Wolfgang Schleidt (*18.12.1927 in Wien) ist tot. Schleidt war als Forscher auf dem Gebiet der klassischen Verhaltensforschung bekannt, die er um die Bioakustik erweiterte. Später publizierte er auch in anderen Bereichen der Biologie.
Schleidt wurde in Wien geboren und wuchs dort auf. Im Alter von 16 Jahren wurde er 1944 zur Wehrmacht eingezogen. In den letzten Kriegstagen 1945 verletzte eine Explosion seine linke Hand verletzte und machte das angestrebte Medizinstudium unmöglich. Auch sein Gehör war dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen. Ungewöhnlich war, dass hierbei die tiefen Töne betroffen waren. Üblicherweise beginnt eine Hörschwäche im Bereich der Hochtöne. Schleidt konnte statt dessen hohe Töne besonders gut wahrnehmen und sogar Frequenzen hören, die für die meisten Menschen nicht erfassbar sind: den nahen Ultraschall.
Nach Ende des Krieges begann Wolfgang Schleidt in Wien Zoologie und Anthropologie zu studieren und wurde zu einem der ersten Mitarbeiter der neu gegründeten Biologischen Station Wilhelminenburg. Dabei entdeckte er durch Zufall, dass Mäuse untereinander in extrem hohen Tönen kommunizieren. Seine Dissertation schrieb Wolfgang Schleidt dann über angeborenen Auslösemechanismen in der Kommunikation zwischen Müttern und ihren Neugeborenen, unter anderem an Rötelmäusen. Ein wesentlicher Teil der Arbeit war die Ultraschall-Kommunikation der Nager.
Nachdem Konrad Lorenz aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, baute Wolfgang Schleidt zunächst unbezahlt mit ihm das erste zoologische Institut auf. 1950 wurde er wissenschaftlicher Assistent bei Lorenz, wieder war der Aufbau eines Instituts seine Aufgabe, diesmal die Max-Planck-Forschungsstelle für vergleichende Verhaltensforschung in Buldern / Westfalen auf und später von 1955 bis 1958 das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen.
In Seewiesen erarbeitete er viele „klassische“ Experimente der Verhaltensforschung, unter anderem die Fressfeinderkennung von Vögeln und die Balzbewegungen bei Truthühnern. 1965 bis 1985 lehrte und forschte er als Professor an der University of Maryland, College Park und Leiter der ersten ethologischen Forschergruppe an der Ostküste, die sich vor allem mit Bioakustik und Kommunikationsforschung befasste. Wieder in Österreich leitete er das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV). Seit 1989 unterrichtete Schleidt zudem als außerordentlicher Professor an der Uni Wien, wo er allerdings ab 2003 seinen Studenten wegen seiner Schwerhörigkeit nur noch per E-Mail zur Verfügung stand.
Ein wesentliches Spätwerk von Wolfgang Schleidt befasste sich mit der Domestikation der Hunde, die er als eine Form der Koevolution zwischen Mensch und Hund sah und damit den herrschenden Thesen widersprach. Ihre Veröffentlichung fand ein breites Echo, auch in nichtwissenschaftlichen Medien.
In seinen letzten Jahren lebte er als „Privatgelehrter“ auf seinem Bauernhof in Moosbrunn in Niederösterreich. Durch eine gemeinsame Bekannte erhielt er in den letzten Jahren die Jahreskalender des Netzwerkes für Kryptozoologie, deren Aquarelle und Stiche er sehr mochte.
Wolfgang Schleidt starb am Morgen des 7. Juni 2026 infolge seines hohen Alters.
