Kryptozoologische Presseschau 43/2020

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Alles Gute zum ersten Advent und einen schönen Sonntag!

Geschichtsträchtige Zeiten

Im achatenen Reich auf Terry Pratchett’s Scheibenwelt gibt es einen Fluch, der lautet „Mögest du in interessanten Zeiten leben!“

Keine Frage, das Jahr 2020 wird als interessantes Jahr in die Geschichte eingehen. Wie 1989, aber unter völlig anderen Umständen. Dieses und vermutlich nächstes Jahr wird so viel anders in unserem Leben sein, dass wir Dinge für selbstverständlich erachten, die wir vor einem Jahr kaum akzeptiert hätten. In japanischen Kulturkreis ist es üblich, bei Erkältung einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, um andere nicht anzustecken. Hier war das vor einem Jahr die absolute Ausnahme. Heute wundert man sich bei älteren Fernsehaufnahmen, wieso die Leute keinen MNS tragen.

 

Je länger die Diskussion um Corona geht, um so mehr merkt man, dass die Vorgänge um Corona-Infektionen für viele Menschen zu komplex sind. Spätestens, wenn es um die innerzellulären Vorgänge um Virus-RNA und mRNA aus den anstehenden Impfstoffen geht, klinken viele aus und versuchen, die Sache zu vereinfachen. Leider oft falsch, so kursiert das Gerücht, die RNA aus den Impfstoffen würde die DNA der Zellen verändern.

Wenn man feststellt „das ist mir zu kompliziert“, macht man mal eben an der „Youtube-Universität“ den persönlichen Abschluss in „gefühlter Virologie“ und ist selbst Experte. Anstatt den Leuten zu folgen, die sich wirklich auskennen, macht man sich die eigene Welt schön (einfach). Wäre das nicht so traurig, könnte man fast darüber lachen. Die Krönung der ganzen Sache ist ja, dass ausgerechnet die Partei der Corona-Leugner dieses Wochenende einen Parteitag mit voller Deligiertenzahl als Superspreading- äh.. Präsenzveranstaltung durchzieht. Das örtliche Gesundheitsamt hat die Veranstaltung mit der Begründung des „größeren öffentlichen Interesses“ genehmigt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

und kryptozoologische Ereignisse

Kryptozoologisch haben wir echt interessante 14 Tage hinter uns. Mindestens drei Themen sind in den Focus gerückt. In Griechenland ist ein mysteriöser Kadaver angeschwemmt worden, der große Ähnlichkeit mit dem Montauk-Monster hat. In England hat eine Überwachungskamera eine Katze in einem historischen Marktgebäude gefilmt. „Der Beweis für British Big Cats“ jubeln schon einige Sofa-Kryptozoologen im Internet. Ob es wirklich so ist, wird sich noch erweisen. Wir sind noch nicht überzeugt.
Überzeugter hingegen sind wir von der dritten Sache: Neil Gemmell’s Verfahren der eDNA-Untersuchung wird nun tatsächlich ein weiteres Mal kryptozoologisch genutzt. Eine australische Firma hat die Methode kommerzialisiert und bietet Kits an, mit denen einfach das Biom eines Biotops erfasst werden kann. Dabei plant sie auch, einen Marker für Beutelwolf-DNA einzubauen. Wer weiß, was man in Tasmanien so alles findet..?

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser

 

PS: wenn eure Lieben noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken für kryptozoologisch interessierte sind, ein paar Ideen haben wir. Wenn sie über unseren Link kaufen, tun sie uns dann auch noch etwas Gutes.

 

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gelebte Kryptozoologie – heißt aber anders

Im Reich der Inseln: Meine Suche nach unentdeckten Arten und andere Abenteuer im Südpazifik ist 2013 bei S. Fischer erschienen und hat gebundene 272 Seiten.

 

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Die Meldungen im Einzelnen

Mal wieder ein seltsamer Kadaver

Foto des Kreta-Kadavers
Fotos des Kreta-Kadavers (Credit: Newsflash)

Am Strand der griechischen Insel Kreta wurde ein ungewöhnlich aussehender Kadaver angspült, der auf den ersten Blick große Ähnlichkeit mit dem Montauk-Monster hat. Unser Autor Markus Bühler hat sich der Sache angenommen und schreibt hierzu:

 

„Endlich mal wieder ein „mysteriöser“ Kadaver. Ich habe mich schon gefragt wann endlich mal wieder einer in den Medien auftaucht, dieses mal aus Griechenland. Man kann ihn ziemlich einfach identifizieren. Man muss natürlich in Betracht ziehen dass Kadaver von Säugetieren die einige Zeit im Wasser treiben oft das Fell verlieren und auch etwas aufblähen. Anhand der kompakten Körperform, den kleinen seitlich am breiten Kopf liegenden Ohren, den plantigraden Füßen und vor allem den ganz typischen massiven aber sehr geraden Krallen kann man den Kadaver eindeutig als Dachs identifizieren, zumal Dachse in Griechenland auch vielfach nicht gerade selten sind.“

 

Zum Vergleich stellt er uns zwei Bilder aus seinem Archiv zur Verfügung:

 

Dachs-Krallen
Zum Vergleich mal die langen Krallen eines Dachses (Foto: Markus Bühler)

Dachs-Modell
Sehr gut für Vergleiche von haarlosen Tieren sind hier auch oft Polyurethan-Modelle die in der Taxidermie verwendet werden, hier natürlich ein Dachs. (Fund: Markus Bühler)

 

Natürlich weiß TheSun bescheid, aber auch bei News.de hats für Schlagzeilen gesorgt.


British Big Cat auf einer Überwachungskamera – mitten in der Stadt

In der Piece Hall, einem ehemaligen Tuchhändler-Markt in der nordenglischen Stadt Halifax hat eine Überwachungskamera eine möglicherweise große Katze gefilmt. Das Tier kommt aus einem Zugang, kreuzt eine Säulenarkade und verschwindet wieder. In der Säulenarkade wurde die Katze von einer Überwachungskamera erfasst.

BBC
Überwachungskamera-Bild der mutmaßlichen Großkatze in der Piece Hall in Halifax UK

Wir, die Redaktion äußern im Vorfeld leise Skepsis, ob die Bilder echt sind. Wie zur Bestätigung bekamen wir gestern (28.11.) neue Bilder von Überwachungskameras der Stadt, die die Katze ebenfalls zeigen sollen.

Um die Sache zu bestätigen oder zu falsifizieren haben wir Kontakt mit der Verwaltung der Piece Hall aufgenommen. Leider kann die wegen Corona nicht so schnell reagiere wie üblich. Wir harren der Dinge, die da kommen und liefern euch eine vollständige Analyse, sobald wir etwas hören.

 

Quelle: Halifax Courier


Schmetterlingsflügel schlucken Ultraschall

Als die Fledertiere fliegen lernten, nahmen sie die Ultraschallortung mit in die Luft. So konnten sie ihre Beutetiere einfach orten und fangen. Doch einige unbeugsame Schmetterlinge waren damit nicht einverstanden und ein Millionen Jahre langes evolutionäres Wettrennen nahm seinen Anfang.

Vergleich im Ultraschallbild
links: optisches Bild des Schmetterlings, rechts das Ultraschallbild, das eine Fledermaus „sehen“ würde. Oben der im Text angesprochene Antheraea pernyi, unten Graphidium agamemnon als Beispiel für einen nicht getarnten Schmetterling. Foto: Marc Holderied & Thomas Neil

Heute sieht es so aus, dass die Flügel des Nachtschmetterlings Antheraea pernyi Ultraschall schlucken, so dass Fledermäuse sie schwerer orten können. Forscher der Uni in Bristol haben die Flügel dieses Tieres untersucht und dabei ein Material zur Oberflächen-Dämmung gefunden. Es absorbiert den Ruf der Fledermäuse und macht sie so deutlich schwerer zu orten. Es handelt sich dabei um einen „Resonant Absorber“, eine dünne Reihe von Schuppen, die auf den Flügeln liegt, leicht genug um zu fliegen und schwer genug, um den Schall zu schlucken.

 

Bisher kannte man Schall-absorbierende Oberflächen nur von den Körpern von Nachtschmetterlingen, jedoch nicht von den Flügeln.

 

Quelle: PNAS https://doi.org/10.1073/pnas.2014531117


Abnormale Zahl von Finnwalen strandet an Frankreichs Küsten

Die französischen Behörden und Walschützer registrieren, wie in den meisten anderen Ländern auch, gestrandete Wale. Das passiert aus unterschiedlichen Gründen, u.a. zur Gesundheitskontrolle, Artennachweis, Feststellung der Todesursache, aber auch um solche Kadaver auf geeignetem Weg zu entsorgen.

Finnwal bläst
Finnwal der atlantischen Population (CC 2.0 by Aqqa Rosing-Asvid)

In diesem Jahr stellen unsere Nachbarn eine unnormal hohe Zahl von gestrandeten Finnwalen fest. Üblicherweise landen im Jahr drei bis zehn Finnwale an den Stränden des Landes. Im Oktober und November 2020 wurden mindestens sechs Finnwale angeschwemmt. Alle waren unterernährt und zeigten Blutungen im Herzen oder der Lunge.

Willy Dabin, Forscher am Pelagis Beobachtungszentrum hat einen Finnwal obduziert, der am 13.11. bei Saint-Hilaire-de-Riez tot gestrandet war. Das Tier maß beinahe 16 m und wog geschätzte 10 t. „Wir haben hier beinahe so etwas wie eine Epidemie, oder eine unnormale Zunahme von Todesfällen“, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Frage im Hintergrund ist: Hat der Mensch diese Todesfälle verursacht? Entweder durch seinen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Nahrung oder durch Umweltverschmutzung, die die Wale anfälliger für Krankheiten machen kann.


Firma entwickelt Detektor für Beutelwolf-DNA

Die Fähigkeiten, ein Lebewesen (nicht) mittels Umwelt-DNA (eDNA, e = environmental) festzustellen, hat Prof. Neil Gemmell aus Neuseeland in Loch Ness ja eindrucksvoll bewiesen. Jetzt hat der Beutelwolf-Forscher Michael Moss zusammen mit der Firma EnviroDNA einen Kit entwickelt, mit dem er Beutelwolf-DNA in der Umwelt nachweisen kann. Hierzu wurden Teile der DNA-Sequenz eines konservierten Beutewolf-Jungtier/Embryos verwendet, den man vor einigen Jahren auch zum Klonen der Tiere vorgesehen hatte.

Zwei Beutelwölfe im Zoo

Wird Moss einen positiven Treffer finden, ist das ein sehr starker Hinweis auf die Weiterexistenz des Beutelwolfes bis in heutige Tage. Fehler können durch ähnliche Sequenzen von nahe verwandten Arten wie dem Beutelteufel oder dem Tüpfelbeutelmarder entstehen. Diese binden möglicherweise schwach an die Beutelwolf-Sequenzen und liefern ein falsch-positives Signal. Solche Signale lassen sich jedoch erkennen, wenn man entsprechende Sequenzen dieser Tiere einstellt.

Bisher konnten die Forscher den Test nur an Haaren konservierter Beutelwölfe ausprobieren, aber sie erwarten die Möglichkeit, in Zukunft ganze Proben zu analysieren. Ein positiver Nachweis bedeutet, dass ein Beutelwolf sicher da war, mit 90%iger Wahrscheinlichkeit in den letzten 30 Tagen.

Da der letzte Nachweis eines lebenden Beutelwolfes am 6. oder 7. September 1934 erfolgte, ist ein solcher Nachweis nahe am Beweis für das Überleben der Art bis heute.

 

Wir verfolgen die Sache interessiert weiter und berichten, sobald es etwas Neues gibt.


Neuseeland und die schwarzen Großkatzen

Die Gerüchte über große, schwarze Katzen auf der Südinsel Neuseelands halten sich seit vielen Jahrzehnten. Wie für viele Kryptide wird gelegentlich ein qualitativ schlechtes Foto verbreitet, so bleibt das Interesse bestehen. Mindestens seit den 1960ern sollen die Tiere dort herumstreunen.

Jesse Fearys schwarze Katze
Foto von Jesse Feary’s Jagdbeute. Foto: Jesse Feary

In der Presseschau 39/2020 berichteten wir von einem Jäger (Jesse Feary), der auf der Südinsel eine relativ große Katze erschossen hat. Unser Leser Kai Meissner (von hieraus noch einmal herzlichen Dank) hat das Bild von damals analysiert. Er identifizierte das Gewehr als modifiziertes Remington 700, das eine Schaftlänge von 32 inch hat. Dies entspricht etwa 81 cm, was auch etwa der Kopf-Rumpf-Länge des Katzenkörpers entspreche (Die Redaktion geht eher von 70 cm KRL aus). Damit wäre das erlegte Tier größer als eine europäische Wildkatze (KRL etwa 60 bis 65 cm) und im Bereich der Rohrkatzen (ca. 70 cm KRL).

 

Hinzu kommen immer wieder Berichte von „übel zerbissenen Schafen, verwundeten Kaninchen, Hasen und Vögeln“. Auf der Gegenseite steht das vollständige Fehlen von Fußabdrücken, Kratzstellen, Kot- und Haarresten.

 

Der Guardian hat sich der Geschichte angenommen und einen sehr schönen Bericht hierzu verfasst.

 

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Eine Einstiegsdroge?

Cryptozoology Anthology: Strange and Mysterious Creatures in Men’s Adventure Magazines ist 2015 in englischer Sprache erschienen. Die gebundene Ausgabe mit 328 Seiten und das Paperback mit 316 Seiten sind in Deutschland nur mit etwas Glück und dann für deutlich über € 20 (für’s Paperback) zu bekommen. Die Kindle-Ausgabe ist kostengünstiger.

Sicher ein Einstieg – aber keine Droge!

 

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Wie eine einzige Wespe ein Flugzeug zum Absturz bringen kann

Die Schlüssellochwespe Pachodynerus nasidens ist eine solitär lebende Art. Sie kommt in Mitte- und Südamerika, der Karibik und dem Süden der USA vor und hat sich seit einiger Zeit in Australien etabliert. Die Wespe baut gerne Nester in bereits vorhandene Hohlräume bestimmter Größe. Dabei stimmt offenbar die Öffnung des Pitot-Rohres bei Flugzeugen mit ihrer Wahl überein.

Dieses Rohr dient bei Flugzeugen zur Messung der Geschwindigkeit relativ zur umgebenden Luft. Das Messprinzip ist dabei denkbar einfach: Das Rohr ist nach vorne offen und ragt aus dem Rumpf des Flugzeuges nach vorne. Im Flugzeug biegt es nach unten und wird zu einem U, in dem eine Flüssigkeit steht. Wenn Wind in das Rohr bläst, entsteht in dem Rohr ein Staudruck, der die Flüssigkeit nach hinten drückt. Dies kann gemessen werden.

737
Pitot-Rohre am Cockpit einer Boeing 737

Baut aber nun eine Wespe ausgerechnet in diesem Rohr ihr Nest, liefert es Fehlinformationen. Die Arbeitsgruppe von Alan House aus Australien wies das nach. Von November 2013 bis April 2019 kam es alleine am Flughafen von Brisbane 26-mal zu „schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen“ mit den Wespen, vor allem im Pitot-Rohr.

 

Die Forscher platzierten zwischen Februar 2016 und April 2019 Modelle von unterschiedlichen Pitot-Rohren an mehreren Stellen auf dem Flughafen. Dabei wurde die Aktivität der Wespen beobachtet: 93-mal waren die Pitot-Rohre vollständig blockiert. „Wir hoffen, dass diese Forschung die Aufmerksamkeit auf ein wenig bekanntes, aber ernstes Problem für den Flugverkehr in tropischen und subtropischen Regionen lenken wird.“ schreiben sie am Ende ihrer Arbeit, die in den PLOS ONE veröffentlicht wurde.


Hirsch entwaffnet Jäger

Im Böhmerwald hat sich eine kaum zu glaubende Geschichte abgespielt. Eine Gruppe von Jägern war im Wald unterwegs, als ihr Hund einen Hirsch aufschreckte. Das Tier streifte einen der Jäger mit dem Geweih an der Schulter, zerriss dessen Ärmel und fädelte im Trageriemen des Gewehrs ein. So entkam der Hirsch und wurde etwa einen Kilometer entfernt mit der Waffe im Geweih gesichtet.

Rothirschbulle
Ein Rothirschbulle in einem Gehege.

Dem Jäger blieb nichts anderes übrig, als die Sache der Polizei zu melden. Die ruft einen eventuellen Finder auf, das Gewehr bei der nächsten Polizeidienststelle abzugeben.

Quelle: n-tv


Hausfriedensbruch durch Huhn

Die Henne und das Ei. Kein Problem für die Polizei in Herne, von der auch das Foto stammt.

Am Freitagvormittag rief ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin einer Tagespflegeeinrichtung in Herne (Ruhrgebiet) bei der lokalen Polizei an: Ein herrenloser Hund habe sich dort breit gemacht und sei nicht mehr weg zu bekommen.
Vor Ort stellten die Beamten fest, dass es sich keineswegs um einen Vierbeiner, sondern um ein Huhn handelte. Offenbar war es bei dem Notruf zu Verständigungsproblemen gekommen.

Das Tier hatte sich in der Pflegeeinrichtung so wohl gefühlt, dass es sogar ein Ei legte. Da es sich nicht ausweisen konnte, nahm die Polizei es in Gewahrsam und brachte es in ein Tierheim. Das Ei verblieb in der Pflegeeinrichtung.

 

Quelle: WDR


Neu beschrieben:

  • Eine neue Spinnengattung mit zwei Arten, die eine Ameise mimiken: Sympolymnia wurde in Zoosystematics and Evolution erstbeschrieben. DOI: 10.3897/zse.96.55210
  • Eine Art der Brackwespen ist mit Microgaster godzilla beschrieben worden. Diese Art kommt aus Japan, ihre Larven parasitieren in Raupen. Wie beim großen Namenspatron kommt diese Art aus dem Wasser: Ihre Larven parasitieren ausschließlich in den aquatischen Raupen des Rüsselzünslers Elophila turbata. Journal of Hymenoptera Research. 79: 15-26. DOI: 10.3897/jhr.79.56162
  • Nomorhamphus aenigma heißt eine neu beschriebene Art der lebendgebärenden Halbschnabelhechte aus Sulawesi. Anders als andere Arten de Gattung fehlt dieser Art der „Halbschnabel“, der verlängerte Unterkiefer. Halbschnabelhechte sind seltene Aquarienfische, die meist nur Spezialisten bekannt sind, obwohl sie dankbare Pfleglinge sein können. Copeia 108(3), 522-531. DOI: 10.1643/CI-19-313
  • Eine bisher unbenannte Seenadel aus australischen Gewässern heißt Stigmatipora harastii. Die Art ist hell- bis tiefrot gefärbt und lebt in Assoziation mit Fingerschwämmen und roten Algen. ZooKeys. 994: 105-123. DOI: 10.3897/zookeys.994.57160
  • Eine neue Gattung gibt es bei den Baumfröschen. Rohanixalus lebt rings um die Andamanensee in Indien und Hinterindien. Typusart ist Rohanixalus vittatus (vorher: Ixalus vittatus) ist die Typusart, Bisher hat die Gattung sechs beschriebene und eine unbeschriebene Art. Zootaxa. 4878(1); 1–55. DOI: 10.11646/zootaxa.4878.1.1
  • Ebenfalls auf Bäumen leben die Greiffrösche der Familie Phyllomedusidae. Eine bisher als kryptitsche Art ist jetzt als Pithecopus gonzagai erstbeschrieben. European Journal of Taxonomy. 723(1), 108-134. DOI: 10.5852/ejt.2020.723.1147
  • Wissenschaftler haben eine Gruppe der Lidgeckos um Goniurosaurus yingdeensis neu definiert und dabei mit G. varius eine bisher unbekannte Art beschrieben. ZooKeys. 986: 127-155. DOI: 10.3897/zookeys.986.47989
  • Aus den Anden in Ecuador haben Wissenschaftler Macropholidus montanuccii beschrieben. Diese Eidechse gehört in die artenreiche Gruppe der Zwergtejus. South American J. of Herpetology. 18(1); 13-23. DOI: 10.2994/SAJH-D-18-00069.1

 

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Der Tatzelwurm: Porträt eines Alpenphantoms

Der Tatzelwurm: Porträt eines Alpenphantoms ist am 25. Juli 2020 bei Edition Raetia erschienen und hat 232 in ein Paperback eingebundene Seiten.

 

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Kurz gemeldet:

Rezent an Land

  • US-Präsident Donald Trump hat kurz vor dem Thanksgiving-Fest die beiden weißen Truthähne Cob und Corn „begnadigt“. Sie kommen nicht in den Ofen, sondern an die Universität von Iowa. Traditionell bekommt der Präsident von zwei Geflügelzuchtverbänden je einen Truthahn zu Thanksgiving geschenkt. Seit George Bush (senior) 1989 werden sie in einer kurzen Zeremonie begnadigt und bekommen ihr Gnadenbrot. Üblicherweise sterben sie aufgrund zuchtbedingter Gesundheitsprobleme binnen eines Jahres.
  • In Alaska ist eine Boeing 737 mit einem Grizzly-Bär kollidiert. Die Bärenmutter war aus ungeklärten Umständen auf die Landebahn des Flugplatzes in Yakutat gelangt. Das Flugzeug wurde beschädigt, die Bärenmutter starb, was aus dem zweijährigen Jungtier wurde, wusste die Anchorage Daily News nicht. Dies ist die erste bekannte Kollision eines Flugzeugs mit einem Bären.
  • „Rockefeller“, ein Sägekauz, der sich in einem Weihnachtsbaum versteckt hatte und darin bis nach Manhattan gekommen war, ist wieder frei. Der kleine Sägekauz wurde zunächst im Ravensbeard Wildlife Center behandelt und dann in einem Waldgebiet im Hinterland des Staates New York ausgewildert. Sägekäuze sind die kleinsten Eulen Nordamerikas und erreichen etwa 20 cm Körperlänge. Die National Geographic hat sich der Sache angenommen.
  •  In Bönen, vor dem nordöstlichen Rand des Ruhrgebietes haben Spaziergänger einen Waschbär mit Staupesymptomen aufgefunden. Die WA sieht zu Recht die Gefahr einer Epidemie unter Wild- und Haustieren.

Rezent im Wasser

  • Vor einigen Wochen berichteten wir über Orcas, die an Spaniens Küsten Segelyachten angreifen. Mittlerweile konnte dieses Phänomen regelmäßig beobachtet und quantifiziert werden. Mindestens 40 Yachten wurden im Zeitraum zwischen Juli und Oktober attackiert, in den meisten Fällen haben die Orcas das Ruder verbogen, so berichtet die BBC. Über die Gründe ist natürlich nichts bekannt, selbst der BBC geben Orcas keine Interviews. Bisher ist auch nichts über die Identität der Tiere bekannt: aus welcher Population stammen sie, ist nur ein Pod beteiligt oder machen es mehrere Gruppen?
  • Am Cable Beach in Broom, West-Australien ist ein weiterer Mensch bei einem Haiangriff ums Leben gekommen. Der Mann sei aus dem Wasser gezogen und medizinisch versorgt worden, teilte die Polizei mit. Er sei dann im Krankenhaus verstorben.
    Dies ist der 8. dokumentierte tödliche Unfall mit Haien in Australien in diesem Jahr.
  • Nachdem an der Nordwestküste von Nova Scotia einige Atlantische Glattwale gesichtet wurden, hat Kanada in der Gegend um das Roseway Basin bis auf weiteres eingestellt.

Ausgestorben

  • Bei Samat Sakhon, westlich von Bangkok, Thailand haben Forscher das Skelett eines 3000 Jahre alten Wales ausgegraben. Das Tier ähnelt sehr einem rezenten Bryde-Wal und ist vermutlich eng mit ihm verwandt. Mehr bei asia one

Strandfunde

  • An der Küste des Irans, auf Kisch ist ein ausgewachsener, weiblicher Bryde-Wal tot angespült worden. Das Tier war etwa fünf Tage tot, bevor es geborgen wurde. Erste Untersuchungen konnten keine Todesursache zeigen. Das Skelett des 14,5 m langen Tieres soll in Zukunft im Meeresmuseum der Insel ausgestellt werden. Quelle: Iran Forent Page
  • Auf Chatham Island, 800 km östlich von Neuseeland sind etwa 100 Grindwale und Große Tümmler gestrandet und verstorben. Wie es zu dieser Massenstrandung kam, ist unklar. Das Naturschutzministerium Neuseelands hat die Einwohner davor gewarnt, ins Wasser zu gehen. Chatham hat eine eigene Population Weißer Haie, die durch die Kadaver angelockt werden. TVNZ weiß noch mehr.
  • Von einer Strandung kann kaum die Rede sein. Eine Bartrobbe hat sich am nordöstlichsten Punkt Schottlands bei Thurso gezeigt. Das offenbar gesunde Tier pausierte in den Dünen, direkt gegenüber der Touristen-Information.
  • Auf einer Sandbank, etwa 2 km vor der Küste der englischen Grafschaft Norfolk an der Nordsee ist ein Pottwal gestrandet. Vermutlich ist es ein junges Männchen. Aus ungeklärten Gründen verirren sich junge Pottwalbullen immer wieder auf dem Weg von Norwegen um die britischen Inseln herum in die Nordsee, wo sie häufig entkräftet stranden. In den letzten Wochen wurden keine Pottwale aus der Nordsee gemeldet.
  • Am Porthoustock Beach bei St Keverne in Cornwall, England ist ein 3 m langer Riesenhai tot gestrandet. Wesentlich mehr weiß Cornwall Live auch nicht, hat aber ein paar Stimmen von Einheimischen gesammelt.

 


Aus den Zoos und Museen

  • Die Brigitte Franzen wird neue Direktorin des Frankfurter Senckenberg-Museums. Anders als bisher ist Franzen keine Biologin, sondern Kunst- und Kulturwissenschaftlerin. Sie wird am 1. Dezember in einer digitalen Pressekonferenz vorgestellt.
  • Einige kleine Zoos und Wildparks haben aus der Corona-Not eine Tugend gemacht. Für die Öffentlichkeit gesperrt, kann ein exklusiver Allein-Aufenthalt im Zoo oder Wildpark oder einem Bereich gebucht werden. Leider ist das verständlicherweise sehr teuer.

 


In eigener Sache: Die Redaktion und die Webseite

Corona kommt näher, auch bei mir. Im vergangenen Monat ist eine Bekannte an dem Virus gestorben, die Tochter einer Arbeitskollegin arbeitet in einem Altenheim, ein Teil der Mitmenschen verhält sich leider immer noch unvernünftig.

 

Sollte mich das Virus erwischen, bin ich hoffentlich stärker. Dennoch muss ich damit rechnen, dass es mich eine Weile außer Gefecht setzt. Dies hat dann natürlich auch Folgen für die Webseite. Ich bin derzeit der einzige, der mit dem Redaktionssystem arbeiten kann. Einige Artikel sind vorbereitet und werden automatisch veröffentlicht, aber viele Artikel werden dann einfach ausfallen. Falls es mich erwischt, ist also nur noch sporadisch mit Artikeln zu rechnen, ich hoffe, ich kann vorher noch eine Statusmeldung abgeben.


Zu guter Letzt:

Eigentlich verständlich: im Lockdown wird es auch den Ausstellungsstücken im Museum langweilig. Hier macht sich eins auf den Weg. Übrigens: Mein Kompliment an die österreichischen Handwerker: der T. rex hat zwar die Verriegelung aufgesprengt, aber die Türen haben sogar den Aufprall an den Säulen überstanden. Ihr denkt echt an alle Eventualitäten!

 

T. rex wants to break free from Günter Nikodim on Vimeo.

 




Freitagnacht-Kryptos: Der leuchtende Nachtvogel im deutschen Forst

Die alten Römer fürchteten sich vor dem deutschen Wald – er war finster, schlammig und es hausten unheimliche Tiere darin, zum Beispiel das Einhorn. Die römischen Autoren unterscheiden nicht, wie wir, in Schwarzwald, Vogesen oder Karpathen – alles, was sie nördlich und östlich ihrer Provinz Germania vermuteten, hieß unterschiedslos Herzynischer Forst (auch die Gleichsetzung mit dem Harz ist falsch).

 

Plinius der Ältere wusste in seiner Naturgeschichte vom Hörensagen „vom herkynischen Wald Germaniens, er beherberge ‚ungewöhnliche Vogelarten‘.“ (Büchner 2005, S. 6)

Und das „Morgenblatt für gebildete Leser“ ergänzt 1833, dort „hausten viele wilde Thiere im Dunkel der herkynischen Waldungen“: „Auch merkt Plinius der Aeltere an, daß Vögel daselbst seyen, deren Gefieder zur Nachtzeit wie Feuer leuchte.“

Schleiereule im Flug
Das helle Gefieder der Schleiereule reflektiert im Dunkeln das Licht auffällig, aber leuchtet sie?

Später siedelten Naturhistoriker diese Leuchtvögel auch in den Alpen an: „So vermerkt der englische Franziskaner und Enzyklopädist Bartholomeus im 13. Jahrhundert, lakonisch, in den Alpen liege ewiger Schnee , herrsche häufig Nebel, […] hausten Bestien und wilde Tiere in den Wäldern, gebe es vielerlei Vögel, namentlich von jener Art, deren Flügel in der Nacht leuchteten, wie Isodor sage.“ Isidor allerdings kennt diese Vögel nicht, der gelehrte Mönch meinte Plinius. (Büchner 2005, S. 6)

 

In seinem Buch „Lo!“ beschreibt Charles Fort eine ganze Reihe von Beobachtungen von Lichtkugeln, die damit erklärt wurden, es handle sich um Schleiereulen mit Leuchtmoos im Gefieder. Diese „Leuchteulen von Norfolk“ werden in zahllosen Werken abgehandelt und unterschiedlich bewertet – mal zustimmend, mal ablehnend. Heute ist das Phänomen kaum noch bekannt.

Seidenschwanz
Deutlich sichtbar sind die roten Plättchen am Flügel des Seidenschwanzes, aber reflektieren sie das Licht des Feuers?

Büchner mutmaßt übrigens, die Stelle ziele auf den Seidenschwanz ab, von dem Plinius an anderem Ort meint, an seinen Armschwingen befänden sich „scharlachrote Wachsplatten, die wohl einen Feuerschein vortäuschen können, aber keineswegs nachts leuchten“.

 

Literatur:

Büchner, Robert: St. Christoph am Arlberg: die Geschichte von Hospiz und Taverne, Kapelle und Bruderschaft. Wie: Böhlau 2005

Hauff, H. (Hg.): Morgenblatt für gebildete Leser, Band 27,Ausgabe 4

 

 




Wenn der Stimulus nicht mitspielt: Tasmaniens mysteriöse Füchse

Wenn man sich von seinem Schreibtisch aus in ferne Länder begibt, um in den Berichten aus den abgelegensten Regionen der Erde Hinweise auf verborgene Tiere zu finden, so ist man sich oft gar nicht bewusst, dass allein dieser Ansatz schon reicht, um die komplexe Realität vor Ort zu simplifizieren. Zumindest ist die Gefahr dafür sehr groß. Diese “komplexe Realität vor Ort” stellen lokale Erzählmotive, ihre kulturellen Bedeutungen, sowie die sprachliche Rezitation derselben, die oft zu Missverständnissen führen. Hinzu kommen noch ökologische Faktoren, die man oft im Detail nicht kennt. Man sollte daher äußerst vorsichtig sein, bevor man sich – basierend auf vagen Beschreibungen und vereinzelten Zeugenaussagen – zur Annahme einer unbekannten Spezies “entschließt”.

 

Tasmanien
Waldweg in Tasmanien, im Lebensraum der Beutelwölfe, aber ist jedes vierbeinige, hundeähnliche Tier, das im Dickicht verschwindet, eine Beutelwolfsichtung oder steckt etwas anderes dahinter?

 

Derselbe Grundsatz gilt allerdings auch in die andere Richtung. Schnell ist ein Stimulus aus dem Hut gezaubert, mit dem der “Coffee Skeptic” eine Sichtung wegerklärt. Und das, obwohl die Lage vor Ort durchaus komplexer ist.

 

Dem Autoren wäre Selbiges fast einmal passiert. Doch zum Glück nur fast. Dafür haben wir jetzt eine Anekdote, wie die Suche nach einem Kryptiden zum Nächsten führte. Und eine wichtige “Zusatzinformation” über das kryptozoologische Epizentrum Tasmanien.

 

Füchse auf dem australischen Festland

Der Rotfuchs hat sich auf dem australischen Kontinent fest etabliert. 76 % des Territoriums sollen schon besiedelt sein. In Victoria hatte man Füchse bereits 1871 für den Jagdsport eingeführt – später fand man sie auch in Queensland (1907) und Western Australia (1912). (Tasmanian Department for Primary Industries)

Kein Wunder also, dass Füchse für die Sichtungen des Beutelwolfs auf dem australischen Festland als Erklärung herangezogen werden können. Und warum nicht auch in Tasmanien? Doch hier gestaltet sich die Ausgangslage … nunja… wie hieß es nochmal, … ach ja genau: komplexer.

 

Füchse gehören zu den durchsetzungsfähigsten Räubern
Ein Rotfuchs in der Natur

 

…und in Tasmanien?

Es gibt historische Quellen aus den letzten beiden Jahrhunderten, die auf die Einschleppung von Füchsen nach Tasmanien hindeuten. Darunter befinden sich Berichte über ausgesetzte Würfe zwischen 1935 und 1970 und einem Tier, das 1998 von einem Containerschiff bei Burnie (Nord-Tasmanien) entkommen sein soll. (Tasmanian Department for Primary Industries). Doch niemand wusste so Recht bescheid. Und so blieb es bis heute.

 

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Tasmanien, Sympathie für den Teufel

Tasmanien gilt als eines der schönsten Naturparadiese Australiens. Ein Paradies, das für seinen Teufel zur Hölle wurde. Zuerst jagten Menschen den Tasmanischen Teufel, heute sorgt eine tückische Krebsart dafür, dass sich der Bestand massiv reduziert.
Die Dokumentation begleitet Tierschützer in Tasmanien, die um das Überleben ihres Teufels kämpfen.

 

Tasmanien, Sympathie für den Teufel ist von 2017, dauert 52 Minuten und ist auf zahlreichen Wegen zu betrachten. Der Geo TV-Channel ist eine davon.

 

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Die Saga beginnt

Eine amüsante Anekdote sind Tasmaniens Füchse bis dato schon einmal. Doch die obigen Geschichten machen dabei nur den Anfang.

1999 mehrten sich Berichte über die vorsätzliche Einschleppung von Füchsen auf die Insel – auch Kadaver an Straßenrändern wurden gefunden, Sichtungen häuften sich und von DNA-Beweisen war die Rede (The Conversation).

Tasmanische Landschaft
In der abwechslungsreichen Landschaft Tasmaniens kämen Rotfüchse hervorragend zurecht. Ein apokalyptisches Szenario?

Füchse: ein apokalyptisches Szenario für Tasmaniens Umwelt

Sollten sich Füchse auf Tasmanien etablieren, so wären die Auswirkungen auf die heimische Fauna verheerend. Das zeigt die Geschichte auf dem australischen Kontinent. Die Füchse profitieren nicht nur von dem ebenfalls eingeschleppten Kaninchenpopulationen. Darüber hinaus stellten sie auch einheimischen Vogel- und Beuteltierarten nach. Sie werden mit dem Rückgang und gar dem Aussterben vieler kleiner- und mittelgroßer Tierarten direkt in Verbindung gebracht. (Tasmanian Department for Primary Industries)

Nicht auszudenken, was das für Tasmanien und seine einzigartige Fauna bedeuten würde, sollten sich die anpassungsfähigen Räuber auch dort etablieren.

Taskforce und Ausrottungs-Programm der Regierung

Die Tasmanische Regierung beschloss daher, zu handeln. Ein 50 Millionen Australische Dollar schweres Programm wurde im Jahre 2002 ins Leben gerufen. Es sollte den Einzug des Fuchses in Tasmanien verhindern (ABC vom 18. Dezember 2017). 2006 kam auch noch eine Task Force hinzu (ABC vom 31. Oktober 2016). Ihr Name, Fox Eradication Program und Fox Free Taskforce, lassen keinen Zweifel am Ziel der Mission. Doch dafür musste man die Füchse erstmal finden.

 

Traurige Bilanz

Das war im Jahre 2014 noch nicht wirklich gelungen. Tatsächlich schafften es die Mitarbeiter des Programms, das dem Steuerzahler bis dahin 35 Millionen australische Dollar gekostet hatte (The Conversation), nicht, auch nur einen einzigen lebenden Fuchs dingfest zu machen (News.com). Die australische Nachrichtenagentur ABC zog 2016 Bilanz:

 

 

„Zusammenfassung der gesammelten physischen Hinweise auf Fuchsaktivität in Tasmanien, seit 1998: 4 Kadaver, 1 Schädel, 1 positive DNA Blutprobe, 2 Sets von Fussabdrücken, 61 Exkremente mit Fuchs-DNA

 

(ABC vom 31. Oktober 2016)

 

 

Sang- und klangloses Ende?

Das Programm wurde so auch 2014, zwei Jahre vor dem offiziellen Ende der Laufzeit, ausgesetzt (ABC vom 31. Oktober 2016). Tasmaniens damaliger Umweltminister Brian Neal Wightman erklärte aufgrund “fehlender Beweise für Füchse in den letzten 18 Monaten” das Programm kurzerhand zum Erfolg und sah keinen Grund mehr dafür, Füchse aktiv (zum Beispiel mit Giftködern) zu bekämpfen – stattdessen reiche eine passivere Beobachtung der Situation (Invasive Species Council).

 

Rotfuchs
Konnten sich die Füchse in Tasmanien nicht etablieren?

 

Auftakt für einen Polit-Krimi

Doch das vorgezogene Ende bildete nur den Auftakt für ein weiteres Kapitel in Tasmaniens Konflikt mit seinen mysteriösen Füchsen. Doch dieses Mal verlagerte er sich auf die politische Bühne. Aufgrund der bescheidenen Erfolge kamen das Programm und die Task Force nun selbst ins Visier. Studien zweifelten die Methodik der Beweisaufnahme an. Verschwörungstheorien machten sich breit: die Mitarbeiter haben die “Beweise” selbst gefälscht, entweder um das Programm am Laufen zu halten, oder um ihre Arbeit (und das Gesicht) nicht zu verlieren (The Conversation).

 

Die Tasmanier debattierten in Pubs, im Parliament und Online, ob es Füchse nun auf Tasmanien gebe oder nicht. Ein ehemaliger Polizist, nun unabhängiger Parlamentarier, reichte eine 100-seitige Klage bei der Polizei ein, indem er die Fälschung der Beweise unterstellte. Als ihm die Ermittlungen nicht schnell genug gingen, wandte er sich an die Integrity Commission, die auf “Fehlverhalten öffentlicher Institutionen” spezialisiert ist. Der amtierende Agrarminister nahm die Gelegenheit zu einem “politischen Freistoß” gegen die damals regierende Labour-Regierung jedoch nicht wahr. Es wurde keine Untersuchung eingeleitet (ABC vom 31. Oktober 2016).

 

Dennoch: Tasmanien hatte einen neuen Mythos (The Conversation). Oder sollte man vielleicht besser sagen: ein neues Kryptid?

 

Tasmanische Landschaft, was würden Füchse anrichten?
Ist der Fuchs ein neues Kryptid in Tasmaniens Landschaft?

 

2016: “Der definitive Beweis?” …Reinekes kryptide Facette

Und wie es so ist bei Kryptiden: jeder Hinweis wird eingebunden in einen tieferen, diskursiven Kontext im Hintergrund, dessen Bedeutung weit über das biologische Phänomen hinausgeht. Ab da ist alles Möglich. So auch 2016. Da lag nämlich ein Fuchskadaver an einer Straßenseite. Der “definitive Beweis?”, so das ABC. Nichts Genaues weiß man nicht über die Herkunft des jungen Rüden. Ausser, dass das Tier an traumatischen Verletzungen gestorben ist. Aber wie es dorthin kam, konnte man nicht klären. Der Fund heizte eine angeregte Debatte in den sozialen Netzwerken an. Manche waren skeptisch, andere waren optimistischer und meldeten sich nun selbst mit eigenen Sichtungen zu Wort… (ABC vom 31. Oktober 2016)

 

Toter Fuchs an einer Straße, der letzte tasmanischer Füchse?
Fund des Fuchkadavers im Oktober 2016 an der Frankfort Road bei Exeter im Norden Tasmaniens (Foto: Dept Of Primary Industries, Parks, Water And Environment). Aber wie er dorthin kam, ist nicht zu klären.

 

Neue “Tiger-Jagd” auf Tasmanien?

Man muss nicht lange suchen, um den Hinweis auf Tasmaniens “eigentlichen” Kryptiden zu finden: “Nur eine weitere Jagd nach dem Tasmanischen Tiger (Beutelwolf)?” – fragt ein Kommentar, der die Maßnahmen des Programms letztendlich dann doch verteidigt. Als Grund nennt er die zwar spärlichen, aber existierenden Beweise, die zumindest für eine sporadische Präsenz von Füchsen auf der Insel sprechen. In diesem Fall wäre es auch nicht ungewöhnlich, wenn man nur ganz wenige Hinweise fände. Doch ganz abgesehen davon sei es in Anbetracht des Bedrohungs-Szenarios für die heimische Umwelt richtig gewesen, früh zu reagieren (The Conversation).

Diesem Argument kann man in Zeiten von Corona leicht folgen (auch wenn der Rotfuchs in seiner unfreiwilligen Rolle als eingeschleppter Schädling für Australiens empfindliche Fauna definitiv nicht in dieselbe Kategorie wie das tödliche Virus gehört).

 

Fazit: Rotfuchs düpiert Tasmanische Regierung

Was bleibt ist eine amüsante (aber lehrreiche) Anekdote über die Schwierigkeit, die Präsenz von Arten zu beweisen, selbst wenn diese der Wissenschaft längst bekannt sind. Auch die Millionen von Australischen Dollars, die die Regierung in ihre Fuchsjagd investierte, reichten letztendlich nicht, um definitiv zu sagen, wie es denn nun um Tasmaniens Füchse bestellt ist. Und dass diese Geschichte ausgerechnet auf Tasmanien spielt, sollte uns Kryptozoologen aufhorchen lassen. Sowohl den lauten Skeptiker als auch den (nach fast 100 Jahren eher flüsternd sprechenden) Optimisten. Die Dinge verhalten sich vor Ort eben nicht immer so einfach, wie es aus der Ferne scheint.

 

Landschaft Tasmaniens, Füchse hätten hier verheerende Wirkung
Welche Tiere verbergen sich noch in den unzugänglichen Ecken Tasmaniens?


Zum Weiterlesen

Interne Links zu Tasmanien:

Dossier zum Beutelwolf mit vielen Informationen.

 

„Sicher ist nur sein Tod“. Ein Nachruf auf den letzten Beutelwolf

 

„Neues vom Beutelwolf“ mit Sichtungsberichten seit 2016

Internetquellen

ABC vom 18. Dezember 2017:

https://www.abc.net.au/news/2017-12-18/tasmanian-fox-report-finds-no-evidence-of-fabrication/9269148

 

ABC vom 31. Oktober 2016: 

https://www.abc.net.au/news/2016-11-01/dead-fox-discovery-in-tasmania-reignites-debate/7981198

 

Invasive Species Council vom 30.Juni 2013

https://invasives.org.au/blog/fox-in-tasmania-eradication-program-dropped/

 

News.com vom 19. Dezember 2017:

https://www.news.com.au/technology/science/animals/tasmanian-watchdog-clears-faux-fox-poo-claim/news-story/147acd9c0c4041fd9d59a8717c466df5

 

Tasmanian Department for Primary Industries, Parks, Water and Development: https://dpipwe.tas.gov.au/invasive-species/invasive-animals/invasive-mammals/european-red-foxes

 

The Conservation vom 25. März 2015

https://theconversation.com/tasmanias-fox-hunt-was-worth-it-even-if-there-were-no-foxes-34045

wissenschaftliche Papers

Caley P, Ramsey DSL, Barry SC (2015) Inferring the Distribution and Demography of an Invasive Species from Sighting Data: The Red Fox Incursion into Tasmania. PLoS ONE 10(1): e0116631. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0116631

 

Gonçalves et. al. (2014) The risks of using “species-specific” PCR assays in wildlife research: The case of red fox (Vulpes vulpes) identification in Tasmania. Forensic Science International: Genetics. Vol. 11: 9 – 11 https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S1872497314000659




Medienmittwoch: Der Zauber der Wirklichkeit

Von Adam und Eva bis zu Gilgamesch: Richard Dawkins erzählt die Mythen der Menschheit und erklärt die wissenschaftliche Wahrheit, die hinter ihnen steckt.

Seit jeher hat die Menschheit versucht, sich die rätselhafte Natur durch Mythen begreiflich zu machen. Auf den Herbst folgt der Winter, weil Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone in sein Reich entführt hat und die blühende Natur mit ihr; in Wirklichkeit gibt es unterschiedliche Jahreszeiten, weil die Erdachse geneigt ist. Und die Welt entstand auch nicht, weil der indische Gott Vishnu seinem Diener Brahma ihre Erschaffung auftrug, sondern durch den Urknall. Dies beweist: So wunderbar die Mythen sind, weitaus spannender werden die Phänomene, wenn man sie wissenschaftlich betrachtet. Genau das tut Richard Dawkins, indem er die Wahrheit hinter den Rätseln erklärt. Ein faszinierendes, üppig illustriertes Buch, das den Zauber der Wirklichkeit feiert.

 

 


Der Autor

Richard Dawkins, 1941 geboren, ist einer der einflussreichsten Evolutionsbiologen der heutigen Zeit. Von 1995 bis 2008 hatte er den Lehrstuhl für Public Understanding of Science an der Universität Oxford inne. Sein Buch Das egoistische Gen gilt als zentrales Werk der Evolutionsbiologie.


Eine Rezension

 

Nach der Einleitung, die uns den Zauber der Wirklichkeit an sich nahebringt – den Zauber der wissenschaftlichen Errungenschaften der vergangenen Jahrtausende – wird eingangs zu jedem Kapitel eine Frage formuliert. Diese wird dann vor verschiedenen mythologischen Hintergründen beantwortet – eben so wie sich unsere Vorfahren gewisse Phänomene erklärt haben, noch bevor es Technologien gab, mit welchen wir uns das heutige Verständnis für mikro- und makrokosmische Zusammenhänge erschließen konnten. Hierbei ist zu erwähnen, dass uns das Buch hier einen interessanten Querschnitt aus verschiedenen Kulturen nahebringt. Vom fernen Osten, bis hin zu den australischen Ureinwohnern und dem klassischen Christentum. Anschließend werden naturwissenschaftliche Befunde zur Frage zusammengestellt und als Antwort formuliert.

 

Wer für sich selbst ein ästhetisches Werk sucht, zum Stöbern, Staunen und Lernen, für den ist dieses Buch ein wirklich empfehlenswerter Kauf. Und auch die Kleineren in der Familie können sich auf diese Weise bereits früh von wissenswerter und qualitativ hochwertiger Sachliteratur bezaubern lassen.

 

 

Auszug aus der Rezension von Denise Lorenz auf Amazon.de

 

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Lassen Sie sich (nicht) verzaubern!

Der Zauber der Wirklichkeit: Die faszinierende Wahrheit hinter den Rätseln der Natur ist in einer üppig illustrierten Hardcoverausgabe mit 272 Seiten bei Ullstein erschienen. Es stammt aus dem Jahr 2012, hat aber nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Neben der Printausgabe ist auch ein Hörbuch verfügbar.

 

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Haben wir einen Beweis? Was steckt hinter dem „Almasty-Fingernagel“

Eines der zentralen Wesen der Kryptozoologie ist der Wildmensch. Damit ist kein Mensch gemeint, der selbst- oder fremdgewählt außerhalb der Zivilisation lebt, kein Land- oder Stadtstreicher. Als Wildmenschen bezeichnet der biologische Teil der Kryptozoologie Menschen anderer Spezies, die bis heute überlebt haben. Der mythologische Teil der Kryptozoologie sieht sie vielfältiger. Es können tatsächlich physische Wesen sein. Viel häufiger sind sie aber die Personifizierung von Naturkräften bis hin zur ungezügelten Natur selbst.

Dietrichs Kampf mit dem Wilden Mann, Henfflin, 15. Jahrhd. Codex Palatinus germanicus 67

Dort, wo man Wildmenschen als reale Mitbewohner sieht, haben sie Namen wie Bigfood, Sasquatch, Windigo in Nordamerika, Yowie in Australien, Yeti, Alma, Yeren, Tungo und Almasti (nicht vollständig). Nahezu alle sind sie legendär, wenn auch im Volksglauben als durchaus real angesehen.

Patty, der Sasquatch aus dem Patterson-Gimlin-Film von 1967
1967 wurde die einzige gut erkennbare und bisher nicht widerlegte Filmaufnahme eines Sasquatch gedreht. Hier ist ein Standbild aus dem „Patterson-Gimlin-Film“.

Der Almasty

So etwa ist auch der Almasty aus dem Kaukasus, dem Altai-Gebirge und dem Tienschan in Zentralasien. Er gilt in erster Linie als mythisches Wesen, was man als westlich orientierter Mensch nicht immer beurteilen kann, denn viele Naturvölker trennen nur unscharf zwischen physischer und mythischer Welt. Die physische Erscheinung des Almasty wird in der Regel als bis zu 2 m groß, aufrecht und haarig beschrieben, die Farbe des Fells reicht von rotbraun bis rötlich-schwarz. Sie sollen nomadisch leben und sich sehr schnell fortbewegen können.

 

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Reinhold Messners Yeti-Buch

Mit seiner Behauptung, er habe den Yeti gesehen und seinem Buch über diese Begegnung hat sich Reinhold Messner nicht nur Freunde gemacht. Fakt ist aber, dass er ein außerordentlich guter Kenner der tibetanischen Kultur ist. Durch seine Wanderungen durch das Hochland kommt er nicht als externer Forscher (dem man etwas erzählt, damit er hoffentlich bald wieder geht), sondern als Gast in die Dörfer und Lager. Diesen weiß er auch zu vermitteln – und wer weiß? Vielleicht sprechen die Yetis ja doch noch über ihn…

 

Yeti – Legende und Wirklichkeit ist im Jahr 2000 erschienen und hat broschierte 264 Seiten.

 

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Physische Belege

für Wildmenschen sind extrem selten. Kein Wunder, selbst dort, wo man regelmäßig von ihnen berichtet, gelten Wildmenschen als selten. Der vermutlich am dichtesten „überwachte“ Wildmensch, der nordamerikanische Sasquatch kommt auf eine Handvoll glaubhafter Sichtungsberichte im Jahr.

 

Physische Belege von ihm sind noch rarer. Bisher haben sich alle untersuchten Proben als Tier- oder Menschenhaare erwiesen. Sogar die Labors des F.B.I. konnten nichts anderes finden. Anders scheint es in anderen Teilen der Welt zu sein. In den 1950ern rüstete die Sowjetunion eine Arbeitsgruppe aus, die nach Schneemenschen suchen sollte. Die aufwändige Suche war jedoch erfolglos, so dass die Arbeitsgruppe bald wieder aufgelöst wurde. Auch das Unglück am Djatlow-Pass führte nur zu einer kurzen Wiederaufnahme staatlicher Aktivitäten.

Ist das Hochgebirge Lebensraum von Wildmenschen wie dem Almasty?
Der Himalaya und noch mehr das tibetanische Hochland gelten bei uns als geheimnisvoller Ort transzendaler Weisheit. Ist hier auch ein Wildmensch zuhause und was wissen die Einheimischen?

Im buddhistischen Kloster von Khumjung im nepalesischen Khumbu stellen die Mönche einen angeblichen Yeti-Skalp aus. Er kann von Touristen besichtigt werden. Ein zweiter Skalp wurde im Kloster von Pangboche (ebenfalls im Khumbu) präsentiert, ist jedoch unter unklaren Umständen  verschwunden. Untersuchungen westlicher Wissenschaftler zu diesen Skalps gibt es leider nicht.

1960 brachten der Bergsteiger Edmund Hillary und Marlin Perkins von einer Expedition einen angeblichen Yeti-Skalp mit. Bei einer genaueren Untersuchung stellte er sich als Bergziegenhaut heraus.

Das Netzwerk für Kryptozoologie hat einen möglichen physischen Beweis

Vor einiger Zeit ist Hans-Jörg Vogel, Teil des Netzwerkes, in Besitz eines möglichen physischen Beweises für die Existenz des Almas gekommen. Wie er ihn erhalten hat, wird er selber an geeigneter Stelle berichten. Der Verkäufer bezeichnet es als „Fingernagel eines Almasty“. Ich konnte es bereits vor einiger Zeit kurz in Augenschein nehmen. Das Objekt ist etwa 9 x 4 cm groß, so dass ein Fingernagel kaum in Frage kommt. Falls es tatsächlich der Nagel eines Hominiden ist, dann sicherlich von einer ungewöhnlich stark vergrößerten Großzehe.

Das berühmte Shipton-Foto, ist der Almasty-Fuß ähnlich?
Das berühmte Foto eines angeblichen Yeti-Fußabdruckes von Eric Shipton aus dem Jahre 1951. Es zeigt eine stark vergrößerte Großzehe. Schließt sich hier ein Kreis?

Der „Nagel“ ist in einem Schweberahmen befestigt, d.h. zwischen zwei dickere Kunststoffolien geklemmt, die in einem Rahmen aus schwarzem Kunststoff ein kreisrundes Loch abdecken. So schwebt das Objekt quasi in dem Rahmen, ohne sichtbare Aufhängung. Dennoch wird es von einem dunkelroten Band gehalten.

Die Außenseite des Almasty-Nagels

Der „Nagel“ selber ist schwarz, mehr oder weniger rechteckig und tonnenförmig wie ein Fingernagel gebogen. Er ist schwarz und opak. Seine Oberfläche ist stark verkratzt, wobei die Kratzer in zwei Hauptrichtungen in einem Winkel von etwa 60° zueinander verlaufen. Unten endet der Nagel „offen“ wie ein Fingernagel am distalen Ende. Hier sind deutliche Abnutzungsspuren zu sehen. Terrassenbrüche legen nahe, dass der Nagel aus einem Material besteht, das aus zahlreichen aufeinander liegenden, dünnen Schichten besteht.

 

Der obere Teil des Nagels ist mit kurzen, dunklen Haaren bedeckt. Unter diesen Haaren verjüngt sich der Nagel, bis am oberen Rand eine Art wulstiger Wurzel zu entdecken ist, aus der Haare und Nagel zu gleich gewachsen sein scheinen.

Die Innenseite

Auf der Innenseite des tonnenförmig gebogenen „Nagels“ ist weniger zu erkennen. Das distale Ende ist stark abgeschliffen, einzelne Kratzer an den Seiten gehen in eine polierte Oberfläche in der Mitte über. Hier zeigt sich eine typische Nagelstruktur: Es wirkt, als wären Haare eng verwachsen. Bemerkenswert ist, dass das Material hier transparenter und heller wirkt.

Der mittlere Teil des Nagels ist vollständig mit Sand und anderen Verunreinigungen bedeckt. Die Farbe schwankt zwischen fast schwarz und lehmfarben, jeweils mit eingebackenen, hell wirkenden Quarzkörnern. Die Unterseite trägt keine Haare, jedoch ragen einige wenige von der Seite herüber.

Am oberen, proximalen Ende liegt eine etwa einen Zentimeter breite Gruppe von Haaren. Sie ist an einem Ende mit einer nicht definierbaren Substanz untereinander und möglicherweise mit der Scheibe verklebt. Dieses Bündel deckt den gesamten Bereich der Wurzel von hinten ab, ohne mit ihr verbunden zu sein.

Fuß einer Kuh
Auch Hufe (hier von einer Kuh) sind aus Keratin.

Die Bewertung des Stückes

Wie immer bei Fundstücken vermeintlich großer Bedeutung, jedoch unklarer Herkunft sollte man verschärft Vorsicht walten lassen. Hans-Jörg Vogel war bisher so zurückhaltend und hat den „Nagel“ in der Originalverpackung gelassen. Sie verhindert eine Verunreinigung von außen zumindest weitgehend.

On-Line

Da ich kein Experte für Präsentationsverpackungen und Kunststoffe bin, muss ich den bisher getätigten Aussagen folgen: Kunststoff und Art der Verpackung waren in den 1950er bis 1970er Jahren in der ehemaligen UdSSR in Verwendung.

 

Augenscheinlich handelt es sich tatsächlich um das Material eines Nagels, Hufes oder Horns: Keratin. Die Abnutzungsspuren, charakteristische Farbelemente und nicht zuletzt die Terrassenbrüche im unteren Bereich deuten darauf hin.

Ungereimtheiten

Leider gibt es ein paar Ungereimtheiten. Die Form des „Nagels“ entspricht nicht den typischen Nägeln der Primaten. Dazu muss man sich nur einmal selber auf die Finger schauen, das Nagelbett (aus dem der Nagel wächst) ist genauso breit wie der Nagel an seiner breitesten Stelle. Der angebliche Almasty-Nagel ist jedoch am proximalen Ende in einer Art Wulst mit einigen Haaren verschmolzen. Hier ist er deutlich schmaler.

Es kann zahlreiche Erklärungen für diese Ungereimtheit geben, die wahrscheinlichste ist eine einfache Beschädigung und eine Fehlinterpretation des Wulstes meinerseits. In diesem Zusammenhang fällt mir jedoch auf, dass ausgerechnet die Rückseite der Stelle durch das oben erwähnte, verklebte Haarbüschel versteckt ist. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Die Untersuchung

Seit mehreren Jahren bemüht sich Hans-Jörg Vogel intensiv, ein Institut zu finden, das den Nagel untersuchen kann. Hierbei soll nicht nur eine Probenentnahme zur DNA-Untersuchung auf dem Programm stehen, sondern auch weitergehende Tests.

 

Er hat vor Kurzem eine Stelle gefunden, an der ein Wissenschaftler arbeitet, der nicht nur an Kryptozoologie interessiert ist, sondern auch fachlich über jeden Zweifel erhaben ist. Er arbeitet an einem der renommiertesten Labors Deutschlands, so dass wir hier ein belastbares Ergebnis erwarten können.
Die Probenentnahme ist – unter aller Corona-bedingten Vorsicht – für Mitte Januar geplant. Wann die Ergebnisse kommen und wie sie aussehen und interpretiert werden, wissen wir noch nicht.

 

Eines ist aber sicher: Wir halten euch über den Almasty-Nagel auf dem Laufenden.

 




Mein Wort zum Sonntag – 22. November 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Keine Ruhe in Sicht. In den U.S.A. weigert sich ein Narzisst, seine Niederlage anzuerkennen, im Bundestag pöbeln Rechtsradikale unsere gewählten Volksvertreter an, Pandemie-Leugner benutzen ihre Kinder als lebende Schutzschilde gegen die Wasserwerfer und die, die so wie ich auf sinkende Fallzahlen, eine Entspannung der Lage und vor allem wieder offene Museen und Gastronomie-Betriebe gehofft haben, wurden bitter enttäuscht. Beim letzten Wort zum Sonntag vor dem ersten Advent kommt zumindest bei mit noch überhaupt keine Weihnachtsfreude auf. Die Vorstellung, das Fest dieses Jahr allein ohne meine Familie zu verbringen, stimmt mich zutiefst traurig. „Die dunkelste Zeit des Jahres“ – diese Bezeichnung bekommt gerade jetzt eine ganz neue Bedeutung.


Doch es gibt auch Nachrichten, die Mut machen: Ein Impfstoff ist in Aussicht. Führende Experten zeigen sich optimistisch, dass wir den Virus im kommenden Jahr endlich besiegen werden. Zwar wird das sicher noch einige Zeit dauern, aber es zeigt sich doch endlich ein Silberstreif am ach so düsteren Horizont. Bald können wir 2020 ad acta legen. Und in ein vielversprechendes neues Jahr starten.


Um dies auch angemessen zu feiern und unsere Vorfreude zu steigern, habe ich mir schon etwas ganz besonderes für euch ausgedacht. Am kommenden Adventssonntag wird es für alle meine Leser eine kleine Weihnachtsüberraschung geben. Was das ist? Verrate ich noch nicht. Ihr dürft aber schon gespannt sein!


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Der Dino-Adventskalender

Wie wäre es mal mit einem Adventskalender mit dauerhaftem Spaßfaktor statt zuckersüßen Schoko-Stückchen? Der Dino-Adventskalender von Craze enthält sechs recht moderne Dino-Figuren, Aufkleber, Buttons, Schnürsenkel und viele andere tolle Accessoires für junge Saurier-Fans.

 

Der Dino Adventskalender 2020 ist eine tolle Alternative für junge Saurier-Fans, 24mal Spannung und viel länger Spaß.

 

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Bild der Woche

Dieses Bild bestimmte die Paläo-Nachrichten der letzten Tage, und es ist ein Hell Creek-Bild, also wieso es nicht zum Bild der Woche küren? Die „Dueling Dinosaurs“ – eine neue Ausstellung im North Carolina Museum of Natural Sciences, zeigt das bislang vollständigste Skelett eines jungen Tyrannosaurus, der möglicherweise im Kampf mit einem Triceratops sein Leben ließ. Wie der Kampf damals ausgesehen heben könnte, zeigt uns Anthony Hutchings in seiner Bildinterpretation.

 

Paläo-News

Wieder liegen zwei Wochen mit reichlich tollen Neuigkeiten aus der Welt der Urzeit hinter uns! Manche verblüffend, andere traurig und wieder andere äußerst spannend – aber lest selbst!


Fossiler Echsenschädel aus dem Eozän wiederentdeckt

Im Jahre 2017 durchstöbere Simon Scarpetta im Rahmen seiner Abschlussarbeit die Sammlung des Peabody Museums der Universität Yale. Dabei stieß er auf den exzellent erhaltenen Schädel einer kleinen Echse, die sofort das Interesse des Studenten weckte. Wie er zu seiner Überraschung feststellte, hatte nie jemand über diesen eigentlich doch bemerkenswerten Fund geschrieben, der schon 1971 bei einer Grabung in Wyoming zutage gefördert worden war.

 

Das Fossilmaterial von Kopidosaurus perplexus.

 

Scarpetta erkannte das Fossil als frühen Vertreter der Basilisken, einer Gruppe von Echsen, die heute vor allem in den tropischen Regenwäldern Lateinamerikas beheimatet sind. Während des Eozäns, vor rund 52 Millionen Jahren, waren die auch als „Jesus-Christus-Echsen“ bezeichneten Leguane aber auch viel weiter nördlich verbreitet. Sie heißen so, weil sie kurzzeitig im schnellen Lauf über die Wasseroberfläche rennen können.

 

Ein rezenter Helm-Basilisk. Bildquelle: Wikipedia.

 

In einer neuen wissenschaftlichen Arbeit beschrieb Scarpetta seinen Fund und gab der kleinen Echse den Namen Kopidosaurus perplexus.

 

Link zur Studie


Fünfäugige „Riesengarnelen“ entdeckt: Kylinxia zhangi

Die Gliederfüßer, auch Arthropoden genannt, zu denen z.B. die Spinnen, Insekten und Krebse gehören, stellen heute fast 80 Prozent aller Tierarten. Ihre Entwicklungsgeschichte begann schon in der Frühzeit des höheren Lebens, im Kambrium vor über 520 Millionen Jahren. Damals sahen die Arthropoden jedoch noch ganz anders aus, und sie gehörten zu den größten Lebewesen ihrer Zeit.

 

Lebensdrekonstruktion von Kylinxia zhangi nach D. Y. Huang und H. Zeng.

 

Die genaue Entwicklungsgeschichte der Gliederfüßer zu rekonstruieren ist für die Wissenschaftler nicht einfach, weil ihre Fossilüberlieferung aus dieser Zeit Recht lückenhaft ist. Eine neu entdeckte fossile Art könnte ein wichtiges Bindeglied zu den moderneren Gliederfüßern sein: in China fanden Forscher fünf gut erhaltene Fossilien eines Wesens, dass äußerlich einer riesigen Garnele gleicht und fünf Augen besaß.

 

 

Kylinxia zhangi, wie die Forscher ihren Fund benannten, weist sowohl Merkmale der frühen Vorformen der Gliederfüßer auf als auch Kennzeichen späterer Vertreter des Tierstammes und ist damit ein „Missing Link“, das viele offene Fragen beantworten kann.

 

Link zur Studie


In Bernstein eingeschlossene Amphibien besaßen chamäleonartige Zunge

Die heutigen Lurche kann man grob in drei Erscheinungsformen einteilen: die schwanzlosen „Hüpfer“ wie Frösche und Kröten, die kriechenden oder schwimmenden Salamander und die Blindwühlen, die überhaupt keine Gliedmaßen haben. Bis zum Beginn des Pleistozäns gab es jedoch noch eine vierte Gruppe: die Albanerpetoniden.

 

 

Über diese Amphibien ist kaum etwas bekannt, da diese Tiere nur selten Fossil überliefert werden. Nun sind aber sehr gut erhaltene Überreste eines solchen Lurchs in Burmit, also kreidezeitlichen Bernstein aus Myanmar aufgetaucht. Forscher um Juan D. Daza fanden bei seiner Untersuchung heraus, dass der eingeschlossene Albanerpetonide seine Zunge genau wie ein Chamäleon herausschießen konnte, um damit Insekten zu fangen.

 

Link zur Studie


Stratigrafische Neubetrachtung der Hell Creek Formation von Montana

Die Hell Creek Formation, die sich während des oberen Maastrichtiums im mittleren Westen der U.S.A., in den Bundesstaaten Montana, Wyoming sowie North und South Dakota ablagerte, gehört zu den bekanntesten Fossillagerstätten der oberen Kreidezeit. Sie war einst die Heimat berühmter Dinosaurier wie Tyrannosaurus, Triceratops und Ankylosaurus, und ist auch der Schauplatz meiner Romanreihe „Die weißen Steine“.

 

 

Besonders die Gegend um Fort Peck Lake in Montana ist für zahlreiche Dinosaurierfossilien bekannt. Dort sind Forscher nun einen alten Rätsel auf den Grund gegangen: denn trotz ihrer Bekanntheit und der intensiven Erforschung ist die innere Stratigrafie (Schichtenfolge) von Hell Creek noch immer weitestgehend unbekannt. In ihrer Arbeit ordneten die Forscher die Ablagerungsfolgen nun vier verschiedenen Stufen zu, zwischen denen jeweils drei Phasen lagen, in denen das Meer, der berühmte Western Interior Seaway, immer wieder vorstieß und sich anschließend wieder zurückzog.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Ungewöhnlich langlebig: „Büroklammer-Ammonit“ lebte über 200 Jahre!

Die Welt der Kreidezeit war voll mit den bizarrsten Kreaturen. Zu den aus heutiger Sicht sicher ungewöhnlichsten zählte Diplomoceras maximum, ein wirklich größer Ammonit, der vor etwa 68 Millionen Jahren (und damit zur Zeit des T. rex) lebte und ein Gehäuse von der Länge eines Menschen besaß. Dieses Gehäuse war aber gerade das Verrückte an dieser Kreatur: es war nicht wie das der meisten anderen Ammoniten spiralförmig aufgebaut, sondern geschwungen und gebogen wie eine Büroklammer!

 

Lebendrekonstruktion von Diplomoceras maximum nach James McKay

 

Forscher der Syracuse University of New York haben nun noch ein weiteres verrücktes Detail über dieses Wesen herausgefunden: es war offenbar außergewöhnlich langlebig. Während die meisten heute lebenden Cephalopoden nur eine Lebenserwartung von wenigen Jahren haben, konnte D. maximum über 200 Jahre alt werden!

 

 

Als die Forscher die Fossilien dieses Büroklammer-Ammoniten auf Sauerstoff- und Kohlenstoffisotope analysierten, stellten sie dabei ein regelmäßig wiederkehrendes Muster im Verhältnis dieser beiden Stoffe fest. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass es die Jahreszyklen und den regelmäßig stattfindenden Methanfluss vom Meeresboden repräsentiert. Die Anzahl dieser Musterwechsel ist außerdem immer identisch mit den Rippungen des Schalenbogens, die sich auch bei modernen Nautiloiden immer im Laufe eines Jahres bilden. Und da es bei D. maximum über 200 waren, haben diese Tiere offenbar ein biblisches Alter erreicht.

 

Link zur Studie


Fossiler Urmenschenschädel untersucht!

Bereits 2018 haben Forscher der La Trobe University von Melbourne einen bemerkenswerten Fund gemacht: in der Nähe von Johannesburg entdeckten sie den exzellent erhaltenen Schädel eines Paranthropus robustus, einer Frühmenschenart, die vor rund zwei Millionen Jahren in Südafrika lebte. Paranthropus gehört zu einer entfernt verwandten Seitenlinie der Urmenschen, von denen es damals noch viele verschiedene Arten gab. Unweit der Fundstelle wurden auch die Überreste früher Vertreter des Homo erectus gefunden, was nahelegt, dass damals mehrere Urmenschen nebeneinander im gleichen Lebensraum lebten.

 

Der fossile Schädel des Paranthropus robustus in der La Trobe University.

 

Offenbar bevorzugte P. robustus mit seinem kräftigen Kiefer zähes Pflanzenmaterial wie Wurzeln und auch Baumrinde. H. erectus war zu dieser Zeit zwar gemäß seiner Fossilüberlieferung noch seltener, er hatte aber wohl einen abwechslungsreicheren Speiseplan aus stärkehaltigen Früchten und eiweißreicher Kost wie Insekten und Fleisch – wahrscheinlich zumeist Aas und eher selten selbsterlegte Beute. Die unterschiedliche Ernährungsweise ist ein Beispiel für unterschiedliche ökologische Einnischung und damit auch der Schlüssel für die lange Koexistenz der verschiedenen Urmenschenarten. Der neuentdeckte Schädel wird sicher noch einige neue Erkenntnisse liefern, um diese interessante Zeit zu beleuchten.

 

Link zur Studie


Von wegen Hai: Student findet neuen Flugsaurier!

Aufgrund der Covid-19-Beschränkungen sind auch in England derzeit alle Museen geschlossen. Doch der 26-jährige Student Roy Smith nutzte die Gelegenheit, um abseits der Besucherströme die Sammlungen des Sedgwick Museums in Cambridge zu durchstöbern. Dort lagern zahlreiche bislang kaum beachtete Fossilien, die von Berg- und Steinbrucharbeitern schon vor über 150 Jahren dem Museum übergeben worden waren. Eine großartige Beachtung durch die Wissenschaft erfuhren die Fossilien bislang nie, hielt man sie doch für die Wirbel gewöhnlicher Haie.

 

Lebendrekonstruktion eines azhdarchiden Pterosauriers von Davide Bonadonna

 

Im Rahmen seiner eigenen Forschungen konnte Smith einige „Hai-Wirbel“ aber als die von Flugsauriern identifizieren und sie bekannten Spezies zuordnen. Auch viele andere Flugsaurier-Fossilien, wie der Schnabel auf dem Bild, erfuhren so eine neue wissenschaftliche Betrachtung. Ein Fund war allerdings so speziell, dass er zu keinem bislang bekannten Pterosaurier passte. Die fragmentarischen Überreste gehören demnach sehr wahrscheinlich sogar zu einer bislang noch nicht wissenschaftlich beschriebenen Gattung.

 

Roy Smith mit dem Schnabel eines Flugsauriers.

 

Leider ist das Fossilmaterials dieses Exemplars zu fragmentarisch, sodass Smith keine Alleinstellungsmerkmale festmachen konnte, um seiner Entdeckung einen eigenen Namen zu geben. Aber noch hat er die gesamte Sammlung in Cambridge auch noch nicht durch – drücken wir ihm die Daumen, dass er vielleicht noch mehr tolle Entdeckungen macht!

 

Link zur Studie


Tierquälerei im Mittelalter – Archäologen finden Affenskelett in Baseler Latrine

 

Einen überraschenden Fund machten Archäologen, als sie in der mittelalterlichen Altstadt in Basel beim Bau eines Parkhauses Grabungen durchführten. Die stießen dort auf ein gut erhaltenes, etwa 570 Jahre altes Skelett, dass sie zuerst für das eines Kindes hielten. Genauere Untersuchungen ergaben jedoch, dass es sich dabei um einen männlichen Berberaffen (Macaca sylvanus) handelte.

Die in Basel entdeckten Affenknochen.

 

Was macht ein nordafrikanischer Affe aber in der Schweiz? Die Forscher sind sich sicher, dass es sich um ein exotisches Haustier handelte. Auf Wandteppichen und in Büchern des Hoch- und Spätmittelalters finden sich häufiger Abbildungen von solchen Äffchen, die als beliebte Haustiere bei der High Society jener Zeit sehr gefragt waren.

 

Ein mittelalterlicher Wandteppich belegt die grausamen Haltungsbedingungen für exotische Haustiere im 15. Jahrhundert.

 

Allerdings waren die Haltungsbedingungen für die Affen herzzerreißend miserabel. Der Affe wurde, wie die deformierten Wirbel zeigen, sein ganzes Leben lang an der Kette gehalten. Verletzungsspuren zeigen, dass das Tier häufig geschlagen wurde. Aus Verzweiflung könnte sich der Affe auch die ansonsten spitzen Zähne rund genagt haben, oder sie wurden ihm absichtlich abgeschliffen. Das Tier starb schließlich an einer Infektion am Ellenbogen, im Alter von nur acht Jahren und damit noch bevor es ganz ausgewachsen war. Nach seinem Tod hat man den Kadaver einfach in die Latrine geworfen.

 

 

Als möglicher Besitzer des Affen kommt der Gelehrte Heinrich von Beinheim infrage, der zu jener Zeit im Haus über dem Fundort lebte. Beinheim war ein Gelehrter und am Aufbau der Universität beteiligt, also verfügte er sowohl über die Verbindungen als auch die Mittel, sich so ein exotisches Haustier zuzulegen.

 

Link zum Artikel


Neues Robben-Fossil schreibt Evolutionsgeschichte um: Eomonachus belegaerensis 

Amateur-Fossiliensammler haben in Neuseeland eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: am südlichen Strand von Taranaki fanden sie die fossilen Knochen einer prähistorischen Robbe, die bei der späteren Untersuchung durch Paläontologen der Monash University, denen die Sammler ihren Fund zeigten, als eine neue Spezies erkannt wurde. Und darüber hinaus noch als wichtiges Bindeglied in der Entwicklungsgeschichte der Meeressäugetiere!

 

Lebendrekonstruktion von Eomonachus belegaerensis nach Jaime Bran

 

Eomonachus belegaerensis, wie sie das Tier beschrieben, lebte schon vor rund 3 Millionen Jahren in Neuseeland. Damit widerlegt er die alte Annahme, die Robben hätten sich alle im Nordatlantik entwickelt und seien erst im Pleistozän auf die Südhalbkugel gelangt. Eomonachus belegt, dass er zusammen mit den Vorfahren von heutigen Mönchsrobben, Seeelefanten und den Robben der Antarktis schon lange vorher dort lebte, und dass sich diese Robben auch ursprünglich dort entwickelt haben.

 

Die entdeckten Fossilien in der Monash University.

 

Der Name bedeutet gemäß dieser Erkenntnis „Früher Mönch von Belegaer“, dem fiktiven Meer im Westen von J.R.R. Tolkiens Fantasiewelt Mittelerde aus „Der Herr der Ringe“.

 

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Im Kampf gestorben? Museum präsentiert Ausstellung des ersten vollständigen Tyrannosaurus rex

Bereits 2006 machte Hobby-Fossilienjäger Clayton Phipps nahe seiner Ranch in Montana den Fund seines Lebens. Schon häufiger war er auf Fossilien von Dinosauriern gestoßen, aber noch nie auf so etwas: die Paläontologen, die er verständigte, sprachen von einem einzigartigen Fund zweier „Kämpfender Dinosaurier“.

 

Das ausgestellte Skelett eines jungen Tyrannosaurus. Foto: Seth Wenig

 

Eingeschlossen in 67 Millionen Jahre altem Sandstein, präparierten die Forscher in jahrelanger Feinarbeit den Schädel eines Triceratops und das Skelett eines jungen Tyrannosaurus heraus. Der Schädel des Horndinosauriers war so gut erhalten, dass an seiner Oberfläche Hautstrukturen mit einem Schuppenmuster erkennbar waren – der bislang erste Fund dieser Art. Das Tyrannosaurus-Skelett ist sogar zu 100% erhalten, der bislang einzige derart vollständige Skelettfund. Die Fossilien sollen nun im North Carolina Museum of Natural Sciences ausgestellt werden.

 

 

Doch birgt der Fund noch immer Rätsel: hat der Triceratops den Angriff des nur rund 2,7 m langen Tyrannosaurus-Bubis abgewehrt und ihn mit einem Fußtritt getötet? Ein tiefer Riss im Schädel könnte darauf hindeuten, doch zieht sich dieser auch weiter fort ins Gestein und könnte daher auch natürlich entstanden sein. Da viele weitere Tyrannosaurus-Zähne gefunden wurden, könnte es sein, dass der Tyrannosaurus zusammen mit Artgenossen an einem Kadaver fraß und während eines Streits zu Tode kam. Oder beide Skelette haben gar nichts miteinander zu tun und sind bloß zufällig am gleichen Ort abgelagert worden.

 

Trotz allem präsentieren Museum und Medien die Ausstellung stolz als „Dueling Dinosaurs“ – sehenswert wird sie allemal sein!

 

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Paläontologen entdecken drei neue ausgestorbene Walrossarten in Kalifornien

Walrösser sind heute vor allem in den Treibeisgebieten der Arktis verbreitet und haben sich perfekt an ein Leben in der Kälte angepasst. Umso erstaunlicher ist es, dass der Ursprung dieser moppigen Kolosse im sonnigen Kalifornien liegt: im berühmten Orange County, unweit vom Disneyland in Anaheim, haben Paläontologen nun die fossilen Überreste gleich mehrerer Ur-Walrösser entdeckt, die dort während der Zeit des Miozäns die Sonne genossen.

 

 

Fünfzehn verschiedene Walross-Arten lebten in diesem prähistorischen Walross-Paradies in der Zeit von vor 10 bis 5 Millionen Jahren, die meisten allerdings hatten noch keine große Ähnlichkeit mit ihren heute lebenden Pendants. Zum Beispiel fehlten ihnen noch die gewaltigen Stoßzähne, und sie waren meist noch wendige Fischjäger, statt den Meeresgrund vor allem nach Schalentieren zu durchstöbern. Und einige der Ur-Walrösser wie Pontolis magnus wurden auch richtig groß: mit einem Gewicht von über drei Tonnen erreichten sie gar die Größe heutiger Seeelefanten.

 

Lebendrekonstruktion und Größenvergleich von Pontolis magnus nach Roman Uchytel.

 

Bei ihren Grabungen trafen die Forscher auch auf drei gut erhaltene Schädel, die aber zu keiner bereits bekannten Walrossart passten. In einer neuen Studie beschrieben sie diese nun als neue Spezies: Pontolis kohnoi, Pontolis barroni und Osodobenus eodon sind ihre neuen Namen. Diese drei waren aber wiederum deutlich kleiner als ihre heute lebenden Verwandten.

 

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Dinosaurier-Funde der triassischen Chinle-Formation neu betrachtet

Die Paläontologen Adam D. Marsh und William G. Parker haben ihrer neuesten Studie sämtliche gefundenen Dinosauromorphen der Chinle-Formation in Arizona untersucht. In einer umfassenden Neubetrachtung haben sie ihre Ergebnisse nun veröffentlicht.

 

Die Bewohner der Chinle Formation in Arizona. Dinosaurier waren damals noch eher klein! Bildquelle: Reddit;
Naturewasmetal

 

Die Chinle-Formation mit dem berühmten Petrified Forrest (Versteinerter Wald) gehört zu den aufschlussreichsten Gesteinsformationen der späten Trias, also einer Zeit, in welcher die Dinosaurier auf der Welt noch nicht allein den Ton angaben. Sie lebten damals noch mit einer ganzen Reihe anderer Reptilien zusammen, z.B. riesigen pflanzenfressenden Therapsiden wie Placerias oder gefährlichen Rauisuchiern wie Postosuchus, die die gefürchtetsten Beutegreifer ihrer Zeit waren.
Dass sich die Dinosaurier nun aber langsam auf ihre große Blütezeit vorbereiteten, scheint sich in der Studie bereits abzuzeichnen: ganze 32 gefundene Exemplare der Dinosauromorphen werden daran beschrieben.

 

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Schädelfragment eines großen Horndinosauriers aus der unteren Hell Creek Formation beschrieben

Schon im Jahre 2000 legten Forscher bei den Ausgrabungsarbeiten eines Torosaurus in Montana weitere Fossilien eines anderen Ceratopsiers (Horndinosaurier) frei, dessen Überreste in einer etwas tieferen und damit älteren Gesteinsschicht gefunden wurden, allerdings nur schlecht erhalten waren. Diese Überreste wurden nun von dem Paläontologen John Scanella präpariert und in einer eigenen Forschungsarbeit beschrieben.

 

 

Die Ceratopsidae werden traditionell in zwei große Untergruppen unterteilt: die Centrosaurinen (mit verhältnismäßig kurzer Halskrause, keinen Stirnhörnern und langen Nasenhörnern) und die Chasmosaurinen (mit langen Halskrausen, mächtigen Stirnhörnern und kurzen Nasenhörnern). Der alte Horndinosaurier aus Hell Creek gehört offenbar zu den Chasmosaurinen zu gehören.

 

Eotriceratops und Triceratops im Größenvergleich. Bildquelle: Wikipedia.

 

Unklar ist aber, zu welcher Gattung das Oberkieferfragment gehört. Typisch für die Hell Creek Formation ist natürlich der berühmte Triceratops. Auch ein Torosaurus käme eventuell infrage, obwohl manche Paläontologen die Gültigkeit dieser Gattung anzweifeln und sie mit Triceratops synonym vermuten. Hinsichtlich der enormen Größe und des Alters dieses Fundes käme auch ein später Eotriceratops infrage: das Fragment ist mit einem Alter von rund 68,5 Millionen Jahren der bislang älteste Horndinosaurierfund aus Hell Creek. Der Fund ist für die Forscher vor allem deshalb interessant, weil er belegt, dass riesige chasmosaurine Horndinosaurier auch schon in den ältesten Schichten der Hell Creek Formation vorkommen.

 

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Klimawandel begünstigte Gigantismus der Sauropoden

Sie waren die größten Tiere, die jemals über unseren Planeten stapften: Von der Nasen- bis zur Schwanzspitze waren manche Sauropoden so lang wie ein Tennisplatz, ihr Kopf ragte bis auf die Höhe eines mehrstöckigen Hochhauses. Ihrem Gigantismus liegt eine ganze Kette von Faktoren zugrunde. Forschern ist es nun gelungen, diese Kette bis zu ihrem ersten möglichen Glied zurückzuverfolgen, und dieses ist ein alter Bekannter: der Klimawandel.

 

Vor

etwa 201 Millionen Jahren sorgte das Auseinanderbrechen des Superkontinents Pangaea für eine Serie von Vulkanausbrüchen. Die dabei freigesetzten Gase wirkten sich massiv auf das Klima aus, und da sich nun auch Meeresstraßen auftraten, wo es vorher keine gab, taten auch die Meeresströmungen ihr Möglichstes dazu, den Planeten in ein feuchtwarmes Tropenhaus zu verwandeln. Dies wiederum führte zu einem vollständigen Wandel der Vegetation: die Welt wurde immer grüner.

Die Sauropoden, die in der Trias selten länger als 10 m wurden, passten sich an diesen neuen Nahrungsreichtum an. Ein größerer Körper führte nicht nur zu einem besseren Schutz vor Feinden, er verbesserte auch die Effizienz der Energieverwertung. Je länger der Darm, umso mehr Nährstoffe bekam er aus den Pflanzen heraus, und je größer das Tier, umso länger der Darm.

 

Ein früher Sauropode wurde nun von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Diego Pol vorgestellt, der genau in diese Phase der Entwicklungsgeschichte passt. Mit einem Alter von rund 180 Millionen Jahren zeigt dieses Tier, dass unter dem Namen Bagualia alba neu beschrieben wurde, deutliche Merkmale, die den Werdegang vom Durchschnitt zum Superlativ beleuchten.

 

Lebendrekonstruktion von Bagualia alba nach Jorge Gonzalez.

 

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Studie zu Sahelanthropus tchadensis: doch nicht unser frühester zweibeiniger Vorfahre?

In den vergangenen Jahren brachte die intensive Zusammenarbeit von Archäologie, Paläontologie, Anthropologie und mehrerer anderer Disziplinen immer mehr Licht ins Dunkel zu der wohl wichtigsten Frage der Menschheit: wo kommen wir eigentlich her?

 

Lebendrekonstruktion von Sahelanthropus tchadensis von Roman Yevseyev.

 

Die Antwort darauf ist alles andere als einfach. Auch wenn sie heute schon eine Menge herausgefunden haben, müssen alte Erkenntnisse immer wieder hinterfragt werden, immer wieder tauchen neue Fossilien auf, die altes Wissen relativieren, und manchmal sind es auch die schon altbekannte Funde, die neue Einblicke geben. So wie nun in einer neuen Studie, in welcher sich Forscher den bereits 2001 gefundenen Oberschenkel eines Sahelanthropus tchadensis vornahmen, eines frühen Menschenaffen, der von vor 6 bis 7 Millionen Jahren lebte – einer Zeit, in welcher Genforscher den letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse vermuten.

 

Die Oberschenkelknochen von Sahelanthropus tchadensis.

 

Dabei kamen sie zu folgenden Einsichten: der Oberschenkel von Sahelanthropus ist ganz anders gebaut als der von Orrorin tugenensis, eines anderen Hominiden, der etwas später lebte und dessen Morphologie bereits etwas menschenähnlicher ist. Anders als Orrorin konnte Sahelanthropus wahrscheinlich noch nicht aufrecht auf zwei Beinen gehen. Der Bau der Gliedmaßen weißt eher auf eine schimpansenartige Fortbewegung hin.

 

Die Schädelfossilien von Sahelanthropus tchadensis.

 

Daraus ergeben sich neue Fragen: war Sahelanthropus überhaupt einer unserer Vorfahren? Steht er vielleicht doch den Schimpansen näher und ist ein Teil ihrer, nicht unserer Ahnenreihe? Oder repräsentiert das Fossil sogar eine dritte Stammform, abseits von Schimpanse und Mensch? Die Forschungen werden sicher noch weiter gehen, und einer Tages wird man die Fragen vielleicht beantworten können – bis zum nächsten Fossilfund.

 

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Tödliche Kiefer: Frühe Haie des Erdaltertums konnten ihre Zähne kippen

Forschern der Universität Zürich haben in den devonischen Schichten in Marokko einen bemerkenswerten Fund gemacht: vor etwa 370 Millionen Jahren, also zu der Zeit, als gerade die allerersten Amphibien ihren Fuß aufs trockene Land setzten, gab es dort in den Meeren gefährliche Raubfische, darunter auch Haie mit einer perfiden Tötungsmethode.

 

Lebendrekonstruktion von Ferromirum oukherbouchi von Christian Klug.

 

Ferromirum oukherbouchi, wie einer von ihnen nun neu benannt wurde, war zwar nur etwa 30cm lang, er besaß aber schon genau wie heutige Haie ein sogenanntes Revolvergebiss aus ständig nachwachsenden Zähnen. Anders als seine heutigen Pendants konnte Ferromirum aber auch die weiter hinten liegenden Zähne schon voll zum Einsatz bringen: wenn er das Maul aufriss, konnte er seinen Kiefer nach außen drehen. Dabei klappten die vorderen Zähne um 20° aus dem Maul heraus. Beim Packen der Beute rissen sie das Opfer weiter in den Schlund, sodass ein Entkommen praktisch unmöglich war.

 

Computermodell der Fossilien nach dem 3D-Scan.

 

Haifossilien, insbesondere solche mit gut erhaltenem Kieferskelett sind extrem selten. Wie alle Haie war schließlich auch Ferromirum ein Knorpelfisch, dessen Skelett kaum bzw. gar nicht verknöchert war. Hier war aber der Erhaltungszustand so gut, dass die Forscher sogar einen aufschlussreichen 3D-Scan des Fossils machen konnten.

 

Die fossilen Überreste von Ferromirum oukherbouchi aus Marokko.

 

Sie vermuten, dass im Oberdevon noch viele Haie ihrer Kiefer so ausklappen konnten wir Ferromirum. Mit der Zeit ging diese Mechanik aber zugunsten eines schnelleren Zahnwechsels verloren. Heute haben alle Knorpelfische verwachsene und starre Kiefer.

 

Limk zur Studie


Das war es dann auch schon mit den Paläo-News!

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Der Advent ist die Zeit zum Plätzchen backen. Warum nicht mal etwas anderes als Sterne und Engel? Weihnachtsplätzchen in Saurier-Form sind nicht nur der neueste Schrei, sondern auch der Knüller bei Kindern.

 

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Artikel der Woche

 

Auf meiner Seite „Die weißen Steine“ ging es wieder weiter mit meiner Serie „Film vs. Wissenschaft“. Dabei habe ich eine weitere Folge der beliebten Doku-Reihe „Die letzten Jahre der Dinosaurier“ auf Herz und Nieren geprüft. Welche Verbesserungen müsste man mit dem Wissen aus dem Jahr 2020 an der Folge „Der Vulkanausbruch“ vornehmen? Könnte das Abenteuer der Maiasaurier Buck und Blaze sowie ihres Widersachers Daz heute immer noch so abgedreht werden?

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1051480538628569


 

Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer