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  • +++ Breaking News +++ Serval in Eitorf

    von: Tobias Möser

     

    In den letzten Tagen des vergangen Jahres waren es nur Gerüchte. Eine Wildkamera machte es jetzt eindeutig: Ein Serval oder eine Serval-Hybride mit hohem Serval-Anteil schleicht im rheinischen Eitorf (25 km östlich von Bonn, an der Sieg) durch Wald und Flur. Doch von Anfang an:

    Zunächst gab es einige Anrufe von Anwohnern bei der Polizei. Die Zeugen haben eine große Katze beobachtet, bei der es sich nicht um eine Hauskatze handelt. Allgemein wurde zunächst ein Luchs vermutet. Als das Tier dann auch mitten in der Stadt auftauchte, war klar: Luchse verhalten sich nicht so. So fiel der Verdacht zunächst auf eine Savannah, ein Hauskatze- Serval-Mischling, der in den letzten Jahren in Deutschland populär geworden ist.

    Die Wildkamera belegt: Ein Serval

    Doch Fotos einer Wildkamera, die ein lokaler Jäger installiert hat, belegen etwas anderes. Die Katze zeigt eine vollständige und eindeutige Serval-Zeichnung einschließlich der charakteristischen Streifung der Ohren in Schwarz-Weiß-Schwarz. Bei Savannah-Katzen ist dies stets Schwarz-Beige-Schwarz. Leider sind die Bilder für uns nicht verfügbar.

    Zwei Servale
    Servalkätzin mit Nachwuchs im Zoo

    Savannah
    Savannah-Katze mit der typischen Ohrzeichnung (vgl. links)

    Servale sind Kleinkatzen, die in Afrika südlich der Sahara die Grasländer bewohnen. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 100 cm und eine Schulterhöhe von bis zu 62 cm. Große Männchen können 18 kg erreichen, Weibchen bleiben mit 7 bis 12 kg kleiner. Sie sind beige gefärbt und tragen ein Muster aus schwarzen Flecken, die im Hals- und Schulterbereich zu Längsstreifen verschmelzen. In ihrer Heimat ernähren sich Servale vor allem von Kleinnagern, die sie im Gras erbeuten. Gelegentlich fangen sie auch Vögel.

    Wo kommt der Serval her?

    Servale werden mehr oder weniger regelmäßig in Zoos gehalten, so derzeit in etwa 20 deutschen Zoos, in zwei Belgischen und acht Niederländischen. Keiner der Zoos liegt in der Nähe von Eitorf.

    Möglicherweise stammt die Katze von einem privaten Serval-Züchter.

    Keine Panik!

    Die Behörden warnen nicht vor dem Tier. Kein Wunder, da Servale doch hauptsächlich Kleinnager fressen und in der Natur als sehr scheu gelten. Ob dieses spezielle Exemplar Menschenkontakt gewöhnt ist, wird sich erst zeigen, wenn es eingefangen wurde. Wenn die Katze gefangen wurde oder sich in umfriedeten Gelände befinden, in dem sie eingefangen werden kann, bitte die Polizeiwache in Eitorf unter 02243/94 34 21 anrufen.

    Im Oktober hatte eine mutmaßliche Savannah für kurzzeitige Panik bei einer Familie in Nordlondon gesorgt. Wir berichteten.


    Literatur:

    Kölner Stadtanzeiger mit dem Video der Wildkamera

    WDR: Serval weiter in Eitorf unterwegs


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  • Kryptozoologie 2019 – unser Jahresrückblick

    von: Redaktion

     

    Um Weihnachten herum ist die Zeit der Jahresrückblicke. Wir möchten uns dieser Tradition anschließen und uns noch einmal mit den Themen befassen, die dieses Jahr in der Kryptozoologie für Wirbel gesorgt haben.

    Bekannte und weniger bekannte Kryptide

    Die indische Armee twittert „Fußspuren des Yetis entdeckt“, die Netzgemeinde jubelte: „Yeti bewiesen“. Dummerweise unterlief einigen Soldaten ein Fehler, sie hätten lieber auf ihre einheimischen Scouts gehört: Die wussten, dass es sich um die Spuren eines Bären handelte.

    Ein Kadaver, der dem Montauk-Monster ähnelt, ist in Staten Island, New York aufgetaucht. Genau wie der Montauk-Kadaver handelt es sich um die Wasserleiche eines Waschbären.

    Auch der Bigfoot war mal wieder in den Medien, zunächst mit einem Video, dann mit einem Portrait, das eine Wildkamera geschossen haben soll. Auch einige alte Bigfoot-Geschichten werden wieder aufgewärmt, einschließlich 40 Jahre alter FBI-Akten: Wie immer nichts substanziell Neues.

    Unbekannter Kadaver liegt am Strand
    Nahaufnahme des Staten Island Kadavers (Foto: John Graziano)

    Portrait eines toten Berardius minimus
    Kopf von B. minimus. Aufällig ist die steile Stirn und das kurze Rostrum. Bild aus der Erstbeschreibung.

    Ein kryptozoologisch lange bekannter Schnabelwal wird wissenschaftlich beschrieben. Damit „wechselt“ er vom Objekt der Kryptozoologie zum Objekt der Zoologie. Berardius minimus* ist mit etwa 7 m Gesamtlänge vermutlich das oder eines der größten, noch unbeschriebenen Tiere der Welt gewesen. Er lebt in der Hochsee des Nordpazifiks und ernährt sich, wie fast alle Schnabelwale vor allem von Tintenfischen, die er in der Tiefsee fängt.

    Das australische Department of Primary Industries, Parks, Water and Environment veröffentlicht acht Berichte von Beutelwolf-Beobachtungen zwischen September 2016 und September 2019.

     

    Sensation an Loch Ness?

    Der neuseeländische Professor Neil Gemmell hat in Loch Ness Umwelt-DNA-Proben genommen. Im Sommer veröffentlichte er, dass er dabei „etwas ungewöhnliches“ entdeckt habe. Die Pressekonferenz am 5. September ließ die größte kryptozoologische Meldung seit vielen Jahren vermuten.

    Die mit viel Vorschusslorbeeren ausgefütterte Veranstaltung brachte aber „nur“ eine eher alltägliche Erklärung: Als „etwas ungewöhnliches“ bezeichnet er, dass in jeder seiner Umwelt-DNA-Proben die DNA von Aalen enthalten war.

    Loch Ness mit einer Nessie-Stoffpuppe
    Loch Ness mit Monster, wenn auch winzig klein und freundlich

    Tafel, die Plesiosaurier, Haie und Welse als Nessie ausschließt und einen Riesenaal vorschlägt
    Der Stein bzw. der Aal des Anstoßes. Gemmell et al. fanden riesige Mengen Aal-DNA, aber keine Menge Riesenaal-DNA. Image Credit: University of Otago

    Leider kam Gemmell auf die Idee, den Kryptozoologen einen hypothetischen Aal zu liefern, der doppelt so lang sein soll, wie die größten bisher bekannten Aale. So wurde eine Spekulation durch eine andere ersetzt.

    Von den Ausgestorbenen zurückgekehrt:

    Keine Frage, durch Umweltzerstörung, Jagd und Fischerei und den menschengemachten Klimawandel rotten wir jedes Jahr tausende von Arten aus, viele ohne sie kennenzulernen. Doch manchmal tauchen Arten, die man ausgestorben glaubt, wieder auf.

    Die Wallace-Riesenbiene, die seit 1981 als ausgestorben galt, wurde auf einer der kleinen Sundainseln wiederentdeckt und gefilmt.

    "AFP PHOTO / GLOBAL WILDLIFE CONSERVATION / CLAY BOLT"
    Dieses Foto wurde von der Global Wildlife Conservation am 21. Februar 2019 angeboten. Es zeigt den Entomologen und Bienenexperten Ely Wyman mit dem ersten entdeckten Exemplar der Wallace Riesenbiene (Megachile pluto) auf einer indonesischen Insel der Nordmolukken.
    „AFP PHOTO / GLOBAL WILDLIFE CONSERVATION / CLAY BOLT“

    Nebelparder-Portrait
    Portrait eines Festland-Nebelparders aus dem Duisburger Zoo

    Der Taiwan-Nebelparder, der zum letzten Mal 1983 beobachtet wurde, ist wieder aufgetaucht. Die Taiwan News meldete Anfang des Jahres einige Sichtungen im Zentralgebirge an der Südspitze der Insel.

    Obwohl sie nicht wieder auferstanden sind, hat Israel Mammuts zur bedrohten Art erklärt. Somit kann der Handel mit Mammutelfenbein kontrolliert und eingeschränkt werden. Häufig wird Elfenbein rezenter Elefanten als Mammutelfenbein deklariert und so gehandelt. Israel will das unterbinden.

     

    Bemerkenswerte Fossilienfunde

    Auf den Philippinen wurde eine zweite, stark verzwergte Menschenart entdeckt. Analog zum Flores-Hobbit scheint es sich bei Homo luzonensis* um eine Inselverzwergung. Diese Menschen wurden nur etwa 1,2 m groß und lebten vor nur 67.000 Jahren dort. Über den Ursprung der geschickten Jäger ist noch nichts bekannt.

    Ein riesiges Raubtier aus dem Miozän Afrikas – doch nicht so riesig, wie es die Presse gerne hätte. „Nur“ 400 bis 500 kg schwer war Simbakubwa kutokaafrika* und nicht etwa 1300 bis 1500 kg, wie es einige Medien behaupteten und die Sozialen Medien es liebend gern aufnahmen.

    Größenvergleich zwischen Simbakubwa und einem mittelgroßen Königstiger mit einer Schulterhöhe von 0,95 m. Der Mensch ist 1,8 m groß, alle Tiere sind im gleichen Maßstab gezeichnet.

    Der kaum erkennbare Kopf eines Wolfes aus dem Permafrost
    Dieser Kopf war im Frühjahr in den Schlagzeilen
    Albert Protopopov / Siberian Times

    Aus dem sibirischen Permafrost wird ein Wolfskopf geborgen- Fehlinformationen lassen auch ihn zu einem Monster werden.

    Wirklich riesig hingegen ist „Scotty“, der größte bisher gefundene Tyrannosaurus rex. Seit dem Frühjahr ist sein Skelett in einer Sonderausstellung des Royal Saskatchewan Museum in Regina, Kanada zu sehen. Er ist mit über 13 m der größte terrestrische Theropode, der je gefunden wurde.

     

    Out of place

    Auch dieses Jahr gab es wieder eine ganze Reihe von Out-of-Place-Sichtungen. Es begann bei einem Stinktier im Westfälischen Hagen, ging über mehrere Supermarktspinnen, Känguru und Luchs im Ruhrgebiet. Etwas besonderes war dann doch die Lederschildkröte, die sich in Kanada verschwommen hatte und vermutlich im letzten Herbst erfroren ist.

    Eine Schildkröte liegt in einem Loch im Eis
    Die tote Schildkröte musste vom dicken Eis befreit werden, bevor sie an Land gezogen werden konnte. (Foto: Sue MacLean)

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Auszug aus der Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn.

    Doch einen Großteil unserer Aufmerksamkeit hat eine Mönchsgeierdame namens Brínzola auf sich gezogen. Dieser Vogel ist spontan aus ihrer Heimat in Nordspanien aufgebrochen. Nach einer Schleife durch die Wälder der französischen Gascogne ist sie auf mehr oder weniger direktem Weg zur Vogelfluglinie nach Skandinavien aufgebrochen. Dort hat sie in einer wildreichen Gegend in Zentralnorwegen ihren Sommer und einen Teil des Herbstes verbracht. Da die Geierdame einen Sender trägt, so konnte das „Proyceto Monachus“ ihren Flug fast metergenau aufgezeichnen veröffentlichen. Wo sich die schwarze Schönheit zur Zeit aufhält, ist unbekannt.

    Nicht nur Vögel sind entflogen

    In Düsseldorf und mitten in Essen wurde ein Wolf beobachtet. Anwohner konnten in Essen filmen, wie das Tier über den breiten, begrünten Mittelstreifen einer Allee in einem der besten Viertel der Stadt lief. Ob es sich tatsächlich um einen Wolf, einen wolfsähnlichen Hund (ohne Halsband) oder einen Mischling handelt, wollten die Behörden klären. Bisher haben wir nichts hierzu gehört.

    Schwarzer Panther vor dem Fenster einer Dachwohnung
    Ein Fenster einer typisch französischen Dachwohnung – nur der schwarze Panther passt nicht dazu.

    Bär in der Fotofalle
    Bär in der Fotofalle. Foto: Bayerische Staatsforsten

    Eine Räuberpistole ganz anderer Art barg die unschuldige Meldung, dass im nordfranzösischen Armentiéres ein schwarzer Leopard, auf der Regenrinne eines Häuserblockes spazieren geht. Diese völlig unglaubwürdige Meldung wird binnen Sekunden zum Faktum, denn mehrere Fotografen und ein Filmteam haben die Raubkatze im Bild festgehalten. Nachdem das Tier eingefangen werden konnte, kam es in den Zoo im nahegelegenen Maubeuge, wo man sich praktischerweise mit der Haltung von Leoparden auskennt. Dennoch wird das Tier nur ein paar Tage später dort gestohlen und bleibt verschwunden.

    Zwölf Jahre nach Bär Bruno „JJ1“ hat sich wieder ein Bär nach Bayern verirrt. Außer einem Kothaufen und einem Foto auf einer Wildkamera hinterlässt er nichts: keine Spuren, keine Schäden, ein paar Fotos und einige Fans. So mag man bei Füssen seine Touristen.

     

    Der Sasquatch und das Infrarotlicht

    Angebliches Bigfoot-Foto
    Das angebliche Sasquatch-Foto. Urheber unbekannt

    Sasquatches oder Bigfoots sind als Wesen bekannt, die sehr auf ihr Privatleben achten. Sie schätzen es nicht, einfach so beobachtet zu werden und lassen sich deswegen auch nicht mit Wildkameras fotografieren. Ein angeblich aus dem US-Bundesstaat Georgia stammendes Bild einer solchen Wildkamera zeigt angeblich einen Teil des Gesichtes eines Bigfoots.

    Die tiefergehende Recherche des NfK zeigte bereits ganz am Anfang Unstimmigkeiten, denn auch der Ort Manyberries im Süden Kanadas wird als Ursprungsort genannt. Natürlich wollten wir die Echtheit oder Unechtheit des Bildes zu belegen. Dazu mussten wir zunächst herausfinden, wie menschliche und tierische Augen auf Blitze reagieren, die deutlich außerhalb des sichtbaren Strahlungsspektrums liegen: Siehe da: Das Auge eines Menschen und noch stärker das eines waldbewohnenden Tieres hätte in der dargestellten Situation den Blitz reflektiert, wie auf einem „rote Augen“-Foto der 2000er Jahre.

    Wir wissen nicht, was die Kamera fotografiert hat, aber ein Lebewesen war es nicht.

    Der Discovery-Channel-Ableger „Travel Channel” hat passend zu Weihnachten ein Team für eine sechsteilige Miniserie zusammengestellt und sie in Zentral-Oregon auf die Suche nach Bigfoot geschickt. Sie kamen auch mit einem Infrarotbild zurück. Diesmal handelt es sich um eine passive Infrarotaufnahme oder Wärmebild. Die Experten des Senders werten es als Beweis für den Bigfoot, wir bleiben skeptisch.

    Ausgebüxte Tiere

    Wie immer gibt es eine ganze Reihe von ausgebüxten Haus- und Zootieren, die in den Meldungen erscheinen.
    Für einen Luchs, der im vergangenen Dezember aus einem Wildpark in Haltern am See entkam, nahm die Sache ein außerordentlich gutes Ende. Er streunte mehrere Monate durchs zentrale Ruhrgebiet, bis er im Mai in eine Falle ging – in bestem Gesundheitszustand. Eine Rückführung des Luchses in seine Gruppe war nicht möglich, auch andere Wildparks und Zoos hatten kein Interesse an dem Tier. Im Oktober wurde er nach Polen gebracht, wo er im folgenden Jahr ausgewildert werden soll.

    Weniger erfolgreich verlief der Freigang eines Stinktieres, das in schlechtem Ernährungszustand in Hagen eingefangen wurde. Ein weißes Känguru entkam dieses Jahr seinem Halter im Essener Süden mindestens zweimal.

    Passend zum Sommerloch hielt eine Monokelkobra den Ruhrgebietsort Herne in Atem. Ein Wohnhauskomplex wurde evakuiert und musste mehrere Tage gesperrt bleiben, bis die Schlange im Kellerabgang des Hauses aufgeschreckt und eingefangen wurde.

     

    Kongress zum Thema „Mokele-Mbembe: Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben?“

    Am 12. Oktober trafen sich zahlreiche Kryptozoologen und interessierte Laien zum Fachkongress um das Kryptid Mokele Mbembe. Die Gastgeber von den Sauerland-Pyramiden in Lennestadt hatten auch diese Veranstaltung wieder mit professioneller Routine hervorragend organisiert.

    Die Referenten: (von links): Hans-Jörg Vogel, Tobias Möser, Michel Ballot, Wolfgang Schmidt, Thomas Piotrowski und Francois de Sarre

    Vortrag und Übersetzung
    Michel Ballot (re) kommentiert seine Bilder, Francois de Sarre (li) übersetzt

    In vier Vorträgen berichteten die Referenten von unterschiedlichen Methoden, sich dem Phänomen „Mokele Mbembe“ zu nähern. Jeder der Vorträge lieferte völlig neue Sicht- und Herangehensweisen: Hans-Jörg Vogel forschte in den Archiven Berlins nach den Aufzeichnungen zweier der bekannten deutschen Afrikaforschern. Michel Ballot hingegen nahm den direkten Weg und besucht seit vielen Jahren regelmäßig die Grenzregion zwischen Kamerun und Kongo. Thomas Piotrowsky kann dies nicht so einfach und fing an, Satellitenbilder zu analysieren, bis er etwas bemerkenswertes fand. Wolfgang Schmidt säte die für Wissenschaftler so wichtigen Zweifel einmal neu.

     

    Fazit, Dank und Ausblick:

    2019 war ein sehr interessantes Jahr in der Kryptozoologie. Nicht nur die großen Themen wie Sasquatch, Loch Ness und sogar der Beutelwolf standen im Focus. Auch viele weniger bedeutenden Kryptiden schenkten wir Aufmerksamkeit. In einigen Fällen wurden sie erst ins mediale Gedächtnis geschoben, wie der Basajaun, der bei uns in der letzten Woche zum ersten Mal auftauchte. Zahlreiche interessante, aber nicht-kryptozoologische Tiere rundeten die Meldungen ab. Wir freuen uns, euch, liebe Leserinnen und Leser, durch das Jahr begleitet zu haben und in regelmäßigen Abständen etwas Neues geboten zu haben.

    Genauso geht der Dank an unsere Autoren Ulrich Magin, Markus Bühler, Peter Ehret, André Kramer, Hans-Jörg Vogel, Reena Pöschel, Dominic Schindler und an meine Redaktionskollegin Suzan Reinert. Ebenso danke ich denjenigen, die mich direkt oder über die Mailingliste auf neue Themen hingewiesen haben.

    Ausblick

    2019 war als Jahr der Erprobung geplant, nach einigen Versuchen haben wir ab August ein recht stabiles Modell gefunden, das Ihr – den Besucherzahlen zufolge – gerne angenommen habt. Für 2020 planen wir, die zeitintensiven technischen Probleme im Hintergrund anzugehen. Die Zeit können wir dann für Neuerungen nutzen.

    Eine Bitte haben wir an euch, liebe Leserinnen und Leser: Die Website machen wir für euch. Gebt uns Rückmeldung, wenn euch etwas nicht gefällt oder auch, wenn‘s euch gefällt. Sagt weiter, wenn etwas gut ist, postet es in den sozialen Medien. Wenn Ihr Interesse an einem Thema habt, fragt nach, ob wir es behandeln können. Oder forscht selber nach und schreibt uns den Artikel: Autoren können wir immer brauchen!


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  • An einem Tag wie heute – vor 66 Millionen Jahren

    von: Tobias Möser

     

    Seit Tagen ist die Welt nicht mehr so, wie sie sein sollte. In der Nacht ist ein kleiner, aber heller Punkt im sichtbar. Wie ein Komet zieht er einen Schweif hinter sich her, doch dieser wird seit Tagen kürzer und scheint am Abend in eine andere Richtung zu deuten, als vor Sonnenaufgang. Doch dies beunruhigt die Dinosaurier auf der Erde nicht. Selbst wenn sie es bemerken würden, würden sie nicht verstehen, was das aussagt.

    Chancen für die Räuber

    Beunruhigender sind andere Dinge. Der Komet ist mittlerweile so hell, dass viele Tiere in der Nacht halbwegs sehen können. Die Theropoden nutzen das aus, sie haben ihre Angriffe schnell auf die Nacht verlegt. Die Pflanzenfresser kommen nicht mehr zur Ruhe, ihre Warn- und Sammelrufe hallen ständig durch die Wälder. Aber die Jäger haben Vorteile. Trotz der besseren Sicht ist ihre Tarnung im Licht- und Schattenspiel der permanenten Dämmerung besser als am Tag. Sie sehen mehr als vorher, aber lange nicht alles. Das ist ihr strategischer Vorteil: sie müssen nur einen Pflanzenfresser von vielen finden, die Pflanzenfresser müssen aber jeden Räuber erkennen. Die hellen Nächte sind die Zeit der Räuber.

    Nachthimmel
    Wirkte der Bolide am Nachthimmel anfangs so? Zwei Schweife, die in unterschiedliche Richtungen zeigen, sind bei Kometen häufig

    Sauropode in der Nacht
    Die Sauropoden sind, wie nahezu alle Dinosaurier tagaktiv und können nachts nicht gut sehen

    Ein flacher, stachelbewehrter und stark gepanzerter Dinosaurier
    Doch jetzt sind die Räuber auch nachts unterwegs, daher sind die Ankylosaurier noch ungenießbarer

    zwei zweibeinige Dinosaurier in der Nacht
    Auch diese Hadrosaurier sehen kaum etwas und finden keine Ruhe. Sie flüchten bei jeder Beunruhigung unkontrolliert

    Drei kleine Flrischfresser greifen ein größeres Tier an
    Zu Recht, denn die Jäger haben nachts noch mehr Erfolg als tagsüber

    Tyrannosaurus frisst an einem Kadaver
    Und sogar die großen Tyrannosaurier haben machen jetzt nachts Beute.

    Für sie hat sich die Welt verbessert, wären da nicht die Sternschnuppen und sogar Meteore, die immer wieder kleinere und größere Lichtstreifen über den Himmel ziehen. Immer häufiger wirken sie sich auf der Erde aus. Feuerstreif, Überschallknall und schon rennen die sowieso bereits übernervösen Pflanzenfresser in heller Panik davon. Jeder noch so gut gelegte Hinterhalt ist dahin.

    Die Apokalypse?

    Der Tag versprach, noch schlimmer zu werden. Noch mehr Meteoriten, als in den letzten Tagen jagten über den Himmel, längst war „der Große“ auch am Tage zu sehen, doch nun schien er auch noch Hitze auszustrahlen. Die folgenden Ereignisse kann kein Augenzeuge überlebt haben: Als der etwa 10 km große Hauptkörper des Meteoriten in 100 km Höhe in die Atmosphäre eintrat, wurde er zunächst nur langsam vom Luftwiderstand abgebremst. Zwischen drei und zehn Sekunden brauchte der Brocken aus iridiumhaltigem Gestein und gefrorenen Gasen, um die Atmosphäre zu durchqueren und im Flachmeer des heutigen Golfes von Mexiko einzuschlagen.

    Komet mit langem, breiten Schweif am Abendhimmel
    Ähnlich wie der Koment McNaught 2006 könnte auch der KP-Bolide kurz vor dem Impakt ausgesehen haben. (Foto: Europäische Südsternwarte)

    Der Bolide erreicht tiefere Zonen der Erdatmosphäre
    Frühe Phase des Impaktes. Der etwa 10 km große Kern des Hauptkörpers trifft auf die Atmosphäre und fängt an, durch die Reibungshitze zu verdampfen.

    Hierbei wurde seine Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt, der gesamte Meteor verdampfte. Natürlich führte das zu einer gewaltigen Explosion, deren Druckwelle um den ganzen Erdball lief. Das Meerwasser verdampfte schlagartig, die eingeschlossenen Gase wurden frei, die Einschlagenergie war so gewaltig, dass das Grundgestein aufschmolz und vom verdunstenden Wasser in die Höhe gerissen wurde. Eine oder mehrere Erdbebenwellen der Stärke 11 oder 12 liefen durch die Erdkruste in alle Richtungen.

    Der Einschlag verdrängte aber auch große Mengen Wasser, die nicht vollständig verdampften. Diese Massen wurden zum ersten Tsunami, der sich ringförmig mit dreifacher Schallgeschwindigkeit vom Impakt entfernte. Kaum flossen die ersten Wellen zurück, sorgte die ungeheure Menge von aufgeworfenem und herabfallendem Gestein für eine zweite Flutwelle, die der ersten folgte und sich teilweise mit ihr vereinte.

    Der erste Killer: Der Einschlag

    So gewaltig der Einschlag auch war, er war der erste, aber nur regionale Killer. Neben den unzähligen Gesteinsbomben von Sandkorn bis Felsgröße töte er vor allem durch die ungeheure Hitze. Wasser verdunstete mehr oder weniger schlagartig, Heißdampf verbrühte alles Leben, Wälder verdorrten schneller, als sie sich entzünden konnten. Die dabei entstehende Thermik sorgte für lokale Stürme, die alle Feuer anfachten – bis die Druckwelle kam.

    Doch der Einschlag hatte noch weitere, längerfristige Folgen. Das Material, aus dem der Bolide bestand, ist verdunstet und befindet sich in der Atmosphäre, zunächst als Gas, dann als Staub. Der Boden, den der Meteorit traf, bestand aus sulfat- und kohlenwasserstoffreichem Kalkstein. Kalkstein zerlegt sich bei Hitze, hierbei wird unter anderen Kohlendioxid frei. Dieses Kohlendioxid verblieb zunächst in der Atmosphäre und begann, für einen Treibhauseffekt zu sorgen. Das Sulfat gelangte als Schwefeldioxid ebenfalls in die Atmosphäre, während die Kohlenwasserstoffe zu Ruß und Kohlendioxid verbrannten. Zusammen mit dem iridiumhaltigen Staub schatten Ruß und Schwefeldioxid die Erde ab, was nach einigen Tagen zu einem rapiden Temperaturabfall und schließlich zu einem Impaktwinter führte.

    Der zweite Killer: Die Druckwelle

    Die überschallschnelle Druckwelle raste durch die Atmosphäre. Sie war der zweite Killer. Bäume wurden entwurzelt und davon geweht, Äste, Geröll, ja sogar Sand und Blätter wurden zu tödlichen Geschossen. Die Winde erreichten alles, was nicht zufällig im Windschatten sehr solider Felsen lag, und dort bestand die Gefahr, von schwereren mitgerissenen Körpern erschlagen oder von Sand und Kies bedeckt zu werden. Wer nicht in Höhlen Schutz suchen konnte, war verloren.

    Weltkarte mit den Kontinenten am Ende der Kreidezeit
    Karte der Erde vor etwa 69,4 Millionen Jahren. Rot markiert der Chixulub-Krater, Gelb der Réunion-Plume, der die Dekkan-Trapps ausspieh

    Schwarzweißbild mit unzähligen in eine Richtung umgeworfenen Baumstämmen
    Das Tunguska-Ereignis 1927 hat „nur“ große Waldflächen in Mitleidenschaft gezogen. So etwas ist am besagten Tag auch passiert.

    Zunächst löschte die Druckwelle die Feuer, wie wenn man eine Kerze oder ein Streichholz ausbläst. Aber das Brennmaterial kühlte in der Impakthitze nicht ab, so brachen die Feuer schnell wieder aus. Meteoriten und geschmolzenes Gestein aus dem Impakt fachten weitere Brände an. Gewaltige Brände, die in den folgenden Stürmen genug Sauerstoff bekamen, um zu verheeren. Ein Feuersturm zog über den Südosten Nordamerikas und das heutige Mexiko hinweg. Aber nicht lange.

    Der dritte Killer: Die Erdbeben

    Ebenso schnell wie die Druckwelle begann sich ein Erdbeben vom Einschlagkrater weg zu bewegen. Anders als die Luft wurde es nicht verlangsamt, sondern bewegte sich mit Schallgeschwindigkeit durch Erdkruste und Erdmantel. Die ursprüngliche Stufe 11 oder 12 wird es nicht an jedem Ort erreicht haben, aber nahezu überall wird es schwere Schäden angerichtet haben. Lose Flanken an Bergen lösten sich und fielen als Lawinen zu Boden, sie werden auch lokal erste Tsunamis ausgelöst haben. Schwemmlandböden wurden kurzzeitig weich, Lockergesteine zerfielen, so dass Dünen und Flussterrassen einbrachen. So wurden die Erdbeben zu den dritten Killern, Killern mit Langzeiteffekt:

    Einbrechende Flussterrassen oder Berghänge haben Flüsse kurz oder lang aufgestaut. Stauseen sind entstanden, die sich bald mit ausgerissenen Bäumen füllten. Diese Biomasse war zu viel für die Seen, viele von ihnen kippten um. Gleichzeitig wurden durch die Beben ungeheure Mengen Sedimente mobilisiert. Sie trübten Bach- und Flussläufe und gelangten früher oder später ins Meer.

    blaues Wasser mit einem abgestorbenen Baum
    Der saure Regen und die ungeheuren Mengen Biomasse lassen die Gewässer umkippen

    Schäumender Gebirgsfluss
    Erdbeben lassen Seen ablaufen und stauen Flußläufe auf. Die Landschaft verändert sich

    Die Erdbebenwellen erreichten aber noch weitere Zerstörungen. Durch die starken Beben lösten sich lokale Verspannungen der Kontinentalplatten. Das führte zu weiteren Nachbeben, oft noch Tage oder Wochen später. Hierdurch verschoben sich auch Vulkanschlote unter den bisher abdichtenden Kratern. Insgesamt stieg die vulkanische Aktivität an.

    Am dem Einschlag entgegengesetzten Teil der Erde trafen sich die Schockwellen und addierten sich. Dieser Punkt liegt im Indischen Ozean, etwa dort, wo sich heute der Reunion-Plume befindet. Vor 66 Millionen Jahren lag die Landmasse des Indischen Subkontinentes über diesem vulkanischen Hotspot. So kam es zu den Ausbrüchen, aus denen die Dekkan-Trapps entstanden, bis zu 2000 m mächtige Schichten aus Basalt, die sich ursprünglich über mehr als 1,5 Millionen Quadratkilometer erstreckten. Sie entstanden in einem Zeitraum zwischen 500.000 und 9 Millionen Jahren. Vermutlich war der Einschlag des Meteoriten am besagten Tag Auslöser für die vulkanische Aktivitäten.

    Der vierte Killer: Flutwellen

    Luftdruckwelle, Erdbeben und die daraus resultierenden Bergstürze werden lokale, vielleicht regionale Tsunamis ausgelöst haben, doch der größte Tsunami war bereits unterwegs. Während am heutigen Golf immer noch Gestein vom Himmel regnete und sich im Laufe eines Tages zu einem Kraterring von 130 m Höhe auftürmte, rasten Wassermassen als vierter Killer den Kontinenten entgegen. Das erste Land, das sie erreichten, war das flache Schwemmland im heutigen südlichen und mittleren Westen der USA. Er rollte weiter durch den nach Süden offenen Western Interior Seaway, erreichte die Molassegebiete am Fuße der Rocky Mountains und wälzte sich weit auf den Kontinent, bis ins heutige Illinois. Der Tsunami begrub alles unter sich, brennende Wälder, frisch zerrüttete Schwemmländer – und Dinosaurier. Die sich zurückziehenden Wassermassen spülten die verbrannte Vegetation ins Meer. Zurück blieb ein völlig verwüstetes Land, über das möglicherweise noch weitere Tsunamis hereinbrachen.

    Doch nur eine regionale Katastrophe?

    In schwächerer Form erreichten die Tsunamis auch Südamerika, Nordwest-Afrika und Europa. Auch hier richteten sie großflächige Verwüstungen an. Dennoch war die Zerstörung bei weitem nicht so verheerend wie in Nordamerika. Kleinere Meteoriten werden auch hier eingeschlagen sein, was zu lokalen Bränden geführt hat. Und nicht zu vergessen: Erdbeben der Stärke 10 bis 12 sind gewaltige Killer, selbst wenn man nicht in Gebäuden lebt.

    Zwei Männer mit Pferden in hüfttiefem Schlamm und Staub
    So heftig die Schäden am Mt. St. Helens 1980 auch waren, bald begann die Natur, die Verwüstung zurück zu erobern. (Foto: US Geological Service)

    der ausgebrochene Mount St. Helens ohne Spitze und der davor liegende Spirit Lake voller Baumstämme
    Seen sind voller Baumstämme und Schlamm, oft ist der Abfluss blockiert, bis…. (Foto: US Forest Service)

    Durch die Druckwelle und die Erdbeben hatte sich die Landschaft in wenigen Minuten gewaltig verändert. Viele, vor allem die großen Tiere werden diesen Kräften direkt zum Opfer gefallen sein, kleinere sollten erst später ernsthafte Probleme bekommen. Generell ist aber nichts passiert, was die Natur nicht hätte wegstecken können.

    Der Overkill erfolgt durch Vulkane

    Doch da waren ja noch die Vulkane. Sie stießen gewaltige Mengen schwefelhaltige Verbindungen aus. Diese reflektieren das Sonnenlicht und führten zu einer Abkühlung des Klimas. Damals, so schätzen Wissenschaftler, wurden über 300 Milliarden Tonnen Material in die Atmosphäre gepumpt, durch den Impakt, die Feuer und Vulkanismus. Die globale Temperatur sinkt nach dem Hitzepeak des direkten Einschlages um sagenhafte 26°C. Zum ersten Mal seit mindestens 100 Millionen Jahren sinkt die globale Durchschnittstemperatur unter den Gefrierpunkt.

    Ausbruch eines Vulkanes mit glühender Lava und dunklen Aschewolken
    Dünnflüssige Lava wie die der Dekkan-Trapps tritt heute auf Hawaii zutage, doch in Indien waren es mehrere Jahrmillionen.

    Grünes Farn zwischen Lava-Gestein
    Das Leben findet seinen Weg, auch die Lavafelder der Dekkan-Trapps wurden schnell besiedelt

    Anders als der Krakatau, dessen Ausbruch nur fünf Tage dauert, spien die Vulkane der Dekkan-Trapps viele hunderttausend Jahre basaltige Lava. So wurde über sehr lange Zeit das Sonnenlicht gefiltert, die Temperatur der Erde sank. Pflanzen fehlten Wärme und Licht zum Wachsen, denn der Impakt und die Vulkane verschoben die Klimazonen zum Äquator. Wo es vor wenigen Tagen noch subtropisch war, herrschte nun kaltgemäßigtes Klima, wo es kaltgemäßigt war, drohten nun subpolare Bedingungen. Dies war das Ende für viele Nahrungsketten an Land: die kleineren Tiere fanden nichts zu fressen, nachdem die Kadaver der Großtiere aufgebraucht waren.

    Die Nahrungsketten im Süßwasser wurden auf ähnliche Weise unterbrochen. Sie bekamen zusätzlich noch die neue, starke Sedimentfracht zu spüren: Bodenlebewesen wurden zugedeckt, Laich von Fischen und Amphibien konnte sich nicht entwickeln. Wasserpflanzen und Algen hatten nicht genug Licht, das erste Mal seit mehreren Millionen Jahren froren die Gewässer außerhalb der Antarktis zu. Dazu kam eine Überfrachtung mit Nährstoffen aus toten Tieren und Pflanzen. Viele Gebirgsflüsse werden aufgestaut worden sein, überall dort, wo Wasser stagniert, reichte der Sauerstoff nicht mehr aus, um die Nährstoffe oxidativ abzubauen, die Gewässer kippten um. Fische erstickten, Landtiere starben am vergifteten Wasser.

    Der Regen als Vollstrecker

    Durch den Impakt verdunsteten enorme Mengen Wasser. Sie verteilten sich schnell in der aufgeheizten Atmosphäre, aber fielen genauso schnell als Regen wieder herunter, sobald sich die Atmosphäre abkühlte.

    Dabei vollstreckten sie, was die anderen Reiter der Apokalypse begonnen hatten. Sie wuschen Staub aus der Luft, der als Schlamm in allen Gewässern landete. Was für Landtiere nur lästig war, wurde im Wasser zum ernsten Problem. Die Wasserkörper trübten sich ein, das sowieso schon schwache Sonnenlicht drang nicht mehr zu den Wasserpflanzen, planktonischen Algen und nicht zuletzt zu den Korallen durch, sie begannen, abzusterben.

    Schlammiges Ufer mit abgestorbenen Baumstümpfen
    Schlamm, wohin das Auge blickt. Die Korallenriffe sind unter diesem Leichentuch begraben

    Lehmiger Fluss
    Der Regen nimmt den Staub und die Asche vom Land, gräbt Rinnsale und trägt sie in die Flüsse

    Auf dem Land fehlte die Vegetation, die den Humus fixiert, fehlte. So konnte Regen große Mengen davon ausspülen. Flüsse brachten ihn ins Meer, wo sich die feinen Humuspartikel mit der Strömung verteilten. Sie deckten sich wie ein Leichentuch über sterbende Korallenriffe und Seegraswiesen.

    Aber selbst diese apokalyptischen Zustände sind noch zu toppen. Und wieder ist es der Regen, diesmal gemeinsam mit den Vulkanen, der es vollbringt. In der Atmosphäre reagieren Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Schwefeltrioxid mit der Luftfeuchtigkeit. Es entsteht genau das, was schon in den 1980er Jahren ein großes Umweltthema war: saurer Regen. Nicht ein bisschen, von ein paar tausend Tonnen Braunkohle, sondern weltweit und von vielen Millionen Tonnen vulkanischem Auswurfmaterial. Über mindestens 500.000 Jahre. Böden laugten aus, Pflanzen wurden verätzt und die Meere versauerten.

    Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes im Meer

    Der saure Regen wird es am Ende gewesen sein: Mindestens 90% des Planktons verschwand, insbesondere Arten mit Kalkschalen. Auf dem Plankton bauen nahezu alle marinen Organismen ihre Nahrungsgrundlage auf. Fehlt es, verhungern die Planktonfresser, die kleinen Raubfische haben nichts zu fressen und die größeren Tiere schwimmen nur noch suchend durch die Meere. Der Zusammenbruch dauerte vermutlich einige tausend Jahre länger als an Land, war aber mindestens genauso nachhaltig.

    Das Ende der Dinosaurier

    Der Impakt hat regional, vor allem in Nord- und Mittelamerika, Teilen von Südamerika und Afrika sofort nahezu alles an Leben zerstört. Hier hat kaum ein Dinosaurier den Einschlag überlebt, und wenn doch, wird er kurze Zeit später verhungert sein.

    In Europa, Teilen Afrikas, Südamerikas, Asiens, in Australien und auf der Indischen Insel wird es anders gewesen sein. Der Impakt hat große Opfer gefordert, möglicherweise sind ganze Tierarten direkt durch ihn ausgestorben. Aber er hat nicht so verheert wie in den Amerikas. Ohne die Vulkanausbrüche mag es 5.000 bis 10.000 Jahre gedauert haben, bis sich die Natur von den Impaktschäden erholt hat. Viele, vor allem große Tierarten wären ausgestorben, aber kleinere Arten, auch Dinosaurier hätten überlebt. Dass sie das Potenzial hatten, wieder zu Riesen heranzuwachsen, hatten sie mehrfach bewiesen.

    Doch die fehlende Wärme und das fehlende Licht bringen die Land-Ökosysteme zum Zusammenbruch. Vielleicht hat es noch eine Generation Dinosaurier geschafft, sich fortzupflanzen. Wenn, dann war vermutlich die Gegend, in der heute Pakistan liegt, die letzte Bastion. Bis hier hatten sich die Folgen des Impaktes nur sehr abgeschwächt zu spüren bekommen, die Vulkanwolken wurden vom tropischen Windsystem zunächst vermutlich auf der Südhalbkugel gehalten und die Sonne sorgte noch für angenehme Temperaturen. Vermutlich waren es kleine bis mittelgroße Tiere, die sowohl von Aas wie von kleinen Tieren leben konnten. Sie fanden anfangs Nahrung, ihre Feinde waren größtenteils verschwunden, wenn sich Paare gefunden haben, werden sie sich vermehrt haben – bis ihnen die Nahrung ausging.

    Wie starb der letzte Dinosaurier?

    Im Zwielicht des Tages stapft er durch den Matsch. Einzelne Büschel Farn, vielleicht auch Gras sind gewachsen, sie reichen bei Weitem nicht, um den Boden zu bedecken. Eiskristalle knirschen unter seinen Füßen, deren Haut ist aufgeweicht, zerschnitten, entzündet. So sehr, dass er kaum auftreten kann. Seine Federn sind zur Unkenntlichkeit verschlissen, die Augen trüb und gelb verkrustet. So richtig kann er nicht mehr hören und die Knie machen auch nicht mehr das, was er will. Er ist weit gewandert, in der Hoffnung, hier Wasser zu finden – Wasser und vielleicht einen toten Fisch, eine Eidechse oder sogar ein leckeres Ei eines größeren Tieres.

    Doch außer altem Holz wittert er nicht viel. Bevor er sich ran macht, mit den Krallen einen der morschen Stämme aufzukratzen, um wenigstens ein paar Käferlarven zu finden, möchte er einen Schluck Wasser trinken. Danach geht es im sicher besser. Am Ufer angekommen beugt er sich vor, legt den Unterkiefer ins Wasser, wie er es immer getan hat. Doch diesmal versagen die Knie den Dienst, der letzte Dinosaurier kippt auf die Seite. Noch einmal durchatmen…

    Ein Ammoniten-Schlachtfeld
    Am Strand wurden massenhaft tote Ammoniten angeschwemmt,

    Ein frühes Säugetier beobachtet den letzten Dinosaurier
    Starb der letzte Dinosaurier, ohne wirklich gelebt zu haben?

    Oder war es weniger dramatisch?

    Schon tagsüber war das Piepsen zwischen den Eiern im Sand zu hören, dem letzten Nest eines Dinosauriers. Von zehn Eiern hat sich in der vergifteten Atmosphäre nur eines entwickelt. Doch wider Erwarten konnte das Tier schlüpfen. Eine kleine Schnauze durchbricht bei Sonnenuntergang die Eierschale, wenige Minuten später schaut der Kopf aus dem Ei. Er erblickt den Sand um sich herum und ein paar dürre Ästchen, die sich nach dem fahlen Licht einer staubigen Sonne recken. Eine Mutter hat das Junge nicht mehr, sie ist vor Tagen gestorben.
    Selbst wenn das Küken gesund wäre, ist das Verlassen der Eierschale ohne die Hilfe der Mutter ein schwieriger Akt. Aber es ist nicht gesund, Arme und Beine sind verkrüppelt, die Knochen verkrümmt und zu weich. Die Eierschale zu zerbrechen und einige Schritte zu laufen, so dass sich der schwarzgrüne Schwanz entfalten kann, hat seine ganze Energie verbraucht. Wie zusammengebrochen liegt es im Nest. Vorsichtig nähert sich ein braun-weiß gezeichnetes, haariges Tier. Sein Instinkt sagt dem Küken, dass es jetzt piepsen soll. Der Instinkt trügt…

    Kaum wurde es kalt, wurde es auch schon wieder warm

    In der Wissenschaft herrscht Uneinigkeit, wie lange die Kältephase dauerte. Einig sind die Forscher, dass an ihrem Ende eine rapide Erwärmung der Erde stattfand. Das Kohlendioxid aus dem Impakt und vulkanisches Kohlendioxid aus den Dekkan-Trapps sorgten für ein Treibhausklima, so dass die Temperaturen von vor dem Impakt für etwa 50.000 Jahre sogar übertroffen wurden. Welchen Einfluss das auf das Massenaussterben hatte, wird kontrovers diskutiert.

    Sind alle Dinosaurier ausgestorben?

    Natürlich sind nicht alle Dinosaurier ausgestorben. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass sie in Form der Vögel weiter existieren. Doch die Nicht-Vogeldinosaurier haben dieses Inferno vor 66,04 Millionen Jahren nicht überlebt. Ob sie nun direkt beim Impakt oder einige Jahre später gestorben sind, spielt erdgeschichtlich keine Rolle.

    Mit den großartigsten Tieren aller Zeiten starben auch alle Meeresreptilien bis auf die Wasserschildkröten. Die Ammoniten wurden vom Antlitz des Planeten gefegt, ebenso verschwanden viele andere kalkschalige Meerestiere. Was kaum jemand weiß: auch die Vögel mussten Federn lassen. Alle archaischen Gruppen, z.B. Enantiornithes, Ichthyornithes, Hesperornithes sind ausgestorben, nur die „modernen“ Vögel der Neornithes überlebten den Impakt.

    Sonnenuntergang hinter einem Wald mit einem fliegenden Schwarm Vögel
    Vögel sind die Nachkommen der Dinosaurier, aber auch sie mussten Federn lassen

    Sitzender Emu mit goldenen Augen
    … wer weiß, wieviel Dinosaurier noch im Blick dieses Emu steckt?

    Insgesamt nimmt man heute an, dass die Detritus-Fresser, die am unteren Rand des Nahrungsnetzes stehen, eine Schlüsselfunktion beim Überleben nach der Impakt-Katastrophe hatten. Detritus ist in großer Menge angefallen, wie ja auch oben mehrfach geschildert. Wer von Detritus lebte, hatte eine gute Chance, zu überleben. Genauso wie kleinere Generalisten, während spezialisierte Fleisch- oder Pflanzenfresser unter den Säugern ausstarben. Eidechsen und Schlangen wurden hart getroffen, Krokodile schienen den Impakt vergleichsweise gut weggesteckt zu haben. Kein Landtier mit mehr als 15 bis 25 kg überstand die Krise, hier darf spekuliert werden, ob Trinkwasser die limitierende Ressource war.
    Süßwasserbiotope waren wohl ein vergleichsweise sicherer Lebensraum, denn hier sind „nur“ 50% der Arten verschwunden.

    Letztlich verursachte der Impakt, der als Chicxulub-Einschlag bekannt wurde, eines der einschneidendsten Massenaussterben der Erdgeschichte. Ob es der einzige Grund war, dass Säugetiere die „Herrschaft“ von den Dinosauriern übernehmen konnten, ist unklar. Vermutlich wäre mit einer langsameren, über Jahrmillionen laufenden „Übergabe“ zu rechnen gewesen. Möglicherweise gäbe es Nichtvogel-Dinosaurier sogar heute noch.

    Eine Bisonherde mit Jungtieren
    Hätten sich die Säugetiere durchsetzen können, ohne die Konkurrenz der Dinosaurier?

    Rekonstruktion eines großen Fleischfressers vor Hochhäusern
    Wer weiß, vielleicht ist es doch besser, dass sie ausgestorben sind?

    Sind die Dinos wirklich ausgestorben?

    Graphic Design zum KongressOder haben einzelne Dinosaurier doch bis heute überlebt? Auf der Vortragsreihe „Auf der Suche nach Mokele Mbembe“ am 12. Oktober diskutieren wir das mit drei internationalen Referenten die Frage, ob es im Kongo-Raum noch überlebende Dinosaurier gibt.

    Immer wieder gibt es entsprechende Beobachtungen, auch einige Pygmäenvölker berichten von unheimlichen Riesentieren, die sogar Elefanten töten.

    12. Oktober 2019 im Galileo-Park in Lennestadt-Meggen im Sauerland. Noch gibt es Restkarten!


    Literatur:

    Gulik et al. (2019): The first day of the Cenozoic; https://www.pnas.org/content/early/2019/09/04/1909479116

    Robertson et al. (2004): Survival in the first hour of the Cenozoic; https://doi.org/10.1130/B25402.1

    Robertson et al. (2013): K‐Pg extinction: Reevaluation of the heat‐fire hypothesis; https://doi.org/10.1002/jgrg.20018

    Brugger et al. (2016): Baby, it’s cold outside: Climate model simulations of the effects of the asteroid impact at the end of the Cretaceous; https://doi.org/10.1002/2016GL072241

    Longrich et al. (2011): Mass extinction of birds at the Cretaceous–Paleogene (K–Pg) boundary; https://doi.org/10.1073/pnas.1110395108

    Europäische Südsternwarte mit dem Foto des Kometen McNaught


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  • Heute vor 175 Jahren: das letzte Ei eines Riesenalkes wurde – zertreten

    Das Aussterben von Tierarten ist eine schlechte Nachricht fürs ökologische Netz. Dennoch registrieren wir es oft mit einem Kopfnicken und machen weiter, wie bisher. Doch anders als ein zerstörtes Kunstwerk oder eine abgebrannte Kathedrale ist eine Tierart nicht wieder herstellbar. Um so schlimmer, wenn sie im Wissen um ihre Verletzlichkeit ausgerottet wird.

    Gestatten: Pinguinus impennis, der Riesenalk

    Dermoplastik eines Riesenalkes
    Dermoplastik eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Der Riesenalk war etwa 70 bis 85 cm groß, deutlich größer als seine heute lebenden Verwandten. Wie bei den meisten Alken war sein Körper für das Schwimmen im Wasser optimiert: Die Beine sind extrem weit nach hinten gewandert, die Flügel waren kurz und taugten nicht zum Fliegen. Seine Oberseite war schwarz, die Bauchseite weiß, der Schnabel von mittlerer Länge, kräftig und ebenfalls schwarz. Bemerkenswert ist ein weißer Fleck auf der Stirn. Sie sahen einem mittelgroßen Pinguin recht ähnlich.
    So gewandt Riesenalken im Wasser gewesen sein müssen, dies erkauften sie mit nahezu vollständiger Hilflosigkeit an Land. Auch dies ist eine Parallele zu den Pinguinen.

    Riesenalke besiedelten einst vermutlich die Küstengewässer des gesamten Nordatlantiks. Knochenfunde kennt man aus den Neuengland-Staaten, Labrador, dem Westen Grönlands, Island, der gesamten Norwegischen Küste, den britischen Inseln, Dänemark, Holland und der Bretagne. Im Süden wurden sie seltener, aber es gibt auch Funde aus Florida, Italien, Südwesteuropa und Marokko. Vermutlich hielten sich die Vögel zum Brüten in den kalten Gewässern des Nordens auf. So konnten sie den Fischreichtum, aber auch die langen Tage im Sommer nutzen, um dann im Winter in wärmere Gefilde abzuwandern.
    Anders als die meisten Seevögel der Nordhalbkugel war der Riesenalk flugunfähig. Daher musste er seine Brut auf kleine, flache Inseln vor der Küste verlegen, die für Beutegreifer wie den Eisbären, aber auch Braunbären und Wölfe nicht erreichbar waren. Insgesamt sind nur 8 Brutkolonien sicher belegt, vermutlich gab es jedoch einige weitere, sehr kleine Tochterkolonien.

    Das Aussterben

    Die völlige Hilflosigkeit an Land, Riesenalke konnten nur langsam und unbeholfen laufen, ermöglichte es Vogelfängern, sie in Massen zu erlegen. Im 18. Jahrhundert begann dann die eigentliche Ausbeutung der Bestände: Menschen ließen sich auf den Brutinseln nieder, errichteten Trichter aus Steinwällen, die so hoch waren, dass die Alken nicht darüber sehen konnten. So war es möglich, die Tiere ähnlich wie beim Reusenfang in kleine Kammern zu treiben, sie dort zu sammeln und bei Bedarf zu „entnehmen“. Genutzt wurden zunächst die Daunen: die erschlagenen Vögel wurden blanchiert und gerupft, der Kadaver bildete den Brennstoff zum Erhitzen des Wassers.

    Bereits 1785 warnte der Händler und Abenteurer Kapitän George Cartwright vor dem Aussterben. Er hatte vermutlich die als erstes geplünderten Neufundländischen Populationen beobachtet. 1808 tauchte das letzte Mal ein Exemplar auf den Färöer-Inseln auf. 1830 existierte nur noch die Brutkolonie auf Geirfuglasker bei Island und eine winzige Tochterkolonie am Fuße der nahen Felseninsel Eldey. Als Geirfuglasker 1830 bei einem Vulkanausbruch völlig zerstört wurde, war die Art in finale Bedrängnis geraten.


    Lage von Eldey vor der Küste Islands

     

    Rolle der Vogelsammler und Museen

    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig
    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten war aus einem Vogel, der den gesamten Nordatlantik bewohnte eine extrem seltene Art geworden. Die Preise für Vogelbälge schossen in die Höhe, jeder Vogelsammler, der etwas auf sich hielt und jedes Museum „musste“ noch einen Balg bekommen, bevor die Art verschwunden war. An Schutz war nicht zu denken. Man ging landläufig davon aus, dass Gott keine seiner Schöpfungen aussterben ließe, auch wenn mahnende Stimmen etwas anderes, unbequemeres sagten (Das ist heute kaum anders!). Andererseits wäre ein Schutz-Gesetz auch nicht durchsetzbar gewesen. So wurden auf Eldey, dem letzten bekannten Brutplatz zwischen 1831 und 1844 noch eine zweistellige Zahl von Tieren erschlagen.
    Heute vor 175 Jahren, am Morgen des 3. Juni 1844 wurden die letzten beiden bekannten, brütenden Riesenalken von den Vogelsammlern Jón Brandsson und Sigurður Ísleifsson erwürgt. Das letzte Ei wurde aus unbekannten Gründen von Ketill Ketilson zertreten.

    Nachweise nach 1852

    Die letzte zuverlässig dokumentierte Sichtung eines Riesenalkes erfolgt 1852, seit dem gilt die Art als ausgestorben. Hierdurch bleiben zahlreiche Fragen zur Biologie der Vögel unbeantwortet. Unter anderem ist nicht bekannt, wie die überlieferte kurze Brutzeit und Nestzeit von nur 6 Wochen zur Aufzucht der Küken genutzt wurden. Nahmen sie die lange nicht ausgewachsenen und gemauserten Küken mit auf See? Wie ein Küken aussah, ist ebenfalls unbekannt. Der Natur fehlt der Riesenalk, er hinterlässt ein Loch im Netzwerk der Arten.

    Netzwerk-Mitglied Natale Guido Cincinnati hat eine große Zahl von Sichtungen nach 1852 zusammengetragen. Sein lesenswerter Artikel ist in einer der letzten Ausgaben des Kryptozoologie-Reportes erschienen. Er kann noch beim Thylacinus-Verlag bestellt werden.


  • Die Polizei Bochum meldet: der Luchs ist eingefangen – Folgemeldung

    Die Polizei Bochum und andere Polizeibehörden im Ruhrgebiet fahndeten nach einem Luchs – und der ist ihnen immer einen Schritt voraus. Kaum berichteten wir davon, wird er auch schon eingefangen. Nach Informationen von RP-online hatte ein ortsansässiger Jäger das Tier am vergangenen Samstagabend (11.05.2019) entdeckt. Seine Hunde haben den Luchs erschreckt, der daraufhin auf einem Baum geflüchtet sei – und so in der Falle saß. Die Mitarbeiter des „Hochwildparkes Granat“, wo der Luchs ausgebrochen war, konnten das Tier betäuben und mitnehmen. Holger Beckmann, Inhaber des Wildparkes, berichtete weiter, dass das Tier zunächst einmal in einer Quarantänestation in Rheine untergebracht worden sei. Es gehe ihm soweit gut, so die erste Diagnose.
    In den Hochwildpark Granat in Haltern am See kann er aber vermutlich nicht zurückkehren. Da Luchse Einzelgänger sind, können sie nur zusammen in einem Gehege gehalten werden, wenn sie von klein auf aneinander gewöhnt sind. Selbst bei Geschlechtsparnern sind tierhalterische Kunstgriffe notwendig. „Seine Artgenossen werden ihn nach der langen Abwesenheit in ihrem Gehege nicht mehr akzeptieren“, so Beckmann.

    Doch von Anfang an:

    Laut Pressemeldung der Polizei Bochum ist der Luchs im November 2018 aus dem „Hochwildpark Granat“ in Haltern am See „entwichen“. Unbekannte hatten dort ein Loch in den Zaun geschnitten. Daraufhin wurde der zweijährige Kater erst einmal lange Zeit nicht gesehen.

    Am 10. März 2019 fotografierten Zeugen den Luchs in den späten Abendstunden in Herne. Am 11. und 12. März wurde er in der Nähe gesichtet. Insbesondere diese Sichtungen wurden stark von den lokalen und regionalen Medien „betreut“, der Luchs wurde zu einer kleinen Berühmtheit – und tauchte wieder unter.

    Ende April wurde der Polizei gemeldet, dass der Luchs in Castrop-Rauxel unterwegs ist. Am 8. Mai meldete ein Anrufer der Polizei Bochum, dass er den Luchs in Bochum Werne beobachtet habe.

     

    Bisherige Sichtungsmeldungen: November 2018: hier ist er frei gekommen.
    2: Sodinger Straße, Herne
    3: Holper Heide, Herne
    4: Dorastraße, Herne
    5: Schloss Bladenhorst
    6: Limbeckstraße, Bochum

     

     

    Was macht man jetzt mit dem Luchs? Vielleicht wird er ein besonderes Tier!

    Luchsportrait, das Tier sieht nach rechts
    Portrait eines europäischen Luchses

    In Deutschland wurde der Luchs um 1850 vollständig ausgerottet. Erste Luchssichtungen gab es erst wieder um 1995 im Bayerischen Wald und in der Pfalz, wo Luchse aus Tschechien bzw. Frankreich einwanderten. Erste Versuche, die elegante Katze wieder heimisch zu machen, scheiterten: Tiere aus menschlicher Aufzucht konnten kaum jagen und nicht töten. Wie bei jeder Hauskatze ist der Jagdtrieb da, aber die Technik des Jagens und den Tötungsbiss lernen sie von ihrer Mutter. Bei Zootieren ist das nicht notwendig, dieses Wissen ist über die Nachzuchtgenerationen in menschlicher Obhut verloren gegangen.

     

    Wenn der Luchs seit November überlebt hat, hat er gelernt zu jagen. Das Beutespektrum der Luchse ist extrem groß und beginnt bei Mäusen und Ratten, geht über die im Ruhrgebiet stark vertretenen Füchse und Kaninchen bis zum Reh und Junghirsch. Auch Vögel und Fische fressen sie. Beute gibt es im mittlerweile recht grünen Pott also genug.
    Holger Beckmanns erster Eindruck scheint zu bestätigen, dass er in seiner neuen Freiheit nicht an Hunger gelitten hat.

    Hinzu kommt ein weiterer wesentlicher Punkt: Der Luchs hat ein halbes Jahr im Ruhrgebiet überlebt, er hat gelernt, mit Straßenverkehr und ständigen Störungen durch Menschen zurecht zu kommen. Sollte er genetisch „passen“, ist er ein wertvolles Tier für weitere Auswilderungsversuche. Mal sehen, ob der Hochwildpark Granat seinen Luchs für ein solches Projekt freigibt. Und für einen echten Ruhrpöttler, wie im letzten halben Jahr aus dem Luchs geworden ist, „da is dat Sauerland abba sowat von Erholungsgebiet, dat glaubse nich!“

     

    Links

    Meldung der RP-online

    Beitrag des WDR