In Australien wurden in den letzten Tagen vier Menschen teils schwer durch Haiangriffe verletzt.
Update: 24.01.2026
Der erste Haiangriff
Der erste Haiangriff ereignete sich am Sonntag (18.01.2026) gegen 16:20 Uhr am Shark Beach in der Bucht von Sydney. Opfer war ein zwölfjähriger Junge, der von einer 6 m hohen Klippe ins Wasser sprang und dort von einem Hai offenbar mehrfach gebissen wurde. Er überlebte nur, weil Freunde ihn schnell aus dem Wasser zogen. Medien berichten, dass ihm mit Aderpressen an beiden Beinen geholfen werden musste. Nach Meinung der Polizei war hier vermutlich mindestens ein Bullenhai beteiligt. Der Junge ist in einem kritischen Zustand im Randwick Kinderkrankenhaus. Auf einem Spendenportal wurden etwa 130.000 A$ für ihn gesammelt.
Der Junge, Nico Antic, ist knapp eine Woche nach dem Angriff verstorben. Er ist damit der dritte Mensch, der innerhalb weniger Monate in bzw. in der Nähe von Sydney einem Haiangriff erlegen ist. Insbesondere die innerstädtische Bucht ist für ihre großen Haie und wiederkehrenden, tödlichen Angriffe bekannt.

Der zweite Angriff
Direkt am nächsten Tag, Montag, den 19.01.2026 kam es sogar zu zwei Unglücksfällen. Ein elfjähriger Junge wurde vor dem Strand von Dee Why (ca. 8,5 km nördlich der Bucht von Sydney) beim Surfen von einem Hai angegriffen. Der Hai biss in sein Surfbrett, der Junge blieb zum Glück fast unverletzt und wurde nach ambulanter Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen. Auch hier geht man von einem Bullenhai aus.
Ein Foto des Brettes zeigt einen eher flachen Schaden mit geringer Krümmung. Dies und die Tatsache, dass keine weiteren Bisse erfolgten, spricht für einen Gaumenbiss, nach dem der Hai seine Neugier befriedigt hatte und weiter zog.
Der dritte Haiangriff
Am Montagabend gegen 18:20 Uhr erfolgte der insgesamt dritte Angriff, der zweite des Tages. Diesmal am North Steyne Beach am berühmten Surfspot Manly, einem der Stadtstrände von Sydney am offenen Pazifik. Ein Surfer wurde von einem Hai ins Bein gebissen, Passanten zogen ihn an Land und führten hier eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch. Glücklicherweise war ein Professor für Notfallmedizin vor Ort, der die weitere Rettung leitete. Der 27jährige Mann wurde in kritischem Zustand mit einem Rettungshubschrauber ins Royal North Shore Hospital geflogen, wo der Professor praktiziert. Der Surfer wurde sofort operiert, er erhielt große Mengen (12 oder 13 Einheiten) Blut. Er verbleibt zunächst auf der Intensivstation.
Der vierte Haiangriff
Der vierte Angriff erfolgte am Dienstagmorgen, jedoch bei Point Plomer, 460 km nördlich von Sydney. Ein Surfer wurde „von seinem Brett gestoßen, das Brett wurde zerbissen. Andere Surfer berichten von mehreren Haien im Wasser“, sagte Steven Pearce, Leiter von Surf Live Saving NSW, der obersten Behörde für Wassersicherheit im Bundesstaat, gegenüber dem Radiosender 2GB in Sydney. Der 39-jährige erlitt glücklicherweise nur eine leichte Verletzung an der Brust, so dass er nach einer ambulanten Behandlung das Krankenhaus schnell verlassen konnte. Sein Foto bei msn zeigt einige Kratzer in der Haut und ein handtellergroßes Pflaster.

Keine weitere Haiangriffe
An der Ostküste hatte es in den vergangenen Tagen stark geregnet, die küstennahen Flüsse und Bäche sind angeschwollen und spülen große Mengen Nährstoffe ins Meer. Dies lockt kleinere und größere Fische an, denen Haie, oft die gefürchteten Bullenhaie folgen. Gleichzeitig behindern die Trübe und wechselnde Wasserparameter (Temperatur, Salinität) die Sinne der Haie, so dass sie geneigt sind, unbekannte Objekte durch einen „Gaumenbiss“ zu untersuchen – was bei einem 400 kg-Hai und einem Menschen schon zu schweren Verletzungen führen kann.
In Australien ist diese Situation bekannt, Experten raten davon ab, dann ins Meer zu gehen. Die Strände sind gesperrt. So lange die Küstengewässer noch durch Sedimente getrübt sind, können sich die Bullenhaie dort noch aufhalten, so dass weitere Angriffe zu befürchten sind.
Für die nächsten Tage werden hohe Temperaturen vorher gesagt, so dass der sowieso populäre Wassersport viele Australier ins Wasser ziehen wird, egal ob die Strände gesperrt sind. Eine ungute Kombination, zum Glück kam es nicht zu weiteren Unfällen.
Am 26.01. ist „Australia Day“, der Nationalfeiertag. Das lange Wochenende im dortigen Hochsommer werden viele Familien für einen Badeausflug nutzen. Zum Glück sind die Trübungen der Küstengewässer weitgehend abgezogen, so dass die Gefahr für Haiangriffe sinkt. Fast alle Strände wurden deswegen wieder geöffnet.

Sydney ist immer wieder für Haiangriffe auch großer Arten bekannt. In der Bucht leben nahezu alle Haie, die ganz oben auf der Liste der für Menschen gefährlichen Arten stehen. Dort werden Weiße Haie, Bullenhaie (Carcharhinus leucas), Bronzehaie (C. brachyurus) und der gefleckte Wobbegong regelmäßig beobachtet. Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) als tropische Art und Weißspitzen-Hochseehaie (C. longimanus) kommen nur in Ausnahmefällen in die Bucht.
Im September 2025 tötete ein Weißer Hai in Sydney einen Surfer, im November wurde eine Frau Opfer eines Bullenhais. Nico Antic ist nun der dritte Tote innerhalb kurzer Zeit. Dies lässt die unseelige Diskussion um Hainetze vor den Stränden erneut aufkommen.
Quellen:
msn Sydney by Tiffanie Turnbull am 20.01.26
msn by Hilary Whiteman am 20.01.26
RTE am 22.01.26
firstpost am 20.01.26
msn Australia by Maddison Leach am 24.01.26
