Meraxes gigas von Cisiopurple.

Die osteohistologische Analyse legt nahe, dass das Meraxes-Exemplar außergewöhnlich alt war, als es starb – mit etwa 53 Jahren. Große Carcharodontosaurier durchlebten offenbar einen deutlich langsameren Lebenszyklus als andere großen Theropoden und waren wohl erst im Alter zwischen 30 und 40 Jahren geschlechtsreif.


Unterjurassischer „Riesenfisch“ bei Hamburg nachgewiesen

In einer sogenannten Ahrensburger Liasknolle, die sich in der Sammlung des Geomatikums Hamburg befindet, konnten Sven Sachs und Jahn Hornung im Jahr 2020 einen seltsam aussehenden Knochen als Kieferstück des Fisches Gyrosteus mirabilis identifizieren. Diesen beschrieben die beiden Paläontologen nun in einer neuen Studie. Er war einer der größten Meeresbewohner des Unterjuras in Europa. Bislang sind nur wenige Fragmente von ihm bekannt, die alle aus dem Lias von Yorkshire stammen. Sie weisen auf eine Körperlänge von 8-9 Metern hin, ähnlich der des heutigen Walhais. Das Exemplar von Ahrensburg war aber „nur“ etwa halb so groß und noch im Wachstum. Es handelt sich um einen Vertreter der Chondrosteidae, einer ursprünglichen Familie störartiger Fische, die nur von wenigen Arten aus dem Unterjura bekannt sind.

 

Lebendrekonstruktion Gyrosteus mirabilis von Tosha Hollmann.

Nahezu vollständige Exemplare der viel kleineren, nahe verwandten Art Strongylosteus hindenburgi sind auch aus dem Lias von Holzmaden bekannt. Sie standen „Modell“ bei der Rekonstruktion, die aufgrund der spärlichen Fossilien von Gyrosteus mirabilis sonst nicht möglich gewesen wäre. Ähnlich wie bei den Stören war das Skelett der Chondrosteiden nur teilweise verknöchert und teilweise knorpelig. Sie besaßen – zumindest als adulte Tiere – keine Zähne – von was genau sie sich ernährten, ist unbekannt. Die eiszeitlichen Geschiebe von Ahrensburg stammen höchstwahrscheinlich aus dem Umkreis des westlichen Ostseebeckens. Sie wurden während der Weichsel-Kaltzeit durch die mächtigen Gletscher in den Hamburger Raum geschoben. Der ursprüngliche Lebensraum des Gyrosteus lag vermutlich in der Nähe der heutigen Insel Bornholm (Dänemark), wo er vor ca. 180 Ma das dortige Flachmeer durchstreifte.


Neubeschreibung von Sahaliyania elunchunorum: gehört ostrussischer Entenschnabelsaurier zu einer ganz anderen Gattung?

Hai Xing vom Beijing Museum of Natural History (China) und sein Team untersuchten für ihre neue Studie die Osteologie und Taxonomie eines Lambeosauriers, der in der oberkreidezeitlichen Yuliangzi-Formation entdeckt und 2008 beschrieben wurde. Basierend auf detaillierten morphologischen Vergleichen zwischen verschiedenen Hadrosauroiden, argumentieren die Forscher, dass die Lambeosaurinen aus der Wulaga-Region, von denen die meisten zuvor Sahaliyania elunchunorum zugeschrieben wurden, eine Kombination von Merkmalen aufweisen, die eher typisch für die Spezies Amurosaurus riabinini ist. Deren Fossilien stammen aus der oberen Udurchukan-Formation (mittleres Maastrichtium) beim ostrussischen Blagoveschensk.

 

Die zu etwa 70% vollständigen Schienbeinknochen lassen vermuten, dass die Wulaga-Hadrosaurier ausgewachsene Tiere repräsentieren, die über 9m lang waren und vor etwa 67 Ma lebten. In Anbetracht der ausgemachten Ähnlichkeiten im Knochenbau und der Tatsache, dass die Formationen Yuliangzi und Udurchukan synchron im selben Becken abgelagert wurden, wird die Gültigkeit von Sahaliyania als eigene Gattung von den Forschern infrage gestellt. Amurosaurus wurde bereits 1991 benannt und hätte dementsprechend Vorrang, gemäß den Regeln des ICZN. In ihrer phylogenetischen Analyse stellen die Forscher zudem eine Schwester-Taxon-Beziehung zwischen Amurosaurus und dem amerikanischen Lambeosaurus her.


Umstrittenes Ubirajara-Fossil kommt zurück nach Brasilien!

Mehr als zwei Jahre lang sorgte ein Fossil für Aufruhr unter Wissenschaftlern auf der ganzen Welt und für große akademische Spannungen zwischen Deutschland und Brasilien. Sogar den Vorwurf von postkolonialistischer Ausbeutung mussten sich das internationale Forschungsteam und auch das Staatliche Naturkundemuseum in Karlsruhe immer wieder anhören, weil es unklar war, ob das Fossil 1995 legal nach Deutschland kam. Jetzt gibt das Land Baden-Württemberg das wissenschaftlich bedeutsame Dinosaurier-Fossil des Ubirajara jubatus an Brasilien zurück. Am 19. Juli 2022 stimmte das Landeskabinett dem Vorschlag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst zu, das nach eingehender Prüfung der Sachverhalte zu dem Ergebnis gekommen war, dass sich die Einfuhr- und Erwerbsumstände des Fossils nicht mehr eindeutig klären lassen.

 

Links das Fossil, rechts die Lebendrekonstruktion von Ubirajara jubatus, von Bob Nicholls.

Ministerin Theresia Bauer sprach von konsequentem Handeln, wenn es um Objekte gehe, die unter rechtlich oder ethisch inakzeptablen Bedingungen erworben wurden. Ubirajara solle deshalb dorthin zurück, wo er hingehört – nach Brasilien. Ob man der paläontologischen Forschung und dem Fossil selbst mit dieser Entscheidung nicht einen Bärendienst erweist, ist eine Frage, die jetzt aber auch mit im Raume steht. Brasilien habe, so die kritischen Stimmen, gar nicht die Ressourcen, ein so wichtiges Forschungsobjekt angemessen zu betreuen und zu verwahren. Die Bolsonaro-Regierung stelle dafür nicht die nötigen Gelder bereit, und das Nationalmuseum in Rio sei wegen der miserablen Bedingungen und Vernachlässigung im Jahr 2018 sogar in Flammen aufgegangen. Dabei wurden viele wertvolle Kulturgüter, darunter auch etliche Fossilien, für immer zerstört.


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Das war es für heute mit meinem Wort zum Sonntag und den Nachrichten aus der Urzeit. Wie gesagt: Nächste Woche geht es weiter, mit vielen weiteren spannenden Meldungen, die ich noch auf dem Schreibtisch habe. Jetzt werde ich die Regenpause in der Hitzewelle aber erstmal nutzen, um bei meinem Roman weiterzukommen.

 

Dir wünsche ich noch einen schönen Sonntag!

 

Dein Markus Peter Kretschmer

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