Wissenschaftler aus Australien und Greifswald haben in einer Studie in Current Biology die einzigartige Jagdstrategie einer australischen Kugelspinne Propostira sp. vorgestellt:
Hochleistungs-Katapult-Spinnennetze überwinden gefährliche Beuteverteidigungen
In den Regenwäldern Nord-Queenslands, Australien, haben Forscher eine bemerkenswerte bisher unbekannte Spinnenart der Gattung Propostira entdeckt, die eine hochspezialisierte und extrem leistungsfähige Fangmethode entwickelt hat. Diese Spinne baut ein federbetätigtes Netz, das wie eine Katapultfalle funktioniert. Sie ist auf eine einzige Beuteart ausgerichtet, die grüne Baumameise Oecophylla smaragdina.
Diese Ameisen sind bekannt für ihre aggressive Verteidigung, ihre Fähigkeit zu stechen und ihre effiziente Alarmkommunikation, die innerhalb von Minuten Hunderte von Artgenossen zur Abwehr von Feinden mobilisieren kann. Normalerweise meiden Spinnen diese Ameisen als Beute, da sie durch chemische Abwehrmechanismen und kollektive Angriffe gefährlich sind. Die bisher unbeschriebene Propostira -Spinne jedoch hat eine ungewöhnliche Methode entwickelt, um genau diese Herausforderung zu meistern.
Die Gattung Propostira gehört zu den Kugelspinnen (Familie Theridiidae), die wiederum zu den Radnetzsspinnen (Aeaneoidea) gehören. Die Familie ist weltweit vertreten und mit fast 2500 bekannten Arten in derzeit 124 Gattungen sehr formenreich. Kugelspinnen sind meist klein bis mittelgroß und tragen einen kugelförmig vergrößerten Hinterleib und haben meist dünne, mäßig lange Beine.
Aus der Gattung Propostira sind bisher zwei Arten beschrieben, P. quadrangulata aus Indien und Sri Lanka sowie P. ranii aus Bangladesh.
Funktionsweise der Falle
Das Netz der australischen Propostira-Art besteht aus einem kegelförmigen Gebilde, das mit Spannungsfäden verbunden ist. Die Spinne platziert sich unter Blättern wo die grünen Baumameisen aktiv nach Nahrung suchen. Sobald eine Ameise den Kegel beißt, wird die Falle ausgelöst: Die gespannten Seidenfäden ziehen sich blitzschnell zusammen und katapultieren die Ameise mit außergewöhnlicher Kraft und Geschwindigkeit in die Luft. Dieser Mechanismus nutzt elastische Energie, die in den Seidenfäden gespeichert ist, und setzt sie schlagartig frei. Die dabei erzeugte momentane Leistungsdichte übertrifft alle bisher bekannten seidenbasierten biologischen Katapultsysteme. Besonders beeindruckend ist, dass die Falle stark genug ist, um die Ameise trotz ihrer Haftpolster an den Füßen – die ein Vielfaches ihres Körpergewichts halten können – hochzuheben.
Warum keine Bilder?
Leider sind die Bilder, die im Artikel verwendet wurden an Bildagenturen verkauft worden. Man kann sie dort lizensieren, gegen vergleichsweise hohe Lizenzgebühren. Das Geld haben wir nicht, daher müssen wir leider auf die unten verlinkte Originalarbeit verweisen.
Spezialisierung auf eine einzige Ameisenart als Beute
Anders als andere Spinnen, deren Netze unspezifisch verschiedene Beutetiere fangen, ist das Netz der Propostira sp. exklusiv auf die grüne Baumameise ausgelegt. In allen beobachteten Fällen (n=35) wurden ausschließlich diese Ameisen gefangen. Dies deutet auf eine extreme ökologische Spezialisierung hin. Die Forscher vermuten, dass die Spinne während des Baus der Falle Pheromone auf den Kegel aufbringt, um gezielt die Ameisen anzulocken und deren aggressives Verhalten auszulösen. Pheromone werden von Spinnen bereits bekannt genutzt, um Beute anzulocken oder sogar in Ameisennester einzudringen.
Evolutionäre Bedeutung
Die Studie zeigt, wie Räuber-Beute-Beziehungen die Entwicklung extremer Geschwindigkeiten und Kräfte in der Tierwelt vorantreiben können. Die Propostira sp. hat durch die Spezialisierung auf eine gefährliche Beute eine hochoptimierte, bioingenieurtechnische Lösung entwickelt, die sowohl die mechanischen als auch die chemischen Abwehrmechanismen der Ameisen überwindet. Dies unterstreicht, wie selektiver Druck zu einzigartigen evolutionären Innovationen führen kann. Die Forscher betonen, dass die Identifizierung der verwendeten Pheromone ein wichtiger nächster Schritt wäre, um die genauen Mechanismen dieser Spezialisierung zu verstehen.
Fazit
Die Entdeckung dieser Propostira-Art und ihres hochspezialisierten Fangmechanismus wirft neues Licht auf die Anpassungsfähigkeit von Spinnen und die Komplexität von Räuber-Beute-Beziehungen. Sie zeigt, wie selbst in scheinbar ausweglosen Situationen – wie der Jagd auf hochgradig wehrhafte Ameisen – evolutionäre Lösungen entstehen können, die sowohl technisch als auch ökologisch beeindruckend sind.
Originalarbeit:
Narendra A et al.: Ballistic high-powered spider webs overcome dangerous prey defenses – Current Biology, 36, R691-R692 Link: https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(26)00570-1
Weitere verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Oecophylla_smaragdina#
https://de.wikipedia.org/wiki/Katapult
https://de.wikipedia.org/wiki/Katapult
