• Post Format Kurzmitteilung
  • Fronleichnam, heute keine News

    Der Sasquatch besucht Loch Ness, Cupacabra und Mothman haben gestern in Bielefeld richtig einen drauf gemacht und der Yowie chillt beim Barbeque mit dem Bunyip. Auch die News-Redaktion hat heute frei und ist -wie immer an solchen Tagen- auf Exkursion: auf der Suche nach spannenden Themen für euch.

    Wir wünschen allen Lesern einen schönen Tag, egal ob sie arbeiten müssen oder frei haben.

    Loch Ness mit einer Nessie-Stoffpuppe
    Dialog am Loch Ness: „Ich seh kein Monster“ – „guck mal, hier vorne“ – „Du spinnst, das ist doch kein Monster, das ist winzig klein und total freundlich“

  • Die Zombie-Schlange aus North Carolina

    Die Mitarbeiter der North Carolina State Park and Recreaction haben einige seltsame Bilder auf dem offiziellen Facebook-Account gepostet. Sie zeigen eine offensichtlich tote Schlange, die auf einmal wieder zum Leben erwacht – wie ein Zombie! Die Bilder gingen als „Zombie-Snake“ viral und um die Welt.

    Eine bekannte Art

    Schlange liegt auf dem Rücke im Gras
    Die Schlange spielt tot. oscarreif! Foto: North Carolina State Park and Recreational

    Die Schlange, Heterodon platirhinos, auf deutsch „Östliche Hakennasennatter“ erreicht etwa 70 cm Gesamtlänge und ist farblich sehr flexibel. Sie gehört zu den Nattern. Ihre Giftzähne stehen weit hinten, die Schlangen gelten als ungefährlich für den Menschen. Ihr Gift ist amphibienspezifisch, andere Tiere werden kaum betroffen. Im schlimmsten Fall kann bei allergischen Menschen nach einem Biss eine Schwellung auftreten. Tote sind nicht bekannt.

    Die Östliche Hakennasennatter ist im Osten Nordamerikas weit verbreitet. Im Süden beginnt die Verbreitung in Florida, im Norden endet sie erst in Ontario, Kanada. Die westlichen Verbreitungsgrenze liegt Kansas. Die Tiere werden in den USA und einigen weiteren Ländern als Terrarientiere gehandelt. Ihre Haltung ist jedoch schwierig, da die Schlange ein spezialisierter Amphibienfresser ist.

    Der Zombie

    Wenn Heterodon platirhinos bedroht wird, zeigt sie ein bemerkenswertes Verhalten. Sie flacht zunächst ihren Hals ab und richtet sich wie eine Kobra auf. Sie zischt und versucht, zuzustoßen, beißt aber nicht. Kann sie hierdurch einen möglichen Feind nicht vertreiben, rollt sie sich auf den Rücken und spielt tot. Die blasse Unterseite sowie die aus dem Maul heraushängende Zunge unterstreichen diesen Eindruck noch. Sie stößt ein faulig riechendes, moschusartiges Sekret aus der Kloake aus, das den Angreifer vertreiben soll.

    Ist die Bedrohung verschwunden, „erholt“ sie sich ganz schnell. Auch andere Arten der Gattung zeigen dieses Verhalten.

    Links:

    IfL-Science: „Zombie Snakes“ Found In The USA Are Going Viral

    heterodon.com: Bodenbewohnende Schlangen im Kübel

     


  • Heute vor 175 Jahren: das letzte Ei eines Riesenalkes wurde – zertreten

    Das Aussterben von Tierarten ist eine schlechte Nachricht fürs ökologische Netz. Dennoch registrieren wir es oft mit einem Kopfnicken und machen weiter, wie bisher. Doch anders als ein zerstörtes Kunstwerk oder eine abgebrannte Kathedrale ist eine Tierart nicht wieder herstellbar. Um so schlimmer, wenn sie im Wissen um ihre Verletzlichkeit ausgerottet wird.

    Gestatten: Pinguinus impennis, der Riesenalk

    Dermoplastik eines Riesenalkes
    Dermoplastik eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Der Riesenalk war etwa 70 bis 85 cm groß, deutlich größer als seine heute lebenden Verwandten. Wie bei den meisten Alken war sein Körper für das Schwimmen im Wasser optimiert: Die Beine sind extrem weit nach hinten gewandert, die Flügel waren kurz und taugten nicht zum Fliegen. Seine Oberseite war schwarz, die Bauchseite weiß, der Schnabel von mittlerer Länge, kräftig und ebenfalls schwarz. Bemerkenswert ist ein weißer Fleck auf der Stirn. Sie sahen einem mittelgroßen Pinguin recht ähnlich.
    So gewandt Riesenalken im Wasser gewesen sein müssen, dies erkauften sie mit nahezu vollständiger Hilflosigkeit an Land. Auch dies ist eine Parallele zu den Pinguinen.

    Riesenalke besiedelten einst vermutlich die Küstengewässer des gesamten Nordatlantiks. Knochenfunde kennt man aus den Neuengland-Staaten, Labrador, dem Westen Grönlands, Island, der gesamten Norwegischen Küste, den britischen Inseln, Dänemark, Holland und der Bretagne. Im Süden wurden sie seltener, aber es gibt auch Funde aus Florida, Italien, Südwesteuropa und Marokko. Vermutlich hielten sich die Vögel zum Brüten in den kalten Gewässern des Nordens auf. So konnten sie den Fischreichtum, aber auch die langen Tage im Sommer nutzen, um dann im Winter in wärmere Gefilde abzuwandern.
    Anders als die meisten Seevögel der Nordhalbkugel war der Riesenalk flugunfähig. Daher musste er seine Brut auf kleine, flache Inseln vor der Küste verlegen, die für Beutegreifer wie den Eisbären, aber auch Braunbären und Wölfe nicht erreichbar waren. Insgesamt sind nur 8 Brutkolonien sicher belegt, vermutlich gab es jedoch einige weitere, sehr kleine Tochterkolonien.

    Das Aussterben

    Die völlige Hilflosigkeit an Land, Riesenalke konnten nur langsam und unbeholfen laufen, ermöglichte es Vogelfängern, sie in Massen zu erlegen. Im 18. Jahrhundert begann dann die eigentliche Ausbeutung der Bestände: Menschen ließen sich auf den Brutinseln nieder, errichteten Trichter aus Steinwällen, die so hoch waren, dass die Alken nicht darüber sehen konnten. So war es möglich, die Tiere ähnlich wie beim Reusenfang in kleine Kammern zu treiben, sie dort zu sammeln und bei Bedarf zu „entnehmen“. Genutzt wurden zunächst die Daunen: die erschlagenen Vögel wurden blanchiert und gerupft, der Kadaver bildete den Brennstoff zum Erhitzen des Wassers.

    Bereits 1785 warnte der Händler und Abenteurer Kapitän George Cartwright vor dem Aussterben. Er hatte vermutlich die als erstes geplünderten Neufundländischen Populationen beobachtet. 1808 tauchte das letzte Mal ein Exemplar auf den Färöer-Inseln auf. 1830 existierte nur noch die Brutkolonie auf Geirfuglasker bei Island und eine winzige Tochterkolonie am Fuße der nahen Felseninsel Eldey. Als Geirfuglasker 1830 bei einem Vulkanausbruch völlig zerstört wurde, war die Art in finale Bedrängnis geraten.


    Lage von Eldey vor der Küste Islands

     

    Rolle der Vogelsammler und Museen

    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig
    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten war aus einem Vogel, der den gesamten Nordatlantik bewohnte eine extrem seltene Art geworden. Die Preise für Vogelbälge schossen in die Höhe, jeder Vogelsammler, der etwas auf sich hielt und jedes Museum „musste“ noch einen Balg bekommen, bevor die Art verschwunden war. An Schutz war nicht zu denken. Man ging landläufig davon aus, dass Gott keine seiner Schöpfungen aussterben ließe, auch wenn mahnende Stimmen etwas anderes, unbequemeres sagten (Das ist heute kaum anders!). Andererseits wäre ein Schutz-Gesetz auch nicht durchsetzbar gewesen. So wurden auf Eldey, dem letzten bekannten Brutplatz zwischen 1831 und 1844 noch eine zweistellige Zahl von Tieren erschlagen.
    Heute vor 175 Jahren, am Morgen des 3. Juni 1844 wurden die letzten beiden bekannten, brütenden Riesenalken von den Vogelsammlern Jón Brandsson und Sigurður Ísleifsson erwürgt. Das letzte Ei wurde aus unbekannten Gründen von Ketill Ketilson zertreten.

    Nachweise nach 1852

    Die letzte zuverlässig dokumentierte Sichtung eines Riesenalkes erfolgt 1852, seit dem gilt die Art als ausgestorben. Hierdurch bleiben zahlreiche Fragen zur Biologie der Vögel unbeantwortet. Unter anderem ist nicht bekannt, wie die überlieferte kurze Brutzeit und Nestzeit von nur 6 Wochen zur Aufzucht der Küken genutzt wurden. Nahmen sie die lange nicht ausgewachsenen und gemauserten Küken mit auf See? Wie ein Küken aussah, ist ebenfalls unbekannt. Der Natur fehlt der Riesenalk, er hinterlässt ein Loch im Netzwerk der Arten.

    Netzwerk-Mitglied Natale Guido Cincinnati hat eine große Zahl von Sichtungen nach 1852 zusammengetragen. Sein lesenswerter Artikel ist in einer der letzten Ausgaben des Kryptozoologie-Reportes erschienen. Er kann noch beim Thylacinus-Verlag bestellt werden.


  • Nachwuchs bei Riesenschlangen – ohne Männchen

    Das New England Aquarium in Boston (USA) kann die erfolgreiche Zucht der Großen Anakonda Eunectes murinus vermelden. Das ist auf den ersten Blick keine Meldung wert, vermehren diese Schlangen doch in Terrarien mehr oder weniger regelmäßig. Doch das New England Aquarium wollte genau das vermeiden, man setzte ausschließlich Weibchen in das Ausstellungsterrarium.

    Jungfernzeugung

    Das New England Aquarium
    Das New England Aquarium ist eines der rennomiertesten Aquarienhäusern der USA (Foto: NEA)

    Bereits im Winter entdeckten Aquarium-Mitarbeiter neu geborene Schlangen in der Regenwald-Ausstellung. Biologen beobachteten die 8jährige Anna, eine etwa 3 m lange Ananonda bei der Geburt. Sie brachte weitere Junge zur Welt, von denen die meisten tot geboren wurden. Das ist bei Parthenogenese bei Wirbeltieren die Regel. Drei Jungtiere überlebten zunächst. Ein Junges starb einige Tage später. Die beiden verbleibenden Jungschlangen entwickeln sich gut.

    Die Tierärzte des Aquariums vermuteten sofort Parthenogenese, aber mussten noch einiges an Detektivarbeit leisten, um andere Möglichkeiten auszuschließen. So wurden die anderen Schlangen in der Ausstellung untersucht, um das Geschlecht sicher zu diagnostizieren. Auch Samenspeicherung durch Anna mussten die Tierärzte ausschließen. Annas Lebensgeschichte ist gut dokumentiert. Sie kam von einem zertifizierten Reptilienzüchterverband als Jungtier ins New England Aquarium und hatte nie Kontakt zu geschlechtsreifen Männchen.

    Dennoch ließ das Aquarium einen DNA-Test durchführen, dieser bestätigte die Parthenogenese. Nach einem Fall aus dem Jahr 2014 im Vereinigten Königreich ist dies die zweite bekannte Jungferngeburt einer Großen Anakonda in einem Zoo oder Aquarium. Die Jungschlangen sind noch hinter den Kulissen untergebracht.

    Parthenogenese ist bei Wirbeltieren selten

    Großes Riffbecken
    Das New England Aquarium ist für sein zylinderförmiges Riffaquarium bekannt, hat aber zahlreiche Ausstellungsthemen zu bieten (Foto NEA)

    Bei zahlreichen Wirbellosen ist Parthenogenese die Hauptform der Vermehrung, vor allem dann, wenn schnelle Vervielfältigung gefragt ist. Typisch ist das für Wasserflöhe oder Blattläuse. Bei Wirbeltieren kommt Jungfernzeugung weitaus seltener vor, jedoch häufiger, als oft angenommen. Bei Fischen gibt es rein parthenogenetische Arten, die nur Weibchen ausbilden. Einige von ihnen bedienen sich dann Männchen anderer Arten, deren Spermien die Entwicklung der Eier anstoßen, ohne selbst beteiligt zu sein. Wie viele Arten der Knochenfische auf diese oder andere Weise Parthenogenese praktizieren, ist unbekannt.

    Unter den Haien gibt es fünf Arten, für die Jungfernzeugung nachgewiesen wurde, bei den Rochen mindestens eine Art. Einige Reptilienarten verfügen ebenfalls über die Option, unter anderem der Komodowaran. Bei Schlangen ist Parthenogenese bisher bei vier Arten bekannt geworden, unter anderem die Blumentopfschlange Indotyphlops braminus, die sich rein parthenogenetisch fortpflanzt und ein triploides Genom hat. Die Große Anakonda ist damit die fünfte Schlangenart, die diese Fähigkeit besitzt.

    Bei den „höheren Wirbeltieren“, Vögeln und Säugetieren kennt man Jungfernzeugung nur vom Truthuhn. Es soll einen Einzelfall bei Säugetieren gegeben haben, der ist aber etwa 2019 Jahre her und nicht nach wissenschaftlichem Standard dokumentiert.

    Große Anakonda
    Die Große Anakonda ist eine der größten Schlangen der Welt. Dies ist das zweite Mal, dass bei ihr Parthenogenese nachgewiesen wurde. (Foto: NEA)

    Die Große Anakonda

    Die Große Anakonda, Eunectes murinus, aus der Familie der Boas kommt in den Regenwaldgebieten Südamerikas vor. Sie ist eng ans Wasser gebunden und besiedelt größere Gewässer aller Art. Eunectes murinus gehört zu den größten Schlangen der Welt, auch heute noch werden regelmäßig Exemplare von mehr als 5 m vermessen. Maximalgrößen lassen sich naturgemäß schwierig ermitteln. Die längste bekannte, präparierte Haut erreicht 8,9 m, ist aber vermutlich während der Präparation gestreckt worden. Ein im Rahmen einer Studie in Venezuela gefangenes Weibchen erreichte eine Länge von 5,17 m und ein Gewicht von 97,5 kg. Nimmt man das als Basis, würde eine 8,9 m lange Schlange knapp 500 kg wiegen.

    Große Anakondas ernähren sich von einem weiten Spektrum an kleinen bis mittelgroßen Wirbeltieren, von Fischen über andere Reptilien, Vögel und Säugetiere. Die kleineren Männchen bevorzugen ihr Leben lang Vögel, Weibchen favorisieren nach der Geschlechtsreife Säugetiere.

    In englischsprachigen Berichten hierzu wird von der „green anaconda“ gesprochen. Damit ist die selbe Art gemeint.

    Links

    New England Aquarium

    Blogbeitrag des New England Aquariums zur Parthenogenese bei Anna.


  • Tigerhaie und Vögel

    Dass Vögel Fische fressen, ist allgemein bekannt. Der Fischadler trägt seinen Namen von dieser Ernährungsform, Haubentaucher, Gänsesäger, Graureiher und vor allem Kormorane kommen regelmäßig in die Schlagzeilen, wenn sich Angler über die „Konkurrenz“ beschweren. Doch der umgekehrte Fall: Fische fressen Vögel, kommt eher selten vor.

    Junger Tigerhai
    Juveniler Tigerhai, Foto von Albert Kok, Creative Commons 3.0

    Wissenschaftler um Marcus Drymon von der Mississippi State University haben nun herausgefunden, dass gerade junge Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) eine unerwartete Nahrungsquelle haben: sie fressen oft Landvögel. Die Wissenschaftler untersuchten Tigerhaie, die sie in einer Langzeitstudie an der Küste der US-Bundesstaaten Mississippi und Alabama zwischen 2010 und 2018 fingen. Um herauszufinden, was die Tiere gefressen haben, haben sie den Fischen ein Rohr durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt und den Magen mit Wasser ausgespült. Der Hai wurde dabei nicht weiter verletzt, als durch den Fang.

    Wissenschaftler spülen den Magen eines jungen Tigerhais
    Ein junger Tigerhai nimmt an der Studie teil und bekommt den Magen ausgespült.
    Er wird das Boot ohne größere Verletzungen, dafür sehr hungrig verlassen.

    In den Mageninhalten von 105 untersuchten Tieren fanden sich bei 41 Fischen Reste von Vögeln. Insgesamt konnten die Wissenschaftler anhand von Federn, Schnäbeln und Krallen elf verschiedene Vogelarten feststellen. Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass zehn der elf Arten Landvögel waren und eine Art als reiner Bewohner von Süßgewässern gilt. Reste von Seevögeln hatte kein Hai im Magen.

    Amerikanische und deutsche Namen

    Bei der Aufzählung der einzelnen Arten besteht ein Namensproblem. Viele der amerikanischen Kleinvögel haben keine eingebürgerten deutschen Namen, daher schreiben wir die deutschen Namen nach dem üblichen englischsprachigen Namen in Klammern. Bei Arten, die einen bekannten deutschen Namen tragen, steht nur dieser dort. Der wissenschaftliche Name wird immer aufgeführt:

    Brown Thrasher (Rotrücken-Spottdrossel), Toxostoma rufum Rauchschwalbe,
    Hirundo rustica
    Eastern Kingbird (Königstyrann),
    Tyrannus tyrannus
    House Wren (Hauszaunkönig),
    Troglodytes aedon
    Common Yellowthroat (Weiden-Gelbkehlchen),
    Geothlypis trichas
    Marsh Wren (Sumpf-Zaunkönig),
    Cistorthorus palustris
    Eastern Meadowlark (Lerchenstärling),
    Sturnella magna
    Swamp Sparrow (Sumpfammer),
    Melospiza georgiana
    American Coot (Amerikanisches Blässhuhn),
    Fulica americana

    Für die White winged Dove, (Weißflügeltaube) Zenaida asiatica, und den Yellow-bellied Sapsucker (Gelbbauch-Saftlecker, ein Specht), Sphyrapicus varius, liegen uns keine Fotos vor.

    „Es waren ausschließlich Landvögel“

    Dies sei der erste Nachweis, dass Tigerhaie Vögel fressen, die vorrangig an Land leben, so Kevin Feldheim vom Field Museum in Chicago. „Darunter war nicht eine Möwe, kein Pelikan, Kormoran oder sonstiger Meeresvogel“, erzählt Drymon. „Es waren ausschließlich Landvögel – die Sorte, die in Ihrem Garten wohnt.“ Feldman ergänzt: Die Haie sind Opportunisten. Sie fressen diese Tiere zur Zeit des Vogelzugs. Die meisten Landvögel fallen den Haien im Herbst und im Frühling zum Opfer. „Während ihrer Wanderung sind die Vögel erschöpft, sie werden müde oder fallen beispielsweise bei einem Sturm ins Meer“, sagt Feldheim.

    Oft nur genetischer Nachweis möglich

    Die Muskulatur, Eingeweide und Knochen der Vögel werden in den leistungsfähigen Mägen der Tigerhaie schnell verdaut und stehen daher kaum für Untersuchungen zur Verfügung. Federn, Schnäbel und Krallen überdauern länger. Daher wurden hauptsächlich diese keratinösen Bestandteile der Vögel untersucht. Zur genauen Bestimmung mussten die Wissenschaftler dennoch oft genetische Methoden heranziehen. Vermutlich hätte auch ein klassischer Ornithologe helfen können, aber die sind mittlerweile leider vom Aussterben bedroht.

    Haben Haie denn eine Vorliebe für Vögel?

    Die Deutsche Presse Agentur schließt aus der Untersuchung, dass Haie eine besondere Vorliebe für Vögel haben. Viele deutschsprachige Medien haben diese Aussage von der dpa übernommen. Die Redaktion des NfK sieht dies kritischer. Bei 40% der Fische wurden Vogelreste im Magen gefunden, in den meisten Fällen die oben genannten Schnäbel, Krallen und Federn. Da sie im Magen lange überdauern, viel länger als Fische oder Krebstiere, lässt sich aus den punktuellen Fängen keine Vorliebe ableiten.
    Wesentlich interessanter ist aber die Frage, warum keine Reste von Meeresvögeln in den Mägen der Haie gefunden wurden. Sie dürften leicht zu erbeuten sein, wenn sie auf dem Wasser ruhen oder nach Fischen tauchen. Die Haie tun es dennoch so gut wie nie. Warum?

    Andere vogelfressende Fische

    Auch hier treten wieder Tierhaie auf, aber diesmal ausgewachsene und im Pazifik. Vor der Hawaii-Insel Laysan, auf der der Laysan-Albatros brütet, sammeln sich jedes Jahr Tigerhaie. Sie warten auf Jungvögel, die bei ihren ersten Flugversuchen in der Lagune vor der Insel landen. Die National Geographic hat hierzu ein eindrucksvolles Video produziert:

    Die BBC hat in ihrer Produktion Blue Planet II beobachtet, wie Riesen-Stachelmakrelen, Carax ignobilis, Jagd auf junge Seeschwalben machen. Sie springen dabei sogar aus dem Wasser, um ihre Beute zu erreichen.
    Stachelmakrelen gehören zu den cleversten Jägern unter den Knochenfischen. Sie nutzen unter anderem Haie als Deckung bei der Jagd und verfolgen Mönchsrobben, denen sie buchstäblich die Beute aus dem Maul stehlen können.

    Im Jahr 2014 konnten Wissenschaftler aus Südafrika dokumentieren, dass Tigersalmler Hydrocynus vittatus in der Lage sind, im Sprung Rauchschwalben über der Wasseroberfläche zu erbeuten. Leider sind die Aufnahmen qualitativ nicht mit denen der BBC vergleichbar.

     

    Beim Europäischen Wels oder Waller Silurus glanis kennt man Populationen, die Tauben fangen, hauptsächlich aus Großstädten in Frankreich und Spanien. Hier kommen die Welse ursprünglich nicht vor und müssen sich offenbar ungewohnte Nahrungsquellen erschließen:

     

    Tauchende Vögel scheinen auch gelegentlich Raubfischen zum Opfer zu fallen. Bei Hechten ist das bekannt, Markus Bühler hat das auch bei Seeteufeln dokumentiert.


    Quellen:

    Originalpublikation: Drymon, J.M., Feldheim, K. et al., 2019: Tiger sharks eat songbirds: scavenging a windfall of nutrients from the sky; The Scientific Naturalist; https://doi.org/10.1002/ecy.2728; Abstract: hier

    Field Museum Press Release: Baby tiger sharks eat songbirds