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  • Freitagnacht-Kryptos: Der Mokeló in Zentralafrika, Teil 3

    In den Archiven kramte: Ulrich Magin

    Der Mokeló in Zentralafrika: Teil 1 und Teil 2

     

    Am 9. Juni 1848 wird die Diskussion im „Ausland“ (S. 549), um was es sich beim Mokeló handeln könnte, mit einem Abgleich mit den Hundeartigen fortgesetzt:

    Ein Goldschakal (Canis aureus)

    „III. Wir kommen nun zum Hundegeschlecht. Der schnelle Lauf, das Jagen, der Muth womit er den Panther angreift, stellen den Mokeló fast unbedingt in diese Gattung. Mit einer bereits bekannten Species scheint er sich aber auch nicht überein bringen zu lassen. Die drei Schakalarten Afrika’s (Canis aureus* Thunbg. C. anthus Cuv. hochbeiniger und dunkler gefärbt als der gem. Schakal, wohnt in Senegambien; Canis mesomelas Schreb. mit schwarzem Rückenkreuz) sind weder an Größe, noch an Kraft so ausgezeichnet, daß sie sich mit dem Mokeló vergleichen ließen. Sie erreichen alle nur die Größe eines Halbhundes. Wenn irgendein Raubthier mit dem Mokeló identificirt werden kann, so ist es der Simir oder wilde Hund Afrikas, Canis pictus Rüppel. von Burchell unter dem Namen Hyaena venatica, von Temmink als Hyaena picta bekannt gemacht.

    Die afrikanischen Wildhunde

    Der wilde Hund Afrikas ist ein ungeheures Thier, so groß als der größte Neufundlandshund, also über 6“ (1,8 m) lang, über 3“ (0,9 m) hoch, mit langen Beinen, ein vortrefflicher Läufer. Die Schnauze ist doggenartig, dick und schwarz, die Grundfarbe des Leibes gelbbraun, mit großen gelben und weißen schwarz geränderten Flecken unregelmäßig geschäckt (ein Umstand, dessen Dgalo allerdings nirgendwo gedenkt); der Schwanz ist kurz, kahl, am Ende mit einem Wedel, fast wie bei einem Esel versehen. Der Umstand, daß die Füße nur 4 Zehen haben, bestimmte Temmink, den Simir unter die Hyänen zu stellen, jedoch weist ihm der Mangel des Rückenkammes und Drüsensackes, sein ganz vollständiges Gebiß, endlich seine Lebensweise seine Stellung bei den Hunden an.

    Dieser wilde Hund ist durch ganz Afrika verbreitet, jedoch überall selten, von den Gränzen der Capcolonie bis nach Arabien, wo er Simir heißt und von allen Raubthieren am meisten gefürchtet wird. Er jagt in Rudeln von 4–10 Stück alles, was ihm vorkömmt, Gazellen, Elennantilopen, Büffel, Nashörner, Panther und Löwen, Strauße und Zebra, schont jedoch in der Regel den Menschen, ja beweist sich ihm sogar freundlich. Sein Muth und seine Stärke sind so groß, daß ihrer mehrere sogar den Löwen anfallen und zerreissen. Statt des Rückenkammes hat er einen schwarzen Strich; er bellt ähnlich wie die verwilderten Haushunde, paart sich auch mit diesen und mit den großen Racen [Rassen] der zahmen Hunde, z. B. mit dem von den Engländern zur Löwenjagd eingeführten Neufundlandsdog fruchtbar.

    Gruppe von afrikanischen Wildhunden im trockenen Gras
    „Der wilde Hund Afrikas ist ein ungeheures Thier…“

    Portrait eines afrikanischen Wildhundes
    „die Schnauze ist doggenartig, dick und schwarz“

    Ja, sicher, der afrikanische Wildhund!

    In allen diesen Eigenschaften erkenne ich den Mokeló Dgalos so genau, daß ich keinen Anstand nehmen würde, denselben mit unserm wilden Hunde zu identificiren, wenn nicht folgende Punkte entgegenständen, nämlich geringere Größe des Simir, rudelweises Jagen desselben und zwar bei Tage; endlich die Flecken im Pelze, von welchen letztern Dingen Dgalo nirgendwo spricht. Den Simir oder wilden Hund Afrika’s kannte bereits der Capuciner Zucchelli. Er erwähnt unter dem Namen Mebbia eines Thieres ob seiner Eigenschaft, die Löwen und Panther zu zerreißen, wodurch die Mebbien die Reiserouten sichern, in seiner Missions- und Reisebeschreibung nach Congo 1717.

    Von den neuern Reisenden trafen ihn Barrow, Lichtenstein und Burchell, – Rüppell schickte sogar aus der Wüste von Corti und Cordofan [im Sudan] 7 lebende, aber noch junge Exemplare ein. Der Can. Venaticus ist eine vom Haushunde und von allen Hyänen wirklich verschiedene Hundeart, und gehört unter die Subdivision Megalotis (Illiger.) seiner außerordentlich breiten und langen Ohren wegen, wohin auch der Ambukol, Fenneck oder großohrige Fuchs Afrika’s (Megalotis Zerda) und der Agouara-Gouazou oder der rothe Wolf Azaras in Südamerika (Canis jubatus L.) zu rechnen sind. Wenn wir auch, bis weitere Erkundigungen näheren Aufschluß über den Mokeló geben, nicht zu entscheiden wagen, ob er mit dem Simir eins ist, so sprechen wir uns doch dahin bestimmt aus, daß er ein Hund und zwar eine dem Simir nahe stehende Art ist.

    Oder doch verwildete Haushunde?

    Es gibt zwar in den Wäldern des heißen Afrikas auch verwilderte Haushunde von der Größe eines Bullenbeißers, welche Dhole heißen, ziemlich die Form eines Wolfshundes haben und von den hibernischen Windhunden der Capcolonisten abstammen; da jedoch diese einen Fahnenschwanz haben und nur im Norden der Colonie bei den Batlapinen und Kaffern gefunden werden, so können sie der Mokeló nicht seyn. Das Verfolgen und Zerreißen der Raubthiere scheint übrigens sämmtlichen wahren Hunden, wilden, verwilderten und zahmen charakteristisch. So erzählt Rengger von den verwilderten Hunden in Paraguay, daß sie den Jaguar erwürgen, O. Fabricius dasselbe vom sibirischen Hunde gegen den Eisbären.

    Einzelner Wildhund im hohen Gras
    Die „African Painted Dogs“ gelten als die erfolgreichsten Jäger des Kontinentes

    Einzelner Wildhund auf einer Staubpiste
    Und doch sind sie im Bestand bedroht

    In Polen, den Pyrenäen und Abruzzen ist der Hund der unerbittlichste Verfolger der Wölfe. Erst in neuester Zeit ist uns die schätzenswerthe Nachricht von dem Vorhandenseyn einer wilden Hunderasse in den westlichen Ghats und in Dekkan zugekommen, wo man solche Thiere Colsune nennt. Dieses windhundartige Raubthier ist der Can. dukhunensis von Sykes (Zool. Proced. 1833), dessen Kühnheit Sykes besonders hervorhebt, indem er den Cheeta oder Guepard (Jagdpanther, felis jubata) und selbst den Königstieger verfolgt und zerreißt. Dasselbe Thier heißt in Nepal Buansu, wo es Hodgson geradezu unter dem Namen C. primaevus beschreibt.

    Oder doch eine neue Hundeart?

    Da uns morphologische und anatomische Haltpunkte zur nähern Bestimmung des Mokeló fehlen, so müssen wir aus seinen hervorstechenden Eigenschaften ihn zu enträthseln suchen, die ihn uns als eine eigne, neue Hundeart Centralafrikas erscheinen lassen. Daß er vom Simir wirklich verschieden ist, läßt sich mit ziemlicher Sicherheit annehmen. Es ist nur zu wünschen, daß ein so großes interessantes Thier den Augen des Zoologen nicht länger entgehen möge; – mich sollte es freuen, durch diese Zeilen die Augen eines Naturalisten auf ein Land gelenkt zu haben, das allem Anscheine nach große zoologische Schätze in seinem Schooße verbirgt.

    Findet dieser Artikel geneigte Leser, so werden wir uns vielleicht im folgenden näher über Gegenstände aus Tumale’s Fauna verbreiten, welche nach Dgalo’s Angaben bislang kaum bekannt seyn dürften.“


    Literatur:

    Turschek, L. (1848): Der Mokeló in Zentralafrika; in: Das Ausland: Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde, Band 22, 1848


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

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  • Das Nördliche Breitmaulnashorn – auferstanden von den Ausgestorbenen?

    Bekannt wurde das Nördliche Breitmaulnashorn durch Douglas Adams‘ Buch „Die letzten ihrer Art“. In diesem Buch besucht der Autor, der für komische Science Fiction bekannt ist, zusammen mit dem Zoologen Mark Carvadine einige Tiere, die vom Aussterben bedroht sind.

    Nashorn steht im trockenen, hohen Gras
    Der letzte Bulle, Sudan, im Ol Pejeta Nationalpark, 2010. Foto by Legani101, CC 3.0

    Zwischenzeitlich ist die Bedrohung Realität geworden. Nördliche Breitmaulnashörner waren einst weit verbreitet. Mit dem Austrocknen der Sahara zogen sie ins Niltal, wo sie die Ägypter antrafen – und verdrängten. Seit dem wurden die Bestände permanent dezimiert. in den 1970ern kamen sie bereits nur noch im Garamba-Nationalpark in Zaiire (heute DR Kongo) vor. Durch den Schutz paramilitärischer Wildhüter konnte der erste Tiefpunkt der Population überwunden werden. Die Anzahl der Tiere wuchs auf etwa 40 Tiere. Doch das Horn war zu wertvoll, und der Staat Zaiire brach zusammen. Gut ausgerüstete Wilderer, die über den Sudan eindrangen, schossen die Tiere in den 2000ern zusammen, das letzte bekannte freilebende Exemplar wurde 2008 erschossen.

    Die wenigen Zootiere waren nicht wirklich besser dran. Obwohl man sie in wenigen, hervorragenden Zoos zusammenzog, klappte es mit der Fortpflanzung nicht. Um sie in Stimmung zu bringen, brachte man die letzten, schon ziemlich alten Tiere nach Kenia. Die Hoffnung, sie würden unter der Sonne Afrikas „in Stimmung“ kommen, zerschlug sich bald. Permanent bewacht, blühten die Tiere zwar auf, aber Nachwuchs stellte sich nicht ein. Bis der letzte Bulle „Sudan“ am 19. März 2018 wegen Altersbeschwerden eingeschläfert werden musste.

    Damit war die Tierart de facto ausgestorben – obwohl noch zwei Weibchen lebten.

    Künstliche Besamung – künstliche Befruchtung

    Von Sudan und dem Bullen Suni liegen Spermaproben vor. Die Wissenschaftler, die mit dem Schutz der Nördlichen Breitmaulnashörner befasst sind, haben zunächst versucht, die Weibchen damit zu befruchten. Das schlug fehl, die Qualität der Samen war zu schlecht.

    Eine örtlich fixierte Eizelle, die mit einer dünnen Nadel angebohrt ist
    Injektion einer Samenzelle in eine Eizelle. Foto: Roger Abdelmassih

    Auch die Versuche, künstlicher Befruchtung wurde schwierig. Die Samenqualität ist so schlecht, dass die Samen selbst in der Retorte nicht in die Eizellen eindringen konnten. So war eine Übertragung der Kerne in die Eizellen notwendig. Auf diese Weise konnten sie sieben von zehn Eizellen erfolgreich befruchten. Ob sich aus den befruchteten Eizellen auch Embryonen entwickeln, ist ungewiss.
    Wenn Embryonen entstehen, kann man sie auch Kühen des nahe verwandten Südlichen Breitmaulnashorns implantieren. Das Verfahren ist bei anderen Arten erprobt und funktioniert routiniert.

    Und was, wenn nicht?

    Für den Fall, dass die erprobten Methoden nicht funktionieren, haben die Wissenschaftler noch einen letzten Plan in der Hinterhand. Das Tean um Cesare Galli von dem Labor Avantea in Cremona in Italien arbeitet an einer Stammzelltechnik. Sie versuchen, erhaltene Körperzellen auf den Status „Stammzelle“ zurück zu programmieren, um sie dann in Ei- und Spermazellen zu differenzieren. Damit könnte man dann die genetische Vielfalt schaffen, die für eine gesunde Population notwendig ist.


    Ein Vorgehen, das Fragen aufwirft, viele Fragen

    ein Kommentar von: Tobias Möser

    Wir haben es geschafft! Aus Profitgier und Dummheit hat die Menschheit eine der ikonischsten Tierarten auszurotten. Es gibt keinen anderen Grund für ihr Verschwinden, außer dass Menschen sie abschießen, um an das Material ihres Hornes zu kommen. Wir können hier keine Umweltveränderungen, Krankheiten, auf natürliche Weise einwandernde Tiere oder einen reduzierten Genpool vorschieben: Nur die Menschheit alleine ist an dem Aussterben schuld!

    Jetzt investieren wir vier Millionen Euro in diese Züchtung. Da bleibt eine einfache Rechnung: ein Kilo Nashorn, egal welcher Art, erzielt auf dem Schwarzmarkt etwa 54.000 Euro „Großhandelspreis“. Ein ausgewachsenes Nashorn trägt etwa 3 kg davon mit sich herum, es ist also etwa 162.000 Euro „wert“. Mit diesen vier Millionen könnte man also gut 25 Nashörner „finanzieren“. Mit dem 26. Nashorn würde man bereits Gewinn erzielen.

    Diese Überlegung ist böse, zugegeben. Doch so lange der Schwarzmarkt für das Horn noch existiert, werden sogar Zootiere in ihren Gehegen erschossen, selbst in Museen wird für das Horn eingebrochen. In dieser Situation wird kein Nashorn wirklich frei als Teil der Natur leben können. Wir schaffen also gut zu bewachende Zootiere.

    Nur Zootiere?

    Dermoplastik eines Riesenalkes
    Dermoplastik eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Zootiere schaffen wir noch aus einem anderen Grund. Die genetische Basis ist sehr gering. Die Keimzellen stammen nur von vier Tieren, von denen eines der Vater von mindestens einem der Weibchen ist. Diese Basis reicht nicht aus, um eine gesunde Population zu bilden. Spätestens nach drei Generationen ist ein Inzuchtkoeffizient erreicht, der die Gesundheit der Tiere gefährdet. Missbildungen sind möglich. Bedrohlicher, aber weniger auffällig sind genetische Defekte, die in einer gesunden Population nicht auffallen würden, früher oder später aber homozygot auftreten.

    Bei einer Basis von vier Tieren kann man das Aussterben der Art also nur um 20 bis 60 Jahre verzögern.

    DNA oder Genome? Genome!

    Eine wirkliche Chance für die Wiederherstellung des Nördlichen Breitmaulnashorns sehe ich nicht. Die wenigen Tiere, die in einem solchen Projekt entstehen können, können selbst unter optimalen Umständen – keine Jagd, keine Lebensraumvernichtung mehr – die ökologische Funktion der Art nicht übernehmen. Selbst wenn aus 10 Museumsexemplaren weitere Keimzellen produziert werden könnten (was noch nicht fest steht), reicht auch hier eine Basis nicht aus.

    Bisher ist die Gewinnung von Keimzellen aus Körperzellen noch nicht etabliert, um es vorsichtig auszudrücken. Wie das mit Zellen aus konserviertem Museumsmaterial funktionieren soll, ist eine weitere Frage. DNA ist zwar sehr stabil, unter geeigneten Umständen – und die sind in Museumssammlungen durchaus vorhanden – kann sie über hunderte Jahre überdauern. Genauer gesagt: sie ist chemisch so stabil, dass Teile des Genoms sequenziert werden können. Für eine Keimzelle wird aber ein vollständiges, funktionelles Genom benötigt. Die Frage ist, wie es die Konservierung bei Bälgen, Dermoplastiken, Feucht- und Trockenpräparaten „überlebt“.

    Bildlich gesprochen könnte man hier folgenden Vergleich aufstellen: Das, was an DNA aus alten Präparaten sequenziert wird, entspricht einzelnen Textsequenzen eines geschredderten Buches, dessen Schnipsel einige brutale Behandlungen über sich ergehen lassen mussten. Im Vergleich dazu besteht ein Genom aus dem vollständigen, noch gebundenen Buch.

     

    Zootiere, wozu?

    Betrachtet man die Aktion aus einem anderen Blickwinkel, erscheint sie sinnvoller. Hier könnten weitere ausgestorbene Tiere erzeugt werden, beispielsweise die Wandertaube, der Carolina-Sittich oder der Beutelwolf. Sogar der Riesenalk, Quagga und Dodo kommen in Reichweite. Ziel kann nie eine ökologisch funktionierende Population sein, sondern eine Gruppe von Zootieren.

    Kolorierte Zeichnung eines Dodos und eines Meerschweinchens
    Die berühmte Zeichnung „The Dodo and the Guiney Pig“ von George Edwards. Stimmen die Propotionen des Vogels?

    Doch wozu der Aufwand für ein paar Zootiere? Wir würden eine Art Jurassic Park schaffen, aber mit Tieren, die im Anthropozän ausgestorben sind: Fancy Animals werden sie auf englisch genannt.
    Neben dem Show-Effekt kann man diese Tiere studieren. Die Hardware, also Anatomie und Morphologie zahlreicher, auch neuzeitlich ausgestorbener Tiere ist oft bekannt. Doch selbst bei angeblich relativ gut dokumentierten Tieren, wie dem Dodo ist ein natürlicher Habitus unbekannt: alle Abbildungen zeigen vermutlich mit Schiffszwieback fett gemästete Tiere. Das Verhalten, die Software, ist weitgehend unbekannt.

    Einige Verhaltensweisen sind genetisch fixiert, auch diese würde man dann bei solchen Tieren feststellen. Beim vor etwa 80 Jahren ausgestobenen Beutelwolf weiß man nur, wie er sich langsam fortbewegte. Einzelberichte zeugen von Hüpfen, wie bei den verwandten Kängurus. Stimmt das? Beschleunigte er so vielleicht?
    Eine festgeschriebene Software könnte so studieren, aber die freien Anteile fehlen: Alles das, was die Tiere an Traditionen hatten, die sie von ihren Eltern bzw. der Mutter lernen, ist mit dem Aussterben verschwunden. Großkatzen müssen den Tötungsbiss abgucken, Bären lernen, wie man Fische fängt. Viele Pflanzenfresser lernen durch Nachahmen, welche Pflanzen fressbar sind und welche nicht.

    Kann man solche Tiere aussetzen? Ist es vertretbar, Tiere in die Umwelt zu entlassen, von denen man annehmen muss, dass ihnen zum Überleben Wissen fehlt? Es passiert täglich tausenfach, mit Besatzfischen, für die Jagd gezüchteten Fasanen und anderen Tieren. Passiert das im Rahmen der Forschung, hat man wenigstens die Chance und die Möglichkeit, verhungernde Tiere wieder einzufangen. Aber man hat auch die Chance zu sehen, wie sie auf ihre Umwelt, Artgenossen und Konkurrenten reagieren.

    Ein ökologischer Ersatz sind sie nicht (mehr), selbst wenn man sie in großer Zahl nachziehen könnte: Die Umwelt hat sich ohne diese Arten verändert.

    (k)ein Platz mehr in der Umwelt?

    Kakapo-Portrait von Kimberley Collins
    Der Kakapo ist mittlerweile ein solches Fancy-Animal geworden. In den allermeisten Teilen seines Verbreitungsgebietes ausgestorben und nur noch mit Hilfe überlebensfähig.
    Foto: Kimberley Collins, auf Dusky Island

    Auf Tasmanien fehlt der Apex-Predator, Beutelteufel und Füchse nehmen teilweise seine Funktion ein. In Nordamerika fehlt ein Zugvogel, der zu zig Millionen den Kontinent besiedelt hat. Von so einem Vogel hängen Fressfeinde ab, aber auch Pflanzen, die er verbreitet, Zugwege, die er düngt, und so vieles mehr. Fehlt er, verschiebt sich die Baumgesellschaft in den Wäldern, die Pflanzenzusammensetzung der Plains, die Zahl der Räuber.

    Die so gezüchteten Tiere wären Fancy Animals, Liebhaber-Tiere. Mit ihrem (langsamen) Aussterben haben andere Tiere Teile ihrer ökologischen Funktion übernommen. Teilweise hat die Umwelt durch andere Anpassungen reagiert:

    Ein großer Pflanzenfresser wie das Nördliche Breitmaulnashorn ist ökologisch nicht einfach durch andere, kleinere Pflanzenfresser ersetzbar. Fehlt es, können diese zwar die frei werdende Biomasse fressen, vielleicht nimmt sogar ihre Zahl zu. Aber die Auswirkungen sind nicht dieselben. Wie viele Pflanzenarten sind auf die kurze Beweidung angewiesen. Was ist mit Pflanzen, die Zebras oder Schwarzbüffel stehen lassen würden? Wie viele Pflanzen sind auf die Verbreitung mit dem Kot von Nashörnern angewiesen, weil die Verdauungssysteme anderer Pflanzenfresser die Samen angreifen? Fehlt ein Knoten, verändert sich das Netzwerk. Wir merken es kaum, weil es zu langsam geht – und weil wir selbst wesentlich größere Umweltveränderungen verursachen.

    Lektion gelernt?

    Würden die Schafzüchter heute Beutelwölfe auf Tasmanien dulden? Könnten nordamerikanische Farmer damit leben, wenn 10 Millionen Wandertauben auf ihren Feldern Weizen fressen? Ist in 20 Jahren in Afrika überhaupt noch Platz für Nashörner?

    Einmal ausgerottet bleibt ausgerottet, selbst wenn dann einige Fancy-Animals in den Zoos etwas anderes suggerieren würden. Vielleicht ist das die Lektion, die die Menschheit aus der Sache lernen kann…

     


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  • Freitagnacht-Kryptos: Der Mokeló in Zentralafrika, Teil 2

    In den Archiven kramte: Ulrich Magin

     

    Nach seiner Darstellung des bislang unbekannten Raubtiers Mokeló fährt Dr. Lorenz Tutschek (Das Ausland: Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde, Band 21, 8 Juni 1848) mit der Analyse möglicher Kandidaten fort:

     

    Ist der Mokeló ein Erdwolf?

    Ein Erdwolf im trockenen Gras
    Auch der Erdwolf ist eine Hyäne, wenn auch eine sehr ungewöhnliche. (Proteles cristata, Lion and Rhino Reserve, Gauteng, South Africa, CC 2.0)

    „I. Der Erdwolf, Proteles Lalandii Isid. Geoffroy, ist ein Thier, welches im Norden der Capcolonie von Sparrmann und Levaillant bereits beachtet, aber erst durch de Lalande der wissenschaftlichen Welt bekannt gemacht wurde. Er hat die Größe eines Fuchses, ist aber hinten niederer wie die Hyänen, lebt in unterirdischen Höhlen und besitzt Färbung und Rückenkamm ganz wie die gestreifte Hyäne.

    Sein Gebiß ist eigentlich nicht reißend, da auch den erwachsenen Thieren der große zackige Reißzahn fehlt, doch hat er starke Eckzähne. Nach Verreaux’ Beobachtungen nährt er sich hauptsächlich von Fettsteißen und Talgschwänzen der afrikanischen Schaafe. Ist also der Mokeló nicht.

     

     

     

    Gestreifte Hyäne im Zoo
    Die Streifenhyäne heißt heute Hyaena hyaena.

    Oder doch eine Hyäne?

    II. Die Hyänen stimmen ihrem Charakter nach alle ziemlich überein. Sie sind feig, jagen nicht und werden von Löwen, Panthern und Hofhunden zerrissen, geschweige denn, daß sie jenen etwas anhaben könnten.

    Die gestreifte Hyäne, H. striata Cuv. von der Größe eines Fleischerhundes, ist bekannt genug. Sie erreicht die Größe eines Mokeló bei weitem nicht, selten die einer Dogge. Sie jagt nicht, sondern schleicht feig herum, frißt Aas und gräbt Leichen aus. In ihrer Heimath fürchtet sie Niemand; übrigens kömmt diese Art so weit südlich, als Tumale liegt, in Afrika kaum mehr vor.

     

     

     

    Sonne hinter dicken Wolken, vor denen bizarr geformte Bäume stehen
    Dass im tiefsten Schwarzafrika noch Geheimnisse vorkommen, das musste auch 1848 so sein. Auch wenn die Großtiere langsam alle bekannt waren

     

    Zwei Tüpfelhyänen in der Sonne
    Die „Gefleckte Hyäne“ wird heute meist als Tüpfelhyäne bezeichnet und ist ein hervorragender Jäger – auch wenn Dr. Tutscheck es nicht glauben wollte.

    Die gefleckte Hyäne, Hyaena crocuta Schreb. wird allerdings ein ziemliches größer, jedoch nicht so groß als ein Neufundlandsdog, ist durch ganz Mittel- und Südafrika verbreitet; auch sie nährt sich mehr von Aas als von lebendigem Raube, läuft nicht schnell und schleicht traurig bei Nacht herum. Ihre Furchtbarkeit ist wie die aller Hyänen lächerlich übertrieben worden. Uebrigens ist sie dem Dgalo unter ihrem Landesnamen sehr gut bekannt und, wie er versichert, vom Mokeló weit verschieden.

    Dav. Bruce entdeckte in Abyssinien eine Abart, wie er sagt, dieser Hyäne, welche er enorm groß macht, 6“ lang, 4 hoch [1,8 m x 1,2 m], was allerdings so ziemlich die Größe des Mokeló wäre; nach Bruce schleppe sie Pferde, Maulesel und Menschen weg. Diese große abyssinische Hyäne des Sir Bruce, welche ich vielleicht für den Mokeló ansprechen könnte, hat aber keiner von den Reisenden der letzten Decennien, welche Habesch [das nördliche Hochland von Abessinien in Äthiopien und Eritrea] nach allen Richtungen durchstreiften, jemals wieder gesehen oder auch nur von ihr gehört.

    Ein Strandwolf im Zoo
    Meist wird Parahyaena brunnea heute als Strandwolf oder Schabrackenhyäne bezeichnet.

    Die zottige Hyäne, Hyaena brunnea Thunbg. findet sich nur an den Küsten Afrika’s, und heißt daselbst Strandwolf, namentlich am Senegal. Sie ist einfach braun und zottig, etwa von der Größe eines Wolfes; da sie sich selten von der Küste entfernt, sich hauptsächlich von Fischen und Krebsen nährt, so ist an den Mokeló bei ihr nicht zu denken. Außerdem sieht man sie im Binnenlande nie.

     

    Literatur:

    Das Ausland: Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde


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  • Kryptozoologie-Kongress am 12. Oktober in Lennestadt

    Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben? Eine Frage, der es eigentlich keiner weiteren Antwort bedarf, geht es nach vielen Fachleuten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. Natürlich sind die Dinosaurier vor ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben heißt es da und nur die heutigen Vögel sind die unmittelbaren Nachfahren dieser phantastischen Tiere.
    Doch warum gibt es dann heute noch so viele Berichte über Begegnungen mit Wesen, deren Beschreibungen manchmal so beginnen: “…es sah aus, wie ein Dinosaurier!..“?


    Kryptozoologie-Kongress zum Thema Mokele Mbembe am 12. Oktober 2019, 10:00 bis ca. 18:00 Uhr im Galileo-Park in Lennestadt / Sauerland

    Karten sind jetzt erhältlich: Link zum Kartenverkauf des Galileo-Parks


    „Und wenn sie nicht … ?“

    Graphic Design zum Kongress
    Auf der Suche nach Mokele Mbembe: Sind Dinosaurier wirklich ausgestorben?

    Wenn die Dinosaurier ausgestorben sind, dann stellt sich doch aber die Frage, welches so seltsam anmutende Wesen verbirgt sich dann dahinter?
    Es gibt viele Orte auf unserer Erde, wo angeblich heute noch solche Zusammentreffen von Menschen und seltsamen Kreaturen stattfinden. Eine solche Gegend ist das Gebiet des heutigen Kamerun und des Kongo in Afrika.
    Der französische Kryptozoologe und Forscher Michel Ballot ist dort seit vielen Jahren unterwegs, neben anderen Forschern aus der ganzen Welt. Sie suchen in den undurchdringlichen Wäldern und Sümpfen nach stichhaltigen Beweisen für die Existenz solcher Tiere, die der Wissenschaft noch nicht bekannt sind.
    Auf dieser Veranstaltung berichtet er über seine Expeditionen und seine Vermutungen, um was es sich bei diesen seltsamen Wesen handeln könnte.

    Andy McGrath aus England berichtet in seinem Vortrag über weitere ähnliche Wesen und deren Beobachtung auf dem afrikanischen Kontinent.

    Auch deutsche Forscher haben auf ihren Expeditionen durch Afrika von solchen dinosaurierähnlichen Wesen gehört und haben zum Teil auch danach gesucht.
    Hans-Jörg Vogel berichtet in seinem Vortrag über die zoologischen Forschungen zweier deutscher Afrikareisender, Hauptmann Freiherr von Stein zu Lausnitz und Hans-Schomburgk, die ebenfalls nach unbekannten und rätselhaften Tieren suchten.

    Logo des Galileo-Parks
    Der Galileo-Park ist der Veranstalter

    Sauerland-Pyramiden
    Die Sauerland-Pyramiden sind der optimale Tagungsort für diese Veranstaltung

    Sauerland-Pyramiden im Licht des Vollmondes
    Egal sehen, wie lange die Diskussionen dauern: Das Netzwerk für Kryptozoologie ist dabei!

    4 Hauptreferenten und abschließende Diskussion

    H.-J. Vogel
    Deutschland
    Mwe-Mwe und Mokélé Mbembé – Deutsche Forscher auf der Suche nach seltsamen Lebewesen in Afrika – Freiherr Stein zu Lausnitz und Hans Schomburgk
    (Deutsch)
    60 min

    Michel Ballot
    Frankreich
    Dinosaurier haben bis heute überlebt – Auf Expedition in Kamerun
    (Englisch oder Französisch)
    60 min

    Andy McGrath
    England
    Mokélé
    Mbembé-ähnliche Wesen in ganz Afrika (Englisch)
    60 min

    Wolfgang Schmidt
    Deutschland
    Gibt es Indizien und Beweise, die ein gleichzeitiges Existieren von Dinosaurier und Mensch beweisen könnten?
    (Deutsch)


    Beginn der Veranstaltung: 10 Uhr; Ende ca. 18 Uhr

    Karten können bereits jetzt im Ticketshop des Galileo-Parks erstanden werden.

    Unser Flyer zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden: Download Deutsch / Download Englisch

    Galileo-Park: Künftige Events


     


  • Freitagnacht-Kryptos: Der Mokeló in Zentralafrika (Teil 1)

    In den Archiven kramte: Ulrich Magin

    Am 8. Juni 1848 erschien in dem Magazin Das Ausland: Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde (Band 21) ein Aufsatz, der ein gutes Beispiel für die kryptozoologische Analyse von einheimischen Informationen liefert und an einen vergessenen Pionier der Disziplin erinnert. Tutschek hatte zuvor in früheren Ausgaben mehrere Folgen über Entdeckungsreisen in Zentralafrika und Märchen der Eingeborenen veröffentlicht. Nun kommt er zum kryptozoologischen Teil:

    „Ueber den Mokeló, ein unbekanntes Raubthier Centralafrika’s.

    In den Erzählungen eines jungen Eingebornen aus Tumale, einer Provinz Centralafrika’s, mitgetheilt durch Dr. Tutschek, finde ich mehrmals eines Thieres unter dem Namen Mokeló gedacht, das den geneigten Lesern gewiß um so mehr auffallen wird, als sich eine spätere Erzählung Dgalo’s gerade mit diesem Geschöpfe befaßt. Indem ich voraussetze, daß der Leser den Berichten über ein bis in unsere Tage noch ganz unbekanntes Land mit vielem Interesse gefolgt seyn wird, nehme ich seine gütige Aufmerksamkeit auch für einen zoologischen Gegenstand in Anspruch, der mit eine Rolle spielt in der poetischen Anspruchslosigkeit des erzählenden Negers Dgalo. Dieser beschreibt den Mokeló folgendermaßen:

    Ein Gepard faucht eine Hyäne an, Szene im hohen Gras
    Hyänen sind bekannt dafür, dass sie anderen Großräubern auch die Beute stehlen

    „Ein Raubtier in der Größe eines kleinen Pferdes“

    ‚Er ist ein Raubthier, welches die Rehe (Antilopen) und Tiger (Panther) verfolgt und frißt, außerordentlich schnell läuft und die Größe eines kleinen (vielleicht schottischen) Pferdes erreicht; die Schnauze ist sehr dick und stark, fast wie bei einer Bulldogge, von schwarzer Farbe; das Gebiß grimmig und schneeweiß mit vorstehenden Eckzähnen. Die Farbe des Leibes ist dunkelbraun mit struppigen kurzen Haaren, der Schweif kurz und kahl (vielleicht wie beim Windhund). Seine Fährte ist die des Löwen, jedoch breiter mit mehr auseinanderstehenden Zehengliedern. Der Aufenthalt dieses grimmigen Thieres ist die Wüste, wo er sich des Tages über verborgen hält, in der Nacht aber sein Lager verläßt und weit jagend herumschwärmt, um seine Nahrung, die in allen Thieren zu bestehen scheint, zu erwürgen; deßwegen wird er von den Yumales [im heutigen Staat Südsudan] der Wüstenhirte genannt.

    Tüpfelhyäne vor kurzem Rasen
    Tüpfelhyänen sind als erfolgreiche Jäger genauso bekannt wie als Beuteräuber

    Erdwolf ruht am Boden
    Der Erdwolf ist eigentlich eine Hyäne, eine sehr ungewöhnliche.

    Afrikanischer Wildhund steht in hohem Gras
    Unter dem Radar vieler Afrikaforscher gilt der afrikanische Wildhund Lycaon pictus als möglicher Kandidat für den Mokeló

    Obwohl er so stark und kühn ist, daß der Panther, wo sich der Mokeló zeigt, entflieht und im Falle des Erreichens von diesem zerrissen wird, so zeigt er doch gegen Menschenweniger Muth, da er vor ihnen entflieht und bei starker Verfolgung seine Losung fallen läßt, welche, wie Dgalo mit verständiger Beobachtung bemerkt, weiß ist, weil der Mokeló Knochen frißt. Ohne Zweifel mag aber doch mancher Umale in Mokelós Magen wandern, da in der Erzählung ‚Tomiong‘ der Waldesfürst den Mokeló frägt, ob er den Tomiong verschlungen habe. Im allgemeinen wird sich wohl kein Raubthier am Menschen vergreifen, solange es noch andre Nahrung in ausreichendem Maße findet.‘ – Dieß ist Dgalos einfache Beschreibung.

    Kein Mokeló in der Staatssammlung

    Unter allen ausgebälgten Säugethieren der Staatssammlung in der Münchner Akademie erkannte Dgalo keines für den Mokeló seiner Heimath, ebenso wenig glich demselben irgendeine von sämmtlichen ihm vorgelegten Abbildungen. Jedoch muß ich bemerken, daß sich in München von dem bald zu erwähnenden wilden Hunde Afrikas ein ganz junges Exemplar befindet, welches allerdings dem erwachsenen Thiere weder an Größe, noch an Form gleicht. Da ich mich seit mehrern Jahren speciell mit der Zoologie Afrikas beschäftigt, so erschien mir die Aufgabe sehr lockend und lohnend, die Wesenheit des Mokeló etwas näher zu beleuchten.

    Der Mokeló ist keine Katze

    Aus Dgalos sehr mangelhaften Daten geht hervor, daß wir ein Raubthier und zwar von enormer Größe vor uns haben, von einer Größe, welche die des Löwen wo nicht übertrifft, doch gewiß erreicht. Aus einem mir mitgetheilten Mährchen vom Tiger und Mokeló ersehe ich auch, daß der letztere keine Katze ist, denn er kann den auf einen Baum entflohenen Tiger nicht verfolgen, also nicht klettern – die genaue Bekanntschaft Dgalos mit dem Löwen (ima m’rsal) bürgt außerdem dafür, daß der Löwe nicht der Mokeló ist. Wenn sich aber der Tiger (Panther) dem Mokeló gegenüber ein kleines Thierlein nennt, so gibt dieß gewiß einen Begriff von der erstaunlichen Größe des fraglichen Geschöpfes, welche auch von Dgalo standhaft behauptet wird.

    Ist den Natuforschern ein großes Raubtier entgangen?

    Der erste Zweifel, der in mir bei Lesung der Berichte aus Tumale hierüber aufstieg, war natürlich der, wie ein so großes, allem Anscheine nach in diesen Provinzen häufiges Raubthier der Beobachtung von Naturforschern entgangen seyn sollte, die, wie z. B. Rüppell, rings um die Gränzen Tumales gekommen sind. Allein die Vergleichung sämmtlicher bisher bekannt gewordenen Raubthiere Afrikas wird es dem Leser doch zweifellos machen, daß der Mokeló wirklich ein dem Zoologen noch unbekanntes Säugethier seyn muß. Da durch das Unvermögen zu klettern (ein Beweis von stumpfen, weil nicht zurückziehbaren Krallen) und durch das weite Jagen desselben bei Vergleichung des Mokeló ohne Zweifel das Katzengeschlecht ausgeschlossen bleibt, so sind demnächst nur drei Gattungen von Raubthieren vorhanden, zu denen er möglicherweise gehören könnte: der Erdwolf, Proteles – die Hyäne, Hyaena – der Hund, Canis.“

     

     

    Literatur:

    Das Ausland: Wochenschrift für Länder. und Völkerkunde (Band 21), 1848


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