Das Seemonster von El Medano – Nachträge

Lesedauer: etwa 4 Minuten
image_pdfimage_print

Der Artikel „Das Seemonster von El Médano, 1935“ von Markus Hemmler hat viel Resonanz hervorgerufen. In den sozialen Medien, aber auch auf anderem Wege bekamen Autor und Redaktion einige Rückmeldungen und Ergänzungen, die wir den Lesern ungerne vorenthalten wollen.

Das Seemonster

1935 wurde auf der Kanareninsel Teneriffa ein Schädel eines Wales angespült, den Markus Hemmler als Schädel eines jungen Pottwales identifiziert hat. Dieser Schädel war bereits in dem Jahr eine kleine Sensation, über die auch überregionale Zeitungen berichtet haben.

 

Schädel des Seemonsters von Medano
Der Schädel des Seemonsters von El Medano

Die weitere Entwicklung

Der Facebook-User El Medano hat dort ein weiteres Bild gepostet. Es zeigt einen erwachsenen Mann in Freizeitkleidung, der neben dem Schädel steht und einen Unterkieferast hochhält. Der Schädel ruht noch auf dem Hinterkopf, im Kiefer fehlen alle Zähne. Laut Aussage des Users stammt es vom Großvater einer Freundin aus Medano, ebenfalls von 1935.

Vergleicht man die Vegetation und das bisschen Umgebung, das die Fotos zeigen, könnten sie am selben Ort aufgenommen sein.

Schädel und Unterkiefer des Seemonsters von El Medano
Ein Mann hält einen Unterkieferast des Seemonsters – und dient gleichzeitig als Größenvergleich. Ist das Antonio Cabrera Diaz?

Tatsächlich ins Museum!

Einige Zeitungen schreiben, dass ein Forscher namens Antonio Cabrera Diaz Teile des Skelettes mitnahm. Manuela Rodríguez Cabrera, Biologin an der IES Canarias Cabrera Pinto bestätigt, dass einige Knochen und Zähne des „Seemonsters“ von 1935 in der Sammlung der IES vorhanden sind. Sie schreibt hierzu:

 

Was die Knochen erzählen:

Der Oberkiefer und die konischen Zähne weisen darauf hin, dass die Überreste von einem Pottwal Physeter macrocephalus stammen.

Der Schädel ist 3,5 m lang, das Tier hat 10,5 m gemessen.

Aus der Untersuchung der Wachstumsschichten der Zähne folgt, dass das Tier erwachsen war.

Die vollständig geschlossene Bandscheibe zeigt ebenfalls einen abgeschlossenen Wachstumsprozess an.

Männliche, erwachsene Pottwale erreichen 16 bis 20,5 m Länge. Unser Exemplar misst 10,5 m. Daher stammen die Überreste von einem erwachsenen, weiblichen Pottwal.

 

 

Manuela Rodriguez Cabrera berichtet weiter:

 

 

Im August 1935 hat die Marine im Süden Teneriffas ein „Gemetzel“ durchgeführt, um den Pottwal und andere schädliche Fische auszulöschen, die beim Fischen Chaos anrichten“. Dies wurde in der Gaceta de Tenerife am 24. August 1935 veröffentlicht.

 

 

Wir, die Redaktion, halten diesen Zusammenhang für unwahrscheinlich. Wenn die Marine im August Pottwale mit Kriegsschiffen bekämpft hat, dann ist es durchaus möglich, dass am 9. August Pottwale strandeten. Dies ist aber maximal 9 Tage, kaum eineinhalb Wochen seit dem Manöver her. In dieser Zeit verwest kein Pottwalkadaver so weit, dass er frei von sich zersetzenden, schleimigen und stinkenden Geweberesten ist. Das wiederum dürfte die Voraussetzung sein, eine Strandschönheit, wie auf dem ersten Bild dieses Artikels, auf ihm zu platzieren.

Wahrscheinlicher ist, dass der Walschädel einige Monate im Wasser gelegen hat, wo Fische, Krebse und zahlreiche andere Tiere an ihm fressen konnten. Anschließend ist er an Land in der Sonne getrocknet und hat vermutlich die letzten Weichgewebereste durch den Sandstrahleffekt an der Düne verloren.

Ein weiterer Schädel?

Im Hauptartikel wurde auch eine Zeitungsmeldung der ABC de Sevilla vom 22. August 1935 zitiert. Wir konnten aus diesem Artikel nur den Ausschnitt eines Fotos abbilden, jetzt haben wir auch das gesamte Bild bekommen.

Wieder ein Pottwalschädel
Ist das derselbe Pottwalschädel?

Das Foto bzw. die Datei ist sehr schlecht. Sie wurde ursprünglich mal in reiner s/w-Pixelgrafik, nicht einmal in Graustufen gespeichert und seit dem mindestens einmal weiterverarbeitet. Bei jedem Verarbeitungsprozess gehen Informationen verloren.
Wir haben dennoch den Eindruck, es handelt sich um einen anderen Schädel. Hier sind beide Unterkieferäste erhalten, er wirkt nicht so vollständig entfleischt, wie der Schädel oben. Auch die Gegend scheint anders zu sein, was aber aufgrund der Bildqualität kaum sicher zu sagen ist.


Literatur

anonymus (1935). -. ABC de Sevilla (Madrid), 22 August.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.