Nachdem die australische Öffentlichkeit gerade durch vier Haiangriffe aufgewühlt ist, kommt nun die Meldung, dass eine 19jährige Kanadierin möglicherweise durch Dingos getötet wurde. Die junge Frau, deren Namen – anders als in Australien üblich – noch nicht veröffentlicht wurde, wurde am Montagmorgen (19.01.2026) an einem Strand der Insel K’gari (Fraser Island) gefunden. Ihre Leiche wurde von zwei Männern entdeckt, die eine Gruppe von etwa zehn Dingos um sie herum sahen, berichtete der Polizeibeamter Paul Algie gegenüber den Medienvertretern.
„Ich kann bestätigen, dass ihr Körper Spuren aufwies, die darauf hindeuten, dass sie Kontakt mit Dingos hatte und mit ihnen interagiert hat“, sagte er. (wörtlich: “I can confirm there was markings on her body consistent with having been touched and interfered with by the dingoes,”)
Algie erklärte, es sei noch zu früh, um die Todesursache zu bestätigen, und es sei auch möglich, dass die Frau beim Schwimmen vor K’gari, der größten Sandinsel der Welt, ertrunken sei. Ihre Leiche wurde in der Nähe des Maheno-Schiffswracks gefunden, einer beliebten Touristenattraktion. Das Schwimmen hier gilt aufgrund starker Strömungen als lebensgefährlich. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Frau, die seit etwa sechs Wochen in einer Touristenunterkunft auf der Insel gearbeitet hatte, zum Zeitpunkt ihres Todes krank gewesen sei, sagte Algie. Die Todesursache soll bis Mittwoch geklärt sein.
„Sie war eine junge, gesunde Kanadierin, die die Reise ihres Lebens genoss und in einer wunderschönen Gegend der Welt arbeitete“, sagte Algie. „Deshalb ist dies eine so tragische Situation.“

So entwickelt sich die Sache weiter
Die Autopsie bestätigte den Verdacht, die Kanadierin sei Opfer der Dingos geworden, nur teilweise. Die Autopsie ist noch nicht vollständig abgeschlossen, Ergebnisse pathologischer Untersuchungen fehlen noch, sie werden noch einige Wochen auf sich warten lassen. Dennoch wurde bereits Ertrinken als Todesursache veröffentlicht. Jedoch ist es wahrscheinlich, dass Piper James, so der Name der Kanadierin, noch lebte, als sie an den Strand der Insel gespült wurde: Einige Dingobisse wurden als „pre-mortem“, also vor dem Tod, interpretiert.
Die Autopsie hat physische Beweise ergeben, die auf Ertrinken und Verletzungen durch Dingobisse hindeuten. Die vor dem Tod entstandenen Dingobissspuren haben wahrscheinlich nicht zum sofortigen Tod geführt. Es gibt umfangreiche Dingobissspuren, die nach dem Tod entstanden sind. Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine andere Person an Piper James Tod beteiligt ist.
Coroners Court of Queensland
Die Polizei im Bundesstaat Queensland teilte zuvor mit, dass Piper James sich am frühen Morgen zum Schwimmen an einem Strand auf K’gari aufgemacht hatte, wo ihre Leiche umgeben von einer Gruppe Dingos gefunden wurde.
Es ist also davon auszugehen, dass die Kanadierin ertrank, möglicherweise bewusstlos oder sterbend angeschwemmt und dann von Dingos angefressen wurde.

Dingos, Fraser Island und Touristen

Frazer Island gilt mit 190 km² (etwa doppelt so groß wie Sylt) als die größte Sandinsel der Welt und Paradies für jede Art Wassersport. Die Insel an der Ostküste Australiens ist ein Touristenhotspot, heute ist sie nach jahrzehntelanger Nutzung für Holzeinschlag und Bergbau Weltnaturerbe und Nationalpark. Fraser Island erhielt 2023 ihren Aboriginal-Namen K’gari offiziell zurück. K’gari bedeutet recht passend „Paradies“.
Dingos gelten hier als Touristenattraktion, etwa 300 Tiere einer speziellen Form leben hier. Die Fraser-Island-Dingos gelten als besonders ursprünglich, da hier angeblich nie Hunde anderer Rassen eingekreuzt wurden, wie das auf dem Festland passierte. Biologisch ist dies trotz mehrerer Untersuchungen umstritten. Leider kommt es gelegentlich zu Unfällen, die meist auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Oft gehen Touristen davon aus, wilde Dingos wie fremde Haushunde behandeln zu können, füttern sie oder hinterlassen Essensreste. So verlieren Dingos die Vorsicht vor Menschen und reagieren auch schon einmal aggressiv, wenn sie keine Nahrung vorfinden.
Probleme und Unfälle mit Dingos sind auf K’gari mindestens seit den 1920er Jahren bekannt, als die Insel noch industriell abgeholzt wurde. Erst mit Aufkommen des Tourismus in den 1980ern wurden die Fälle dort akribischer dokumentiert. Mindestens einmal kam es dabei zu einem tödlichen Zwischenfall:
- Am 30. April 2001 wurde der neunjährige Clinton Gage bei Waddy Point auf Fraser Island von Dingos angegriffen und getötet. Danach wurden 31 Dingos getötet und die Präsenz von Rangern erhöht, so dass in der nächsten Zeit keine weiteren Vorfälle dokumentiert wurden.
- Im Juli 2023 attackierten Dingos eine Joggerin und bissen sie in Beine und Rumpf. Die Frau flüchtete ins Wasser, wohin sie die Dingos verfolgten. Sie wurde schwer verletzt mit einem Hubschrauber aufs Festland gebracht. In diesem Zusammenhang meldete das Umweltministerium zwischen 2018 und 2023 insgesamt 33 Angriffe von Dingos auf Fraser Island.
Der Umgang mit Dingos ist in Australien bestenfalls als divers zu bezeichnen. Leben sie in Naturschutzgebieten, sind sie als Dingo Teil des Naturerbes und streng geschützt. Überqueren sie die Grenze des Naturschutzgebietes und gelangen auf Schaf- oder Rinderfarmen, werden sie als „wild dogs“, also verwilderte Hunde bezeichnet und gnadenlos gejagt. Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass nahezu alle Tiere, die als „wild dogs“ getötet wurden, Dingos waren.
Erfolgreiche Paarungen zwischen verwilderten Haushunden und Dingos kommen selten vor. 87,1% aller Dingos haben an keinem von 195.000 untersuchten Allelen Haushund-DNA, weitere 6,5% haben mehr als 93% Dingo-DNA. Bei der oben genannten Studie fanden sie nur zwei Tiere, die weniger als 70% der Dingo-Merkmale im Genom aufwiesen.

