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  • Heute vor 175 Jahren: das letzte Ei eines Riesenalkes wurde – zertreten

    Das Aussterben von Tierarten ist eine schlechte Nachricht fürs ökologische Netz. Dennoch registrieren wir es oft mit einem Kopfnicken und machen weiter, wie bisher. Doch anders als ein zerstörtes Kunstwerk oder eine abgebrannte Kathedrale ist eine Tierart nicht wieder herstellbar. Um so schlimmer, wenn sie im Wissen um ihre Verletzlichkeit ausgerottet wird.

    Gestatten: Pinguinus impennis, der Riesenalk

    Dermoplastik eines Riesenalkes
    Dermoplastik eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Der Riesenalk war etwa 70 bis 85 cm groß, deutlich größer als seine heute lebenden Verwandten. Wie bei den meisten Alken war sein Körper für das Schwimmen im Wasser optimiert: Die Beine sind extrem weit nach hinten gewandert, die Flügel waren kurz und taugten nicht zum Fliegen. Seine Oberseite war schwarz, die Bauchseite weiß, der Schnabel von mittlerer Länge, kräftig und ebenfalls schwarz. Bemerkenswert ist ein weißer Fleck auf der Stirn. Sie sahen einem mittelgroßen Pinguin recht ähnlich.
    So gewandt Riesenalken im Wasser gewesen sein müssen, dies erkauften sie mit nahezu vollständiger Hilflosigkeit an Land. Auch dies ist eine Parallele zu den Pinguinen.

    Riesenalke besiedelten einst vermutlich die Küstengewässer des gesamten Nordatlantiks. Knochenfunde kennt man aus den Neuengland-Staaten, Labrador, dem Westen Grönlands, Island, der gesamten Norwegischen Küste, den britischen Inseln, Dänemark, Holland und der Bretagne. Im Süden wurden sie seltener, aber es gibt auch Funde aus Florida, Italien, Südwesteuropa und Marokko. Vermutlich hielten sich die Vögel zum Brüten in den kalten Gewässern des Nordens auf. So konnten sie den Fischreichtum, aber auch die langen Tage im Sommer nutzen, um dann im Winter in wärmere Gefilde abzuwandern.
    Anders als die meisten Seevögel der Nordhalbkugel war der Riesenalk flugunfähig. Daher musste er seine Brut auf kleine, flache Inseln vor der Küste verlegen, die für Beutegreifer wie den Eisbären, aber auch Braunbären und Wölfe nicht erreichbar waren. Insgesamt sind nur 8 Brutkolonien sicher belegt, vermutlich gab es jedoch einige weitere, sehr kleine Tochterkolonien.

    Das Aussterben

    Die völlige Hilflosigkeit an Land, Riesenalke konnten nur langsam und unbeholfen laufen, ermöglichte es Vogelfängern, sie in Massen zu erlegen. Im 18. Jahrhundert begann dann die eigentliche Ausbeutung der Bestände: Menschen ließen sich auf den Brutinseln nieder, errichteten Trichter aus Steinwällen, die so hoch waren, dass die Alken nicht darüber sehen konnten. So war es möglich, die Tiere ähnlich wie beim Reusenfang in kleine Kammern zu treiben, sie dort zu sammeln und bei Bedarf zu „entnehmen“. Genutzt wurden zunächst die Daunen: die erschlagenen Vögel wurden blanchiert und gerupft, der Kadaver bildete den Brennstoff zum Erhitzen des Wassers.

    Bereits 1785 warnte der Händler und Abenteurer Kapitän George Cartwright vor dem Aussterben. Er hatte vermutlich die als erstes geplünderten Neufundländischen Populationen beobachtet. 1808 tauchte das letzte Mal ein Exemplar auf den Färöer-Inseln auf. 1830 existierte nur noch die Brutkolonie auf Geirfuglasker bei Island und eine winzige Tochterkolonie am Fuße der nahen Felseninsel Eldey. Als Geirfuglasker 1830 bei einem Vulkanausbruch völlig zerstört wurde, war die Art in finale Bedrängnis geraten.


    Lage von Eldey vor der Küste Islands

     

    Rolle der Vogelsammler und Museen

    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig
    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten war aus einem Vogel, der den gesamten Nordatlantik bewohnte eine extrem seltene Art geworden. Die Preise für Vogelbälge schossen in die Höhe, jeder Vogelsammler, der etwas auf sich hielt und jedes Museum „musste“ noch einen Balg bekommen, bevor die Art verschwunden war. An Schutz war nicht zu denken. Man ging landläufig davon aus, dass Gott keine seiner Schöpfungen aussterben ließe, auch wenn mahnende Stimmen etwas anderes, unbequemeres sagten (Das ist heute kaum anders!). Andererseits wäre ein Schutz-Gesetz auch nicht durchsetzbar gewesen. So wurden auf Eldey, dem letzten bekannten Brutplatz zwischen 1831 und 1844 noch eine zweistellige Zahl von Tieren erschlagen.
    Heute vor 175 Jahren, am Morgen des 3. Juni 1844 wurden die letzten beiden bekannten, brütenden Riesenalken von den Vogelsammlern Jón Brandsson und Sigurður Ísleifsson erwürgt. Das letzte Ei wurde aus unbekannten Gründen von Ketill Ketilson zertreten.

    Nachweise nach 1852

    Die letzte zuverlässig dokumentierte Sichtung eines Riesenalkes erfolgt 1852, seit dem gilt die Art als ausgestorben. Hierdurch bleiben zahlreiche Fragen zur Biologie der Vögel unbeantwortet. Unter anderem ist nicht bekannt, wie die überlieferte kurze Brutzeit und Nestzeit von nur 6 Wochen zur Aufzucht der Küken genutzt wurden. Nahmen sie die lange nicht ausgewachsenen und gemauserten Küken mit auf See? Wie ein Küken aussah, ist ebenfalls unbekannt. Der Natur fehlt der Riesenalk, er hinterlässt ein Loch im Netzwerk der Arten.

    Netzwerk-Mitglied Natale Guido Cincinnati hat eine große Zahl von Sichtungen nach 1852 zusammengetragen. Sein lesenswerter Artikel ist in einer der letzten Ausgaben des Kryptozoologie-Reportes erschienen. Er kann noch beim Thylacinus-Verlag bestellt werden.


  • Wandernde Geier – Update 5 –

    Was vorher geschah

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Mitteleuropa nach Norwegen. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Norden. Der Vogel zog auf der Vogelfluglinie über den Fehmarnsund und Fehmarn weg. Nach letzten Meldungen hält sich die schwarze Schönheit jetzt in Norwegen auf.

    Seit gestern, 20. Mai 2019 wird ein weiterer, offenbar wandernder Mönchsgeier gemeldet. Damit sind mindestens drei Vögel weit außerhalb ihrer üblichen Streifgebiete unterwegs.

    Sonntag, 19. Mai 2019, Vogel Brínzola

    Karte mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola durch Schweden und Norwegen am 17. und 18. Mai 2019
    Diesen Weg legte Brinzola am 18. Mai 2019 zurück. Quelle: Proyecto Monachus

    Am vergangenen Sonntag haben einige Beauftragte des Proyecto Monachus Brínzola gesucht, um ihre Verfassung zu überprüfen. Nach einigen Stunden Fußweg durch unwegsames Gelände konnten sie den Vogel finden. Zur allgemeinen Überraschung und Freude fraß sie an einem Rentier-Kadaver. Das Proyecto Monachus titulierte: „Brínzola frisst Rudolph“

    Dies belegt, dass die schwarze Schönheit in einer Gegend mit geeigneter Nahrung angekommen ist. Die Mitarbeiter des Proyecto Monachus hoffen, dass sie so genug Energie aufnehmen kann, um ihre unbeschreibliche Reise fortzusetzen – wo immer sie hin will: Wir bleiben dran.

    Abgesehen von einem zusammenfassenden Report in einer spanischen Tageszeitung ist es ruhig um Brínzola geworden, das Proyecto Monachus liefert aktuell keine Daten und von norwegischen Vogelfreunden kam bisher noch nichts bei der Redaktion an. Dennoch: Wir bleiben am Ball.


    Montag, 20. Mai 2019: Ein weiterer Mönchsgeier ist auf dem Weg nach Norden: „FUH“

    Nicht einmal zwei Wochen nach Brínzola ist ein weiterer Mönchsgeier in Belgien aufgetaucht. Das ist die dritte Registrierung von Mönchsgeiern in Belgien überhaupt. Das Tier ist mit einem weißen Ring markiert, der den schwarzen Code „FUH“ trägt. Der Vogel stammt aus einem der Projekte zur Wiedereinführung der Art in Frankreich. Dort werden Ringe dieser Farbe und mit diesem Schriftcode verwendet. Bevor Näheres über diesen Vogel bekannt ist, bezeichnen wir ihn provisorisch als Fuh. Eine E-Mail-Anfrage der NfK-Redaktion zu diesem Tier wurde vom Leiter des Projektes bisher nicht beantwortet.

    Die Belgier sind überrascht über diese unerwartete „Welle“ der Geier. Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be begleitet auch diesen großen, schwarzen Vogel sehr intensiv. Auf zahlreichen Bildern wird er gemeinsam mit einem unmarkierten Gänsegeier gezeigt. Die Vögel rasteten am 20. Mail ab etwa 19 Uhr auf einem Acker bei dem Ort Hees (Provinz Limburg) in der Nähe von Maastricht (allerdings auf belgischer Seite). Sie haben dort die Nacht verbracht und sind zwischen etwa 21:30 Uhr Montag und etwa 6:00 Uhr am Dienstag einige hundert Meter weiter nach Südwesten gezogen.

    Am Dienstag, den 21. Mai hat sich ein zweiter Gänsegeier den beiden angeschlossen. Am Nachmittag des selben Tages sind beide Gänsegeier aufgeflogen, die letzte Beobachtung stammt von 15:20 Uhr. Danach haben die belgischen Vogelfreunde sie nicht mehr gesehen.

    Fuh, der Mönchsgeier blieb noch bis Mittwoch, 22.5. vor Ort, die letzte Beobachung betrifft den Abflug des Tieres in südöstliche Richtung.


    Weitere Geier sind in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland gesellte sich kurzzeitig ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier zu ihr. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen.

    Zahlreiche Hobby-Ornithologen konnten einen juvenilen Mönchsgeier am Freitag, den 17. Mai 2019 auf Rügen beobachten. Mitte April bis Ostersonntag wurde ein Mönchsgeier auf der nahe gelegenen Insel Hiddensee beobachtet. Dieser Vogel war unberingt und im zweiten oder dritten Kalenderjahr, mit ziemlicher Sicherheit ein wild geschlüpfter Vogel. Vermutlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Vögel.

    Ein Gänsegeier spreizt im Abendlicht die Flügel.

    Mehrere Vogelbeobachter-Portale melden übereinstimmend, dass ein Gänsegeier aus der halbwilden Population des Alpenzoos Innsbruck bereits seit Anfang Mai in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim sitzt. Er ernährt sich offenbar von Graureiher-Küken und macht laut Meldung einen gesunden Eindruck. Das Tier war auch am Sonntag, den 19.5. noch vor Ort.

    Heute, 23. Mai 2019 erreichte eine weitere, noch unbestätigte Geier-Meldung die Redaktion: Zwei Gänsegeier sollen in Altenwalde bei Cuxhaven an der südlichen Elbemündung aufgetaucht sein. Wir verfolgen diese Meldung weiter und prüfen insbesondere, ob es sich um die beiden Tiere aus Hees in Belgien handeln könnte. 400 km Luftlinie wären für die beiden bei der gegenwärtigen Wetterlage an zwei Tagen zu schaffen.


    Vorhergehende Beiträge zu diesem Thema:

    Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa vom 15. Mai 2019 mit der Ausgangslage

    Wandernde Mönchsgeier – Update 1– vom 17. Mai 2019 mit Anmerkungen zu weiteren Einflügen von Mönchsgeiern nach Deutschland seit dem 2. Weltkrieg und einer Meldung aus Nord-Italien.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 2 und 3 – mit weiteren Flugdaten.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 4 – mit der Meldung aus Belgien und von Rügen.

    Quellen (auszugsweise):

    Proyecto Monachus

    Facebook-Seite des Projektes

    Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be mit Sichtungen und Fotos des Tieres

    Naturkundliche News der Natuschutzgesellschaft Küstenregion Vorpommern zum Mönchsgeier auf Hiddensee

     


  • Wandernde Mönchsgeier – Update 4 –

    Was vorher geschah

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Mitteleuropa nach Norwegen. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Nordosten. Der Vogel zog über den Fehmarnsund und Fehmarn hinweg, nutzte also die Vogelfluglinie. Nach letzten Meldungen hält sich der Vogel in Norwegen auf.

    Seit gestern, 20. Mai 2019 wird ein weiterer, offenbar wandernder Mönchsgeier gemeldet. Damit sind mindestens drei Vögel weit außerhalb ihrer üblichen Streifgebiete unterwegs.

    Sonntag, 19. Mai 2019, Vogel Brínzola

    Karte mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola durch Schweden und Norwegen am 17. und 18. Mai 2019
    Diesen Weg legte Brinzola am 18. Mai 2019 zurück. Quelle: Proyecto Monachus

    Die Mönchsgeier-Dame flog weiter nordwestwärts, am Samstag legte sie knapp 320 km zurück. Ihr Weg endete vorerst um 19:09 Uhr in Nowegen, wo sie auch die Nacht auf Sonntag verbrachte. Die Karte zeigt als letzte Station 16:00 Uhr am Samstag, so wird das Tier vor übergroßer Neugier geschützt.

    Am Sonntag haben einige Beauftragte des Proyecto Monachus den Vogel gesucht, um seine Verfassung zu überprüfen. Nach einigen Stunden Fußweg durch unwegsames Gelände konnten sie Brínzola finden. Zur allgemeinen Überraschung und Freude fraß sie an einem Rentier-Kadaver. Dies belegt, dass die schwarze Schönheit in einer Gegend mit geeigneter Nahrung angekommen ist. Die Mitarbeiter des Proyecto Monachus hoffen, dass sie so genug Energie aufnehmen kann, um ihre unbeschreibliche Reise fortzusetzen – wo immer sie hin will: Wir bleiben dran.


    Montag, 20. Mai 2019: Ein weiterer Mönchsgeier ist auf dem Weg nach Norden: „FUH“

    Nach Brínzola ist ein weiterer Mönchsgeier in Belgien aufgetaucht. Das ist die dritte Registrierung von Mönchsgeiern in Belgien überhaupt. Das Tier ist mit einem weißen Ring markiert, der den schwarzen Code „FUH“ trägt. Der Vogel stammt wahrscheinlich aus einem der Projekte zur Wiedereinführung der Art in Frankreich. Dort werden Ringe dieser Farbe und mit diesem Schriftcode verwendet. Bevor Näheres über diesen Vogel bekannt ist, bezeichnen wir ihn provisorisch als Fuh.

    Die Belgier sind überrascht über diese unerwartete „Welle“ der Geier. Dies ist mindestens der dritte Mönchsgeier, der gleichzeitig auf dem Weg nach Norden beobachtet wird. Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be begleitet auch diesen großen, schwarzen Vogel sehr intensiv. Auf zahlreichen Bildern wird er gemeinsam mit einem juvenilen Gänsegeier gezeigt. Der Gänsegeier trägt keinen Ring und keine Farbmarkierung. Die Vögel rasteten gestern Abend (20. Mail) ab etwa 19 Uhr auf einem Acker bei dem Ort Hees (Provinz Limburg) in der Nähe von Maastricht (allerdings auf belgischer Seite). Sie haben dort die Nacht verbracht und sind zwischen etwa 21:30 Uhr Montag und etwa 6:00 Uhr am Dienstag einige hundert Meter weiter nach Südwesten gezogen.

    Update 13:00 Uhr: Bis Dienstagmittag hat vermutlich schlechtes Wetter die Weiterreise verzögert, Fotos zeigen beide Geier in Eintracht nebeneinander an einem Feldrand vor einem Holzzaun. Eine Einzelbeobachtung berichtet von einem zweiten Gänsegeier, der sich in der Nähe aufhalten soll.

    Update 16:00 Uhr: Das Wetter bleibt schlecht, der Mönchsgeier Fuh und der Gänsegeier bewegen sich kaum. Der zweite Gänsegeier wurde zwischenzeitlich von mehreren Beobachtern gesehen. Er ist agiler und fliegt.

    Die Gründe für die Einflüge der Geier nach Norden sind unklar. Sind bereits alle geeigneten Brutreviere besetzt? Weichen sie dem Klimawandel aus?


    Weitere Geier sind in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland gesellte sich kurzzeitig ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier zu ihr. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen.

    Mehrere Vogelbeobachter-Portale meldeten übereinstimmend einen juvenilen Mönchsgeier, der am Freitag, den 17. Mai 2019 auf Rügen beobachtet wurde. Mitte April bis Ostersonntag konnte ein Mönchsgeier auf der nahe gelegenen Insel Hiddensee beobachtet werden. Dieser Vogel war unberingt und im zweiten oder dritten Kalenderjahr, mit ziemlicher Sicherheit ein wild geschlüpfter Vogel.
    Bei der Frage, ob es sich hierbei um den selben Vogel wie auf Rügen handelt, sind die Meldungen widersprüchlich. Fotos sollen belegen, dass es sich um unterschiedliche Tiere handelt. Unklar ist ebenso, einer der beiden (?) Vögel der Mönchsgeier war, der Brínzola auf ihrem Weg durch Deutschland kurz begleitete.

    Dafür meldete ein Vogelbeobachter-Portal am 18. und 19. Mai, dass ein Gänsegeier bereits seit zwei oder drei Wochen in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim sitzt. Er ernährt sich offenbar von Graureiher-Küken und macht laut Meldung einen gesunden Eindruck. Das Tier war auch am Sonntag, den 19.5. noch vor Ort. Offenbar stammt er aus der Gänsegeiergruppe, die halbwild im Alpenzoo Innsbruck lebt und unbegrenzt Freiflug genießt. Innsbruck ist in der Luftlinie etwa 80 km entfernt, nichts, was ein Geier nicht schafft.


    Vorhergehende Beiträge zu diesem Thema:

    Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa vom 15. Mai 2019 mit der Ausgangslage

    Wandernde Mönchsgeier – Update 1– vom 17. Mai 2019 mit Anmerkungen zu weiteren Einflügen von Mönchsgeiern nach Deutschland seit dem 2. Weltkrieg und einer Meldung aus Nord-Italien.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 2 und 3 – mit weiteren Flugdaten.

    Quellen (auszugsweise):

    Proyecto Monachus

    Facebook-Seite des Projektes

    Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be mit Sichtungen und Fotos des Tieres

    Naturkundliche News der Natuschutzgesellschaft Küstenregion Vorpommern zum Mönchsgeier auf Hiddensee

     


  • Wandernder Mönchsgeier – Update 2 und 3-

    Was vorher geschah

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Frankreich, Belgien, Norddeutschland und die dänischen Inseln nach Schweden. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Nordosten. Der Vogel zog über den Fehmarnsund und Fehmarn hinweg, nutzte also die Vogelfluglinie.

    Donnerstag, 16. Mai und Freitag, 17. Mai

    Karte von Südschweden mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola nach Norden
    Weg des Mönchsgeiers Brinzola vom 15. bis 17. Mai 2019. Quelle: Proyecto Monachus

    Das Weibchen erreichte am 16. Mai in der Umgebung der Stadt Växbø, wo es etwa 40 km weiter im Norden übernachtete. Die nur vergleichsweise geringe Tagesflugstrecke von „nur“ etwa 100 km gab zu Spekulationen Anlass. Doch am Freitag, 17. Mai pulverisierte der Vogel diese Spekulationen und zog in einem weiten Bogen nach Norden. In der Luftlinie legte er über 360 km zurück, die Flugstrecke war deutlich größer. Was der Vogel im Norden tut? Wir bleiben aber am Ball.

     

     


    Samstag, 18. Mai 2019

    Karte mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola durch Schweden und Norwegen am 17. und 18. Mai 2019
    Diesen Weg legte Brinzola am 18. Mai 2019 zurück. Quelle: Proyecto Monachus

    Nachdem die Mönchsgeier-Dame am 17. Mai die Nacht in der Nähe der Stadt Öje in Schweden verbracht hat, startete sie am Samstag, den 18.5. um 9:24 Uhr ihre Weiterreise. Eine gute Stunde später rastete sie an einem der vielen Seen dieses Gebietes um zu trinken. Um 10:44 Uhr setzte sie ihren Weg fort. Um 11:22 Uhr überflog sie die norwegische Grenze. Sie flog weiter nordwestwärts, am Samstag legte sie knapp 320 km zurück. Ihr Weg endete vorerst um 19:09 Uhr in Nowegen, wo sie auch die Nacht auf den heutigen Sonntag verbrachte. Die Karte zeigt als letzte Station 16:00 Uhr am Samstag, so wird das Tier vor übergroßer Neugier geschützt.


    Weitere Geier sind in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland gesellte sich kurzzeitig ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier zu ihr. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen. In den offenen Beobachtungsberichten der Vogelkundler ist nichts von dem Vogel zu lesen. Eine Verortung ist uns so nicht möglich.

    Dafür meldete ein Vogelbeobachter-Portal am 18. Mai, dass ein Gänsegeier bereits seit zwei oder drei Wochen in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim sitzt. Er ernährt sich offenbar von Graureiher-Küken und macht laut Meldung einen gesunden Eindruck. Offenbar stammt er aus der Gänsegeiergruppe, die halbwild im Alpenzoo Innsbruck gepflegt wird. Innsbruck ist in der Luftlinie etwa 80 km entfernt, nichts, was ein Geier nicht schafft.


    Vorhergehende Beiträge zu diesem Thema:

    Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa vom 15. Mai 2019 mit der Ausgangslage

    Wandernde Mönchsgeier – Update 1– vom 17. Mai 2019 mit Anmerkungen zu weiteren Einflügen von Mönchsgeiern nach Deutschland seit dem 2. Weltkrieg und einer Meldung aus Nord-Italien.

    Quellen:

    Proyecto Monachus

    Facebook-Seite des Projektes


  • Wandernde Mönchsgeier – Update –

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Frankreich, Belgien und Norddeutschland nach Dänemark. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Nordosten. Der Vogel zog über den Fehmarnsund und Fehmarn hinweg, nutzte also die Vogelfluglinie. Auf dem Fehmarnbelt wurde er in östliche Richtung verdriftet und verlor deutlich an Höhe. Eine GPS-Marke zeigte ihn praktisch auf dem Niveau der Meeresoberfläche. Die Redaktion schließt nicht aus, dass er kurze Zeit auf einem Schiff gelandet ist, aber binnen weniger Minuten wieder aufstieg. Meeresüberquerungen sind für Segelflieger immer problematisch, da auf Meeresflächen tagsüber keine Aufwinde entstehen.

    Karte von Dänemark und Südschweden, auf der der Flugweg des Mönchsgeiers über Seeland und Südschweden eingezeichnet ist
    Brinzolas Weg über Seeland, den Öresund und Südschweden mit Stop am Abend des 16. Mai 2019

    Das Weibchen flog weiter über die Insel Seeland und nutzte bei Helsingborg/ Helsingør die kürzeste Querung des Øresunds. Am Dienstag, 14. Mai 2019 gegen 13:35 Uhr Ortszeit überquerte der Vogel Helsingborg und setzte seine Reise in östlicher Richtung fort. Am Mittwochabend rastete das Tier in der Nähe von Älmhult in Südschweden. Donnerstag flog die schwarze Schönheit weiter, an der Stadt Växjö vorbei und beendete den Flug etwa 40 km von dort entfernt. Das waren nur gut 100 km Tagesleistung, wesentlich weniger, als sie sonst oft zurückgelegt hat. Ob sie sich einem unbekannten Ziel nähert, länger gerastet (und gefressen?) hat oder die Winde ungünstig wehten, ist unbekannt.  Wir bleiben aber am Ball.

    Inzwischen ist die kleine Verwirrung um das Geschlecht von Brínzola auch geklärt. Auf der Webseite des Proyecto Monachus war von einem Männchen die Rede, während die Projektmitarbeiter auf Facebook ständig von einem Weibchen schrieben. Eine E-Mail-Anfrage an das Proyecto Monachus hat die Leiterin schnell und freundlich beantwortet: Brínzola ist eindeutig weiblich, die Geschlechtsbezeichnung „Macho“ auf der Webseite beruht auf einem Eingabefehler. Der Fehler haben die Projektmitarbeiter inzwischen korrigiert.

    Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
    Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr. (Dieses Bild zeigt nicht Brínzola)

    Mindestens ein weiterer Mönchsgeier ist in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland kreist ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen. In den offenen Beobachtungsberichten der Vogelkundler ist nichts von dem Vogel zu lesen. Eine Verortung ist uns so nicht möglich.


    Einflug nach Norditalien

    Landkarte Norditaliens mit dem Weg, den Geier Farigoule zurückgelegt hat.
    Weg des Mönchsgeiers Farigoule durch Norditalien. Foto: Marco Palumbo

    Auch in Italien war ein Mönchsgeier unterwegs. Der Vogel Farigoule ist ebenfalls 2016 geschlüpft und stammt aus einem Wiederansiedlungsprojekt in Frankreich (?). Das etwa 8 kg schwere Weibchen ist mit einem Sender ausgerüstet und damit ähnlich gut wie Brínzola zu verfolgen. Der Vogel löste sich von seiner Gruppe und verdriftete nach Norditalien. Er kreiste tagelang über Ligurien, dem Piemont und landete in der Mailänder Gegend, vermutlich auf der Suche nach Aas. In der Nähe des Dorfes Alserio in der Nähe des Comer Sees wurde er schließlich am 25. April 2019 von Polizisten gefangen. Sichtbar geschwächt wurde das Tier nach Frankreich zurückgebracht.

    Vielen Dank an Ulrich Magin für den Hinweis auf den Zeitungsartikel mit der Info.

    Quelle:

    Tageszeitung La Provincia di Lecco


    „Historische“ Fälle: Mehr oder weniger regelmäßige Einflüge, meist im Spätfrühling

    1956 wurde ein entkräfteter Jungvogel auf der Feldmark bei Jarnitz auf Rügen aufgegriffen.

    Im 21. Jahrhundert

    Erst fast 50 Jahre später, am 11. Juni 2001 haben Vogelfreunde erneut ein entkräftetes Jungtier, diesmal in Ottenheim (BW) eingefangen.

    Genau drei Jahre später, am 11. Juni 2004 landete ein weiterer entkräfteter Mönchsgeier in einem Hausgarten in Lohmar (Kreis Siegburg, NRW). Mitarbeiter einer Greifvogel-Auffangstation fingen ihn ein und regenerierten ihn. Der Vogel war 2001 auf Mallorca in einer Wildbrut geschlüpft und nach einem Unfall in eine Pflege- und Auswilderungsstation in den französischen Cevennen gekommen. Dort wurde er beringt und besendert und am 19. Mai 2004 freigelassen. Am 3. Juni ging der Kontakt zu dem Tier verloren. Vermutlich haben ihn starke Winde am Rand einer Gewitterfront über 1000 km nach Lohmar verdriftet. Das Tier wog beim Fang nur noch etwa 6000 g (7500g bis 9000 g wären normal). Nachdem er wieder ein gesundes Gewicht erreicht hatte, wurde er mit einem Auto wieder in die Cevennen gebracht und freigelassen.

    Nach 2005

    Am 14. Juni 2006 wurde ein junger Mönchsgeier mehrfach über Coesfeld (NRW) beobachtet. Anhand seiner Beringung und gebleichter Armschwingen konnte er identifiziert werden.

    Sechs Mönchs- und zwei Gänsegeier sitzen im Morgennebel auf einer Wiese
    Sechs Mönchs- und zwei Gänsegeier auf einer Wiese

    Pünktlich am 10. Mai 2007 kreisten zwei dieser großen schwarzen Geier zusammen mit 22 Gänsegeiern über drei Schafherden im Echaztal bei Reutlingen (BW). Die Gruppe taucht an den beiden folgenden Tagen bei Haigerloch-Owingen wieder auf (ca. 35 km). Sie kreistern über einer Schafweide mit einem toten Schaf und konnten von einem Segelflugzeug in einem Thermikaufwind beobachtet werden. Sie fliegen am 13. Mai gegen Mittag nach Nordosten ab, danach verliert sich die Spur. Am 16. Juni werden 22 Gänsegeier, aber keine Mönchsgeier in Mönchengladbach beobachtet. Zwei Mönchsgeier fallen am 11. Juli einem Jäger in Fridingen (BW), kurz vor Basel, auf.

    Ungewöhnlich spät im Jahr, am 21. September 2007 wurde ein Mönchsgeier bei Salem in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet. Es handelt es sich hier nicht um einen Gefangenschaftsflüchtling, sondern um einen wandernden Wildvogel, so die Seltenheitenkommission der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern (OAMV 2008).

    Wieder im Mai, genauer am 20. Mai 2009 werden drei schwarze Mönchsgeier etwa 10 km östlich von Dessau (SA) beobachtet. Es bleibt die einzige Mönchsgeier-Beobachtung in diesem Jahr.

    Ab 2010

    Am 28. Mai 2011 zeigte sich einer der majestätischen Vögel am Schaufelsen bei Neidingen (Gemarkung Beuron Kreis Sigmaringen, BW) im Naturpark obere Donau. Am Vortag werden hier 28 Geier beobachtet, die alle als Gänsegeier identfiziert wurden.

    Am 5. Juni 2011 wird ein Mönchsgeier bei Selters (HE) gesichtet. Am 18. Juni folgt eine weitere Beobachtung aus Thale (SA).

    Etwas früh im Jahr, am 18. April 2013 kreisten zwei Mönchsgeier über Karlsruhe Mühlburg und segelten in Richtung Nordwesten. Aufgrund der Flughöhe ist die Artbestimmung nicht ganz sicher. Es bleibt die einzige mögliche Mönchsgeier-Beobachtung 2013. Gut zwei Jahre später, am 7. Juni 2015 wurde ein Mönchsgeier ganz in der Nähe, in Ubstadt-Weiher (BW) beobachtet. Auch diese Beobachtung ist mangels Foto nicht verifiziert.

    Nach 2015

    2016 tauchte am 1. Mai ausgerechnet in der Nähe der Greifvogelwarte Hellenthal in der Eifel ein einzelner Mönchsgeier auf. Die Greifvogelwarte ist bekannt dafür, dort gehaltene Vögel bei gutem Wetter frei fliegen zu lassen. Zu dieser Zeit hatte die Greifvogelwarte aber keinen Mönchsgeier. Möglicherweise haben die im Aufwind kreisenden Greifvögel den schwarzen Geier angezogen. Ausfliegende Mönchsgeier scheinen die Gesellschaft anderer großer Greifvögel insbesondere von Gänsegeiern zu suchen.

    Mönchsgeier sitzt vor einer Ziegelwand
    Portrait eines Mönchsgeiers im Zoo

    Nur wenige Tage später, am 8. Mai konnten Vogelbeobachter in Mudau und Eberbach (Neckar-Odenwaldkreis, BW) einen Mönchsgeier fotografieren. Später wurde der Vogel als „Bernhardus“, K2 W aus Verdon, Frankreich positiv identifiziert. Der Vogel trug einen Sender. „Bernhardus“ wanderte in den folgenden Tagen über Kraichtal und Hornberg. Am 9. Mai 2016 beobachtete ein Vogelkundler in Mudau (BW), wie sich zwei Mönchsgeier zehn bis zwölf kreisenden Gänsegeiern anschließen und mit ihnen nach Westen abwandern. Vermutlich war „Bernhardus“ einer dieser Vögel. Am folgenden Tag hat er Deutschland vermutlich in Richtung Vogesen verlassen.

    2017, genauer am 16. Mai zeigte sich ein großer Vogel über dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (BY). Wahrscheinlich war dies ein Mönchsgeier. Am 11. Juni fotografierte eine Vogelbeobachterin einen Mönchsgeier an der Schwarzach im Neckar-Odenwaldkreis (BW). Bereits am 14. Juni tauchte ein Mönchsgeier auf der Dreiborner Hochfläche (Kreis Euskirchen, NRW) auf und blieb dort mindestens bis zum 16. Juni. Er war in Gesellschaft dreier Gänsegeier. Die letzte sichere Sichtung des Jahres erfolgte am 26. Juni am Imberger Horn, Bad Hindelang, Oberallgäu, BY. Ein weiteres Tier wurde möglicherweise am 23. August über dem Ipf bei Bopfingen (BW) beobachtet. Die Identifikation ist aber nicht sicher.

    Am 23. August 2018 meldeten die Osthessen News einen Mönchsgeier. Er rastete am 20. August auf einer Wiese im Vogelsbergkreis (HE). Ein Vogelkundiger bemerkte „Er hat keine Ringe und keine Markierung“. Nachdem er etwa eine Stunde lang auf der Wiese saß, wurde er von einem freilaufenden Hund aufgeschreckt. Der riesige Vogel stieg in einem Aufwind auf und flog nach Südwesten ab.

     


    Quellen und Links:

    Avifaunistische Kommission: Vogel des Monats Juni 2008

    Osthessen News vom 23.8.2018