Das Video
Vorgestern, am 24. April 2026 veröffentlichte der Youtube-Channel Hangar 18b ein Video, das angeblich ein in Südamerika entdecktes Fossil eines reptiloiden Aliens zeigt. Es befindet sich im Urweltmuseum in Kleinholzhausen (Gemeinde Raubing, LK Rosenheim, Bayern). Dem Präsentator Olli stehen der Finder und Leiter des Urweltmuseums, Sebastian Niederhell und Prä-Astronatiker Hartwig Hausdorf zur Seite.
Das Fossil wird in einer mindestens 2,5 m langen Holzkiste präsentiert. Zunächst bleibt es unsichtbar. Sebastian Niederhell gibt an, das Fossil vor einigen Jahren in Südamerika selbst gefunden und in der Kiste importiert zu haben. Die Präparation habe erst später stattgefunden.
Nach der Anmoderation zieht sich der Präsentator Olli zurück und Hartwig Hausdorf beginnt, das Skelett vorzustellen. Das Skelett sei „aus dem Jungtertiär, das ist etwa 15 bis 20 Millionen Jahre alt“. Die Paläontologen seien sich uneins, ob es sich um einen Humanoiden oder einen Reptiloiden handelt, es habe nämlich „anatomische Eigenschaften von beiden Spezies (sic!).“ In der Folge zählt Hausdorf einige Eigenschaften auf, die er der einen oder anderen Gruppe zuordnet. Erst dann ist ein Blick auf das Fossil möglich. Es ist das Fossil eines Wirbeltieres, ist in Bauchlage präpariert und erscheint relativ vollständig. Es ist bei der Bergung mehrmals zerbrochen, die einzelnen Bruchstücke sind auf einer sandfarbenen Gipsmatrix zusammengefügt. Wieviel davon ergänzt ist, lässt sich hier nicht feststellen. Insgesamt wirkt das Skelett relativ authentisch.
Hausdorf betont, dass die Extremitäten keine fünf Finger bzw. Zehen tragen, sondern an den Armen und Füßen jeweils drei „Klauen“ (sic!) vorhanden sind. An den Füßen zeigt er je eine Patella, also eine Kniescheibe, die wie beim Menschen sei. Den Kopf interpretiert er als „alienartig“, um danach zu Sebastian Niederhell zu übergeben. Er erzählt, dass er das Fossil in Südamerika gefunden hat und bezeichnet es liebevoll als „Alf“. Er beschreibt kurz die Präparation, die er von der Bauchseite am Schädel begonnen hat. Er habe das Gebiss gesehen und fotografiert, „leider sind die Bilder abhanden gekommen“. Er beschreibt es: „Alf hat vorne Schneidezähne und auf der Seite links und rechts hat er Backenzähne.“ Er habe dann aber entschieden, das Fossil „von der Draufseite“, also von oben her zu präparieren, so dass die Betrachter auf den Rücken schauen können. Diese Ansicht wird auch im Video gezeigt.
Hierbei wird ein Schädel mit großen Augenhöhlen, einer kurzen Schnauze, relativ langem Hinterhaupt und einem deutlichen Nuchalkamm, also einer quer verlaufenden Knochenleiste im Nacken, gezeigt. Ein Scheitelkamm ist kaum zu erahnen. Im Gegensatz zum Rest des Skelettes glänzt die Oberfläche des Hirnschädels in der Filmbeleuchtung.
Der Hals ist relativ lang, laut Meinung Niederhells ist er etwas zusammengestaucht. Ein Schultergürtel ist erkennbar, die Wirbelsäule und schlanke Rippen. Das Becken ist schmal und leicht gebaut. Hausdorf ist der Meinung, dass das Wesen auf jeden Fall aufrecht gegangen sei. Die drei „Klauen“ an Händen und Füßen würden sehr stark an die Nazca-Mumien erinnern. In der Folge zeigt er mit einem Laserpointer Arme und Beine, um die Dreizehigkeit zu beweisen.
Weitere Informationen sind dem Video nicht zu entnehmen, der Rest ist vor allem Spekulation aus dem Bereich der Prä-Astronautik und Reptiloiden. Hausdorf betont noch einmal, dass sich die angeblichen Spezialisten nicht einig seien, der eine betone, es sei menschenähnlich, der andere, dass es reptiloid sei. Dabei sagt er nicht, wer hier zu Rate gezogen wurde und über welche Qualifikation die „Spezialisten“ verfügen.
Bemerkenswert ist, dass sich Sebastian Niederhell aus der Identifikation des Fossils vollständig herauszieht und sich auch auf Nachfragen nicht festlegen will.
Grundlagen zum VerständnisPrä-AstronautikDie Prä-Astronautik ist ein Denkmodell, das davon ausgeht, dass die Erde in früheren Zeiten von Außerirdischen besucht wurde. Sie begründeten willentlich oder unwillentlich die Hochkulturen der Geschichte, in denen sie als Kulturbringer oder Götter verehrt wurden.
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Dieses Denkmodell wurde von Erich von Däniken (1935-2026) begründet und in zahlreichen seiner Bücher populär gemacht. Es basiert auf heute nicht mehr eindeutig interpretierbaren Abbildungen aus der Antike und auf der Annahme, dass die Völker der Hochkulturen nicht in der Lage waren, bestimmte Kulturleistungen (u.a. Bau der Pyramiden) selbst zu entwickeln und zu realisieren. Die Prä-Astronautik ist nicht mit den wissenschaftlich begründbaren Geschichtswissenschaften vereinbar und wird als Pseudowissenschaft geführt. Nazca-MumienLeif Inselmann schreibt in seinem Artikel hierzu: „In Peru, nicht weit entfernt von den einschlägig bekannten Nazca-Linien, seien in einer Höhle oder Gruft in der Wüste mehrere mumifizierte Körper menschenähnlicher Wesen gefunden worden. Manche von ihnen winzig klein, eines menschengroß – alle aber teilten sie eine seltsame Kopfform, mandelförmige Augen, und natürlich das unglaublichste: Sie alle besitzen nur je drei spindeldürre Finger bzw. Zehen an Händen und Füßen.“
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Die Mumien wurden bereits kurze Zeit nach ihrer Entdeckung als Fälschungen aus moderner Zeit entlarvt, offenbar hergestellt, um den Wirbel um die Prä-Astronautik zu befeuern und damit Geld zu verdienen. ReptiloidenAls Reptiloide werden fiktive Wesen bezeichnet, die entweder von reptilienartigen, irdischen Vorfahren oder reptilienähnlichen Aliens abstammen. Sie sind in der SciFi- und Fantasy-Literatur sehr beliebt, spielen aber auch in den Pseudowissenschaften und bei Verschwörungstheorien oft eine Rolle. Autoren wie Robert E. Howard, H.P. Lovecraft und Clark Ashton Smith befasste sich auch die Filmindustrie mit dem Thema. Man findet reptiloid wirkende Aliens u.a. in „Enemy Mine“(1986), „V-Die außerirdischen Besucher kommen“ (1983-1985), in Doctor Who als Silurianer und im Star-Trek-Universum direkt mehrmals in unterschiedlichen Linien als Spezies der Gorn, Woth und Xindi. Im Video wird der kanadische Paläontologe Dale Russel erwähnt. Er spekulierte über eine Evolution der Dinosaurier über das Chixulub-Ereignis hinaus. Dabei erwartete er eine Entwicklung in Richtung höherer Intelligenz und Zweibeinigkeit. Insbesondere der von Russel zwangsläufig postulierte Zusammenhang zwischen Intelligenz und Zweibeinigkeit brachte ihm teils scharfe Kritik ein. |
Was ist das für ein Skelett?
Sebastian Niederhell beschreibt, dass der Fund aus einer Gesteinsformation in Südamerika stammt, die etwa 15 Millionen Jahre alt ist. Er selbst nennt es „Alf“, warum wird nicht gefragt. Der Schädel ist relativ glatt und kegelförmig gebaut. Die Nasenöffnung ist relativ groß, die Augenhöhlen sind sehr groß. Der Hinterschädel ist lang und trägt einen Nuchalkamm. Auch der Hals ist lang, möglicherweise fehlt hier ein Stück, dazu äußert sich Niederhell nicht eindeutig. Der Schädel ist also hoch abgewandelt.
Der äußere Bereich des Hirnschädels glänzt im Lampenlicht, während der Rest des Fossils genau das nicht tut. Dies deutet darauf hin, dass er mutmaßlich bei der Präparation mit viel Kunstharz wieder hergestellt wurde. Dabei könnte (!) der Scheitelkamm verloren gegangen sein.
Die folgende Beschreibung bezieht sich nur auf das, was im Video erkennbar ist. Ein Schultergürtel ist vorhanden, aber nicht klar erkennbar. Die Extremitäten sind sehr kurz, sie reichen lange nicht hinter den Ansatz der hintersten Rippen.
Die Wirbelsäule ist hingegen gut ausgebildet und trägt Rippen, die keine Verbreiterung aufweisen. Ein Brustbein ist nicht sichtbar. Das Becken ist schlank und leicht ausgeführt. Daran schließen sich kurze Beine an, die in langgliedrigen Füßen enden. Ob hier nur drei Zehen vorliegen, ob nicht vielleicht ein oder zwei Zehen vor der Fossilierung abgefallen sind, ob sie hinter den präparierten Zehen liegen oder ob sie noch im Stein stecken, bleibt unbekannt.
Im Bereich der Beine und Füße zeigt sich, dass Hartwig Hausdorf über wenig anatomische Kenntnisse verfügt. Das, was er für die Patella (Kniescheibe) hält, ist ein (oder mehrere verwachsene) Fußwurzelknochen. Dies kann man relativ einfach an der Lage festmachen: Oben verlaufen zwei Knochen (Schienbein und Wadenbein), unten zahlreiche Mittelfuß- und Zehenknochen. Die Patella liegt aber im Knie, wo Schienbein und Wadenbein auf den Oberschenkelknochen treffen (hier ist auch eine Patella sichtbar). Schienbein und Wadenbein wirken stark verkürzt, während die Füße leicht verlängert sind.
Zwischen den Füßen ist ein kurzer Rest eines Schwanzes erkennbar.
Was es nicht ist
Die kurzen Extremitäten lassen die von Hausdorf aufgestellte These „Es ist in jedem Fall ein Zweibeiner“ hoch spekulativ erscheinen. Ein Lebewesen, das so kurze (Hinter-) Beine hat, hätte bei einem zweibeinigen Gang bestenfalls die Fähigkeiten eines Pinguins auf dem Land gehabt, vermutlich noch weniger, denn hier erscheinen die Beine noch länger, als bei Alf. Es ist schwer vorstellbar, dass Alf überhaupt aufrecht stehen, geschweige denn mehr als ein paar Schritte machen konnte.
Der Schädel sieht bereits auf den ersten Blick alles andere als reptiloid aus. Leider sind die Zähne nicht erkennbar, sie hätten die Identifikation deutlich erleichtert. Sebastian Niederhell gibt an, er habe bei der Präparation des Gebisses Schneidezähne und Backenzähne, also zwei grundsätzlich unterschiedliche Zahnformen gefunden. Komplexe heterodonte Gebisse mit deutlich differenzierten Mahlzähnen, Schneidezähnen und Eckzähnen sind bei Reptilien aber ungewöhnlich.
Ein weiteres, typisches Merkmal für Reptilienschädel fehlt. Heutige Reptilien haben, bis auf die Schildkröten, ein oder mehrere Schädelfenster. Hierzu verweise ich auf den Artikel in der Wikipedia. Die „anapsiden“ Reptilien, also Tiere ohne Schädelfenster waren zu Lebzeiten von Alf bereits über 230 Millionen Jahre ausgestorben. Und Alf ist ganz offensichtlich keine Schildkröte.
Was ist denn nun das „geheimnisvolle“ Skelett?
Kurze Beine, ein sehr kurzer Schwanz, ein hoch abgeleiteter Schädel, der kegelförmig zuläuft und einen Nuchalkamm besitzt. So viele Möglichkeiten gibt es da nicht.

Es ist anzunehmen, dass ein Tier mit so kurzen Beinen, aber langen Füßen und Händen nicht gut laufen kann und daher nicht viel läuft (laufen muss). Das Becken schließt zweibeiniges Laufen quasi aus, da es das Gewicht des Körpers vermutlich kaum tragen kann. Wie kann sich ein solches Wesen fortbewegt haben? Im Wasser.
Diese These unterstützt auch der kegelförmige, aquadynamisch geformte Kopf.
Tatsächlich entspricht das Skelett von Alf in allen gezeigten Details (bis auf die fehlenden Fingerglieder) dem einer Robbe.
Robben existieren seit dem späten Oligozän oder frühen Miozän, also im Tertiär. Die ersten Funde werden auf 19 bis 15 Millionen Jahre datiert. Die Bein-Anatomie spricht eher gegen eine Ohrenrobbe, eine Mönchsrobbe oder Hundsrobbe ist wahrscheinlicher.
Fazit
Anders als von Hartwig Hausdorf postuliert, hat ist „Alf“ sicher kein Alien, sondern gehört zu einer vertrauten Gruppe von Säugetieren.
Dennoch ist der Fund etwas besonderes. Das Exemplar erreicht mindestens zwei Meter und ist damit für die damalige Zeit eine sehr große Robbe. Eine genaue Bestimmung ist anhand der Bilder nicht möglich, aber die Zahl der Robben in der Pisco-Formation Südamerikas ist beschränkt. Vermutlich handelt es sich um Pisciphoca pacifica, eine archaische Mönchsrobbe. Aber auch die Mönchsrobben-Arten Magophoca brevirostris, Icaphoca choristodon und Hadrokirus martini oder eine völlig unbekannte Art sind möglich.

Dank
Ich danke Leif Inselmann, der mich auf das Video aufmerksam machte und gemeinsam mit Markus Bühler meinen Text kritisch gelesen und dort korrigiert hat, wo ich Fehler gemacht habe. Wenn also noch etwas falsch ist, ist das mein Fehler und geht nicht auf die Kappe von Markus und Leif.
Literatur
Valenzuela-Toro, Ana & Pyenson, Nicholas & Gutstein, Carolina & Suárez, Mario. (2015). A new dwarf seal from the late Neogene of South America and the evolution of pinnipeds in the southern hemisphere. Papers in Palaeontology. 2. n/a-n/a. 10.1002/spp2.1033. Link
Dewaele, Leonard & de Muizon, Christian (2024). A new monachine seal (Monachinae, Phocidae, Mammalia) from the Miocene of Cerro La Bruja (Ica department, Peru). Geodiversitas, 46(3):31-100 (2024). https://doi.org/10.5252/geodiversitas2024v46a3
Valenzuela-Toro, A. M., Gutstein, C. S., Varas-Malca, R. M., Suarez, M. E., & Pyenson, N. D. (2013). Pinniped turnover in the South Pacific Ocean: new evidence from the Plio-Pleistocene of the Atacama Desert, Chile. Journal of Vertebrate Paleontology, 33(1), 216–223. https://doi.org/10.1080/02724634.2012.710282
Amson, Eli & de Muizon, Christian. (2014). A new durophagous phocid (Mammalia: Carnivora) from the late Neogene of Peru and considerations on monachine seals phylogeny. Journal of Systematic Palaeontology. 12. 523-548. 10.1080/14772019.2013.799610. DOI:10.1080/14772019.2013.799610
https://en.wikipedia.org/wiki/Pisco_Formation
https://grokipedia.com/page/piscophoca
https://paleobiodb.org/classic/displayCollResults?collection_no=13079



