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Freitagnacht-Kryptos: Sechs Photoshop-Hybriden

Einen wunderschönen Freitagabend zusammen!

 

Oft werden unbekannte Tiere als Mix aus bekannten Tieren beschrieben. So schrieb ein spanischer Missionar über ein reales Tier, es habe den Hintern eines Pferdes, gespaltene Hufe wie eine Kuh, ein halbes Fell wie ein Bär, einen Buckel wie ein Kamel, Hörner wie ein Stier und einen Kopf von so ausgesuchter Hässlichkeit, wie der Teufel persönlich. Keine Frage, was das für ein Tier war, oder?

 

In Zeiten von Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen braucht es vor allem Fantasie und Übung, um zwei oder mehrere Tiere zu einem neuen Tier zusammenzufügen. Doch wie würden sie heißen? Lasst uns Namensvorschläge in den Kommentaren da

 

 


1. Kleiner Fuchs

Kleiner Fuchs
Hier ist die Bezeichnung noch einfach: Ein Kleiner Fuchs


2. Tigersittich

Tigersittich
Ein Tigersittich?


3. Spinne-Eule-Mix

Spinne-Eulenmix
Ist ein Mix aus Spinne und Eule eine Speule?


 

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KryptoZooLogische Artenkunde Opus I

Der Redaktion liegt das OPUS 1 der „KryptoZooLogischen Artenkunde“ vor. Dieses ein wenig obskure Werk überrascht selbst den kritisch-intelligenten Leser mit  nahezu arkanem Wissen und intimer Kenntnisse der humoristischen Kryptozoologie. Es besteht aus einem Feuerwerk neuester sowie höchst brisanter Erkenntnisse über die Schicksale zahlloser Tierarten und Tierfamilien, die in den hinter uns liegenden Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten, aus verschiedensten Gründen ausgestorben sind bzw. „ausgestorben wurden“ – bis zu ihren zum Teil höchst unglückseligen Entdeckern, deren Taten und Untaten oft erst im Rahmen der Strnat’schen Tatsachenberichte entsprechend gewürdigt und der Nachwelt zur Kenntnis gebracht werden.

 

Leider ist dieses Werk aufgrund seiner tieferen Erkenntnis schnell aus dem Buchhandel verschwunden. Nur noch in seltenen Fällen ist es antiquarisch zu bekommen. Dann heißt es: ein paar Euro zu investieren, das Buch mit nach Hause nehmen, einen gemütlichen Platz suchen und … zum Glück ist die KryptoZooLogische Artenkunde: Opus I mit 216 Seiten zu kurz, um ganze Nächte zu rauben.

 

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4. Bär-Pinguin-Mix

Bär-Pinguin-Mix
Ein Bären-Pinguin oder ein Pingubär oder gar ein Bärguin?


5. Löwe-Maus-Mix

Maus-Löwen-Mix
Was ist ein Maus-Löwe-Mix? „Möwe“ gibts schon. Ein(e) Leomus? Oder Panthera musculus?


6. Pitbull-Dompfaff-Mix

Dompfaff-Pitbull-Mix
Das hier ist ein Dompfaff-Pitbull-Mix, aber wie nennt man ihn? Dompit? Bullpfaff? Oder gar Red Bull?


PS: Der spanische Missionar hatte einen Bison gesehen




Devil Monkey: Der DeRidder Roadkill (4/8)

Der „DeRidder Roadkill“ – Ein Fotobeweis des Devil Monkey?

Auch wenn man die Zahl der Zeugenberichte nicht gerade als reichhaltig bezeichnen kann – sonstige Indizien zum Devil Monkey sind noch rarer. Sicher – es existieren etwa die Tonbandaufnahmen des Zeugen Rainbow, die Loren Coleman sichten (oder eher: hören) durfte. Öffentlich zugänglich sind sie aber nicht und es stellt sich auch die Frage, womit man sie vergleichen sollte.

Eine relativ bekannte Fotografie von einem möglichen Devil Monkey existiert aber und ist für jedermann erreichbar. Sie zeigt ein totes Wesen am Straßenrand. Von Interessierten wurde ihm der Name „DeRidder Roadkill“ (etwa: „der DeRidder-Wildschaden“) verliehen.

 

Louisiana Highway 12

Der Highway 12 des US-Bundesstaates Louisiana ist ein Stück Verbindungsstraße zwischen einem Vorort von Beaumont in Texas im Westen und einer Straßenkreuzung mit dem Highway 171 im Osten. Ab dort wird er als Highway 190 weiter geführt. Die gesamte Straße ist knapp 90 km lang, davon verlaufen 55 km in Louisiana.
die Straße ist in ihrer gesamten Länge bei google Maps „erfahrbar“:

 

 

Hintergründe zu den Aufnahmen

Der „DeRidder Roadkill“ war ein reiner Zufallsfund: Auf einer Fahrt über den Highway 12 in Louisiana entdeckte eine Frau namens Barbara Mullins 1996 ein seltsames Wesen am Straßenrand. Es war offensichtlich tot. So stieg Mullins aus und fotografierte es.

Mindestens eine der Fotografien wurde kurz darauf in der Zeitung „DeQuincy News“ veröffentlicht. Der Artikel enthielt auch eine grobe Beschreibung des Wesens durch Mullins: Es war etwa so groß wie ein Bernhardiner und kräftig gebaut. Das Gesicht erschien Mullins affenartig; die Ohren waren klein und spitz zulaufend. Auch die Füße schienen nicht zu einem Hund zu passen.

Dennoch identifizierte die „Lousiana Department of Wildlife and Fisheries” das Tier letztlich als Zwergspitz. Dies widersprach den Schilderungen Mullins, wonach es sich um ein sehr großes Tier handelte. Allerdings wurde argumentiert, dass die Fotografie keinen Maßstab zum Größenvergleich enthalte. Lediglich Gräser von unbekannter Höhe waren zu sehen.

Der Kadaver selbst wurde niemals untersucht. Vermutlich machten sich letztlich Aasfresser darüber her.

 

Devil Monkey
Collage der neun bekannten Fotos des DeRidder-Roadkills. Leider gibt es nicht alle Fotos in guter Auflösung im Netz zu finden. Webfund ohne Urheber-Angabe

 

Was auf dem bekannten Foto zu sehen ist – eine erste Einschätzung

Auf dem fraglichen Foto scheint der Kadaver mit dem Kopf zum Betrachter zu liegen. Die Qualität des Fotos ist wenig beeindruckend. Zugegebenermaßen dürften die im Internet auffindbaren Exemplare wohl aus der Zeitung in Papierform fotokopiert worden sein. So muss man sich also mit einem kleinen, körnigen Bild zufriedengeben.

 

Die DeQuincy News bieten im Übrigen kein Online-Archiv. Möglicherweise sind Exemplare der fraglichen Ausgabe vom 16.09.96 über Bibliotheken verfügbar – das allerdings nur in den USA und in Papierform.

 

Der Körper des abgebildeten Tiers ist jedenfalls mit dunkelbraunem Fell bedeckt. Es scheint so, als ob dieses um den Kopf länger wäre, als am restlichen Körper. Dies ist aber schwer zu beurteilen, da es insgesamt sehr verfilzt und verdreckt zu sein scheint. Ob es erst durch den Wildunfall bedingt wurde, lässt sich freilich nicht ermitteln.

Zumindest dem ersten Eindruck nach liegt das Tier auf dem Foto mit dem Kopf zum Betrachter. Ganz klar lässt sich das nicht erkennen, doch eine weitgehend kahle Stelle am Körper der Kreatur könnte das Gesicht darstellen. Das Maul ist demnach geöffnet und es scheinen auch Zähne erkennbar zu sein. Dass keine Augen (oder auch bloß Augenhöhlen) zu erkennen sind, erscheint sehr seltsam. Daher stellt sich die Frage, ob der Ersteindruck möglicherweise täuschen könnte und hier doch kein Kopf zu sehen ist.

Zur Körpergröße lassen sich aus dieser Fotografie tatsächlich kaum Informationen ermitteln. Neben dem toten Tier sind lediglich die Markierung der Autobahn sowie Gräser am Straßenrand erkennbar.

 

 

Zwergspitz
Ein Zwergspitz. Passt er zum DeRidder-Roadkill?

 

Helfen die übrigen Fotos bei der Größenbestimmung?

Neben der zuvor genannten, am weitesten verbreiteten Fotografie existieren allerdings noch weitere Aufnahmen. Es ist nicht ganz klar, ob diese ebenfalls in den DeQuincy News veröffentlicht wurden. Von Deutschland aus sind die Bilder ohnehin nur durch Drittquellen zugänglich. Allem Anschein nach ist auf diesen weiteren Fotografien aber der zuvor besprochene Kadaver zu sehen.

Die Aufnahmen wurden offenbar stets vom Straßenrand aus aufgenommen, zeigen den Wildschaden aber aus verschiedenen Perspektiven. In zwei der Fotografien sind am Rande auch die Beine von zwei stehenden Menschen – wohl Barbara Mullins und ihre nicht näher beschriebene Begleitung – zu sehen. Der Kadaver liegt dabei aber stets im Vordergrund.

Genau dieses Detail könnte eine grobe Einschätzung ermöglichen, wie groß der DeRidder Roadkill wirklich war. Allerdings kann man die Beine dieser beiden Personen (selbst wenn sie durchschnittlich groß und proportioniert waren) nicht einfach als Messlatte verwenden

 

DeRidder Roadkill
Was ist das für ein Tier, das da an der Straße liegt?

Die Menschen stehen nämlich jeweils mit etwas Abstand hinter dem Kadaver. Der erscheint durch seinen geringeren Abstand zum Fotografen im Bild verhältnismäßig größer, als der mitfotografierte Mensch. Das ist perspektivisch bedingt. Mit einigem Ausprobieren könnte man gegebenenfalls auch einen kleinen Hund als riesenhaftes Monster neben einem erwachsenen Menschen „erscheinen“ lassen.

In einem der beiden „Bein“-Fotos ist der Abstand der menschlichen Beine vom Tier recht groß. Das erschwert die Einschätzung. Der/die andere dieser beiden Menschen trägt Shorts und steht näher am Kadaver. Der DeRidder Roadkill ist im Bild in der rechten unteren Ecke „abgeschnitten“. Sichtbar müssten – nach einem Abgleich mit den übrigen Fotografien – wohl der Kopf und ein Teil seines Oberkörpers sein. Sie nehmen ähnlich viel Platz wie auf dem bekannteren Foto ein, auf dem der Kadaver zentral zu sehen ist.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Kadaver im Vergleich zum menschlichen Betrachter im Bild nicht übermäßig groß. Das gilt desto mehr, da man auch seine Behaarung berücksichtigen muss. Buschiges Fell lässt Tiere größer erscheinen, als sie wirklich sind.

 

 

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Game Warden: On Patrol in Louisiana

Von allen Strafverfolgungsbeamten wecken Wildhüter die größte Ehrfurcht in der Öffentlichkeit. Wildhüter arbeiten Tag und Nacht, oft in schwierigem Gelände und bei schlechtem Wetter. Sie operieren normalerweise allein in abgelegenen Gebieten und müssen die natürlichen Rhythmen und Zyklen der von ihnen geschützten Kreaturen und Ökosysteme verstehen, während sie gleichzeitig auf Menschen treffen und manchmal mit ihnen interagieren, die normalerweise bewaffnet sind. Der Outdoor-Autor Jerald Horst verbrachte ein Jahr auf Patrouille mit Wildhütern im Louisiana Department of Wildlife and Fisheries. In fesselnden Episoden zeichnet er ihre Abenteuer auf und bietet einen hautnahen Einblick in diesen anspruchsvollen Job und die Männer, die ihn übernehmen.

 

On Patrol in Louisiana ist 2008 bei der Louisiana State University Press erschienen und hat 280 Seiten in englischer Sprache. Es ist nur noch antiquarisch erhältlich, für die gebundene Ausgabe zahlt man ab 40 €.

 

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Input aus der Redaktion – von anatomischen Details…

Das alles kann man noch nicht als ergiebige Analyse bezeichnen. Daher wurde eine Zweitmeinung eingeholt, für die der Redakteur des Netzwerks für Kryptozoologie, Tobias Möser, herhalten musste.

Darin, dass der Kadaver vage affenartig wirkt, stimmen Redakteur und Verfasser überein. Dem Erstgenannten fielen aber noch weitere Details auf:

 

Zunächst einmal scheinen an den Vorderfüßen fingerartige Zehen erkennbar zu sein. Die Zehen sind aber zu kurz zum Greifen. Dieses anatomische Merkmal deutet also eindeutig nicht auf einen Affen hin. Sie könnten irgendwo bei Hundeartigen oder Waschbären einsortiert werden.

 

Dazu kommt, dass diese Vorderbeine weitaus „höher“ am Körper ansetzen, als es zunächst den Anschein hat. Das ist nicht ohne weiteres erkennbar, doch die Einschätzung von Tobias ist schlüssig: Wenn man etwa das zweite Bild der Collage mit den kleineren Fotos betrachtet, kann man Gelenke erkennen. Das Ellbogengelenk scheint am „dunklen Punkt“ zwischen zwei kahlen Stellen des Arms anzusetzen.

Dementsprechend muss das Schultergelenk noch höher liegen. Dadurch schließt sich aber ein langer Hals aus, da die Schulter nun einmal zunächst in den Nacken übergeht und nicht aus dem Hals wächst. Dadurch „verkürzt“ sich der Hals-Kopf-Bereich und sieht gleich weitaus weniger beeindruckend aus.

 

So stellt sich die Frage, ob der „DeRidder Roadkill“ wohl tatsächlich ein Affe gewesen war. Die Details sprechen jedenfalls dagegen.

 

DeRidder Roadkill
DeRidder Roadkill: Ist der Begrenzungsstreifen ein Maßstab?

…und von Straßenverhältnissen…

Ebenso meldete der Redakteur Zweifel dran an, wann und wo die Fotos tatsächlich aufgenommen wurden:

 

Zunächst einmal ist fraglich, ob die Fotografien vom Highway 12 von Louisiana stammen. Wie „Google Street View“ ganz eindeutig zeigt, unterscheiden sich die tatsächlichen Straßenverhältnisse des Highways von den auf den Fotos dargestellten:

 

Der Louisiana Highway 12 ist zwar ebenso zweispurig (also eine Spur in jede Richtung), wie die unbekannte Straße aus den Fotografien. Allerdings verfügt er auf beiden Seiten über „open Shoulders“. Hier ist der Beton weit über die weiße Fahrbahnmarkierung hinaus gegossen, so dass eine Art Standstreifen von etwa PKW-Breite entsteht, er endet offen ohne Randstein im Gelände. Erst darauf folgt ein grasbewachsener Grünstreifen.

 

Barbara Mullins Fotografien zeigen eine ebenfalls zweispurige Straße (wir würden sie eher mit einer deutschen Landstraße vergleichen). Bloß fehlen hier die Standstreifen auf beiden Straßenseiten. Wenige Zentimeter neben der durchgezogenen Fahrbahnbegrenzung beginnt her bereits die Vegetation.

 

DeRidder Roadkill
Die Finderin hat das Tier aus allen möglichen Perspektiven fotografiert

 

Weitere Zweifel über die genaue Örtlichkeit

Dazu kommt noch ein weitere Frage: Wenn die Aufnahmen auf dem Louisiana Highway 12 entstanden sein sollen – warum wird der Wildschaden dann „DeRidder Roadkill“ genannt?

 

Die kleine Autobahn zweigt sich knapp vor der texanischen Großstadt Beaumont vom deutlich größeren Highway 90 ab. Dies stellt ihren südwestlichsten Punkt dar. Den nordöstlichsten Punkt des Highways stellt die Gemeinde Ragley in Louisiana dar.

Auch dazwischen kreuzt der Highway diverse Ortschaften – DeQuincy etwa. Definitiv nicht unmittelbar am Highway 12 liegt aber DeRidder. Das zeigt etwa Google Maps ganz eindeutig. Zwar liegt DeRidder nicht allzu weit entfernt nördlich des Highways, doch scheint es sehr seltsam, einen Kadaver auf dem Highway 12 als „DeRidder Roadkill“ zu bezeichnen.

 

Trotz dieses Widerspruchs sollte man Mullins‘ Bericht aber nicht von vorne herein als unglaubwürdig abtun. Es ist nämlich nicht mehr feststellbar, ob der Kadaver wirklich bereits in den DeQuincy News als „DeRidder Roadkill“ bezeichnet wurde. Möglicherweise liegt eine spätere Verwechslung, eine ungenaue Übersetzung oder Verfälschung vor, die sich mangels Originalbericht nicht ohne weiteres aufklären lässt. Seltsam bleibt die Wahl des Namens dennoch.

 

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Black and Proud: Auf der Suche nach James Brown und der Seele Amerikas

„Godfather“, „Mr. Dynamite“ und „Da Number One Soul Brother“: James Brown war eine der exzentrischsten und wirkmächtigsten Figuren der Popmusik. Doch es gab auch den anderen James Brown, das Kind schwarzer Landarbeiter in den ärmlichen Verhältnissen von Augusta, Georgia. James McBride begibt sich in Interviews mit ehemaligen Bandmitgliedern, Managern und Familienangehörigen auf seine persönliche Suche nach dem Mann hinter dem Mythos James Brown – und nimmt uns mit auf eine Reise durch das ganz andere Amerika: die Südstaaten, Heimat der Unterdrückten, der Magier, Trickster und Gestaltenwandler. Vom Leben des zerrissenen Musikers weitet sich dabei der Blick auf die kulturelle Landschaft einer zutiefst gespaltenen Nation.

 

Black and Proud: Auf der Suche nach James Brown ist 2017 beim btb Verlag erschienen und hat in der gebundenen Ausgabe 320 Seiten. Ein Taschenbuch und eine Kindle-Datei sind ebenfalls erhältlich.

 

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… und von der Frage nach der Aufnahmezeit

Einen weitere strittigen Punkt wollte der Verfasser zunächst unter den Teppich kehren: Die Frage nämlich, wann die Fotografien aufgenommen wurden. Es ist davon auszugehen, dass Mullins den Kadaver irgendwann im Spätsommer 1996 fand, da die DeQuincy News die Abbildung am 06.09.1996 veröffentlichten. Gut, was soll das aussagen?

Möglicherweise einiges, wie sich herausstellt: Wenn etwa die Wetterverhältnisse auf den Fotos nicht mit denen von DeQuincy County Anfang September 1996 übereinstimmen, bleibt nur eine logische Schlussfolgerung: Die Aufnahmen mussten an einem anderen Ort oder zu einem anderen Zeitpunkt angefertigt worden sein.

Auf den Fotografien stellen sich die Wetterverhältnisse folgendermaßen dar: Die Aufnahmen wurden wohl an einem warmen, trockenen Tag mit – zumindest zeitweise – starkem Sonnenschein gemacht. Dass es zumindest nicht kurz zuvor geregnet hatte, beweist der staubige Boden. Eine der beiden Personen im Bild trägt kurze Hosen, was entweder auf hohe Temperaturen oder große Unempfindlichkeit hindeutet. Da die Bilder aber stark überbelichtet scheinen, ist ein warmer, sonniger Tag wahrscheinlicher.

 

DeRidder Roadkill
Der DeRidder Roadkill liegt im Trockenen. Ein Hinweis auf den Tag des Unfalls?

 

Um die tatsächlichen Verhältnisse an diesem Tag herauszufinden, wird die Website „Weather Underground“ genutzt. Diese bietet ein Archiv an Wetteraufzeichnungen aus den verschiedenen Bundesstaaten der USA. Louisiana als Staat erscheint zu groß, als dass man nach ganz allgemeinen Wetteraufzeichnungen suchen sollte. Die Suche wird daher auf DeQuincy County beschränkt. Untersucht wird der Zeitraum vom 01.09.96 bis zum 05.09.96.

 

Datum 01.09.96 02.09.96 03.09.96 04.09.96 05.09.96
Wochentag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag
Tagestiefstwert 21,6°C 22,2°C 21,1°C 22,2°C 21,7°C
Tageshöchstwert 27,2°C 30,6°C 30,6°C 31,7°C 31,1°C
Uhrzeit Niederschlag 14.51 – 16.51 nie 13.51 – 16.51 20.51 – 22.51 13.51 – 15.51

 

DeRidder Roadkill
Das berühmteste von vermutlich neun Fotos des DeRidder Roadkill

 

Aller Wahrscheinlichkeit nach kann man zwei der fünf Tage ausschließen:

Donnerstag, der 05.09.1996, bereitet zeitliche Probleme: Innerhalb eines Tages hätte Mullins die Aufnahmen erst machen und dann an die DeQuincy News übermitteln müssen. Die Redaktion hätte den Artikel ebenfalls noch am selben Tag in die Ausgabe für den Freitag, den 05.09.1996 einpflegen müssen. Unmöglich ist das nicht, doch scheint eine so zügige Arbeitsweise der Lokalpresse auch nicht selbstverständlich.

 

Am Sonntag, den 01.09.1996 regnete es nachmittags. Man kann davon ausgehen, dass der Boden auch nach Ende des Regengusses gegen 17 Uhr nicht sofort völlig trocken war. Es bleibt also nur noch der Vormittag. Der Vormittag dürfte nach Einschätzung von Tobias Möser aber reserviert gewesen sein: Louisiana liegt im Bible Belt und daher dürfte die Mehrheit der Einwohner vormittags auf dem Weg zur/von der Kirche gewesen sein. Dafür wäre aber die lockere, kurze Hose eines der Fotografierten unpassend.

 

Besonders günstig für die Fotografien wären dagegen Montag, der 02.09.1996 und Mittwoch, der 04.09.1996 gewesen: Am erstgenannten Tag regnete es überhaupt nicht, am letztgenannten erst abends. Die Temperaturen erreichten ein wenig mehr als dreißig Grad. Damit waren sie hoch genug, dass selbst die verfrorensten Zeitgenossen in kurzen Hosen herumlaufen könnten.

 

Daher erscheint es nicht unplausibel, dass die Fotografien tatsächlich Anfang September 1996 in DeQuincy County aufgenommen worden waren. Einen wirklichen Beweis stellt das freilich nicht dar. Schließlich hat die Region um DeQuincy nicht Sonnenschein und hohe Temperaturen für sich allein gepachtet.

 

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Total Verhext: Pratchetts Scheibenwelt Roman, der fast aus Louisiana stammt

Aller guter Hexen sind drei. Das denken sich zumindest Esmeralda „Oma“ Wetterwachs, Nanny Ogg und Magrat Knoblauch. Zusammen machen sie sich auf ins geheimnisvolle Märchenland Gennua, das beinahe, aber nicht ganz Louisana und New Orleans ähnelt. Dort müssen sie die Pläne der bösen Hexe Lily vereiteln.

Sie will das Stubenmädchen Ella mit dem Herzog verheiraten – und dann durch Ella an die Macht gelangen. Dass sie dabei nicht nur ein paar alteingesessene Märchen wild durcheinanderwirbelt, sondern auch sonst allerlei Übel anrichtet, stört Lily nicht weiter. Zum Glück hat sie die Rechnung ohne das furiose Hexentrio aus Lancre gemacht.

 

Total Verhext ist als Taschenbuch, Hörbuch und für den Kindle erschienen. Die hier vorgestellte Hörbuch-Ausgabe hat 7 h Laufzeit, Sprecherin ist Katharina Thalbach.

 

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Die Größe des DeRidder Roadkill

Noch ein weiterer Hinweis kam aus der Redaktion: Möglicherweise ist doch ein passabler Größenmaßstab in den Fotografien zu sehen…

Man erinnere sich: Es war eine Kontroverse um die Größe des Tieres entstanden. Die Einen glaubten Barbara Mullins, die Anderen eher dem „Lousiana Department of Wildlife and Fisheries“. Diese weit auseinandergehenden Meinungen waren nur möglich, weil Niemand einen geeigneten Maßstab finden konnte, durch den die Größe des Kadavers bestimmbar gewesen wäre.

 

Dabei liegt der „DeRidder Roadkill“ praktisch auf diesem Maßstab! Auf den Fotografien ist eine durchgezogene Linie zur Spurenbegrenzung zu sehen. Solcherlei Kennzeichnungen wiederum sind selbstverständlich staatlich genormt. In Louisiana muss ihre Breite laut dem „Louisiana Local Road Safety Program Guidelines & Policies 2015” stets 4 Zoll und damit knapp über 10 cm betragen.

 

Bei der dritten Fotografie der Collage bilden die untere Bildkante und die Seiten der Begrenzungslinie zwar nicht exakt einen rechten Winkel, kommen dem aber sehr nahe. Schließlich zeigt das Bild eine Frontalaufnahme vom Hinterteil des Kadavers, der parallel zur Begrenzungslinie liegt. Mittels einer Bildbearbeitungssoftware – etwa auch der Freeware GIMP – lässt sich abmessen, wie groß der Durchmesser der Begrenzungslinie im Foto ist. Somit ergibt sich ein Maßstab, da ja die reelle Breite der Begrenzungslinie von 10 cm bekannt ist.

Vorbereitungen für die Messung

Vor dem Versuch, Abmessungen vorzunehmen, wurden die folgenden Schritte durchgeführt.

  1. Die Collage wurde auf denjenigen Ausschnitt des dritten Fotos zugeschnitten, der für die weitere Bearbeitung relevant ist.
  2. Der Ausschnitt wurde skaliert (d.h. bei gleichbleibenden Verhältnissen von Länge und Breite vergrößert), sodass er für den Leser besser erkennbar ist.
  3. Im Ausschnitt werden die Farbkontraste durch Nachdunkeln verstärkt, sodass die weiße Begrenzungslinie deutlicher sichtbar wird . Im Original war diese durch eine Mischung aus Unschärfe und Überbelichtung kaum mehr erkennbar.

Selbstverständlich wurden im Rahmen dieser Vorbereitungen keinerlei Veränderungen an den Größenverhältnissen im Bild vorgenommen.

Anschließend wird der Durchmesser der Begrenzungslinie als Maßstab genommen. Dieser wird vom ersten bis zum letzten Pixel blau markiert. Es ist dabei davon auszugehen, dass sich die Begrenzungslinie n der Breite bis zur Wiese zieht. Teilweise scheinen sogar Gräser überzuhängen.

Die Darstellung auf dem Fotoausschnitt bleibt winzig. Würde er aber noch wesentlich größer skaliert werden, wäre der Maßstab besser sichtbar. Dafür könnte der Leser aber kaum mehr erkennen, was überhaupt auf dem Bild zu sehen sein soll.

 

 

Die Vermessung des DeRidder Roadkill

Nun gilt es nur noch, diesen Maßstab zu kopieren. Dann kann er – um 90° gedreht – solange aneinandergelegt werden, bis sich die Länge des Wildschadens ergibt.

Zur besseren Sichtbarkeit wird noch eine rote Linie eingezeichnet. Sie zeigt, wo der Kopf des Kadavers auf dem Foto endet.

Es ergeben sich aus dem Bild etwa zweieinhalb Begrenzungslinien-Durchmesser. Dies würde einer Länge von 2,5 x 10 cm = 25 cm entsprechen.

 

 

Nun stellt das Foto natürlich keine perfekte Aufnahme aus der Vogelperspektive dar und auch der angeblich Rechte Winkel stellt eine Vereinfachung dar. So kommt es zwangsläufig zu Verzerrungen, die etliche Zentimeter ausmachen können.

Die Schulterhöhe – im Bild grün markiert – ist ebenfalls nicht ganz genau zu ermitteln. Das liegt zum einen am kaum erkennbaren Schulteransatz. Zum anderen sind die Beine des Kadavers unnatürlich angewinkelt. Von 2x10cm=20cm auszugehen, erscheint aber nicht unrealistisch.

Die tatsächliche Kopf-Rumpf-Länge dürfte etwas größer sein, als im Foto gemessen. Die Angaben wären nur dann völlig korrekt, wenn die Kameralinse sich auf einer parallelen Ebene zur Straße befunden hätte.

 

 

Mögliche Erklärungsansätze für die Identität des Kadavers

Fest steht nun jedenfalls, dass der DeRidder Roadkill keinesfalls die Größe eines (ausgewachsenen) Bernhardiners erreicht hatte. Selbst wenn man großzügig einige Zentimeter auf die Körperlänge aufschlägt, bleiben die Körpermaße viel zu gering.

 

Ein kleiner Hund ist ein vorstellbarer Kandidat. Wieso sich die Mitarbeiter des „Lousiana Department of Wildlife and Fisheries” ganz auf die Rasse Zwergspitz versteift hatten, ist unklar. Es ist aber auch nicht weiter wichtig. Neben diversen Rassen kleiner Hunde existieren schließlich immer auch Mischlinge. Dementsprechend stark kann das Aussehen variieren.

 

Viel interessanter wäre schon die Frage, was es mit den händeartigen Pfoten dies Tieres auf sich hat. Hundepfoten sind nicht darauf ausgelegt, zu greifen. Allenfalls könnten Verletzungen durch oder die einsetzende Verwesung das Aussehen des Kadavers verändert haben.

Alternativ müsste man von einer Art ausgehen, die tatsächlich über Greif-Pfoten verfügt. Waschbären oder Marderhunde kämen etwa in Frage.

Der Waschbär jedenfalls ist in Louisiana heimisch. Die Zahl der Tiere ist groß genug, dass sich die Jagd (zwecks Pelzgewinnung) auf Waschbären lohnt. Die Pfoten-Form wäre passend, auch wenn die Körpergröße durchschnittlich oberhalb der gemessenen Länge liegt. Ganz abgesehen von möglichen Messungenauigkeiten kann es sich auch um ein jüngeres oder schlicht unterdurchschnittlich kleines Exemplar gehandelt haben.

 

Der Waschbärhund oder auch Marderhund ist dagegen keine heimische Art in den USA. Den zuständigen Behörden ist er weder als Neozoon noch als invasive Art bekannt. Man darf daher davon ausgehen, dass in Louisiana keine Population von Marderhunden existiert.

 

Auch Biber oder die in Louisiana invasiven Nutrias hätten ansatzweise händeartige Pfoten. Mehrere Flüsse bzw. Bäche verlaufen in der Nähe des Highway 12, mindestens einen davon überbrückt die Autobahn. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob ein ausgewachsener Biber nicht fast schon zu groß ist, um mit dem DeRidder Roadkill identisch zu sein. Diese Tierart kann eine Körperlänge von bis zu 90 cm erreichen.

 

Völlig unrealistische erscheint aber ein Identifizierungsversuch im Sinne von Barbara Mullins, die von einem affenartigen Wesen ausgegangen war. Zwar decken sich etwa etliche Merkmale eines Bärenpavians einschließlich der Fellfarbe mit denen des Kadavers. Auch wären die Pfoten so erklärbar, die offenbar darauf ausgelegt waren, zu greifen. Aber ganz abgesehen von erheblichen Zweifeln daran, dass der DeRidder Roadkill ein Affe oder auch nur ansatzweise so groß war: In den USA gibt es gar keine wildlebenden Affenarten.

 

Bärenpavian
Bärenpavian-Männchen (offensichtlich), Aufnahme im Kruger NP, Südafrika. CC BY SA 2.0 by Bernard Dupont

 

Oder etwa doch?


    Der Devil Monkey-Beitrag:

Wie immer bei umfangreichen Artikeln bieten wir die Literaturliste am Ende zum Download an.

 

Special service for our fans from abroad: With the last part at November, 10th, we will offer you the whole article as pdf for download in english.




Gibt es in Afrika noch unentdeckte Großtiere?

 

Gibt es in Afrika noch Großtiere, die der Wissenschaft unbekannt sind? Was steckt hinter den Berichten über Dinosaurier in den Dschungeln Kameruns? Gibt es vielleicht noch andere prähistorische Überlebende in schwer zugänglichen Bereichen?

 

Sechs Forscher aus mehreren europäischen Ländern berichten über ihre Arbeiten, allgemein verständlich und speziell für wissenschaftliche Laien geeignet.

 

Internationales Meeting der Kryptozoologie am 7. und 8. Oktober 2022 in Berlin

 

Regen über Ruwenzori
Regen über dem Regenwald im Kongo

 

Der Westen Afrikas mit seinen undurchdringlichen Dschungeln und dampfenden Sümpfen kombiniert nicht nur eine der größten Biodiversitäten der Welt mit den letzten weißen Flecken auf der Landkarte. Es liegt daher nahe, dass in diesen schwer zugänglichen und daher kaum erforschten Bereichen noch unbekannte Tiere leben. Frühe Berichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert sprechen von gewaltigen Tieren, größer als Elefanten und Nashörner, die die Hütten der Einheimischen zerstörten oder das Wasser kleiner Flüsse aufstauten.

 

Wasserfälle des Kongo

 

Ob da etwas dran ist, wer weiß? Tatsächlich gehören die Regenwälder in der Grenzregion zwischen Kamerun und dem Kongo zu den letzten Regionen, in denen noch Abenteuer im Sinne der „großen Entdecker“ möglich sind. Michel Ballot aus Marseille gehört zu den intimen Kennern dieser Region. Der Rechtsanwalt reist nahezu jedes Jahr in die Regenwälder um den Lac Tele, wo ihm schon einige aufsehen erregende Entdeckungen gelungen sind. Er bezeichnet den Nki-Dschungel in seinem neuen Buch als „letzte Grenze“.

 

Ballot zeigt am Freitag den Dokumentarfilm „The Explorer“ über seine Reisen und steht danach in einer moderierten Diskussion allen Teilnehmern für Fragen zur Verfügung.

 

Sonne hinter dicken Wolken, vor denen bizarr geformte Bäume stehen
Dass im tiefsten Schwarzafrika noch Geheimnisse vorkommen, das war 1848 ebenso sicher wie heute.

 

Die Themen des Samstags sind nicht weniger exotisch:

Hans-Jörg Vogel aus Berlin: „Afrikanische Kryptide: von Agowe über das Quagga zum Zwergelefant“

 

Michel Raynal, Frankreich: „Gibt es ein Waldnashorn in Afrika?“

 

Markus Hemmler, Mühlacker: „Seeungeheuer-Kadaver vor und an den Küsten Afrikas“

 

Thomas Pietrowsky, Havelberg: „Neues zur Suche nach Mokele Mbembe mit Hilfe von Luftbildaufnahmen“

 

Francois de Sarre, Saarbrücken: „Unbekannte Hominiden aus Süd-Kamerun?“

 

Michael Heb: „Weiches Muskelgewebe an fossilen Dinosaurier-Knochen?“

 

Den Abschluss bildet eine moderierte Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden und die Lesung unseres Kollegen und Jugendbuchautors Markus Kretschmer aus seinem Buch „Die weißen Steine

 

Es sind noch einzelne Plätze frei: (interner) Link


Allgemeine Infos:

Event-Location ist das „Petit Palais“ im Schlosspark Schönhausen in Berlin-Pankow.

 

Freitag, 7.10.: 16 bis ca. 19 Uhr

Samstag, 8.10.: 10 bis ca. 19 Uhr

 

Karten für Freitag kosten € 20,-,

Karten für Samstag kosten € 50,-

Beide Tage zusammen kosten € 70,-

 

Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, per E-Mail oder Telefon bei Herrn Vogel möglich.

 

Web: https://netzwerk-kryptozoologie.de/event-in-berlin-kryptide-afrikas/




Wort zum Sonntag – 25.09.2022

Hallo und einen schönen Sonntag (25.09.2022) wünsche ich dir!

Es ist endlich wieder soweit: heute komme ich wirklich mal wieder dazu, eine Artikelzusammenfassung zu schreiben. Letzte Woche musste diese leider ausfallen, da musste ich nämlich feiern, dass ich wieder einmal erfolgreich komplett um unsere Sonne geflogen bin. Zum achtunddreißigsten Mal übrigens, um mal ein bisschen anzugeben.

Und was ist seit meiner letzten Sonnenumrundung doch alles passiert! Ich habe mich an ein völlig neues Genre gewagt und zwei inzwischen ganz gut laufende Kinderbücher geschrieben. Ich konnte endlich wieder mal ein paar großartige Lesungen halten. Nicht zuletzt habe ich (vor nur zehn Monaten!) meine große Liebe Sahar kennengelernt. Und inzwischen sind wir sogar verheiratet! Auf all das konnte ich vergangenen Sonntag voller Freude zurückblicken. Und ich möchte mich auch hier noch einmal herzlich bei allen bedanken, die mir gratuliert haben!

Die Weißen Steine haben Geburtstag!

Ich hatte dabei gleich doppelt Grund zum Feiern. Anfang September, vor genau vier Jahren, ist nämlich beim Ehrlich Verlag mein Buch Die weißen Steine erschienen! Schaut mal, wie aufgeregt ich damals beim Auspacken meines ersten Buches war!

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Dies habe ich zum Anlass genommen, um auch meinen Artikel über die Entstehungsgeschichte meines Buches zu überarbeiten. Wie du wahrscheinlich weißt, gibt es den Ehrlich Verlag nun nicht mehr. Wie ich aber dennoch einen Weg gefunden habe, meine Geschichte weiterzuerzählen, und was mich überhaupt erst auf die Idee dazu brachte, liest du hier!

Entstehungsgeschichte Die weißen Steine

Solidarität mit den Menschen im Iran

Leider können sich dieser Tage nicht alle Menschen auf der Welt in solchen netten Momenten ihres Lebens erfreuen. Schaue ich in die Nachrichten, muss ich leider sehen, dass das Jahr 2022 zu den düstersten zählt, die ich jemals erlebt habe. Noch immer tobt in vielen Ländern auf der Welt ein schrecklicher Krieg oder die Menschen dort verlieren aufgrund von Naturkatastrophen alles, was sie besitzen. Weil die tapferen Menschen in der Ukraine Putin Niederlage um Niederlage bescheren, hat der Kriegstreiber nun die Mobilmachung von 300.000 Soldaten befohlen. Er beabsichtigt, tausende junge Männer, die das zum größten Teil gar nicht wollen in einen ungerechten Angriffskrieg zu schicken. Seit Juli führen heftige Monsun-Regenfälle in Pakistan zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Sturzfluten. Mindestens 33 Millionen Menschen sind betroffen und die Zahl derer, die ihr Leben in den Fluten verlieren, steigt weiterhin an.

Besonders nehmen mich aktuell allerdings die Vorgänge in Sahars Heimatland mit. Da ist man als Ehemann dann natürlich viel näher dran als die meisten, die das hier jetzt lesen werden. Besonders, wenn die Schwiegereltern und viele andere nahestehenden Menschen alle noch dort sind. Trotzdem, oder vielmehr deshalb, möchte ich mein Wort zum Sonntag damit beginnen lassen. Zwei Tage vor meinem Geburtstag, am 16.09.2022, endete das Leben der nur 22-jährigen Mahsa Amini. Drei Tage zuvor war sie in Teheran von der گشت ارشاد (gašt-e eršād), der berüchtigten iranischen Sittenpolizei festgenommen worden. In den deutschen Medien heißt es oft schwammig, dass die Umstände ihres Todes unklar seien und von den offiziellen Behörden als Folgen eines plötzlichen Herzinfarkts angegeben werden.

Der Aufstand im Iran

Sicher soll es zuweilen vorkommen, dass auch vollkommen gesunde junge Erwachsene plötzlich tot umfallen. Dass sie in Folge eines Herzinfarktes aber schwerste Schädelbrüche, innere Blutungen und ein Hirnödem davontragen, wie es die CT-Aufnahmen von Amini zeigen, kommt dann allerdings doch seltener vor. Und deshalb befinden sich im Iran gerade Tausende auf der Straße. Sie sehen systematisierte Polizeigewalt als einzige Erklärung für den Tod des jungen Mädchens an. Amini wurde gefoltert, geschlagen und ermordet, nur weil sie ihren Hidschab, das muslimische Kopftuch, nicht richtig getragen haben soll. Dabei zeigen Videoaufnahmen (im Iran werden fast alle öffentlichen Plätze videoüberwacht!), dass Amini durchaus ein Kopftuch getragen hat. Willkür und Polizeigewalt sind typisch für die iranischen „Privatpolizeien“, von denen es dort übrigens sogar mehrere gibt.

Was wir in den (deutschen) Nachrichten allerdings auch wieder kaum oder gar nicht sehen: Der Aufstand der Bevölkerung wird im Iran auf brutalste Weise niedergeschlagen. Der Bevölkerung hat man landesweit das Internet abgeschaltet. Inzwischen sind auch die Festnetztelefonleitungen tot. Die Polizei liefert sich blutige Straßenschlachten mit mutigen Menschen, die sich öffentlich gegen das iranische Mullah-Regime positionieren. Frauen reißen sich im Angesicht von erst noch mit Schlagstöcken, inzwischen auch Sturmgewehren bewaffneten Einheiten den Hidschab vom Kopf und demonstrieren, dass sie sich die systemische Gewalt und Unterdrückung nicht länger gefallen lassen wollen. Einige haben sich bei öffentlichen Demonstrationen sogar selbst die Haare abgeschnitten.

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Gemeinsam aufstehen!

Sahar hofft natürlich so wie die meisten Iranerinnen und Iraner, dass der Aufstand im Iran endlich eine Verbesserung der Lage in diesem Land bewirken wird. Experten sehen die Aussichten dafür jedoch weniger optimistisch und befürchten eine blutige Niederschlagung. Schon bei den letzten Ausschreitungen wurden mehr als 1.500 Menschen auf offener Straße erschossen – oder sie verschwanden nach ihrer Festnahme einfach, ohne jede Spur.

Deshalb ist es wichtig, dass jetzt die gesamte Welt zusammensteht und ein Zeichen gegen religiöse Unterdrückung setzt. Nicht nur im Iran, überall! Und überall finden deshalb Demonstrationen statt. Auch in Berlin und anderen deutschen Städten haben sich Menschen bereits solidarisch gezeigt und sich die Haare abgeschnitten. Sahar und ich haben unsere zwar noch, bei mir wären sie fürs setzen eines wirkungsvollen Zeichens auch eh zu kurz. Aber ich möchte meine Reichweite auf meiner Seite trotzdem nutzen, um auf die Hintergründe dieser furchtbaren Ereignisse aufmerksam zu machen. Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere von euch nun ebenfalls bewogen, die Nachrichten aus dem Iran zu verbreiten und auf die Widerwärtigkeit des Hidschabs aufmerksam zu machen. Nur mit internationalem Druck erreichen wir vielleicht wirklich etwas für die betroffenen Menschen. Und für die, die gerade aufgrund ihrer liberalen Gesinnung von einem autoritären Staat abgeschlachtet werden.


Die Weißen Steine III

Angesichts eines so aufwühlenden Themas ist es natürlich schwierig, wieder den Bogen zum eigentlichen Thema meines Beitrages zu schlagen. Ich hoffe, dass du jetzt trotzdem gerne noch weiterlesen möchtest. Ich habe nämlich auch ein paar gute Nachrichten.

Eine davon: mit meinem neuen Roman komme ich ganz gut voran. Allerdings wird die Geschichte doch etwas komplexer als zuerst geplant. Ich muss immer wieder einzelne Details nachrecherchieren. Und viele Kapitel sind auch sehr umfangreich geworden. Ich fürchte, das Buch wird mein bisher dickster Wälzer werden. Etwa die Hälfte ist inzwischen fertig, leider deutlich weniger, als ich mir in meinem Zeitplan als Ziel gesetzt habe. Deshalb wird es wahrscheinlich schwierig werden, das Buch noch zum Weihnachtsgeschäft 2022 in den Handel zu bringen. Ihr könnt also leider dieses Jahr wohl nicht mehr damit rechnen, dass es mit Die weißen Steine weitergeht.

Und das hier sind die beiden bisher erschienenen Bücher aus der Reihe „Die Weißen Steine“:

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Die Weißen Steine Band I – Neue Alte Welt

Erlebe ein spannendes Dino-Abenteuer! Der erste Teil eines Überlebenskampfes. Dort werden Jugendliche der „Generation Handy“ in einer erbarmungslosen Urzeit-Welt an ihre Grenzen gebracht.

Erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


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Die Weißen Steine Band II – Blut der Sonne

Erlebe noch ein weiteres spannendes Dino-Abenteuer mit dem zweiten Teil meiner Urzeit-Reihe! Dort wirst du wieder direkt in die Kreidezeit entführt, in der mächtige Kreaturen die Welt beherrschen.

Erhältlich als Taschenbuch, als hochwertige Hardcover-Ausgabe und auch als E-Book.


Giveaway-Aktion: Mein traumhaftes Dinosaurierbuch

Dafür gibt es eine andere gute Nachricht: Ein wirklich großartiges Kinderbuch, für kleine Urzeit-Fans und ihre Eltern, habe ich gerade zusammen mit meinem Verleger Jill neu aufgelegt. Weil euch das Format seines inoffiziellen Nachfolgers Traumreise für Kinder in die Welt der Urzeit so viel besser gefallen hat, haben wir auch Traumreise in die Urzeit noch einmal im gleichen Format herausgebracht. Amazon erlaubt leider keine nachträglichen Formatanpassungen, also mussten wir das Buch noch einmal komplett neu launchen: Unter neuem Titel, mit einem neuen Cover und einem ganz neuen optischen Look! Und so heißt es jetzt Mein traumhaftes Dinosaurierbuch!

Für alle, die das neue Buch jetzt bestellen, habe ich außerdem eine Überraschung: Fünf Exemplare sind nämlich Teil eines kleinen Giveaways!

Was musst du tun, um mitzumachen?

Ganz einfach:

  • Folge mir auf Facebook oder Instagram (am besten beides!)
  • Schicke mir dort einen Screenshot von deiner Buchbestellung als Direktnachricht, damit ich sehe, dass du das Buch auch wirklich bestellt hast. (bitte NICHT als Kommentar! Datenschutz!)

Das war’s dann schon! Die fünf glücklichen Gewinner werde ich dann spätestens im kommenden Wort zum Sonntag benachrichtigen!

Die Giveaway-Aktion endet am Samstagabend des 09.10.2022 um 23:59:59 MEZ. Ich wünsche dir viel Glück!

Eine Leseprobe zu meiner Geschichte und viele weitere Infos findest du außerdem hier:


Tierprofile

Da ich im Moment nicht dazu komme, neben meinem Roman auch noch neue Urzeit-Artikel zu schreiben, haue ich gerade immer, wenn ich doch etwas Zeit habe eines meiner Tierprofile aus dem Archiv für dich raus. Hier kannst du dich über alle Tiere informieren, die vor 66 Ma in Wyoming lebten. Die Hell Creek Formation beherbergte eine wahre Vielfalt der unterschiedlichsten Kreaturen.

Highlight Tierprofile

Meine bisher überarbeiteten Tierprofile:

Discoscaphites rossi

Hadrurus sylvestris

Galagadon nordquistae

Myledaphus pustulosus

Amia fragosa

Habrosaurus dilatus

Paranectutus garbanii

Alphadon marshi

Palaeosaniwa canadensis

Basilemys sinuosa

Acheroraptor temertyorum


Bild der Woche

Wie du wahrscheinlich weißt, zeigt jedes Titelbild vom Wort zum Sonntag eine Szene aus der berühmten Hell Creek Formation, also der prähistorischen Gegend, in welcher meine Geschichte spielt. Das Bild der Woche ist heute aber mal ein ganz besonderes: Sahar hat mir diese Hell Creek Szene zum Geburtstag geschenkt. Und sie ziert heute nicht nur meinen Artikel, sondern inzwischen auch mein Arbeitszimmer. Immer, wenn ich beim Schreiben etwas Inspiration brauche, muss ich also nur ein bisschen nach links schauen!

Ein müder Tyrannosaurus wird bei seinem Mittagsschläfchen aufgeschreckt, als eine Herde Triceratops am Flussufer entlangmarschiert. Ein Anzu beobachtet das ganze aus der Sicherheit des Unterholzes, wo sich neben ihm aber auch mehrere andere Bewohner Hell Creeks verstecken. Kannst du sie alle entdecken?

Das Bild stammt wie gesagt von meiner lieben Ehefrau Sahar Kretschmer (hier der Link zu ihrer Instagram-Seite!) Ich danke dir noch einmal herzlich für das tolle Geburtstagsgeschenk!


Paläo-News

Auch aus dem Bereich der Urzeitforschung gab es in den letzten drei (!) Wochen unglaublich viele interessante Nachrichten. Gleich drei neue Dinosaurier waren mit dabei, darunter auch endlich mal wieder einer aus Deutschland. Und da will ich dich nun nicht weiter auf die Folter spannen, wir legen sofort damit los!

Highlight Paläo-News


Neue Knochenfunde von Leptoptilos robustus bestätigen: Der Riesenstorch von Flores war flugfähig!

Die Insel Flores (Indonesien) gehört zu den bemerkenswertesten Fundplätzen des Pleistozäns. Noch vor wenigen Jahrtausenden wäre sie uns wie eine Welt aus einem Fantasy-Roman vorgekommen: riesige Komododrachen, Zwergelefanten und ein Volk aus kleinen Zwergen, die Flores-Menschen oder auch „Hobbits“ genannt werden. Sogar die Vögel hatten es in sich! Besonders bemerkenswert: der Riesenstorch Leptoptilos robustus, der die Flores-Menschen um beinahe das doppelte überragte und sogar den meisten heutigen Menschen zumindest auf Augenhöhe begegnen würde!

Bildquelle (oben): Gabriel Ugeto.

Lange Zeit glaubten Forscher, dieser Gigant habe sich aus flugunfähigen Vorfahren entwickelt und auf die Jagd am Boden spezialisiert. Eine neue anatomische Studie von Hanneke J.M. Meijer von der Universität Bergen (Norwegen) und ihrem Team lässt aber andere Schlüsse zu: die Analyse von 21 neuentdeckten Knochen, die bei Liang Bua gefunden wurden, legen nahe, dass der Riesenstorch durchaus imstande gewesen ist zu fliegen.


Opalisierte Dinosaurier

Wusstest du, dass manche Dinosaurier im Laufe ihrer Versteigerung zu Edelsteinen geworden sind? Paläontologen der Flinders University verwenden einen Mikro-CT-Scanner und 3D-Druck, um einen kleinen Dinosaurier zu rekonstruieren, der mehr als 100 Millionen Jahre lang in den weißen Sandsteinfelsen als Opal konserviert wurde. Hier der Artikel:


Keilschrift der Elamiter entziffert?

Jahrtausendealte unleserliche Texte, ein Schwarzmarkt mit wertvollen Artefakten, eine untergegangene Kultur – die Geschichte hat alle Bestandteile für einen Abenteuerfilm. Nur dass es sich hier um reale Forschung handelt: In einer neuen Studie behauptet ein Forscherteam um François Desset von den Universitäten Teheran und Lyon, die bisher unleserliche Schrift des antiken im heutigen Iran liegenden Reichs Elam entziffert zu haben. Kritik an der Studie gibt es allerdings auch. Einige der für die Übersetzung verwendeten Tafeln könnten Fälschungen sein.


Balhuticaris voltae: großer zweischaliger Arthropode mit bizarr vielen Körpersegmenten beschrieben

Alejandro Izquierdo-López von der University of Toronto (Kanada) beschreiben in ihrer aktuellen Studie einen großen, etwa 24,5cm langen Arthropoden, der vor etwa 506 Ma während des Kambriums in den Meeren des Burgess Shale im heutigen British Columbia (Kanada) lebte. Balhuticaris voltae ist einer der größten kambrischen Arthropoden und doppelt so groß wie der bisher als größter zweischalige Arthropode geltende Nereocaris exilis, mit dem er offenbar eng verwandt war.

Bildquelle (oben): Hugo Salais.


Goldschatz in Rumänien entdeckt!

Bei einer Grabung entlang der Route einer Autobahnbaustelle im Nordwesten Rumäniens, nahe der Ortschaft Oradea entdeckte ein Forschungsteam um Călin Ghemiș vom Ţării Crişurilor Museum einen Schatz bestehend aus 169 Goldringen, die in einem mehr als 4.000 Jahre alten Frauengrab aus der kupferzeitlichen Tiszapolgár-Kultur lagen, so die Einschätzung der Forscher in einem aktuellen Artikel.


Berggorillas nicht mehr vom Aussterben bedroht!

Sie sind die einzige Menschenaffenart, deren Bestand in freier Wildbahn zunimmt: die Berggorillas im Vulkan-Nationalpark im Nordwesten Ruandas. Inzwischen schätzen Fachleute die Zahl der Gorillas dort auf mehr als 600. In der Bergregion zwischen Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo leben nun sogar mehr als 1000 Individuen – im Jahr 1981 waren es 254. Heute gelten die Primaten daher nicht mehr als vom Aussterben bedroht, aber immer noch als stark gefährdet. Die Bestände der Gorillas sind nun allerdings so groß, dass die Tiere beginnen, um die begrenzten Reviere in der Schutzzone zu konkurrieren. Organisationen melden, dass bei Kämpfen zwischen Affenfamilien bereits sieben ausgewachsene Männchen zu Tode kamen, ebenso einige Jungtiere. Artikel zum Weiterlesen:


Elemgasem nubilus: Neuer Abelisaurier aus Argentinien

Schon 2002 entdeckten Forscher in Gesteinsschichten der Portezuelo Formation im argentinischen Patagonien, etwa 20km von Cutral Có, die Hals- und Schwanzwirbel und Teile des Beinskeletts eines Abelisauriers, der während der frühen Oberkreide vor etwa 89 Ma lebte. Nun beschrieben Mattia A. Baiano von der Universidad Nacional de Río Negro (Argentinien) und sein Team die Fossilien als Holotypus einer neuen Dinosaurier-Gattung.

Elemgasem nubilus heißt der etwa 4m lange Theropode. Der Gattungsname bezieht sich auf eine gleichnamige Gottheit der Tehuelche, welche die Macht hat, sich selbst und andere in Stein zu verwandeln. Der Artname ist lateinisch und bedeutet „neblig“, weil es während der Grabungsarbeiten ungewöhnlich neblig war.

Lebendrekonstruktion von Cisiopurple.

Elemgasem lebte als mittelgroßer Fleischfresser im gleichen Lebensraum wie mehrere andere Theropoden, wie z.B. Megaraptor, Patagonykus, Neuquenraptor, Pamparaptor und Unenlagia. Auch riesige Sauropoden kamen hier vor, wie Futalognkosaurus und Baalsaurus sowie der azhdarchoide Flugsaurier Argentinadraco. In der Formation wurden auch andere Fossilien von Ornithopoden, Vögeln, Schildkröten und Krokodilen gefunden.


Leopoldina empfiehlt Umbau der Geowissenschaften

Die Geowissenschaften seien viel zu zersplittert, um die Auswirkungen des Klimawandels zu erforschen, kritisieren die Experten der Leopoldina. Darum plädieren sie dafür, die Disziplinen zu einer Erdsystemwissenschaft zu bündeln. Mehr dazu:


Qikiqtania wakei: Verwandter der Landwirbeltiere entschied sich doch wieder für ein Leben im Wasser

Im Oberdevon, vor etwa 380 Ma, gelang den Wirbeltieren zum allerersten Mal den Schritt ans Land. Besonders Fossilien aus Grönland geben darüber Aufschluss, wie die Evolution unserer frühesten Vorfahren im Detail ablief: Panderichthys rhombolepis, Tiktaalik roseae und Elpistostege watsoni sind Belegfossilien für diese Entwicklungsgeschichte.

Bildquelle (links): Alex Boersma.

Thomas A. Steward von der Pennsylvania State University beschreiben in ihrer neuen Studie jedoch einen ungewöhnlichen Fisch aus eben jener Zeit, der auf Ellesmere Island in der kanadischen Arktis entdeckt wurde und nun den Namen Qikiqtania wakei trägt. Der enge Verwandte der späteren Landwirbeltiere weist Merkmale auf, die darauf hindeuten, dass sich das Tier von einer schon ans Kriechen angepassten Lebensweise wieder ans Schwimmen im offenen Gewässer angepasst hat. Einige „Landfische“ sind also wohl schon früh wieder ins Wasser zurückgekehrt.


Naher Osten ist schon jetzt Klima-Hotspot!

Der Nahe Osten und der östliche Mittelmeerraum gehören schon jetzt zu den besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen. Nirgendwo sonst nehmen Hitzewellen so stark zu und die Erwärmungsrate ist doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt, wie eine Studie aufzeigt. Damit wird die ohnehin von Trockenheit und Hitze geprägte Region mehr und mehr zum Problemfall und Hotspot der Klimakrise. Schreitet der Klimawandel ungebremst weiter fort, könnte die regionale Erwärmung im Nahen Osten bis zu fünf Grad erreichen.


Neue Synapsen-Art entdeckt!

An unseren Nervenzellen haben Forscher eine noch unbekannte Art von Synapsen entdeckt. Diese neuronalen Schaltstellen liegen nicht an den bekannten Nervenfortsätzen, sondern an winzigen haarähnlichen Cilien der Zelloberfläche. Werden diese Synapsen durch Neurotransmitter wie Serotonin aktiviert, löst dies Veränderungen direkt im Zellkern aus – und kann das Ablesen der DNA beeinflussen, wie das Team in einer Studie berichtet.


Mikroplastik ist schon überall Teil der globalen Nahrungsnetze!

Zusammen mit dem Klimawandel und einem weit verbreiteten Verlust an Biodiversität spielt die Plastikverschmutzung heute eine vorherrschende Rolle bei der Veränderung von Ökosystemen weltweit. Robson G. Santos von der Universidade Federal de Alagoas (Brasilien) und sein Team haben in einer neuen Studie das Vorkommen der Plastikaufnahme durch Wildtiere untersucht und gehen der grundlegenden Frage nach, warum und wie lebende Organismen Plastik aufnehmen. Sie identifizieren dabei drei Hauptfaktoren, die die Plastikaufnahme antreiben können. Einerseits die Verfügbarkeit von Plastik in der Umwelt, zweitens die Akzeptanzschwelle eines Individuums und drittens die Überlappung von Hinweisen durch natürliche Lebensmittel und Kunststoffe.


Tuebingosaurus maierfritzorum: Deutschland ist 2022 Dinosaurierland!

In Bezug auf die Phylogenie triassischer Dinosaurier aus Deutschland gibt es große Unklarheiten und häufige Streitthemen. Der wohl häufigste dabei auftauchende Name ist Plateosaurus: dieser Gattung wurden einst die meisten Exemplare großer Dinosaurier aus der späten Trias zugeschrieben, doch neuere Studien konnten schon bei einigen Alleinstellungsmerkmale feststellen, die belegten, dass dieses Exemplar zu einer ganz eigenen Gattung bzw. Art gehörte.

Der nächste Kandidat für so eine Neubetrachtung ist „GPIT IV“, ein teilweise erhaltenes Exemplar, das schon 1922 bei einer Ausgrabung in der Nähe von Tübingen, an der „Oberen Mühle“ gefunden und seither im Archiv der paläontologischen Sammlung in Tübingen aufbewahrt wurde. In ihrer Studie konnten Omar R. R. Fernandez und Ingmar Werneburg konnten bei diesem „Plateosaurus“ Merkmale am Bein- und Hüftskelett festmachen, die eher für einen vierbeinig laufenden Massopoden sprechen, als für einen zweibeinig laufenden Plateosaurus.

Lebendrekonstruktion von Cisiopurple.

Die Forscher sehen die Belege als aussagekräftig genug an, um sie als neue Art zu beschreiben: Tuebingosaurus maierfritzorum, benannt nach dem Fundort, dem Zoologen Wolfgang Maier von der Universität Tübingen sowie Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden, lebte vor etwa 205 Ma.


 

Prähistorische Amputation

Ein Team von Anthropologen um Tim R. Maloney von der Griffith University (Australien) sind auf der Insel Borneo auf einen erstaunlich frühen Fall einer chirurgischen Behandlung gestoßen: In ihrer Studie beschreiben die Forscher die Knochenüberreste eines jungen Mannes, dem vor etwa 31.000 Jahren der linke Fuß samt einem Teil des Unterschenkels entfernt wurde. Die Amputation wurde offenbar erstaunlich professionell durchgeführt und war mit anschließender Fürsorge verbunden: Das Individuum lebte noch jahrelang weiter. Den Wissenschaftlern zufolge legen die Befunde somit nahe, dass bereits einiger Jäger und Sammler der Altsteinzeit komplexes medizinisches Wissen besaßen.

Bildquelle (links): Jose Garcia.


Enhydriodon omoensis: größter Otter aller Zeiten wurde so groß wie ein Löwe!

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Camille Grohé hat in Äthiopien eine neue, längst ausgestorbene Otterart identifiziert, die wahrscheinlich die Größe eines modernen Löwen erreichen konnte. Das Tier wurde nun in einer neuen Studie beschrieben. Mit einem geschätzten Gewicht von 200 Kilogramm wäre Enhydriodon omoensis der größte Otter der Erdgeschichte. Das Tier lebte im späten Pliozän und frühen Pleistozän, also vor 3,5 bis 2,5 Ma und wurde im Omo Valley gefunden – wo zu seiner Zeit auch schon einige Urmenschen wie Australopithecus lebten. Ein Feind mehr für unsere Vorfahren also, die schon mit Leoparden, Säbelzahnkatzen und Hyänen reichlich Gefahren zu fürchten hatten.


Knochenhistologische Studie: wieso starben die „Donnervögel“ aus?

Der flugunfähige Dromornis stirtoni aus dem Miozän von Australien gehört zu den größten Vögeln aller Zeiten. Anusuya Chinsami von der Universität Kapstadt (Südafrika) und ihr Team untersuchten in ihrer Studie 22 Langknochen des „Donnervogels“, um verschiedene Aspekte seiner Lebensgeschichte zu erforschen. Die Ergebnisse zeigen, dass Dromornis etwa fünf Jahre lang sehr schnell wuchs, dann aber eine Wachstumspause einlegte und mehr als ein Jahrzehnt brauchte, um voll auszuwachsen und geschlechtsreif zu werden. Diese Wachstumsstrategie unterscheidet sich erheblich von der seines pleistozänen Verwandten Genyornis newtoni, der eine viel schneller Wachstumsrate an den Tag legte.

Bildquelle (oben): Brian Choo.

Möglicherweise ist dies auch ein Schlüssel zur Beantwortung der Frage nach dem Aussterben des Donnervogels: die lange Zeit bis zur Geschlechtsreife könnte den Giganten zum Verhängnis geworden sein, weil viele Jungtiere in einer Zeit des Klima- und Lebensraumwandels das Erwachsenenalter nicht mehr erreichten.


Klimawandel: Einfluss des Menschen verfälscht archäologische Datierungsverfahren

Die starke Verbrennung fossiler Brennstoffe hat dazu geführt, dass sich die Zusammensetzung der Kohlenstoffisotope in der Luft gravierend verändert hat, besonders auf der Nordhalbkugel. Seit 2021 hätten sich die Isotopenverhältnisse derart verschoben, dass die Menge an radioaktivem 14C, das durch Kernwaffentests der 1950er und 1960er Jahre zusätzlich in die Atmosphäre gelangt war, durch den hohen CO2-Ausstoß nun nivelliert wird.

Das Problem daran: Datierungsverfahren wie die Radiokohlenstoffmethode könnten damit in naher Zukunft nutzlos werden. Heather Graven vom Imperial College London hat in ihrer neuesten Arbeit abweichende 14C-Daten festgestellt, die das Ergebnis noch relativ junger Proben etwa ins frühe 20. Jahrhundert statt an dessen Ende verweisen.


Besiedlung Amerikas: kamen Menschen schon viel früher als gedacht in die neue Welt?

Timothy B. Rowe von der University of Texas und sein Team beschreiben in ihrer neuen Studie die Überreste von zwei Mammut-Exemplaren, vermutlich ein Muttertier und sein Kalb, die auf dem Colorado Plateau in New Mexico gefunden wurden. Beide Tiere wurden nun mittels AMS 14C-Analyse von Hydroxyprolin aus Knochenkollagen auf ein Alter von 38.900–36.250 Jahren datiert. Sie kamen nach Verletzungs- und Brandspuren auf ihren Knochen offenbar durch Menschenhand ums Leben. Inzwischen haben Archäologen überall auf dem amerikanischen Doppelkontinent Hinweise auf eine deutlich frühere Präsenz des Menschen gefunden.

Bildquelle: NPS.

Dazu gehören 23.000 Jahre alte Fußspuren im Süden der USA, 30.000 Jahre alte Steinwerkzeuge in Mexiko und Ritzspuren an Tierknochen aus Alaska und Uruguay. Bislang waren dies allerdings nur Indizien dafür, dass Menschen schon mehr als 20.000 Jahre früher dort waren, als wir durch handfestere Belege sagen konnten. Ob die Mammut-Schlachter aber auch schon zur Stammbevölkerung der Ureinwohner gezählt werden können, oder ob Amerika vielleicht mehrfach unabhängig besiedelt wurde und die Menschen dort sogar einst wie viele andere Eiszeit-Großtiere ausgestorben sind, kann bislang noch nicht geklärt werden.


Notochen bannockburnensis: neuer Schwan aus dem Miozän Neuseelands beschrieben

Eine neue Gattung und Art der Entenvögel wurde anhand eines versteinerten Flügelknochens identifiziert, der in Central Otago, Neuseeland, gefunden wurde. Der Vogel wurde Bannockburn-Schwan (Notochen bannockburnensis) genannt und lebte vor 16 bis 19 Millionen Jahren (frühes Miozän) am Lake Manuherikia, einem riesigen See, der den größten Teil des heutigen Central Otago bedeckt. Wie die heutigen Schwäne suchte dieses Tier wohl im Wasser nach Nahrung, verbrachte aber wahrscheinlich auch einen Teil seiner Zeit damit, an Land zu weiden, so die Forscher in ihrer aktuellen Studie.

Bildquelle (oben): Unenlagia90 (DeviantArt).


Gefahr für die großen Hüpfer!

Amphibien wie z.B. Frösche sind eine der umweltempfindlichsten und anspruchsvollsten Tiergruppen überhaupt. Allerdings zeigten sie sich gegenüber weltweiter Massenaussterben wiederum als sehr robust und anpassungsfähig. Anderson Feijó von der Chinese Academy of Sciences in Peking und sein Team gingen in ihrer neuen Studie der Frage nach, woran das liegen mag. Die Forscher untersuchten die Evolutionsgeschichte wichtiger Überlebensmerkmale (Körpergröße und Lebensstil) und analysierten auch die klimabedingte Körpergrößenselektivität moderner Frösche. Dabei stellten sie fest, dass überall dort, wo extreme Temperaturen und eine starke Saisonabhängigkeit besonders große Froscharten stark gefährdet sind.

Das war offenbar auch schon am Ende der Kreidezeit so: hauptsächlich mittelgroße Arten blieben damals erhalten, große Frösche starben an der K-Pg-Grenze restlos aus. In Zeiten mit milderen Temperaturen entwickelten sich die Frösche hingegen schnell weiter und brachten auch häufig sehr große Gattungen hervor. Die Forscher schätzen, dass aufgrund der derzeitigen globalen Erwärmung viele Froscharten in Bedrängnis geraten und aussterben werden, die größten von ihnen wahrscheinlich zuerst. Bis zu 1100 Frosch-Arten werden bis zum Jahr 2100 wohl ausgestorben sein.


Hybridisierung zwischen Frühmenschen: der Weg zum modernen Homo sapiens

Viele heutige Menschen tragen einen kleinen Anteil an Neandertaler-DNA in ihren Genen, was darauf hindeutet, dass die Vermischung mit anderen Abstammungslinien früherer Menschenformen eine wichtige Rolle in der Evolution unserer Spezies spielte. Paläogenetische Belege legen nahe, dass es mehrfach zu Kreuzungen mit Neandertalern und anderen früheren Gruppen kam. Die Geschichte unserer Art ähnelt eher einem Netzwerk oder vielverzweigtem Strom als einem Baum. Der Ursprung der Menschheit ist aber wohl komplexer als bisher angenommen. Ein Forschungsteam um Katerina Harvati von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen hat sich der schweren Aufgabe in einer umfassenden Vergleichsstudie angenommen, unseren komplexen Stammbaum besser zu verstehen. Ihre neue Studie gibt dazu interessante Einblicke. So haben die Hybridisierungen offenbar auch unsere Hirnentwicklung maßgeblich mitbeeinflusst.

Bildquelle: Gleiver Prieto.


Forscher entdecken neue Dino-Mumie!

In Kanada haben Forscher der University of Reading Teile einer augenscheinlich vollständigen Dinosaurier-Mumie entdeckt. Die bisher freigelegten Fossilien, ein Fuß und der Teil des Schwanzes sind mit versteinerter Haut und Weichgewebe erhalten und gehören offenbar zu einem jungen Hadrosaurier, der vor etwa 77 bis 75 Ma starb, also etwa 10 Ma, bevor alle anderen Nichtvogel-Dinosaurier ausstarben. Die Wissenschaftler haben nun mit den Bergungsarbeiten begonnen, die Dino-Mumie im Labor genauer zu untersuchen. Sollten sich die Hoffnungen der Forscher erfüllen, könnte es sich bei dem etwa 4m langen Entenschnabelsaurier um eine der größten und besterhaltensten Dino-Mumien handeln. Ein aktueller Artikel beschreibt den Fund und seine Umstände näher.


Borophagus: gefährlicher Canid aus dem Miozän jagte nicht nur in der Steppe, sondern auch im Wald!

Borophagus ist eine späte Gattung der sehr vielfältigen und erfolgreichen Unterfamilie Borophaginae, Verwandte der Wölfe und Hunde, die über einen sehr starken Biss verfügten. Skelettreste dieses knochenbrechenden Caniden wurden häufig in damaligen Gras- und Steppenlandschaften aus dem Miozän und Pleistozän gefunden, in Waldgebieten sind sie dagegen selten. Emily Bōgner und Joshua X. Samuels von der Cambridge University beschreiben in ihrer neuesten Studie aber den Oberschenkelknochen eines Borophagus, der in der Grey Fossil Site von Tennessee gefunden wurde.

Bildquelle (oben): Mauricio Antón.

Dies war damals aber ein stark bewaldetes Ökosystem. Die ausgeprägten Proportionen der Gliedmaßen von diesem Borophagus-Exemplar deuten darauf hin, dass die Gattung möglicherweise gut für einen geschlossenen Lebensraum wie die Grey Fossil Site geeignet war. Ganz im Gegensatz zu dem Ort, an dem die meisten ihrer Fossilien zuvor gefunden wurden! Die Borophaginae konnten sich im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte also auch an einen Waldlebensraum anpassen.


Ibirania parva: Zwergwüchsiger Sauropode aus Brasilien

In der oberkreidezeitlichen São José do Rio Preto-Formation, bei Vila Ventura in der Gemeinde Ibirá, im Nordosten von São Paulo haben Forscher die Fossilien eines Sauropoden entdeckt. Die Überreste, darunter ein Rückenwirbel, partielle Schwanzwirbel, Speiche und Elle sowie Teile der Mittelhandknochen und ein fast vollständiger Mittelfußknochen, wurden nun in einer neuen Studie als neue Gattung der Saltasaurinen beschrieben: Ibirania parva.

Der Name leitet sich vom Fundort ab, kann aber auch als „Kleiner Baumwanderer“ übersetzt werden. Von einem zweiten, nun ebenfalls Ibirania zugeschriebenen Exemplar, sind außerdem auch Hals-, Rücken- und Schwanzwirbel sowie weitere Gliedmaßenteile bekannt.

Lebendrekonstruktion von Cisiopurple.

Ibirania wird auf nur 5,7 Meter Länge geschätzt, was ihn zu einem der kleinsten Sauropoden macht. Er lebte zusammen mit mehreren anderen Dinosauriern im gleichen Lebensraum, wie dem Abelisauriden-Theropoden Thanos simontoi, kleinen Unenlagiinen (Raptoren) und einem größeren, unbenannten Megaraptoren, in der Zeit vor etwa 83 Ma, am Übergang vom Samtonium zum Campanium. Entsprechend handelte es sich also wohl nicht um einen Insel-Lebensraum, auf dem die dortigen Dinosaurier aufgrund des beengten Lebensraumes zu Zwergen wurden. Ibirania muss sich also wohl aufgrund anderer Umstände zu einer kleinen Körpergröße hin entwickelt haben.


Opisthiamimus gregori: neue Brückenechse aus der Morrison Formation

Davod G. DeMar jr. vom National Smithsonian Museum of Natural History, Smithsonian Institution in Washington D.C. und sein Team beschreiben in ihrer aktuellen Studie eine neue Brückenechse aus der oberen Morrison Formation in Wyoming (USA), die vor etwa 150 Ma an der Seite vieler berühmter Dinosaurier wie Allosaurus, Stegosaurus und Apatosaurus lebte. Opisthiamimus gregori ist durch ein exzellentes, nahezu vollständiges Skelett überliefert, das neue Erkenntnisse zu der Entwicklungsgeschichte der im Erdmittelalter weit verbreiteten Rhynchocephalier liefert. Heute kommen Brückenechsen nur noch mit einer einzigen Gattung auf Neuseeland vor.

Bildquelle: Julius Csotonyi.


Palaeotanyrhina exophthalma: Neuartige Wanzengattung aus burmesischem Bernstein

Mit den hervorquellenden Augen und seinem länglichen Mund unterscheidet sich ein fossiles Insekt aus burmesischem Bernstein, das durch Forschungen der Oregon State University identifiziert wurde, so sehr von allem, was heute lebt, dass es in seine eigene, ausgestorbene Familie eingeordnet werden musste. George Poinar vom OSU College of Science und sein Team nannten das Insekt in ihrer neuen Studie Palaeotanyrhina exophthalma. Eingebettet in 100 Millionen Jahre alten Bernstein ist sie wohl ein Mitglied der Ordnung Hemiptera und damit eine echte Wanze. Sie war offenbar ein Beutegreifer, der seine hervorstehenden Augen benutzte, um andere Insekten als Beute zu orten.


Weitere Nachrichtenmeldungen:

Doomsday-Gletscher steht kurz vor dem Kipppunkt!

Vogel-Neuronen kommen mit dreimal weniger Glukose aus als Säugetier-Neuronen!

Forscher finden neue Erklärung zum Bau der Pyramiden in Ägypten!

Mittelalterliche Mönche von Cambridge waren von Würmern befallen!

Mehr als 1.000 Dinosaurier-Fußabdrücke in China entdeckt!

Menschliche Fußabdrücke in Saudi-Arabien sind Möglicherweise 120.000 Jahre alt!

Zehnjähriger Junge findet beim Sondeln in Nordirland Säbel aus dem 17. Jahrhundert!

1,8 Ma Frühmenschen-Zahn in Georgien gefunden!

Klimaforscher warnen vor Endzeit-Szenarien!

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12.000.000.000.000 US-Dollar könnten durch Dekarbonisierung und erneuerbare Energien eingespart werden!

Ausgrabungen zeigen das Leben der frühesten modernen Menschen in Europa!

Kampf um die Mülltonne: Kakadus halten Abfallbehörden zum Narren!

3.500 Jahre alte Grafik der Hethiter entdeckt!

Baumsterben: Die letzten ihrer Art!


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Dein Markus Peter Kretschmer




Freitagnacht-Kryptos: Ein Tiger in Speyer und einer in Russland

Zeitungsmeldungen über Alien Big Cats oder KFZs (Katzen fremder Zonen) finden wir bereits im 19. Jahrhundert, selbst wenn das Massenphänomen der alljährlichen Puma-Sichtungen ein sehr neues ist. Es folgen zwei Beispiele von Tiger-Sichtungen, eines aus Deutschland und eines aus Russland, das erste leicht erklärt, das zweite so mysteriös wie die modernen Sichtungen.

 

Tiger im Wasser

 

Der deutsche Bericht mischt die launische Berichterstattung über einen Tiger in Speyer mit Polemik gegen die jüngsten Behauptungen der Wissenschaft, man könne auch in Deutschland vorsintflutliche Menschenreste finden:

 

Ein Tiger zu Speyer

Es schreibt das Augsburger Tagblatt am 9. November 1845 auf S. 1322:

 

 

Speier. Kürzlich ereignete sich hier ein Todesfall, wie vielleicht, seit Speier steht, keiner hier vorgekommen. Es starb nämlich ein Tiger aus einer Menagerie. Da der Besitzer das Thier nicht anders zu verwerthen wußte, so ließ er demselben das Fell abziehen, im Uebrigen aber den todten Körper vergraben. – Was werden die Alterthumsforscher sagen, wenn nach Jahrhunderten auf dem Banne von Speyer das Scelett eines Tigers gefunden wird? Allermindestens muß dann das Thier von den Römern aus Afrika hierher gebracht worden sein; noch viel wahrscheinlicher aber wird man es als klar erwiesen betrachten, daß in antidiluvianischer Zeit hier der Wohnsitz von Tigern gewesen sei. Findet man alsdann noch tiefer im Boden ein paar Ziegelsteine oder dergleichen, so ist auch der Beweis hergestellt, daß schon vor der antidiluvianischen Zeit civilisirte Menschen hier gewohnt haben müssen!“

 

 

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Tiger

Atemberaubende Fotos und faszinierende Aspekte

Kraftvoll und ästhetisch – seit jeher wird der Tiger, die größte wildlebende Katzenart, zugleich bewundert und gefürchtet. Doch was verbirgt sich hinter dieser einzigartigen Kreatur? Mit faszinierenden, farbigen Fotografien gewährt dieses Buch Einblicke in das Leben der Tiger. Vom Sozialverhalten der Tiere über deren Jagdtechniken bis hin zur Aufzucht ihrer Jungen hält es spannende und wissenswerte Informationen bereit. Eine Liebeserklärung an die Großkatze und ein Plädoyer für den Erhalt ihrer Lebensräume!

 

Tiger ist 2021 beim Verlag Neuer Kaiser als gebundenes Buch erschienen und hat 192 Seiten. Selbst wenn man „nur“ an den Bildern interessiert ist, ist das ein sehr günstiger Preis für Qualität und Ausstattung.

 

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… und ein Tiger in Russland

 

Das Schweinfurter Tagblatt: Zeitung für die Region Main/Rhön berichtete am 21. September 1871 auf S. 1314 über einen Tiger in Pečatniki, heute ein Stadtteil Moskaus:

 

 

„Der Tiger, welcher in den Moskau benachbarten Kreisen so viel Unheil angerichtet hat, ist am 24. August in dem Stukowo’schen Morast bei Petschatniki von dem Moskauer Jäger und ausgezeichneten Schützen, Hrn. Rabeneck, getödtet worden. Der Kreisrichter hat das Thier im Triumph der Oberbehörde überbringen lassen. Die Bauern warfen sich unter Thränen Hrn. Rabeneck um den Hals und dankten ihm für die Befreiung von dieser Gefahr. Das Thier hatte in den letzten Tagen noch 3 kleine und ein erwachsenes Mädchen zerrissen. Der Schütze hatte folgendes Mittel gebraucht, um das Raubthier anzulocken. Er hatte in der Nähe der Stelle, wo es zuletzt gesehen wurde, warmes Ochsenblut ausgießen lassen und sich dann in den Hinterhalt gelegt. Das Thier ging auch dem Blutgeruche nach und wurde von dem kühnen Jäger erschossen.“

 

 

Amurtiger im Herbstwald

 

Die Meldung war eine solche Sensation, dass sehr viele Zeitungen aus Deutschland sie abdruckten, darunter die Illustrirte bayerische Volkszeitung (1. Oktober 1871, S. 315), die Deutsche Roman-Zeitung (1872, S. 239), die Rumburger Zeitung (1871, S. 433), das Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (1871, S. 865), das Laibacher Tagblatt, die Amberger Volks-Zeitung für Stadt und Land (1871, S. 875), das Illustrirte Kreuzerblatt: eine Wochenschrift für jedermann, die Constitutionelle Bozner Zeitung sowie das Regensburger Morgenblatt (1871, S. 792).


Links:

Augsburger Tageblatt vom 9. November 1845

 

Schweinfurter Tagebiatt: Zeitung für die Region Main/Röhn am 21. September 1871




Der Sasquatch im Portrait

Nur weil es ‚Sasquatch Hunting Season‘ heißt, ist noch nicht klar, wer wen jagen darf…

Der Sasquatch ist auch unter dem plakativeren Namen Bigfoot bekannt. Es soll sich hierbei um einen großen (1,8 bis 2,4 m), aufrecht gehenden Affenmenschen unbekannter Art handeln. Die ersten, sehr unspezifischen Berichte gehen auf Einzelbeobachtungen während der Besiedlung der Waldgegenden und der halboffenen Prärien zurück. Zum Objekt der Popkultur wurde er in den 1950ern, als auf Baustellen in den Küstenkordilleren im Norden Kaliforniens immer mal wieder Ölfässer umgeworfen wurden und über Nacht große Fußspuren in planierten Sandflächen entstanden.

 

Sichtungen werden seit den späten 1950ern immer wieder berichtet, aber ein physischer Beweis ist trotz 70 Jahre intensiver Suche nicht aufgetaucht.

 

Wann spricht man von Bigfoot, wann von Sasquatch?

Eine Unterscheidung ist nicht einfach, zumal die beiden Begriffe oft leichtfertig synonym verwendet werden. Sinnvoll ist, die Beobachtungen aus den Küstenwäldern Kaliforniens, den Rocky Mountains und den Wäldern Kanadas mit dem indianischen Begriff Sasquatch zu bezeichnen. Alle anderen Beobachtungen, insbesondere aus den Gegenden, in denen keine kaltgemäßigten bis borealen Wälder vorherrschen, werden unter dem Begriff Bigfoot zusammengefasst.

Sichtungen gibt es aus nahezu jedem County der zusammenhängenden 48 US-Staaten, weiten Teilen Kanadas und Alaskas.

Flußtal in Nordamerika, Ort einer Sasquatch-Sichtung
Auf dieser Sandbank soll in den 1970er Jahren ein Sasquatch gesehen worden sein. War das ein Irrtum?

Was sagen die Ureinwohner dazu?

Viele Ureinwohner kennen große Geistwesen aus ihren Mythen. Da die heutigen Mitglieder der „First Nations“, wie sie in Kanada politisch korrekt heißen und der „Native Americans“, so die US-Bezeichnung, auch die Pop-Kultur mitbekommen, ist die Frage, wie weit moderne Erzählungen nicht verfärbt sind.
Für westliche Forscher ist hier ein Problem, dass in den Mythen dieser Völker nicht immer klar zwischen physischer und geistiger Welt unterschieden wird und die Wesen ihre Erscheinungsform auch wechseln können. Die meisten Erzählungen stammen aus den Bereichen zwischen San Francisco und Vancouver, dort wirken sie auch am physischsten. Je weiter man sich von dort entfernt, desto stärker setzt sich der transzendentale Charakter durch. In den Wüstengegenden im Süden tritt er quasi nicht mehr physisch auf.

 

Es läuft also darauf hinaus, dass es sich beim Sasquatch um ein zur Debatte stehendes, reales Wesen handelt, während bei Bigfoot eine Mischung aus Kryptid, moderner Folklore, Touristenspaß und Popkultur mitspielt.

 

Was könnte der Sasquatch sein?

Alle Beobachtungen zu Sasquatch und Bigfoot sprechen immer von einem zweibeinigen Wesen. Die einzigen Säugetiere, die zu echten Zweibeinern wurden, sind einige wenige Arten unter den Primaten[i]. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bär oder ein Huftier Zweibeinigkeit entwickelt hat und dies nur in dieser einen Spezies zeigt, ist extrem gering.

 

Blick über Redwood-Wälder mit tiefhängenden Wolken
Abends hört man aus den Redwood-Wäldern oft unheimliche Rufe und Trommeln. Nur ein Tier?

 

Falls er existiert, ist der Sasquatch ein Primat, vermutlich ein großer Menschenaffe im engeren Sinn. Die Identifikation des Sasquatch mit einer fossilen Menschenaffenart ist nicht möglich. Die Menschenartigen unter den Menschenaffen sind die einzigen echten Zweibeiner und bis auf den illusiven Meganthropus ist Homo sapiens die größte Art. Der Sasquatch wird aber als deutlich größer und wesentlich schwerer beschrieben.

Keinerlei Fossilüberlieferung – nirgendwo

Hinzu kommt, dass es vom gesamten amerikanischen Doppelkontinent keinerlei Hinweise auf einen fossilen Menschenaffen oder eine fossile Menschenart gibt. Selbst wenn man asiatische Arten heranzieht und einen Weg aus den Tropen durch die Wüste Gobi oder die chinesischen Flusslandschaften in die Tundra an der Eisgrenze über Beringia postuliert, wird die Sache nicht solider. Alle Menschenaffen außer dem Jetztmenschen sind tropisch. Soweit bekannt waren auch die fossilen Formen alle an tropische Wälder gebunden, bis auf den Zweig, der auch zum Jetztmenschen führt.

 

Bering-Landbrücke
ungefährer Küstenverlauf um Beringia: hellbrün: nur bei maximaler Vereisung trocken, mittelgrün: bei mittlerer Vereisung trocken, braun: heutiges Land

 

Fall sich der Vorfahre des Sasquatch in Asien entwickelt hat und über Beringia nach Amerika gekommen ist, muss das zwischen 140.000 und 11.000 Jahren vor heute passiert sein. Eine solche Wanderbewegung läuft in der Regel nur mit wenigen Kilometern pro Generation ab. Daher muss es zu Beginn der letzten Kaltzeit im Nordosten Sibiriens einen großen, zweibeinigen Menschenaffen gegeben haben. Heute gibt es keinerlei Spuren von ihm, weder in den Geschichten der Ureinwohner noch subfossil oder im Permafrostboden.

 

Autökologie eines Kryptids

Die nächste Frage ist, ob diese Wälder eine Population dieser Wesen ernähren kann. Oberflächlich müssten sie in Konkurrenz zu den beiden Großbären-Arten treten. Das hat der Jetztmensch in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes geschafft, auch einige ältere Homo-Arten waren da erfolgreich, bei extrem geringer Siedlungsdichte. Wie weit eine Überwinterung im Norden des Verbreitungsgebietes schwierig ist und ob es Wanderungen gibt, kann niemand sagen.

 

Portrait eines Modells eines älteren Neanderthaler-Mannes
Der Neandertaler konnte sich gegen Bären durchsetzen, sie aber nicht verdrängen, da seine Population zu klein war.

 

Aussagen zur Ernährung der Sasquatches sind schwierig. Fasst man die Berichte zusammen, muss es sich um einen Allesfresser handeln, der sich hauptsächlich pflanzlich ernährt. Obst, Wurzelknollen, Blätter, aber auch Pilze und Wirbellose scheinen den größten Teil seines Speiseplans auszumachen. Es gibt Berichte, dass diese Wesen Nachts Nahrung wie Tang und Muscheln am Strand sammeln. Die Jagd scheint selten zu sein, aber gelegentlich vorzukommen.

 

Die Spurenlage

Was die Spuren angeht, ist die Lage uneinheitlich. Es gibt zweieinhalb Filmsequenzen, die bisher unwidersprochen sind, dazu kommen einige hunderttausend Fußabdrücke, Handspuren und sehr seltene Zahnabdrücke. Kein einziges Foto und keine Haarprobe haben bisher wissenschaftlichen Untersuchungen standgehalten. Die meisten Fußspuren wurden von Menschen berichtet, die – sagen wir mal – unzuverlässige Beobachter sind und in anderen Bereichen der Kryptozoologie sogar der Fälschung überführt wurden.

 

Bigfoot - der Name kommt nach den Fußabdrücken
Diese Fußabgüsse ließen den Namen Bigfoot entstehen (Screenshot aus einer ZDF-Dokumentation)

 

Das FBI eröffnet das Spiel

Haarproben wurden immer mal wieder untersucht. Die erste Untersuchung stammt aus dem Jahr 1977 und wurde von niemand geringerem als der amerikanischen Bundespolizei FBI durchgeführt. Sie konnte ein vom „Bigfoot Information Center“ zugesandtes Stück Haut mit Haaren als „aus der Familie der Hirsche stammend“ identifizieren. Wir berichteten.

 

Melba Ketchum passt

2013 versuchte die Genetikerin Melba Ketchum sich an einer ganzen Reihe von Haarproben mit dem Ziel, ihre Arbeit in einer wissenschaftlichen Zeitschrift mit Peer Review zu veröffentlichen. Die Arbeit war mit handwerklichen Fehlern überhäuft, auch formal konnte man sich nicht an die Regeln einer wissenschaftlichen Publikation halten und die Schlussfolgerungen waren hahnebüchen. So konnte sie die Arbeit durch keinen Peer-review-Prozess bringen und gründete deswegen ihre eigene „wissenschaftliche Zeitschrift“. Einen Beweis für die Existenz von nicht-menschlichen Hominiden in Nordamerika hat sie jedenfalls nicht führen können.

 

Die Szene witterte damals eine Verschwörung der Wissenschaft gegen die Kryptozoologie, da die Arbeit nicht anerkannt wurde.

 

Die Wissenschaft erhöht

Bereits im folgenden Jahr, 2014, wurde die nächste Haaranalyse veröffentlicht. Wissenschaftler aus Lausanne und Oxford gaben 2012 eine Pressemeldung heraus, dass man Haarproben von möglichen Wildhominiden sammele. Sie bekamen 57 Proben aus Museen und Privatsammlungen zugeschickt. Davon waren 2 Proben Komplettfälschungen, 37 waren für eine genetische Untersuchung geeignet. Bei dieser Untersuchung wurden Gensequenzen von unterschiedlichen Bärenarten, Pferden, Rindern, Tapiren, Mensch, Wolf, Kojote und Hirschen entdeckt, jedoch nichts, was auf einen unbekannten Hominiden hindeutete. Unerwarteter Nebeneffekt: Die Wissenschaftler entdeckten Gensequenzen einer bisher unbekannten, archaischen Braunbären-Unterart aus dem Himalaya, die mit dem Eisbären näher verwandt ist, als mit den anderen modernen Braunbären-Unterarten. Wir berichteten ebenfalls über diese Arbeit.

 

… doch niemand hat das Spiel bisher beendet.

 

Zweieinhalb Filme

Obwohl kein Foto eines Bigfoots einer näheren Untersuchung standhielt, gibt es ungefähr zweieinhalb Filmsequenzen, deren Echtheit bisher unwiderlegt ist.

 

Der Patterson-Gimlin-Film

Die älteste nennt sich Patterson-Gimlin-Film nach den Beobachtern und stammt aus dem Jahr 1967. Sie stammt aus dem Bereich des Bluff Creek, im kalifornischen Del Norte County, also dort, wo am wahrscheinlichsten mit einem Sasquatch zu rechnen ist. Er zeigt ein etwa 1,8 bis 2 m großes Wesen, das sicher auf zwei Beinen über eine Kiesbank am Ufer des Baches läuft. Der Film beginnt verwackelt, weil Patterson zunächst mit laufender Kamera hinter dem Wesen herläuft. Das Wesen bewegt sich zügig, aber nicht rennend von ihm weg in Richtung einer Baumgruppe, erscheint dann aber kurz wieder. Es ist mit dunklem Fell bedeckt und zeigt deutliche Brüste, ist also ein Weibchen.
Nach der Begegnung kamen die beiden Beobachter noch einmal zurück und fertigten zwei Gipsabgüsse von Fußabdrücken an.

 

 

Die Playboy-Footage

Die zweite Filmsequenz ist 1995 ebenfalls im Norden Kaliforniens entstanden. Sie ist in der Entstehung und Inhalt kaum an Skurrilität zu überbieten. Eine Filmcrew war mit dem Playmate Ann Marie Goddard in den Redwood-Wäldern unterwegs. Sie hatten ihre Szenen abgedreht und wollten noch ein wenig Füllmaterial drehen. Dabei verfuhren sie sich in eine einspurige Straße bei Crescent City, die auf eine Sandbank des Mill Creek führt. Die Stimmung im Auto war sehr gut, laute Musik lief und ein Hi8-Camcorder zeichnete die langsam dunkler werdenden Wälder durch die Windschutzscheibe auf. Die Crew-Geräusche deuten darauf hin, dass bereits ordentlich Alkohol geflossen war. Auf einmal zeigte sich ein etwa 2,1 m großes Wesen, das aus dem Wald heraustrat, im Scheinwerferlicht des Wohnmobils. Es überquerte die Straße im Scheinwerferlicht und verschwand wieder im Wald. Bemerkenswert dabei: Es hatte eine sichtbare Erektion.

Durch die frühe digitale Aufzeichnung (Hi8) ist die Qualität nicht sehr hoch. Viel ist auf dem Video nicht zu erkennen, die „verbesserte“ Youtube-Version leidet zudem noch daran, dass hier mehrfach die selbe Sequenz gezeigt wird, ohne jede Erklärung. Die schlechte Qualität macht zudem jede Bewertung unmöglich.

 

 

 

Die Cass River Footage

Die dritte Filmsequenz ist neueren Datums. Im Mai 2021 erntstand eine Sequenz am Cass River in Michigan, 120 km nördlich von Detroit. Das Video ist nur 4,7 Sekunden lang, stammt von der Dashcam eines Kanuten und zeigt eine rotbraun behaarte Gestalt, die durch (für sie) oberschenkelhohes Wasser watet. Sie rotiert dabei intensiv mit dem Oberkörper und wirkt, als würde sie auf der körperlinken, vom Filmer abgewandten Seite etwas schweres tragen.
Dieses Video steht bisher auch ohne den Beleg einer Fälschung im Raum. Allerdings ist nur eine komprimierte Version veröffentlicht worden, angeblich aus technischen Gründen.

 

 

Was fehlt

Bisher fehlt jeder physische Beweis für einen Sasquatch. Wenn man eine kleine Population von 3000 Individuen voraussetzt und eine lange Lebenserwartung von 60 Jahren annimmt, müsste es jedes Jahr 50 Bigfoot-Kadaver geben. Kein einziger ist je aufgetaucht. Nicht ein Knochen wurde bei Straßenarbeiten, nach Überschwemmungen oder zwischen den Wurzeln umgestürzter Bäume entdeckt. Selbst wenn man bedenkt, dass hügeliges Gelände und saurer Waldboden Knochen nicht lange bestehen lassen, irgendwas müsste doch mal aufgetaucht sein. Aber es gibt: Nichts.

 

Roadkill ist in den USA häufig. Gerade die vergleichsweise schweren Holzlaster in den Bigfoot-Wäldern weichen Wildtieren nicht aus, plötzliche Richtungswechsel sind mit den Ungetümen riskanter, als einen Bären mitzunehmen. Hier wäre also zumindest gelegentlich mal ein Unfall zu erwarten, dem ein Bigfoot zum Opfer fällt. Auch hier bleibt die Zahl der Kadaver bei null.

 

Als im Jahr 1980 der Mount St. Helens mitten im Sasquatch-Gebiet ausbrach, fanden die Aufräumtrupps später verkohlte Kadaver aller dort vorkommenden Großtiere. Neben toten Haus- und Nutztieren fanden sie vor allem Hirsche, Bären und sogar Pumas. Es gab keinen einzigen Bigfoot-Kadaver, aber Verschwörungstheorien.

 

In den letzten Jahren gibt es in den Wäldern des pazifischen Nordens vermehrt Waldbrände in Folge einer allgemeinen Trockenheit. Es brennt großflächig mitten im Sasquatch-Land, mit der Folge, dass alle möglichen Kadaver auftauchen, aber wieder keine von irgendwelchen Wildhominiden.

 

Diese Katastrophen sind „wunderbare“ Gelegenheiten, an entsprechende Kadaver zu kommen. Aber es gibt sie nicht.

 

Probleme mit der Glaubhaftigkeit wichtiger Zeugen

Zahlreiche, sogar „klassische“ Beobachtungsberichte lassen sich relativ einfach als Fälschungen entlarven. Da wollen Leute einen Bigfoot hinter einer Leitplanke gesehen haben, wo die Straßen über viele Kilometer keine Leitplanken haben. In einem anderen Bericht soll ein Bigfoot im Scheinwerferlicht gelegen haben, im August um 20 Uhr, wenn es taghell ist.

 

Ein Großteil aller Fußabdrücke wurden durch Paul Freeman dokumentiert, der am Ende als Fälscher in die Geschichte einging. „Seine“ Fußabdrücke stellten sich alle als Fälschung heraus.

 

Ähnlich ist die Story um einen Blogger zu sehen, der „auf einmal“ einen Bigfoot-Schädel aus dem Wald kramte. Wir konnten die Sache schnell als bewusste Fälschung entlarven.


[i] Man könnte bei einigen Kängurus ebenfalls Zweibeinigkeit vermuten. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall, in Ruhe nutzen sie alle vier Beine und den Schwanz als fünftes Bein zusätzlich.