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  • Alles, was mit Menschenartigen im weiteren Sinne zu tun hat

  • Neues Bigfoot-Video schlägt Wellen

    von: Tobias Möser

    London, UK; Mississippi, USA – Die britische Tageszeitung Daily Star brachte in ihrer online-Ausgabe vom 18. August 2019 ein Video, das eine angebliche Bigfoot-Sichtung zeigt. Klar, relativ unverdeckt und scharf gefilmt. Kein Wunder, dass sich die „Armchair-Cryptozoologists“ in den Sozialen Medien die Köpfe heiß reden: Daily Star: Bizarre footage of black figure in forest…

    Das Video ist eher diffus und weich, aber hell beleuchtet. Es zeigt einen offenkronigen, daher recht hellen Sumpfwald mit einer mehr oder weniger großen, mit Bäumen bestandenen Wasserfläche. Vor der Wasserfläche steht ziemlich offenes, verholztes, aber nicht sehr hohes Unterholz mit einzelnen Blättern, keine Gräser.

    Etwa in der Bildmitte befindet sich, etwas verdeckt durch ein paar knapp armdicke Bäume, ein schwarzer Bereich, der sich bewegt. Er ist dunkler als der Rest des Bildes. Es bewegt sich während des Videos schwach und hält öfter still. Offenbar ist es ein Lebewesen, das sich mit dem hohlen Stamm eines der Bäume befasst. Während des Großteils des Videos wirkt es, als würde es sitzen, knien oder hocken. Als es aufsteht, beginnt der Kameramann davon zu laufen und man sieht zunächst nur die typischen Bilder, die eine Kamera in so einer Situation zeigt. Am Schluss sind Blätter von jungen Fächerpalmen zu erkennen.

    Das „Wesen“

    Das Wesen, weswegen der Film so stark diskutiert wird, ist dunkel, annähernd schwarz. Es wirkt auf den ersten Blick ziemlich menschenähnlich, soweit das erkennbar ist. Da es der Kamera den Rücken zugedreht hat, ist nicht viel von ihm erkennbar. Die untere Körperhälfte ist zunächst von Unterholz verdeckt, es wirkt, als „steht“ es in einer Wasserfläche. Während der etwa 2 Minuten, die es auf dem Video zu sehen ist, bewegt es sich nicht vom Fleck, sondern befasst sich ausgiebig mit einem hohlen Baumstumpf. Offenbar bricht es immer wieder, auch mit sichtbarem körperlichen Aufwand morsche Holzstücke aus dem Baum, hierzu verwendet es beide Hände, wobei die rechte Hand führt.

    Etwa bei 1:32 ist ziemlich gut zu sehen, dass das Wesen nicht im Wasser steht, sondern auf einem Stück der Baumwurzel hockt (mit gebeugten Knien), aber nicht kniet oder sitzt. Es ist also im Trockenen. Eine Zeichnung des Felles ist nicht sicher erkennbar, es wirkt mehr oder weniger einheitlich schwarz. Die Hände lassen kurz einen helleren Schimmer erkennen, ebenso ein Gesicht. Als das Wesen bei 1:57 aufsteht, rennt der Kameramann davon.

    Die seltsame Kreatur gräbt in einem Baumstumpf. Als sie aufsteht, haut der Kameramann ab. Image: John Highcliff

    Die Angaben des Daily Star

    Der Daily Star schreibt in seinem Beitrag, dass das Video von einem gewissen Josh Highcliff stamme. Er habe die Kreatur auf einem Jagdausflug gefilmt, bevor sie ihn bemerkt haben kann. Josh wird mit den Worten zitiert: „Etwa 50 Meter von einer toten Zypresse entfernt hockte dieses riesige schwarze Ding. Ich hielt es für ein Schwein, sah aber diese großen Schultern und einen Kopf mit aufrechten Händen.“ – „Es sah so aus, als würde im Baumstumpf graben.“ – „Als es aufstand, konnte ich mich nicht beherrschen und rannte los. Dieser Stumpf war riesig und ich würde vermuten, dass das Biest 7 Fuß groß war.“

    Der Film

    Der Film ist so klar und brauchbar, wie es bei modernem, mäßig hochwertigem Kameramaterial zu erwarten ist. Diesmal spielen Wetter und Kameramann mit: Durch eine lichte Wolkendecke ist das Licht wunderbar weich und diffus. Es gibt keine harten Schatten, die irritieren, nichts verschwindet schwarz in schwarz. Das erleichtert es deutlich, das Wesen bei seiner Arbeit am Baumstamm zu identifizieren.
    Auch der Kameramann hat offenbar von zahlreichen schlechten Internetvideos gelernt. Er hält die Kamera ruhig und gerade. Dabei rennt er nicht viel herum, sondern verhält sich still.

    Die Angaben

    Der Kameramann Josh Highcliff erklärt der Daily Star, das Video in er Nähe von Tunica im Staat Mississippi in den USA aufgenommen zu haben. Die Landschaft und Vegetation scheinen in die Gegend zu passen, die Bäume sehen aus, wie die von Highcliff genannten Sumpfzypressen. Bei genauerer Suche mittels google Street View kommen jedoch zunächst Zweifel auf. Die Gegend, die Highcliff beschreibt, ist extrem stark landwirtschaftlich genutzt und entsprechend „aufgeräumt“. Wälder gibt es nur noch am Ufer des Mississippi und in dessen feuchten Altarmen. Durch die führt kaum eine Straße, Street View kann hier also nur bedingt weiterhelfen. Bemerkenswert: Dort, wo es man Bilder von Gewässern findet, sind sie mit Zypressen bewachsen und wirken ähnlich, wie auf dem Video.
    Einzig mit Highcliffs Angabe „Die Kreatur war etwa 50 Yards entfernt“ komme ich nicht klar. Ein Yard misst offiziell 91,44 cm, 50 Yards sind also knapp 46 m. Auf dem Video erscheint die Kreatur deutlich näher. Kann es sein, dass hier Yards mit Feet oder 15 mit 50 verwechselt wurden? Das entspräche dem Anschein deutlich mehr.

    Die Kreatur

    Die Fellfarbe der Kreatur erscheint auf dem Video schwarz, richtig knallig schwarz. Um das zu verifizieren, nutze ich das Plugin „Color Zilla“, das mir für jeden Bildschirmpunkt, den ich mit der Maus ansteuere, die Farbe als Hexcode herausgibt. Ich habe an fünf verschiedenen Zeiten des Videos je fünf verschiedene Punkte der Kreatur herausgegriffen und dort die Farbe des Fells festgestellt. Zu Zeitpunkt 0:57 zeigten sich auch hellere Elemente (Hand oder Gesicht):

    Einwurf Hexcode: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Farben digital auszudrücken. Der Hexcode ist eine Version, die unter anderem in html verwendet wird. Üblich ist die hexadezimale Farbdefinition in sechsstelliger Form, das heißt als eine Aneinanderreihung von drei jeweils zweistellig geschriebenen Hexadezimalzahlen. Die ersten beiden Stellen stehen für den Rotanteil, die zweiten für den Grünanteil und die letzten beiden Stellen für den Blauanteil. Die Farben werden additiv gemischt (wie farbiges Licht, nicht wie Malfarbe). Weiter zum Thema in der Wikipedia
    Zeit Position 1 Position 2 Position 3 Position 4 Position 5
    0:10 251b28 231d2f 1b1828 2c2635 251f2e
    0:26 3b2d44 3d3148 372b44 2c2135 31233c
    0:57 483d55 2e1c32 3f334e ac9a93 726873
    1:23 382a43 362843 493b54 3c2a42 3d313a
    1:58 40324d 3c2f52 3f3352 372742 3b293d

    Genauer wäre es gewesen, ich hätte noch möglichst identische Punkte des Körpers für die einzelnen Positionen herausgegriffen. Das erscheint mir aber wegen der teilweisen Überdeckung mit Unterholz, der Bewegung der Kreatur und des Kameramanns nicht möglich.
    Selbst bei einem schwarz erscheinenden Tier hätte ich eine Fellfarbe erwartet, in der Dunkelbraun dominiert. Hier erscheint es anders, die Blautöne sind in den meisten Fällen stärker als die Rottöne, die wiederum stärker als die Grüntöne sind. So kommen violette Fellfarben zustande. Ob das ein Indiz ist, dem man folgen sollte, wird die folgende Tabelle zeigen:

    Bild Position 1 Position 2 Position 3
    Panda 121318 1e1e28 0f1015
    Gorilla 636469 5d5958 5f5e54
    Beutelteufel 292e41 24242e 24242e

    Pandabärjunges auf einem Baum
    Bild 1: Schwarzweiß eignet sich auch als Kontrolle: ein Panda in Schönbrunn (Wien)

    schlecht gelaunte Grorilla-Dame
    Bild 2: Die potenzielle Verwandtschaft hat keine Lust, sich zu beteiligen. Gorilla-Dame, Zoo Nürnberg

    Tasmanischer Teufel
    Bild 3: Zum Teufel, dann muss er eben als Vergleich herhalten. Schwarz genug ist der Beutelteufel jedenfalls. Zoo Duisburg

    Die meisten „schwarzen“ Fellfarben“ erscheinen mehr oder weniger violett stichig, selbst wenn man Säugetiere aus den unterschiedlichsten Linien miteinander vergleicht. Es ist also kein Indiz dafür, dass es sich ggf. um ein künstliches Fell, ergo ein Fake handelt.

    Einwurf: Mir ist bewusst, dass sich bei dieser Untersuchung nur um ein ungenaues Instrument handelt. Der Himmel, die Bewölkung, die Tageszeit, der Weißabgleich der Kamera und die Kamera selber spielen eine große Rolle. Daher kann das Ergebnis auch nur als Indiz genommen werden und ist keinesfalls ein „Beweis“ für oder gegen die Echtheit des Videos.
    Auch für die Abschätzung der Entfernung würde eigentlich die Kamera benötigt, denn über Zoomfaktor und Fokussierung kann mit etwas Glück die Entfernung des Schärfebereiches festgestellt werden. Über die Entfernung und Zoomfaktor kann dann anhand der Pixelmaße auch die Größe des Objektes ziemlich gut vermessen werden. Leider liegen mir die Daten für diese Kamera nicht vor.

    Das Verhalten der Kreatur

    Die Kreatur auf dem Video verhält sich ausgesprochen ruhig. Sie befasst sich mit der morschen Zypresse, bricht alte Holz heraus und wirft es weg. Dabei scheint sie völlig konzentriert und scheint auch den nur wenige Meter entfernten Menschen nicht wahrzunehmen.

    „Was macht das Vieh da?“ Offenbar räumt es einen hohlen Baum aus. Aber wozu? Als Schlafplatz ist der Fuß einer Sumpfzypresse sicherlich ungeeignet, selbst wenn er im Moment trockengefallen ist. Die Wasserstände in den Wäldern am Mississippi-Hauptstrom werden sich vermutlich ständig ändern – und morgens mit nassem Hintern aufzuwachen dürfte auch einem Swamp Ape nicht gefallen. Ich impliziere als Alternative, dass die Kreatur nach Insektenlarven sucht, die faulendes Holz fressen. Es gibt da einige recht dicke Käferlarven, die auch für einen Bigfoot einen respektablen Snack bilden. Leider zeigt die Kreatur die ganze Zeit ihren wunderschönen, schwarzen Rücken, so ist nicht zu sehen, ob sie etwas aus dem Totholz heraussammelt und frisst. Die Tatsache, dass sie am Anfang größere Holzstücke, später nichts mehr wegwirft, deutet in die Richtung.

    „Wie kommt es, dass das Vieh so konzentriert arbeiten kann, ohne den Jäger/ Kameramann zu bemerken?“ Hierzu gibt es drei Möglichkeiten: Es hat den Kameramann bemerkt, fasst ihn aber nicht als Bedrohung auf. Das Verhalten des Wesens lässt keinen Schluss auf ein Bemerken zu. Es ist aber im Film auch nicht ständig zu sehen. Andererseits gelten alle Bigfoot-artigen Kreaturen Nordamerikas als scheu, sie fliehen vor Menschen. Damit kann man diese Hypothese getrost streichen.
    Die zweite Hypothese: Es hat den Kameramann nicht bemerkt, halte ich für wahrscheinlicher. Der Kameramann ist im Rücken der Kreatur, die völlig mit dem Totholz im Baum beschäftigt ist. Das wäre für ein Wildtier merkwürdig. Kaum ein Tier kann sich ausschließlich mit seiner Nahrungsquelle befassen, ohne Gefahr zu laufen, selbst zu einer solchen zu werden. Ist der Bigfoot nun ein solcher Apex-Predator, kennt er in Mississippi weder Bären noch Pumas oder Alligatoren? Klingt auch seltsam, ich werde später darauf zurückkommen: Bitte im Kopf behalten!

    YouTube

    Ja, YouTube spielt hier auch eine Rolle. Das angeblich so neue Video ist dort nämlich seit dem 28. Oktober 2013 veröffentlicht. Josh Highcliff hat hier auch einige weitere Angaben dazu gemacht, wie er das Video gedreht hat:

    Das Video ist am 24. Oktober 2013 entstanden, abends um 18 Uhr. Highcliff war unterwegs, um „Wildschweine“ (verwilderte, primitive Hausschweine, echte Wildschweine gibt es in Amerika nicht) zu jagen, trug Jagd-Tarnkleidung und saß still herum, um auf die Dämmerung zu warten, in der er jagen wollte. Dann hörte er ein Geräusch an einem Baum, erwartete ein Wildschwein und traute seinen Augen nicht.

    Außer der Angabe, dass das „Ding“ groß und schwarz war und er eine Entfernung von 50 Yards schätzte, vermutete er, dass es etwa 7 Fuß, also gut 2,10 m groß war.

    Ich ziehe hier eine wesentliche neue Aussage heraus: Highcliff saß da, mittelmäßig getarnt und wartete. Er nennt „Hunting camo“, also vermutlich Fleckentarn mit neonroten Abzeichen, die das Wild nicht sehen kann. Teile der Kleidung sind am Ende des Videos kurz zu sehen. Von einem konturauflösenden Ghillie-Suit schreibt er nichts.

    Die Interaktionen

    Die Frage nach der Interaktion beginnt nach dem Henne-Ei-Prinzip. War die Kreatur zuerst vor Ort und kam Highcliff dazu, würde das seiner Aussage „just sitting dead still waiting for it to get dark“ nicht passen. Folglich muss Highcliff also vor der Kreatur am Ort gewesen sein. Deswegen schreibt er auch: „I hear a noise behind the tree i was sitting on“.

    Die erste Frage, die ich mir stelle: Die Kreatur ist bereits am Baum, auf trockenem Boden, aber sie muss durch den Sumpf und offenes Wasser dorthin gelangt sein. Wer beim Baum ausräumen seine Umwelt völlig vergessen kann, wird nicht leise durchs Wasser gleiten, sondern irgendwelche Geräusche produzieren. Hat Highcliff sie überhört, z.B. weil er geschlafen hat, hat er sie für Geräusche von Schweinen gehalten oder aus anderen Gründen nicht wahrgenommen?
    Andersherum würde ich auch gerne wissen, ob die Kreatur Highcliff nicht wahrgenommen hat. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben, habe ich oben bereits beschrieben.

    Die zweite Unklarheit, die ich finde, betrifft die Beobachtung selber. Highcliff bewegt sich während des Filmens im Unterholz und möglicherweise auf einem Weg. Das erzeugt Geräusche, die sich von anderen Waldgeräuschen unterscheiden. Wieso beschäftigt sich die Kreatur weiter seelenruhig mit dem Baum? Fühlt sie sich im Wasser so sicher?

    Die dritte Unklarheit, die ich finde, betrifft die Flucht von Highcliff. Während des gesamten Filmens befand sich die Kreatur links von ihm. Egal wie dicht er heran geht und wo er steht, stehts macht es den Eindruck, er würde sich den Weg nach rechts freihalten. Ich hätte also damit gerechnet, dass er bei einer Reaktion der Kreatur nach rechts flüchtet. Das tut er nicht. Er flüchtet zunächst wenige Schritte nach links (zählt man die Bewegungsgeräusche auf dem Video, sind es sechs oder sieben Schritte), dann bleibt er stehen und dreht sich um etwa 90 Grad nach links, um weiter zu laufen, bis das Video abbricht.
    Auf mich macht es den Eindruck, dass ihn seine Flucht zunächst auf die Kreatur hin führt. Er bleibt an der Stelle stehen, die der Kreatur am nächsten ist, sieht sich um und entfernt sich erst dann. So verhält sich niemand, der vor etwas Angst hat.

    Fazit:

    Das Video ist sehr gut, es zeigt eine Kreatur, die in einem hohlen Baumstamm nach etwas sucht, dann aufsteht und den Kameramann dadurch zur Flucht animiert.
    Die Qualität des Videos lässt einen elektronischen Fake soweit ausschließen, wie man das heute noch kann. Anzeichen hierfür habe ich jedenfalls keine gefunden. Die analysierten Fellfarben wirken natürlich und scheinen nicht von einem billigen Kostüm zu stammen, wobei kein direkter Vergleich mit einem Kunstfell gemacht werden konnte. Das gefilmte Verhalten der Kreatur ist in sich stimmig und passt zur Situation.

    Die unklare Auffindungssituation und dann die Flucht in die unerwartete Richtung lassen an der Authentizität des Videos zweifeln.

    Leider ist der Dreh schon 6 Jahre her, am Ort werden sich keinerlei Spuren mehr finden lassen. Der Baum ist vermutlich längst umgekippt und weitgehend verrottet, möglicherweise ist der Sumpf trocken oder überschwemmt.


  • Die indische Armee und ihre Yeti-Spuren

    Es war der 9. April 2019. Unweit des Makalu-Basecamps an der nepalesisch-chinesischen Grenze. Eine Bergsteiger-Expedition der indischen Armee, deren eigentliches Ziel darin bestand, den knapp 8500 Meter hohen Makalu zu erklimmen, stiess im Makalu-Barun-Tal auf eine unerwartete Überraschung.

    Zwanzig Tage später, am Montag, den 29. April, wartete die indische Armee mit einem erstaunlichen Tweet auf:

    „Am 9. April hat zum ersten Mal hateine Bergsteiger-Expedition mysteriöse Fussabdrücke des mythischen „Yeti“ mit einer Grösse von 32×15 Inches (81 mal 38 Zentimeter) in der Nähe des Makalu Base Camp gesichtet. Der scheue Schneemensch war bisher im Makalu-Barun Nationalpark nur in der Vergangenheit gesichtet worden.“


    Lage des 8485 m hohen Makulu, der fünfthöchste Berg der Welt

    Angebliche Yeti-Spur kreuzt die Spur indischer Soldaten
    Das erste Bild der angeblichen Yeti-Spur. Sie verläuft von rechts nach links, von hinten kommen die Fußspuren der Soldaten

    Der Tweet, den die Armee über Satellitentelefon kommuniziert hatte, enthielt drei Fotos, welche eine Linie einer Spur von „Etwas“ zeigte, das sich den Hügel entlang seinen Weg durch den Schnee bahnte. Auch eine Nahaufnahme des „stiefelartigen“ Abdrucks gab es.

    Die „Beweise“ ware von einem 18-köpfigen Team unter der Leitung des Major Manoj Joshi gesammelt worden.

    Schneefeld mit kreuzenden Fußspuren: kleine, eng zusammenhängende von rechts und große, weit auseinander stehende von hinten
    Ein weiteres Foto der indischen Armee, das die angeblichen Yeti-Fußspuren zeigt

    Ein relativ heller Braunbär überquert ein Rinnsal
    Sibirischer Braunbär, hier ein relativ helles Exemplar, das der tibetanischen Form ähnelt

    zwei hohe, schneebedeckte Berge vor blauem Himmel
    die beiden Berge Makalu (im Hintergrund) und Chamlang, in deren Nähe die Fußspuren fotografiert wurden

    spöttische Kommentare im Internet

    Doch die Zeiten scheinen vorbei, in denen Bestätigungen von offiziellen Stellen dem Glauben an die Existenz von Krypiden neuen Aufwind gaben. Thema der indischen Tageszeitung Hindustan Times, aber auch der Online-Ausgaben der deutschsprachigen Zeitungen (Faz, Nzz, der Standard, Heute.at) zu dem Fund waren die spöttischen Kommentare der Twitter-Nutzer – auch wenn sich darunter auch der eine oder andere Beitrag befand, der sich um eine Erklärung der Spuren bemühte (zum Beispiel mit Schneeschuhen) – klar überwogen doch der ironische Unterton und virtuelles Gelächter.

    Allerdings liess sich die Armee nicht beirren und hielt an ihren Yeti-Spuren fest. Man befinde sich im Besitz „physischer Beweise“ und besässe weiteres Bild- und Videomaterial (Faz vom 30. April 2019).

    Skepsis der Experten

    Doch die Armee bekam schnell auch von offizieller Seite Gegenwind.

    Bereits einen Tag nach dem Tweet gab eine Reihe prominenter Stimmen, welche der Yeti-These das Wasser abgruben. Maheshwar Dakal von der Forstverwaltung des Nationalparks bestätigt eine „gesunde Braunbären-Population, aber keinen Beweis aus der Gegend für einen Yeti“ (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Dann war da noch die Bemerkung von Dipankar Ghose, dem Direktor des Artenerhaltungs- und Landschaftsprogramms des WWF-India. Auch er spekulierte, angesichts seiner Skepsis über die Existenz eines unentdeckten Tieres solcher Grösse, auf einen Bär als Verursacher der Fussabdrücke. Vor allem die Spuren der Hinterläufe können vom ungeübten Auge schnell für menschenähnliche Spuren gehalten werden. (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Zahlreiche Wissenschaftler vom Wildlife Institute of India in Dehradun, die in Nepal, aber nicht im Park gearbeitet haben, kommentierten ebenfalls, dass die Spuren von einem Bären stammen könnten. (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Nepals Widerspruch

    Schliesslich meldete sich auch noch der Sprecher von Nepals Armee, Brigadegeneral Bigyan Dev Pandey im zu Wort. In Referenz auf den nepalesischen Verbindungsoffizier, der die Expedition begleitet hatte, widersprach er der Behauptung der indischen Armee: solche Fussabdrücke fänden sich häufig in der Region und liessen sich einem Bären zuordnen (Hindustan Times vom 2. Mai 2019)

    Spuren eines Bären im Schnee, die vom Beobachter wegführen
    Spur eines Grizzly-Bärs im Schnee. Dieser hat die Hinterpfoten nicht in die Vorderpfoten gesetzt.

    Hinterpfote eines liegenden Braunbären
    Der Hinterfuß eines Braunbären wirkt auf den ersten Blick erstaunlich menschlich

    Ein Yak auf einer kargen Weide vor schneebedeckten Bergen
    Yaks sind die häufigsten Großtiere des Himalayas und mussten oft als Erklärung für Yeti-Sichtungen herhalten

    Diese Erklärung wurde auch von lokalen Trägern vertreten, welche die Expedition begleitetet hatten. (Hindustan Times vom 2. Mai 2019)

    Vier Tage später, am Freitag den 3. Mai 2019, erklärte Pandey, dass Mitarbeiter des nepalesischen Verbindungsbüros die Stelle erneut aufgesucht hatten: aber es waren keine Spuren mehr da (Heute.at vom 3. Mai 2019)

    Die „Glaubwürdigkeit“ der indischen Armee

    So stimmen die konsultierten Zeitung weitgehend darin überein, dass sich die indische Armee mit dieser Meldung wohl weniger zum „Helden“, als zum Gespött gemacht hatte. Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) ging sogar soweit, diese Fehlmeldungen in einen weiteren politischen Kontext einzubetten. Schliesslich hätte die indische Armee generell mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen. In einem „Geplänkel“ mit Pakistan soll beispielsweise ein F-16-Jet des Gegners abgeschossen worden sein – das amerikanische Militär, das von der empörten pakistanischen Armee zur Besichtigung der Inventur eingeladen wurde, konnte jedoch keine Lücken feststellen. Auch wurden bei einem angeblichen Angriff auf ein  „Terroristenlager“ allem Anschein nach keine Kämpfer getötet, sondern allerhöchstens der Baumstand der benachbarten Republik dezimiert. (NZZ vom 6. Mai 2019)

    Des Rätsels Lösung?

    Doch nicht nur Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte aus der Region, auch Forscher mit einer befürwortenden Haltung, sprachen sich gegenüber den Yeti-Spuren skeptisch aus. Dr. Jeffrey Meldrum von der Idaho State University, der für die Existenx von Bigfoot einsteht, sprach mit Andreas Müller von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWI) über die vermeintlichen Yeti-Spuren aus Nepal:

    „Tatsächlich sehen diese Abdrücke eher wie das Schrittmuster eines galoppierenden Vierfüßers aus. Ich vermute, dass es sich um die Spur eines laufenden Bären handelt.“ (GreWI vom 1. Mai 2019)

    Der „stiefelartige“ Eindruck ergibt sich aus dem Laufschema des Bären: Dabei bildet die rechte Vordertatze, welche zuerst aufgesetzt wird, den hinteren „Absatz“ der Spur. Die linke Vordertazte und beiden Hintertatzen liegen, – dem Gehschema des Bären folgend – ziemlich nah beieinander und können im Schnee zu einer Fläche verschmelzen. So entsteht schliesslich der Abdruck eines „Primatenfusses“.

     

    Tibetanisch wirkende Gebäude im Tal zwischen teilweise mit Schnee bedeckten Bergen
    Der Himalaya und noch mehr das tibetanische Hochland gelten bei uns als geheimnisvolle Orte transzendaler Weisheit.

    Staubige Straße durch eine Schotterlandschaft ohne jegliches Grün, Gebetsfahnen sind über sie gespannt, einige Menschen mit Rucksäcken gehen auf ihr
    Die schroffe Landschaft gilt als gleichermaßen geeignet, Survival zu trainieren und den Geist zu reinigen (Straße zum Mount Everest)

    Drei gut gelaunte nepalesische Rentner
    Was wohl die Einheimischen davon halten? Die transzendentale Weisheit hält sie vermutlich davon ab, es offen zu sagen…

    The legend goes on..

    Wenn man das Thema „Yeti“ in der Presse in den letzten Jahren ein kleinwenig verfolgt hat, so bekam man den Eindruck, als würde sich der Mythos von einem affenähnlichen Wesen hin zu einer unbekannten Bären-Spezies verlagern. Grund dafür war auch eine Reihe von – mitunter auch wieder in den aktuellen Berichten zitierten – Studien von DNA-Analysen angeblicher Yeti-Haare. Allerdings waren die Ergebnisse im Endeffekt weit weniger spektakulär, als ursprünglich bekannt gegeben. Dennoch wurde dadurch die Diskussion über die Abstammungen der Braunbärenunterarten im Himalaya und ihrer Verwandtschaftslinien wieder etwas angeregt.

    Mit der Meldung der indischen Armee jedoch kommt der westliche Yeti-Mythos wieder „back to the roots“ – der Spekulation nach handelte es sich beim Yeti um einen affenähnlichen, möglicherweise eng mit dem Menschen verwandten Primaten, der sich bis heute von den neugierigen Blicken der Forscher in den oberen Berghängen des Himalaya verstecken konnte. Interessant ist in diesem Zusammenhang in der Tat das Insistieren der indischen Armee in der Echtheit „ihrer“ Yeti-Spuren, ja überhaupt ihre Meldung. Sie zeigt also, dass der Mythos in den Köpfen der Menschen noch immer vorhanden ist, – selbst wenn lokale Naturschützer bei der Landbevölkerung seinen allmählichen Übergang in das zoologische Wesen Bär beteuern.

    So ist diese Meldung vielleicht nicht aus biologischer, so doch aus folkloristischer Perspektive durchaus erstaunlich.

    Der klassische Yeti ist also nicht tot – aller genetischen Erklärungsmassnahmen zum Trotz. So ist wohl auch in Zukunft mit Meldungen vom sagenumwobenen Schneemenschen zu rechnen. Stellt sich die Frage, an welches Wesen einer der ironischen Twitter-Kommentatoren denken würde, sollte er in einer abgelegenen Bergregion auf ausgeschmolzene Bärenspuren stossen..?


    Zum Weiterlesen:

    Faz vom 30. April 2019: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/spott-fuer-indiens-armee-nach-entdeckung-von-angeblichen-yeti-spuren-16164945.html

    GreWi vom 1. Mai 2019: https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/bigfoot-experte-erklaert-die-von-der-indischen-armee-entdeckten-yeti-fussspuren20190501/

    Hindustan Times vom 30. April 2019: https://www.hindustantimes.com/india-news/no-proof-to-back-army-s-yeti-footprints-claim-say-experts/story-tIb5ucZTBJ6RCPnnXxOh3M.html

    Hindustan Times vom 2. Mai 2019: https://www.hindustantimes.com/india-news/not-yeti-a-bear-s-footprint-nepal-to-indian-army/story-FhcXvVJ7qV8EwsDcrirt8H.html

    Heute.at vom 3. Mai 2019: https://www.heute.at/timeout/virale_videos/story/Indische-Armee-will-Yeti-Spuren-entdeckt-haben-Nepal-widerspricht-Malaku-47237879

    NZZ vom 6. Mai 2019: https://www.nzz.ch/international/indische-armee-auf-den-spuren-von-yetis-jets-und-jihadisten-ld.1479571


    Der Autor:

    Peter Ehret ist studierter Politikwissenschaftler und Rechtsphilosoph. Praktisch sein ganzes Leben ist Zoologie im Allgemeinen sein wichtigstes Hobby. Seit dem Jahr 2000 befasst er sich mit Kryptozoologie. Themenschwerpunkt seines kryptoozologischen Interesses sind die Rückwirkungen von konventionellen Tierbeobachtungen auf Legendenbildung. Seit 2012 lebt und arbeitet er als Deutschlehrer in Spanien.


    Beiträge, die mit Namen gekennzeichnet sind, müssen nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Diese Beiträge unterliegen der Verantwortung und den Urheber- und Verwertungsrechten des jeweiligen Autors. Die Redaktion freut sich, möglichst viele, unterschiedliche Artikel mit differenzierten Meinungen veröffentlichen zu können. Jeder, der zu einem Thema etwas zielführendes beizutragen hat, ist herzlich eingeladen, seinen Artikel der Redaktion zu mailen.


  • Der Sasquatch und das FBI

    In Filmen und Serien, auch in manchen Büchern ist das FBI, kurz für Federal Bureau of Investigation eine machtvolle Behörde. Je nach Ausrichtung sind sie mal die Guten und mal der Teufel in Amtsform. Dem NfK liegt allerdings nichts daran, die Moralität der zentralen Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten zu bewerten. Wir werden erst aktiv, wenn es um Kryptozoologie geht.

    Und genau mit Kryptozoologie hat sich auch das FBI befasst. Der amerikanische „Freedom of Information Act“, das Gesetz zur Informationsfreiheit von 1967 gibt jedem Menschen auf der Welt das Recht, nach Informationen zu fragen, die in Akten einer Behörde der Vereinigten Staaten stehen und noch nicht veröffentlicht wurden. Ausnahmen betreffen geheimes Material, behördeninterne Kommunikation und nicht gerechtfertigtes Eindringen in die Privatsphäre einzelner Menschen.

    Hat das FBI Sasquatch-Proben untersucht?

    Auszug aus dem Atlas mit Bigfoot-Nachweisen
    Auszug aus dem Atlas des US Army Corps of Engineers mit einer Karte von Spuren und einer Sasquatch-Zeichnung.

    In diesem Rahmen forderte das „Bigfoot Information Center and Exhibition (BIC)“ Informationen vom FBI über den Sasquatch an – 1976. Die Idee, das FBI zu kontaktieren, kam dem BIC durch einen Scherz des US Army Corp of Engineers. Die Engineers publizierten zu dieser Zeit regelmäßig lokale Kartenwerke mit einer detailierten Darstellung der Fauna und Flora der USA. In der Ausgabe zum Pazfischen Nordwesten von 1975 gab es eine Referenz zum Sasquatch: Eine vollständige Karte mit möglichen Sichtungen und einem kryptischen Hinweis auf das FBI: „Angebliche Sasquatch-Haarproben, die von FBI-Laboratorien untersucht wurden, führten zu der Schlussfolgerung, dass bei keinem Menschen oder derzeit bekannten Tier, das darauf untersucht wurde, solche Haare vorhanden sind.“

    Jede Menge Anfragen

    Natürlich blieb dieses bisschen Information nicht ungelesen. Der eine Satz verursachte eine ganze Reihe von Nachrichtenmeldungen, das FBI bekam natürlich eine Menge Anfragen zum genauen Ergebnis der Haaranalyse.

    So bat auch Peter Byrne, damals Direktor des BIC, das FBI am 26.08.1976 um Aufklärung.

    Die Antwort des FBI

    Flußtal in Nordamerika
    Auf dieser Sandbank soll in den 1970er Jahren ein Sasquatch gesehen worden sein. War das ein Irrtum?

    Die Behörde antwortete, dass sie bisher keine Analyse von Haaren eines Kryptiden durchgeführt habe und daher auch keine weiteren Informationen zum Thema liefern könne. Doch die BIC wäre nicht die BIC, wenn Byrne dem FBI nicht hätte weiterhelfen können. Er schickte ein Paket mit einer Probe aus 15 Haaren auf einem Stückchen Haut nach Washington D.C. Er und sein Team könnten es nicht analysieren, ob das FBI nicht helfen könne.

    Das FBI konnte helfen. Obwohl man in erster Linie nach Beweisen für die Strafverfolgung suche, könnte man in Einzelfällen Ausnahmen machen, insbesondere wenn öffentliches oder wissenschaftliches Interesse bestehe, schrieb der damalige Assistant Director Jay Cochran am 24.02.1977 zurück. „Ergebnis unserer Untersuchungen war, dass die Haare von einem Tier aus der Familie der Hirsche stammen.“

    Nichts Neues aus Washington

    Fall geschlossen. Es gibt keinen Sasquatch, jedenfalls was die einzige bekannte Haaruntersuchung des FBI in der Kryptozoologie angeht.

    Quelle:

    Motherboard: The FBI has published its cache of Bigfoot Files

    FBI: Kopien des Vorganges


    Kommentar

    Von Tobias Möser

    Blick über Redwood-Wälder mit tiefhängenden Wolken
    Abends hört man aus den Redwood-Wäldern oft unheimliche Rufe und Trommeln. Nur ein Tier?

    Diese Meldung ist vorgestern auf dem Internetportal vice.com veröffentlicht worden und wurde in den sozialen Medien stark geteilt und diskutiert. Neu ist daran nichts, selbst die älteste „neue“ Tatsache, ist über 40 Jahre alt: 1976 hatte jemand beim FBI genug Interesse an Kryptozoologie, um die Anfrage von Peter Byrne nicht umgehend abzulehnen und den Brief zurückzuschicken.

    Allerdings hat sich seit der Antwort des FBI in Sachen Sasquatch nichts Substanzielles getan. Gute Aufnahmen fehlen nach wie vor, es gibt ein paar hundert vermeintliche Fußabdrücke, Wegzeichen und Berichte von Lautäußerungen. Eine groß angelegte, angeblich wissenschaftliche Studie haben unerfahrene Labormitarbeiter so sehr versaut, dass sich keine Peer-Review-Zeitschrift zur Publikation fand.

    Einzelne Projekte geben immer wieder an, sie hätten eine neue, heisse Spur. Die einen haben den Abdruck eines im Matsch sitzenden und Äpfel schmausenden Bigfoot. Die anderen kommen mit einer Nahaufnahme, die so sehr nach der Star Wars Figur Chewbakka aussah, dass man sich fragt, wo George Lukas bei seinen Nebenfiguren geholfen hat.


  • Indische Armee: Fußspuren des Yeti entdeckt

    Mutmaßliche Yeti-Spuren kreuzen die Spuren indischer Pioniere in einem Schneefeld der Makalu-Region. Foto: Indische Armee
    Mutmaßliche Yeti-Spuren kreuzen die Spuren indischer Pioniere in einem Schneefeld der Makalu-Region. Foto: Indische Armee

    Die indische Armee hat mit einem Tweet in den Reihen der Kryptozoologen große Aufmerksamkeit erregt:

    Übersetzt auf deutsch etwa

    Zum ersten Mal hat ein Berg-Pioniereinheit der indischen Armee die mysteriösen Fußspuren des mythischen Tieres „Yeti“, die 32 x 15 inches (81,28 cm x 38,1 cm) messen, in der Nähe des Makalu Base Camps am 9. April 2019 gesichtet. Der kaum greifbare Schneemensch wurde im Makalu-Barun-Nationalpark in der Vergangenheit bereits gesehen. https://twitter.com/adgpi/status/1122911748829270016

    –ADG PI – Indische Armee (@adgpi) 29. April 2019

    (Übersetzung Verfasser)

     

    Internationale Reaktionen

    Die internationalen Kryptozoologen reagierten sehr unterschiedlich. Von Begeisterung „Wenn die Armee das schon rausgibt, muss ja was dran sein“ bis Skepsis war jede Abstufung zu finden.

    Wir werden hier in den nächsten Tagen eine ausführlichere Hintergrundrecherche veröffentlichen.

     

    Yeti-Spuren im Museum

    Das Netzwerk für Kryptozoologie stellt im Museum „Tor zur Urzeit“ einen Abguss einer möglichen Yeti-Spur aus Indien aus.


  • Eine zweite Zwergmenschenart – von den Philippinen

    Diese Woche ist bei den Hominiden richtig etwas los.

    Schon wieder haben Wissenschaftler eine „neue“ Menschenart beschrieben und schon wieder von einer Insel. Diesmal aber nicht aus Indonesien, sondern von den Philippinen. Die neu beschriebene Art heißt Homo luzonensis und lebte vor etwa 67.000 Jahren auf der Hauptinsel der Philippinen, Luzon.


    Lage der Höhle auf der Philippinischen Hauptinsel Luzon

    Bereits 2007 hatten Ausgräber in der nahe gelegenen Callao-Höhle einen ungewöhnlich kleinen Mittelfußknochen gefunden. Er wurde auf ein Alter von 67.000 Jahren datiert, könnte also zum modernen Menschen Homo sapiens gehören. Dies war aber anatomisch nicht möglich, denn er war nur 61 mm lang.

    Luzon ist ein Hotspot der Evolution

    Die Insel Luzon liegt isoliert im Meer, alle Lebewesen, die hier hin kamen, sind übers Meer gereist. Dem entsprechend kleine Gründerpopulationen und eine vermutlich andere Umwelt als in dem Heimartgebieten begünstigen die Entstehung neuer Arten. Hat sich der Mensch auf Luzon auch den Gegebenheiten der Insel angepasst?

    Die Callao-Höhle ist gewaltig, ihr erster Raum (von sieben begehbaren) wirkt Kathedralen ähnlich.
    Callao Cave Archaeology Project

    Die Callao-Höhle ist eine Karsthöhle im Kalkgestein des Kreises Peñablanca in der Provinz Cagayan im Norden der philippinischen Hauptinsel Luzon. Sie ist eine von 300 Karstlöchern und Höhlen im Landschaftsschutzgebiet der nördlichen Sierra Madre Mountains. Die Höhle ist relativ einfach mit dem PKW zu erreichen, so dass man den ersten Raum zu einer Schauhöhle ausgebaut hat. Dieser natürliche Dom hat einen Durchmesser von etwa 50 m und eine Höhe von 36 m. Seine Kathedralen ähnliche Aura erhält er auch durch eine Öffnung in der Höhlendecke, die einen Lichtstrahl eintreten lässt. Die einheimischen Christen nutzen die Höhle oft für ihre Gottesdienste. Neben der Callao-Höhle gibt es in unmittelbarer Nähe weitere große Höhlensysteme, die Funde versprechen.

    Eine bisher unbekannte Menschenart

    Zähne des Homo luzonensis Individuume CCH6. Von links nach rechts: Zwei Prämolare und drei Molare.
    Callao Cave Archaeology Project

    Der Fußknochen von 2007 blieb nicht lange alleine. Florent Détroit vom Naturhistorischen Museum Paris und Armand Salvador Mijares von der University of the Philippines gruben mit ihren Teams weiter in de Callao-Höhle. Sie fanden insgesamt zwölf weitere Skelettteile, darunter weitere Fußknochen, Handknochen, fünf Zähne und einen Oberschenkelknochen. Sie gehörten zu mindestens drei verschiedenen Individuen. Die neuen Funde stammten aus der selben Schicht wie der 2007 gefundene Mittelfußknochen. Leider konnten sie keine Schädelknochen oder DNA-haltiges Material bergen.

    Ähnlich dem Flores-Hobbit, aber doch nicht ähnlich genug

    Die geringe Größe der Knochen und Zähne deutet auf den „Hobbit“ hin, Homo floresiensis. Diese verzwergte Menschenart lebte etwa zeitgleich mit den Funden von Luzon auf Flores. Flores ist eine Insel in Indonesien und etwa 3000 km von den Fundorten auf Luzon entfernt.

    sehr kleiner Fußknochen
    Phalanx proximalis des Fußes von Homo luzonensis CCH4 von der Seite.
    Callao Cave Archaeology Project

    In der Erstbeschreibung stellen die Wissenschaftler die „Luzon-Hobbits“ als Homo luzonensis in die Gattung Homo, arbeiten aber gleichzeitig deutliche Unterschiede zu Homo sapiens und Homo floresiensis heraus. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die beiden Zwergmenschen einen gemeinsamen Ursprung haben. Sie könnten beide während einer Periode niedrigen Wasserstandes vom „Sundaland“ auf ihre jeweiligen Inseln verdriftet worden sein.

    Ein Jäger

    Nach den derzeitigen Kenntnissen war Homo luzonensis mit etwa 1,2 m etwas größer als Homo floresiensis mit 0,9 bis 1,1 m Körperhöhe. Wie seine (und unsere) Cousins auf Flores war auch der Luzon-Hobbit ein Jäger. Zusammen mit den Knochen fanden die Forscher Knochen von Philippinenhirschen (Cervus mariannus), Philippinen-Pustelschweinen (Sus philippinensis) und einer nicht identifizierten, vermutlich ausgestorbenen Rinderart. Die Luzon-Hobbits hatten offenbar deutliches Geschick im Umgang mit Werkzeugen, auch wenn bisher keine gefunden wurden.

    „Die Entdeckung aus Callao (…) ist einer der ältesten, wenn nicht der älteste Fund von menschlichen Überresten im Pazifikraum.“ sagte Armand Salvador Mijares, Archäologe an der University of the Philippines.


    Kommentar: zur Einordnung

    von Tobias Möser

    Homo luzonensis ist gerade erst beschrieben worden. Die Funde sind der Wissenschaft nicht ganz neu und werden schon eine Weile diskutiert. Die Erstbeschreibung basiert nicht zwangsläufig auf einem Konsens der Paläoanthropologen und wird in Zukunft angezweifelt werden. Ähnlich war es bei Homo floresiensis, bei dem weitere Funde und Befunde in den letzten Jahren eher unterschwellig zur allgemeinen Akzeptanz führten.

    13 Knochen von drei Individuen sind sehr wenig, aber bei der Größe des Höhlensystems und zahlreicher weiterer Höhlen ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis weitere Funde gelingen. Sie könnten dann viele Fragen beantworten, über die heute nur spekuliert wird, u.a. die Abstammung der Luzon-Hobbits.

    Interessant ist die Tatsache, dass hier eine zweite, verzwergte Inselart des Menschen gelebt hat. Es gibt Hinweise von Sulawesi auf eine dritte Hobbit-Art. Die Funde von Lee Berger auf Palau wurden vor einigen Jahren als kleine und schlanke, aber moderne Menschen interpretiert. Werden sie jetzt hinterfragt?


    Literatur:

    Florent Détroit, Armand Salvador Mijares, Julien Corny, Guillaume Daver, Clément Zanolli, Eusebio Dizon, Emil Robles, Rainer Grün & Philip J. Piper, A new species of Homo from the Late Pleistocene of the Philippines, Nature, Vol. 568, pp. 181–186

    Anna Valmero (August 5, 2010). „Callao man could be ‚oldest‘ human in Asia Pacific, says Filipino archaeologist“ aus dem Webarchive.org