Wort zum Sonntag (26.09.2021)

Lesedauer: etwa 22 Minuten
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Hallo und einen schönen Sonntag (26.09.2021) wünsche ich dir!

 

Der September und damit auch der Sommer 2021 gehen zu Ende. Das spürt man jetzt an den etwas kühleren Temperaturen schon deutlich, und auch die Tage werden langsam wieder deutlich kürzer. Heute ist allerdings nicht nur deshalb ein ganz besonderer Sonntag. Es ist Bundestagswahl! Und wahrscheinlich die spannendste, die ich je erlebt habe. Und auch gleichzeitig die frustrierendste. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich von keiner aufgestellten Partei mehr repräsentiert. Korruption, Skandale, Steuergeldverschwendungen, Inkompetenz und dicke Lügen haben mein Vertrauen in die derzeitigen Regierungsparteien tief erschüttert. Und leider hat auch die Opposition nur wenig mit Inhalten, dafür aber mit nur schwer bzw. gar nicht erfüllbaren Versprechungen gekontert. Und die einzige Kandidatin, die (noch) nicht in irgendwelche kriminellen oder zumindest ethisch extrem fragwürdigen Verwicklungen verstrickt ist, ist leider überhaupt nicht durchsetzungsfähig und hat sämtliche Sympathiepunkte verspielt.

Wen also wählen?

Ich weiß folglich überhaupt nicht, wen ich wählen soll. Ich hab es allerdings trotzdem schon gemacht. Wen ich unterstütze? Könnte ich eigentlich ruhig sagen, weil es nur Kleinparteien waren, die ohnehin nicht in den Bundestag einziehen werden. Aber ich behalte es trotzdem lieber für mich. Auch wenn ich völlig ratlos bin, wie es politisch in Deutschland weitergehen wird, so finde ich es wichtig, dieses Recht trotzdem wahrzunehmen. Alle meine wahlberechtigten Leser möchte ich deshalb bitten: geht wählen.

 

Wenn ihr enttäuscht seid, wenn ihr euch nicht gehört, repräsentiert oder auch total verarscht fühlt, ist das absolut kein Grund, zuhause zu bleiben. Denn selbst wenn ihr eure Stimme nur Kleinparteien gebt, oder den Wahlzettel ungültig macht (alles ankreuzen, unterschreiben oder durchstreichen), so ist eure Stimme danach nicht verschwendet. Sie zählt im großen Topf trotzdem mit. Die Parteien, die ihr partout nicht unterstützen wollt, kriegen dann weniger Stimmen, weniger Mandate, weniger Geld. Lieber negativ wählen, als gar nicht wählen!


Dino-Treffen in Baden-Württemberg

Doch das soll es nun erst einmal gewesen sein mit meinen politischen Statements. Was mich schon viel mehr beschäftigt als diese „Schicksalswahl“ ist nämlich schon meine geplante Reise nach Süddeutschland. Wie bereits vor drei Wochen sollen nämlich schon nächste Woche wieder zwei Dino-Treffen stattfinden:

 

Museum für Naturkunde Stuttgart Dino-Treffen

02.10.2021: Dino-Treffen Stuttgart

Ort: Staatliches Museum für Naturkunde am Löwentor; Stuttgart

Treffpunkt: Vor dem Musuemseingang; Rosenstein 1-3, 70191 Stuttgart

Zeit: Samstag; 12:00 bis 18:00 Uhr

Preise: 5,-€ für Erwachsene, eine Führung kostet 40,-€ (aufgeteilt unter allen Teilnehmenden). Für Kinder ist der Eintritt frei!

Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

Das Treffen ist ab sofort buchbar!


Trossingen Auberlehaus Dino-Treffen

03.10.2021: Dino-Treffen Trossingen

Ort: Auberlehaus Trossingen

Treffpunkt: Vor dem Musuemseingang; Marktplatz 6, 78647 Trossingen

Zeit: Sonntag; 13:30 bis 17:00 Uhr

Preise: Erwachsene: 7,50 €; Kinder und Jugendliche bis 14 J. frei!

Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

Das Treffen ist ab sofort buchbar!


Für beide Dino-Treffen sind noch freie Plätze verfügbar. Ich wäre sehr froh, wenn sich uns noch einige begeisterte Dino-Fans anschließen würden! Die letzten Dino-Treffen waren wirklich großartige Erlebnisse für Groß und Klein, und es lohnt sich wirklich, einen Tag mit Menschen zu verbringen, die die gleiche Leidenschaft teilen wie man selbst. Ich habe dieses Jahr schon so viele tolle Leute kennengelernt, und das würde ich gern noch einmal wiederholen.


Neues Buch: Traumreise in die Urzeit

Mein neues Dino-Buch ist beinahe fertig! Der Text und die Illustrationen sind es schon, jetzt gerade liegt es bei der Lektorin. Schon in einem knappen Monat wird das Buch endlich erscheinen, und ich kann jetzt schon versprechen: Es wird großartig! Diesmal handelt es sich um ein Kinderbuch, mit Vorlese-Geschichten und entspannenden Traumreisen, die ein Kind in die geheimnisvolle Welt der Dinosaurier führen. Dort kann es echten, sprechenden Dinosauriern begegnen, mit ihnen Abenteuer erleben und ihnen auch bei so manchem Problem behilflich sein. Ein Lesespaß für Kinder im Vor- und Grundschulalter.

 

Eine Leseprobe und etwas ausführliche Beschreibung des Buches findest du hier:

 

Das neue Cover-Bild für „Traumreise in die Urzeit“, wieder aus der Feder unseres genialen Paleo-Künstlers Brian Murphy.

Bild der Woche

Eine Dakotaraptor-Mutter streift durch die Wälder von Hell Creek, begleitet von ihrem Nachwuchs. Einer davon könnte vielleicht unser Razor sein, eine der „Hauptfiguren“ in „Die Weißen Steine“ und auch meinem Traumreise-Buch. Das Artikelbild stammt von Roberto Akeiron.

 

26.09.2021


Paläo-News

Die letzten zwei Wochen waren um einiges ereignisreicher und spannender als der doch immer nerviger werdende Wahlkampf in Deutschland. Hier gab es echte Inhalte, wahre Sensationen und sogar so einiges an Neuigkeiten, die die (prähistorische) Welt tatsächlich auf den Kopf stellen. Aber lies selbst:


Neue Studie bestätigt: T. rex hatte eine sehr empfindliche Schnauze!

Die Morphologie des neurovaskulären Kanals im Kiefer wurde schon bei mehreren fossilen Reptilien, einschließlich von Theropoden (fleischfressenden Dinosauriern) analysiert. Die Details des neurovaskulären Kanals im Zahnbein von Theropoden sind jedoch trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig aufgeklärt.

 

In einer neuen Studie haben Soichiro Kawabe und Soki Hattori von der Fukui Prefectural University (Japan) das gut erhaltene Gebiss eines Tyrannosaurus rex beschrieben. Dabei nahmen sie besonders die Morphologie des neurovaskulären Kanals im Gebiss unter die Lupe. Mit Computertomographie-Techniken wurde der Kiefer analysiert und die Daten anschließend mit anderen Dinosauriern und heutigen Krokodilen verglichen.

 

Die Ergebnisse zeigen, dass der neurovaskuläre Kanal im Gebiss von Tyrannosaurus eine ziemlich komplexe Verzweigung unter den untersuchten Dinosauriern aufweist und dass die Komplexität mit der von lebenden Krokodilen vergleichbar ist. Die Komplexität der Kanalverzweigung hängt wahrscheinlich mit der hohen Tastsensibilität des Zahnes zusammen, was darauf hindeutet, dass die Kieferspitze des Tyrannosaurus als sensibler Tastsensor eine wesentliche Rolle gespielt haben könnte.


Forscher sequenzieren das Genom einer Jägerin und Sammlerin aus Wallacea

Über die Bevölkerungsgeschichte der frühen modernen Menschen in Südostasien, wo die archäologischen Aufzeichnungen spärlich sind und das tropische Klima der Erhaltung der alten menschlichen DNA feindlich gegenübersteht, ist noch vieles unbekannt. Bisher wurden nur zwei altsteinzeitliche menschliche Genome mit geringer Abdeckung aus dieser Region sequenziert. Beide stammen aus der Hòabìnhian-Stätte, einer Jäger-Sammler-Kultur auf dem Festland: Pha Faen in Laos, mit einem Alter von 7939–7751 Jahren, und Gua Cha in Malaysia mit 4400–4200 Jahren.

 

In einer neuen Studie untersuchten Selina Carlhoff vom Max Planck Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und ihr Team ein weiteres menschliches Genom aus Wallacea, der ozeanischen Inselzone zwischen dem Sunda-Schelf (bestehend aus dem südostasiatischen Festland und den kontinentalen Inseln Westindonesiens) und dem pleistozänem Sahul (Australien-Neuguinea). Die Forscher extrahierten DNA aus dem Knochen einer jungen Jägerin und Sammlerin, die vor 7300 bis 7200 Jahren in der Kalksteinhöhle von Leang Panninge in Süd-Sulawesi, Indonesien, begraben wurde.

 

Genetische Analysen zeigen, dass die Frau mit dem Toalean-Technokomplex in Verbindung steht. Sie weist außerdem die meisten genetischen morphologischen Ähnlichkeiten mit heutigen Menschen Papuas und indigenen australischen Ureinwohnern auf. Dennoch stellt sie wohl eine zuvor unbekannte, divergente menschliche Abstammungslinie dar, die sich schon vor ungefähr 37.000 Jahren von diesen Populationen abspaltete. Weiterhin konnten im Genom auch Einflüsse von Denisova-Menschen nachgewiesen werden.


Neue Studie zum Landgang der Wirbeltiere: frühe Landwirbeltiere entwickelten sich erstaunlich schnell

Der Übergang vom Fisch zum Tetrapoden ist eines der wichtigsten Ereignisse in der Wirbeltierevolution, doch viele grundlegende Fragen zur Dynamik dieses Übergangs sind bis heute noch völlig unerforscht. Tiago R. Simões und Stephanie E. Pierce von der Harvard University (USA) nutzten für ihre neue Studie die Fortschritte in der Bayesschen morphologischen Uhrenmodellierung, um die evolutionäre Dynamik früher Landwirbeltiere (Tetrapoden und ihre nächsten Fischverwandten) aufzudecken. Die Forscher fanden dabei heraus, dass die Kombination der Kalibrierungsdaten von Knochen- und Fährtenfossilien zu großen Verschiebungen der Entstehungszeit aller großen Gruppen von Tetrapodomorphen führt. Diese beträgt bis zu 25 Millionen Jahre.

 

Niedrige Nettodiversifikationsraten, nicht vorhandene Fossilien und mitunter sehr lange Geisterlinien in den frühen Tetrapodomorphen verzerren das Bild zusehends. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse der Studie bei den meisten frühen Tetrapodomorphen extrem niedrige Raten morphologischer Veränderungen, was auf eine weit verbreitete stabilisierende Selektion nach ihrem Fisch-Morphotyp hindeutet. Dieses Muster wurde nur von Elpistostegalianern (einschließlich der frühen Tetrapoden) durchbrochen, die während des Einsatzes des Tetrapoden-Körperplans für etwa 30 Ma anhaltend hohe Raten der morphologischen Evolution durchmachten. Die Landwirbeltiere müssen also in einer extrem kurzen Zeit alle wesentlichen Merkmale für ein Leben an Land entwickelt haben.


Schlangen profitierten vom Massenaussterben am Ende der Kreidezeit

Massensterben haben die globale Biodiversität immer wieder entscheidend verändert. Das Massenaussterben am Ende der Kreide (K-Pg) verursachte den Untergang zahlreicher Wirbeltiergruppen, und seine Folgen sahen die schnelle Diversifizierung der überlebenden Säugetiere, Vögel, Frösche und Knochenfische. Die Auswirkungen des K-Pg-Aussterbens auf die Evolution von Schlangen – einer Hauptgruppe der Landreptilien mit über 3.700 lebenden Arten – sind jedoch bis heute noch kaum verstanden.

 

Als die Nichtvogel-Dinosaurier verschwanden, gehörten Schlangen zu den Profiteuren. Bildquelle: Joschua Knüppe.

In einer neuen Studie kombinierten Catherine G. Klein von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und ihr Team einen umfangreichen molekularen Datensatz mit phylogenetischen und stratigraphisch eingeschränkten Fossilienkalibrierungen, um eine evolutionäre Zeitskala für die Schlange (Serpentes) abzuleiten. Sie konnten dabei eine potenzielle Diversifizierung unter der Kronengruppe der Schlangen feststellen, die mit dem K-Pg-Massenaussterben in Verbindung gebracht werden kann.

 

An ihrem Beginn steht z.B. die erfolgreiche Besiedlung Asiens durch die wichtigste noch vorhandene Klade der Afrophidien. Den Schlangen des Paläogens kam wahrscheinlich ihre gute Anpassungsfähigkeit zugute: als die Erde durch den Einschlag eines gewaltigen Meteoriten verwüstet worden war, fanden die überlebenden Schlangen immer noch genug Nahrung. Sie konnten im Geäst der noch stehenden Bäume klettern, aber auch in Höhlen und Erdbauten von Säugetieren kriechen, um dort Beute zu machen. Die Morphometrie der Wirbel deutet auf eine zunehmende morphologische Spezialisierung bei den Meeresschlangen durch das Paläogen hin. Die Ausbreitungsmuster von Schlangen, die nach dem K-Pg lebten, unterstreicht die Bedeutung dieses Massenaussterbens für die Gestaltung der existierenden Wirbeltierfauna der Erde: die Schlangen waren demnach die ersten großen Profiteure, nachdem viele ökologische Nischen nach dem Aussterben der meisten Dinosaurier frei geworden waren.


Kairuku waewaeroa: Neuer Riesenpinguin von Neuseeland

Die Pinguine (Sphenisciformes) haben wohl den vollständigsten und beständigsten Fossilienbestand aller Vogelgruppen und bieten den Forschern ein ständig verbessertes Verständnis ihrer Pinguinphylogenie, Biogeographie und der Entwicklung des Flügeltauchens. Unser Wissen über die genauen Körperproportionen von Stammgruppenpinguinen bleibt jedoch aufgrund eines Mangels an artikulierten Exemplaren gering.

 

Simone Giovanardi und Daniel B. Thomas von der Massey University in Auckland (Neuseeland) und ihr Kollege Daniel T. Ksepka vom Bruce Museum in Greenwich (USA) beschreiben in einer neuen Studie einen weiteren Riesen-Pinguin aus dem Oligozän von Neuseeland. Das Tier gehört zur Gattung Kairuku, repräsentiert aber eine neue Art, Kairuku waewaeroa. Die Fossilien stammen aus der Glen Massey-Formation und wurden in der Nähe von Kawhia Harbour auf der Nordinsel Neuseelands von Kindern aus dem Hamilton Junior Naturalist Club gefunden, die sich 2006 auf einen Ausflug zur Fossilienjagd begeben hatten.

 

Die Riesenpinguine von Neuseeland. Lebendbild von Simone Giovanardi.

Das etwa 30 Ma alte Fossil ist eines der vollständigsten Skelette eines Riesenpinguins, das bisher entdeckt wurde. Die phylogenetische Analyse zeigt eine Klade aus den neuseeländischen Endemiten Kairuku waewaeroa, Kairuku waitaki und Kairuku grebneffi, die durch Synapomorphien, u.a. durch einen kräftigen Oberschenkelschaft unterstützt wird. Kairuku waewaeroa ist einzigartig unter den Pinguinen, da er längliche Tibiotarsi hat, also lange, stängelartige Beine. Die Entdeckung von Kairuku waewaeroa trägt eine weitere Pinguinart zu einer Oligozän-Avifauna für Zealandia bei, die auch voll mit anderen Riesenvögeln, wie den gewaltigen Pelagornithiden ist.


Winzige Dinosaurier-Eier aus Japan

Die Fundstelle Kamitaki aus der frühen Oberkreide der Ohyamashimo-Formation in der östlichen Präfektur Hyogo im Südwesten Japans gehört zu den reichsten Fundstellen fossiler Eier aus der Unterkreide auf der ganzen Welt. Bisher wurden im Kamitaki Bonebed Quarry Eierschalen von fünf verschiedenen Ootaxa, einem Ornithopoden und vier Theropoden, identifiziert. Obwohl sich frühere Funde von Eiresten auf isolierte Eierschalenfragmente beschränkten, beschrieben Kohai Tanaka von der University of Tsukuba und sein Team im Rahmen einer neuen Studie ein fast vollständiges Ei, mehrere Eierschalen sowie zahlreiche kleine Eierschalenfragmente.

 

Taphonomische Untersuchungen weisen darauf hin, dass der neue Standort die Überreste eines in-situ-Nests des Ootaxons Himeoolithus murakamii bewahrt, gemischt mit verstreuten und isolierten Eierschalenfragmenten anderer nicht-vogelartiger Theropoden-Ootaxa, einschließlich Nipponoolithus ramosus, Prismatoolithus sp. und Subtiliolithus hyogoensis.

 

Das am häufigsten vorkommende Ootaxon im Steinbruch, Himeoolithus, wird durch vier Eier und über 1300 verstreute Eierschalenfragmente repräsentiert. Himeoolithus ist das kleinste bisher bekannte nicht-Vogel-Theropoden-Ei (9,9 g in der geschätzten Masse) und weist eine ungewöhnlich längliche Form auf (Länge-Breite-Verhältnis von 2,25) für ein kleines Ei. Das Vorkommen von sechs Dinosaurier-Ootaxa aus den beiden Steinbrüchen in der Lokalität Kamitaki zeigt eine versteckte Vielfalt kleiner Dinosaurier, insbesondere nicht-Vogel-Theropoden, in der Hyogo-Region und weist darauf hin, dass das Gebiet vor etwa 100 Ma von verschiedenen kleinen Dinosaurierarten zum Nisten genutzt wurde.


Die älteste Abdruck-Kunst der Welt: waren tibetische Kinder ihre Urheber?

David D. Zhang von der Guangzhou University (China) und sein Team schreiben in einer neuen Studie über eine Reihe von Hand- und Fußabdrücken, die sie in Quesang auf dem tibetischen Plateau entdeckten. Die Spuren wurden anscheinend absichtlich auf die Oberfläche einer Einheit aus weichem Travertin gedrückt. Der Travertin wurde durch das Wasser einer heißen Quelle abgelagert, die jetzt inaktiv ist, und als der Travertin versteinert wurde, bewahrte er die Spuren für Jahrhunderttausende.

 

Aufgrund der geringen Größe der Hand- und Fußspuren vermuten wir, dass es sich um zwei Kinder handelte, die hier vielleicht im Spiel ihr Zeichen gesetzt haben. Dennoch interpretieren die Forscher den Fund als bewussten künstlerischen Akt, der ein Werk parietaler Kunst geschaffen hat. Die Travertineinheit, auf der die Spuren aufgedruckt wurden, stammt aus der Zeit von vor 169.000 bis 226.000 Jahren. Dies würde die Stätte zum ältesten derzeit bekannten Beispiel parietaler Kunst der Welt machen und würde auch die frühesten bisher entdeckten Beweise für Homininen auf dem Hochtibetischen Plateau (über 4000 m ü. M.) liefern. Diese bemerkenswerte Entdeckung ergänzt die Forschung, die Kinder als einige der frühesten Künstler innerhalb der Gattung Homo identifiziert.


Gewalt bei Tyrannosauriern

Innerartliche Gewalt ist ein weit verbreitetes, intrasexuelles selektives Verhalten, das für das Verständnis der Verhaltensökologie und der Fortpflanzungssysteme von Tieren von Bedeutung ist – so auch bei denen, die längst ausgestorben sind. Da man bei ihnen diese Kämpfe nun natürlich nicht mehr beobachten kann, untersuchen Paläontologen die Verletzungsspuren und Narbenbildung, auch bei Dinosauriern. Daneben beobachten sie auch das Verhalten ihrer nächsten Verwandten: so geht es bei Krokodilen bei Paarungskämpfen oft ziemlich gewalttätig zu, während Vögel eher ein Imponiergehabe zeigen und seltener Gewalt einsetzen.

 

Wie verhielt es sich aber bei Tyrannosaurus rex, einem der berühmtesten Dinosaurier? Caleb M. Brown, Philip J. Currie und François Therrien dokumentierten in ihrer neuesten Arbeit die Morphologie, Häufigkeit und Ontogenese von insgesamt 324 Verletzungen an T. rex-Schädeln, die bei intraspezifischen Bissen ins Gesicht entstanden sind. Als Stichprobe wurden auch 528 ähnliche Verletzungen bei anderen Tyrannosauriden betrachtet.

 

Die Gesichtsnarben sind in Position und Ausrichtung bei allen Tyrannosauridenarten gleich, was darauf hindeutet, dass Bisse aufgrund wiederholter/positionierter Verhaltensweisen verursacht wurden. Gesichtsnarben fehlen bei jungen Tyrannosauriden, treten zuerst bei Tieren kurz vor der Pubertät auf (bei Erreichen von etwa 50% der Schädellänge von Erwachsenen), und sie sind bei über 60% der ausgewachsenen Exemplare vorhanden.

 

Dies deutet darauf hin, dass Agressionsverhalten bei Tyrannosauriern mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife in Verbindung steht. Das Vorhandensein von Narben bei etwa der Hälfte der Exemplare kann mit einem sexuellen Muster zusammenhängen – vielleicht war eines der Geschlechter deutlich aggressiver gegenüber Artgenossen. Somit ähnelte das Kampfverhalten der Tyrannosaurier wohl eher dem von Krokodilen als von Vögeln.


Menschliche „Geisterspuren“ in New Mexico sind älter als gedacht: neue Studie datiert den frühesten Nachweis menschlicher Besiedlung auf mindestens 21.000 Jahre vor unserer Zeit!

Die mysteriösen „Geisterspuren“ im White Sands National Park in New Mexico sind ein interessantes Phänomen: Wenn der Boden dort zu bestimmten Jahreszeiten nass genug ist, erscheinen die Fußabdrücke wie von Zauberhand – bei trockenem Wetter sind sie unsichtbar. Doch erst im Jahr 2016, konnten Wissenschaftler bestätigen, dass die Geisterspuren wirklich von Menschen gemacht wurden – und erst jetzt wurden einige der alten Fußabdrücke in White Sands als die frühesten in Nordamerika datiert.

 

Archäologen und Forscher auf verwandten Gebieten versuchen schon lange, die menschliche Besiedlung Nordamerikas zu verstehen. Doch die Fragen, wann und woher genau die ersten Siedler kamen, welchen Weg sie benutzten und wie sich ihre Ankunft auf die etablierte Fauna und Landschaft auswirkte, bleiben weiterhin offen. Matthew R. Bennet von der Rice University in Houston (Texas) und sein Team haben in ihrer neuesten Studie die „Geisterspuren“ genau erforscht und den Boden der Ausgrabungsstelle datiert. Die fossilen Überreste von Wasserpflanzen aus den gleichen Schichten waren nach Analyse mithilfe der C14-Datierung zwischen 23.000 und 21.000 Jahren alt.

 

Der White Sands National Park heute und damals – in verschiedenen Ablagerungsschichten finden sich Zeugnisse einer spektakulären Tierwelt. Und die frühen Menschen könnten sie tatsächlich noch zu Gesicht bekommen haben. Rekonstruktion von Karen Karr.

Diese Ergebnisse sind die derzeit ältesten klaren Belege für die Anwesenheit von Menschen in Nordamerika und wurden während des letzten glazialen Maximums hinterlassen, also nicht erst nach einem Rückgang des Eises, sondern als die Eisschilde in Nordamerika noch sehr mächtig waren. Die Spuren erweitern außerdem das Verständnis ökologischer Zusammenhänge und bestätigen, dass Menschen und eiszeitliche Großtiere in Nordamerika mehrere Jahrtausende zusammenlebten, und nicht, dass sie schon kurz nach Auftauchen des Menschen ausstarben.


Spicomellus afer: bizarrer Ankylosaurier aus Marokko

Die Ankylosaurier sind eine vielfältige Gruppe von gepanzerten Dinosauriern, deren Mitglieder wichtige Bestandteile vieler Ökosysteme der Kreidezeit waren. Phylogenetische Analysen deuten darauf hin, dass die Panzersaurier sich während des späten Unterjuras von ihrer Schwestergruppe, den Stegosauriern, trennten. Doch die Fossilien beider Kladen sind bis zum späten Jura leider nur spärlich vorhanden. Darüber hinaus ist Ankylosauria fast ausschließlich auf Lagerstätten auf den Nordkontinenten beschränkt.

 

Susannah C. R. Maidment vom Natural History Museum in London (UK) und ihr Team beschreiben in ihrer neuen Studie einen zuvor unbekannten, sehr frühen Ankylosaurier aus dem Bathonium (Mitteljura) vor etwa 168 Ma. Spicomellus afer, wie die Forscher das Tier nannten, könnte der früheste bekannte Ankylosaurier sein und ist der erste, der aus Afrika, aus der marokkanischen El Mers II Formation, bekannt ist. Wo genau das Fossil gefunden wurde, ist allerdings unklar – es wurde vom Museum 2019 von einem Fossilhändler gekauft. Der Name bedeutet so viel wie „afrikanischer Stachelmantel“.

 

Lebendrekonstruktion von Spicomellus afer nach Joschua Knüppe.

Das fossile Exemplar besteht aus einer Rippe mit stacheliger Hautpanzerung, die mit seiner Rückenoberfläche verschmolzen ist, eine einzigartige Morphologie unter ausgestorbenen und noch existierenden Wirbeltieren. Es ist ein wichtiger Schlüssel zur Erforschung der Herkunft von gepanzerten Dinosauriern und ihrer frühen Entwicklung, und es deutet auf einen vielleicht sehr vielfältigen, aber bislang noch unentdeckten Fossilienbestand der Ankylosaurier auf dem Südkontinent Gondwana hin.


Schwanz spielte wichtige Rolle bei der Fortbewegung von fleischfressenden Dinosauriern

Die Art der Fortbewegung hat die Ökologie, und Evolution, aber auch das Aussterben von Arten im Laufe der Erdgeschichte beeinflusst. Doch die Erforschung der Details ihrer Fortbewegung ist ausgehend vom Fossilienbestand für die Paläontologen immer eine große Herausforderung, insbesondere bei zweibeinig laufenden Dinosauriern. Heute gibt es nämlich kein Tier mehr, das läuft wie ein T. rex oder ein Coelophysis, denn den relativ nahe verwandten Laufvögeln, die oft als Vergleichsobjekte herangezogen werden, fehlt der lange Schwanz.

 

Statt Beobachtungen im heutigen Tierreich liefert aber auch die Computer-Biomechanik Erkenntnisse, indem sie die beobachtete Anatomie mechanistisch mit der Funktion und dem Verhalten der Dinosaurier in Beziehung setzt. Peter J. Bishop von der KU Leuven (Belgien) und sein Team nutzten im Rahmen ihrer Studie diese neue Technik, um die ersten vollständig prädiktiven, dreidimensionalen, muskelgesteuerten Simulationen der Fortbewegung bei Coelophysis zu erstellen.

 

Interessanterweise beinhalteten die Simulationen ausgeprägte Lateroflexionsbewegungen des Schwanzes. Simulationen zeigen, dass der Schwanz nicht nur ein statisches Gegengewicht zum Vorderkörper war, sondern eine entscheidende dynamische Rolle bei der Fortbewegung spielte, wobei die Lateroflexion als passiver Mechanismus zur Regulierung des Drehimpulses und zur Verbesserung der Bewegungsökonomie fungierte. Der Schwanz übernahm also in etwa die gleiche Rolle wie bei uns Menschen die Arme, die wir beim Sprint ebenfalls schwingen, um uns im schnellen Lauf einerseits zu stabilisieren, andererseits nach vorn zu beschleunigen. Der Schwanz dürfte also auch bei allen anderen zweibeinigen Nicht-Vogel-Theropoden eine ähnliche Rolle gespielt haben.


Neue Stamm-Lepidosaurier aus der Trias Gondwanas schreiben Evolutionsgeschichte der Schuppenechsen um

Die frühe Evolution der Diapsid-Reptilien ist gekennzeichnet durch einen tiefen Kontrast zwischen unserem Wissen über die Herkunft und frühen Evolution der Archosaurier (Krokodile, Flugsaurier, Dinosaurier und Vögel) und der Lepidosauromorpha (Squamaten (Eidechsen und Schlangen) und Brückenechsen). Während erstere während der Trias Hunderte von fossilen Arten verschiedener Abstammungslinien umfassen, werden letztere durch einen extrem lückenhaften frühen Fossilienbestand repräsentiert, der nur eine Handvoll fragmentarischer Fossilien umfasst, von denen die meisten unsichere phylogenetische Affinitäten haben und auf Europa beschränkt sind.

 

Lebendrekonstruktion eines basalen Lepidosauriers in der Trias. Bildquelle: Jorge Blanco.

Ricardo M. Martínez von der Universidad Nacional de San Juan (Argentinien) und sein Team berichten in ihrer neuen Studie über die Entdeckung eines dreidimensional erhaltenen Reptilienschädels, den sie als Taytalura alcoberi neu benannten. Es könnte sich um den frühesten bekannten Lepidosaurier handeln, der in der späten Trias in Argentinien lebte. Mikro-Computertomographie-Scans dieses Schädels zeigen Details über den Ursprung des Lepidosaurier-Schädels aus frühen Diapsiden, was darauf hindeutet, dass mehrere Merkmale, die traditionell mit Sphenodontiern in Verbindung gebracht werden, tatsächlich noch viel früher als gedacht in der Evolution der Lepidosauromorphen entstanden sind.

 

Fossil und Beschreibung von Taytalura alcoberi.

Nahezu zeitgleich veröffentlichte auch ein anderes Team unter der Leitung von David P. Ford von der University of Witwatersrand eine weitere Studie über ein Reptil, das als Paliguana whitei bekannt ist und bereits 1903 erstmalig beschrieben wurde. Auch Paliguana war vermutlich ein sehr basaler Lepidosaurier. Die Stamm- und Kronenlepidosaurier waren während der Trias mindestens zehn Millionen Jahre lang Zeitgenossen. Und sie hatten eine viel breitere geografische Verbreitung als bislang angenommen.

 

Fossil und Beschreibung von Paliguana whitei.

Streit um Ubirajara

Das Naturkundemuseum Karlsruhe bekommt gerade eine Shitstorm zu spüren… Schon seit einiger Zeit fordert Brasilien, dass das Fossil des kürzlich beschriebenen Dinosauriers Ubirajara jubatus, eines kleinen Compsognathiden mit beeindruckenden Schmuckfedern, zurück nach Hause soll, dorthin, wo es ursprünglich ausgegraben wurde. Jetzt haben diese Forderungen auch die sozialen Netzwerke erreicht und tausende User fordern unter dem Hashtag #ubirajarabelongstoBR, dass das Fossil wieder zurückkommt und werfen dem Museum Diebstahl und eine „kolonialistische Haltung“ vor. Das Museum Karlsruhe habe nicht das Recht, über das nationale Erbe Brasiliens zu bestimmen, so die Kritiker.

 

Nationalistische Bestrebungen oder Kampf ums nationale Kulturerbe?

Demgegenüber stehen allerdings auch so einige Gegenargumente. Seit über 20 Jahren ist das Dino-Fossil schon in Karlsruhe. Doch erst jetzt, nach einer Erstbeschreibung, die für Furore sorgte, zeigen die Brasilianer plötzlich Interesse. Dies mag natürlich daran liegen, dass der Fund heimlich und sogar illegal aus dem Land gebracht wurde. So sehen es die Kritiker. Die Befürworter beharren, dass die Ausfuhr legal und nach damals geltendem Gesetz erfolgte. Sie argumentieren, dass diese Forderung bloß im Kontext der nationalistischen Regierung Bolsonaros stehe und man nur deshalb das Fossil unbedingt wiederhaben wolle. Doch hat ein anderes Land dann das Recht, einem anderen ihr Fossil einfach wegzunehmen? Und nach einer Rückforderung die Rückgabe zu verweigern? Ist das nicht genauso nationalistisch?

 

Schlimme Zustände für Kulturschätze in Brasilien?

Doch die Zustände in Brasilien sind was die Aufbewahrung und Wertschätzung von Fossilien angeht ziemlich dürftig. Das eigene Museum in Rio de Janeiro ist vor einigen Jahren unter dubiosen Umständen abgebrannt. Dem Museum wurden ständig die Geldmittel gekürzt, sodass Sanierung, Wartung und vor allem eben der Brandschutz deutlich zu kurz kamen. Dafür trägt die brasilianische Regierung die Verantwortung (um nicht zu sagen Schuld), und wahrscheinlich würde es den Ubirajara also gar nicht mehr geben, hätte man ihn den Brasilianern überlassen. Doch rechtfertigt dies die umstrittene Ausfuhr von Fossilien? Selbst wenn diese legal erfolgte, so gibt es das Gesetz, dass wenigstens ein brasilianischer Forscher an der Arbeit an ausgeführten Fossilien beteiligt sein muss. Das ist bei Ubirajara aber nicht der Fall.

 

Lebendrekonstruktion von Ubirajara jubatus nach Bob Nicholls.

Sind Fossilien paläontologisches Welt- oder nationales Kulturerbe?

 

Fossilien seien außerdem paläontologisches Welterbe und nicht so sehr das Erbe einer Nation, wie z.B. klassische Kunst- und Kulturgüter, so argumentieren die Befürworter. Und solange die brasilianische Regierung nicht den rechtlichen Rahmen für paläontologisches Arbeiten angemessen überarbeitet und liberalisiert, und auch die Weltgemeinschaft an der legalen Erforschung des reichen paläontologischen Welterbes Brasiliens teilhaben lässt, sei das Fossil in Karlsruhe sehr viel besser aufgehoben. Doch sollte man hier nicht vielleicht eher die zukünftige Zusammenarbeit mit brasilianischen Forschern im Blick haben? Auf die wissenschaftlichen Beziehungen hat dieser Streit jedenfalls sicherlich keinen guten Einfluss. Es ist deshalb sehr wünschenswert, wenn beide Seiten sich irgendwie einigen können.

 

Schreibt mir in den Kommentaren gerne eure eigene Meinung zu diesem brisanten Thema!


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Das war’s für heute mit meinen Nachrichten aus der Urzeit! Ich wünsche dir jetzt noch einen schönen Sonntag, genieß den Tag – und bitte geh wählen!

 

Liebe Grüße,

Dein Markus Peter Kretschmer

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