Breaking News: Bestie und Brínzola

Gevaudan, Frankreich: Heute vor 255 Jahren, am 30. Juni 1764 fand der erste amtlich registrierte Angriff der „Bestie von Gevaudan“ statt. Die Leiche der 14-jährigen Hirtin Jeanne Boulet wurde am folgenden Tag gefunden. Sie stammte aus Saint-Étienne-de-Lugdarès im Haut-Vivarais, dieser Kanton liegt streng genommen nicht im Gevaudan, sondern im Département Ardèche in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, jedoch direkt hinter der Grenze.


In Saint-Étienne-de-Lugdarès fand der erste Angriff der legendären Bestie statt

Sehr wahrscheinlich war der Angriff auf Jeanne Boulet nicht der erste Angriff der Bestie, einige Monate vorher wurde eine Hirtin in Saint-Flour-de-Mercoire attackiert.


Landkarte mit der Gegend, in der sich Brinzola seit dem 18. Mai aufhielt
Brinzola bestreifte eine relativ kleine Gegend in Mittelnorwegen.
Bild: Proyecto Monachus

Norwegen / Schweden / Spanien: Brínzola ist wieder unterwegs. Die Mönchsgeierdame, die vor einigen Wochen quer durch Europa nach Mittelnorwegen gezogen ist, rührt sich wieder. Sie hielt sich seit dem 18. Mai in einer Gegend mit vielen Schaf- und Rentierherden auf, in der auch Großraubtiere vorkommen. Dem entsprechend war der Anfall an Aas, so dass sich Brínzola nur in einem Gebiet von knapp 60 Hektar bewegen musste.
Jetzt scheint ihr Reiseinstinkt zu greifen, der besenderte Vogel hat gestern die Grenze nach Schweden überflogen.

Wir halten euch weiter auf dem Laufenden, insbesondere wenn damit zu rechnen ist, dass das Tier nach Deutschland oder ins benachbarte Ausland einfliegt.

Die letzte Meldung zu Brìnzola und einem weiteren, wandernden Mönchsgeier ist hier zu finden (Link)


Lennestadt / Sauerland: Aus gegebenem Anlass möchten wir hier auf unsere Vortragsreihe am 12. Oktober 2019 hinweisen:

Graphic Design zum Kongress

„Auf der Suche nach Mokele-Mbembe“

Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben? Eine Frage, der es eigentlich keiner weiteren Antwort bedarf, geht es nach vielen Fachleuten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. Natürlich sind die Dinosaurier vor ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben heißt es da und nur die heutigen Vögel sind die unmittelbaren Nachfahren dieser phantastischen Tiere.
Doch warum gibt es dann heute noch so viele Berichte über Begegnungen mit Wesen, deren Beschreibungen manchmal so beginnen: “…es sah aus, wie ein Dinosaurier!..“?

Noch gibt es Restkarten!

Zum Programm: einfach dem Link folgen




Ist Hahnenkrähen Kulturgut?

Wir schreiben das Jahr 2019 nach Christus. Ganze Landstriche gallischer Dörfer sind teilweise von Stadtbewohnern besiedelt, die sich nach Ruhe und Erholung vom Lärm der großen Städte sehnen. Gegen Hahnenschreie, Blöken von Schafen, Muhen von Kühen und Glockenläuten klagen sie. So geschieht es in ganz Gallien. Ganz Gallien? Nein, ein kleines, unbeugsames Dorf leistet Widerstand.

Bruno Dionis du Séjour AFP Mehdi Fedouach
Bürgermeister Bruno Dionis du Séjour gibt den widerspenstigen Gallier – Foto AFP

Anders als in den berühmten Comics, die ähnlich beginnen, handelt es sich bei dem unbeugsamen Dorf nicht um eine kleines Dorf in Aremorica. Widerstand regt sich im 400-Seelen-Dorf Gajac im Kanton Le Sud-Gironde. Der Bürgermeister des Ortes heißt auch nicht nicht Majestix, sondern Bruno Dionis du Séjour. Er wendet sich in einem offenen Brief an Anwohner „mehrheitlich städtischer Herkunft“. Mit diesem Brief möchte den Klagen über „zu viel Lärm auf dem Lande“ die Grundlage nehmen – und den Neubürgern das Landleben erklären. „Eier wachsen schließlich nicht auf Bäumen“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Hahn Maurice ist zu früh zu laut

So verklagt in einer Nachbargemeinde ein Bewohner seinen Nachbarn, weil sein Hahn Maurice früh am Morgen laut kräht. Ebenso stört sich Dionis du Séjour an Klagen gegen Kirchenglocken: „Wer Glocken angreift, greift ein ganzes Dorf an“, so der pensionierte Landwirt empört. „Wenn ich in die Stadt fahre, verlange ich ja auch nicht, dass Ampeln und Autos entfernt werden.“

Hahnenschreie, das Muhen von Kühen, das Gebell von Hunden, den Schrei der Esel, Vogelgezwitscher und die Kirchenglocken gehören zur Kultur des Landlebens. Daher will Dionis du Séjour diese „Geräusche des Landlebens“ als nationales Kulturerbe Frankreichs schützen lassen.
Innerhalb weniger Tage hat der widerspenstige Gallier mehr als 150 Unterstützer-Mails aus ganz Frankreich erhalten. Ein Abgeordneter der Nationalversammlung hat versprochen, Dionis du Séjour zu helfen, wenn dieser einen Antrag auf Schutz der ländlichen Geräusche beim Kulturministerium stellt.

Kommentar

von Tobias Möser

Stolzierender Hahn
Hähne sind hübsch und nützlich, ohne sie funktioniert kein Hühnervolk und sie waren jahrhunderte lang der natürliche Wecker.

Geräusche von Nutz- und Wildtieren gehören seit Anbeginn der Landwirtschaft zum Landleben ebenso dazu, wie die Kirchenglocken. Dies ist nicht nur in Frankreich so, sondern in jedem anderen mitteleuropäischen Land, auch in Deutschland. Wenn diese Geräusche ins registrierte Kulturgut aufgenommen werden sollen, dann sollte sich nicht nur ein französischer Bürgermeister dafür stark machen. Das ist eine europäische Sache.

Die Initiative ist nur zu unterstützen, vielleicht mit der Einschränkung, dass sich diese Geräusche auch auf die Geräusche beschränken, die bei traditioneller Tierhaltung entstehen. Eine Mastfabrik sollte nicht als Kulturgut schützenswert sein. Vielleicht kann man auch die traditionellen Landgeräusche im Tausch gegen die tierquälerische Produktion von Enten- und Gänsestopfleber ins schützenswerte Kulturgut aufnehmen?

Die Hintergründe hierzu sind sicherlich weniger spaßig, als in dem Artikel beschrieben. Am Hahnenschrei macht sich ein kleiner Kulturkampf zwischen den traditionellen Dorfbewohnern und Städtern fest, die aus unterschiedlichen Gründen aufs Land ziehen. Auch in Frankreich steigen die Mieten in den Städten, adäquater und bezahlbarer Wohnraum ist dort knapp. Die Stadtflucht wird zusätzlich noch durch Ghettobildung und die damit verbundenen Effekte wie Drogen und Kriminalität verstärkt. So zieht es viele, vor allem wohlhabendere Städter aufs Land und in die Dörfer.

Hier entsteht ungewollt eine Art Gentrifizierung, die auf den Widerstand der Landbevölkerung trifft. Der Pendelverkehr ist ein Punkt, viel wichtiger erscheint aber, dass sich die Stadtflüchtigen nur schlecht in das gewachsene „Hilfst du mir, helfe ich dir“-System einer Dorfgemeinschaft integrieren (lassen).

Quellen:

n-tv: Französisches Dorf rebelliert – Hahnenschrei soll Kulturerbe werden

actu-fr: Excédé par les plaintes des « urbains », il veut inscrire les bruits ruraux au patrimoine de l’Unesco

Digital Journal: Noisy cockerel exposes tensions in rural France