• Tag Archives Mitteleuropa
  • Freitagnacht-Kryptos: Geweihfehlbildung bei Rehen

    In den Archiven kramte: Markus Bühler

     

    Heute soll es mal wieder um Miss-und Fehlbildungen gehen, genauer um die Fehl-und Missmildunge bei Rehgeweihen. Dass ich ausgerechnet Rehe hier anführe hat einen einfachen Grund. Denn da diese die häufigsten Hirsche in Mitteleuropa sind, und auch noch dort vorkommen wo es schon lange keine Rothirsche mehr gibt und auch keine ohnehin nicht heimischen Damhirsche oder andere Arten eingeführt sind, finden sich auch entsprechend viele ungewöhnliche Geweihe. Natürlich kommen auch bei den anderen Hirsche gelegentlich sehr seltsame Geweihe vor, aber davon habe ich leider bei weitem nicht so viel Bildmaterial wie für Rehe. Die hier gezeigten Geweihe stammen allesamt, mal wieder, aus dem Jagd-und Forstmuseum im dänischen Hørsholm. Die Anzahl von dort ausgestellten Abnormitäten ist wirklich enorm, und ich muss mich hier leider auf einige besonders interessante Fälle beschränken.

    Wand mit zahlreichen Kopf- und Geweihpräparaten
    Die hier gezeigten Geweihe stammen allesamt aus dem Jagd-und Forstmuseum im dänischen Hørsholm.

    Vielfältige Gründe für Missbildungen

    Wenn man sich all jene Abnormitäten ansieht, fragt man sich natürlich, wie es überhaupt zu so etwas kommen kann. Tatsächlich sind die Ursachen dafür äußerst vielfältig. Zum Einen kann eine Verletzung der Geweihknospen, zumal in der Jugend, zu verschiedensten Fehlformen des Geweihs führen, die dann auch zweitlebens beibehalten werden. Andererseits kann auch lediglich das im Wachstum begriffene, und noch weiche Geweih durch Verletzungen (und wahrscheinlich auch Krankheiten) deformiert oder verletzt werden, wobei in einem solchen Fall aber die Fehlbildung auch einmalig sein kann, also bei später geschobenen Geweihen nicht mehr auftritt.

    Es gibt natürlich auch genetisch bedingte Abnormitäten, tatsächlich ist es sogar so, dass die allermeisten Hirsche (ich weiß nicht wie es bei Rehen ist, da ihr Geweih weit weniger komplex ist) gewisse Abnormitäten zeigen, freilich in verschiedenem Grade. Wenn man sich einmal die Geweihe großer Mengen von Hirschen, oder eben wie hier auch Rehen ansieht, merkt man schnell dass ein enormes Potential bezüglich der individuellen Variabilität besteht. Es gibt sehr kurze und sehr lange, sehr dicke und sehr dünne, mehr oder weniger stark gebogene Geweihe. Natürlich ist das immer auch teilweise vom Alter abhängig, sowie dem Ernährungszustand, aber nichtsdestotrotz sind die individuellen Grundformen im Allgemeinen genetisch festgelegt.

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Hier wirkt es so, als gäbe es eine dritte Stange

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Ungleichmäßige Geweibildung

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Beide Stangen machen denselben Bogen

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Ebenfalls gebogene Stangen, diesmal von oben
    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Ricke mit kleinen Geweihstangen

    Ricken mit Geweih

    Ein besonderes Kuriosum sind Rehkühe welche leichte Geweihe entwickeln. Unter den Hirschen bilden normalerweise lediglich bei den Rentieren auch die Weibchen ein Geweih aus, bei anderen Arten ist so etwas abnorm. Auch erreichen die Geweihe weiblicher Hirsche nicht die Größe jener der Männchen, wie man auch bei der unten gezeigten Rehkuh mit Geweih sieht.. Die Ursachen liegen dabei vermutlich bei Hormonstörungen.

    Wie Einhörner oder Antilopen

    Gelegentlich können Verletzungen auch zum völligen Verlust eines einzelnen Geweihsprosses führen, so dass nur noch ein einzelner Ast ausgebildet wird. Man achte auch auf die ungewöhnlich langen und schlanken Geweihe welche man hier neben dem „Einhorn“ sieht. Besonders das Geweih ganz rechts sieht beinahe schon etwas aus wie die Hörner einer Antilope, da keinerlei Gabelung vorhanden ist.

    Geweihpräparate mit Fehlbildungen
    Vier Geweihpräparate mit antilopenartig wirkenden Fehlbildungen
    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Fast wie ein Einhorn

     

    Perückenböcke

    Eine der spektakulärsten Fehlbildungen von Hirschgeweihen, sind die sogenannten Perücken. Sie zeigen auf besonders eindrucksvolle Weise wie stark die Geweihbildung von Hormonen bestimmt wird, insbesondere von Testosteron. Wird beispielsweise ein junger Rehbock, bzw irgend ein anderer männlicher Hirsch, im frühen Alter kastriert, bildet er gar kein Geweih aus. Die einzige Ausnahme mache hier die Rentiere, da bei ihnen die Geweihbildung nicht geschlechtsabhängig ist, und ja auch die Weibchen ein Geweih bekommen.

    Werden bei einem bereits geschlechtsreifen Hirsch die Hoden während der Geweihbildung geschädigt oder entfernt (sowas passiert manchmal bei schlechten Schüssen, wie es auch eine ganz Reihe anderer äußerst unappetitlicher Verletzungen gibt, welche durch schlechte Treffer bei der Jagd passieren können, und den Tieren oftmals grauenhafte aber vielfach nicht gleich tödliche Verletzungn zufügen), kommt es zu einem Perückengeweih, der Bast wuchert einfach immer weiter. Kommt es aber zu einem Verlust der Testosteron-bildenen Zellen wenn der Bast bereits abgestreift ist, so wird das Geweih sofort abgeworfen, und ein neues Geweih fängt an zu wachsen, welches aber nicht mehr besonders groß wird, ständig mit Bast bedeckt ist, und auch nicht mehr abgestoßen wird.

    Perückenbock-Kopfpräparat
    Der Name Perückenbock wirkt passend

    stark ausgebildete Perücke
    Perücke in ihrer extremen Ausbildung

    Der Bock sieht fast nichts mehr
    Dieser Perückenbock sieht (fast?) nichts mehr

    Schädelplatte mit misgebildetem Geweih
    Vermutlich ein Perückengeweih, bei welchem der Bast entfernt wurde.

    Es gibt noch andere Störungen und Merkwürdigkeiten, welche zu gestörtem Wachstum des Geweihs führen können. So kann man durch Einspritzen von weiblichen Geschlechtshormonen bei einem in der Geweihbildung befindlichen Hirsch bereits vorhandenes knorpeliges Kolbengeweih vorzeitig zum Verkalken bringen.

     


    Literatur:

    Markus Bühlers Bestiarium: Bizarre Hirsche Teil 6


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Kommt wieder ein Bär nach Deutschland?

    Bereits vor einigen Wochen meldeten österreichische Behörden und Naturschützer, dass ein Bär nach Tirol eingewandert sei (wir berichteten). Jetzt hat er offenbar Inn und Inntalautoban überquert. Das Tier ist am 17. Juni 2019 im Klausenwald im Bezirkt Reutte/ Tirol in eine Wildkamera-Falle getappt. Dabei zeigt sich der Bär unerwartet scheu, bisher hat er sich noch nicht sehen lassen.


    Der Klausenwald liegt südlich von Höfen in Tirol

    Bis nach Füssen sind es nur noch 20 km Luftlinie, aber was sollte er dort? Bisher zeigt der Bär in Tirol keine Vorliebe für menschliche Ansiedlungen, sondern verhält sich, wie man es von einem wilden Bären erwartet. Er bleibt im Wald, meidet die Menschen und ernährt sich dort unauffällig. Oder zumindest fast, in einem benachbarten Gebiet des Klausenwaldes wurde ein Rotwildkadaver gefunden. Johannes Fritz, Amtstierarzt untersucht den Körper nun auf DNA-Spuren des Bären. Doch selbst, wenn er diese nachweisen kann: Bären fressen auch Aas, wenn es sich bietet.

    Wer ist er denn nun?

    Die DNA-Untersuchung hätte noch andere Vorteile: So wird man sich über die Identität des Bären klar. Bisher ist nichts über ihn bekannt. Bärenschützer und Behörden vermuten, dass es sich um ein junges Männchen aus dem italienischen Trentino handelt. Die genetische Untersuchung kann dann möglicherweise auch die Verwandtschaftsverhältnisse des Tieres klären.

    SW-Bild einer Wildkamera zeigt einen Bären, der am Fu0e eines Baumes etwas zu fressen scheint
    Da ist er! Das Foto der besagten Wildkamera zeigt den Bären, der am Fuße des Baumes etwas zu fressen scheint. (Foto: „privat“)

    „Es kann gut sein, dass es sich bei dem Bären um ein Tier aus dem Schutzgebiet in Südtirol-Trentino handelt“, so Fritz. Anfang Juni 2019 war etwa 80 km südlich in St. Leonhard in Passeier ein Bär in eine Fotofalle geraten. In der Gegend wurden auch drei Schafe gerissen, wobei noch unklar ist, ob der Bär überhaupt involviert war. Es könnten auch streunende Hunde gewesen sein, hält Fritz für möglich.

    Nicht mehr als ein zufälliger Besucher

    Fritz wundert sich über die Aufregung, die das Foto „des Bärli“ vor allem in Bayern verursacht. Das Tier sei unauffällig und habe bisher keinerlei Schäden angerichtet. Ohnehin ist das Bärli nicht mehr als ein zufälliger Besucher in Tirol und vielleicht auch in Bayern. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich in absehbarer Zeit eine Bärenpopulation in den bayerischen und österreichischen Alpen etablieren kann. Anders als junge Männchen sind Weibchen wenig abenteuerlustig und ziehen nur ungern umher. Sie weichen nur bei zu hoher Bärendichte in benachbarte Regionen aus – und von hoher Bärendichte kann bei den wenigen Tieren in Norditalien, der Schweiz und Slowenien kaum die Rede sein.

    Die Bauern brauchen keine Angst zu haben

    Die Angst vieler Almbauern vor der Rückkehr der großen Raubtiere, allen voran Bär und Wolf hält Amtstierarzt Fritz für unbegründet. Bisher gibt es mit den wenigen Wolfsrudeln in Österreich keine Probleme. Alleine in Tirol gingen von 70.000 Schafen jedes Jahr 1000 bis 2000 Tiere einfach so verloren, aber da seien weder Bär noch Wolf schuld.

    Er ist nicht „Bruno“

    Ein Braunbär im Schnee
    Der Alpenbraunbär ist eine eher kleine Form des Braunbären.

    Seit über 170 Jahren war im Jahr 2006 der Bär JJ1 alias „Bruno“ der erste wilde Bär in Deutschland. Dieses Tier hatte gelernt, die Nähe des Menschen mit Nahrung in Verbindung zu bringen und richtete einige kleinere Schäden an. Als er sich dann auch noch Spaziergängern und Mountainbikern ohne große Scheu näherte, reagierten die Behörden. Zunächst gab es -von den Medien im Sommerloch eng begleitet- einige teure aber ungeeignete Versuche, Bruno einzufangen.  Vor ziemlich genau 13 Jahren, am 26. Juni 2006 wurde er dann im Spitzingseegebiet erschossen.

    Was selten berichtet wird: JJ1 verhielt sich nicht bärentypisch. Von seiner Mutter Jurka hatte er gelernt, menschliche Ansiedlungen mit Nahrung in Verbindung zu bringen. Jurka war für Schäden an Ställen und Bienenstöcken bekannt. Wie JJ1 trat sie nie aggressiv gegenüber Menschen auf. Daher zogen die Italiener nie in Betracht, das Tier zu töten.

    Auch das dritte Jungtier von Jurka, JJ3 zeigte ein ähnliches Verhalten. Es wanderte 2007 in die Schweiz ein und näherte sich sehr regelmäßig Siedlungen. Da auch er keine Scheu gegenüber Menschen zeigte und auch nicht vergrämt werden konnte, wurde auch er 2008 von der Schweizer Wildhut erschossen.

    Jurka wurde eingefangen und trug einen Sender, um ihre Wege zu verfolgen und sie gezielter vergrämen zu können. Als das auch nach längerer Zeit nicht zum Erfolg führte, wurde sie schließlich eingefangen und lebt seit dem 26. August 2010 im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach.

    Ob heute die Toleranz einem Bären gegenüber größer ist, wird sich zeigen. Vielleicht kann man ihn am ehesten dulden, wenn man weiß, dass er ein Kurzbesucher ist, der bald wieder gehen wird – Quasi ein Tourist.

    Und mit Touristen hat man bei Füssen und Hohenschwanstein ja Erfahrung.


    Quellen:

    Focus online: Auf Beutezug in Tirol: Wildkamera knipst Braunbär nahe der bayerischen Grenze

    SZ.de: Ist nach Bruno wieder ein Bär im Anmarsch?

    Merkur.de: Wieder ein Bär entdeckt – er steht schon an bayerischer Grenze


  • Freitagnacht-Kryptos: Ein Seehundangriff in Holland

    Von: Ulrich Magin

     

    Sind Seehunde gefährlich? Vor ihnen könnte man zumindest 1858 noch Angst gehabt haben – wenn „Seehund“ im folgenden Bericht nicht ein anderes Wort für den Hai ist (früher auch: Hundsfisch). Auch das Seebad Schweningen ist heute unbekannt, vermutlich ist Scheveningen in den Niederlanden gemeint.

    Zahlreiche Seehunde auf einer Sandbank
    Seehunde ruhen auf einer Sandbank vor Sylt. Normalerweise meiden sie Menschen und fliehen schon auf weite Distanz. Ein Seehund am Badestrand ist daher ungewöhnlich.

    Schwarz-Weiß-Abbildung von Scheveningen 1858
    Scheveningen, von der Düne aus gesehen – Stahlstich von G. M. Kurz nach einer Zeichnung von L. Rohbock. 1858 Gerrit Benjamin van Goor veröffentlicht.

    Seehund treibt senkrecht im Wasser und zeigt sein Gebiss
    So ganz ohne sind die Zähne von Seehunden nicht. Kein Wunder, als Robben gehören sie zu den Raubtieren. Dass sie Menschen angreifen, ist nicht bekannt.

    Jedenfalls berichtet die Regensburger Zeitung am 11. September 1858:

    „Der ‚Köln. Ztg.‘ schreibt man aus dem Seebade Schweningen: Vor einigen Tagen erscholl mit Einem Male der Schreckensruf, es habe sich ein Seehund in der Nähe der Badenden sehen lassen. Alles stürzt aus dem Meere, um seinen Ankleidewagen zu gewinnen und dem Rachen des Meer-Ungeheuers zu entgehen; nur ein todesmuthiger Mann, und zwar der Kaufmann J. B. A. aus Köln, geht in Gemeinschaft mit zwei Badewärtern, und mit dicken Stöcken bewaffnet, dem Ungethüm, natürlich nur in der Badehose, entgegen. Vom Ufer sieht Alles mit großer Spannung dem Kampfe entgegen: da zeigt sich im entscheidenden Momente, daß der gefürchtete Seehund ein harmloses Stück Holz war, welches von den bewegten und hohl gehenden Meereswogen auf- und abgeworfen und durch den Schrecken zu einem Seehunde umgeschaffen worden war. Ein homerisches Gelächter beendigte diesen komischen Zwischenfall; allein Ihr Landsmann ist der Löwe des Tages.“

    Literatur:

    Regensburger Zeitung 1858 via google Books


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


  • Kryptozoologie im Mai – unser Rückblick

    Der „Wonnemonat“ hat der Webseite des Netzwerkes für Kryptozoologie einiges an Neuigkeiten gebracht. Wir haben eine neue Rubrik, die „Freitagnacht-Kryptos“ eingeführt und inhaltlich damit direkt den Vogel abgeschossen. Die „Altigkeiten“, alte Meldungen aus der Kryptozoologie, kuriose Fundstücke und Fehlbildungen haben den Nerv unserer Leser gefunden. Nicht nur die Besucherzahlen zeigen das, auch im Gespräch hat sich der ein oder andere Stammbesucher (ja, es gibt sowas bereits!) positiv über die neue Rubrik geäußert.

    Legendäre Kryptide sind eher selten

    Dunkles, fast nacktes Tier steigt auf eine Gartenlaube
    Ist das der Chupacabra? In einem Garten einer englischen Stadt? Foto: „Cameron“

    Als wir die Seite konzipierten, hatten wir schon befürchtet, die legendären oder klassischen Kryptide nicht im aktuellen Geschehen repräsentieren zu können. Doch sie sind beteiligt, wenn auch mit kleinem Anteil. In Nepal hat die indische Armee angebliche Fußspuren des Yetis entdeckt und offiziell als solche publiziert. Dies ist wie eine Bombe im Umfeld der Grenzwissenschaften aufgenommen worden. Leider (?) konnten Skeptiker sehr schnell zeigen, dass es sich bei den fraglichen Fußspuren nur um die Spuren eines Bären handelt.

    Nur wenige Tage später sorgte wieder der Cupacabra für Schlagzeilen. Der legendäre Ziegensauger aus Mittelamerika wurde gesichtet und fotografiert – in einer ruhigen Kleinstadt in Südengland. Teilnehmer des Netzwerkes für Kryptozoologie konnten anhand der Fotos das Tier schnell identifizieren. Nun wird in Hertfordshire nicht länger vor dem Ziegensauger, sondern vor der Räudemilbe gewarnt: ein Fuchs litt unter schwerem Befall und hatte nahezu sein komplettes Fell verloren.

    Out-of-Place-Sichtungen vorne

    Vielleicht könnte man einen Teil der Meldungen der klassischen Kryptozoologie zuordnen, den Alien Big Cats, diesmal in Form eines eindeutig identifizierten Europäischen oder Nordluchses. Die elegante Katze machte allerdings nicht Nordengland unsicher, sondern weitaus bodenständiger: den Ruhrpott. Anfang Dezember in Haltern am See ausgebüchst, wurde sie an verschiedenen Stellen im Ruhrgebiet beobachtet. Leider konnten die Polizei und der Wildparkbetreiber sie einfangen, bevor sie vor den Fenstern der Redaktion vorbei schlich.

    Weitere Out-of-Place-Sichtungen betreffen Orcas im Kattegatt zwischen Dänemark und Schweden, einen Delfin in der Kieler Förde und eine angebliche Bananenspinne in Hamm, die sich dann als ungefährliche Riesenkrabbenspinne entpuppte.

    Monat der riesigen Vögel

    Die Hauptzahl der Meldungen betraf aber einige der größten Vögel des Kontinentes. Mindestens drei Mönchsgeier sind aus Spanien, Südfrankreich und der Balkanpopulation auf dem Weg nach oder sogar durch Mitteleuropa.

    Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
    Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr. (Dieses Bild zeigt nicht Brínzola)

    Ein Tier aus einer Wildbrut hält sich mindestens seit Ostern auf bzw. in der Nähe von Rügen auf. Dieses Tier wurde uns gestern noch von dort gemeldet. Das Tier scheint ein zwei- oder dreijähriges Tier aus der Balkanpopulation zu sein. Es trägt keinen Ring und hat keine Markierung durch künstlich gebleichte Schwingen, daher vermuten Experten, dass es sich um einen Vogel aus einer Wildbrut handelt.
    Vom nahe gelegenen Hiddensee wurde ein anderer, jüngerer Vogel gemeldet, über deren Herkunft ebenfalls nichts bekannt ist. Er verschwand so unvermittelt, wie er aufgetaucht ist.

    Aus Belgien stammt eine (bzw. zwei) weitere Mönchsgeiermeldungen. Der zweite Vogel trug einen deutlich sichtbaren weißen Ring mit der schwarzen Aufschrift „FUH“. Der Ring identifiziert das Tier als Teil eines französischen Wiederansiedlungsprojektes. Leider konnten wir keine weiteren Details über den Vogel ermitteln, Anfragen bei dem Projekt blieben leider unbeantwortet. Er tauchte mehr oder weniger „aus dem Nichts“ in der Provinz Limburg in der Nähe von Maastricht auf, blieb dort zwei Tage und verschwand in südöstliche Richtung. Weitere Sichtungsmeldungen zu diesem Tier blieben aus.

    Brínzola

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn.

    Anders beim Star dieses Monats, dem Mönchsgeier „Brínzola“. Das dreijährige Weibchen stammt aus einem Schutzprojekt in Nordspanien und trägt einen Sender. So können die Projektbetreiber nahezu minütlich auf die Position des Vogels zurückgreifen. Er (bzw. sie) ist aus dem heimischen Revier in einer großen Schleife an der Nordseite der Pyrenäen und einem Abstecher ans Basin von Arcachon mehr oder weniger direkt nach Belgien geflogen, hat dort kurz gerastet und die Medien des Landes in Aufregung versetzt.

    Dann ist der Vogel in beinahe direkter Linie an die deutsche Ostseeküste geflogen und hat die Beltensee auf der Vogelfluglinie überquert. Ihr weiterer Weg führte die schwarze Schönheit bis nach Norwegen, wo sie sich vermutlich immer noch aufhält. Die letzten Meldungen des begleitenden Proyecto Monachus sprachen von der Anpassung des Vogels an die langen Tage im Norden. Genauer Koordinaten werden nicht mehr herausgegeben, möglicherweise hat man Angst, ein norwegischer Jäger konnte das Jedermannsrecht zur Jagd zu weit auslegen.

    Während sich Brínzola dem Westen Deutschlands durchflog, wurde sie zeitweise von einem weiteren Mönchsgeier begleitet, der spurlos und unidentifiziert verschwand.

    Weitere Großvögel

    Ein Gänsegeier spreizt im Abendlicht die Flügel.

    Nur etwas kleiner als Mönchsgeier sind die Gänsegeier. Sie fliegen mehr oder weniger regelmäßig aus den Alpen, Pyrenäen oder dem Balkan nach Mitteleuropa ein, so dass sie für uns eigentlich keine Meldung wert sind. Da sie die oben genannten Mönchsgeier an einigen Positionen begleitet haben, haben wir sie aufgenommen.

    Zwei Gänsegeier tauchten an verschiedenen Stellen immer wieder auf. So wurde FUH in Belgien zunächst von einem, dann von zwei Gänsegeiern begleitet, die aber länger in dem kleinen Staat blieben. Kurze Zeit später tauchten zwei Gänsegeier in Cuxhaven an der Nordsee auf. Vorgestern flogen zwei Gänsegeier über einem Naturschutzgebiet in Brüggen am Niederrhein.

    Seit Anfang des Monats sitzt ein Gänsegeier in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim. Er ernährt sich dort von Graureiher-Küken. Das Tier stammt mutmaßlich aus der halbwild lebenden Population des Alpenzoos in Innsbruck.

    Geier-Meldungen: Basismeldung, Update 1, 2-3, 4 und 5

    Nahezu jährlich kommt die Meldung eines Schwarzbrauen- Albatrosses. Diese Tiere kommen sonst ausschließlich in den subpolaren Meeren der Südhalbkugel vor. Einer davon hat sich aber wohl verflogen und ist aus unbekannten Gründen im Nordatlantik aufgetaucht. Seit 2014 besucht das Tier mehr oder weniger regelmäßig die Insel Helgoland, vor zwei Jahren war er regelmäßiger Gast auf Sylt. Bei einer Seevogelzählung registrierten ihn die Forscher im „Entenschnabel“ auf der offenen Nordsee, Meldungen vom Land gibt es (noch) nicht.

    Die letzte und vermutlich seltenste Out-of-Place-Sichtung in Deutschland im vergangenen Monat betrifft den Östlichen Kaiseradler Aquila heliaca. Ein noch nicht ausgereiftes Tier (3. oder 4. Sommer) hält sich seit mindestens 29.5. in der Nähe von Zichow in der Uckermark auf. Dies ist erst der zweite Nachweis eines Östlichen Kaiseradlers in Deutschland. Hierzu hatten wir noch keine Meldung.

    Weniger erfreuliche Folgemeldung

    Der Delfin, der Anfang April das erste Mal in der Kieler Förde beobachtet wurde, ist immer noch dort. Er hält sich in einem eng begrenzten Raum auf, springt sehr häufig und zeigt ungewöhnliche, kreisförmige Hautläsionen.

    Blick in die Zukunft

    Durchschnittlich eine (werk)tägliche Meldung und zusätzlich die Freitagnacht-Kryptos, das ist, was die (ehrenamtliche) Redaktion des NfK zurzeit schaffen kann. Wir werden natürlich die Seite weiter entwickeln und haben schon einige Ideen im Kopf. Wir freuen uns über jegliche Form von Anregung, sei es Anfragen wie „Macht mal was zum Thema …“, Pressefunde per Mail oder halbfertige oder fertige Artikel.

    Ebenso freuen wir uns über jede Erwähnung im Netz und offline. Postet unseren Link in den sozialen Medien, schreibt ihn in die Footer eurer Forenbeiträge, verschickt die Links zu interessanten Beiträgen per Mail: macht uns bekannt, wir brauchen euch!


  • Wandernde Geier – Update 5 –

    Was vorher geschah

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Mitteleuropa nach Norwegen. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Norden. Der Vogel zog auf der Vogelfluglinie über den Fehmarnsund und Fehmarn weg. Nach letzten Meldungen hält sich die schwarze Schönheit jetzt in Norwegen auf.

    Seit gestern, 20. Mai 2019 wird ein weiterer, offenbar wandernder Mönchsgeier gemeldet. Damit sind mindestens drei Vögel weit außerhalb ihrer üblichen Streifgebiete unterwegs.

    Sonntag, 19. Mai 2019, Vogel Brínzola

    Karte mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola durch Schweden und Norwegen am 17. und 18. Mai 2019
    Diesen Weg legte Brinzola am 18. Mai 2019 zurück. Quelle: Proyecto Monachus

    Am vergangenen Sonntag haben einige Beauftragte des Proyecto Monachus Brínzola gesucht, um ihre Verfassung zu überprüfen. Nach einigen Stunden Fußweg durch unwegsames Gelände konnten sie den Vogel finden. Zur allgemeinen Überraschung und Freude fraß sie an einem Rentier-Kadaver. Das Proyecto Monachus titulierte: „Brínzola frisst Rudolph“

    Dies belegt, dass die schwarze Schönheit in einer Gegend mit geeigneter Nahrung angekommen ist. Die Mitarbeiter des Proyecto Monachus hoffen, dass sie so genug Energie aufnehmen kann, um ihre unbeschreibliche Reise fortzusetzen – wo immer sie hin will: Wir bleiben dran.

    Abgesehen von einem zusammenfassenden Report in einer spanischen Tageszeitung ist es ruhig um Brínzola geworden, das Proyecto Monachus liefert aktuell keine Daten und von norwegischen Vogelfreunden kam bisher noch nichts bei der Redaktion an. Dennoch: Wir bleiben am Ball.


    Montag, 20. Mai 2019: Ein weiterer Mönchsgeier ist auf dem Weg nach Norden: „FUH“

    Nicht einmal zwei Wochen nach Brínzola ist ein weiterer Mönchsgeier in Belgien aufgetaucht. Das ist die dritte Registrierung von Mönchsgeiern in Belgien überhaupt. Das Tier ist mit einem weißen Ring markiert, der den schwarzen Code „FUH“ trägt. Der Vogel stammt aus einem der Projekte zur Wiedereinführung der Art in Frankreich. Dort werden Ringe dieser Farbe und mit diesem Schriftcode verwendet. Bevor Näheres über diesen Vogel bekannt ist, bezeichnen wir ihn provisorisch als Fuh. Eine E-Mail-Anfrage der NfK-Redaktion zu diesem Tier wurde vom Leiter des Projektes bisher nicht beantwortet.

    Die Belgier sind überrascht über diese unerwartete „Welle“ der Geier. Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be begleitet auch diesen großen, schwarzen Vogel sehr intensiv. Auf zahlreichen Bildern wird er gemeinsam mit einem unmarkierten Gänsegeier gezeigt. Die Vögel rasteten am 20. Mail ab etwa 19 Uhr auf einem Acker bei dem Ort Hees (Provinz Limburg) in der Nähe von Maastricht (allerdings auf belgischer Seite). Sie haben dort die Nacht verbracht und sind zwischen etwa 21:30 Uhr Montag und etwa 6:00 Uhr am Dienstag einige hundert Meter weiter nach Südwesten gezogen.

    Am Dienstag, den 21. Mai hat sich ein zweiter Gänsegeier den beiden angeschlossen. Am Nachmittag des selben Tages sind beide Gänsegeier aufgeflogen, die letzte Beobachtung stammt von 15:20 Uhr. Danach haben die belgischen Vogelfreunde sie nicht mehr gesehen.

    Fuh, der Mönchsgeier blieb noch bis Mittwoch, 22.5. vor Ort, die letzte Beobachung betrifft den Abflug des Tieres in südöstliche Richtung.


    Weitere Geier sind in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland gesellte sich kurzzeitig ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier zu ihr. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen.

    Zahlreiche Hobby-Ornithologen konnten einen juvenilen Mönchsgeier am Freitag, den 17. Mai 2019 auf Rügen beobachten. Mitte April bis Ostersonntag wurde ein Mönchsgeier auf der nahe gelegenen Insel Hiddensee beobachtet. Dieser Vogel war unberingt und im zweiten oder dritten Kalenderjahr, mit ziemlicher Sicherheit ein wild geschlüpfter Vogel. Vermutlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Vögel.

    Ein Gänsegeier spreizt im Abendlicht die Flügel.

    Mehrere Vogelbeobachter-Portale melden übereinstimmend, dass ein Gänsegeier aus der halbwilden Population des Alpenzoos Innsbruck bereits seit Anfang Mai in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim sitzt. Er ernährt sich offenbar von Graureiher-Küken und macht laut Meldung einen gesunden Eindruck. Das Tier war auch am Sonntag, den 19.5. noch vor Ort.

    Heute, 23. Mai 2019 erreichte eine weitere, noch unbestätigte Geier-Meldung die Redaktion: Zwei Gänsegeier sollen in Altenwalde bei Cuxhaven an der südlichen Elbemündung aufgetaucht sein. Wir verfolgen diese Meldung weiter und prüfen insbesondere, ob es sich um die beiden Tiere aus Hees in Belgien handeln könnte. 400 km Luftlinie wären für die beiden bei der gegenwärtigen Wetterlage an zwei Tagen zu schaffen.


    Vorhergehende Beiträge zu diesem Thema:

    Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa vom 15. Mai 2019 mit der Ausgangslage

    Wandernde Mönchsgeier – Update 1– vom 17. Mai 2019 mit Anmerkungen zu weiteren Einflügen von Mönchsgeiern nach Deutschland seit dem 2. Weltkrieg und einer Meldung aus Nord-Italien.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 2 und 3 – mit weiteren Flugdaten.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 4 – mit der Meldung aus Belgien und von Rügen.

    Quellen (auszugsweise):

    Proyecto Monachus

    Facebook-Seite des Projektes

    Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be mit Sichtungen und Fotos des Tieres

    Naturkundliche News der Natuschutzgesellschaft Küstenregion Vorpommern zum Mönchsgeier auf Hiddensee