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  • Seltsame Kreaturen im Río Genil?

    von: Peter Ehret

     

    Im Herbst 1955 sahen die Bewohner der andalusischen Stadt Écija ein seltsames Tier an den Ufern des Flusses Genil, das sie keiner bekannten Art zuordnen konnten. Mitunter berichtete auch die spanische Zeitung „ABC“ im November 1955 über den Vorfall:

    „Seltsames Tier in den Feldern von Écija. Écija (Sevilla). In der stadtnahen Biegung des Flusses Genil, neben einer Mehlfabrik und bei den Gärten der Talebene, haben die Anrainer Manuel Vargas Baena, Concepción Montenegro Alvarez und einer ihrer Neffen namens Adolfo Avalos Montenegro ein seltsames Tier gesehen. Es hatte Größe und Form eines Wolfshundes, jedoch mit längerem Körper, einen dunkelblonden Rücken und einer weißen Brust, sowie einem dünnen Kopf, der in einem spitzen Rüssel endete. Von der Stirn standen zwei dunkle Hörner von rund 20 cm Länge ab, es hatte einen langen und behaarten Schwanz und verursacht Panik unter den Bewohnern.

    Man schoss mehrmals auf das Tier, konnte es aber nicht fangen, weil es immer sofort untertauchte und sich so lange verbarg, bis die Gefahr vorbei war. Diesen Moment wusste es mit feinem Instinkt zu bestimmen. Das Tier ist in der Gegend völlig unbekannt. Man vermutet, dass es zu der Gattung der Manatis gehört. Cifra.“ (Übersetzung von Ulrich Magin und Peter Ehret)

    ungefährer Beobachtungsort bei Ecija

    Trockene Schlucht mit aufgestautem Fluss
    Der Rio Gentil bei Güejar-Sierra

    Das Tier wurde sogar gefangen

    Drei Jahre später, im Juni 1958, berichtete dieselbe Zeitung über den Fang einer seltsamen Kreatur in Puente Genil, weiter flussaufwärts von Écija:

    „Fang eines seltsamen Tieres. Puente Genil. Herr Nicolás Chaparro Rejano fing im Genil ein seltsames Tier, das einem kleinen Büffel ähnelt. Es hat keine Augen und ist mit sechs Beinen und einem langen Rüssel vorne ausgestattet. Sein Körper wird durch einen starken Panzer von schwarzer Farbe geschützt.“ (Übersetzung von Ulrich Magin und Peter Ehret)

     

    Ulrich Magin veröffentlichte erstmals beide Fälle im Jahr 2010 in einem Artikel für die „Fortean Times“. Die relative Zeitnähe beider Ereignisse und einige physische Ähnlichkeiten (vor allem der “Rüssel”) legten die Existenz einer unbekannten Kreatur in den Wassern des spanischen Genil (der in der Zeit des „Posguerra“ durchaus noch als eine abgelegene Region gelten kann) nahe. So Ulrich Magin im besagten Artikel der „Fortean Times“:

    „Whatever it was, it was bizarre. More bizarre, I’d say, than a stranded manatee, seal, or turtle. If this was not a hoax, or series of hoaxes, some creat­ure – possibly exotic – lived in the river Genil, at least from late 1955 to mid-1958.

    Any suggestions?“

     

    2017 nahm Ulrich Magin die Recherche zuammen mit Peter Ehret wieder auf. Peter Ehret lebt in Granada, das ebenfalls am Genil liegt. Das ermöglichte eine intensivere Recherche vor Ort. Im Zuge der erneuten Ermittlungen wurden wichtige Kontakte geknüpft, die Licht ins Dunkel um die mysteriösen Ereignisse aus den Jahren 1955 und 1958 brachten. In Puente Genil konnte beispielsweise der passionierte Referent für Lokalgeschichte, Luis Velasco Fernández Nieto, mit dem Neffen jenes Mannes sprechen, der 1958 das “seltsame Tier” aus dem Genil gezogen hatte. Auch in Écija kamen Kontakte zustande, die mit Personen gesprochen hatten, welche direkt in die Ereignisse im Jahre 1955 involviert waren.

    Manatee
    Ist ein Manatee die Erklärung? Wo soll es herkommen?

    zwei Zeitungsblätter
    Die lokale Zeitung ABC berichtete in zwei Fällen, aber ohne Erklärung

    So wurde es Ulrich Magin und Peter Ehret möglich, erstmals Schlussfolgerungen zu den Ereignissen von 1955 und 1958 zu formulieren. Die Ergebnisse der Recherche wurden im Dezember 2018 in der „Zeitschrift für Anomalistik“ (Band 18, Nr.3) veröffentlicht. Auch wenn diese nicht auf eine unbekannte Art hindeuten, sind die Ereignisse aus diesen Jahren am Geníl für die Kryptozoologie nicht irrelevant, denn es waren dabei seltenere Arten im Spiel, die zu jener Zeit in der Region schon kurz vor dem Verschwinden waren.

     


    Quellen und weiterführende Literatur:

    Magin, U. (2010), Strange Animals in the Rio Genil. Fortean Times 261, S. 30

    Magin, U. (2011), Investigating the Impossible: Sea-Serpents in the Air, Volcanoes that Aren’t, and Other Out-of-Place Mysteries, San Antonio: Anomalist Books.

    Magin, U./Ehret, P. (2018), Ungewöhnliche Tierbeobachtungen im Río Genil, Zeitschrift für Anomalistik, Band 18, Nr. 3, Edingen-Neckarhausen: Gesellschaft für Anomalistik, 277 – 304


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