Freitagnacht-Kryptos: Der riesige Hecht, der nicht sein durfte

Ein kreischender Schwan…

Ein Fischer über Bord…

Eine betrunkene Frau in einem Ruderboot…

Eines nach dem anderen fordert der mysteriöse Killer in Lake Windermere seine verängstigten Opfer, um ihnen mit seinen monströsen Zähnen Gliedmaßen abzureißen und ihre Körper schrecklich zu verstümmeln.

 

 

Der Name Cliff Twemlow ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass er zwar ein ungeheuer kreativer Mensch war, aber nie richtig mit der Realität zurechtkam. Der 1937 in Manchester geborene Cliff war der Sohn eines Seemannes. Er jobbte zunächst als Rausschmeißer in Nachtclubs, doch bald komponierte sehr erfolgreich Musik für Musikbibliotheken. Mitte der 1970er begann er, Horrorstorys für Taschenbuchverlage und Pulp-Magazine zu schreiben. Einige von ihnen sollte er später auch in Form von Low-Budget-Produktionen verfilmen. Hierbei blieb er stets seiner Heimatstadt Manchester treu, die in den 1970ern und 80ern als „Hollywood des Nordens“ bekannt war.

 

„The Pike“

Cover "The Pike"

Mitte der 1970er entstand das Drehbuch zu „The Pike“. Die Produktionsfirma Hammer Film Production wählte es möglicherweise als Ersatz für die gescheiterte Produktion von „Nessie“, einem Monsterfilm im Stil von Godzilla. Doch Hammer kam in eine finanzielle Schieflage und verlegte sich auf die Verwaltung der bereits gedrehten Filme. Cliff adaptierte das Drehbuch zu einem Roman und ließ ihm direkt einen zweiten, The Beast of Kane, folgen.

 

Die Geschichte zu „The Pike“ spielt im Lake Windermere im Lake District und behandelt hauptsächlich einen riesigen Hecht, der zunächst auffällt, weil er Schwäne frisst. Später entwickelt er dann – wie könnte es anders sein – eine Vorliebe für Schwimmer.

 

Bald nahm Cliff Twemlow die Idee, „The Pike“ zu verfilmen, wieder auf. Es gelang ihm, die als „Denver-Biest“ bekannte Joan Collins als Hauptdarstellerin zu verpflichten. Jack Hedley, der gerade „The New York Ripper“ abgedreht hatte, stand für die männliche Hauptrolle fest.

 

Joan Collins in trauter Zweisamkeit mit dem Riesenhecht. Im Kino dürfte das anders aussehen.

 

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The Pike

„The Pike“ ist ein flotter 160-Pager und lebt auch von Tempo und Kürze. Twemlows auf den Punkt gebrachter Roman spielt im Lake District, insbesondere im Lake Windermere. Der menschliche Protagonist ist Mike Watson, Boulevardjournalist. Mike nimmt sich eine Auszeit, um seiner gescheiterten Ehe und seiner ins Stocken geratenen Karriere zu entkommen.

Als einem Angler das halbe Gesicht abgebissen wird, stellt der besorgte Journalist fest, dass er einer dicken Story auf der Spur ist, und so setzen seine Ermittlungsinstinkte wieder ein.
Klassenunterschiede hindern den unerschrockenen Reporter nicht daran, um die Enkelin eines lokalen Adeligen anzuhalten. Bald bildet sich ein Team, um den 12-Fuß-Killerhecht zu jagen.

 

The Pike hat in der Ausgabe von 2017 227 Seiten. Es ist als Paperback in der typischen Pulp-Qualität und für den Kindle erhältlich.

 

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Der mechanische Hecht

Um den riesigen Hecht realistisch darstellen zu können, kontraktierte Twemlow die Firma Ulvertech, die sonst unbemannte U-Boote für Ölbohrinseln in der Nordsee bauten. Der 4 m lange mechanische Hecht, von dem es zwei Exemplare gab, weckte großes Interesse bei der Presse. Sogar die Pop-Science-Sendung Tomorrow’s World der BBC berichtete über ihn.

 

zwei mechanische Hechte
Cliff Twemlow und seine mechanischen Hechte

 

Leider, wie allzu oft, scheiterte die Finanzierung im von Krisen geschüttelten Großbritannien der frühen 1980er. Obwohl Twemlow in den folgenden Jahren einige erfolgreiche Filme produzierte, konnte er „The Pike“ auch später nicht wiederbeleben. Er starb 1993 bei der Produktion eines anderen Films. Die beiden Hechte verrotteten in einem Schuppen, das Buch war bald vergriffen und wurde nicht mehr aufgelegt. Nur bei den leidenschaftlichsten Pulp-Fans geriet es nicht in Vergessenheit… oder auch nicht, denn eine britische Independent-Plattform hat das Buch 2017 erneut auf den Markt gebracht.

 

Aber wer weiß, ob nicht doch irgendwo in einem der Seen des Lake Districtes…? Gab es nicht neulich die Meldung von britischen Birdern, dass dort auf einem See die Schwäne verschwänden?