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Der Riesenalk (Pinguinus impennis) war mit über 80 cm Körperlänge der größte der Alkvögel, wurde aber Anfang des 19. Jahrhunderts völlig ausgerottet. Von den keltischen Völkern wurde er Pinguin genannt, „Weißkopf“ (pen = Kopf, gwyn = weiß). Erst Jahrhunderte später ging dieser Name auf den mit dem Riesenalk nicht verwandten antarktischen Vogel über (der im Französischen „Manchot“ heißt, der Riesenalk nach wie vor Pingouin, was zuweilen zu kuriosen Übersetzungsfehlern führt).

 

Riesenalk in Birds of America
Abbildung des Riesenalkes in „Birds of America“ von John J. Audubon, ca. 1827 bis 1838

 

Wir lesen auf der Seite 4 des „Unterhaltungsblatts des Vorwärts“ vom Mittwoch, dem 28. Dezember 1898 Erstaunliches über das Überleben des Riesenalkes. Im Nachhinein können wir aber sagen, dass sich diese Spekulation leider nicht erfüllt hat:

Das Aussterben des Riesenalkes

„Die letzte Brutstätte eines aussterbenden Vogels. Der Riesenalk, fälschlich oft auch als Pinguin bezeichnet und mit diesem Namen zu recht tragenden antarktischen Vogel verwechselt, gilt im wesentlichen als ausgestorben. Am häufigsten ist er wohl vor einigen Jahrhunderten auf den Inseln Island und Neu-Fundland gewesen, und besonders auf ersterer Insel legen noch heute einige Ortsnamen Zeugniß von der ehemaligen Bedeutung des sonderbaren Vogels ab. Gelegentlich sind auch noch in diesem Jahrhundert einige lebende oder todte Exemplare des Riesen-Alk erbeutet worden, jedoch ist man von den Zeiten, wo der Vogel den Isländern und Grönländern einen wesentlichen Beitrag zu ihren Fleischspeisen lieferte, weit entfernt, und ein Balg wird heute beinahe mit Gold aufgewogen.

 

Riesenalken auf einer Schoko-Sammelkarte
Das Bild „Riesenalke“ als Illustration für eine Karte aus einem Set von 30 Sammelkarten. Es trug den Titel „Tiere der Urwelt“. Aus der Serie Ia. Das Set wurde 1916 mit Text versehen und vermutlich mit Schokoladentafeln verbreitet. Künstler: Heinrich Harder

 

Wohl niemand unter den lebenden Forschern hat sich mit der Geschichte dieses jedenfalls fast ausgestorbenen Thieres eingehender beschäftigt als der englische Professor Newton, und sein Hauptaugenmerk war seit Jahren auf die Orkney-Inseln gerichtet. Schon 1888 war die kleine Klippe, die den genannten Inseln im Osten vorgelagert ist, von Buckley untersucht worden und hatte die Vermuthung erweckt, daß hier der letzte Brutplatz des Riesen-Alk bestünde, später wurde jedoch geltend gemacht, daß auch auf diesem Felseneilande keine Stelle für einen solchen Vogel ganz geeignet wäre.

Jetzt hat Newton einen solchen Platz ausfindig gemacht, und er hält es für zweifellos, daß der Holm gegenwärtig die einzige Stätte sei, auf die der Vogel sich noch zurückgezogen haben könne.

 

Riesenalk Verbreitungsgebiet mit Brutkolonien
Verbreitungsgebiet des Riesenalkes. Dunkel: Belegte Verbreitung in geschichtlicher Zeit, hell: Vermutete maximale Verbreitung, Gelb: Bekannte Brutkolonien. Ob die Tiere auch die Hochsee bewohnten, ist eher zweifelhaft.

Was von einer Art übrig bleibt…

Allerdings dürften nur noch sehr wenige Exemplare am Leben sein, daß das Thier aber nicht ganz ausgestorben ist, hat die Erbeutung zweier Bälge vor wenigen Jahren erwiesen. Von dem Riesen-Alk sollen gegenwärtig noch folgende Ueberreste in Museen vorhanden sein: 80 bis 82 Bälge, 23 oder 24 Gerippe, 862 bis 874 lose Knochen, 2 bis 3 physiologische Präparate und 71 bis 72 Eier. Vielleicht gelingt es jetzt, den überaus seltenen Vogel noch einmal aufzuspüren.“

 

Dermoplastik eines Riesenalkes
Was von einer Art übrig bleibt: Dermoplastik eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

 


 

Zum Riesenalk haben wir noch zwei weitere Artikel: Eine Meldung zum „offiziellen“ Aussterben 1844 und einen Hauptartikel über Sichtungen in den folgenden Jahren.

Von Ulrich Magin

Ulrich Magin (geb. 1962) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Kryptozoologie, insbesondere mit Ungeheuern in Seen und im Meer. Er ist Mitarbeiter mehrerer fortianischer Magazine, darunter der „Fortean Times“ und Autor verschiedener Bücher, die sich u.a. mit Kryptozoologie befassen: Magischer Mittelrhein, Geheimnisse des Saarlandes, Pfälzer Mysterien und jüngst Magische Mosel.