Beluga mit Beobachtern vor Holland. Foto: Jeroen Brandjes, CC-BY-NC-NDBeluga und Beobachter bei Julianadorp. Foto: Jeroen Brandjes, CC-BY-NC-ND
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Vor der niederländischen Nordseeküste ist ganz überraschend ein Beluga aufgetaucht.

 

Updates 25.01., 28.01. und 02.02.2026

 

Gestern, am 17.01.2026 gab es die ersten Meldungen aus der Nähe von Den Helder im Nordwesten des Landes. Nicht nur die Stichtig SOS Dolfijn, die sich um gestrandete Wale kümmert, sondern auch zahlreiche Beobachter waren auf dem Weg dorthin, um den ungewöhnlichen Gast zu sehen und zu fotografieren. Laut SOS Dolfijn ist das Tier bei guter Gesundheit, frisst und wirkt nicht abgemagert. Es trägt eine Narbe an der Flanke, was ein Identifizierung ermöglichen könnte.

Insbesondere vor Julianadorp aan Zee wurde das Tier von zahlreichen Naturfreunden beobachtet und fotografiert. Es hielt sich im Bereich zwischen 100 und etwa 1000 m vor der Küste auf, tauchte regelmäßig und schien Heringe zu fressen.

Die initiale Beobachtung erfolgte am 17.01.26, gegen 12:30 Mittags bei Callantsoog, später wenige Kilometer weiter nördlich bei Julianadorp. Die ungewöhnliche Sichtung verbreitete sich schnell, bereits am frühen Samstagnachmittag (auch 17.01.) fanden sich Scharen von Fotografen auf den Dünen und Stränden des kleinen Ortes ein. Gegen 16:30 am Samstag wurde die letzte Sichtung veröffentlicht.

Auch am Sonntag (18.01.26) wurde das Tier beobachtet, ebenfalls vor Julianadorp und dem nördlich gelegenen Den Helder. Die erste Sonntagsmeldung stammt von 9:40 Uhr, die letzte von knapp 13 Uhr. Bei den letzten Beobachtungen bewegte sich das Tier wieder nach Süden.

Auch an den folgenden Tagen, vom 19.01. bis mindestens 25.01. blieb das Tier in der Gegend und wurde beobachtet und fotografiert. Mittlerweile scheint der Wal ein wenig weiter nach Süden gewandert zu sein, die letzten Beobachtungen von Samstag und Sonntag gelangten vor Egmond aan Zee, etwa 30 km südlich der ersten Beobachtungen.

Das Tier wurde erst am 28.01. wieder beobachtet, einige km nördlich bei Schoorlse Duinen, Bergen und Heemskerk, am 29.01. wieder bei Castricum-Strand. Vom 30.01. gab es keine Beobachtung, am 31.01. schwamm das Tier nach Norden, vorbei an Egmond und Bergen (NH), um am Sonntagmittag, 01.02. wieder bei Callantsoog aufzutauchen. Danach wanderte der Wal wieder einige Kilometer nach Süden, die letzte Beobachtung am Sonntag erfolgte vom Strand bei Sint Maartenzee.

Quelle: observation.org

Beluga vor Nordholland
Beluga-Wal vor Nordholland. Foto: CC-BY-NC-ND by Roy Slaterius

Parallel, aber weitgehend unbeachtet: Ein Finnwal in der Flensburger Förde

Etwa zeitgleich, aber durch die Beobachtungen des Belugas aus dem Focus gedrückt, wanderte ein juveniler Finnwal in die Flensburger Förde ein. Das Tier wurde zunächst am Morgen des 17.01.2026 vor dem Aussichtspunkt Fördeblick am ehemaligen Industriehafen gesichtet. In den folgenden Tagen wanderte der Wal zwischen dem Hafengebiet in Flensburg und der offenen Förde mehrfach hin und her, bis er am 24.01. das letzte Mal auf der dänischen Seite bei Glücksburg geortet wurde.

Finnwale sind dafür bekannt, häufiger in die Nord- und Ostsee einzuwandern. In diesem Jahrtausend wurden lebende oder tote Exemplare mehrfach vor allem in der Ostsee gefunden:

  • Sommer 2003: Ein 15 m langes Jungtier hielt sich mehrere Tage in der Kieler Förde auf.*
  • Oktober 2003: Ein toter Finnwal wird aus dem Hamburger Hafen geborgen.*
  • Juli 2005: Bei Rügen wird ein toter Finnwal entdeckt. Das Tier war 17,1 m lang, wog 40 t und ist der größte Finnwal, der bisher vor der Küste Meck-Poms gefunden wurde.*
  • Januar 2006: In der Bucht vor Wismar treibt ein toter Finnwal. Besonderheit: Finnwale werden sonst in der Ostsee (fast) nur im Sommer beobachtet. Er wird geborgen, sein Skelett ist für das in Renovierung befindliche Ozeaneum Stralsund vorgesehen.*
  • August 2006: In der Flensburger Förde wird ein Finnwal gesichtet. Er bekommt von der Wasserschutzpolizei den Namen Henry.*
  • März 2007: erneut ein Finnwal in der Flensburger Förde.*
  • Juli 2007: Ein toter Finnwal wird aus dem Hamburger Hafen geborgen.*
  • 2015 (ohne weitere Angaben): Finnwal in der Eckernförder Bucht**
  • August 2017: Auf der Nordseeinsel Texel wird ein 19 m langer Kadaver eines weiblichen Finnwals angeschwemmt.*
  • August 2021: Finnwal in der Eckernförder Bucht. **

 

Quellen: mit einem * bezeichnete Angaben entstammen dem Wikipedia-Artikel über Finnwale. Mit zwei ** markierte Angaben basieren auf (nicht mehr) veröffentlichten Kryptozoologischen Presseschauen auf dieser Webseite.


Beluga- oder Weißwale

Belugas (Delphinapterus leucas) oder Weißwale sind arktische Wale. Sie werden etwa 3 bis 6 m lang und erreichen 400 bia 1000 kg Gewicht. Damit gehören sie zu den kleineren Walen. Adulte Tiere sind nahezu schneeweiß, Jungtiere kommen grau zur Welt und färben sich erst nach einigen Jahren völlig weiß. Sie kommen ausschließlich im Nordpolarmeer und in der Hudson Bay vor und erreichen dort regelmäßig die Packeisgrenzen. Lediglich in der Mündung des St. Lorenz-Stromes gibt es eine kleine, subarktische Population.

Selten, aber regelmäßig wandern Einzeltiere nach Süden, wo sie sich häufig in Flussmündungen aufhalten. Der in Deutschland bekannteste Fall ist „Moby Dick“, der sich im Mai 1966 in den Rhein verirrte und bis nach Bonn, um schließlich wieder in der Nordsee zu verschwinden.

In den Pressemeldungen wird ein Beluga erwähnt, der 1984 vor der niederländischen Küste beobachtet wurde. Leider konnte ich zu dem Tier auch nach ausgiebiger Websuche nichts herausfinden.

In diesem Jahrhundert wurde 2012 ein Weißwal in der Ostsee bei Olpenitz gesichtet, 2018 in der Themse-Mündung, im August 2020 in der Seine zwischen Rouen und Paris. Das Weibchen war bereits in schlechtem Zustand, als es entdeckt wurde und verstarb nach eine Weile.

Bekannt wurde Hvaldimir, ein Beluga, der sich im April 2019 im Norden Norwegens wiederholt Fischern näherte. Er trug anfangs ein Geschirr mit Kamerahalterung und dem Aufdruck „Equipment St. Petersburg“ in englischer Sprache. Er ließ sich kraulen, bettelte um Futter und apportierte Dinge, die absichtlich oder unabsichtlich ins Wasser fielen. Es wird vermutet, dass der Wal von der russischen Marine zu Spionagezwecken trainiert, dann aber entkommen war. Eine andere These geht davon aus, dass er ein Therapie-Wal war, der zur Arbeit mit Kindern ausgebildet wurde.

2023 tauchte das Tier kurzzeitig an der schwedischen Südwestküste auf, am 31. August 2025 wurde er tot treibend bei Stavanger in Norwegen geborgen.

 

Fotos: Roy Slaterus und Jeroen Brandjes, beide CC-BY-NC-ND am 17. und 18.01.2026, gefunden bei observation.org.

Von Tobias Möser

Tobias Möser ist Diplom-Biologie und hat zudem Geologie und Wirtschaftswissenschaften studiert. Schon als Kind war er vor allem an großen Tieren, Dinosauriern, später Walen interessiert. Mit der Kryptozoologie kam er erst 2003 in näheren Kontakt. Seit dieser Zeit hat er sich vor allem mit den Wasserbewohnern und dem nordamerikanischen Sasquatch befasst. Sein heutiger Schwerpunkt ist neben der Entstehung und Tradierung von Legenden immer noch die Entdeckung „neuer“, unbekannter Arten. 2019 hat er diese Website aufgebaut und leitet seit dem die Redaktion.