Erneut gefilmt – der australische Yowie

von: Ulrich Magin

 

Der Yowie ist der australische Bigfoot – ein um die zweieinhalb, manchmal bis zu drei Meter hoher, dicht behaarter, aufrecht gehender Affenmensch oder Menschenaffe. Er ist fast noch unwahrscheinlicher als Bigfoot – in Australien gibt es, tiergeografisch betrachtet, keine höheren Säugetiere, nur Beuteltiere. Sollte der Yowie ein Beutelaffe sein?

Wie Tim Binnall am 14. Januar 2020 auf der Internetseite coasttocoastam.com berichtet, hat der Australier Mark Demetriou nun ein Exemplar im Imbil State Forest im Bundesstaat Queensland gefilmt. Demetriou gibt an, er sei bei der Goldsuche gewesen, als ihn das Untier überraschte. Als er an einen Eimer klopfte, um ihn zu säubern, schleuderte etwas aus dem Wald einen Holzklotz gegen ihn.

Auf Facebook schreibt der Zeuge (übersetzt): „Ich spürte irgendwie, dass ich beobachtet werde, und im Busch war es plötzlich mehrere Minuten lang still.“ Er spähte ins Buschwerk und an der Stelle, von wo der Klotz gekommen war, bemerkte er etwas „Großes und Schwarzes“, das ihn anzustarren schien. Nun zückte der Mann sein Smartphone und begann zu filmen. Auf der Aufnahme sieht man leider nur vage etwas Schwarzes, was sich hinter Bäumen bewegt – es könnte ein dunkler Flokati sein, der hin und her geschwenkt wird. Schließlich will Demetriou laut gesagt haben: „Ich sehe, dass du mich anstarrst. Komm raus, du kannst jetzt rauskommen.“

Demetriou verließ danach das Gebiet verängstigt, wollte aber Mitte Januar zurückkehren, um nach eventuellen Fußstapfen im Schlamm zu fahnden.

Kurz vor der Entdeckung?

Das umfassendste und empfehlenswerte Werk über den Yowie ist das Buch „The Yowie“ von Healy und Cropper. Nach ihrem Buch, in dem sie 282 Fälle detailliert beschreiben, sind die Hauptverbreitungsgebiete die Bundesstaaten Queensland, Victoria und New South Wales (sie erstellen eigentümlicherweise keine geografisches Übersicht). Etwas mehr als die Hälfte aller Meldungen stammt also aus der Region, in der jüngst – und teilweise immer noch – die stärksten Waldbrände gewütet haben, die man in Australien je kannte. Über 1,25 Milliarden Tiere sind dabei in New South Wales und Victoria bislang nach Schätzungen von Experten verendet  (Link: 7. Januar 2020: 480 Millionen tote Wirbeltiere; Link: 8. Januar 2020: vermutlich über 1 Milliarde Wirbeltiere), die Kadaver liegen auf dem Aschenboden verstreut neben verkohlten Baumskeletten.

 

Yowie-Statue
Statue eines Yowie im Yowie Park, Kilcoy, Queensland (Foto Paul Sommerset, CC 3.0)

Flaming Tree
Brennender Baum eines Bushfeuers in Australien. Foto: Highway Patrol Images)

„Bis genaue Zahlen vorliegen“, zitiert RTL die australische Landwirtschaftsministerin Bridget McKenzie, „wird es Monate dauern.“ Sie warnte davor, dass durch die große Anzahl toter Tiere die Seuchengefahr dramatisch ansteigt. Nun soll die australische Armee bei der Beseitigung der Kadaver in Tiermassengräbern helfen.

Keine Yowie-Kadaver?

Was, wenn dabei im Hauptverbreitungsgebiet des Yowie kein einziges durch die Waldbrände verendetes Exemplar gefunden wird? Werden Kryptozoologen, die an seine Existenz glauben, dann zugeben oder zumindest in Erwägung ziehen, dass es ihn vielleicht gar nicht gibt?

Vermutlich wird die Geschichte weitergehen wie bisher. Schließlich wurde auch 1980 nach der Ausbruch des Mount St Helens, einem der Hauptverbreitungsgebiete des Bigfoot, kein totes Exemplar geborgen, so als seien alle Affenmenschen ausgeflogen, bevor der Berg völlig unerwartet explodierte.

Über den Vorfall am Mount St Helens und daraus entstandene Gerüchte berichteten wir am 10. September 2019.


Literatur:

Binnall, Tim: Watch Australian Man Films Yowie?; Coast to Coast, online vom 14. Januar 2020

McCleery, Adam: Mechanic shares eerie footage of a ‚mysterious creature‘ which stalked him through bushland where ‚yowies have been spotted before‘; Daily Mail Online Australia vom 14. Januar 2020

Healy, Tony; Cropper, Paul: The Yowie: In Search of Australia’s Bigfoot. Anomalist Books 2006


Ulrich Magin (geb. 1962) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Kryptozoologie, insbesondere mit Ungeheuern in Seen und im Meer. Er ist Mitarbeiter mehrerer fortianischer Magazine, darunter der „Fortean Times“ und Autor verschiedener Bücher, die sich u.a. mit Kryptozoologie befassen:
Magischer Mittelrhein, Geheimnisse des Saarlandes, Pfälzer Mysterien und jüngst Magische Mosel.

Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.

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